Wie alles begann

Unsere ersten gemeinsamen Erfahrungen im Wohnmobil hatten wir 2016 während unserer Weltreise, nämlich in Australien. Fast 60 Tage und Nächte verbrachten wir in unserem gemieteten Camper, den wir rasch liebevoll Kermit tauften. Ein anderer Name hätte wegen Kermits Farbe wirklich nicht gepasst.

Camper in Australien.

Mit Kermit hatten wir viel Spaß

Unser Kermit Nummer 1 – Vanlife in Australien

Rasch gewöhnten wir uns an die Dimensionen des Fahrzeugs. Die VW-Bus Größe empfanden wir als gut. Sehr handlich zum Fahren, ausreichend Raum zum Leben. Mit Stehhöhe, Küche und zum Bett umbaubarer Sitzgruppe, jedoch ohne Toilette.

Natürlich verbrachten wir die Zeit draußen, wenn wir nicht gerade fuhren. Hatten wir uns erst an das Linksfahren gewöhnt, war alles easy. Bequeme Sitze, Automatik und zwischen den Sitzen eine große Ablage sorgten für Bequemlichkeit auf den langen Strecken. Eine kleine Küche mit Kühlschrank, Kocher und Spüle war ebenfalls dabei. Wir hatten viel zusätzlichen Stauraum auf zwei weiteren nicht genutzten Betten im Alkoven.

Kochfeld im gemieteten Camper.

Praktisches Kochfeld über dem Kühlschrank

Außerdem gab es riesig viel Platz unter der Sitzbank. Die Bank mussten wir für die Nacht umbauen, da das Bett oben zu eng und zu kurz für uns war. Das Umbauen war zwar einfach, aber nicht unbedingt ideal für uns, da Gina und ich unterschiedliche Schlafgewohnheiten haben. So war ich abends meist schon hundemüde, wenn wir endlich unser Bett machen konnten. Und Gina morgens noch unausgeschlafen, wenn ich schon längst auf war.

Schlafplatz im Camper.

Die Vorhänge machen richtig dunkel, wenn man sie rundum am Fenster befestigt

Das war in Australien kein Problem da wir abends bis spät draußen saßen und morgens schon wieder draußen.

Als waschechter Aussie war Kermit ein Schluckspecht. Der Kleine genehmigte sich im Schnitt um die 12 Liter Benzin (kein Diesel) auf 100 Kilometer. Die epischen Landschaften gepaart mit meist sonnigem, warmem Wetter waren ideal, um uns in Hochstimmung zu bringen. Mit dieser Reiseform erlebten wir maximale Flexibilität und Freiheit, die wir auf der Tour genossen.

So kam uns während der Reise schon mal der Gedanke, auch hier in Deutschland irgendwann mal einen Camper zu besitzen, mit dem wir spontan verreisen können.

Kermit Nummer 2 – Vanlife in Neuseeland

In Neuseeland sah die Situation dann etwas anders aus.

Das kühle und regnerische Wetter ließ unseren Kermit 2, der das gleiche Auto wie in Australien war, kleiner wirken. Wir hatten öfters schlechtes Wetter, und dann wurde es in Kermit schnell ungemütlich. Wenig Platz und keine Standheizung. Schlechte Laune.

Immerhin hatte Kermit ein kleines Klo an Bord, welches wir aber zur Benutzung etwas umständlich aus seiner Halterung herausholen mussten. Und Platz zur ungestörten Verrichtung gab es auch nicht. Den mitgemieteten Heizlüfter konnten wir immerhin an die Steckdose am Campingplatz anschließen.

Die Idee von einem eigenen Camper hatten wir schnell wieder verworfen. In Deutschland empfanden wir die Campingplätze als voll und spießig. Der Autoverkehr ist deutlich dichter als in Australien oder Neuseeland. Außerdem kannten wir das Freistehen noch nicht.

Unser Corona-Kind: Campervan Balu

Und dann kam Corona.

Wir wollten Ende 2020 Ginas Cousine in Thailand besuchen. Dafür hatte ich geplant, Urlaub bis Ende des Jahres aufzusparen und neuen Urlaub 2021 hinten dranzuhängen. Also richtig schön lange unterwegs sein.

Naja, zum Glück hatten wir noch nichts gebucht, als die ganzen Pläne durch Corona zunichte gemacht wurden. Stattdessen verbrachten wir viel Zeit, Reisedokus im Fernsehen oder online zu schauen. Ob mit Rucksack durch die Welt, mit dem Fahrrad, dem Boot oder dem eigenen Auto. Wir schauten uns häufig die unterschiedlichsten Reisen an.

Da waren auch die coolen Typen zu sehen, die mit ihren selbst ausgebauten Vans die Seidenstraße, Wüsten, Küsten oder andere Sehnsuchtsorte bereisten. Mit jeder Doku wurde unser Wunsch größer, so eine Reise selbst zu machen.

Im eigenen Fahrzeug können wir uns nicht so leicht mit Viren anstecken und wir können auch die etwas entlegeneren Orte besuchen.

Auf den Wunsch folgte nicht lange danach die Planung. Wir erinnerten uns an die schöne Zeit in Australien und auch an die weniger schöne Zeit in Neuseeland.

Für unseren Camper wollten wir auf jeden Fall eine eigene Toilette und eine Standheizung. Dusche? Muss nicht sein, kann aber. Die Sitzecke zum Bett umbauen wie in Kermit wollten wir auch nicht. Alles soll reinpassen, mit Stehhöhe und Platz für uns zwei, gerne auch Platz für Besuch.

Andererseits sollte der Camper nicht zu groß werden, wegen Maut und Fährkosten. Und wir wollten gerne einige Zeit autark sein, also unabhängig von Wasser oder Strom. Wir kochen gerne, aber die Standardküchen in den preislich erschwinglichen Wohnmobilen sind eher klein und niedrig.

Also selbst bauen. Mit Corona hatten wir ja die Zeit. Schnell einigten wir uns auf die Suche nach einem Kastenwagen.

Wir bauen einen Kastenwagen zum Camper aus

Nach dem Motto „jetzt oder nie“ und dem Wissen, sich beim Reisen auch auf engem Raum nicht zu sehr auf die Nerven zu gehen, fingen wir an ein geeignetes Gefährt zu suchen. Das hat zum Glück nur wenige Wochen gedauert. Wir haben uns ungefähr drei Fahrzeuge vor Balu angeschaut, die meist in keinem guten Zustand waren.

Als wir aufgrund der Anzeige im Internet auf dem Weg zur Besichtigung von Balu waren, war ich irgendwie fest davon überzeugt, dass dieses Auto unsers wird.

Inzwischen sind zwei Jahre vergangen, wir haben Balu fast fertig ausgebaut und waren mit ihm schon einige Male über jeweils drei Wochen unterwegs. Immer hat es uns in den Süden gezogen, ob nach Kroatien, Sizilien oder Sardinien. Zwischendurch sind wir hier in Deutschland auch einige Male übers Wochenende weggefahren.

Gemütlicher Campingplatz für uns und unseren Kastenwagen.

Gemütlicher Campingplatz mit Balu

Balu ist perfekt für uns

Vorweggenommen: Wir lieben das Leben und das Reisen in Balu. Für uns ist er tatsächlich so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau.

Er ist mit seinen sechs Metern Länge einfach zu fahren, die Unterhaltskosten halten sich in Grenzen.

Wir kochen gerne in Balu, da wir unsere Küche auf unsere Bedürfnisse angepasst haben. Dusche und Toilette sind an Bord und wir müssen abends unser Bett nicht extra fürs Schlafen umbauen.

Ordentlich Liegefläche im Kastenwagen

Urgemütliche Schlafhöhle

An kälteren Tagen oder Nächten nutzen wir unsere Standheizung. Und da wir gerne ins Warme fahren, fällt auch der begrenzte Platz in Balu nicht so auf. Wir halten uns viel draußen auf.

Mit unserer Solaranlage und dem 100 Liter Wassertank sind wir bis zu vier Tagen autark. Außerdem haben wir festgestellt, dass es in Deutschland neben den Campingplätzen auch Stellplätze für Wohnmobile gibt, die unter anderem Strom, Frischwasser und das Entleeren des Abwassertanks bieten. Unsere Erfahrung zeigt, dass die Stellplätze nicht so voll sind wie die Campingplätze. Wir mögen das Freistehen, da wo es geht und es niemandem schadet.

Küche im Camper Balu.

Schön viel Platz in der Küche von Balu

Große Pläne: Vollzeit-Vanlife

Ab April 2023 soll es auf große Tour gehen. Wir werden komplett in Balu ziehen und ein ganzes Jahr einen Teil Europas bereisen.

Bis es so weit ist, gibt es jeoch noch allerhand zu tun. Sowohl an Balu als auch zu Hause. Balu wird weiter fit gemacht, es fehlen noch einige Verkleidungen im Wohnraum. Außerdem sind noch einige technische Dinge zu bewerkstelligen. Wir möchten unter anderem einen Unterfahrschutz montieren und Balu hellere Scheinwerfer spendieren.

Zudem müssen wir zu Hause allerhand vorbereiten. Wir werden nämlich unsere Wohnung aufgeben und nur das Nötigste an Mobiliar irgendwo einlagern.