Bar­ba­ra ruft zu einer Blog­pa­ra­de auf: Wie unse­re Rei­sen in der Kind­heit uns geprägt haben. Da betei­li­gen wir uns natür­lich ger­ne.

Cam­ping und Gum­mi­boot am Gar­da­see

Mädchen steht an kleinem Hafen.

Ins­ta-taug­li­ches Posing am Comer See.

Mein aller­ers­ter Urlaub führ­te mich im Alter von fünf Jah­ren über die Alpen nach Nord­ita­li­en. Mit dabei: ein Klep­per-Falt­ka­jak, mit dem mei­ne Eltern mit mir den Comer See erforsch­ten. Wei­ter ging es in die­sem Urlaub bis zum Gar­da­see, wo wir auf dem Cam­ping­platz Zoc­co bei Mar­ner­ba unser Fami­li­en­zelt auf­schlu­gen.

Ob Pad­deln auf dem See, Feder­ball spie­len (so hieß das damals noch, nichts mit Angli­zis­men.…) auf dem Cam­ping­platz oder ent­span­nen am Kies­strand – wir genos­sen herr­li­che Tage in der Son­ne.

Schwarz-weiß-Foto von einem Hauszelt.

Unser Feri­en­do­mi­zil am Gar­da­see.

Collage drei Bilder: Mutter und Tochter in Schwarzweiß in verschiedenen Städten.

Immer top-gestylt ging es zur Stadt­be­sich­ti­gung.

Auch ein Aus­flug nach Vene­dig stand auf dem Pro­gramm, wo ich mich auf dem Mar­kus­platz mit Hin­ga­be dem Tau­ben füt­tern wid­me­te. Vero­na und Mai­land wur­den eben­falls in die­sem Urlaub besucht.

Ab dem nächs­ten Jahr war auch mein klei­ner Bru­der mit von der Par­tie. Mit hoch bepack­tem Auto ging es Rich­tung Süden. Ich erin­ne­re mich noch, dass der schwar­ze Mer­ce­des so voll gepackt war, dass wir Kin­der auf dem auf­ge­sta­pel­ten Gepäck auf der Rück­bank thron­ten. Heu­te undenk­bar, aber damals gab es ja noch kei­ne Kin­der­sit­ze.

Alter schwarzer Mercedes mit Boot auf dem Dach.

Die Fami­li­en­kut­sche. Wir muss­ten vor­ne aus­stei­gen, sonst wäre hin­ten das Gepäck raus­ge­fal­len…

Zwei Kinder mit Schwimmringen stehen vor einem Boot am Strand.

Die Gum­mi­gur­ke.

Das Pad­del­boot war „gewach­sen”: nun kam eine Segel­jol­le mit. Eben­falls ein Falt­boot, das sich den Bei­na­men „Gum­mi­gur­ke” erwarb. Ein Hin­weis nicht nur auf die Außen­haut, son­dern auch auf die nau­ti­schen Eigen­schaf­ten.

Jahr für Jahr zog es uns nach Maner­ba auf den glei­chen Cam­ping­platz. Wir tra­fen dort immer wie­der die Spiel­ka­me­ra­den vom letz­ten Jahr wie­der und hat­ten eine glück­li­che Zeit. Mal segel­ten wir mit unse­ren Eltern über den Gar­da­see, mal blie­ben wir zum Spie­len auf dem Platz zurück, wäh­rend sie Wind und Wel­len trotz­ten.

Vier Kinder mit Schwimmtieren.

Ein Teil der Spiel­ka­me­ra­den vom Cam­ping­platz.

Mädchen sitzt im flachen Wasser am Kiesstrand.

Spä­ter habe ich mich aber wei­ter ins Was­ser getraut…

In einem die­ser Urlau­be lern­te ich im Gar­da­see schwim­men. Im war­men und kla­ren Was­ser des Sees ent­wi­ckel­ten wir uns zu Was­ser­rat­ten.

Segeln in Ita­li­en und Däne­mark

Irgend­wann wur­de die „Gum­mi­gur­ke” gegen eine rich­ti­ge Segel­jol­le getauscht. Sie war aus Holz und bekam den Namen „Pinoc­chio”, den fort­an alle Boo­te mei­ner Eltern tra­gen wür­den.

Drei Kinder sitzen auf dem Rand eines Segelboots.

Pinoc­chio I. am Gar­da­see.

Zwei Kinder auf einem Liegstuhl, im Hintergrund das Auto.

Im Hin­ter­grund steht der klei­ne NSU.

Der Mer­ce­des war einem klei­nen NSU gewi­chen. Ja, damit sind wir zu viert mit dem gan­zen Cam­ping­ge­rödel über die Alpen gejöckt. Und das Segel­boot auf dem Anhän­ger hin­ten­dran!

Irgend­wann beschloss mei­ne Mut­ter, dass es auf dem Cam­ping­platz nicht mehr stan­des­ge­mäß und nicht kom­for­ta­bel genug sei. So wur­de der ers­te und ein­zi­ge Hotel­ur­laub gebucht. In Bar­do­li­no am Gar­da­see kamen wir in einem Hotel unter, dass eine Ter­ras­se am See hat­te. Von dort konn­te man mit dem Segel­boot star­ten, denn das Segeln war mitt­ler­wei­le fest als Hob­by eta­bliert.

zwei Kinder mit Sonnenhüten kommen aus einer kleinen Höhle geklettert.

Aus­flug auf den Mon­te Bal­do.

Ich weiß nicht, ob der Hotel­ur­laub letz­lich zu teu­er oder zu unfle­xi­bel für mei­ne Eltern war. Jeden­falls wur­de im Jahr dar­auf Urlaub im Feri­en­haus getes­tet. Damit wir mal was ande­res sehen und Pinoc­chio ein neu­es Revier zu erkun­den hat­te, ging es nach Däne­mark.

Der wei­ße Sand­strand der Ost­see war schön. Lei­der war das Meer viel käl­ter als der Gar­da­see (Über­ra­schung!). Oft blies ein kal­ter Wind und das Wet­ter war viel unbe­stän­di­ger als in Ita­li­en.

Kinder und Vater in Regenzeug auf dem Segelboot.

Kein Biki­ni-Segeln auf der Ost­see

So blieb unser Däne­mark-Urlaub der ein­zi­ge Aus­flug in den Nor­den. Ab in den Süden hieß es fort­an wie­der!

Pinoc­chio II und die jugo­sla­wi­sche Adria

Mein Vater rech­ne­te mei­ner Mut­ter vor, wie viel Geld uns zukünf­ti­ge Urlau­be in der Haupt­sai­son kos­ten wür­den. Und dass eine Segel­jacht, auf der die Fami­lie woh­nen könn­te doch dadurch bald amor­ti­siert sei. Sozu­sa­gen ein schwim­men­der Wohn­wa­gen. Mei­ne Mut­ter war nie sehr mutig und fand die Vor­stel­lung, mit so einer Nuss­scha­le auf dem Meer zu schip­pern eher beängs­ti­gend. Aber sie ließ sich über­re­den.

So star­te­ten wir 1970 mit einer knapp sie­ben Meter lan­gen Segel­jacht im Schlepp wie­der mal über die Alpen. Lei­der war Pinoc­chio II erst knapp vor den Feri­en gelie­fert wor­den und so wur­de im ita­lie­ni­schen Gra­do zum ers­ten Mal der Mast gesetzt.

Segelschiff segelt auf dem Meer.

Pinoc­chio II. in Akti­on.

Gina mit großem roten Wasserball.

Die Pau­sen vom Segeln wur­den auch genos­sen.

Wir schip­per­ten die kur­ze Stre­cke nach Istri­en hin­über. Da das ers­te Mal mit dem Schiff doch sehr auf­re­gend war, kamen wir in drei Wochen Urlaub nur ein­mal ent­lang der West­küs­te Istri­ens bis nach Pula und wie­der zurück. Eine Stre­cke, die wir in den fol­gen­den Jah­ren in weni­gen Tagen bewäl­tig­ten.

Nun hat­ten mei­ne Eltern die idea­le Urlaubs­form gefun­den. Jedes Jahr ging es hin­un­ter an die Adria. Die jugo­sla­wi­sche Küs­ten mit tau­sen­den von vor­ge­la­ger­ten Inseln und vie­len idyl­li­schen Buch­ten bot ein abwechs­lungs­rei­ches Segel­re­vier. Die Urlau­be wur­den auf vier und spä­ter auf fünf Wochen ver­län­gert.

Star­te­ten wir anfangs noch von Gra­do in Ita­li­en wur­den spä­ter die Start­hä­fen wei­ter süd­lich ver­legt. Novi­g­rad, Zadar und sogar Anco­na wur­den mit dem Gespann ange­fah­ren, um von dort aus immer wei­ter süd­lich vor­zu­drin­gen.

Pinoc­chio war oft das kleins­te Schiff im Hafen. Da sich im süd­li­chen Kli­ma das Leben fast kom­plett drau­ßen abspielt, wur­de es uns trotz­dem nicht zu eng. Abends gin­gen wir fast immer essen, denn die Prei­se in Jugo­sla­wi­en waren für unse­re Ver­hält­nis­se sehr güns­tig.

Zwei Frauen und zwei Kinder am Marktstand mit einer älteren Verkäuferin.

Ein­kauf auf dem Markt.

Für den täg­li­chen Bedarf kauf­ten wir auf Märk­ten oder in loka­len Geschäf­ten ein. Da gab es öfter mal sprach­li­che Bar­rie­ren, die aber immer irgend­wie über­wun­den wer­den konn­ten. Zur Not mit ein­falls­rei­cher Schau­spie­le­rei. Die Sze­ne, als mei­ne Mut­ter beim Metz­ger abwech­selnd ein Rind und ein Kalb dar­bot, ging in die Fami­li­en­an­na­len ein.

Wir erkun­de­ten in Ruhe tou­ris­ti­sche Höhe­punk­te, die heu­te lei­der völ­lig über­lau­fen sind. So zum Bei­spiel die Krka Fäl­le, Split, Dubrov­nik und die Bucht von Kotor.

Zwei Kinder mit zwei rot-gelb geringelten Strickhasen.

Rin­gel und Cäsar muss­ten immer mit.

Immer dabei: unse­re Hasen Rin­gel und Cäsar. Da konn­te es noch so eng sein, die bei­den muss­ten mit. Für unse­re Welt­rei­se 2016 gab es den hand­li­chen Rei­se-Rin­gel, der uns bis heu­te auf unse­ren Rei­sen beglei­tet.

Wie mich die Rei­sen mei­ner Kind­heit geprägt haben

Mit mei­nen Eltern haben wir nie Pau­schal­ur­laub gemacht. So bin ich geprägt wor­den, dass indi­vi­du­ell orga­ni­sier­te Rei­sen mög­lich und inter­es­sant sind. Wir haben alles auf eige­ne Faust unter­nom­men, nie irgend­wel­che fer­ti­gen Tou­ren gebucht. Bis heu­te ist das die Form des Rei­sens, die mir am bes­ten gefällt.

Auf dem Schiff haben wir Kin­der von Anfang an Ver­ant­wor­tung über­tra­gen bekom­men. Wir waren die Crew, die beim An- und Able­gen hel­fen muss­te, beim Segel­set­zen und durf­ten auch das Schiff steu­ern. Spä­ter habe ich die Navi­ga­ti­on über­nom­men. Kein Wun­der, dass ich bis heu­te ger­ne im Urlaub aktiv bin und mir nicht ger­ne alles abneh­men las­se.

Gina sitzt in der Kajüte über der Seekarte.

Ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­be: den rich­ti­gen Kurs bestim­men.

Die Lie­be zum Was­ser­sport ist seit mei­ner frü­hes­ten Kind­heit gewach­sen. Wir waren immer am Was­ser und außer Schwim­men wur­de Was­ser­sport wie Pad­deln oder Segeln aus­ge­übt. In einer jugend­li­chen Trotz­re­ak­ti­on habe ich mich gewei­gert, den Segel­schein zu machen. Das bereue ich heu­te. Mit mei­nem ers­ten Mann hat­te ich ein Segel­boot. Mit Mar­cus zusam­men habe ich das Wild­was­ser­pad­deln erlernt. Wir haben so eini­ge Adre­na­lin-stei­gern­de Erleb­nis­se in unse­ren Wild­was­ser-Jah­ren gehabt.

Gischtwelle neben dem Segelschiff.

Auch beim Segeln ging es schon mal sprit­zig zu.

Die Anfän­ge des Pad­delns führ­ten uns an die Soca, heu­te Slo­we­ni­en, damals Jugo­sla­wi­en. Der abso­lu­te Höhe­punkt unse­rer Padd­ler­zeit war die 12-tägi­ge Tour durch den Grand Can­yon. Aber auch Kroa­ti­en hat uns wie­der­ge­se­hen: auf Rab haben wir einen See­ka­jak-Kurs aus­pro­biert.

Mei­ne Kind­heits-Rei­sen waren meist noma­disch. So kann ich mir bis heu­te nicht gut vor­stel­len, Wochen an ein und dem­sel­ben Ort zu ver­brin­gen. Wenn schon Urlaub an einem Ort, dann muss die Umge­bung erkun­det wer­den. Aber am liebs­ten sind wir auf Road­trips unter­wegs, so zum Bei­spiel auf unse­rem Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en oder dem Road­trip Marok­ko.

Apro­pos Wochen: wir waren ja immer min­des­tens drei Wochen, spä­ter bis zu fünf Wochen unter­wegs. Auch das hat mei­ne Vor­stel­lung von der Dau­er eines Urlaubs sehr geprägt. Ich konn­te nie ver­ste­hen, dass sich Men­schen nach zwei Wochen Urlaub schon nach Hau­se seh­nen.

Wie sind dei­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen an eure Urlau­be? Was habt ihr typi­scher­wei­se unter­nom­men und was hat dich geprägt? Schreib es ger­ne in die Kom­men­ta­re!