Als wir unse­re Rund­rei­se Jor­da­ni­en plan­ten, beka­men wir oft in einem Ton zwi­schen Erstau­nen und Ent­set­zen zu hören: „Ihr wollt in Jor­da­ni­en sel­ber Auto fah­ren?”. Wir waren sel­ber gespannt dar­auf, wie unser Road­trip im ara­bi­schen Auto­ver­kehr funk­tio­nie­ren wür­de. Um es vor­weg­zu­neh­men: unse­re Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en mit dem Miet­wa­gen hat super geklappt und das Auto­fah­ren hat uns sogar viel Spaß gemacht.

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Die Rou­te unse­rer Rund­rei­se Jor­da­ni­en

Wir haben den Miet­wa­gen* für unse­re Rund­rei­se am Flug­ha­fen über­nom­men. Da wir uns anfangs noch nicht in den chao­ti­schen Ver­kehr von Amman trau­ten, haben wir als Stand­ort für die ers­ten Tage unse­rer Rund­rei­se Mada­ba gewählt. Das ist vom Flug­ha­fen in 30 Minu­ten zu errei­chen. Von dort aus haben wir Tages­aus­flü­ge nach Jerash und ans Tote Meer unter­nom­men. Wei­ter ging unse­re Rund­rei­se über die Kreuz­fah­rer­burg Kerak nach Wadi Musa/Petra. Nach­dem wir zwei Tage die Fel­sen­stadt Petra besich­tigt haben, fuh­ren wir in die Wüs­te von Wadi Rum, wo wir wei­te­re zwei Näch­te ver­brach­ten. Von dort aus ging es am letz­ten Tag der Rund­rei­se gemäch­lich am Toten Meer ent­lang zurück nach Mada­ba.

Wir sind haben unse­re Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en über den Kings Way Rich­tung Süden geführt und sind über den Desert High­way und den Dead Sea High­way wie­der zurück Rich­tung Nor­den gefah­ren.

Stra­ßen auf unse­rer Rund­rei­se Jor­da­ni­en

Der Zustand der Stra­ßen in Jor­da­ni­en ist über­wie­gend gut bis sehr gut. Alle Stra­ßen unse­rer Rund­rei­se sind auch auf den Berg­stre­cken ange­nehm breit aus­ge­baut. Nur die Fahr­bahn­mar­kie­run­gen sind meist bis zur Unkennt­lich­keit ver­blasst. Oder gar nicht vor­han­den. Der rech­te Sei­ten­strei­fen dient in Jor­da­ni­en oft zum Abstel­len von Fahr­zeu­gen, als Schleich­spur für extrem lang­sa­me Vehi­kel oder zum Auf­bau von Ver­kaufs­stän­den.

Rundreise Jordanien Verkäufer am Straßenrand

Gemü­se­ver­käu­fer am Stra­ßen­rand der Auto­bahn

Vor allem bei Dun­kel­heit mei­dest du die­se Spur auf dei­nem Road­trip am bes­ten.

Von Nord nach Süd durch­zie­hen drei Fern­stra­ßen das Land, die für die Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en rele­vant sind:

  • der Dead Sea High­way führt am Toten Meer ent­lang, über­wie­gend gera­de Stre­cken mit leich­ten Stei­gun­gen und Kur­ven. Schö­ne Aus­bli­cke aufs Tote Meer für das per­fek­te Road­trip-Gefühl. Höchst­ge­schwin­dig­keit für PKW ist 110 Km/h.

    Blaues Meer und beige Steinküste

    Schö­ne Bli­cke aufs Tote Meer vom Dead Sea High­way

  • der Kings Way ist der land­schaft­lich reiz­volls­te Weg durch Jor­da­ni­en und gehört auf jede Rund­rei­se-Rou­te. Er führt durch das zen­tra­le Berg­land mit spek­ta­ku­lä­ren Aus­sich­ten. Es gibt vie­le Kur­ven und Stei­gun­gen, die Stra­ße ist durch­ge­hend sehr breit aus­ge­baut. Höchst­ge­schwin­dig­keit zwi­schen 60 und 80 km/h.

    Serpinenstraße durch Wüstengebiet

    Ser­pen­ti­nen im Wadi Mujib am Kings Way

  • der Desert High­way ist die Auto­bahn von Aqa­ba nach Amman. Drei­spu­rig aus­ge­baut ist er die schnells­te Ver­bin­dung auf dei­ner Rund­rei­se von Süd nach Nord. Es gibt vie­le schwer bela­de­ne LKWs, die im Schritt­tem­po die Stei­gun­gen hoch­krie­chen. Über­ho­len ist kein Pro­blem, es ist genug Platz. Laut Rei­se­füh­rer gibt es vie­le Geschwin­dig­keits­kon­trol­len, wir haben kei­ne gese­hen. Auch regel­mä­ßi­ge Poli­zei­kon­trol­len fin­den am Desert High­way statt. Trotz Auto­bahn-Cha­rak­ter ist auf dem Desert High­way an bestimm­ten Stel­len ein U‑Turn oder Links­ab­bie­gen erlaubt. Höchst­ge­schwin­dig­keit 110 km/h.

Auf allen jor­da­ni­schen Stra­ßen gibt es Boden­schwel­len zur Redu­zie­rung der Geschwin­dig­keit. Auch auf dem High­way! Manch­mal wer­den sie mit Schil­dern ange­kün­digt, manch­mal sind sie mit gel­ber Far­be mar­kiert. Oft genug gibt es kei­ne War­nung, außer der vor dir fah­ren­de jor­da­ni­sche Fah­rer, der sein Auto auf Schritt­ge­schwin­dig­keit abbremst, um über den Hub­bel zu fah­ren. Meist kannst du mit der ange­ge­be­nen Höchst­ge­schwin­dig­keit dar­über fah­ren, aber nicht immer. Trotz aller Vor­sicht sind wir bei unse­rer Rund­rei­se ab und zu kräf­tig über einen Hub­bel gerumst.

Es gibt in Jor­da­ni­en fes­te und mobi­le Kon­troll­pos­ten der Poli­zei. Die Fes­ten waren meist gar nicht besetzt. Von den vier Malen, die wir auf unse­rer Rund­rei­se in Jor­da­ni­en raus­ge­winkt wur­den waren drei am Desert High­way. Zwei­mal sind wir übri­gens ein­fach wei­ter­ge­fah­ren, weil uns das Win­ken nicht ein­deu­tig genug war. War auch kein Pro­blem. Die ande­ren bei­den Male hat man uns nur ange­hal­ten, um uns für unse­ren Road­trip ein freund­li­ches „Wel­co­me to Jor­dan!” zu wün­schen. Papie­re woll­ten die Jungs nicht sehen.

Ver­kehr auf unse­rer Rund­rei­se Jor­da­ni­en

Bestimmt gibt es Ver­kehrs­re­geln in Jor­da­ni­en. Ob sich jemand dar­an hält, ist eine ande­re Fra­ge. In der Regel wird zum Bei­spiel bei roten Ampeln ange­hal­ten. Es sei denn, man will eben nur rechts abbie­gen…

Gene­rell scheint die Ver­ein­ba­rung zu sein, dass jeder macht, was er will und jeder damit rech­net, dass ande­re das auch machen. Wenn du dich auf dei­ner Rund­rei­se in Jor­da­ni­en damit erst mal ange­freun­det hast, schwimmst du pro­blem­los im Ver­kehr mit. Es ist über­ra­schend ent­spannt, da es kei­ne Recht­ha­be­rei gibt.

Pickup fährt auf der Straße durch die Wüste

Ent­spann­tes Zuckeln über die Berg­stra­ßen

Ent­ge­gen unse­rer Befürch­tun­gen gibt es nur weni­ge Raser in Jor­da­ni­en. Und noch weni­ger Dräng­ler. Ins­ge­samt haben wir auf unse­rer Rund­rei­se kaum Aggres­si­vi­tät im Stra­ßen­ver­kehr erlebt. Über­holt wird, wo gera­de Platz ist: links, rechts oder in der Mit­te. Eine logi­sche Kon­se­quenz dar­aus, dass auch gefah­ren wird, wo man Lust hat. So kann der Lkw durch­aus auf der lin­ken Spur den Berg hoch­krie­chen.

Ein kleiner Lastwagen, der Schafe geladen hat

Klei­ner LKW mit tie­ri­scher Ladung

Auf dei­ner Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en wirst du fest­stel­len, dass das Tem­po beim Auto fah­ren sehr gelas­sen ist. Auf dem High­way darfst du bis 110 km/h fah­ren, auf Land­stra­ßen meist 80. Vie­le Jor­da­ni­er sind lang­sa­mer unter­wegs, eine nicht unbe­trächt­li­che Anzahl schleicht regel­recht. Das kann vie­le Grün­de haben: man­geln­de Leis­tung des Fahr­zeugs, man­geln­des Selbst­ver­trau­en des Fahr­zeug­len­kers, man­geln­de Mul­ti-Tas­king-Fähig­kei­ten, wenn gleich­zei­tig tele­fo­niert wird. Letz­te­res ist sehr oft der Fall.

Im Groß­raum um Amman herrscht oft dich­ter Ver­kehr. Als wir unse­re Rund­rei­se Jor­da­ni­en began­nen und von Mada­ba nach Jerash fuh­ren, waren wir einen gro­ßen Teil unse­res Road­trips auf dem High­way-Ring um Amman unter­wegs. Da die Spu­ren auch auf dem High­way nicht oder kaum sicht­bar mar­kiert sind, war das Gedrän­ge manch­mal etwas unüber­sicht­lich. Ent­spannt blei­ben und fröh­lich mit­drän­geln heißt es dann.

Ansons­ten ist es, bis auf die Innen­städ­te, nicht voll auf den Stra­ßen.

Schil­der und Ori­en­tie­rung auf unse­rer Rund­rei­se Jor­da­ni­en

Ver­kehrs­schil­der ent­spre­chen den unse­ren und sind für uns pro­blem­los ver­ständ­lich. Wenn sich uns auch nicht immer erschließt, nach wel­chen Grund­sät­zen sie auf­ge­stellt wur­den. So haben wir auf der Rund­rei­se bei­spiels­wei­se das Schild „Ende des Über­hol­ver­bots” kurz vor der War­nung „Kur­ven­rei­che Stre­cke” gese­hen. Sehr sinn­voll, genau wie Über­hol­ver­bo­te auf schnur­ge­ra­der, brei­ter Stra­ße. An die sich natür­lich nie­mand hält.

Warnschild mit Kamel

Auch wenn die­ses Schild bei uns nicht ver­wen­det wird, ist die Bedeu­tung klar

Kamel läuft Straße entlang

Und hier der Grund für das Warn­schild

Bei den Ampeln auf der Ring­stra­ße um Amman ist uns auf­ge­fal­len, dass es Ampeln für Links­ab­bie­ger gibt, die nicht mit einem Pfeil gekenn­zeich­net sind. Hier musst du auf­pas­sen, dass du nicht aus Ver­se­hen gera­de­aus los­fährst, weil du auf die fal­sche Ampel guckst.

Grund­sätz­lich sind fast alle Weg­wei­ser in Jor­da­ni­en in Ara­bisch und Eng­lisch beschrif­tet. Lei­der wer­den sie oft als Wer­be­flä­che miss­braucht und mit klei­nen Pla­ka­ten zuge­kleis­tert. So wird die Schrift ganz oder teil­wei­se über­klebt. Da ist ein Navi hilf­reich, um bei dei­ner Rund­rei­se in Jor­da­ni­en ans Ziel zu fin­den.

In den Städ­ten dei­nes Road­trips ist das Navi nur bedingt nütz­lich. Wir hat­ten zwei ver­schie­de­ne kos­ten­lo­se Navi­ga­ti­ons-Apps auf unse­ren Smart­pho­nes, Maps.Me und Navi­ga­tor. Bei­de waren über­for­dert, wenn es um Ein­bahn­stra­ßen ging. Bei den Off­line-Kar­ten von Goog­le Maps war es nur wenig bes­ser.

Es erleich­tert die Sache nicht, dass Ein­bahn­stra­ßen nicht immer als sol­che aus­ge­schil­dert sind. Statt des­sen scheint ein all­ge­mei­ner Kon­sens unter den Auto­fah­rern zu bestehen, gewis­se Stra­ßen nur in eine Rich­tung zu befah­ren. Also soll­test du dich auf dei­ner Rund­rei­se in Jor­da­ni­en nicht blind­lings auf das Navi ver­las­sen. Falls du doch mal ver­kehrt rum in einer Ein­bahn­stra­ße lan­dest, ist das natür­lich kein Dra­ma.

weißgekleidete Beduinen auf der Dorfstraße

In den klei­ne­ren Orten geht es oft gemäch­lich zu.

Am Bes­ten kommst du mit einer Mischung aus Schil­dern, Navi und gesun­dem Men­schen­ver­stand auf dei­ner Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en.

Und falls du irgend­wo anhältst, um dich auf dei­nem Road­trip zu ori­en­tie­ren, ist das kein Pro­blem. Die jor­da­ni­schen Auto­fah­rer wer­den ein­fach um dein Gefährt drum her­um fah­ren.

Fahr­zeu­ge in Jor­da­ni­en

Chao­tisch unter­wegs sind die Mini­bus­se, die im öffent­li­chen Nah­ver­kehr ein­ge­setzt wer­den. Auf dem drei­spu­ri­gen Ring um Amman zie­hen sie von rechts, wo sie anhal­ten rüber auf die lin­ke Spur, um wenig spä­ter wie­der die nächs­te Hal­te­stel­le rechts anzu­pei­len. Die Hupe wird dabei groß­zü­gig ein­ge­setzt.

Schwer bela­de­ne LKWs sind oft extrem lang­sam an Stei­gun­gen unter­wegs. Dafür hei­zen sie unbe­la­den mit 120 über den High­way und hupen dich not­falls aus dem Weg. Sehr vie­le LKWs haben anstel­le von Brems­lich­tern irgend­wel­che fla­ckern­den Licht­spie­le, die nicht not­wen­di­ger­wei­se rot sind. Dass das blau-wei­ße Dis­co­licht, das am Heck des vor dir fah­ren­den Las­ters flim­mert ein Brems­si­gnal ist, wirst du erst mit Ver­zö­ge­rung mer­ken. Also immer schön Abstand hal­ten! Teil­wei­se gibt es auch Pkw, die mit fla­ckern­den Brems­leuch­ten aus­ge­stat­tet sind. Oder ganz ohne Brems­leuch­ten aus­kom­men.

überladener Pickup

Auch die­ser Ver­kehrs­teil­neh­mer fuhr sehr gemäch­lich

Über­ra­schen­der­wei­se gibt es so gut wie kei­ne Zwei­rä­der in Jor­da­ni­en. Weder Fahr­rä­der noch Motor­rä­der haben wir auf unse­rer Rund­rei­se in Jor­da­ni­en in nen­nes­wer­ter Zahl zu Gesicht bekom­men. Der ein­zi­ge Fahr­rad­fah­rer, den wir getrof­fen haben, war auf der Auto­bahn unter­wegs!

Unse­re Tipps für dei­ne Rund­rei­se Jor­da­ni­en

  • Güns­ti­ge Miet­wa­gen und aus­rei­chen­de Aus­wahl fin­den wir meist auf Bil­li­ger-Miet­wa­gen*
  • Ver­mei­de mög­lichst Nacht­fahr­ten auf dei­ner Rund­rei­se in Jor­da­ni­en. Vie­le Fahr­zeu­ge sind schlecht oder gar nicht beleuch­tet unter­wegs. Dun­kel geklei­de­te Fuß­gän­ger sind eben­falls schlecht sicht­bar. Wenn sich die Nacht­fahrt nicht ver­mei­den lässt, fah­re nicht auf der rech­ten Spur. Dort ste­hen oft unbe­leuch­te­te Fahr­zeu­ge und es sind sehr lang­sam fah­ren­de Vehi­kel unter­wegs.
  • Rech­ne auf dei­ner Rund­rei­se immer damit, dass Autos vor den Boden­schwel­len extrem abbrem­sen. Auch wenn das in der Regel nicht nötig ist, fährt der jor­da­ni­sche Auto­fah­rer ger­ne mit Schritt­ge­schwin­dig­keit dar­über.
  • Beim Tan­ken ach­te auf dei­ner Rund­rei­se dar­auf, dass dir die Zahl des Geld­be­trags und nicht die der Liter berech­net wird. Anders als in Deutsch­land ist das die klei­ne­re Zahl. Für uns sehr unge­wohnt und eini­ge Tank­war­te ver­su­chen das aus­zu­nut­zen.
  • Jor­da­ni­en ist ein Wüs­ten­land. Dein Auto wird auf dem Road­trip sehr schnell sehr stau­big sein. Unse­re Schei­ben­wasch­an­la­ge war mit den Staub­schich­ten über­for­dert. So haben wir auf unse­rer Rund­rei­se in Jor­da­ni­en immer eine Fla­sche mit Was­ser dabei gehabt, das wir zum Rei­ni­gen der Wind­schutz­schei­be genutzt haben.
  • Wenn du am Ende dei­ner Rund­rei­se dei­nen Miet­wa­gen am Flug­ha­fen abgibst: die rich­ti­ge Spur, die zu den Miet­wa­gen­sta­tio­tio­nen führt, ist die, über der ein rie­si­ges „Ein­fahrt verboten”-Schild (Roter Kreis mit wei­ßem Bal­ken) hängt. Rechts und links davon geht es zu Depar­tures und Arri­vals. Wenn du genau hin­schaust, siehst du, dass unter dem roten Schild ein klei­ner Schrift­zug „except ren­tal cars” ange­bracht ist. Wir sind bestimmt nicht die ein­zi­gen, die an die­ser Stel­le erst mal falsch abge­bo­gen sind.
  • Vie­le Infos zu Jor­da­ni­en fin­dest du auf der Sei­te des jor­da­ni­schen Tou­rism Boards Visit Jor­dan 
  • Einen unter­halt­sa­men Arti­kel zum Auto­fah­ren in Jor­da­ni­en habe ich in der Zeit gefun­den.

 

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