Vie­le von euch ken­nen bestimmt den wun­der­ba­ren Slam von Julia Engel­mann:

5. Bie­le­fel­der Hör­saal-Slam – Julia Engel­mann – Cam­pus TV 2013

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„Eines Tages wer­den wir alt sein, Baby, und an all die Geschich­ten den­ken, die wir hät­ten erzäh­len kön­nen…”

Es gibt doch immer genug Grün­de, unse­re Lebens­träu­me noch ein biss­chen auf­zu­schie­ben. Jetzt passt es halt gera­de nicht, aber spä­ter. Bestimmt!

Oder es wäre ja schön, aber eigent­lich unver­nünf­tig, unver­ant­wort­lich, unmög­lich.

Aber wer­den wir uns am Ende unse­res Lebens freu­en, dass wir immer ver­nünf­tig waren? Oder uns nicht ger­ne an das erin­nern, was ver­rückt und außer­ge­wöhn­lich war?

Ich hat­te scNeptunhon mit 15 Jah­ren den Traum, um die Welt zu rei­sen. Am liebs­ten als Welt­um­seg­lung, das war fami­li­är bedingt. Mit mei­nen Eltern mach­ten wir vie­le Jah­re Segel­ur­laub in der – damals noch jugo­sla­wi­schen – Adria, schip­per­ten von Insel zu Insel, anker­ten in ein­sa­men Buch­ten oder leg­ten in pit­to­res­ken Hafen­städt­chen an. So wur­de ich für ein Vaga­bun­den-Leben geprägt – zumin­dest, was den Urlaub betrifft ;-)

Allein trau­te ich mich aller­dings doch nicht los, der aben­teu­er­wil­li­ge Gefähr­te für die gro­ße Welt­um­seg­lung stell­te sich lei­der nicht ein und ehe ich mich ver­sah. ver­lief mein Leben in gere­gel­ter bür­ger­li­cher Bahn: Stu­di­um, Ehe, zwei Kin­der, Eigen­heim.

Und immer gab es gute, ver­nünf­ti­ge Grün­de, war­um ich zu die­sem Zeit­punkt nun wirk­lich nicht auf die gro­ße Rei­se gehen konn­te. Die Kar­rie­re lief gera­de so gut, das Haus muss­te abbe­zahlt wer­den… Spä­tes­tens, als die Kin­der in der Schu­le waren, war das The­ma Welt­rei­se für lan­ge Jah­re erle­digt.

Korsika_kleinAben­teu­er­lust keim­te wie­der auf, als wir mit Anfang 40 das Wild­was­ser­pad­deln für uns ent­deck­ten. So haben wir eini­ge span­nen­de Urlau­be auf sprit­zi­gen Berg­flüs­sen ver­bracht, Schluch­ten durch­pad­delt, in die man nur per Boot kommt und oft groß­ar­ti­ge Natur­ku­lis­sen bewun­dern kön­nen.

Der Höhe­punkt war ein Pad­del­trip durch den Grand Can­yon und damit unse­re ers­te Fern­rei­se. Eine Fol­ge davon war die erneu­te Infek­ti­on mit dem Rei­se­vi­rus.

Grand_Canyon Morgenlicht

Die Kin­der waren inzwi­schen groß und wir – alt? Zu alt, um noch auf die gro­ße Welt­rei­se zu gehen? Zu alt, um es zu wagen, den siche­ren Job zu kün­di­gen und auf eine neue Stel­le nach der Rück­kehr hof­fen zu kön­nen? Alt genug, um zu spü­ren, dass Gesund­heit und Fit­ness nicht unbe­dingt lebens­lan­ge Gaben sind.

Also erst­mal „Welt­rei­se auf Raten”: mög­lichst viel von dem sehen, was uns inter­es­siert, uns lang­sam ran­tas­ten ans indi­vi­du­el­le Rei­sen. Über die­se Rei­sen berich­te ich hier. Und wenn unse­re Kin­der mit dem Stu­di­um fer­tig sind und auf eige­nen Füßen ste­hen, dann… Dann kön­nen wir end­lich los, wenn wir uns trau­en? Nicht dann, jetzt!

Sonst wer­den wir eines Tages alt sein und an all die Geschich­ten den­ken, die wir hät­ten erzäh­len kön­nen, wenn wir uns getraut hät­ten. Und soweit soll es nicht kom­men. „Wir wer­den alt sein und an all die Geschich­ten den­ken, die für immer unse­re sind.”

Auch wenn wir mit Anfang 50 nicht mehr jung sind, wir sind noch jung genug, um es zu wagen – und alt genug, um ech­te und ver­meint­li­che Schwie­rig­kei­ten gelas­sen zu sehen. „Also los, schrei­ben wir Geschich­ten, die wir spä­ter ger­ne erzäh­len!”