Rei­sen bil­det, das ist bekannt. Vor der Rei­se haben wir uns gefragt, ob und wie uns unse­re Lang­zeit­rei­se beein­flusst. Wir haben vor­her viel über jun­ge Leu­te gele­sen, die auf Rei­sen ihre Per­sön­lich­keit ent­wi­ckelt haben und erwach­sen wur­den. Nun sind wir ja nicht mehr wirk­lich jung. Aber man kann in jedem Alter noch etwas dazu­ler­nen. Nach fast neun Mona­ten on the go möch­ten wir euch dar­über berich­ten. Nicht, wo wir gera­de sind oder was wir machen, son­dern was uns der­zeit wirk­lich bewegt und wie die Rei­se unse­re Gedan­ken beein­flusst.

Wir hat­ten und haben viel Zeit zum Nach­den­ken. Ob auf Bus­fahr­ten in Süd­ame­ri­ka, auf Wan­de­run­gen, beim Fah­ren durchs aus­tra­li­sche Out­back oder auf lan­gen Strand­spa­zier­gän­gen an den neu­see­län­di­schen Küs­ten. Immer wie­der gin­gen uns die unter­schied­lichs­ten Din­ge durch den Kopf. Manch­mal kamen Erin­ne­run­gen aus der Jugend hoch, mal zuletzt erleb­te Situa­tio­nen auf der Arbeit. Und immer wie­der treibt uns die Fra­ge: Wie möch­ten wir unse­re Zukunft gestal­ten? Wir haben vie­le Men­schen getrof­fen und uns aus­ge­tauscht. Vie­le haben deut­lich weni­ger Geld als wir und leben ent­spann­ter.

Viel Zeit zum Nach­den­ken

Über­wie­gend wur­den wir im Aus­land mit gro­ßer Herz­lich­keit emp­fan­gen. Im Ver­gleich zu ande­ren Natio­na­li­tä­ten kön­nen wir deut­lich ein­fa­cher rei­sen. Die Süd­deut­sche Zei­tung zeigt, wie­vie­le Türen der deut­sche Rei­se­pass öff­net.

Wir rei­sen lang­sam, blei­ben da, wo es uns gefällt, für eini­ge Zeit und ver­su­chen, Land und Leu­te ken­nen­zu­ler­nen. Dabei hel­fen uns unse­re Sprach­kennt­nis­se, mit Ein­hei­mi­schen oder ande­ren Rei­sen­den ins Gespräch zu kom­men. Wie geht es ande­ren Rei­sen­den, was sind ihre Beweg­grün­de zum Rei­sen, was machen sie anders als wir? Wir stau­nen, wenn eine Fami­lie mit fünf Kin­dern ein Jahr auf Welt­rei­se geht, oder dass vie­le jun­ge Eltern mit Baby ihre gemein­sa­me Eltern­zeit  mit Rei­sen ver­brin­gen. Man tauscht sich aus und erkennt: Oft­mals ist es der Drang nach Frei­heit und Unab­hän­gig­keit. Das Bedürf­nis, sei­ne Zeit selbst zu bestim­men. Und die Welt und damit sich selbst noch bes­ser ken­nen­zu­ler­nen.

Was ist mir wich­tig im Leben, was benö­ti­ge ich? Ein Jahr aus dem Ruck­sack zu leben ist eine Her­aus­for­de­rung. Aller­dings ver­mis­se ich deut­lich weni­ger Din­ge, als ich dach­te. Ich bekom­me abends meis­tens ein schö­nes Bett, habe tags­über zu essen und zu trin­ken. Bin nicht allein. Aller­dings den­ke ich auch, in was für einem schö­nen Land ich gebo­ren wur­de. Sicher, sau­ber, geord­net, es gibt vie­le Vor­tei­le. Ein­fach nur in der Mut­ter­spra­che los­zu­quat­schen, was zu Hau­se nor­mal ist, wird in der Fer­ne wert­voll.

In die­sen bei­den Ruck­sä­cken steckt unse­re gesam­te Habe

Kurz gesagt: die Rei­se beginnt, mein Bewusst­sein zu erwei­tern. Mal sehen, wie es zu Hau­se wei­ter­geht. Ich beschäf­ti­ge mich mit Mini­ma­lis­mus. Hier in Thai­land medi­tie­ren wir regel­mä­ßig. Ich den­ke viel über die Zukunft nach, mir schwir­ren diver­se Plä­ne im Kopf her­um.

Gina und ich, wir sind uns einig, dass auch der Kör­per nicht zu kurz kommt. Im Ver­gleich zu unse­ren Büro­jobs bewe­gen wir uns mehr. Und es gibt einen wei­te­ren, nicht zu unter­schät­zen­den posi­ti­ven Neben­ef­fekt: wenig Stress zeigt sich in deut­li­chem Wohl­be­fin­den, weni­ger Nacken‑, Rücken- oder Bauch­schmer­zen.

Unse­re Rei­se bringt uns zum Nach­den­ken, Was dar­aus wird, wird die Zukunft zei­gen. (M)