„Wie hat sich mein Reisestil verändert?“ fragt Sabine von Ferngeweht und lädt ein zu einer Blogparade. Gerne bin ich in meine Vergangenheit eingetaucht und habe meine vergangenen Reisen Revue passieren lassen. Mein Spektrum reicht von der Gruppenreise mit den Pfadfindern bis zur individuell organisierten Fernreise.

Zeltlager mit den Pfadfindern

Gruppe von jungen Männern im Zeltlager.

Im Pfadfinderlager 1980.

Als Jugendlicher bin ich viel mit Jugendgruppen in den Urlaub gefahren. Die Pfadfinder haben mir das Abenteuer beigebracht.

In den Sommerferien ging es für drei Wochen in die Ferne. Wir hatten den Süden Europas im Visier. Es ging nach Griechenland, Spanien, Italien oder Frankreich. Der Reisestil war einfach: Immer fuhren wir mit der Bahn und hatten unsere Fahrräder im Gepäck dabei. Vor Ort übernachteten wir in von befreundeten Pfadfindergruppen organisierten Unterkünften. Das waren Schulen, Turnhallen oder auch mal ein Gemeindehaus. Meistens übernachteten wir in den von uns mitgebrachten Zelten. Schon von zu Hause aus wurden Kontakte zu einheimischen Pfadfindern und deren Freunden geknüpft, mit denen wir uns vor Ort trafen.

Ich habe sehr gerne gezeltet. Diese Vorliebe passte auch, als ich Pfadfinderleiter wurde und einmal im Jahr mit der Gruppe ins Zeltlager im Westerwald fuhr. Wir bauten Holzgerüste und machten unter anderem spannende Nachtwanderungen. Die Mahlzeiten wurden selbst zubereitet. Wenn nur das Wetter nicht so oft kalt und regnerisch gewesen wäre.

Erste Urlaube zu zweit

Später machte ich mit meiner Freundin Hotelurlaub oder eine Städtereise. Paris hatte es uns damals angetan. Ob Anreise mit dem Zug, dem Auto oder Motorrad, diese Stadt war und ist für mich immer eine Reise wert.

Wir scheuten auch lange Autofahrten nicht. Mit dem kleinen Nissan Micra fuhren wir bis nach Portugal oder Sizilien. Das wäre mir heute zu viel.

Die ersten Flugreisen gingen nach Kreta und nach Tunesien. Vor Ort erkundeten wir mit Bus oder Motorroller (auf Kreta) die Umgebung. In dieser Zeit war ich noch nicht so mutig, alles selbst zu organisieren.

Wildwasserpaddeln – Natur und Adrenalin

Eine neue Ära des Reisens entstand durch unser neues Hobby, dem Wildwasserpaddeln.

Paddler fährt über Kante eines Wasserfalls.

Adrenalin pur beim Wildwasserpaddeln auf Korsika.

Die interessanten Ziele liegen überwiegend außerhalb Deutschlands. Frankreich, Korsika oder Slowenien gehören auch heute noch zu den begehrenswerten Paddelrevieren. Diese wurden oftmals mit komplett überladenem Auto (Familie, Kajaks, Campingausrüstung) angefahren. Auch hier war das Zelten mit Selbstverpflegung üblich. In den nächsten Jahren mieteten wir auch gerne kleine Wohncontainer auf den Zeltplätzen, da das Zelten in unserer Familie nicht mehr ganz so beliebt war. In Frankreich waren wir häufig über Ostern an einem Wildwasserkanal. Dort konnten wir in einem Chalet mit Jugendherbergs-Charme übernachten. Insgesamt war dies ein sehr abenteuerlicher Reisestil.

Unser aufregendstes Paddelabenteuer erlebten wir als wir, wieder mal mit einer Gruppe, zwölf Tage auf dem Colorado durch den Grand Canyon paddelten. Wegen der Hitze im August übernachteten wir am Ufer meist nur auf Isomatten, das Zelt war nicht nötig. Dabei genossen wir einen fantastischen Ausblick auf den Sternenhimmel. Jeder Tag war mit Adrenalin pur gefüllt. Abends wurden die Abenteuer mit kühlen Getränken begossen.

Auf eigene Faust in die Ferne

Was das individuelle Reisen betrifft wurden wir langsam mutiger. Eine Gruppenreise durch Mexiko mit einem vorgeschalteten Individualteil ließ klar werden: Wenn möglich, reisen wir nur noch selbst organisiert. Seitdem planen wir nur noch die An- und Abreise und die erste Unterkunft, zumindest wenn es sich um einen etwas längeren Urlaub handelt.

Gina und Marcus stehen am staubbedeckten Geländewagen.

Auf der staubigen Carretera Austral durch Patagonien.

Es folgten rein individuell organisierte Reisen nach Chile, Cuba und La Reunion.

Zu Fuß unterwegs

Städtetrips mit Übernachtung in Pensionen oder einfachen Hotels stehen auch heute noch auf dem Programm, wobei meine Tendenz ganz klar Richtung Erlebnisse in der Natur geht. Viele moderne Städte gleichen sich mehr und mehr und werden dadurch uninteressant. Außerdem kann ich in der Natur besser entspannen.

Seit einigen Jahren wandere ich gerne. Das war nicht immer so. Ich hasste es sogar, weiß aber eigentlich nicht warum. Ich war schon immer gerne zu Fuß unterwegs, aber das Wort Wandern hatte etwas an sich, dass den Widerstand in mir regte. Nein, ich gehe zu Fuß, ich wandere doch nicht.

Marcus wandert auf einem schmalen Pfad.

Wandern an der Mosel.

Heute machen wir sogar Wanderurlaub. Allerdings nur Tageswanderungen mit Übernachtung in vorher gebuchten Unterkünften. So nahmen wir z.B. den Moselsteig und den weniger bekannten Neanderlandsteig unter die Füße. Den kompletten Rheinsteig haben wir in mehreren Etappen hinter uns gebracht.

Essen in fremden Ländern

Marcus und Gina mit Weingläsern in der Hand.

Weinprobe in Buenos Aires.

Wichtig ist mir mittlerweile das Essen auf Reisen geworden. Während mir früher ein voller Magen ausgereicht hat, meldet sich heute auch der Gaumen zu Wort. Ich bin kein Gourmet, aber ich möchte ich regionale Spezialitäten probieren. Ohne die kann man meiner Ansicht nach eine Region nicht vollständig begreifen. Außerdem ist für mich das gemeinsame Essen ein wichtiger kultureller Akt. Gastfreundschaft ist in allen Ländern, die wir bisher bereist haben sehr wichtig.

Höhepunkt Weltreise

Durch unsere Weltreise im Jahre 2016-2017 hat sich unsere Art zu reisen nochmals verändert. Wir waren lange unterwegs und haben viel erlebt.

Gina und Marcus stehen vor einem riesigen Dschungelbaum.

Auf der Weltreise in Kambodscha.

Mehr und mehr wurde uns klar, dass wir nicht alles von der Welt sehen können. Diese Erkenntnis entspannt und entschleunigt bis heute unsere Urlaube. Wir hetzen nicht mehr von Sight zu Sight, sondern versuchen das Jetzt und das Hier zu genießen. Auch ist mir der Kontakt zu Menschen wichtiger geworden. Ich erinnere mich lieber an nette Begegnungen als an prächtige Bauwerke. Wobei man ja beides erleben kann.

Entschleunigung und Individualität

Leider leidet manchmal unsere Planungsmentalität unter der Entschleunigung. Während wir früher unsere Urlaube akribisch geplant haben, sind wir heute meist im Faultier-Modus.  Das heißt wir planen oft sehr spät und dann spontan. Was leider nicht immer gut ist.

Gina und Marcus küssen sich am Ufer des breiten Flusses.

Lieber den Moment genießen…

Weiterhin stelle ich fest, das ich kein Gruppenmensch mehr bin. Unsere Reisen sind weitestgehend individuell und wir reisen meist als Paar. Dabei darf aber das Abenteuer nicht fehlen. Wir wandern gerne, machen Städtetrips und lieben das Entdecken fremder Kulturen. Auch Fernreisen stehen ganz hoch im Kurs. Und immer noch wie früher selbst organisiert.

Ich habe mir nie viel aus Komfort gemacht. Und doch ist mir heute ein Bett lieber als eine Isomatte. Und ein Doppelzimmer lieber als ein Zelt. Und eigentlich unterscheidet sich mein Reisestil gar nicht so sehr von dem früherer Zeiten. Die Organisation der Reise ist einfacher geworden, das Equipment besser. Aber das Mindset bleibt.