Unse­re ers­te Latein­ame­ri­ka-Rei­se führ­te uns nach Mexi­ko. Die Kunst der Azte­ken und die Pyra­mi­den der Maya übten eben­so gro­ße Anzie­hungs­kraft auf uns aus wie die Aus­sicht, Ende Oktober/Anfang Novem­ber dem grau­en mit­tel­eu­ro­päi­schen Herbst zu ent­flie­hen. Dass ich gut Spa­nisch spre­che und Mar­cus in der VHS ers­te Spa­nisch-Sprach­übun­gen absol­vier­te war ein wei­te­res Argu­ment für ein latein­ame­ri­ka­ni­sches Ziel.

Wir über­leg­ten lan­ge, ob wir uns die Rund­rei­se indi­vi­du­ell zutrau­ten, ent­schlos­sen uns aber schließ­lich doch zu einer orga­ni­sier­ten Rei­se in einer Klein­grup­pe. Um das Indi­vi­du­ell-Rei­sen ein wenig zu „üben”, häng­ten wir vor­ne und hin­ten an die Rund­rei­se ein paar selbst­or­ga­ni­sier­te Tage dran.

Unse­re Erfah­run­gen zu den bei­den Rei­se­ar­ten:

Für die Rund­rei­se spricht natür­lich, dass man sich um nix küm­mern muss. Gera­de für Men­schen, die die Lan­des­spra­che nicht beherr­schen macht das die Sache sicher leich­ter. Und auch die Rei­se­vor­be­rei­tun­gen sind deut­lich unauf­wen­di­ger: im Kata­log etwas inter­es­san­tes aus­su­chen, buchen – und fer­tig!

Eine Klein­grup­pe (wir waren 14 Leu­te) ist ganz gut über­schau­bar und man ver­ur­sacht nicht so einen Mas­sen­auf­lauf wie in einer 50-Per­so­nen-Grup­pe. Auch lernt man schnell neue Leu­te ken­nen und kann sich aus­tau­schen.

Wir hat­ten etwas Pech mit unse­rem Gui­de: als geh­be­hin­der­ter Rent­ner war er offen­sicht­lich nicht erpicht auf lan­ge Besich­ti­gungs­tou­ren, so dass vie­le davon sehr abge­kürzt wur­den. Außer­dem nerv­te er mit ras­sis­ti­schen Bemer­kun­gen über die indi­ge­ne Bevöl­ke­rung. Wenn man aller­dings einen inter­es­sier­ten, offe­nen Gui­de hat, kann das sicher sehr berei­chernd sein. Das ist also Glücks­sa­che.

Die Nach­tei­le der Grup­pen­rei­se lie­gen für uns auf der Hand: Ter­min­plan, Unter­künf­te und Rou­te sind fest­ge­legt, spon­ta­ne Ände­run­gen nicht mög­lich. Ins­be­son­de­re wenn es einem irgend­wo beson­ders gefällt, kann man nicht ein­fach einen Bus spä­ter neh­men.

Indi­vi­du­ell reis­ten wir nach Ver­a­cruz, von da aus in zwei Etap­pen über Jala­pa nach Mexi­co City. An die Rund­rei­se häng­ten wir noch ein paar Tage in Puer­to del Car­men dran.

Wir such­ten uns rela­tiv klei­ne, per­sön­li­che Unter­künf­te, was natür­lich mit einer Grup­pe nicht mög­lich ist. So konn­ten wir viel bes­ser mit Ein­hei­mi­schen ins Gespräch kom­men als in gro­ßen Hotels. Beson­ders in Puer­to del Car­men hat­ten wir einen super-freund­li­chen und hilfs­be­rei­ten Hotel­be­sit­zer.

Die Etap­pen von Ver­a­cruz nach Jala­pa und von Jala­pa nach Mexi­co City bewäl­tig­ten wir mit öffent­li­chen Bus­sen. Wer da an klapp­ri­ge Hüh­ner- und Zie­gen­bus­se denkt, liegt völ­lig falsch. Es gibt ver­schie­de­ne Luxus­klas­sen, die die Bezeich­nung wirk­lich ver­die­nen und trotz­dem spott­bil­lig sind. Brei­te, weit zurück­lehn­ba­re Sit­ze, ein wirk­lich gro­ßer Sitz­ab­stand und ent­spre­chend viel Bein­frei­heit, auch für unse­re 1,80m-plus Län­ge, und ange­neh­mer Fahr­kom­fort. Das gro­ße Gepäck wird gegen Gepäck­schein auf­ge­ge­ben. Selbst die Vide­os, die gezeigt wur­den waren nicht so schreck­lich-schrill wie befürch­tet, meist waren es rela­tiv aktu­el­le Kino­fil­me. Kurz, wir waren begeis­tert von die­ser Rei­se­form. Bequem, sicher und preis­wert – was will man mehr!

Auch das „alleine”-Rumlaufen in den Städ­ten war kein Pro­blem. Waren wir am Anfang noch super-vor­sich­tig (um nicht zu sagen ängst­lich), gewöhn­ten wir uns schnell dar­an. Natür­lich soll­te man sich infor­mie­ren, in wel­che Gegen­den man sich bes­ser nicht wagt. Aber wenn in Mexi­co-City nachts die Stra­ßen voll sind mit Men­schen (wir waren zur gro­ßen Día-de-los-muer­tos-Par­ty da), kann man sich wohl auch als Tou­rist dar­un­ter wagen. Nur ein­mal wur­de uns mul­mig: Als wir in Oaxa­ca zu viert noch einen Aus­flug ins Zen­trum gemacht hat­ten und auf dem Rück­weg gegen halb elf abends durch rela­tiv lee­re Stra­ßen lie­fen und dann noch nach und nach die Stra­ßen­be­leuch­tung aus­ge­schal­tet wur­de! Dazu kam, dass wir plötz­lich gar nicht mehr sicher über den Weg waren. Aber wir sind wohl­be­hal­ten im Hotel ange­kom­men. Im Nach­hin­ein hät­te man in die­ser Situa­ti­on viel­leicht bes­ser ein Taxi vom Zóca­lo aus genom­men.

Letzt­end­lich kamen wir zu dem Schluss, dass die Vor­tei­le des indi­vi­du­el­len Rei­sens für uns über­wie­gen und wir uns für zukünf­ti­ge Rei­sen mehr zutrau­en wer­den. Ich wer­de dar­über berich­ten…

 

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