Eine Raf­ting-Tour durch den Grand Can­yon ist ein unver­gess­li­ches und inten­si­ves Erleb­nis.

Groß­ar­ti­ge Land­schaft, Natur pur und wirk­lich „Big Water“ – der Colo­ra­do River im Grand Can­yon ist wohl der Traum eines jeden ambi­tio­nier­ten Kajak-Padd­lers. Für weni­ger Ambi­tio­nier­te und gänz­lich Unge­üb­te gibt es die Mög­lich­keit, mit dem Raft durch die Mut­ter aller Schluch­ten zu fah­ren.

Die­ses Jahr fei­ert der Grand Can­yon Natio­nal Park sei­nen 100. Geburts­tag. Anläss­lich die­ses his­to­ri­schen Ereig­nis­ses haben wir den Bericht über unse­re Grand Can­yon Raf­ting-Tour noch mal über­ar­bei­tet und aktua­li­siert. Mit die­sem Arti­kel betei­li­gen wir uns an der Blog­pa­ra­de von Safe Tra­vels Hap­py 100. Bir­th­day Grand Can­yon Natio­nal Park anläss­lich des 100. Geburts­tags des Grand Can­yon Natio­nal Park.

Großes Raft auf Rafting Tour im Grand Canyon

Eine Grand-Can­yon-Raf­ting-Tour ist in vie­len Abschnit­ten gemüt­lich

Unse­re Padd­ler­grup­pe samt Kajaks wird am Flug­ha­fen in Las Vegas von der Fir­ma Hatch River Expe­di­ti­ons abge­holt. Eine Raf­ting-Tour durch den Grand Can­yon ist auf­grund stren­ger Auf­la­gen nur aus­ge­such­ten Unter­neh­men erlaubt. Die Fahr­ten sind kon­tin­gen­tiert und oft lan­ge im Vor­aus aus­ge­bucht. Als Nicht­padd­ler fährst du als Pas­sa­gier auf den gro­ßen Rafts durch den Grand Can­yon. Was­ser­scheu soll­test du aller­dings auch bei die­ser Trans­port­me­tho­de nicht sein.

Die Fahrt Rich­tung Marb­le Can­yon am obe­ren Ende der Grand Can­yon Schlucht dau­ert vier Stun­den, wobei unser Fah­rer sei­nem Spitz­na­men „Sca­ry Lar­ry“ alle Ehre macht. Aber schließ­lich kom­men wir heil beim Wareh­ouse von Hatch an und nach dem Abend­essen in der Cliff Dwel­lers Lodge rol­len wir im oder um das Wareh­ouse unse­re Mat­ten aus und gehen schla­fen. Mei­ne ers­te Nacht unter frei­em Him­mel! Es ist etwas gewöh­nungs­be­dürf­tig. Stän­dig mei­ne ich, etwas über mich krab­beln zu füh­len, aber schließ­lich über­mannt mich der Schlaf.

Start der Raf­ting-Tour in Lee’s Fer­ry am Grand Can­yon

In einer Menschenkette werden die Packstücke bis zum Raft gereicht

Beim Bela­den der Rafts packen alle mit an

Am nächs­ten Mor­gen geht es run­ter nach Lee’s Fer­ry, wo zwei rie­si­ge Rafts und die Hatch-Crew war­ten. Das Kom­man­do „Ket­te bil­den“ erschallt – es wird uns auf der Raf­ting-Tour nun täg­lich beglei­ten – und flugs stel­len wir uns in einer Rei­he auf und rei­chen die Gepäck­stü­cke bis zu den Rafts durch. Dort wer­den sie genau wie die reich­li­chen Geträn­ke­vor­rä­te ver­la­den. Auch die Kajaks lie­gen schon ein­satz­be­reit am Ufer des Colo­ra­do Rivers.Die Rafts set­zen sich von Motor­kraft betrie­ben in Bewe­gung. Wir Padd­ler wim­meln wie ein bun­ter Schwarm um sie her­um. Die Raf­ting-Tour durch den Grand Can­yon beginnt!

Großes Raft, Kajak mit Paddler

Los geht’s zur Grand Can­yon Raf­ting Tour

Die Son­ne scheint und heizt die Luft auf nahe­zu 40 Grad auf. Da das Colo­ra­do­was­ser hier aus dem Grund­ab­lass des ober­halb gele­ge­nen Lake Powell stammt, beträgt die Was­ser­tem­pe­ra­tur nur etwa sechs Grad. So ist es trotz der Hit­ze im Kajak gut aus­zu­hal­ten, man hat sozu­sa­gen Kli­ma­an­la­ge von unten. Auf den Rafts wird dafür von innen gekühlt, mit den Geträn­ken, die mit per­fek­ter Kühl­schrank­tem­pe­ra­tur aus dem Netz neben dem Raft gefischt wer­den.

Die ers­ten Rapids im Grand Can­yon

Bald schon schau­keln wir mit den Boo­ten auf den Colo­ra­do-Wel­len, die hier noch klar und grün sind. Unser Gui­de erklärt uns, dass wir heu­te drei Rapids vor uns hät­ten, nach Grand-Can­yon-Maß­stä­ben klei­ne­re. Trotz­dem bekom­men wir gro­ße Augen, als wir in Bad­ger-Creek-Rapid fah­ren und die Wel­len sich vor uns tür­men! Das sind ande­re Grö­ßen­ver­hält­nis­se als auf den hei­mi­schen Alpen­flüs­sen.

Wäh­rend die Rafts gemüt­lich über die Wel­len trei­ben und die Pas­sa­gie­re fröh­lich juch­zen, pad­deln wir mit vol­ler Power, um in der gewal­ti­gen Strö­mung die Kon­trol­le über unse­re Kajaks zu behal­ten.

Kajaks verschwinden teilweise zwischen den hohen Wellen

Das ist nur ein klei­ner Rapid auf dem Grand Can­yon

Als nächs­te Strom­schnel­le auf der Raf­ting-Tour folgt Soap-Creek-Rapid, mit den ers­ten Schwim­mern. Der Höhe­punkt des Tages ist House-Rock-Rapid, benannt nach einem Haus-gro­ßen Fel­sen am Ende. Im Gegen­satz zu den bei­den vori­gen Rapids geht die­ser auch noch um eine Kur­ve. Gui­de Dave sieht unse­re respekt­vol­len Bli­cke, mit denen wir den Rapid mus­tern und meint grin­send: „It’s only water!“ – „Es ist nur Was­ser!“ Na, dann mal los!

Lachende Paddlerin vor hohen Wellen

Geschafft! Erleich­ter­tes Strah­len am Ende von House Rock Rapid

Cample­ben auf der Raf­ting-Tour im Grand Can­yon

Gegen Abend wird an einem Sand­strand im Grand Can­yon ange­legt. Nach­dem die Kajaks aufs Ufer gezo­gen sind, heißt es „Ket­te bil­den“, um die Rafts zu ent­la­den. Danach haben wir Zeit, unse­re Schlaf­plät­ze aus­zu­su­chen und her­zu­rich­ten. Wäh­rend sich die Crew der Raf­ting-Tour mit den Din­ner-Vor­be­rei­tun­gen beschäf­tigt, rela­xen wir bei ein paar Snacks und Kalt­ge­trän­ken.

Mobile Küche am Strand des Colorado River

Die Raf­ting-Tour-Crew berei­tet das Essen zu

Das Essen ist immer phä­no­me­nal. Es gibt jeden Tag fri­sches Fleisch oder Fisch, Gemü­se, Salat, Obst und Nach­tisch – oft im Dutch Oven geba­cke­ner Kuchen. In unse­rer gan­zen rest­li­chen Zeit in den USA wer­den wir nicht so gut essen, wie auf die­ser Raf­ting-Tour in der Wild­nis des Grand Can­yons.

All die­se Vor­rä­te wer­den im Bauch der ton­nen­schwe­ren Rafts auf Block­eis mit­ge­führt und dank des kal­ten Colo­ra­do­was­sers hal­ten sie sich bis zum Ende der Rei­se kühl und frisch.

Isomatten sind auf dem Boden ausgebreitet

Nacht­la­ger im Eine-Mil­li­on-Ster­ne-Hotel im Grand Can­yon

Um halb neun ist es dun­kel – Schla­fens­zeit! Es ist immer noch sehr warm, die Fels­wän­de der Schlucht spei­chern die Hit­ze des Tages. Bis auf die Schlan­gen­pho­bi­ker unter uns haben die meis­ten auf den Zelt­auf­bau ver­zich­tet und ihre Mat­ten unter frei­em Him­mel aus­ge­rollt. So genie­ßen wir vorm Ein­schla­fen den groß­ar­ti­gen Ster­nen­him­mel über dem Grand Can­yon. Die Milch­stra­ße ist deut­lich zu erken­nen, dazu Mil­lio­nen Ster­ne. Mit­ten in der Nacht wer­de ich wach, weil irgend­ein Blöd­mann die Schlaf­zim­mer­be­leuch­tung ange­knipst hat – ach nee, es ist nur der Voll­mond, der jetzt über den Klip­pen­rand des Grand Can­yon lugt!

Ich hät­te nicht gedacht, dass ich frei­wil­lig im Urlaub so früh auf­ste­hen wür­de, aber um spä­tes­tens sechs Uhr ist es hell und das Camp erwacht. Der Duft nach Kaf­fee zieht schon durch die Mor­gen­luft, denn die Gui­des des Raf­ting-Tour sind bereits vor uns aktiv.

Sonnenaufgang im Grand Canyon

Son­nen­auf­gang im Grand Can­yon

Gewa­schen wird sich im Fluss, eine sehr erfri­schen­de Ange­le­gen­heit, die auf­grund der Was­ser­tem­pe­ra­tur in ratio­nel­ler Eile erle­digt wird. Die Gui­des sind mit Früh­stücks­vor­be­rei­tun­gen beschäf­tigt, fri­sche Eier wer­den ganz nach Wunsch zube­rei­tet: „How do you like your egg? Scram­bled, sun­ny side up or over easy?“

Für die ande­ren mensch­li­chen Bedürf­nis­se wird an zwei ent­fern­ten Enden des Lagers jeweils ein Che­mok­lo auf­ge­stellt. Schließ­lich reg­net es in die­ser Gegend sehr sel­ten. Wenn die Tou­ris­ten der Raf­ting-Tou­ren ihr Geschäft hin­ter den spär­li­chen Tama­ris­ken­bü­schen ver­rich­ten wür­den, wären die Lager­plät­ze im Grand Can­yon schnell in einem Zustand, der nicht mehr zum Ver­wei­len ein­lü­de. Auch hier­für gilt die Grand-Can­yon-Regel: „Take not­hing but pic­tures, lea­ve not­hing but foot­prints“.

Die Fra­ge „Besetzt oder frei“ wird durch ein rotes Plas­tik­kis­sen gere­gelt, das am Beginn des Pfads zur Toi­let­te neben der Hand­wasch­sta­ti­on liegt: Geht man aufs Ört­chen, nimmt man das Kis­sen mit, fin­det man kein Kis­sen vor, war­tet man, bis man an der Rei­he ist. Und ich glau­be, es gibt wenig Toi­let­ten auf der Welt mit einer der­art sen­sa­tio­nel­len Aus­sicht!

Hohe Felswände des Grand Canyon mit Schattenwurf

So kann bei­spiels­wei­se der Blick von der Toi­let­te sein

Aus­flug in die Sil­ver Grot­to

Mit­tags­rast bei Shin­u­mo Wash. Von der Crew der Raf­ting-Tour wird das Sand­wich-Buf­fet auf­ge­baut. Nach­dem sich alle gesät­tigt haben, geht es zu einer klei­nen Wan­der- und Klet­ter­tour in einen Sei­ten­can­yon des Grand Can­yon: Sil­ver Grot­to. Wir klet­tern an Sei­len stei­le Abhän­ge hoch und run­ter, waten oder schwim­men durch was­ser­ge­füll­te Tei­le des Can­yons, bis es schließ­lich nicht mehr wei­ter­geht.

Sil­ber­graue Fels­wän­de umge­ben uns in einem ova­len Kes­sel, der nach oben immer schma­ler wird und nur einen Strei­fen Him­mel erken­nen lässt. In der Mit­te liegt ein Tüm­pel, in den die Uner­müd­li­chen, die ver­su­chen, die stei­le, glat­te Fels­wand zur nächs­ten Ebe­ne zu über­win­den, immer wie­der hin­ein­rut­schen – zum Gau­di­um des rest­li­chen Publi­kums.

Menschen waten durch hüfttiefes Wasser in einem Felskessel

Expe­di­ti­on in den Neben­can­yon

Nach der Pau­se geht es wie­der in die Kajaks und auf die Rafts. Zwei der namen­lo­sen Rapids im Fün­fer-Bereich (die Colo­ra­do-Ska­la reicht von 1 bis 10) brin­gen mich heu­te zum Schwim­men. Ein­ge­stie­gen wird auf dem Fluss: nach­dem Dave mein Boot quer über sein Boot gezo­gen und so geleert hat, legt er es neben sein Kajak und hält es fest, so dass ich übers Heck wie­der ins Kajak rob­ben kann. Geht leich­ter als gedacht.

Paddler in rotem Kajak im Grand Canyon

Mar­cus sitzt fest im Boot

Zu unse­rer Erhei­te­rung geht sogar einer der Raf­ting-Tour-Pas­sa­gie­re unfrei­wil­lig baden. Er hat­te es sich ganz vor­ne auf dem spitz zulau­fen­den Wulst bequem gemacht, um die Fahrt zu genie­ßen. Beim Ritt über die Wel­len des Rapids ver­lor er den Halt und muss­te den rest­li­chen Kata­rakt schwim­men – ohne iso­lie­ren­den Neo­pren­an­zug! Schwimm­wes­ten sind zum Glück auch für die Raf­ting-Pas­sa­gie­re Pflicht.

Nun folgt eine lan­ge rela­tiv ruhi­ge Stre­cke, auf der es nur gera­de­aus pad­deln heißt. Das ist gar nicht so ein­fach, denn unter der Fluss­ober­flä­che lau­ern Quer­strö­mun­gen und Wir­bel, die stän­dig das Boot in eine ande­re Rich­tung dre­hen. Immer wie­der ist plötz­lich der Vor­der­mann um zehn Meter nach rechts oder links ver­setzt. Da haben es die Rafts ein­fa­cher, die mit Motor­kraft ihren Weg durch die Strö­mung pflü­gen.

Paddlerin in blauem Kajak

Auf ruhi­gen Abschnit­ten des Colo­ra­do Rivers pad­delt es sich meist ent­spannt.

Rechts und links ragen die Fels­wän­de in den typi­schen Ocker- und Rot­tö­nen des Grand Can­yons meh­re­re hun­dert Meter senk­recht empor. Dann wie­der tre­ten die Steil­wän­de zurück, das Ufer besteht aus gro­ßen Kie­seln, ein Neben­tal trifft auf den Colo­ra­do und ab und zu erbli­cken wir ein paar Muff­lons mit ihren gro­ßen gebo­ge­nen Hör­nern.

Gut getarnte Mufflons am Ufer im Grand Canyon

Gut getarn­te Muff­lons  im Grand Can­yon

Bei Mile 33 machen wir noch ein­mal Halt, um Red­wall Cavern zu besich­ti­gen, eine rie­si­ge Höh­le im roten Gestein des Grand Can­yon. Hier wur­den sogar schon Kon­zer­te abge­hal­ten.

Blick aus einer großen Höhle auf den Grand Canyon

Die Red­wall Cavern hat gigan­ti­sche Aus­ma­ße

Ana­sa­zi-Korn­spei­cher bei Nan­koweap

Das High­light des nächs­ten Tages sind die Ana­sa­zi-Korn­spei­cher am Nan­koweap Can­yon. In der Glut­hit­ze des Vor­mit­tags wan­dern wir etwa 400 Meter steil berg­auf, bis wir die vor fast tau­send Jah­ren in einen Fels­über­hang gebau­ten Spei­cher errei­chen. Hier lager­ten die India­ner ihre Getrei­de­vor­rä­te, die sie unten im Fluss­del­ta des Nan­koweap Creeks ern­te­ten. Von dem Fels­sims aus genie­ßen wir eine atem­be­rau­ben­de Aus­sicht über den Grand Can­yon, ehe wir uns wie­der an den Abstieg machen.

Menschen sitzen an Felswand, unter ihnen der Colorado River

Blick aus luf­ti­ger Höhe auf den Grand Can­yon

Spä­ter pas­sie­ren wir mit unse­rer Raf­ting-Tour die Mün­dung des Litt­le Colo­ra­do Rivers. Nor­ma­ler­wei­se färbt sich ab hier der Colo­ra­do in dem typi­schen Rot­braun, aber es sind in letz­ter Zeit kei­ne Gewit­ter im Gebiet des Litt­le Colo­ra­do her­ab gegan­gen und haben die Schlamm­mas­sen her­un­ter­ge­spült. So bleibt uns noch eini­ge Tage der Fluss in mil­chi­gem Grün erhal­ten.

Die Big Rapids des Grand Can­yons- der ers­te der Big Five

Wir errei­chen nun die Inner Gor­ge, in der der Colo­ra­do River sich am tiefs­ten ins Gestein des Grand Can­yons geschnit­ten hat. Die Fels­wän­de bestehen aus schwar­zem Visch­nu-Schie­fer und rosa Gra­nit. Als ers­ter der „Big Rapids“ kommt Han­ce Rapid.

Mehrere Kajaks fahren durch weißschäumende Stromschnellen

Win­zi­ge Böt­chen auf wil­dem Fluss

Ein rie­si­ger Basalt­wür­fel in der Fluss­mit­te mar­kiert den Ein­gang, dann geht es über eine hal­be Mei­le Län­ge fast zehn Meter abwärts – mit mäch­ti­gen Wal­zen, denen es aus­zu­wei­chen gilt. Wer hier schwimmt, schwimmt lan­ge und so fällt mei­ne Ent­schei­dung leicht: ab aufs Raft.

Bevor wir los­fah­ren, ent­schul­digt sich Raft­gui­de Rachel schon mal im Vor­aus dafür, dass sie ver­mut­lich gleich viel flu­chen wird, weil es eine schwie­ri­ge Fahrt ist. Sie dreht den 25-PS-Motor, der das ton­nen­schwe­re Raft antreibt, auf Voll­gas und los geht’s. Die Wel­len waschen über das gesam­te Raft, nicht nur die Pas­sa­gie­re in der ers­ten Rei­he wer­den klatsch­nass. Mit­ten im Rapid ver­sagt der Motor.

Nun hat Rachel allen Grund zum Flu­chen, sie zieht und zieht an der Start­lei­ne, doch nichts pas­siert. Wir tru­deln steu­er­los durch die Wel­len, ram­men das Ufer, wer­den wei­ter getrie­ben und lau­fen auf einen Fel­sen auf. End­lich star­tet der Motor wie­der, Rachel hat das Raft wie­der unter Kon­trol­le. Viel­leicht soll­te ich den nächs­ten Big Rapid doch sel­ber pad­deln…

Phan­tom Ranch

Gegen Mit­tag errei­chen wir Phan­tom Ranch. Hier ist die ein­zi­ge Ver­bin­dung wäh­rend der Raf­ting-Tour im Grand Can­yon zur Außen­welt. Es gibt ein Tele­fon, man kann Post­kar­ten erwer­ben und los­schi­cken, die dann per Muli zum South Rim gebracht wer­den.

Reiter auf Maultier

Alles muss per Maul­tier trans­por­tiert wer­den

Sie bekom­men sogar einen Post­stem­pel „Mai­led by mule“. Hier gelangt man nur per Boot, per Pedes oder per Muli hin. Die Tou­ris­ten, die Grand Can­yon Vil­la­ge oben am Rim besu­chen, kön­nen von dort einen stun­den­lan­gen Abstieg bewäl­ti­gen. Wenn sie nicht Wochen vor­her Schlaf­plät­ze bei der Phan­tom Ranch vor­be­stellt haben, müs­sen sie auch am glei­chen Tage wie­der auf­stei­gen. Wil­des Cam­pie­ren ist nicht erlaubt.

Fußbrücke über den Colorado River bei Phantom Ranch

Fuß­brü­cke über den Colo­ra­do River bei Phan­tom Ranch

Noch mehr Big Rapids auf dem Colo­ra­do River

Als nächs­ter Big Rapid war­tet Horn Creek Rapid auf uns. Der Anteil der Padd­ler, die lie­ber aufs Raft wol­len wird grö­ßer. Lei­der haben die Rafts auf der ande­ren Fluss­sei­te ange­legt. Wir müs­sen unmit­tel­bar ober­halb des Rapids den Fluss que­ren, um dort­hin zu gelan­gen. Der Fluss ist breit, die Strö­mung zieht ordent­lich und unser Adre­na­lin­pe­gel ist hoch, als wir alle die Rafts erreicht haben. Die Boo­te wer­den ver­staut und fest­ge­zurrt und der wil­de Raf­ting-Ritt durch Horn Creek kann los­ge­hen – dies­mal ohne Motor­pan­ne.

Blick vom Raft auf große Wellen voraus

Anfahrt in Horn Creek Rapid

Weni­ge Mei­len wei­ter fol­gen schon Gra­nit Rapid und Her­mit Rapid und so blei­ben wir gleich auf dem Raft. Her­mit ist der Rapid mit den höchs­ten Wel­len im Grand Can­yon, durch vier Meter hohe Was­ser­ber­ge kämp­fen sich die Muti­gen unter uns im Kajak.

Kajak fährt über riesige schäumende Welle

Wel­len­ber­ge in Her­mit Rapid

Am nächs­ten Vor­mit­tag errei­chen wir auf unse­rer Raf­ting-Tour einen wei­te­ren Big Rapid: Crys­tal Rapid. Am liebs­ten wür­de ich mein Boot schon vor der Besich­ti­gung des Rapids aufs Raft ver­la­den. Aber unser Gui­de zeigt uns eine Chi­cken­li­ne, die ich viel­leicht sogar krie­gen könn­te, wenn es mir gelingt, recht­zei­tig aus der Haupt­zun­ge raus zu kom­men.

Ich wage es – ner­vös stei­ge ich in mein Boot und padd­le ener­gisch Rich­tung Sicher­heit. Und es klappt! Eupho­risch gestimmt errei­che ich das Ende des Rapids – wenigs­tens einen der Big Ones bin ich selbst gepad­delt.

In der Mit­tags­pau­se am Shin­u­mo Creek lädt ein Was­ser­fall im Sei­ten­can­yon zu einer erfri­schen­den Dusche ein. Das hier her­ab­stür­zen­de Was­ser ist ange­nehm warm. Natür­lich sind Sei­fe und Sham­poo nicht erlaubt, sonst hät­te man mal zur Abwechs­lung eine Haar­wä­sche mit ange­nehm tem­pe­rier­tem Was­ser machen kön­nen.

Frau steht unter Wasserfall

Duschen unterm Was­ser­fall

Nach nur 16 Mei­len (knapp 26 km) Tages­etap­pe errei­chen wir auf unse­rer Raf­ting-Tour unser Nacht­camp am Thun­der River rela­tiv früh. Dem­entspre­chend heiß ist es. Die Son­ne knallt noch rich­tig. Man kann kein Gepäck­stück anfas­sen, ohne sich die Fin­ger zu ver­bren­nen. Die Tama­ris­ken­bü­sche bie­ten nur dürf­ti­gen Schutz und so flüch­ten wir in den Sei­ten­can­yon des Thun­der River, wo wir Schat­ten und eine Art natür­li­chen Whirl­pool unter einem klei­nen Was­ser­fall fin­den. Hier lässt es sich aus­hal­ten!

In der Nacht kün­det Wet­ter­leuch­ten von fer­nen Gewit­tern im Grand Can­yon. Am Mor­gen hat der Colo­ra­do River sei­ne Was­ser­far­be geän­dert: im typi­schen Rot­braun wälzt er sich durch sein Bett. Na end­lich!

Rotbrauner Strom zwischen Felswänden

Rot­brau­ne Brü­he, typisch Grand Can­yon

Ein Teil der Grup­pe bricht zu einer Tages­wan­de­rung auf, der ande­re Teil fährt mit dem Raft die drei Mei­len bis zum Deer Creek. Der Deer Creek fällt in einem 30 Meter Fall in einen kris­tall­kla­ren Pool mit ange­neh­mer Bade­tem­pe­ra­tur. Der Was­ser­fall erzeugt einen der­ar­ti­gen Luft­druck in dem Kes­sel, dass es unmög­lich ist, näher als zehn Meter her­an zu schwim­men – man wird förm­lich weg­ge­pus­tet.

Schmaler Wasserfall aus rotbrauner Felswand

Deer Creek Fall

Nach­mit­tags kom­men die Wan­de­rer ver­schwitzt und erschöpft an und stür­zen sich begeis­tert ins Was­ser. Nach­dem sie sich aus­ge­ruht haben, ist noch ein wenig Raf­ting und Pad­deln ange­sagt: ein paar Mei­len Raf­ting-Tour ste­hen auch heu­te noch auf dem Pro­gramm.

Expe­ri­men­tier­freu­dig pro­bie­re ich eine Eski­mo­rol­le in den nun­mehr brau­nen Flu­ten. Es ist stock­fins­ter unter Was­ser, nicht ein win­zi­ger Licht­schim­mer dringt durch das sedi­mentrei­che Was­ser. Sehr gewöh­nungs­be­dürf­tig!

Upset Rapid wird zum Schwimm­fest

Der nächs­te Tag unse­rer Raf­ting-Tour beschert uns einen Rapid, der es in sich hat: Upset Rapid, der mit Grad 3–8 ein­ge­stuft ist. Unser Gui­de führt uns natür­lich die „8er-Rou­te“ run­ter. In der Mit­te gilt es, ein gro­ßes Loch tun­lichst nicht zu tref­fen, links davon tür­men sich Rie­sen­wel­len, über die wir die Boo­te steu­ern. Nach zwei oder drei die­ser Din­ger kommt plötz­lich ein Rie­sen­bre­cher von links aus der Fels­wand und wälzt sich seit­lich über mich.

Gekentertes Kajak in wilder Strömung

Kopf­un­ter ist man schnell

Ich ken­te­re, kämp­fe, um das Pad­del zur Rol­le anzu­le­gen gegen die Strö­mung, die unter Was­ser an mir zerrt. Als ich gera­de soweit bin, dreht eine Wel­le mein Boot um – lei­der zu fal­schen Sei­te und lei­der nicht kom­plett. Die Strö­mung reißt mir das Pad­del zur ande­ren Sei­te. Ich mache einen wei­te­ren, aus Luft­not halb­her­zi­gen Roll­ver­such – dann stei­ge ich aus. Ich schwim­me in rie­si­gen Wel­len, die immer wie­der über mir zusam­men­bre­chen, so dass Atmen tak­ti­scher Über­le­gun­gen bedarf. Vor mir sehe ich Win­fried abkrau­len. Hin­ter mir schwim­men Mar­cus und Mike – die Rou­te war ja ein vol­ler Erfolg! Gui­de Dave, der die rech­te, leich­te­re Rou­te wählt, bringt sei­ne Grup­pe unbe­scha­det durch.

Hava­su Creek

Klarer Fluss zwischen Felswänden mündet in Colorado River

Der kla­re Hava­su Creek fließt in den schlam­mi­gen Colo­ra­do River

Mit­tags­rast machen wir an der Mün­dung von Hava­su Creek. Kris­tall­kla­res Was­ser des Hava­su Creeks trifft die schlam­mi­gen Colo­ra­do­flu­ten – in einer scharf abge­grenz­ten Linie. Wir wan­dern ein Stück das Tal hin­auf bis zu einer Stel­le, wo es einen herr­li­chen Bade­pool gibt. Hier schwim­men wir und rela­xen im Schat­ten des Fels­pla­teaus. Wei­ter oben im Can­yon gibt es eine Sied­lung der Hava­su­pai-India­ner und einen traum­schö­nen Was­ser­fall, aber die Zeit reicht lei­der nicht für die mehr­stün­di­ge Wan­de­rung dort­hin. Die Raf­ting-Tour geht heu­te noch ein Stück wei­ter, ehe wir uns für die Nacht ein­rich­ten.

Einen sehr span­nen­den Bericht über den Hike von oben zu den Hava­su Falls hat Kat­rin auf ihrem Blog ver­öf­fent­licht: Pla­ces To See Befo­re You Die: Hava­su Falls

Action pur: Lava Falls

Einen Tag spä­ter errei­chen wir den Höhe­punkt eines jeden Grand-Can­yon-Raf­ting-Trips: Lava Falls.

Alle ande­ren Rapids haben sich durch Rau­schen ange­kün­digt. Hier hören wir schon von fer­ne das Don­nern des Rapids, ein­ge­stuft mit dem Grad 8 – 10. Wir stei­gen am lin­ken Ufer aus, um die legen­dä­re Stel­le zu besich­ti­gen. Das schwar­ze Lava­ge­stein in Lava Falls trägt das sei­ni­ge zur bedroh­li­chen Atmo­sphä­re bei.

Paddler auf ruhiger, brauner Wasserfläche

Die Ruhe vor dem Sturm: Zufahrt zum Rapid Lava Falls

In der Mit­te und damit in der Haupt­strö­mung tut sich ein gewal­ti­ges Loch auf, in Dimen­sio­nen, die wir uns hier­zu­lan­de nicht vor­stel­len kön­nen. Hat man es an dem Loch vor­bei geschafft, lau­ern rechts ein paar wirk­lich gro­ße Wal­zen auf den muti­gen Padd­ler. Wir beob­ach­ten atem­los die weni­gen ech­ten Hel­den, die sich mit ihren Kajaks durch das tosen­de Infer­no kämp­fen, bevor der gro­ße Rest der Grup­pe die Rafts besteigt.

Großes Raft in großen Wellen

Raf­ting Lava Falls

Auch das Raf­ting durch Lava Falls ist aben­teu­er­lich. Die Gui­des sind hoch­kon­zen­triert und tro­cken bleibt nie­mand. Die rie­si­gen Rafts bäu­men sich in den toben­den Wel­len auf, tau­chen wie­der ab ins nächs­te Wel­len­tal, wäh­rend das Was­ser über das gesam­te Raft bricht. Jeder krallt sich irgend­wo fest, um nicht über Bord gespült zu wer­den.

Lake Mead – Ende unse­rer Raf­ting-Tour im Grand Can­yon

Bevor wir den Lake Mead errei­chen, wer­den alle Kajaks auf die Rafts ver­la­den, da der Colo­ra­do River ab hier nur noch wenig Strö­mung hat. Den gan­zen Tag moto­ren wir den Fluss hin­un­ter. Wir erha­schen einen Blick auf den berühm­ten Sky­walk, eine Aus­sichts­platt­form mit glä­ser­nem Boden hoch oben in einem Sei­ten­can­yon des Colo­ra­dos. Von hier unten aus sieht sie win­zig aus.

Am Nach­mit­tag errei­chen wir Lake Mead, wo das aller­letz­te Camp der Raf­ting-Tour auf einer Halb­in­sel auf­ge­schla­gen wird. Wir schwim­men und plan­schen im war­men See. End­lich wie­der Haa­re waschen mit Was­ser, das wär­mer als acht Grad ist und nicht vol­ler Sand! Der ein­zi­ge Nach­teil des war­men Was­sers: heu­te Abend gibt es kein kal­tes Bier.

Im Vordergrund Wiese, dahinter See und Berge und rotblaue Wolkan

Abend­stim­mung über Lake Mead

Infos zur Grand Can­yon Raf­ting-Tour

  • Die Stre­cke von Lee’s Fer­ry bis Lake Mead beträgt 474 Kilo­me­ter. Dabei sind 81 Rapids zu bewäl­ti­gen.
  • Raf­ting-Tou­ren: Mit Kajaks oder Ruder-Rafts (die Gui­des rudern!) benö­tigt man 12 Tage für die Tour, Motor-Rafts allei­ne sind schnel­ler. Die moto­ri­sier­te Raf­ting-Tour durch den gesam­ten Grand Can­yon dau­ert sie­ben Tage. Es gibt auch vier­tä­gi­ge Halb-Can­yon-Tou­ren, die bis Phan­tom Ranch gehen oder von dort star­ten. Das bedeu­tet einen Hike in oder aus dem Grand Can­yon über den Bright Angel Trail.
  • Die Was­ser­tem­pe­ra­tur liegt ganz­jäh­rig bei 6 – 8 Grad, da das Was­ser als Grund­ab­lass aus dem Lake Powell kommt und durch die hohe Fließ­ge­schwin­dig­keit im Grand Can­yon kaum auf­ge­wärmt wird.
  • Im Som­mer wird es unten im Grand Can­yon sehr heiß, auch nachts bleibt es warm, da die Fels­wän­de die Wär­me spei­chern. Im Früh­jahr und Herbst soll­te man auch ein paar wär­me­re Sachen dabei haben.
  • Mit dem Kajak soll­te man sich nur als erfah­re­ner Padd­ler auf den Colo­ra­do River wagen. Alle ande­ren kön­nen das Ver­gnü­gen auf einer Raft-Tour genie­ßen. Wir haben über Hatch River Expe­di­ti­ons gebucht und waren mit dem Anbie­ter sehr zufrie­den.
  • Aus­rüs­tung: Zel­te, Iso­mat­ten und Schlaf­sä­cke wer­den vom Anbie­ter der Raf­ting-Tour gestellt, eben­so was­ser­dich­te Pack­sä­cke für dein Gepäck. Als Klei­dung wählst du Funk­ti­on­s­klei­dung, die schnell trock­net – du wirst nass wer­den! Wich­tig ist aus­rei­chen­der Son­nen­schutz: leich­te, lan­gär­me­li­ge Klei­dung, Son­nen­milch mit hohem Schutz­fak­tor und ein Son­nen­hut. Bril­len­trä­ger soll­ten ein Sport­band zur siche­ren Befes­ti­gung der Augen­glä­ser benut­zen.
  • Anrei­se: Die Anrei­se erfolgt von Las Vegas und wird vom Anbie­ter der Raf­ting-Tour orga­ni­siert.
  • Kos­ten: Ganz klar: eine Raf­ting-Tour durch den Grand Can­yon ist sau­teu­er! Der Preis rela­ti­viert sich, wenn du bedenkst, was für ein rie­si­ger logis­ti­scher Auf­wand dahin­ter steckt. Uns was es eine Once-In-A-Life­time-Erfah­rung wert. Bei kei­ner ande­ren Gele­gen­heit kannst du den Grand Can­yon so inten­siv erfah­ren. Aktu­el­le Prei­se für die Raf­ting-Tou­ren kannst du den Home­pages der Anbie­ter ent­neh­men.

Links zu ähn­li­chen Bei­trä­gen:

Nach dem Grand-Can­yon-Aben­teu­er haben wir noch eine Rund­rei­se durch die umlie­gen­den Natio­nal­parks rund um den Grand Can­yon gemacht.

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See­ka­jak auf der Insel Rab in Kroa­ti­en

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