Die Soca (sprich: Sot­scha) ist ein wun­der­schö­ner Gebirgs­fluss in Slo­we­ni­en. Sie ent­springt im Tri­g­lav-Mas­siv und mün­det unter dem Namen Ison­zo in der Nähe von Tri­est in die Adria. Cha­rak­te­ris­tisch für die obe­re Soca ist ihr sma­ragd­grü­nes, kris­tall­kla­res Was­ser. Durch die Lage des Tales, das zum Mit­tel­meer hin geöff­net ist, ist das Kli­ma mild und warm. Die hel­len Karst­fel­sen und die majes­tä­ti­schen Gip­fel des Tri­g­lav-Mas­sivs bil­den einen beein­dru­cken­den Rah­men.

Slowenien Soca

Bei der Anrei­se gibt es schon tol­le Aus­bli­cke

Auf der Soca haben wir unse­re ers­ten Wild­was­ser-Erfah­run­gen gemacht, bie­tet sie doch Wild­was­ser in ver­schie­de­nen Schwie­rig­keits­stu­fen, ide­al also, um das Pad­deln zu ler­nen und sich lang­sam zu stei­gern. Außer Pad­deln kann man sich natür­lich auch mit Akti­vi­tä­ten wie Wan­dern, Can­yo­ning oder Para­gli­ding die Zeit ver­trei­ben.

Soca Slowenien Wandern

Schö­ne Land­schaf­ten kannst du beim Wan­dern bewun­dern

Los geht’s mit dem Kajak­kurs an der Soca

Auf dem Cam­ping­platz bei Bovec schla­gen wir unse­re Zel­te auf. Der Platz ist fest in der Hand von Padd­lern, über­all lie­gen Kajaks und Pad­del her­um und hän­gen Neo­pren­an­zü­ge und Pad­del­ja­cken zum Trock­nen über den Lei­nen.

Slowenien Soca Kajak

Vie­le bun­te Kajaks

Am ers­ten Tag geht es bei strah­len­dem Sonnen­schein nach Kobarid, wo wir unter­halb der Napole­onbrücke ein­set­zen. Hier auf dem rela­tiv leich­ten Stück wol­len die bei­den Kajak­leh­rer Dany und Kat­rin unse­re Fähig­kei­ten ein­schät­zen. Die Soca begrüßt uns mit kristall­klarem, tür­ki­sem Was­ser. Neu­gie­rig beob­ach­ten die Son­nen­ba­den­den auf der strah­lend wei­ßen Sand­bank, wie wir alle ken­tern und unter Was­ser aus­stei­gen müs­sen. Kat­rin ist uner­bitt­lich, auch wir Erfah­re­ne­ren müs­sen ein­mal ins eis­kal­te Was­ser, damit sie sicher ist, dass jeder im Not­fall aus­stei­gen kann. Danach geht es erst mal mit klei­nen Spiel­chen zur Auf­lo­cke­rung los: vor­wärts pad­deln, rück­wärts pad­deln, Bogen­schlag, auf der Kan­te pad­deln und ein wil­des Ball­spiel. Und, so Dany, das Wich­tigs­te beim Pad­deln: „Immer lächeln!“

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Wie die Enten hin­ter der Mut­ter…

Nun pad­deln wir los über leicht flie­ßen­des Was­ser und klei­ne Schwäl­le. Für uns fürs Warm­wer­den ganz nett, für die Uner­fah­re­nen schon die ers­te Her­aus­for­de­rung. Ers­te Kehr­was­ser­übun­gen füh­ren zu ers­ten Schwim­mern. Aber Haupt­sa­che Spaß dabei!

Abends nach dem opu­len­ten Essen die Feed­back-Run­de: Alle schrei­en nach mehr. Dany ist sehr zufrie­den mit dem Kurs­ni­veau und kün­digt bereits für mor­gen für die Hälf­te der Grup­pe die „Fried­hofs­stre­cke“ an, die ande­re Hälf­te pad­delt das Stück von unter­halb der 3. Klamm bis nach Cez­so­ca. Am Mitt­woch sol­len die Grup­pen bzw. Stre­cken getauscht wer­den.

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Mor­gen­ne­bel im Tal

Von der Klamm zum Camp

Mar­cus und ich sind in der Grup­pe, die mit Kat­rin das Stück bis Cez­so­ca fah­ren soll. Der Abstieg vom Park­platz an der Stra­ße mit dem Boot auf der Schul­ter ist steil und müh­sam, aber schließ­lich haben wir es geschafft. Zunächst besich­ti­gen wir vom Ufer und von einer Hän­ge­brü­cke aus die drit­te Klamm: fast senk­rech­te wei­ße Kalk­stein­wän­de bil­den einen schma­len Ein­schnitt, in dem tief unter uns sma­ragd­grün das Was­ser schim­mert.

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Hin­ter der drit­ten Soca-Klamm

Dann geht es los, auf etwas leb­haf­te­rem Was­ser als ges­tern. An meh­re­ren Stel­len wird tra­ver­sie­ren und Kehr­was­ser­fah­ren geübt, wobei wie­der eini­ge baden gehen. Aber bei strah­len­dem Son­nen­schein und über 30 Grad ist die Abküh­lung recht. Mit­tags machen wir bei unse­rem Cam­ping­platz Pau­se, bevor wir das letz­te Stück bis Cez­so­ca in Angriff neh­men. Nach einem leb­haf­tem, leicht ver­block­tem Schwall errei­chen wir unse­re Aus­stiegstel­le und sind rela­tiv früh am Nach­mit­tag wie­der zurück. So bleibt uns noch Zeit für einen klei­nen Bum­mel durch Bovec, wobei wir aller­dings bei jedem Schritt die Fol­gen der unge­wohnt inten­si­ven Bewe­gung der letz­ten zwei Tage spü­ren! Ein Tag Pau­se wäre jetzt auch nicht schlecht…

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Pad­deln auf kris­tall­kla­rem Was­ser

Abends erwar­ten wir mit Span­nung die Rück­kehr der „Fried­hofs­grup­pe“. Die sehen dann auch ziem­lich erschöpft aus und berich­te­ten von diver­sen Ken­te­run­gen.

Der Höhe­punkt: Die Fried­hofs­stre­cke

Am nächs­ten Tag wer­den die Grup­pen getauscht. Wir sind schon ein wenig ner­vös nach den Schil­de­run­gen der ande­ren und sehr gespannt, was uns er­wartet und wie wir die Schwie­rig­kei­ten meis­tern wer­den. Aber Dany setzt uner­schüt­ter­li­ches Ver­trauen in unse­re Fähig­keiten, was uns wie­der­um beru­higt. Außer­dem kön­ne jeder das ers­te Stück der Fried­hof­stre­cke besich­ti­gen und dort auch aus­stei­gen, wenn man es sich nicht zutraue.

Slowenien Soca Kajak

Wie ein tür­ki­ses Band liegt die Soca zwi­schen den Hügeln

Wir fah­ren nach Zaga, wo wir uns auf zunächst leich­tem Wild­was­ser warm pad­deln. Dany übt mit uns, wie man sich gegen einen Fels lehnt, gegen den man unvor­sichtigerweise quer ge­trieben wur­de, wie man mit Anlauf Stei­ne über­springt, denen man nicht mehr aus­wei­chen kann und immer wie­der Kehr­was­ser anfah­ren. Und natür­lich: „Immer lächeln!“ Die gelern­ten Manö­ver kön­nen wir auf der Stre­cke bis zur Ton­kuhle immer wie­der üben, Stei­ne, die so gera­de aus dem Was­ser gucken, gibt es auf Grund des niedri­gen Was­ser­stands ge­nug.

Slowenien Soca Kajak

Genug „Übungs­stei­ne” im Bach

An der Ton­kuh­le wird Pau­se gemacht, die mit­ge­brach­ten Bro­te ver­zehrt und dann die Ein­gangsstelle zum „Fried­hof“ besich­tigt. Kei­ner von uns will knei­fen und hier aus­stei­gen, und so sit­zen wir bald alle wie­der in unse­ren Boo­ten und pad­deln hin­ter Dany her. Leb­hafte Schwäl­le, Kata­rakte, gro­ße Wel­len, Ver­blo­ckun­gen – Wild­wasser III sind wir bis­her noch nie gepad­delt. Es gibt genü­gend gro­ße Kehr­wäs­ser, in denen wir uns immer wie­der sam­meln und Dany uns den nächs­ten Abschnitt er­klärt. Und dann geht´s wie­der wei­ter, es schäumt und spritzt um uns her­um und es macht Riesen­spaß! Angst? Völ­lig ver­gessen. Immer lächeln!

Slowenien Soca Friedhof

Los geht’s in die Fried­hofs­stre­cke!

Die neu erwor­be­nen Fä­higkeiten bezüg­lich der Kol­li­si­on mit Stei­nen kann ich schon gut ein­set­zen, ich rum­pe­le zwar den ein oder ande­ren Fel­sen an, kann mich aber immer wie­der abfan­gen. Dany lobt uns uner­müd­lich und mit einer Begeis­te­rung, als sei­en wir die Pad­del-Kory­phä­en schlecht­hin. Das ist Bal­sam für unse­re See­len, unser Selbstver­trauen wächst mit jeder Schwie­rig­keit, die wir meis­tern. Als Dany uns an einer Stel­le zwei Möglich­keiten der Wei­ter­fahrt anbie­tet: rechts Chi­cken Way, links Action Line, ist die Ent­schei­dung bei al­len gleich: „Chi­cken Way? Nichts für uns! Wir neh­men die Action Line.“ Und wir meis­tern sie.

Slowenien Soca Kajak

Action ist immer gut

Nach dem letz­ten dicken Schwall (mit einem dicken Stein in der Mit­te) taucht die Hän­ge­brü­cke von Trno­vo auf und damit die Aus­stiegs­stel­le. Wir sind erstaunt: Schon vor­bei? So schnell? Und ich bin als Ein­zi­ge nicht geken­tert! Stolz und eupho­risch keh­ren wir zum Cam­pingplatz zurück, und obwohl wir heu­te ganz schön rein­ge­hau­en ha­ben, füh­len wir uns nicht halb so erschöpft wie an den Tagen zuvor.

Slowenien Soca Kajak Friedhofsstrecke

Furio­ses Fina­le der Fried­hofs­stre­cke

Aus­klang auf der Fried­hofs­stre­cke

Der letz­te Kurs­tag bie­tet uns die Mög­lich­kei­ten, eine län­ge­re, gemüt­lich Tour mit oder ohne Fried­hofstrecke zu fah­ren oder noch ein­mal durch den Fried­hof hei­zen. Mar­cus und ich ent­schei­den uns mit drei wei­te­ren Teil­neh­mern für Letz­te­res. Am Raft­ein­stieg set­zen wir ein. Auch an die­sem Tag ler­ne ich noch etwas, als Dany mei­ne Kollisionsnei­gung mit Fel­sen aller Art begut­ach­tet und meint: „Du darfst den Stein nicht angu­cken. Guck auf die Lücke, durch die du fah­ren willst.“ Und sie­he da, es funk­tio­niert: konse­quentes Igno­rie­ren des bedroh­li­chen Fel­sens führt mich sicher an ihm vor­bei. Ich bin begeis­tert und ram­me bei mei­ner zwei­ten Durch­fahrt durch die Fried­hof­stre­cke deut­lich weni­ger Stei­ne als bei der ers­ten. Trotz­dem lan­de ich dies­mal im Was­ser, aber es ist ja wie­der warm und son­nig…

Slowenien Soca Kajak

Immer der Wel­le nach

Zum Schluss der Tour for­dert Dany mich auf, vor­zu­fah­ren. Nur noch eine Stel­le, das kannst du! Ich will ja nicht knei­fen, also auf! Die­ser letz­te dicke Schwall, der mit dem dicken Stein in der Mit­te. Den Stein sehe ich aller­dings viel zu spät, also muss Plan B ran: mit Schma­ckes drauf zu und drü­ber­sprin­gen! Klappt auch, und zum Glück auch bei den ande­ren, die fröh­lich hin­ter mir her ge­paddelt sind… Immer lächeln!

Mit die­sem Arti­kel neh­me ich an der Euro­pa­blog­pa­ra­de von Trip to the Pla­net teil.