Nach der Welt­rei­se: Kauf­rausch ade!

In die­ser Rei­he „50-plus-Welt­rei­se-Erfah­run­gen: unser Leben danach“ berich­ten wir in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den über die Aus­wir­kun­gen unse­rer Welt­rei­se. Wel­che Erfah­run­gen haben uns beein­flusst? Ein Aus­lands­jahr oder der län­ge­re Auf­ent­halt in unter­schied­li­chen Län­dern oder Kul­tu­ren prägt jun­ge Men­schen stark und lässt sie rei­fen. Was aber pas­siert, wenn man als Erwach­se­ner mit Mit­te Fünf­zig das Arbeits­le­ben für ein Jahr hin­ter sich lässt und von Ort zu Ort tin­gelt? Wie fühlt es sich an, dem Hams­ter­rad zu ent­kom­men und wie, hin­ter­her wie­der rein zu müs­sen?

Im ers­ten Teil unse­rer Welt­rei­se-Erfah­run­gen-Rei­he geht es um unser ver­än­der­tes Kauf­ver­hal­ten.

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Unser Kauf­ver­hal­ten vor der Welt­rei­se – Kon­sum­rausch light

Waren wir schon vor der Welt­rei­se kei­ne aus­ge­mach­ten Ein­kaufs-Jun­kies, so zeig­te unser Haus­rat doch, dass wir gute Kon­su­men­ten waren. Wir hat­ten eine gro­ße Woh­nung, zwei  Autos, gut gefüll­te Klei­der­schrän­ke, Möbel, Unter­hal­tungs­elek­tro­nik und vie­les mehr, was wir zu brau­chen mein­ten. Schon wäh­rend der Pla­nung unse­rer Welt­rei­se fin­gen wir an, unse­re Ein­käu­fe zu  hin­ter­fra­gen und als Resul­tat des­sen uns von über­flüs­si­gem Bal­last zu tren­nen. Dabei hal­fen bei­spiels­wei­se die Weg­werf-Chal­len­ge „Jeden Tag etwas los­wer­den“  oder das Lesen von Mini­ma­lis­mus-Blogs, wo wir aus den Erfah­run­gen ande­rer lern­ten. Dadurch wur­de uns erst­mal bewusst, was sich zu Hau­se alles ansam­meln kann. Din­ge, von denen wir mein­ten, sie irgend­wann doch noch ein­mal brau­chen zu kön­nen. Letzt­end­lich dien­ten sie aber nur als Staub­fän­ger oder Bal­last.

Erfah­run­gen auf der Welt­rei­se

Dann ging es auf gro­ße Tour. Die Her­aus­for­de­rung, ein Jahr lang nur aus dem Ruck­sack leben.  Immer­hin hat­ten wir mehr oder weni­ger gut aus­ge­stat­te­te Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten, ob in Hos­tels,  in AirB­nB-Zim­mern oder -Woh­nun­gen oder im Cam­per­van. So brauch­ten wir weder Zelt, Iso­mat­te noch Schlaf­sack mit­schlep­pen. Was wir mit­ge­nom­men haben, fin­dest du in unse­rer Pack­lis­te.

gepackter Rucksack

Alles ordent­lich ver­staut

Unse­re Erfah­run­gen mit dem Leben aus dem Ruck­sack: es hat Vor- und Nach­tei­le. Ein Vor­teil war, dass uns mor­gens die Ent­schei­dung, was wir anzie­hen leicht gemacht wur­de. Gab ja eh nur eine begrenz­te Aus­wahl. Das spar­te Zeit. Wir schlepp­ten nicht viel mit uns rum. Meis­tens waren es Lieb­lings­sa­chen, die wir ger­ne nutz­ten. Lei­der führ­te das dazu, dass wir öfter waschen muss­ten und die Klei­dung durch häu­fi­ge­re Nut­zung schnel­ler ver­schliss als zu Hau­se. Manch­mal hat­ten wir das Gefühl, in unse­rer Out­door-Klei­dung nicht stadt­fein zu sein.

Marcus und Gina vor einer bunt bemalten Wand

Fein genug für Bue­nos Aires?

Wir kamen mit unse­rer Aus­wahl an Aus­rüs­tung bes­tens aus, wobei am Ende eini­ge Sachen nicht mit nach Hau­se kamen. Ent­we­der hat­ten wir sie ver­schenkt, weil sie über­flüs­sig waren, kaput­te Sachen ent­sorgt und teil­wei­se ersetzt. Auf der Rei­se konn­ten wir sehen mit wie viel oder bes­ser wie wenig Sachen ande­re Men­schen aus­kom­men und dabei zufrie­den sind. Natür­lich ist das von Kul­tur­kreis zu Kul­tur­kreis sehr unter­schied­lich und der Unter­schied zwi­schen Stadt und Land ist spür­bar. Wir mach­ten die Erfah­rung, dass unser Kauf­be­dürf­nis abnimmt, wenn wir nicht stän­dig Wer­bung aus­ge­setzt sind. Die Erfah­run­gen der Welt­rei­se zeig­ten uns: Gera­de in Gegen­den, in denen die Leu­te nicht so reich waren, wirk­ten die­se doch zufrie­de­ner als wir hier in Deutsch­land. Ob auf dem Titi­ca­ca­see die Bewoh­ner der schwim­men­den Inseln oder in Kam­bo­dscha die Gast­ge­ber auf unse­rem Homes­tay, die Fröh­lich­keit der Men­schen war über­all sicht­bar.

Unse­re Erfah­run­gen nach der Welt­rei­se

Zurück in Deutsch­land waren wir erschla­gen von der Viel­falt unse­res Besit­zes. In dem Jahr hat­ten wir schnell ver­ges­sen, wie viel Sachen wir in der Hei­mat besa­ßen. Ob Klei­dung, Samm­lun­gen von Pro­spek­ten, Büchern oder CD‘s… Hat­ten wir irgend­was ver­misst?  Nein, nichts von dem. So began­nen wir als ers­tes eine gro­ße Ent­rüm­pel-Akti­on. Wir sor­tier­ten säcke­wei­se Klei­dung aus. Trenn­ten uns von der CD-Samm­lung, die wir zuvor digi­ta­li­siert hat­ten. Ent­sorg­ten Bücher, die wir nie mehr lesen wür­den. Ver­schenk­ten Küchen­uten­si­li­en, die wir dop­pelt und drei­fach besa­ßen. Es war sehr befrei­end, so viel Bal­last los­zu­wer­den. Schon wäh­rend der Welt­rei­se war in uns der Wunsch gewach­sen, uns von wei­te­rem über­flüs­si­gen Besitz zu tren­nen: auf ein zwei­tes Auto zu ver­zich­ten oder in eine klei­ne­re Woh­nung zu zie­hen. Dabei spiel­ten uns nach unse­rer Rück­kehr eini­ge glück­li­che Umstän­de in die Hän­de: Mein Auto hat­te ich schon vor der Welt­rei­se ver­kauft. Gina hat­te noch kei­nen Job und brauch­te daher kei­nen Wagen. Also blieb es erst­mal – und bis heu­te – bei unse­rem alten, treu­en Klein­wa­gen.

roter Nissan Micra

Unser Mic­ra hat schon eini­ge Jähr­chen auf dem Buckel

Unse­re Ver­mie­te­rin kün­dig­te ein hal­bes Jahr nach unse­rer Rück­kehr eine Miet­erhö­hung an, die uns zur Suche nach einer neu­en Blei­be ansporn­te. Dadurch wur­den auch unse­re Ent­rüm­pel-Aktio­nen for­ciert.

Umwelt­freund­li­ches Ein­kau­fen

Nach den Erfah­run­gen in Asi­en, wo Flüs­se, Strän­de und Land­schaft mit Plas­tik-Abfäl­len über­sät waren, woll­ten wir nach der Rück­kehr von der Welt­rei­se auf Plas­tik weit­ge­hend ver­zich­ten.

Plastik am Flussufer

Kein schö­ner Anblick: Plas­tik­müll in Myan­mar

Das ist aber leich­ter gesagt als getan. Schon vor der Welt­rei­se haben wir zum Ein­kau­fen Stoff­beu­tel statt Plas­tik­tü­ten benutzt. Aber im hie­si­gen Super­markt sind sogar Äpfel, Bana­nen, Möh­ren etc. in Plas­tik ver­packt. Auf dem Wochen­markt ein­kau­fen ist schwie­rig, wenn man berufs­tä­tig ist. In Asi­en oder in Latein­ame­ri­ka gibt es auf dem Markt nicht nicht nur Obst und Gemü­se, son­dern auch Reis, Nudeln, Hül­sen­früch­te oder gar Wasch­mit­tel lose zu kau­fen. Dies ist hier nur in weni­gen spe­zi­el­len Läden mög­lich.

Marktstand mit Säcken voller Nudeln

Unver­packt ein­kau­fen in La Paz

Wir ver­su­chen, Geträn­ke, Milch oder Joghurt statt in Kunst­stoff­ge­fä­ßen in Glas­fla­schen zu kau­fen. Auch wenn die Ein­käu­fe dadurch schwe­rer wer­den. Zei­tun­gen oder Zeit­schrif­ten kau­fen wir kaum noch, um Papier­müll zu redu­zie­ren. Die meis­ten Zeit­schrif­ten bestehen zum gro­ßen Teil aus Wer­bung. Infor­mie­ren kön­nen wir uns auf ande­ren Wegen.

Auf dem Weg vom Kauf­rausch zum Mini­ma­lis­mus

Bei jedem Kauf fra­gen wir uns: „Brau­chen wir das wirk­lich?“ oder „Wer­den wir dau­er­haft Spaß dar­an haben?“.  Vie­le in der Ver­gan­gen­heit erwor­be­ne Schnäpp­chen, sei es Klei­dung, Elek­tro­nik oder Bücher lie­gen näm­lich seit lan­gem nur in der Ecke her­um.

Spielzeugautos aus Blech

Schö­ner, nutz­lo­ser Kram auf dem Floh­markt in San Tel­mo, Bue­nos Aires

Das Gan­ze ist ein ste­ti­ger Pro­zess. Wir haben immer noch nur ein Auto Wir sind von 124 qm auf 76 qm umge­zo­gen.  Ich – Mar­cus – nut­ze die Gele­gen­heit, mit dem Fahr­rad oder zu Fuß zur Arbeit zu gelan­gen. Obst und Gemü­se holen wir in einem Hof­la­den, wo wir ver­pa­ckungs­frei ein­kau­fen kön­nen. Auch zum Bäcker neh­men wir Tüten oder Beu­tel mit, um nicht jedes­mal eine neue Papier­tü­te zu ver­brau­chen. Klei­dung ver­su­chen wir fair zu kau­fen. Damen­kla­mot­ten kann man auch Second Hand kau­fen, für Män­ner ist das nicht so ein­fach. Und fai­re Mode­la­bels und die dazu­ge­hö­ri­gen Läden muss man erst­mal fin­den. Ins­ge­samt hat sich unser Bestand an Klei­dung im Ver­gleich zu vor der Welt­rei­se sehr stark ver­rin­gert. Wie auf der Rei­se, ver­su­chen wir mit dem Prin­zip der Cap­su­le Ward­ro­be aus­zu­kom­men. Alles in allem hat sich unser Kon­sum­ver­hal­ten nach der Welt­rei­se so geän­dert, dass wir sehr bewusst ein­kau­fen und mög­lichst nach­hal­tig. Weni­ger spon­ta­ne Ein­käu­fe. Lie­ber Din­ge, die nütz­lich und lang­le­big sind. Und die wir wirk­lich mögen.

War­um es sich lohnt, weni­ger zu kau­fen

  • Wir spa­ren Zeit, weil wir nicht mehr stän­dig auf der Suche nach neu­en Sachen sind.
  • Wir spa­ren Geld, weil wir nicht mehr so viel kau­fen.
  • Wir scho­nen die Umwelt, da die Her­stel­lung, der Trans­port und die spä­te­re Ent­sor­gung die Umwelt belas­ten.
  • Wir kau­fen fair, da auch wir für unse­re Arbeit fair bezahlt wer­den wol­len.

Funk­tio­niert nicht immer. Ist anstren­gend. Lohnt sich aber.

Infos zu Mini­ma­lis­mus und fai­rem Kon­sum

Infor­ma­tio­nen aus dem Inter­net:

  • Vie­le Infos zu einem nach­hal­ti­gen und weni­ger kon­sum­ori­en­tier­ten Lebens­stil fin­dest du auf der Sei­te Uto­pia.
  • Fair gehan­del­te Waren, bei denen die Erzeu­ger vor Ort ihren Anteil am Gewinn erhal­ten, bekom­men zum Bei­spiel das Fairtra­de-Sie­gel.

Bücher zum The­ma: