Krank im Urlaub – das braucht wirk­lich nie­mand. Den­noch erwischt es jeden mal. Meist han­delt es sich zum Glück nur um Klei­nig­kei­ten wie eine fie­se Erkäl­tung oder einen ver­dor­be­nen Magen.

Doch was, wenn wirk­lich etwas Schlim­me­res pas­siert? In die­sem Bericht erzäh­len wir dir, wie ich mir im Urlaub in Ita­li­en den Fuß gebro­chen habe. Dazu geben wir dir Tipps, was du beach­ten kannst, um für den Fall der Fäl­le gerüs­tet zu sein und das Bes­te dar­aus zu machen.

Ein Fehl­tritt in Taor­mi­na

Wir waren am Frei­tag in Cata­nia auf Sizi­li­en ange­kom­men. Eine gute Woche Urlaub mit Bum­meln durch die schö­nen Barock­städ­te im Süd­wes­ten Sizi­li­ens war geplant.

Den Nach­mit­tag und Abend ver­brach­ten wir in Cata­nia. Am Sams­tag mach­ten wir uns auf nach Taor­mi­na, das etwa eine Drei­vier­tel­stun­de von Cata­nia ent­fernt liegt.

Taor­mi­na ist ein idyl­li­scher klei­ner Ort mit einer auf einem Fels­sporn gele­ge­nen Alt­stadt. Sehr beliebt bei Kreuz­fahrt- und Rund­rei­se­tou­ris­ten und daher auch oft sehr über­lau­fen.

Ruinen des antiken Theaters, dahinter der Ätna.

Ätna als Thea­ter­ku­lis­se.

Wir besuch­ten das grie­chisch-römi­sche Amphi­thea­ter mit spek­ta­ku­lä­rer Aus­sicht auf den Ätna. Durch stil­le Neben­gas­sen bum­mel­ten wir durch den Ort, um dem Geschie­be der Men­schen­mas­sen auf der Haupt­stra­ße zu ent­ge­hen. Nach­mit­tags stie­gen wir über einen in Ser­pen­ti­nen ange­leg­ten Weg hin­auf zu der hoch über Taor­mi­na gele­ge­nen Kapel­le Madon­na del­la Roc­ca. Hier genos­sen wir einen groß­ar­ti­gen Aus­blick über das blau­schim­mern­de Meer in der Bucht von Taor­mi­na.

Gina hampelt auf einem Bein am Aussichtspunkt über Taormina.

Da war ich noch über­mü­tig…

Auf dem Rück­weg pas­sier­te es: ich knick­te mit dem Fuß um und stürz­te. Das rech­te Knie und Schien­bein blu­te­ten, aber ich merk­te sogleich, dass das wirk­li­che Pro­blem der lin­ke Fuß war. Fas­zi­niert beob­ach­te­ten wir, wie sich inner­halb von Sekun­den eine Hüh­ner­ei-gro­ße Schwel­lung auf dem Fuß­rü­cken bil­de­te. Ein dump­fer Schmerz im Mit­tel­fuß dazu ließ nicht Gutes ver­mu­ten.

Müh­sam rap­pel­te ich mich auf, den Fuß konn­te ich kaum auf­set­zen. Den Weg mit zahl­rei­chen Stu­fen muss­te ich trotz­dem noch irgend­wie her­un­ter­kom­men, denn hier kam kein Auto hin.

Ich stütz­te mich auf einer Sei­te auf Mar­cus, auf der ande­ren auf Gelän­der oder Mau­er und unter Schmer­zen bewäl­tig­ten wir den Weg hin­un­ter.

Im Kran­ken­haus von Taor­mi­na

End­lich an der Stra­ße ange­kom­men war nicht dar­an zu den­ken, noch wei­ter zu hum­peln, um zu unse­rem im Park­haus abge­stell­ten Auto zu gelan­gen.

Wir nah­men ein Taxi, das uns zur Not­fall­am­bu­lanz des Ospe­da­le (Kran­ken­haus) fuhr. Dabei kamen wir an dem Park­haus vor­bei, in dem unser Auto stand. Wenn wir gewusst hät­ten, dass das Kran­ken­haus ganz unten im neu­en Orts­teil liegt, hät­ten wir hier ange­hal­ten und das Miet­au­to mit­ge­nom­men.

Die Not­fall­am­bu­lanz bestand aus einem War­te­raum und einer Metall­tür, an der man klin­geln muss­te. Letz­te­res wuss­ten wir natür­lich nicht. Doch eine der war­ten­den Frau­en sprang sofort auf, als sie mich mit Unter­stüt­zung des Taxi­fah­rers und Mar­cus angehum­pelt kom­men sah. Sie schob einen Roll­stuhl vor mich, ges­ti­ku­lier­te uns zu der Tür und drück­te auf die Klin­gel.

Ein uni­for­mier­ter Wach­mann steck­te sei­nen Kopf her­aus. Die Frau erzähl­te ihm etwas und deu­te­te auf uns. Wir durf­ten hin­ein­kom­men.

Lei­der erfolg­te nur die Regis­trie­rung. Die Schwes­ter hin­ter dem Schreib­tisch sprach so gut wie kein Eng­lisch. Mit „so gut wie kein” war sie das Sprach­ta­lent unter dem Team, wie sich her­aus­stell­te. Ich muss­te mei­ne Ver­si­cher­ten­kar­te und einen Aus­weis zei­gen. Ers­te­re hat­te ich zum Glück dabei, letz­te­ren nur als Foto auf dem Han­dy, was aber aus­reich­te.

Die Schwes­ter warf, nach­dem sie mit den büro­kra­ti­schen For­ma­li­en fer­tig war, einen kur­zen Blick auf mei­nen geschwol­le­nen Fuß. Das blu­ti­ge Knie und Schien­bein inter­es­sier­te sie nicht. Es wur­de auch nicht mal eben mit einem Pflas­ter ver­sorgt.

Nach­dem ich ein For­mu­lar unter­schrie­ben hat­te, durf­te Mar­cus mich wie­der vor die Tür in den War­te­raum schie­ben. Dort übten wir uns mit etwa 20 bis 30 wei­te­ren War­ten­den in kol­lek­ti­ver Geduld. Sehr sel­ten wur­de jemand auf­ge­ru­fen. Dafür kam ab und zu mit Tatü-Tata ein Kran­ken­wa­gen ange­fah­ren und ein wei­te­rer Pati­ent wur­de in die Not­auf­nah­me gescho­ben.

Wir war­te­ten. Und war­te­ten. Es ver­gin­gen Stun­den. Wir hat­ten weder etwas zu essen noch zu trin­ken mit. Lang­sam wur­den wir hung­rig und durs­tig. Soweit wir sahen, gab es auch weit und breit kei­ne Mög­lich­keit, etwas zu kau­fen. Zum Zeit­ver­treib hat­ten wir nur unse­re Smart­pho­nes. Schließ­lich geht ja man sel­ten mit einem Buch in der Tasche zum Stadt-Erkun­den. Dank der aus­nahms­wei­se mit­ge­führ­ten Power­bank (das gehört zu den Din­gen, die wir sonst ger­ne ver­ges­sen) hat­ten wir wenigs­tens genug Saft auf dem Han­dy.

Gina im Rollstuhl vor der Notaufnahme.

War­ten…

Drau­ßen wur­de es dun­kel. Die Kli­m­an­la­ge in der War­te­hal­le blies mit unver­min­der­ter Macht. Wir fin­gen an zu frös­teln. Da es drau­ßen ange­nehm warm war, bega­ben wir uns wie vie­le ande­re unse­rer Schick­sals­ge­nos­sen vor die Tür an die laue Abend­luft.

Die Dia­gno­se: gebro­che­ner Mit­tel­fuß­kno­chen

Nach fünf Stun­den War­te­zeit klin­gel­ten wir an der Tür zur Not­auf­nah­me. Mit bruch­stück­haf­tem Ita­lie­nisch (Goog­le-Über­set­zer sei Dank!) quen­gel­te ich, dass wir schon fünf Stun­den war­te­ten und ich Schmer­zen hät­te. Der Wach­mann guck­te mit­lei­dig, erkun­dig­te sich über die Schul­ter hin­weg und ver­sprach, ich sei als Nächs­te dran.

Lei­der kamen inner­halb kur­zer Zeit drei Ambu­lan­zen ange­don­nert, so dass uns klar war, so bald wür­de das nichts. Wir beschlos­sen, dass Mar­cus schon mal das Auto her­ho­len sol­le. Zum Glück hat­ten wir uns die Tele­fon­num­mer des Taxi­fah­rers geben las­sen, denn rund­um war kein Taxi auf­zu­trei­ben.

Als Mar­cus zurück­kam war­te­te ich immer noch. Immer­hin hat­ten wir jetzt Was­ser und was zum Knab­bern. Um halb elf wur­de ich end­lich rein gebe­ten. Mar­cus durf­te nicht mit hin­ein. Ich wur­de zu einem Arzt gescho­ben, der sich nicht vor­stell­te und mir als ers­tes ver­kli­cker­te, dass er kein Eng­lisch spre­che. Er sah sich den Fuß an, sag­te etwas von Radio­lo­gia und der Pfle­ger schob mich in einen wei­te­ren War­te­raum. Hier stan­den fünf Bet­ten, dazwi­schen waren wei­te­re Pati­en­ten auf Stüh­len oder Roll­stüh­len plat­ziert.

Nach einer län­ge­ren War­te­zeit kam eine Frau, die mich zur Radio­lo­gie, also zum Rönt­gen hol­te. Sie schob mich durch lan­ge, schä­bi­ge Gän­ge, in einen ver­schramm­ten Auf­zug und wie­der durch trost­lo­se, schlecht beleuch­te­te Gän­ge im Kel­ler­ge­schoss. Hät­te die rich­ti­ge Atmo­sphä­re für einen Hor­ror­thril­ler…

Langer Flur im Krankenhaus.

Geparkt vor dem Putz­wa­gen.

Eine Wei­le war ich auf dem Gang geparkt, dann hol­te mich die Rönt­gen­as­sis­ten­tin her­ein. Sie mach­te drei Auf­nah­men vom Fuß. Ich frag­te die Mit­ar­bei­te­rin, ob ich einen Bruch („frat­tu­ra”) hät­te und sie nick­te. Ich hat­te es mir ja schon gedacht…

Nun ging es durch die Gän­ge des Grau­ens wie­der hin­auf. Nach einem kur­zen Inter­mez­zo im War­te­raum durf­te ich wie­der zum Arzt. Der erklär­te mir, dass der Fuß gebro­chen sei. Soviel ver­stand ich noch, doch den fol­gen­den Wort­schwall nicht mehr. Der Arzt wink­te dem Pfle­ger. Die­ser zück­te sein Han­dy, sprach hin­ein und zeig­te mir den deut­schen Text auf Goog­le Über­set­zer.

Ich trau­te mei­nen Augen nicht: „Es ist jetzt kein Ortho­pä­de im Haus. Kom­men Sie am Mon­tag wie­der.”

Äh, Moment? Ich habe einen gebro­che­nen Fuß und es wird nichts behan­delt? Kei­ne Schie­ne, kein Schmerz­mit­tel, kei­ne Geh­hil­fen? Und ich soll erst über­mor­gen wie­der hier erschei­nen?

Ja, so war es. Ich frag­te, ob ich nicht in Cata­nia, wo wir wohn­ten, ins Kran­ken­haus fah­ren könn­te. Nein, nein, dann müss­te ja der gan­ze Regis­trie­rungs­pro­zess von vor­ne begin­nen…

Nachts um halb zwölf schob der Pfle­ger mich vor die Tür. Wenigs­tens hat­ten wir den Miet­wa­gen dabei. Was wäre, wenn wir mit dem Zug gefah­ren wären?

Wir fuh­ren nach Cata­nia zurück. Zum Glück gab es einen Auf­zug in unse­rer Unter­kunft. Wir wohn­ten näm­lich in der drit­ten Alt­bau-Eta­ge. Trotz­dem war es müh­sam und schmerz­haft, mich an Mar­cus Arm bis zum Auf­zug zu schlep­pen.

Zwei­ter Besuch im Kran­ken­haus

Zum Glück gab es im Zim­mer unse­res Bed&Breakfast reich­lich Kis­sen, so dass ich den Fuß über Nacht hoch­la­gern konn­te. Eben­so hat­te ich in unse­rer Rei­se­apo­the­ke Schmerz­mit­tel dabei, mit denen ich mich ver­sorg­te.

Hochgelagerter Fuß mit Handtuch umwickelt.

Zum Küh­len hat­ten wir nur ein feuch­tes Hand­tuch.

Am Mor­gen flos­sen zum ers­ten Mal seit mei­nem Unfall Trä­nen, als ich mei­nen unför­mi­gen Fuß anguck­te und mich so rich­tig hilf­los fühl­te. Wir frag­ten Ora­zio, unse­ren Gast­ge­ber, um Rat. Er riet uns, die neue Not­fall­am­bu­lanz der Poli­kli­nik in Cata­nia auf­zu­su­chen. Wir hat­ten inzwi­schen auch mit der Aus­lands-Kran­ken­ver­si­che­rung tele­fo­niert. Die­se hat­te uns eben­falls die Adres­sen von zwei Kli­ni­ken in Cata­nia genannt, unter ande­rem die von Ora­zio emp­foh­le­ne.

Mit den Trek­king-Stö­cken, die ich für unse­re geplan­ten Wan­de­run­gen dabei hat­te, stütz­te ich mich not­dürf­tig auf dem Weg zum Auto ab.

Die Not­fall­am­bu­lanz in Cata­nia war hell und modern. Am Emp­fangs­schal­ter muss­te ich nur mei­ne Ver­si­cher­ten­kar­te vor­le­gen. Die Büro­kra­tie war hier wesent­li­cher weni­ger umfang­reich als in Taor­mi­na.

Hand mit Armbanduhr und Patientenarmband.

Auf­nah­me im Kran­ken­haus in Cata­nia.

Ich wur­de in einen Roll­stuhl ver­frach­tet und sofort in den Behand­lungs­be­reich gefah­ren. Alles lief viel zügi­ger ab als ges­tern. Die sehr net­te Ärz­tin sprach gutes Eng­lisch. Der Fuß wur­de noch­mals geröntgt, ich hat­te ja vom Kran­ken­haus in Taor­mi­na kei­ne Bil­der mit­be­kom­men.

Das Resul­tat: zwei gebro­che­ne Kno­chen, näm­lich der fünf­te Mit­tel­fuß­kno­chen und der benach­bar­te Wür­fel­kno­chen. Die Ärz­tin tät­schel­te mei­ne Schul­ter und erklär­te, ich wür­de nun in die Ortho­pä­die gebracht.

Wie­der gab es eine klei­ne Odys­see durch Flu­re und Auf­zü­ge. Vor dem Gips­raum muss­ten wir war­ten, wäh­rend von drin­nen lau­tes Schmer­zens­ge­schrei erscholl. Schließ­lich wur­de es ruhig und eine Frau mit ein­ge­gips­tem Bein wur­de her­aus­ge­rollt.

Auch der Ortho­pä­de und der Pfle­ger im Gips­raum spra­chen Eng­lisch. Sie erklär­ten mir, dass sie mir eine Gips­schie­ne anpas­sen wür­den. Für einen Voll­gips sei der Fuß noch zu sehr geschwol­len. Flugs pols­ter­ten sie das Bein mit Wat­te­bin­den ab, und pass­ten eine Gips­schie­ne ent­lang Wade und Fuß­soh­le an. Das Gan­ze wur­de mit elas­ti­schen Bin­den hübsch umwi­ckelt. Das Rich­ten des Fußes hat kurz geziept, war aber nicht schlimm. So ver­ließ ich mit einem schmu­cken, wei­ßen Gips­stie­fel den Raum.

Gina liegt auf Liege und bekommt Gipsverband.

Hier wird der Stie­fel maß­ge­fer­tigt…

Gina mit Gipsbein im Rollstuhl.

Tja, so hat­ten wir uns den Urlaub nicht vor­ge­stellt!

Von der net­ten Ärz­tin bekam ich den Kran­ken­haus­be­richt und die Mah­nung, den Fuß nicht zu belas­ten. Außer­dem gab es ein Rezept für Anti-Throm­bo­se-Sprit­zen. Auf mei­ne Fra­ge, wie es mit Krü­cken aus­sä­he, erfuhr ich, dass ich die­se in der Apo­the­ke kau­fen kön­ne.

Mar­cus durf­te mit dem Auto bis in die Kran­ken­wa­gen-Schleu­se der Not­auf­nah­me fah­ren, um mich dort aus dem Roll­stuhl zu pflü­cken.

Die Suche nach einer dienst­be­rei­ten Apo­the­ke am Sonn­tag erwies sich als schwie­rig. Ora­zio schick­te uns den Link zur Lis­te der Not­dienst-Apo­the­ken in Cata­nia. Aller­dings muss­ten wir drei davon abklap­pern, ehe wir auf eine stie­ßen, die ihren Not­dienst auch aus­üb­te. Dort erhiel­ten wir die Anti-Throm­bo­se-Sprit­zen und ein paar Krü­cken.

Ent­schei­dung: Urlaub fort­set­zen oder vor­zei­ti­ger Rück­flug?

Nun stand die Über­le­gung an: soll­ten wir den Urlaub trotz Krank­heit fort­set­zen oder bei der Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung um einen vor­zei­ti­gen Rück­flug bit­ten?

Zwar ging es mir soweit gut, ich hat­te kei­ne Schmer­zen. Aber ich war doch stark in mei­ner Mobi­li­tät ein­ge­schränkt. Selbst wenn ich an den Krü­cken auf einem Bein hum­peln konn­te, kam ich doch nicht weit. Von den geplan­ten Wan­de­run­gen konn­te eh kei­ne Rede mehr sein. Aber auch die Besich­ti­gun­gen der zau­ber­haf­ten Barock­städ­te in Sizi­li­ens Süd­wes­ten wäre wohl schwie­rig.

Gina mit Gipsbein und zwei Krücken auf einer Straße.

Das sieht leich­ter aus, als es ist. Weit kam ich nicht an den Krü­cken…

Doch konn­ten wir über­haupt vor­zei­tig zurück­flie­gen? Die Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung hat­ten wir vor eini­gen Jah­ren abge­schlos­sen. Die genau­en Leis­tun­gen wuss­ten wir nicht mehr. Da es den Tarif in die­ser Form heu­te nicht mehr gab, konn­ten wir auch die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen nicht auf der Home­page der Ver­si­che­rung nach­le­sen.

Zum Glück fand ich die Bestä­ti­gungs­mail zum Ver­si­che­rungs­ab­schluss noch in mei­nem Mail­post­fach. Dar­an waren die Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen als Doku­ment ange­hängt. So konn­te ich mich über­zeu­gen, dass der medi­zi­nisch sinn­vol­le Rück­trans­port abge­deckt war.

Die­ses Wis­sen erwies als sehr nütz­lich, denn die Mit­ar­bei­te­rin am Tele­fon war der Über­zeu­gung, unser Tarif beinhal­te nur den medi­zi­nisch not­wen­di­gen Rück­trans­port. Erst als ich insis­tier­te, frag­te sie bei der Vor­ge­setz­ten nach und ent­schul­dig­te sich für ihren Irr­tum. Nur: Hät­te ich das nicht sicher gewusst, wären wir wohl nicht vor­zei­tig zurück­ge­bracht wor­den.

Um den Rück­trans­port zu orga­ni­sie­ren, muss­te ich den Arzt­be­richt an die Ver­si­che­rung sen­den. Dort wür­den die eige­nen Ärz­te prü­fen, ob und wie ich trans­port­fä­hig sei. Damit sei heu­te – am Sonn­tag – aller­dings nicht zu rech­nen.

Die Mit­ar­bei­te­rin ver­sprach uns, sich zu mel­den, sobald der Rück­trans­port orga­ni­siert wer­den kön­ne.

Den Rest des Sonn­tags ver­brach­te ich mit brav hoch­ge­la­ger­tem Fuß im Zim­mer. Wenigs­tens hat­ten wir eine sehr hüb­sche Unter­kunft gewählt, so dass der Auf­ent­halt ange­nehm war.

Zwei frittierte Reisbällchen.

Typi­sche sizi­lia­ni­sche Spe­zia­li­tät: Aran­ci­ni.

Abends zog Mar­cus los, um Essen zu holen. Mit sizi­lia­ni­schen Spe­zia­li­tä­ten, näm­lich Aran­ci­ni, gefüll­te und frit­tier­te Reis­bäll­chen und Can­no­li zum Nach­tisch kehr­te er zurück.

Krank im Urlaub – das Bes­te draus machen

Da wir ja eine klei­ne Rund­rei­se geplant hat­ten, war unser Auf­ent­halt in Cata­nia am Mon­tag been­det. Unse­re nächs­te vor­ge­buch­te Unter­kunft lag in Noto, etwa zwei Stun­den Auto­fahrt ent­fernt.

Vor­sichts­hal­ber frag­ten wir vor­her bei dem Gast­ge­ber an, inwie­weit das Zim­mer bar­rie­re­frei zugäng­lich sei. Wir erfuh­ren, dass es im 1. Stock lag. Als Alter­na­ti­ve boten sie uns eine ande­re Unter­kunft in einem Nach­bar­ort an, in der das Zim­mer eben­erdig lag. Nach kur­zer Über­le­gung ent­schie­den wir, dass ich wohl ein­mal am Tag die Trep­pe bewäl­ti­gen kön­ne. Das Zim­mer in Noto sah viel hüb­scher aus als das als Ersatz ange­bo­te­ne und ich wür­de ver­mut­lich doch eini­ge Zeit im Zim­mer ver­brin­gen.

Ausgestrecktes Gipsbein auf Rückbank des Autos.

Kran­ken­trans­port im Urlaub.

Ich nahm auf der Rück­bank des Miet­wa­gens Platz, wo ich mei­nen Gips­fuß hoch­la­gern konn­te. Auf dem Weg nach Noto mach­ten wir einen Zwi­schen­stopp in Sira­cu­sa. Dort gab es einen Tou­ris­ten­bus, der eine Hop-On-Hop-Off-Stadt­rund­fahrt fuhr. Nor­ma­ler­wei­se erkun­den wir Orte lie­ber auf eige­ne Faust. Doch unter den gege­be­nen Umstän­den war dies die bes­te Mög­lich­keit, wenigs­tens ein biss­chen was von der schö­nen Alt­stadt zu sehen. Die 200 Meter vom Park­platz bis zur Bus­hal­te­stel­le brach­ten mich schon ans Ende mei­ner Kräf­te!

Roter Sight-Seeing-Bus.

Auch beim Foto­stopp mache ich vom Hop-Off kei­nen Gebrauch.

Barocker Springbrunnen in Siracusa.

Einen klei­nen Ein­druck von Sira­cu­sa gewan­nen wir vom Bus aus.

Nach dem für mich anstren­gen­den Rei­se­tag ruh­te ich mich am nächs­ten Tag im Zim­mer aus, wäh­rend Mar­cus die reiz­vol­le Barock­stadt erkun­de­te. Dabei traf er einen Ape-Tuk­tuk-Fah­rer, der Rund­fahr­ten für Tou­ris­ten anbot.

Gina mit hochgelagertem Bein in Zimmer mit Holzmöbeln.

Wenn man schon krank im Urlaub ruhen muss, dann wenigs­tens in stil­vol­lem Ambi­en­te.

Er ver­ein­bar­te mit ihm, nach­mit­tags an unse­rer Unter­kunft vor­bei­zu­kom­men. So kam ich auch in den Genuß, Noto zu erle­ben, wenigs­tens von den Gas­sen der Alt­stadt aus. Im Tuk­tuk konn­te ich sogar mei­nen Gips­fuß hoch­la­gern. Der Gui­de fuhr uns an präch­ti­gen Barock­häu­sern mit ein­drucks­vol­len Bal­ko­nen und majes­tä­ti­schen Kir­chen vor­bei. Zu allen Bau­wer­ken gab er Erläu­te­run­gen – auf Ita­lie­nisch, das er mit Hil­fe eines Laut­spre­chers von Goog­le über­setz­ten ließ. An einer Wein­stu­be hiel­ten wir und beka­men ein Kost­pro­be Mus­ca­tel­la kre­denzt.

Fassade mit Barockbalkonen.

Schö­ne Barock­bal­ko­ne in Noto.

Marcus und Gina im Ape-Tuktuk.

Spaß haben geht auch mit Gips­bein.

Inzwi­schen hat­te sich die Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung gemel­det und mit­ge­teilt, dass sie einen Rück­flug für Don­ners­tag Abend orga­ni­siert hät­ten. Das pass­te uns ganz gut, da wir das Zim­mer in Noto eben­falls bis Don­ners­tag gebucht hat­ten.

Am Mitt­woch mach­ten wir einen Aus­flug nach Ragusa. Dort soll­te es laut Infor­ma­ti­on im Inter­net auch einen Rund­fahrt-Bus geben. Lei­der war das aber nicht der Fall, wie Mar­cus in der Tou­ris­ten­in­fo erfuhr. So schlepp­te ich mich vom Park­haus bis zum zen­tra­len Platz, wo wir in einem Café Platz nah­men, den Dom anguck­ten und eine Stun­de chill­ten.

Da man sich nach dem gro­ßen Erd­be­ben 1693 nicht eini­gen konn­te, wo man den Ort wie­der auf­bau­en soll­te, wur­den kur­zer­hand zwei Orte geschaf­fen. So besteht Ragusa aus den bei­den Orts­tei­len Ragusa Supe­rio­re und Ragusa Ibla, die sich auf zwei Hügeln dra­ma­tisch gegen­über lie­gen. Wir fuh­ren die ser­pen­ti­nen­rei­che Stra­ße hin­un­ter und wie­der hin­auf, die die bei­den Ragus­as ver­bin­det. In Ragusa Ibla nah­men wir den öffent­li­chen Bus und lie­ßen uns eine Run­de um das Ensem­ble der Alt­stadt mit Dom und Palaz­zi fah­ren.

Ort auf dichtbebautem Hügel.

Ragusa Ibla.

Auf dem Rück­weg nach Noto fuh­ren wir eine Run­de durch die Barock­städt­chen Módi­ca und Sci­cli. So erhasch­ten wir wenigs­tens einen flüch­ti­gen Ein­druck vom Auto aus.

Die Hilfs­be­reit­schaft der Sizi­lia­ner

Dadurch, dass ich im Urlaub krank und hilfs­be­dürf­tig gewor­den war, erfuh­ren wir eine gro­ße und herz­er­wär­men­de Hilfs­be­reit­schaft.

Sei es unser Gast­ge­ber Ora­zio, der uns mit Not­dienst­plä­nen der Apo­the­ke ver­sorg­te und für uns her­um­te­le­fo­nier­te.

Sei­en es die sizi­lia­ni­schen Auto­fah­rer, die immer gedul­dig war­te­ten, wenn Mar­cus an einer engen Stel­le anhielt, um mich mit mei­nen Krü­cken ein- oder aus­stei­gen zu las­sen. Und das dau­er­te! Nie wur­de gehupt oder geschimpft. Jedes­mal, wenn ich am Stra­ßen­rand stand, hielt sofort das nächs­te Auto an, um mich hin­über hum­peln zu las­sen. Das haben wir in Deutsch­land teil­wei­se anders erlebt.

Gina auf Krücken beim Betreten der Straße.

Stra­ße über­que­ren war dank rück­sichts­vol­ler Auto­fah­rer kein Pro­blem.

Sei es das Restau­rant in Noto, das Mar­cus die Spei­sen samt Ser­vier­plat­te und Besteck mit­gab, als er erklär­te, sei­ne Frau sei krank und er wol­le Essen mit­neh­men.

In Sira­cu­sa demons­trier­te mir ein Pas­sant spon­tan, wie ich die Krü­cken ein­set­zen soll­te. Er hat­te zuvor beob­ach­tet, wie müh­sam ich mich damit abquäl­te.

In einem ande­ren Ort bat mich eine Frau in ihren Laden und bot mir einen Stuhl an, wäh­rend ich dar­auf war­te­te, dass Mar­cus mich abho­len kam.

Der medi­zi­ni­sche Rück­trans­port

Der von der Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung orga­ni­sier­te Rück­flug star­te­te am Don­ners­tag Abend von Cata­nia aus. Wir wären sogar in unserm Hotel in Noto abge­holt wor­den. Da wir den Miet­wa­gen hat­ten, fuh­ren wir natür­lich sel­ber.

Wir hat­ten den gan­zen Tag Zeit und wähl­ten eine gemäch­li­che Rou­te durch die Iblei­schen Ber­ge. In Palaz­zo­lo Acrei­de mach­ten wir Halt. Wir besuch­ten eine Pas­tic­ce­ria, die im wei­tem Umkreis für ihre Köst­lich­kei­ten bekannt war. Außer­dem gab es in die­sem Ort den längs­ten Barock­bal­kon Sizi­li­ens zu bewun­dern.

Straße mit barocken Häusern und Laterne im Vordergrund.

Palaz­zo­lo Acrei­de.

Antipasti-Teller mit Salami, Käse, Oliven.

Mit sizi­lia­ni­schen Anti­pas­ti fängt das Menü gut an.

Zum Abschluss unse­rer etwas anders als geplant ver­lau­fe­nen Sizi­li­en­rei­se gönn­ten wir uns ein lecke­res sizi­lia­ni­sches Menu. Nach die­sem Genuss mach­ten wir uns end­gül­tig auf zum Flug­ha­fen.

Mar­cus ließ mich am Abflug­ter­mi­nal aus­stei­gen und brach­te den Miet­wa­gen weg. Ich hum­pel­te in die chao­ti­sche, von Rei­sen­den wim­meln­de Abflug­hal­le und war froh, dass ich schnell eine Roll­stuhl-Sta­ti­on erblick­te. Schon war eine Mit­ar­bei­te­rin zur Stel­le und mach­te mir einen Roll­stuhl parat.

Mit dem Roll­stuhl­ser­vice wur­den wir an den lan­gen War­te­schlan­gen an Check-In und Secu­ri­ty vor­bei gescho­ben. Als ers­te durf­ten wir ins Flug­zeug. Die Flug­be­glei­te­rin erkun­dig­te sich gleich, ob der Gips auch offen sei.

Die Ver­si­che­rung hat­te vier Plät­ze für uns gebucht, so dass ich eine gan­ze Rei­he für mich hat­te. So konn­te ich ent­spannt den Huf wäh­rend des Flugs hoch­la­gern.

Gina mit ausgestrecktem Bein in Sitzreihe im Flugzeug.

So fliegt es sich ent­spannt mit Gips­bein.

In Düs­sel­dorf ange­kom­men stand schon ein Mit­ar­bei­ter mit dem Roll­stuhl an der Flug­zeug­tür bereit. Er brach­te uns bis ins Park­haus, wo der gro­ße Van des Limou­si­nen­ser­vices park­te. Auch hier konn­te ich wie­der gemüt­lich das Füß­chen hoch­le­gen, wäh­rend wir bis zu unse­rer Haus­tür gefah­ren wur­den.

Für uns hat sich die Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung für die nächs­ten 100 Jah­re gelohnt!