Krank im Urlaub – das braucht wirklich niemand. Dennoch erwischt es jeden mal. Meist handelt es sich zum Glück nur um Kleinigkeiten wie eine fiese Erkältung oder einen verdorbenen Magen.

Doch was, wenn wirklich etwas Schlimmeres passiert? In diesem Bericht erzählen wir dir, wie ich mir im Urlaub in Italien den Fuß gebrochen habe. Dazu geben wir dir Tipps, was du beachten kannst, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein und das Beste daraus zu machen. Das geht auch mit Gips und Krücken.

Ein Fehltritt in Taormina

Wir waren am Freitag in Catania auf Sizilien angekommen. Eine gute Woche Urlaub mit Bummeln durch die schönen Barockstädte im Südwesten Siziliens war geplant.

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir in Catania. Am Samstag machten wir uns auf nach Taormina, das etwa eine Dreiviertelstunde von Catania entfernt liegt.

Taormina ist ein idyllischer kleiner Ort mit einer auf einem Felssporn gelegenen Altstadt. Sehr beliebt bei Kreuzfahrt- und Rundreisetouristen und daher auch oft sehr überlaufen.

Ruinen des antiken Theaters, dahinter der Ätna.

Ätna als Theaterkulisse.

Wir besuchten das griechisch-römische Amphitheater mit spektakulärer Aussicht auf den Ätna. Durch stille Nebengassen bummelten wir durch den Ort, um dem Geschiebe der Menschenmassen auf der Hauptstraße zu entgehen. Nachmittags stiegen wir über einen in Serpentinen angelegten Weg hinauf zu der hoch über Taormina gelegenen Kapelle Madonna della Rocca. Hier genossen wir einen großartigen Ausblick über das blauschimmernde Meer in der Bucht von Taormina.

Gina hampelt auf einem Bein am Aussichtspunkt über Taormina.

Da war ich noch übermütig…

Auf dem Rückweg passierte es: ich knickte mit dem Fuß um und stürzte. Das rechte Knie und Schienbein bluteten, aber ich merkte sogleich, dass das wirkliche Problem der linke Fuß war. Fasziniert beobachteten wir, wie sich innerhalb von Sekunden eine Hühnerei-große Schwellung auf dem Fußrücken bildete. Ein dumpfer Schmerz im Mittelfuß dazu ließ nicht Gutes vermuten.

Mühsam rappelte ich mich auf, den Fuß konnte ich kaum aufsetzen. Den Weg mit zahlreichen Stufen musste ich trotzdem noch irgendwie herunter laufen, denn hier kam kein Auto hin.

Ich stützte mich auf einer Seite auf Marcus, auf der anderen auf Geländer oder Mauer und unter Schmerzen bewältigten wir den Weg hinunter.

Im Krankenhaus von Taormina

Endlich an der Straße angekommen war nicht daran zu denken, noch weiter zu laufen, um zu unserem im Parkhaus abgestellten Auto zu gelangen.

Wir nahmen ein Taxi, das uns zur Notfallambulanz des Ospedale (Krankenhaus) fuhr. Dabei kamen wir an dem Parkhaus vorbei, in dem unser Auto stand. Wenn wir gewusst hätten, dass das Krankenhaus ganz unten im neuen Ortsteil liegt, hätten wir hier angehalten und das Mietauto mitgenommen.

Die Notfallambulanz bestand aus einem Warteraum und einer Metalltür, an der man klingeln musste. Letzteres wussten wir natürlich nicht. Doch eine der wartenden Frauen sprang sofort auf, als sie mich mit Unterstützung des Taxifahrers und Marcus angehumpelt kommen sah. Sie schob einen Rollstuhl vor mich, gestikulierte uns zu der Tür und drückte auf die Klingel.

Ein uniformierter Wachmann steckte seinen Kopf heraus. Die Frau erzählte ihm etwas und deutete auf uns. Wir durften hineinkommen.

Leider erfolgte nur die Registrierung. Die Schwester hinter dem Schreibtisch sprach so gut wie kein Englisch. Mit „so gut wie kein“ war sie das Sprachtalent unter dem Team, wie sich herausstellte. Ich musste meine Versichertenkarte und einen Ausweis zeigen. Erstere hatte ich zum Glück dabei, letzteren nur als Foto auf dem Handy, was aber ausreichte.

Die Schwester warf, nachdem sie mit den bürokratischen Formalien fertig war, einen kurzen Blick auf meinen geschwollenen Fuß. Das blutige Knie und Schienbein interessierte sie nicht. Es wurde auch nicht mal eben mit einem Pflaster versorgt.

Nachdem ich ein Formular unterschrieben hatte, durfte Marcus mich wieder vor die Tür in den Warteraum schieben. Dort übten wir uns mit etwa 20 bis 30 weiteren Wartenden in kollektiver Geduld. Sehr selten wurde jemand aufgerufen. Dafür kam ab und zu mit Tatü-Tata ein Krankenwagen angefahren und ein weiterer Patient wurde in die Notaufnahme geschoben.

Wir warteten. Und warteten. Es vergingen Stunden. Wir hatten weder etwas zu essen noch zu trinken mit. Langsam wurden wir hungrig und durstig. Soweit wir sahen, gab es auch weit und breit keine Möglichkeit, etwas zu kaufen. Zum Zeitvertreib hatten wir nur unsere Smartphones. Schließlich geht ja man selten mit einem Buch in der Tasche zum Stadt-Erkunden. Dank der ausnahmsweise mitgeführten Powerbank (das gehört zu den Dingen, die wir sonst gerne vergessen) hatten wir wenigstens genug Saft auf dem Handy.

Gina im Rollstuhl vor der Notaufnahme.

Warten…

Draußen wurde es dunkel. Die Klimanlage in der Wartehalle blies mit unverminderter Macht. Wir fingen an zu frösteln. Da es draußen angenehm warm war, begaben wir uns wie viele andere unserer Schicksalsgenossen vor die Tür an die laue Abendluft.

Die Diagnose: gebrochener Mittelfußknochen

Nach fünf Stunden Wartezeit klingelten wir an der Tür zur Notaufnahme. Mit bruchstückhaftem Italienisch (Google-Übersetzer sei Dank!) quengelte ich, dass wir schon fünf Stunden warteten und ich Schmerzen hätte. Der Wachmann guckte mitleidig, erkundigte sich über die Schulter hinweg und versprach, ich sei als Nächste dran.

Leider kamen innerhalb kurzer Zeit drei Ambulanzen angedonnert, so dass uns klar war, so bald würde das nichts. Wir beschlossen, dass Marcus schon mal das Auto herholen solle. Zum Glück hatten wir uns die Telefonnummer des Taxifahrers geben lassen, denn rundum war kein Taxi aufzutreiben und zum Laufen war es zu weit.

Als Marcus zurückkam wartete ich immer noch. Immerhin hatten wir jetzt Wasser und was zum Knabbern. Um halb elf wurde ich endlich rein gebeten. Marcus durfte nicht mit hinein. Ich wurde zu einem Arzt geschoben, der sich nicht vorstellte und mir als erstes verklickerte, dass er kein Englisch spreche. Er sah sich den Fuß an, sagte etwas von Radiologia und der Pfleger schob mich in einen weiteren Warteraum. Hier standen fünf Betten, dazwischen waren weitere Patienten auf Stühlen oder Rollstühlen platziert.

Nach einer längeren Wartezeit kam eine Frau, die mich zur Radiologie, also zum Röntgen holte. Sie schob mich durch lange, schäbige Gänge, in einen verschrammten Aufzug und wieder durch trostlose, schlecht beleuchtete Gänge im Kellergeschoss. Hätte die richtige Atmosphäre für einen Horrorthriller…

Langer Flur im Krankenhaus.

Geparkt vor dem Putzwagen.

Eine Weile war ich auf dem Gang geparkt, dann holte mich die Röntgenassistentin herein. Sie machte drei Aufnahmen vom Fuß. Ich fragte die Mitarbeiterin, ob ich einen Bruch („frattura“) hätte und sie nickte. Ich hatte es mir ja schon gedacht…

Nun ging es durch die Gänge des Grauens wieder hinauf. Nach einem kurzen Intermezzo im Warteraum durfte ich wieder zum Arzt. Der erklärte mir, dass der Fuß gebrochen sei. Soviel verstand ich noch, doch den folgenden Wortschwall nicht mehr. Der Arzt winkte dem Pfleger. Dieser zückte sein Handy, sprach hinein und zeigte mir den deutschen Text auf Google Übersetzer.

Ich traute meinen Augen nicht: „Es ist jetzt kein Orthopäde im Haus. Kommen Sie am Montag wieder.“

Äh, Moment? Ich habe einen gebrochenen Fuß, kann nicht laufen und es wird nichts behandelt? Keine Schiene, kein Gips, kein Schmerzmittel, keine Krücken? Und ich soll erst übermorgen wieder hier erscheinen?

Ja, so war es. Ich fragte, ob ich nicht in Catania, wo wir wohnten, ins Krankenhaus fahren könnte. Nein, nein, dann müsste ja der ganze Registrierungsprozess von vorne beginnen…

Nachts um halb zwölf schob der Pfleger mich vor die Tür. Wenigstens hatten wir den Mietwagen dabei. Was wäre, wenn wir mit dem Zug gefahren wären?

Wir fuhren nach Catania zurück. Zum Glück gab es einen Aufzug in unserer Unterkunft. Wir wohnten nämlich in der dritten Altbau-Etage. Trotzdem war es mühsam und schmerzhaft, mich an Marcus Arm bis zum Aufzug zu schleppen.

Zweiter Besuch im Krankenhaus

Zum Glück gab es im Zimmer unseres Bed&Breakfast reichlich Kissen, so dass ich den Fuß über Nacht hochlagern konnte. Ebenso hatte ich in unserer Reiseapotheke Schmerzmittel dabei, mit denen ich mich versorgte.

Hochgelagerter Fuß mit Handtuch umwickelt.

Zum Kühlen hatten wir nur ein feuchtes Handtuch.

Am Morgen flossen zum ersten Mal seit meinem Unfall Tränen, als ich meinen unförmigen Fuß anguckte und mich so richtig hilflos fühlte. Wir fragten Orazio, unseren Gastgeber, um Rat. Er riet uns, die neue Notfallambulanz der Poliklinik in Catania aufzusuchen. Wir hatten inzwischen auch mit der Auslands-Krankenversicherung telefoniert. Diese hatte uns ebenfalls die Adressen von zwei Kliniken in Catania genannt, unter anderem die von Orazio empfohlene.

Mit den Trekking-Stöcken als Krücken-Ersatz stützte ich mich notdürftig auf dem Weg zum Auto ab.

Die Notfallambulanz in Catania war hell und modern. Am Empfangsschalter musste ich nur meine Versichertenkarte vorlegen. Die Bürokratie war hier wesentlicher weniger umfangreich als in Taormina.

Hand mit Armbanduhr und Patientenarmband.

Aufnahme im Krankenhaus in Catania.

Ich wurde in einen Rollstuhl verfrachtet und sofort in den Behandlungsbereich gefahren. Alles lief viel zügiger ab als gestern. Die sehr nette Ärztin sprach gutes Englisch. Der Fuß wurde nochmals geröntgt, ich hatte ja vom Krankenhaus in Taormina keine Bilder mitbekommen.

Das Resultat: zwei gebrochene Knochen, nämlich der fünfte Mittelfußknochen und der benachbarte Würfelknochen. Die Ärztin tätschelte meine Schulter und erklärte, ich würde nun in die Orthopädie gebracht.

Wieder gab es eine kleine Odyssee durch Flure und Aufzüge. Vor dem Gipsraum mussten wir warten, während von drinnen lautes Schmerzensgeschrei erscholl. Schließlich wurde es ruhig und eine Frau mit eingegipstem Bein wurde herausgerollt.

Auch der Orthopäde und der Pfleger im Gipsraum sprachen Englisch. Sie erklärten mir, dass sie mir eine Gips-Schiene anpassen würden. Für einen Vollgips sei der Fuß noch zu sehr geschwollen. Flugs polsterten sie das Bein mit Wattebinden ab, und passten eine Gips-Schiene entlang Wade und Fußsohle an. Das Ganze wurde mit elastischen Binden hübsch umwickelt. Das Richten des Fußes hat kurz geziept, war aber nicht schlimm. So verließ ich mit einem schmucken, weißen Gips-Stiefel den Raum.

Gina liegt auf Liege und bekommt Gipsverband.

Hier wird der Stiefel maßgefertigt…

Gina mit Gipsbein im Rollstuhl.

Tja, so hatten wir uns den Urlaub nicht vorgestellt!

Von der netten Ärztin bekam ich den Krankenhausbericht und die Mahnung, den Fuß nicht zu belasten. Außerdem gab es ein Rezept für Anti-Thrombose-Spritzen. Auf meine Frage, wie es mit Krücken aussähe, erfuhr ich, dass ich diese in der Apotheke kaufen könne.

Marcus durfte mit dem Auto bis in die Krankenwagen-Schleuse der Notaufnahme fahren, um mich dort aus dem Rollstuhl zu pflücken.

Die Suche nach einer dienstbereiten Apotheke am Sonntag erwies sich als schwierig. Orazio schickte uns den Link zur Liste der Notdienst-Apotheken in Catania. Allerdings mussten wir drei davon abklappern, ehe wir auf eine stießen, die ihren Notdienst auch ausübte. Dort erhielten wir die Anti-Thrombose-Spritzen und ein Paar Krücken.

Entscheidung: Urlaub fortsetzen oder vorzeitiger Rückflug?

Nun stand die Überlegung an: sollten wir den Urlaub trotz Gips und Krücken fortsetzen oder bei der Auslandskrankenversicherung um einen vorzeitigen Rückflug bitten?

Zwar ging es mir soweit gut, ich hatte keine Schmerzen. Aber ich war doch stark in meiner Mobilität eingeschränkt. Selbst wenn ich an den Krücken auf einem Bein humpeln konnte, kam ich doch nicht weit. Von den geplanten Wanderungen konnte eh keine Rede mehr sein. Aber auch die Besichtigungen der zauberhaften Barockstädte in Siziliens Südwesten wäre wohl schwierig.

Gina mit Gipsbein und zwei Krücken auf einer Straße.

Das sieht leichter aus, als es ist. Weit kam ich nicht an den Krücken…

Doch konnten wir überhaupt vorzeitig zurückfliegen? Die Reise-Krankenversicherung hatten wir vor einigen Jahren abgeschlossen. Die genauen Leistungen wussten wir nicht mehr. Da es den Tarif in dieser Form heute nicht mehr gab, konnten wir auch die Versicherungsbedingungen nicht auf der Homepage der Versicherung nachlesen.

Zum Glück fand ich die Bestätigungsmail zum Versicherungsabschluss noch in meinem Mailpostfach. Daran waren die Versicherungsbedingungen als Dokument angehängt. So konnte ich mich überzeugen, dass der medizinisch sinnvolle Rücktransport abgedeckt war.

Dieses Wissen erwies als sehr nützlich, denn die Mitarbeiterin am Telefon war der Überzeugung, unser Tarif beinhalte nur den medizinisch notwendigen Rücktransport. Erst als ich insistierte, fragte sie bei der Vorgesetzten nach und entschuldigte sich für ihren Irrtum. Nur: Hätte ich das nicht sicher gewusst, wären wir wohl nicht vorzeitig von der Reise zurückgebracht worden.

Um den Rücktransport zu organisieren, musste ich den Arztbericht an die Versicherung senden. Dort würden die eigenen Ärzte prüfen, ob und wie ich transportfähig sei. Damit sei heute – am Sonntag – allerdings nicht zu rechnen.

Die Mitarbeiterin versprach uns, sich zu melden, sobald der Rücktransport organisiert werden könne.

Den Rest des Sonntags verbrachte ich mit brav hochgelagertem Fuß im Zimmer. Wenigstens hatten wir eine sehr hübsche Unterkunft gewählt, so dass der Aufenthalt angenehm war.

Zwei frittierte Reisbällchen.

Typische sizilianische Spezialität: Arancini.

Abends zog Marcus los, um Essen zu holen. Mit sizilianischen Spezialitäten, nämlich Arancini, gefüllte und frittierte Reisbällchen und Cannoli zum Nachtisch kehrte er zurück.

Krank im Urlaub – das Beste draus machen

Da wir ja eine kleine Rundreise geplant hatten, war unser Aufenthalt in Catania am Montag beendet. Unsere nächste vorgebuchte Unterkunft lag in Noto, etwa zwei Stunden Autofahrt entfernt.

Vorsichtshalber fragten wir vorher bei dem Gastgeber an, inwieweit das Zimmer barrierefrei zugänglich sei. Wir erfuhren, dass es im 1. Stock lag. Als Alternative boten sie uns eine andere Unterkunft in einem Nachbarort an, in der das Zimmer ebenerdig lag. Nach kurzer Überlegung entschieden wir, dass ich wohl einmal am Tag die Treppe mit den Krücken bewältigen könne. Das Zimmer in Noto sah viel hübscher aus als das als Ersatz angebotene und ich würde vermutlich doch einige Zeit im Zimmer verbringen.

Ausgestrecktes Gipsbein auf Rückbank des Autos.

Krankentransport im Urlaub.

Ich nahm auf der Rückbank des Mietwagens Platz, wo ich meinen Gips-Fuß hochlagern konnte. Auf dem Weg nach Noto machten wir einen Zwischenstopp in Siracusa. Dort gab es einen Touristenbus, der eine Hop-On-Hop-Off-Stadtrundfahrt fuhr. Normalerweise erkunden wir Orte lieber auf eigene Faust. Doch unter den gegebenen Umständen war dies die beste Möglichkeit, wenigstens ein bisschen was von der schönen Altstadt zu sehen. Die 200 Meter vom Parkplatz bis zur Bushaltestelle brachten mich schon ans Ende meiner Kräfte!

Roter Sight-Seeing-Bus.

Auch beim Fotostopp mache ich vom Hop-Off keinen Gebrauch.

Barocker Springbrunnen in Siracusa.

Einen kleinen Eindruck von Siracusa gewannen wir vom Bus aus.

Nach dem für mich anstrengenden Reisetag ruhte ich mich am nächsten Tag im Zimmer aus, während Marcus die reizvolle Barockstadt erkundete. Dabei traf er einen Ape-Tuktuk-Fahrer, der Rundfahrten für Touristen anbot.

Gina mit hochgelagertem Bein in Zimmer mit Holzmöbeln.

Wenn man schon krank im Urlaub ruhen muss, dann wenigstens in stilvollem Ambiente.

Er vereinbarte mit ihm, nachmittags an unserer Unterkunft vorbeizukommen. So kam ich trotz Gips in den Genuss, Noto zu erleben, wenigstens von den Gassen der Altstadt aus. Im Tuktuk konnte ich meinen Gipsfuß bequem hochlagern. Der Guide fuhr uns an prächtigen Barockhäusern mit eindrucksvollen Balkonen und majestätischen Kirchen vorbei. Zu allen Bauwerken gab er Erläuterungen – auf Italienisch, das er mit Hilfe eines Lautsprechers von Google übersetzten ließ. An einer Weinstube hielten wir und bekamen ein Kostprobe Muscatella kredenzt.

Fassade mit Barockbalkonen.

Schöne Barockbalkone in Noto.

Marcus und Gina im Ape-Tuktuk.

Spaß haben geht auch mit Gipsbein.

Inzwischen hatte sich die Auslandskrankenversicherung gemeldet und mitgeteilt, dass sie einen Rückflug für Donnerstag Abend organisiert hätten. Das passte uns ganz gut, da wir das Zimmer in Noto ebenfalls bis Donnerstag gebucht hatten.

Am Mittwoch machten wir einen Ausflug nach Ragusa. Dort sollte es laut Information im Internet auch einen Rundfahrt-Bus geben. Leider war das aber nicht der Fall, wie Marcus in der Touristeninfo erfuhr. So schleppte ich mich vom Parkhaus bis zum zentralen Platz, wo wir in einem Café Platz nahmen, den Dom anguckten und eine Stunde chillten.

Da man sich nach dem großen Erdbeben 1693 nicht einigen konnte, wo man den Ort wieder aufbauen sollte, wurden kurzerhand zwei Orte geschaffen. So besteht Ragusa aus den beiden Ortsteilen Ragusa Superiore und Ragusa Ibla, die sich auf zwei Hügeln dramatisch gegenüber liegen. Wir fuhren die serpentinenreiche Straße hinunter und wieder hinauf, die die beiden Ragusas verbindet. In Ragusa Ibla nahmen wir den öffentlichen Bus und ließen uns eine Runde um das Ensemble der Altstadt mit Dom und Palazzi fahren.

Ort auf dichtbebautem Hügel.

Ragusa Ibla.

Auf dem Rückweg nach Noto fuhren wir eine Runde durch die Barockstädtchen Módica und Scicli. So erhaschten wir wenigstens einen flüchtigen Eindruck vom Auto aus.

Die Hilfsbereitschaft der Sizilianer

Dadurch, dass ich im Urlaub krank und hilfsbedürftig geworden war, erfuhren wir eine große und herzerwärmende Hilfsbereitschaft auf unserer Reise.

Sei es unser Gastgeber Orazio, der uns mit Notdienstplänen der Apotheke versorgte und für uns herumtelefonierte.

Seien es die sizilianischen Autofahrer, die immer geduldig warteten, wenn Marcus an einer engen Stelle anhielt, um mich mit meinen Krücken ein- oder aussteigen zu lassen. Und das dauerte! Nie wurde gehupt oder geschimpft. Jedesmal, wenn ich mit meinem Gips am Straßenrand stand, hielt sofort das nächste Auto an, um mich hinüber humpeln zu lassen. Das haben wir in Deutschland teilweise anders erlebt.

Gina auf Krücken beim Betreten der Straße.

Straße überqueren war dank rücksichtsvoller Autofahrer kein Problem.

Sei es das Restaurant in Noto, das Marcus die Speisen samt Servierplatte und Besteck mitgab, als er erklärte, seine Frau sei krank und er wolle Essen mitnehmen.

In Siracusa demonstrierte mir ein Passant spontan, wie ich die Krücken einsetzen sollte. Er hatte zuvor beobachtet, wie mühsam ich mich damit abquälte.

In einem anderen Ort bat mich eine Frau in ihren Laden und bot mir einen Stuhl an, während ich darauf wartete, dass Marcus mich abholen kam.

Der medizinische Rücktransport

Der von der Reise-Krankenversicherung organisierte Rückflug startete am Donnerstag Abend von Catania aus. Wir wären sogar in unserm Hotel in Noto abgeholt worden. Da wir den Mietwagen hatten, fuhren wir natürlich selber.

Wir hatten den ganzen Tag Zeit und wählten eine gemächliche Route durch die Ibleischen Berge. In Palazzolo Acreide machten wir Halt. Wir besuchten eine Pasticceria, die im weitem Umkreis für ihre Köstlichkeiten bekannt war. Außerdem gab es in diesem Ort den längsten Barockbalkon Siziliens zu bewundern.

Straße mit barocken Häusern und Laterne im Vordergrund.

Palazzolo Acreide.

Antipasti-Teller mit Salami, Käse, Oliven.

Mit sizilianischen Antipasti fängt das Menü gut an.

Zum Abschluss unserer etwas anders als geplant verlaufenen Sizilienreise gönnten wir uns ein leckeres sizilianisches Menu. Nach diesem Genuss machten wir uns endgültig auf zum Flughafen.

Marcus ließ mich am Abflugterminal aussteigen und brachte den Mietwagen weg. Ich humpelte in die chaotische, von Reisenden wimmelnde Abflughalle und war froh, dass ich schnell eine Rollstuhl-Station erblickte. Schon war eine Mitarbeiterin zur Stelle und machte mir einen Rollstuhl parat.

Mit dem Rollstuhlservice wurden wir an den langen Warteschlangen an Check-In und Security vorbei geschoben. Als erste durften wir ins Flugzeug. Die Flugbegleiterin erkundigte sich gleich, ob der Gips auch offen sei.

Die Versicherung hatte vier Plätze für uns gebucht, so dass ich eine ganze Reihe für mich hatte. So konnte ich entspannt den Huf während des Flugs hochlagern.

Gina mit ausgestrecktem Bein in Sitzreihe im Flugzeug.

So fliegt es sich entspannt mit Gipsbein.

In Düsseldorf angekommen stand schon ein Mitarbeiter mit dem Rollstuhl an der Flugzeugtür bereit. Er brachte uns bis ins Parkhaus, wo der große Van des Limousinenservices parkte. Auch hier konnte ich wieder gemütlich das Füßchen hochlegen, während wir bis zu unserer Haustür gefahren wurden.

Für uns hat sich die Reise-Krankenversicherung für die nächsten 100 Jahre gelohnt!