Asia­ti­sche Toi­let­ten geben dem Asi­en-Neu­ling unter Umstän­den Rät­sel auf. So war uns die Funk­ti­on der Popo­du­sche, die man auf jedem WC fin­det, zunächst völ­lig schlei­er­haft. Zumin­dest Hock­toi­let­ten ken­nen wir noch aus Frank­reich-Urlau­ben.

Unse­re ers­te Begeg­nung mit einem asia­ti­schen Bad war in Bang­kok. Es waren ein WC, ein Wasch­be­cken und eine Dusche, die über den Fuß­bo­den ablief vor­han­den, dazu der Schlauch mit der Popo­du­sche neben der Toi­let­te. Da das Bad ziem­lich klein war, war jedoch alles rela­tiv in der Nähe zu allem, so dass uns der Zusam­men­hang nicht auf­fiel. Ich nutz­te den Sprüh­kopf der Popo­du­sche, um nach dem Duschen die Haa­re auf dem Boden Rich­tung Abfluss zu beför­dern. Kann man machen. Ist aber nicht das ein­zi­ge, was man damit machen kann.

Typisches asiatisches Bad mit Popodusche neben der Toilette

Typi­sches asia­ti­sches Bad mit Popo­du­sche neben der Toi­let­te

Es hat eini­ger Recher­chen bedurft, um her­aus­zu­fin­den, wie es geht. Die Ein­hei­mi­schen danach zu fra­gen, schien uns nicht nur wegen der Sprach­bar­rie­re ziem­lich aus­sichts­los. Asia­ten gel­ten als sehr scham­haft und hät­ten sol­che Fra­gen ver­mut­lich recht unge­hö­rig gefun­den.

Damit du bei dei­nem ers­ten Asi­en-Urlaub die loka­len Loka­li­tä­ten wie ein Pro benut­zen kannst, haben wir die­ses ulti­ma­ti­ve Toi­let­ten-Tutu­ri­al erstellt.

WC mit Popo­du­sche

Ob in Thai­land, Myan­mar, Kam­bo­dscha oder Laos und in vie­len wei­te­ren asia­ti­schen Län­dern wirst du in Städ­ten und moder­nen Gebäu­den eine west­li­che Sitz­toi­let­te und eine Popo­du­sche fin­den.

Je geho­be­ner die Lage, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit auch Klo­pa­pier zur Ver­fü­gung zu haben. Befin­det sich neben der Toi­let­te ein Müll­be­häl­ter, soll­test du das Papier kei­nes­falls über die Toi­let­te ent­sor­gen, son­dern in den Eimer wer­fen. In sehr vie­len Län­dern die­ser Erde ist die Kana­li­sa­ti­on nicht dar­auf aus­ge­legt, Papier weg­zu­spü­len.

Sehr schickes Bad mit Popodusche

Sehr schi­ckes Bad mit Popo­du­sche

Da die­ses Tuto­ri­al gewis­se Vor­kennt­nis­se vor­aus­setzt, gehe ich davon aus, dass du mit dem Umgang mit der Sitz­toi­let­te ver­traut bist und ich ver­zich­te auf die Beschrei­bung des­sen, was der not­wen­di­gen Rei­ni­gung dei­ner inti­men Berei­che vor­an­geht.

Sehr oft wirst du fest­stel­len, dass das bereit­ge­stell­te Toi­let­ten­pa­pier nicht die Dicke und Reiß­fes­tig­keit auf­weist, die du dir für den Ein­satz wünschst. Und wenn keins vor­han­den ist, bit­te nur dann selbst­mit­ge­brach­te Res­sour­cen ver­wen­den, wenn du sie nicht über die Toi­let­te ent­sorgst. Sie­he oben.

So geht die Rei­ni­gung auf asia­tisch: Du greifst zum bereit hän­gen­den Schlauch der Popo­du­sche und spritzt dort­hin, wo du der Säu­be­rung bedarfst. Anfän­gern emp­feh­len wir dar­auf zu ach­ten, dass sich kei­ne Klei­dungs­tei­le in Schuss­rich­tung befin­den.

Sprühkopf der Popodusche

Sprüh­kopf der Popo­du­sche

Es ist immer eine gute Idee, die Stär­ke des Strahls zu prü­fen, bevor du ihn auf emp­find­li­che Tei­le rich­test. Bei man­chen Popo­du­schen habe ich nach dem Auf­druck „Kärcher” gesucht, so kam das Was­ser da raus geschos­sen. Wenn du den Druck nicht durch unter­schied­lich fes­tes Bedie­nen des Sprüh­he­bels regu­lie­ren kannst, kannst du am Eck­ven­til an der Wand dre­hen, um den Durch­fluss zu ver­min­dern.

Damen ach­ten dar­auf, immer von vor­ne nach hin­ten zu spü­len, damit kei­ne Darm­bak­te­ri­en zur Harn­röh­re gelan­gen und even­tu­ell eine Infek­ti­on aus­lö­sen. Da die Her­ren auf­grund ihrer ana­to­mi­schen Beson­der­hei­ten die­ses Pro­blem nicht haben, ist ihnen die Sprüh­rich­tung frei­ge­stellt.

Pipi spülst du allein mit dem Strahl der Popo­du­sche fort, beim gro­ßen Geschäft nimmst du zur Rei­ni­gung dei­ne Hand zu Hil­fe. Hat da jemand „Iiiiiih!” geschrien? Wenn du dich unter der Dusche rei­nigst, kommt doch auch dei­ne Hand dort zum Ein­satz, oder?

einfaches Bad. Der Abfluss des Waschbeckens läuft über den Boden ab.

Ein­fa­ches Bad. Der Abfluss des Wasch­be­ckens läuft über den Boden ab.

Asia­ten neh­men dazu tra­di­tio­nell die lin­ke Hand, die man daher auch nie­man­dem reicht und die man nicht zum Essen benutzt. Da wir uns nach dem Toi­let­ten­gang gründ­lich die Hän­de waschen wer­den, ist es ziem­lich egal, wel­che Hand benutzt wird.

So. Fer­tig. Fer­tig? Aber jetzt bist du doch klatsch­nass unten­rum! Ent­we­der benutzt du zum Abtrock­nen die dün­nen Klo­pa­pier­fet­zen oder du machst es wie die Ein­hei­mi­schen: du lässt das Was­ser ein wenig abtrop­fen und sonst nichts. Bei den Tem­pe­ra­tu­ren im süd­ost­asia­ti­schen Raum stört das biss­chen Feuch­tig­keit, das übrig­bleibt nicht wirk­lich.

Die asia­ti­sche Hock­toi­let­te

Je wei­ter du in länd­li­che­re Gebie­te vor­dringst, des­to rus­ti­ka­ler wer­den die sani­tä­ren Anla­gen. Kein Grund zur Panik! Dank unse­res Tuto­ri­als bist du gewapp­net.

schiefes klohäuschen aus Bambus

Da hofft man, dass das Klo­häus­chen noch lan­ge genug ste­hen bleibt.…

Es gibt Hock­toi­let­ten in allen Stan­dards: von Kera­mik und geflies­ten Wän­den bis zum Bret­ter­ver­schlag im Hin­ter­hof. Zum Rei­ni­gen fin­dest du ent­we­der eine Popo­du­sche mit Schlauch vor oder ein Was­ser­be­cken mit Schöpf­kel­le.

Man­che Rat­ge­ber emp­feh­len, du soll­test dich vor Benut­zung der Hock­toi­let­te dei­ner gesam­ten Klei­dung der unte­ren Kör­per­hälf­te ent­le­di­gen. Und dann? In den wenigs­ten Fäl­len gibt es einen Klei­der­ha­ken in der Kabi­ne. Auf den in der Regel nas­sen Boden möch­test du dei­ne Kla­mot­ten sicher nicht able­gen. Bleibt dir noch die Mög­lich­keit, dar­aus einen Tur­ban zu bas­teln und auf dem Kopf zu balan­cie­ren.

Ganz im Ernst: ver­mut­lich schaffst du es bei einer Wan­de­rung auch, dich hin­ter einem Busch zu erleich­tern, ohne einen hal­ben Strip­tease hin­zu­le­gen. Die Tech­nik ist auf der Hock­toi­let­te die glei­che: Hosen unge­fähr auf Knie­hö­he her­un­ter­las­sen, lan­ge Hosen­bei­ne auf­krem­peln oder hoch­zie­hen. In der Regel parkst du rück­wärts auf das Hock­klo ein. Soll­te es mal quer im Raum ange­bracht sein steigst du so drauf, dass dein Hin­tern über dem Abfluss­loch schwebt.

Bambushäuschen mit Hockklo

Noch mal eine rus­ti­ka­le Vari­an­te

Du gehst so tief wie mög­lich in die Hocke. Je tie­fer, des­to weni­ger spritzt es. Wenn du Pro­ble­me mit dem Gleich­ge­wicht hast, leg dei­ne Arme um dei­ne Knie und hal­te dich so fest.

Ist eine Popo­du­sche vor­han­den, erfolgt die Rei­ni­gung wie oben beschrie­ben.

Bei der Vari­an­te Was­ser­be­häl­ter mit Schöpf­kel­le soll­test du nicht ver­su­chen, die Schöpf­kel­le über dir aus­zu­lee­ren. Es sei denn, du möch­test gleich dei­ne Kla­mot­ten mit waschen. Du schöpfst Was­ser mit der Hand aus der gefüll­ten Kel­le und beför­derst es du weißt schon wohin.

Hocktoilette mit Wasserbecken und Schöpfkelle

Hock­toi­let­te mit Was­ser­be­cken und Schöpf­kel­le

Wenn du Schwie­rig­kei­ten hast, aus der Hocke wie­der auf­zu­ste­hen, stütz dich mit dei­nen Hän­den auf den Ober­schen­keln ab. Es ist auch sinn­voll, den Ruck­sack bei einer Per­son dei­nes Ver­trau­ens zu las­sen, wenn das mög­lich ist. So musst du nicht auch noch die­ses Gewicht mit­hoch­stem­men.

Wenn die Hock­toi­let­te über ein Spü­lung ver­fügt, emp­fiehlt es sich, vor Betä­ti­gung der­sel­ben groß­zü­gi­gen Abstand zum Becken ein­zu­neh­men. Am bes­ten flucht­be­reit die Türe öff­nen und erst dann abzie­hen.

Ist kei­ne Spü­lung vor­han­den, nutzt du die Schöpf­kel­le, um groß­zü­gig Was­ser nach­zu­spü­len, auch über die Tritt­stel­len, wo du Stra­ßen­schmutz hin­ter­las­sen hast. Du hast hof­fent­lich kein Papier in der Hock­toi­let­te ent­sorgt, denn es ist fast aus­sichts­los, das mit der Kel­le weg­zu­spü­len.

Wei­te­re Tipps zur Benut­zung asia­ti­scher Toi­let­ten

Du wirst immer eine Mög­lich­keit zum Hän­de­wa­schen vor­fin­den. Ob es nun Wasch­be­cken mit flie­ßend Was­ser sind oder eine Was­ser­ton­ne mit einem Schöpf­ge­fäß. In letz­te­rem Fall schöpfst du Was­ser aus der Ton­ne und lässt es über dei­ne Hän­de lau­fen – und zwar auf den Boden, nicht über der Ton­ne.

Sei­fe wird weni­ger oft vor­han­den sein. Ich emp­feh­le dir daher, immer eine klei­ne Rei­se­grö­ße flüs­si­ger Sei­fe und/oder Hand­des­in­fek­ti­ons­gel in der Tasche zu haben.

Cartoon mit pinkem Flusspferd, das von Toilette fällt

Dras­ti­sches Warn­schild in Thai­land: nicht auf Sitz­toi­let­ten klet­tern!

Die hocken­de Hal­tung ist übri­gens für den Darm viel gesün­der als die bei uns übli­che Sitz­po­si­ti­on. Es ent­steht weni­ger Druck auf den Darm­aus­gang und der Win­kel ist güns­ti­ger, um los­zu­las­sen.

Auch unter hygie­ni­schen Gesichts­punk­ten ist die Nass­rei­ni­gung nach dem Toi­let­ten­gang bes­ser und gründ­li­cher als die Tro­cken­rei­ni­gung bei uns im Wes­ten.

Asia­ti­sche Toi­let­ten­kul­tur – auch bei uns zu Hau­se?

Nach­dem wir erst­mal raus hat­ten, wie es auf dem asia­ti­schen Klo funk­tio­niert, waren wir rest­los begeis­tert.

Wir über­leg­ten, wie wir die Nass­rei­ni­gung auch bei uns zu Hau­se ein­füh­ren könn­ten. Man kann in Asi­en tat­säch­lich die Popo­dusch-Gar­ni­tu­ren kau­fen. Wir waren aber nicht sicher, ob sie auf unse­re Anschlüs­se pas­sen wür­den. Außer­dem haben wir in unmit­tel­ba­rer Nähe der Toi­let­te kei­nen Was­ser­an­schluss, an den wir einen sol­chen Schlauch moni­tie­ren könn­ten.

Schließ­lich fan­den wir eine prag­ma­ti­sche Lösung: Wir fül­len eine aus­ge­dien­te Spü­lifla­sche mit Was­ser und stel­len sie neben das Klo. Damit kön­nen wir ziel­ge­nau duschen. Da es bei den hie­si­gen kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­sen sinn­voll ist, sich nach der Rei­ni­gung abzu­trock­nen, hat jeder von uns ein klei­nes „Popo­hand­tuch” bereit lie­gen, das öfters aus­ge­wech­selt wird. So genie­ßen wir mit wenig Auf­wand den Kom­fort der asia­ti­schen Nass­rei­ni­gung. Und die Umwelt freut, dass unser Klo­pa­pier­kon­sum seit­dem deut­lich redu­ziert ist.

Spritzflasche mit Wasser und kleines Handtuch auf Klodeckel

Spritz­fla­sche und Popo­hand­tuch – fer­tig ist die asia­ti­sche Toi­let­ten­kul­tur

Die Sani­tär­ke­ra­mik­in­dus­trie ent­deckt die­sen Trend auch gera­de. Für vier­stel­li­ge Beträ­ge kann man sich ein High-Tech-Dusch­klo instal­lie­ren las­sen.

Wer übri­gens Gefal­len an der darm­freund­li­chen Hock­stel­lung fin­det, kann die­se imi­tie­ren, indem man einen Hocker vor der Toi­let­te plat­ziert und die Füße wäh­rend des Geschäfts dar­auf abstellt.

Hast du unse­ren Tipps noch etwas hin­zu­zu­fü­gen? Oder möch­test du eige­ne Erfah­run­gen auf asia­ti­schen oder ande­ren exo­ti­schen Toi­let­ten mit uns tei­len? Dann freu­en wir uns auf dei­nen Kom­men­tar!

Unse­re Rei­se-Erleb­nis­se in Süd­ost­asi­en

Mehr über unse­re Rei­se-Erleb­nis­se jen­seits der Toi­let­ten­kul­tur fin­dest du hier:

*Anzei­ge*

Falls du nun auf den Geschmack gekom­men bist, gibt es mitt­ler­wei­le auch eine „Popo­du­sche to go”:

Unse­re Rei­se­füh­rer für Süd­ost­asi­en: