Wir freu­en uns auf Hanoi. Freun­de haben uns viel erzählt über die­se quir­li­ge, lie­bens­wer­te Haupt­stadt Viet­nams. Dem­entspre­chend hohe Erwar­tun­gen haben wir, als der Flie­ger abends auf der Lan­de­bahn auf­setzt. Hanoi, Stadt der vie­len Rol­ler, wir kom­men.

Hanoi

Das mit den vie­len Rol­lern stimmt schon­mal

An der Immi­gra­ti­on trau­en wir unse­ren Augen kaum. Kei­ne lan­gen Schlan­gen, wir bekom­men sofort unse­re Stem­pel in die Rei­se­päs­se und ste­hen ganz ver­dat­tert am Gepäck­band, um unse­re Ruck­sä­cke in Emp­fang zu neh­men. So schnell ging das noch nie. Ginas Ruck­sack ist der ers­te, der auf dem Band erscheint. Juhu! Mei­ner lässt auch nicht lan­ge auf sich war­ten. Flugs noch Geld zie­hen, und am Aus­gang war­tet auch schon der vom Hos­tel bestell­te Taxi­fah­rer auf uns. Hanoi, du meinst es gut mit uns.

Auf der gan­zen Fahrt in die Stadt reg­net es. Aber auch im Dun­keln erken­nen wir, wie groß und bunt die Stadt ist.

Obwohl es schon spät ist, bekom­men wir weni­ge Meter vom Hos­tel* ent­fernt in einem klei­nen Restau­rant die obli­ga­to­ri­sche Nudel­sup­pe Pho ser­viert. Auf Mini-Stühl­chen hockend, schlür­fen wir die­se lecke­re tra­di­tio­nel­le Sup­pe.

Hanoi

Pho auf Mini­stühl­chen

Klar, Hanoi ist kei­ne ruhi­ge Stadt. Auch hier ist der Ver­kehr chao­tisch, aller­dings passt jeder mit auf den ande­ren auf. So kön­nen wir getrost die Stra­ße über­que­ren und die Mopeds zir­keln geschickt um uns her­um. Ein wenig kom­pli­zier­ter machen die vie­len Autos den Ver­kehr, die­se kön­nen nicht so ein­fach um einen her­um­fah­ren, also las­sen wir Autos durch oder hal­ten soviel Abstand, dass die­se nur wenig brem­sen müs­sen.

Hanoi

Auch bei Regen wird gerol­lert

Hanoi

Eine ganz gewöhn­li­che Kreu­zung

Wir schlen­dern mit­tags zum Hoan Kiem See, nicht weit von uns und von der Alt­stadt ent­fernt. Dort gibt es das berühm­te Was­ser­pup­pen-Thea­ter. An der Kas­se teilt man uns mit, dass für die nächs­ten Tage alles aus­ge­bucht ist, nur für heu­te um 16 Uhr gibt es zwei Kar­ten, die zurück­ge­ge­ben wur­den. Schnell ent­schei­den wir uns, die­se Kar­ten zu kau­fen. Wir haben bis zur Vor­stel­lung noch etwas Zeit. Wir schlen­dern durch die Gas­sen und gehen anschlie­ßend ins Cafe. Kennt ihr Kaf­fee mit Ei? Nein? Dann soll­tet ihr es auf jeden Fall pro­bie­ren. Ein rohes Eigelb wird geschla­gen und mit hei­ßem Kaf­fee ver­mischt. Mit etwas Honig und Vanil­le ver­fei­nert, schmeckt die­ser Kaf­fee rich­tig gut. Da er recht fest ist und etwa wie Tira­mi­su schmeckt, kön­nen wir uns die­se viet­na­me­si­sche Spe­zia­li­tät auch als Des­sert vor­stel­len.

Hanoi

Der genia­le Eier­kaf­fee

Dann ist es Zeit, ins Thea­ter zu gehen. Wir sit­zen ganz hin­ten und etwas in der Ecke. Von dort haben wir einen sehr guten Über­blick und im Gegen­satz zu den ande­ren Plät­zen auch Bein­frei­heit. End­lich geht es los. Die Büh­ne ist ein Was­ser­be­cken und hin­ter dem Vor­hang ste­hen die Pup­pen­spie­ler hüft­tief in Ang­ler­ho­sen im Was­ser. Sie hau­chen den Pup­pen das Leben ein. Wir sehen feu­er­spei­en­de Dra­chen, hüp­fen­de Fische und Ang­ler. Reis­schöp­fen­de Frau­en und Bau­ern, die ihre Was­ser­büf­fel füh­ren. Es wer­den zahl­rei­che Geschich­ten erzählt, die mit Gesang und Musik beglei­tet wer­den. Ein unter­halt­sa­mes Stück viet­na­me­si­scher Kul­tur. Nach etwa 50 Minu­ten ist das Thea­ter zu Ende und die Pup­pen­spie­ler zei­gen sich unter tosen­dem Applaus. Wir fin­den es herr­lich. Ein Spek­ta­kel für Augen und Ohren. Spä­ter erfah­ren wir, dass die bis zu 5 Kilo schwe­ren Holz­pup­pen an 3–4 Meter lan­gen Stan­gen geführt wer­den. Das ist sicher­lich kei­ne leich­te Arbeit. Ers­te Auf­füh­run­gen sol­len schon im 11. Jahr­hun­dert statt­ge­fun­den haben.

Hanoi

Ja wenn dat Tröm­mel­sche jeht…

Hanoi

Feu­er­spei­en­de Dra­chen

Hanoi

Reis­bau­ern bei der Arbeit

Schon jetzt habe ich mich in die Stadt ver­liebt. Sie hat einen bezau­bern­den Charme, mit viel alter Bau­sub­stanz, alten Tem­peln und eini­gen Parks. Dazu sind die Men­schen sehr freund­lich. Uns macht auch der Lärm des Stra­ßen­ver­kehrs nichts aus.

Wie­der gehen wir in ein klei­nes Restau­rant, wel­ches die Pho-Sup­pe anbie­tet. Hier wird im Akkord gear­bei­tet und auch geges­sen. Sup­pe bezah­len, auf die klei­nen Stühl­chen set­zen und los­schlür­fen, sobald der Tel­ler leer ist, steht man auf und geht. Gegen­über gibt es eine grö­ße­re Knei­pe, mich erin­nert die­se an ein Brau­haus. Viet­nam ist bekannt für preis­wer­tes Bier. Natür­lich möch­ten wir das auch pro­bie­ren. In der Knei­pe ist es lei­der höl­lisch laut und das Bier schmeckt mir nicht. Es schmeckt wie ein Pils, und das ist mir ein­deu­tig zu bit­ter. Ver­such macht kluch :)

Ein wenig Kul­tur möch­ten wir so gegen Ende unse­rer Rei­se doch noch mit­neh­men. Wie­der spät am nächs­ten Tag machen wir uns auf zum Ho-Chi-Minh-Mau­so­le­um. Dort liegt der bekann­te viet­na­me­si­sche Revo­lu­tio­när und Prä­si­dent der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Viet­nam. Wir wun­dern uns schon, dass wir kei­ne Men­schen­schlan­gen vor dem Ein­gang sehen. Auf Nach­fra­ge heißt es, dass das Mau­so­le­um nur mor­gens von 8–11 Uhr geöff­net ist. Da haben wir wohl bei 11 Uhr a.m und p.m ver­wech­selt. Statt­des­sen schau­en wir uns das nahe­ge­le­ge­ne Kunst­mu­se­um an und gehen dann zurück zum Hotel. Abends gehen wir auf den Nacht­markt essen, wo es viel Kitsch und Kunst zu sehen gibt.

Hanoi

Das Ho-Chi-Minh Mau­so­le­um. Eigent­lich woll­te er ganz beschei­den bei­gesetzt wer­den.

Es gibt ein Frau­en-Muse­um in Hanoi. Auf mehr­fa­che Emp­feh­lung besu­chen wir es und wer­den nicht ent­täuscht. Das Muse­um zeigt die Geschich­te von viet­na­me­si­chen Frau­en unter­schied­li­cher eth­ni­scher Her­kunft; deren Rol­le in der Fami­le, im Wider­stand, im Femi­nis­mus, deren Aus­druck in der Mode und im Kunst­hand­werk. Wir stel­len fest, dass wie in vie­len ande­ren Län­dern auch hier die Frau­en oft­mals ein har­tes und ent­beh­rungs­rei­ches Leben füh­ren.

Hanoi

Ein­drü­cke aus dem Frau­en-Muse­um

Hanoi

Hoch­zeits­kleid – Über­ra­schung, wer da wohl drun­ter steckt

Auf dem Rück­weg ist eine Stra­ße am Hoan Kiem See für Fahr­zeu­ge gesperrt. Hun­der­te von Men­schen fla­nie­ren hier, vie­le Kin­der flit­zen in klei­nen Elek­tro­au­tos her­um. Wir müs­sen höl­lisch auf­pas­sen, damit sie uns nicht umfah­ren. Dann wer­den wir von einem jun­gen Mann ange­spro­chen. Er ist Stu­dent an einer Eng­lisch-Aka­de­mie und hat die Auf­ga­be, Tou­ris­ten auf eng­lisch anzu­spre­chen und zu Spie­len ein­zu­la­den. Hier fin­den tra­di­tio­nel­le viet­na­me­si­che Spie­le auf der Stra­ße statt, ob wir die­se nicht ken­nen­ler­nen wol­len. Beim Seil­sprin­gen und Stel­zen­lau­fen drü­cken wir uns. Dafür nimmt Gina die Her­aus­for­de­rung eines Brett­spiels an. Auf dem Boden wird mit Krei­de eine bestimm­te Anzahl von Käst­chen auf­ge­malt. In die­sen Käst­chen lie­gen klei­ne Stei­ne, die in bestimm­ter Rei­hen­fol­ge bewegt wer­den. Nach län­ge­rer Erklä­rung in Eng­lisch geht es los. Unter lau­tem Geläch­ter und Anfeue­run­gen geben die Spie­ler alles, um zu gewin­nen. Wir haben unse­ren Spaß dabei.

Hanoi

Ach­tung, die jun­ge Dame ach­tet nicht dar­auf, wo sie hin­fährt

Hanoi

99 Luft­bal­lons

Hanoi

Gina beim Spie­len

Den letz­ten Tag ver­brin­gen wir, indem wir durch die Stra­ßen gehen und ein wenig nach Kla­mot­ten schau­en. Eini­ges ist auf der Rei­se kaputt gegan­gen. Im Gegen­satz zum gut gefüll­ten Klei­der­schrank zu Hau­se hat man hier mehr oder weni­ger immer das glei­che an, das dann auch schnel­ler ver­schleißt. Der Dong Xuan Markt, in dem die Ein­hei­mi­schen ein­kau­fen, ist aber so unüber­sicht­lich und eng, dass wir schnell flüch­ten und am Ende des Tages kaum was ein­ge­kauft haben.

Im Hoan Kiem See gibt es eine Tem­pel-Insel, die­se ist über eine rote Holz­brü­cke zu errei­chen. Vom Ufer sieht der Jade­berg-Tem­pel sehr male­risch aus, auch mit der Brü­cke, die sich im Was­ser spie­gelt. Aller­dings ent­täuscht uns des­sen Besuch. Das inter­es­san­tes­te ist noch eine 1968 gefun­de­ne 2,10 m lan­ge und 250 kg schwe­re Schild­krö­te. Die­se wur­de damals tot aus dem See gebor­gen. Sie soll etwa 400 Jah­re alt gewe­sen sein. Heu­te kann man das prä­pa­rier­te Tier in einem Glas­kas­ten im Tem­pel bewun­dern.

Hanoi

Über die­se Brü­cke gehts zum Tem­pel

Dann naht auch schon der Tag der Abrei­se. Für halb fünf nach­mit­tags ist das Taxi bestellt. Viel haben wir nicht vor an die­sem Tag. Das Hotel­zim­mer muss bezahlt wer­den und wir gehen noch etwas essen. Das Taxi ist pünkt­lich und am Flug­ha­fen läuft alles sehr zügig ab.

So rich­tig klar ist mir noch nicht, dass unser Welt­rei­se-Jahr jetzt vor­bei sein soll. Ich freue mich schon auf zu Hau­se, Fami­lie, Freun­de, deut­sches Essen, die Mut­ter­spra­che über­all spre­chen und ver­ste­hen zu kön­nen. Auf der ande­ren Sei­te habe ich Angst, all­zu schnell ins Hams­ter­rad der Arbeit und des Kon­sums zu rut­schen.

*Alle mit einem * gekenn­zeich­ne­ten Links sind Affi­lia­te-Links. Das heißt, wir erhal­ten eine klei­ne Pro­vi­si­on, wenn du über die­sen Link etwas kaufst. Für dich ent­ste­hen selbst­ver­ständ­lich kei­ner­lei Nach­tei­le, du bezahlst den glei­chen Preis wie beim Ein­kauf ohne die­sen Link.

 

Mer­ken

Mer­ken