Aktualisiert am 20/01/2023 von Gina

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Auf dem Landweg von Thailand nach Kambodscha

Von Thailand nach Kambodscha auf dem Landweg zu reisen, ist eine abenteuerliche Erfahrung. Und um Abenteuer zu erleben, sind wir ja schließlich unterwegs. Also los geht’s!

Abreise von Koh Chang

Unsere Reise von Thailand nach Phnom Penh in Kambodscha treten wir auf dem Landweg an. Morgens kurz nach sieben warten wir auf den Minibus, der uns von Koh Chang zur kambodschanischen Grenze bringen soll.

Sonnenuntergang in Koh Chang

Bye bye, Koh Chang

Mit etwas Verspätung geht es los, der Minibus ist proppenvoll. Da der Bus keinen Kofferraum hat, werden die zahlreichen Gepäckstücke kunstvoll auf zwei Sitzen hinter dem Fahrer gestapelt. In jeder Kurve habe ich Angst um die daneben sitzende Französin, als sich der Gepäckturm bedrohlich zur Seite neigt und fast auf sie kippt.

Über die Landgrenze nach Kambodscha

Wir nähern uns dem Grenzort Hat Lek, die Straße wird immer staubiger. Die Grenze müssen wir zu Fuß passieren. Sie wird gesäumt von Shops auf der einen und den Zoll-Gebäuden auf der anderen Seite. Menschen wuseln durcheinander, es ist etwas unübersichtlich. Wir stellen uns an der Schlange zur Ausreise aus Thailand an. Hinter der Grenze soll der Bus nach Phnom Penh auf uns warten.

Reisende gehen über die staubige Grenzstraße

Da gehts zur Grenze

Der Schalter für die Einreise

Bitte hinten anstellen

Da wir bereits ein e-Visum für Kambodscha haben, gehen die Zollformalitäten recht schnell vonstatten. Vor allem ersparen wir uns das Bestechungsgeld, dass die Zollbeamten von allen einfordern, die ihr Visum erst hier kaufen. Wir erleben einige hitzige Diskussionen mit erbosten Touristen. Letztendlich bliebt ihnen aber nichts anderes, als das Portemonnaie zu zücken. Auch die Fake-Gesundheitsprüfung, für die ebenfalls Geld gefordert wird, umgehen wir. Wir ignorieren einfach das gebieterische Winken des offiziell aussehenden Herrn im weißen Hemd. Trotzdem müssen wir noch zwei Stunden warten, bis alle Mitfahrer, die auch nach Phnom Penh fahren ihre Visa haben.

Ein Mann in einem grünem Shirt zeigt uns, wo unser Bus nach Phnom Penh wartet. Die Straße entlang, noch 200 Meter, dort steht der Bus. Mir ist nicht klar, welchen Bus wir besteigen müssen, daher trotte ich der Gruppe hinterher. Kurz bevor wir ankommen, schließen sich die Bustüren und der Bus fährt weg. Waas? Wieso wartet der nicht?

Kurz darauf erscheint der Mann im grünen Hemd. Er erklärt uns kurz, dass er den Bus zurückholen wird und braust mit seinem Wagen davon. Zwanzig Minuten später ist er und ein Bus wieder da und endlich steigen wir ein. Wir haben schon jetzt soviel Verspätung, dass wir es nicht mehr zeitig zur geplanten Schlüsselübergabe unserer AirBnB-Wohnung in Phnom Penh schaffen. So versuchen wir, per SMS dem Vermieter unsere Verspätung mitzuteilen. Leider bekommen wir keine Antwort. Es bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Unsere Tipps für den Grenzübertritt auf dem Landweg

  • Visum: Für Kambodscha benötigst du ein Visum. Das kannst du dir als e-Visum vorher übers Internet besorgen. Du brauchst ein aktuelles biometrisches Passfoto, das du hochlädst und wie immer einen Reisepass mit mindestens sechs Monaten Gültigkeit. Den Visumsantrag kannst du hier stellen. Du bekommst das Dokument als Mail zugeschickt und musst es ausdrucken. Das e-Visum kostet 36 Dollar und ist etwas teurer als das Visum direkt an der Grenze zu kaufen. Da die Beamten aber ohne Bestechungsgeld kein Visum ausstellen, kommt es letztendlich auf das Gleiche raus. Wenn du nicht auf einer Langzeitreise bist, kannst du das Visum natürlich über die kambodschanische Botschaft in Berlin besorgen.
  • Transport von Thailand: Sowohl von Trat als auch von Koh Chang kannst du die Fahrt bis nach Phnom Penh oder Sihanoukville buchen. An der Grenze wechselst du das Fahrzeug. Geh davon aus, dass der dich begleitende Mitarbeiter von den inoffiziellen Zuverdiensten an der Grenze profitiert. Höre also nicht auf ihn, wenn er dich zur Quarantäne-Untersuchung schickt. Es gibt auch einen öffentlichen Bus von Trat zum Grenzort Hat Lek. Auf der kambodschanischen Seite kommst du allerdings nur mit dem Tuktuk in den nächsten Ort mit Busanbindung, Koh Kong. Und die Tuktukfahrer wissen das und kalkulieren die Preise entsprechend.
  • Prozedere an der Grenze: An der thailändischen Seite erhältst du deinen Ausreisestempel und gehst dann zu Fuß hinüber zur kambodschanischen Seite. Ignoriere den „Quarantine Officer“. Es gibt keine verpflichtende Gesundheitsuntersuchung für die Einreise nach Kambodscha. Wenn du ein Visum hast, geh direkt zum Schalter „Arrivals“. Falls du ein Visum-on-Arrival brauchst, musst du dich zuerst beim Schalter „Cambodia Visa Service“ anstellen. Nachdem du deinen Stempel hast, kannst du dich aufmachen, deinen Bus zu suchen bzw. darauf warten, dass deine Mitreisenden fertig werden.

Sehr viele Reisetipps für Kambodscha gibt dir Hendrik auf seinem Blog Fernwehkoch. Den Artikel findest du hier.

Phnom Penh

Am Busbahnhof in Phnom Penh besteigen wir ein Tuktuk, dass uns zur Wohnung bringt. Die Tuktuks heißen hier Remorque, ein Überbleibsel aus der französischen Zeit. Die Fahrzeuge sind bequemer als die in Myanmar, mit dick gepolsterten Sitzbänken. Da wir dem Fahrer keinen Hotelnamen nennen können, sondern nur eine Straße mit Hausnummer, müssen wir uns um die Navigation mit kümmern. Zum Glück sind die Hausnummern gut sichtbar und wir finden unsere Wohnung schnell. Der Vermieter erwartet uns schon vor der Tür. Das wäre geschafft.

Ein kambodschanisches Remorque

So sieht ein Remorque aus

Die Wohnung ist groß und schön. Sie muss auch groß sein, schließlich erwarten wir am übernächsten Tag Gäste.

Wir gehen im kleinen Restaurant nebenan essen, den Einkauf fürs Frühstück verschieben wir. Dafür sind wir viel zu müde.

Erster Eindruck von Phnom Penh

Den folgenden Tag verbringen wir damit, die nähere Umgebung zu erkunden und einzukaufen. Wenige Meter von der Haustür entfernt gibt es einen Markt. Es gibt Lebensmittel aller Art. Erwähnenswert ist das Angebot an Fisch und Geflügel. Fische liegen schwach zappelnd in mit wenig Wasser gefüllten Schüsseln, während die Hühner mit zusammengebundenen Füssen ängstlich auf einem Haufen liegen und ihrem Schicksal harren.

Phnom Penh überrascht uns mit modernem Style. Es gibt breite, geteerte Strassen mit westlichen Autohäusern, die sich mit Leuchtreklamen internationaler Unternehmen abwechseln. Viele Häuser sehen schick und teuer aus. Die Leute sprechen überraschend gut Englisch, die Älteren Französisch. Schon auf der Hinfahrt haben wir bemerkt, dass wieder rechts gefahren wird. Und hupen tut auch kaum jemand.

Der Fluss Tonle Sap, wenige hundert Meter von unserer Wohnung gelegen, fließt hier in den Mekong. Am späten Nachmittag schauen wir uns am Ufer den Sonnenuntergang an. Die Wolken wechseln innerhalb von Minuten ihre Farbe und die Fenster eines Hochhauses spiegeln die goldene Sonne im Wasser.

Fischer im Abendlicht auf dem Fluss

Sonnenuntergang am Fluss

Die Idylle trügt allerdings. Kleine Wohnboote liegen am Ufer umgeben von allerhand Müll. Die Boote haben meist ein Wellblechdach und bieten ihren Bewohnern nur wenig Wohnfläche. Am Rand des Bootes befindet sich eine kleine Plattform mit Loch in der Mitte, die als Toilette benutzt wird. Wir sehen von weitem, wie sich ein Kind hinhockt, sein Geschäft in den Fluss verrichtet und sich mit dem Flusswasser säubert. Wir hoffen, dass die Leute nicht aus dem Fluss trinken. Später erleben wir, wie jemand am Ufer einen Sack Müll öffnet und in den Fluss kippt.

Wohnboot und Müll

Wohnboot und Müll

Mehrmals werden wir um Geld angebettelt. Hier sehen wir auch die ersten Minenopfer aus Kambodschas unrühmlicher Vergangenheit. Meist ist es ein Bein, das den Opfern beim Kontakt mit einer Mine abgerissen wurde.

Drei Personen auf einem Motorroller. Einer jungen Frau fehlt ein Teil ihres Beins

Der jungen Frau fehlt ein Teil ihres Beines

Mit Besuch aus Deutschland zum Wat Phnom

Am nächsten Tag holen wir unsere Tochter Victoria und unsere Freundin Elke vom Flughafen ab. Die nächsten vier Wochen reisen wir zu viert, eine willkommene Abwechslung für uns. Um dem Jetlag der beiden entgegenzuwirken, gehen wir raus und besuchen am Nachmittag einen Tempel, den Wat Phnom. Der bekannte Stupa liegt auf einem 27 Meter hohen Hügel und gedenkt Lady Penh, der Namensgeberin der Stadt.

Die lebensgroße Figur der Dame hat ungewöhnlich rote Lippen. Kurze Zeit später sehen wir warum. Eine junge Frau beginnt, Lady Penh zu schminken. Erst die Wangen mit einer hellen Farbe. Den Rest des Make Up schmiert sie sich daraufhin selbst ins Gesicht. Dann sind die Lippen dran. Die werden rot angemalt. Irgendwie sieht Lady Penh ein wenig aus wie ein Clown. Anschließend berührt sie mit den Fingern die Lippen von Lady Penh und berührt dann ihre eigenen. Quasi ein Kuss. Wenig später macht sich eine andere Frau daran, die Lady zu verschönern.

Statue von Lady Penh mit roten Lippen

Ungewöhnlich rote Lippen – wir wissen warum

Neben vieler religiöser Relikte finden wir auch einen kleinen schattigen Park vor, in dem wir einige Zeit relaxen.

Den Abend verbringen wir auf dem Nachtmarkt, auf dem es neben Kleidung und zahlreicher Speisen köstliches Eis im Kokosnuss-Becher gibt.

Kokos-Eis

Kokos-Eis, leeeecker!!!!

Sightseeing in Phnom Penh – der Königspalast

Der nächste Tag steht im Zeichen des Königspalastes. Dieser ist mit das Gebäude in Phnom Penh, das man gesehen haben muss, demnach mit 10 Dollar Eintritt pro Person recht teuer. Leider sind fast alle Gebäude im Palast nur von außen zu sehen. Man kann durch geöffnete Fenster in den Thronsaal schauen, aber keine Fotos nach drinnen machen. Da wir nicht die Einzigen sind, die sich den Palast anschauen, gibt es an den Fenstern Gedränge. Wir können uns zwar die Silberpagode von innen anschauen, doch der Silberboden ist fast vollständig abgedeckt. Wirklich schade, oder vielleicht unverschämt? Die übrigen Gebäude im Palast sind geschlossen. Nach knapp zwei Stunden verlassen wir enttäuscht den Palast.

Der Königspalast

Der Königspalast

Leider ist es schon zu spät, das in der Nähe liegende Nationalmuseum zu besuchen.

Flussufer im Abendlicht

Romantisches Flussufer

So schlendern wir entspannt am Flussufer den Sonnenuntergang genießend zur Wohnung zurück. Am nächsten Tag haben wir den Besuch der Killing Fields geplant. Das wird sicher emotional sehr anstrengend werden.

Unsere Tipps zu Phnom Penh

  • Unterkunft: Sowohl über Booking als auch über AirBnB findest du zahlreiche Unterkünfte in Phnom Penh. Uns ist es wichtig, relativ zentral zu wohnen. Wenn der Nachtmarkt in der Nähe ist, ist das nicht verkehrt. Unsere Empfehlung: such dir eine Unterkunft in der Nähe vom Fluss. Die abendliche Atmosphäre dort ist wunderschön. Wir haben es immer genossen, unsere Tage am Flussufer ausklingen zu lassen.
  • Sehenswürdigkeiten: Wie oben geschrieben, fanden wir den Königspalast etwas enttäuschend. Dafür hat uns Wat Phnom mit seiner eigenartigen Atmosphäre sehr gut gefallen. Das Nationalmuseum von Kambodscha bietet Einblick in Geschichte und Kunst. An die Schreckensherrschaft der Roten Khmer erinnern die Killing Fields etwas außerhalb von Phnom Penh und das ehemalige Gefängnis S21, heute Tuol-Sleng-Genozid-Museum.
  • Herumkommen: Je nachdem wo du wohnst, kannst du einen Teil der Sehenswürdigkeiten zu Fuß besuchen. Für weiter entfernte Ziele findest du überall Tuktuks bzw. Remorques. Du solltest auf jeden Fall über den Fahrpreis handeln.

Die Killing Fields in Choeung Ek

Killing Fields in Kambodscha gibt es unter anderem in Choeung Ek bei Phnom Penh. Sie sind ein stilles und gleichzeitig sehr beredtes Mahnmal. Hier gedenkt man der Gräueltaten, die die Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 am kambodschanischen Volk verübt haben.

Nicht nur prachtvolle Gebäude, beeindruckende Kunstwerke, Skurrilitäten und kulturelle Highlights gehören zu den Dingen, die man auf einer Reise besichtigt. Manchmal gibt es auch sehr düstere Zeugnisse der Geschichte eines Landes zu sehen. Kambodscha hat mit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in gar nicht so weit zurückliegender Vergangenheit eines der dunkelsten Kapitel der Neuzeit aufzuweisen.

Weißer Stupa, umgeben von blühenden Sträuchern auf den Killing Fields.

Gedenkstupa auf den Killing Fields

Die Roten Khmer in Kambodscha

Bei einer Reise durch Kambodscha stößt du überall auf die blutige Geschichte, die die Roten Khmer zu verantworten hatten. Unter ihrem berüchtigten Führer Pol Pot herrschten sie von 1975 bis 1979 als totalitäre Machthaber.

Ihr Ideal war ein Agrarkommunismus. Die Bevölkerung sollte sich nur durch Landwirtschaft ernähren. So evakuierten sie alle Stadtbewohner aus Phnom Penh und anderen größeren Städten aufs Land, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten.

Dabei starben viele Menschen, andere wurden hingerichtet, weil sie Intellektuelle (dazu gehörte man schon, wenn man eine Brille trug), Bürgerliche oder Kritiker waren. Auch Minderheiten verfolgten die Roten Khmer. Die Killing Fields bei Phnom Penh sind die bekanntesten, doch überall in Kambodscha wurden diese Todeslager errichtet.

Die Opferzahlen schätzt man heute auf 1,7 bis 2,2 Millionen Menschen. Immer noch werden Massengräber entdeckt. Fast ein Drittel der eigenen Bevölkerung wurde von den Roten Khmer ermordet.

Anfang 1979 setzten vietnamesische Truppen die Pol-Pot-Regierung ab und eine neue Regierung ein. Die Roten Khmer gingen in den Untergrund. Ein Bürgerkrieg nahm seinen Lauf in Kambodscha, in dem die Roten Khmer noch jahrelang von westlichen Staaten unterstützt wurden.

Besichtigung der Killing Fields

Ein Tuktuk bringt uns in einer Stunde Fahrt von Phnom Penh zu den Killing Fields. Mit dem Eintritt erhalten wir einen deutschsprachigen Audioguide. Dieser liefert sowohl Informationen als auch erschütternde Augenzeugenberichte zu den damaligen Geschehnissen.

Wir sind zu viert, aber nach den ersten Stationen geht jeder für sich allein. Heute wirkt das Gelände unwirklich friedlich. Grüne Rasenflächen, blühende Bougainvilleen, stille Teiche. Die Gebäude sind abgerissen. Nur Infotafeln erinnern an das dunkle Gefängnis, in dem Menschen auf ihren Tod warteten, an das Haus der Wachen, an die Chemikalienkammer.

Große Gruben zeigen die bis heute geöffneten Massengräber an. Immer noch spülen Regenfälle Knochen und Kleidungsstücke an die Oberfläche.

Die Opfer wurden auf Lastwagen aus dem berüchtigten Tuol Sleng Gefängnis nachts hierhin transportiert. Dort hatte man ihnen unter Folter Geständnisse abgepresst. Ob sie ihren Peinigern glaubten, als diese ihnen erzählten, sie würden entlassen und an einen Ort gebracht, wo sie ein neues Leben anfangen sollten?

Tafel mit Zeichnung einer Hütte und erläuterndem Text.

Infotafel

Hier angekommen erschlugen ihre Peiniger sie bestialisch mit Knüppeln, Hacken oder Äxten – man wollte keine Munition auf sie verschwenden. Um ihre Schreie zu übertönen, schallte laute Musik aus in Bäumen aufgehängten Lautsprechern.

Erschütternde Zeugnisse

Das erschütterndste Mahnmal ist ein über und über mit bunten Gedenkbändchen geschmückter Baum. Hier schleuderten die Folterknechte vor den Augen ihrer Mütter Babies und Kleinkinder gegen den Stamm. In der Grube daneben fand man die Leichen der jungen Frauen und ihrer Kinder.

Ich kann die Tränen nicht mehr zurückhalten, als ich an diesem Ort des Grauens ankomme. Unfassbar, zu was Menschen fähig sind! Und wie traurig die Gewissheit ist, dass so etwas überall auf der Welt jederzeit wieder passieren kann. Ein paar krankhaft narzisstische Führungspersonen und eine Masse, die blindlings oder eingeschüchtert folgt, mehr braucht es nicht. Gedenkstätten, ob Killing Fields oder Konzentrationslager sind wichtig, um das Unrecht nicht vergessen zu lassen. Ob sie eine läuternde oder vorbeugende Wirkung haben, wage ich zu bezweifeln.

Mit diesen traurigen Gedanken besuche ich zum Abschluss den Gedenkstupa. Tausende von Schädeln und Knochen sind hier aufbewahrt und geben noch einmal eine Vorstellung von dem Massenmord, der hier und auf vielen anderen Killing Fields des Landes geschehen ist.

Kranz aus gelben und weißen Blüten vor dem Stupa der Killing Fields.

Blumenkranz vor dem Gedenkstupa

Am Ausgang treffen wir vier uns nach und nach wieder. Wir haben ziemlich lange gebraucht, um diesen Ort auf uns wirken zu lassen und unseren Gedanken nachzuhängen. Für den eigentlich geplanten Besuch des Tuol Sleng Gefängnisses in Phnom Penh bleibt am Nachmittag daher nicht mehr genügend Zeit. Vielleicht auch gut so, für heute haben wir genug Schreckliches gehört und gesehen.

Infos zum Besuch der Killing Fields

  • Die Killing Fields von Choeung Ek liegen etwa 12 Kilometer südwestlich von Phnom Penh.
  • Hinkommen: am einfachsten mit dem Tuk-Tuk, etwa 20 US$
  • Öffnungszeiten: 7:30 Uhr – 17:30 Uhr
  • Eintritt: 3 US$, sehr empfehlenswert: Audioguide mit deutschen Erläuterungen 3 US$
  • Bitte auf angemessene Kleidung achten (Knie und Schultern bedeckt)!

Mit diesem Beitrag beteiligen wir uns an der Blogparade von Michelle zum Thema „Schwarzer Tourismus“.

Wie ist deine Meinung dazu? Sollte man Stätten, an denen schreckliche Dinge passiert sind als Tourist besuchen? Ist das Sensationsgier oder angemessene Anteilnahme? Schreib es uns gerne in die Kommentare!

Kampot oder No Crab in Kep

Nach vier Stunden Busfahrt von Phnom Penh aus erreichen wir am Nachmittag auch schon unser nächstes Ziel, Kampot. Einchecken im Hotel, herumlaufen und essen gehen, mehr machen wir nicht an diesem Abend.

Wo der Pfeffer wächst: Kep

Am nächsten Tag wollen wir den beschaulichen Küstenort Kep besuchen. Dieser ist bekannt für hervorragende Krebse, die in mehreren Varianten der Zubereitung frisch auf den Tisch kommen. Ein Sandstrand lädt zum Baden ein und in der nahen Umgebung kann man eine Pfefferplantage besuchen. Wir sind nämlich an dem Ort, an dem der Pfeffer wächst.

Frau auf Motorroller mit großem Gepäck.

Alltägliche Straßenszene in Kambodscha

Wir wundern uns ein wenig, dass der Bus mehrmals einen Stau in Richtung Kep überholt. Unfall oder Baustelle? Nein, als wir in Kep ankommen, gleicht der Ort einem Jahrmarkt.

Sonntags scheint halb Kambodscha in Kep einen lauschigen Tag am Meer zu verbringen. Lange Autoschlangen schieben sich an der kleinen Küstenstrasse entlang, Tausende von Menschen haben an der Uferpromenade ihre großen Decken ausgebreitet und picknicken.

Was uns erst später klar wird: es ist das chinesische Neujahrsfest, das die Menschen zum Feiern auf die Straße bringt.

Familien sitzen auf der Promenade beim Picknick.

Überall Menschen beim Picknick

Ein Tuktukfahrer bietet uns an, eine Tour durch den Ort und zur Pfefferplantage zu machen. Mit seinem Charme fängt er uns ein und das Argument, dass der Ort auch nach der Tour noch da sei, zieht. Also geht es erstmal raus aus dem Rummel.

Kep war bis in die 60er Jahre der Badeort für die Reichen und Mächtigen. Dann kam der Bürgerkrieg und zerstörte Kep großflächig. Heute sehen wir die Ruinen der ehemals hochherrschaftlichen Häuser, zerstört und mit vielen Einschusslöchern versehen.

Weiße Villa mit Balkonen und Säulen in Kep.

Villa mit Kriegsspuren

Besichtigung der Pfefferplantage

Dann geht es weiter zur Pfefferplantage. Nach einer holprigen Fahrt über eine staubige Buckelpiste erreichen wir unser Ziel. Ein junger Mann empfängt uns und fragt ob wir die kostenlose Führung mitmachen wollen. Klar, wollen wir.

Dann mal alle hinsetzen: es gibt zum Auftakt etwas Theorie über die Pfefferpflanze und deren Anbau, Pflege und Ernte. Der gesamte Betrieb ist ökologisch, das gefällt uns. Jetzt geht’s zur eigentlichen Führung. Ich bestaune einen Solar-Wasserkocher, der in seiner Mitte bis zu 400 Grad heiß werden kann. Wir sehen die Pfefferpflanzen in verschiedenem Alter und die Wasserversorgung. Wir erfahren, wie der Pfeffer geerntet wird und schauen uns eine Pfeffer-Trockenkammer an. Wir wundern uns, dass in Handarbeit mit der Pinzette gute von schlechten Körnern getrennt werden. Aha, deshalb ist der berühmte Kampot-Pfeffer so teuer. Übrigens geht 80% der Pfefferproduktion ins Ausland, hauptsächlich nach Australien und nach Europa.

Reihen von Pfefferpflanzen.

Pfeffer-Plantage in Kep

Hand hält Pfefferbeeren an der Pflanze.

So sieht Pfeffer aus

Wenn mir heute jemand wünscht, ich möge doch bleiben, wo der Pfeffer wächst, freu ich mich. Denn da ist es schön. Ich muss nur noch die Sprache der Khmer lernen.

Unser Tuktukfahrer wartet schon auf uns, als wir von der Tour auf den Parkplatz zurückkommen. Er erklärt uns sehr viel und hat auch einige persönliche Geschichten auf Lager, denen wir gespannt zuhören.

Marcus und der Tuktuk-Fahrer.

Der Tuktuk-Fahrer hat viel zu erzählen

Kleines Motorrad mit Wasserkanister an der Seite.

Kambodschanische Technik: Im Kanister ist Wasser, mit dem der Motor von außen gekühlt wird

Trubel in Kep

Dann fahren wir auch schon zurück in den Trubel. Zumindest wollen wir Krebse essen und den Strand sehen.

Große Skulptur einer Krabbe in Kep.

Wahrzeichen von Kep

Es ist unglaublich voll am Strand. Die Familien haben alle schon gegessen, es ertönt laute Musik. Man kann am Strand nicht weit gehen und auf den Gehwegen sitzen die Kambodschaner auf ihren ausgebreiteten Decken.

So quetschen wir uns auf der Straße zwischen Menschen, Motorrollern und Autos hindurch. Auf ins nächste Restaurant. Puh, geschafft! Eine Bedienung weist uns einen Platz zu. Als wir nach den Krebsen fragen, erhalten wir eine ernüchternde Antwort: Die Küche hat schon zu, es gibt nur noch Getränke. Enttäuscht machen wir uns wieder auf, ein weiteres Restaurant liegt in der Nähe. Dort sind die Krebse aus. Allerdings müssen wir jetzt essen, denn wir haben Hunger und der Bus geht in einer Stunde zurück nach Kampot.

Menschen sitzen auf dem Boden und essen.

Die überdachten Picknickplätze am Strand sind gut frequentiert

Das Alternativ-Menu steht nach ungefähr 40 Minuten Wartezeit auf dem Tisch. Bleibt nicht viel Zeit zum gemütlichen Essen.

Rückfahrt mit Hindernissen

Kurz vor halb vier erreichen wir unsere Bus-Station. Am Schalter der Busgesellschaft sitzen zwei junge Frauen, tief in ihre Smartphones versunken. Auf meine Frage, ob der Bus pünktlich sei, reagieren beide sichtlich nervös und fangen an zu telefonieren.

Das bedeutet nichts Gutes.

Der Bus sei schon um drei gefahren, der nächste gehe um vier für uns, sorry, bitte warten!! Komisch, laut Plan soll der Bus um halb vier und um fünf fahren, was soll das mit vier Uhr?

Natürlich ist um vier kein Bus zu sehen. Sorry, hat Verspätung, sorry, hat Panne. Langsam wird es uns zu bunt.

Wir gehen zu einer anderen Busgesellschaft. Sorry, Bus full. Dann nehmen wir eben ein Tuktuk zurück, nicht ohne das Geld von der ursprünglichen Busgesellschaft wieder zu bekommen. Tuktuks fahren immer.

Marcus mit verwehtem Haar im Tuktuk.

Frische Luft im Tuktuk tut gut

Was für ein Tag! Kep ist bestimmt ein schöner Ort, außerhalb des Wochenendes. Die Tour durch den Ort und zur Pfefferplantage ist absolut lohnenswert, wir haben dafür 14 Dollar bezahlt. Ob die falschen Abfahrtszeiten des Busses unserer Hotel-Rezeption (wo wir die Tickets gekauft haben) oder der Busgesellschaft geschuldet sind, wissen wir nicht. Die Hinhaltetaktik der beiden jungen Frauen war jedenfalls nicht in Ordnung.

Bummel durch Kampot

Eigentlich haben wir für den nächsten Tag eine Wanderung geplant. Was wäre eine Reise, ohne dass Pläne geändert werden? Wir müssen Bustickets kaufen, und den Ort Kampot kennen wir auch noch nicht richtig. Also machen wir einen Stadtspaziergang, gehen zum Markt und schlendern am Ufer des Flusses Kampot River entlang. Es gibt einige recht schöne Brücken zu sehen, die den breiten Fluss überspannen.

Zwei Brücken liegen dicht nebeneinander. Eine alte Holzbrücke, über die Motorroller rumpeln und daneben die moderne Brücke, über die der alltägliche Verkehr rauscht. Natürlich schauen wir uns lieber die alte Brücke an.
Die stammt nämlich noch aus der französischen Kolonialzeit. Leider wurde sie von den roten Khmer Ende der 70er zerstört. Später wurde sie aus einem Mischmasch von unterschiedlichen Baustilen wieder aufgebaut und sieht daher so speziell aus.

Zufahrt auf die alte Brücke in Kampot.

Alte Brücke in Kampot

Alte Brücke mit unterschiedlichen Bögen.

Verschiedene Baustile zieren die Alte Brücke

So vergeht ein entspannter Tag. Kampot hat uns gut gefallen. Eine ruhige Stadt, nicht viel Autoverkehr, ideal, um nach dem Trubel in Phnom Penh wieder zur Ruhe zu kommen.

Die schwimmenden Dörfer von Kampong Chhnang

Schwimmende Dörfer möchten wir natürlich gerne auf unserer Reise durch Kambodscha besuchen. Da wir gehört haben, dass die schwimmenden Dörfer in der Nähe von Siem Reap touristisch sehr überlaufen und wenig ursprünglich sein wollen schauen wir uns nach einem anderen Ort um. Wir finden ihn in Kampong Chhnang am Siem Reap gegenüberliegenden Ufer des Tonle Sap.

Mit dem Bus von Phnom Penh nach Kampong Chhnang

Um von Kampot nach Kampong Chhnang zu gelangen, müssen wir in Phnom Penh umsteigen. Ob wir die Abfahrtszeit unseres Anschlussbusses nicht richtig verstanden haben oder ob es daran liegt, dass noch drei Mann am Motor herumwerkeln wissen wir nicht. Jedenfalls verlassen wir den Busbahnhof in Phnom Penh später als gedacht.

Die schwimmenden Dörfer sind unser Ziel

Schließlich erreichen wir das beschauliche Kampong Chhnang. Beinah hätten wir den Ausstieg verpasst, denn es gibt keinen Busbahnhof. Der Bus hält kurz an der Hauptstraße und offensichtlich rechnet niemand damit, dass ausgerechnet Touristen hier aussteigen wollen.

Außer uns fahren alle anderen Fahrgäste weiter nach Battambang und Siem Reap. So antwortet der Fahrer, der nach einem kurzen Schwatz mit einem Kumpel am Straßenrand die Tür schon wieder schließen will, auf unsere Frage, ob hier Kampong Chhnang sei erst mal reflexartig mit Nein. Dann dämmert ihm, was wir gefragt haben und er revidiert seine Antwort zu einem Ja.

Kim wird unser Tuktukfahrer während unserer Zeit in Kampong Chhnang

Kurz darauf stehen wir vier mit unserem Gepäck auf der Straße und befinden uns in Verhandlung mit einem Tuktukfahrer. Da er gut verständliches Englisch spricht, buchen wir ihn gleich auch für den morgigen Tag. Wir wollen einen Ausflug zu den schwimmenden Dörfern machen, die hier viel weniger überlaufen sind als die bei Siem Reap.

Freundlicher Empfang in Kampong Chhnang

Das Garden Guesthouse*  entpuppt sich als ein Glücksgriff. Die Zimmer gruppieren sich um einen liebevoll gestalteten, lauschigen Garten. Überall hängen Tafeln mit Lebensweisheiten und sorgen für eine besondere Atmosphäre.

Lauschiger Garten im Garden Guesthouse

Nachdem wir uns eingerichtet haben, verlassen wir das Guesthouse, um etwas essen zu gehen. Kaum sind wir wenige Meter die Straße hinunter, geht es los: überall unterbrechen Kinder ihr Spiel, um uns „Hello!“ zuzurufen und begeistert zu winken. Auch die Erwachsenen lächeln uns zu. Ab und zu werden wir gefragt, wo wir herkommen. In alle Richtungen zurückwinkend bewegen wir uns die Straße hinunter.

In einer kleinen Garküche kehren wir ein und lassen es uns schmecken. Der nachfolgende Spaziergang durch überraschend gut beleuchtete Straßen führt uns zum zentralen Platz. Rund um das Denkmal der kambodschanisch-vietnamesischen Freundschaft spielt sich das Leben ab. Kleine Essensstände, Familien, spielende Kinder, Gruppen von Jugendlichen mit ihren Motorrollern und dazwischen ein paar streunende Kühe. Wieder laufen Kinder mit fröhlichem „Hello“ auf uns zu, die ganz Mutigen fragen uns „What’s your name?“ und stieben nach unserer Antwort kichernd auseinander. Was für eine schöne Atmosphäre!

Zu den schwimmenden Dörfern

Kim, unser Tuktukfahrer steht pünktlich am nächsten Morgen parat. An den typischen Stelzenhäusern entlang geht es zum zwei Kilometer entfernten Fischerhafen am Tonle Sap River.

Zwei Frauen bieten uns an, uns durch die schwimmenden Dörfer zu rudern. Nachdem wir uns auf einen Preis geeinigt haben, geht es hinunter zum Ufer. Die letzten Meter zum Ufersaum stapfen wir über eine knisternde Schicht aus Plastikmüll. Das ist leider fast überall in Asien so.

Bitte einsteigen

Zwei winzige, schmale Holzboote liegen bereit. Vorsichtig steigen wir hinein und lassen uns auf den Decksbrettern nieder. Bevor es losgeht, schöpft unsere Bootsfrau energisch mehrere Liter Wasser aus dem Kahn. Das ist ja vertrauenerweckend! Diese Prozedur wiederholt sie in regelmäßigen Abständen während der Fahrt.

Regelmäßiges Schöpfen hält das Boot über Wasser…

Zunächst geht es unter Motorkraft den Fluss hinunter. Wir sehen die Häuser, die auf teils schwindelerregend hohen Stelzen am Ufer stehen. Größere und kleinere Boote sind unterwegs, manche bunt bemalt, andere schmucklos.

Nicht direkt barrierefrei

Bootsverkehr auf dem Tonle Sap River

Als wir das schwimmende Dorf erreichen, wird der lärmende Motor ausgestellt und zum Ruder gegriffen. Auf dem schmalen Heck des Kahns stehend, rudern die Frauen mit einem an der Seite befestigtem Blatt souverän durch die Kanäle zwischen den Häusern.

Gut ausbalanciert muss die Rudererin sein

Die Häuser schwimmen auf Bambusflößen. Viele haben blumengeschmückte Veranden, andere sind recht einfach und klein. Kleine Kinder sind schon selbstverständlich mit Booten unterwegs. Wäsche wird im lehmig-braunen Flusswasser gewaschen, die Körperhygiene findet ebenfalls dort statt. Ob sich jemand außer uns Gedanken dazu macht, dass der Toilettengang auch ungefiltert im Fluss endet? Immerhin wird das Flusswasser nicht zum Essen und Trinken genutzt, wie wir auf Nachfrage erfahren.  

Terrasse mit Blumenkübeln, wie bei uns zu Hause

Okay, ich beklag mich nie wieder über meine Waschmaschine

Ganz junge Bootsfrau

Hier wird die Fischfarm angelegt

Wie im Ort winken uns auch hier überall die Kinder begeistert zu. Die Erwachsenen sind zurückhaltender. So interessant das alles hier ist, ein bisschen unbehaglich ist es uns. Schließlich gucken wir den Menschen praktisch in ihr Wohnzimmer.

Winkende Kinder

Unsere Bootsfrau hält kurz an ihrem eigenen kleinen Haus an. Ein schwarzer Hund springt ihr entgegen. Hunde werden viel auf den schwimmenden Häusern gehalten. Wir erhaschen einen Blick auf einen kleinen buddhistischen Schrein, ein paar Kochutensilien und den Durchgang von der Terrasse in den hinteren Raum. Dort lebt sie mit ihrer achtjährigen Tochter.

Das Haus unserer Bootsfrau

An einem schwimmenden Kiosk erwerben wir eine Cola. Diese ist ungekühlt, also etwa 30 Grad warm. Dazu bekommen wir einen großen Plastikbecher, in den aus einer Kühlbox Eis geschaufelt wird. Wir wägen das potenzielle Hygienerisiko gegen den Genuss einer suddelwarmen Cola ab und kippen mutig das Getränk über die Eiswürfel. Es ist erstaunlich schnell kalt und der Genuss bleibt auch ohne Reue.

Schwimmender Kiosk

Das Land der Töpfer um Kampong Chhnang

Nach zwei Stunden erreichen wir wieder den Hafen. Kim erwartet uns, es geht weiter zu einer Fahrt übers Land. Kampong Chhnang heißt übersetzt „Hafen der Töpfer“, da in dieser Gegend viele Töpferarbeiten hergestellt wurden. In diversen Projekten wurde das alte Handwerk wiederbelebt, unter anderem mit deutscher Hilfe.

An der Töpferscheibe

Wir besuchen zuerst einen kleinen Familienbetrieb, in denen kunsthandwerkliche Arbeiten gefertigt werden. Gefäße und Dekotiere in verschiedenen Größen gibt es zu bewundern. Kim erklärt, wo der Ton herkommt und wie er verarbeitet wird. Die Produkte werden an Souvenirshops verkauft und sichern der Familie ein Auskommen in der Trockenzeit, wenn sie keinen Reis anbauen können. Wir werden nicht zum Kauf gedrängt, aber natürlich erwerben wir ein paar kleine Teile.

So hübsche Objekte!

Danach geht es zu einem anderen Betrieb. Hier werden große Tonkrüge mit einer traditionellen Technik hergestellt. Mit einem flachen Holzbrett wird von außen das Gefäß bearbeitet, während mit einer Art Stößel von innen dagegen gehalten wird. Ganz ohne Drehscheibe entstehen so die typischen Krüge, die auf den Dörfern zur Aufbewahrung von Wasser verwendet werden. 

Traditionelle Herstellung

Die fertigen Produkte

Als Abschluss besuchen wir den Brennofen, den die Bewohner der Gegend kostenlos nutzen dürfen. Sie müssen nur Brennholz mitbringen. Ein Schild informiert, dass die Einrichtung mit Hilfe der IHK Koblenz erfolgte. Überall liegen Haufen von gebrannten Artikeln herum, ein etwas anderes Ordnungssystem, als wir es gewohnt sind.

Jemand noch ein Sparschwein?

Nach diesem interessanten Ausflug bringt Kim uns zu unserem Guesthouse zurück, wo wir den Nachmittag im schönen Garten entspannen. Morgen geht es weiter nach Battambang.

Tipps und Wissenswertes

Hinkommen

Von Phnom Penh aus fahren regelmäßig Busse nach Battambang und Poipet (an der thailändischen Grenze), die in Kampong Chhnang halten. Die Fahrzeit beträgt ein bis zwei Stunden. Von Battambang aus fahren ebenso häufig Busse, die etwa vier Stunden benötigen. Achtung: Pass beim Ticketkauf auf, dass du nicht Tickets nach Kampong Cham erhältst, dass sich ähnlich anhört und ein von Touristen öfter nachgefragtes Ziel ist!

Da nicht viele Touristen nach Kampong Chhnang fahren, schadet es nichts, den Fahrer noch mal darauf hinzuweisen, dass du dort aussteigen möchtest. Es gibt keinen Busbahnhof, der Bus hält an der Hauptstraße gegenüber der Tankstelle.

Hier hält der Bus in Kampong Chhnang

Unterkunft

Wir waren sehr zufrieden mit dem Garden Guesthouse*. Um einen schönen Garten, der liebevoll dekoriert ist, gruppieren sich die einfachen Zimmer. Die Zimmer haben Klimaanlage und eigenes Bad, allerdings kein warmes Wasser.

Bunt gestaltete Zimmer

Im Garten gibt es schöne Sitzgelegenheiten und Hängematten zum Entspannen. Das Personal ist sehr freundlich. Für drei Dollar gibt es leckeres und reichliches Frühstück.

Lebensweisheiten zieren den Garten

Essen

Schräg gegenüber von Garden Guesthouse findest du das einzige Restaurant, das Einheimische Touristen empfehlen. Wir haben aber auch in einigen der kleinen Garküchen gut und sehr günstig gegessen. Denk nur daran, rechtzeitig essen zu gehen. Da Kampong Chhnang kein touristischer Ort ist, schließen die Garküchen spätestens um 20 Uhr.

Ausflüge

Die Hauptattraktion sind die schwimmenden Dörfer am Tonle Sap River. Du erreichst sie mit dem Tuktuk, der Fahrer wartet, um dich wieder zurück zu bringen. Meist bietet er eine ganze Tour an, um nachher noch die Töpfereien zu besuchen. Wir haben unseren Fahrer direkt bei unserer Ankunft gebucht. Sprich ein paar Sätze mit dem Fahrer deiner Wahl, bevor du dich festlegst. So kannst du beurteilen, ob er gut genug Englisch spricht, um dir auf einer Tour alles erklären zu können.

Am Fischerhafen kannst du zum einen eine Tour mit einem recht großen Motorboot buchen. Damit fährst du aber nicht in die kleinen Kanäle der Dörfer, sondern nur außen vorbei. Deshalb empfehlen wir eine Tour mit einem kleinen Ruderboot.

Eine Bootsfahrt, die ist lustig…

In diese Boote passen zwei Passagiere. Sie haben einen kleinen Motor, um schnell zu den schwimmenden Dörfern zu gelangen. Dort angekommen, wird der Motor ausgestellt und durch die Kanäle gerudert. Erwarte kein Touristen-Heckmeck wie Menschen in bunter Tracht oder irgendwelche Vorführungen. Dafür siehst du, wie die Bewohner dieser schwimmenden Dörfer ihren Alltag leben. Ob sie nun Wäsche waschen, in der Hängematte schaukeln, Fischernetze ordnen oder ihrem Kind das Schwimmen beibringen.

Fischer bei der Arbeit

Manchmal kamen wir uns ein wenig voyeuristisch vor, wie wir vorbei fuhren und in ihre Behausungen guckten. Andererseits ist der Tourismus eine Einnahmequelle für die Menschen, die dort leben.

Wir waren insgesamt zwei Stunden mit dem Boot unterwegs und haben 16 Dollar für zwei Personen gezahlt.

Hübsche Töpferarbeiten

Eine weitere Attraktion sind die Töpfereien der Gegend. Von Kunsthandwerk zur Produktion von Alltagsgegenständen kannst du verschiedene Werkstätten besichtigen. Es wurde keinerlei Kaufdruck auf uns ausgeübt, aber natürlich freuen sich die Familien, wenn du eine Kleinigkeit kaufst.

Battambang – Kochkurs und Kajak fahren

In Battambang kommen wir am späten Nachmittag an. Im Vorfeld haben wir für diese Stadt schon einige Dinge geplant: wir wollen auf jeden Fall einen Kochkurs machen und eine Kajaktour steht auf unserem Programm. Aber der Reihe nach.

Kleines Reisebloggertreffen in Battambang

Wir sind heute Nachmittag im Hotel verabredet, und zwar mit Sandra und Christian vom Blog See you on the flipside.

Vier strahlende Reiseblogger

Für uns ist es eine neue, spannende Erfahrung, jemanden zu treffen, die wir über den Blog kennengelernt haben. Es wird ein sehr kurzweiliger Abend, den wir zu sechst zusammen auf der nahe gelegenen Rooftop-Bar verbringen.

Kochkurs in Battambang

Am nächsten Tag am frühen Nachmittag werden wir vom Tuktuk zu unserem Kochkurs abgeholt. Der Kurs findet in einem kleinen Restaurant statt. Aber zuerst geht es auf den Markt, um unter fachkundiger Anleitung die richtigen Zutaten fürs Menü einzukaufen. Wir kaufen Gemüse, Früchte und Gewürze. Das Fleisch wurde schon morgens besorgt. Das lange Rumliegen in der Sonne tut weder dem Fleisch noch unseren Mägen gut. Fasziniert schauen wir der Herstellung von Kokosraspeln und der Gewinnung von Kokosmilch zu. Anschließend transportieren wir alle Zutaten zurück zum Restaurant.

Herstellung von Kokosmilch

Dann gehts auch sofort an die Arbeit. Kochschürzen und Kochmützen verleihen uns ein würdiges Aussehen.

Sieht doch gut aus, oder?

Die Mütze trag ich ab jetzt öfter

So wird Amok gemacht

Jeder von uns ist an der Bereitung des Vier-Gänge Menüs beteiligt. Dies besteht aus Frühlingsrollen, Lok-Lak, Amok und eine Nachspeise aus Banane, Tapiok und Kokosmilch.

Das sind alles typische Khmer-Gerichte. Lok-Lak besteht aus marinierten, gebratenen Rindfleischstückchen und einer Pfeffersoße. Es wird mit Spiegelei und Reis serviert. Amok ist ein Fischcurry im Bananenblatt. Mich beeindruckt besonders die Herstellung der Gefäße aus Bananenblättern, in die das Amok gefüllt wird. Die runden Blätter werden eingeschnitten und gefaltet, dann mit kleinen Holzspießchen zusammengehalten. Wunderschön! Das Auge isst mit.

Das fertige Menu

Dann heißt es endlich Essen fassen. Wir lassen uns das Menü schmecken und haben noch einen schönen Abend.

Kanutour in Battambang

Am nächsten Tag ist die Kanutour geplant. Die beiden Zweier-Kajaks haben wir für die Halbtages-Tour bei Green Orange Kajaks gebucht.

Wir werden morgens vom Tuktuk am Hotel abgeholt. Die Fahrt geht acht Kilometer nach Süden. Beim Ksach Poy’s Green Orange Cafe steigen wir aus und werden von drei jungen Männern empfangen. Unter viel Geächze schleppen die Drei die beiden Doppelkajaks zum Ufer und dort eine steile Treppe hinunter.

Als das erste Boot auf dem Wasser liegt, lässt der Mitarbeiter am Ufer die Leine los und das Kajak schwimmt langsam führerlos in Richtung Flussmitte. Hektik, das Boot wieder an Land zu bekommen, kommt keine auf. Stattdessen wird darüber laut gelacht. Als das zweite Boot dann endlich bereit ist, springt einer von den Dreien ins Boot und holt ruck-zuck das erste Boot wieder ans Ufer.

Gerade wurde das erste Boot wieder eingefangen

Bald darauf sitzen Victoria und Gina in einem Boot und Elke und ich im anderen. Die viel zu großen Schwimmwesten werden nach kurzer Zeit als Rückenlehne benutzt, der Fluss hat ja nur wenig Strömung. Ungefähr drei Stunden soll die Fahrt dauern, dann soll nach der vierten Brücke auf der linken Seite jemand von Green Orange Kajaks auf uns warten.

Wir sind wieder mal die einzigen Touristen, die auf dem Fluss sind. Ein paar Fischer, einige Badende (mit Seifenschaum im Haar) und plantschende Kinder sind die Wenigen, die wir sehen. Aus den hoch am Uferhang liegenden Häusern tönt oft ein „Helloooo“ und dann sehen wir fröhlich winkende Kinder. Ach, ist das schön!

Brücke über dem Fluss

Team 1 voll motiviert

Team 2 voll gechillt

Häuser am Fluss

Aus einem nahe gelegenen Kloster ertönen Gebete über Lautsprecher und dazu passende Musik. Wir lassen uns ein wenig treiben, es ist bequem im Boot.

Nach drei Stunden erreichen wir die Brücken. Eins, zwei, drei, kurz hinter der vierten Brücke winkt jemand wie versprochen am Ausstieg. Wir sind in der Stadt angelandet und zu Fuß sind es nur 15 Minuten zum Hotel. Perfekt. Nach der doch etwas anstrengenden Tour haben wir uns das Abendessen und einen Drink verdient.

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Banteay Chhmar – Kambodschas vergessene Tempel

Von Battambang aus schlagen wir unsere liebste Route ein: Verlassen der Touristenpfade.

Anderthalb Stunden Busfahrt bringen uns in den unspektakulären Ort Sisophon. Dort soll uns der Taxifahrer erwarten, der uns in unseren Homestay im kleinen Dorf Banteay Chhmar bringen soll. Tut er aber nicht. Doch ein kurzes Telefonat sorgt dafür, dass er zehn Minuten später vorgefahren kommt. In den geräumigen Kofferraum des Toyota Camry passt problemlos das Gepäck von uns vieren, und auch wir selbst sitzen sehr komfortabel. Der Fahrer Ponlok spricht gutes Englisch und so können wir uns die einstündige Fahrt über gut unterhalten.

Unter anderem erfahren wir, dass zur Zeit Hochzeitssaison ist, da die Ernte verkauft und so Geld vorhanden ist. Wir wurden nämlich heute Morgen um halb fünf von lauter Musik aus der Nachbarschaft geweckt. Kambodschanische Hochzeiten werden je nach finanziellen Möglichkeiten zwei bis drei Tage gefeiert, und ein wichtiger Punkt ist die Beschallung der Nachbarschaft ab dem frühen Morgen.

Homestay in Banteay Chhmar

Strahlende Frau.

Herzliche Begrüßung im Homestay in Banteay Chhmar

In Banteay Chhmar angekommen, werden wir zu unserer Gastfamilie gebracht. Strahlend begrüßen sie uns, auch wenn niemand Englisch spricht. Ein traditionelles Holzhaus auf Stelzen ist unsere Unterkunft. Über eine steile Stiege erreichen wir die Wohnebene, wo uns zwei einfache Zimmer erwarten.

Im Erdgeschoss haben die Eigentümer ein Badezimmer eingebaut. Mit westlichem Sitzklo, allerdings ohne Spülung. Ein großer Wasserbehälter mit Schöpfkelle sorgt fürs Wegspülen der Hinterlassenschaften. Sogar eine richtige Dusche ist vorhanden, die wie in Asien üblich, auf den Badezimmerboden abfließt.

Holzhaus auf Stelzen in Banteay Chhmar.

Unser Domizil in Banteay Chhmar

Zimmer mit bunter Bettdecke und Moskitonetz.

Das Zimmer ist einfach, aber gemütlich

Die Homestays werden über ein lokales Projekt organisiert und verhelfen der armen Bevölkerung zu einem kleinen Einkommen. Im Gemeinschaftshaus des Projekts bekommen wir ein schmackhaftes Mittagessen serviert. Hier können wir uns auch über die Aktivitäten der Organisation informieren.

Nachdem wir uns gestärkt haben, brechen wir auf zur Attraktion von Banteay Chhmar: eine riesige Tempelanlage aus dem 12. Jahrhundert. Sozusagen unsere Einstimmung auf Angkor Wat. Die Tempel von Banteay Chhmar stehen auf der Anwärterliste zum Weltkulturerbe.

Raum mit Infotafeln an den Wänden.

Hier gibt es leibliches und informatives Futter

Da Banteay Chhmar so weit abseits der üblichen Routen liegt, kommen auch kaum Touristen hierher. Das ist schön für uns, haben wir die beeindruckende Anlage doch ganz für uns. Weniger schön für die lokale Bevölkerung, denn so entgehen ihnen die Einnahmen aus dem Tourismus.

Durch die Tempel von Banteay Chhmar

Die Tempelanlage stammt aus dem 12. Jahrhundert. Sie gehört zu den vier größten umfriedeten Tempelanlagen Kambodschas, neben Angkor Wat, Angkor Thom und Preah Khan.

Tempelruine neben grünem Baum.

Tempelruinen von Banteay Chhmar

Wie überall in Kambodscha führten die Wirren des Bürgerkriegs auch hier dazu, dass viel zerstört und geplündert wurde. Dennoch ist die große Anlage beeindruckend. Ponlok führt uns herum. In einem lichtdurchfluteten Wald finden wir Mauern mit schönen Steinreliefs, mehr als halb verfallene Gebäudereste und fast komplette Tempeltürme mit den typischen Gesichtern.

Tempel mit Gesicht.

Gesichter-Tempel gibt es auch hier

Ein Vorgeschmack auf den weltberühmten Bayon-Tempel, den wir uns in Angkor Wat ansehen werden. Dazwischen immer wieder Überreste von Wassergräben. Der äußere wird noch heute von der Bevölkerung genutzt.

Mächtige Baumwurzeln umschlingen Mauern. An einigen Stellen kommt Lara-Croft-Feeling auf.

Wir klettern über den Schutt verfallener Gebäude. Außer uns sind nur vereinzelt Gruppen der Dorfjugend anzutreffen.

Baumwurzeln umschlingen Tempelmauern.

Wie in Angkor Wat – nur viel einsamer

Die Steinreliefs der Umfassungsmauern zeigen großformatige Schlachtszenen, mit Elefanten oder als Seeschlacht auf dem Tonle Sap. Ein steinernes Geschichtsbuch, mit dem der König seine Erfolge präsentierte. Weitere Bilder stellen vielarmige Lokeshvaras dar, Szenen aus dem Königshaus oder Ungeheurer, die Ochsen verschlingen.

Steinrelief mit Kampfszenen.

Ungeheuer frisst Ochsen. Straßenverkehr war anscheinend schon immer riskant

Steinrelief Figur mit vielen Armen.

Lokeshvara mit sehr vielen Armen

Acht sogenannte Satellitentempel umringen die zentrale Tempelanlage in allen vier Himmelrichtungen. Auch sie sind bzw. waren mit Gesichtern versehen.Teils liegen sie in einem Wassergraben, den die Einheimischen zum Baden und für die Wasserversorgung nutzen.

Tempel in Teich.

Einer der Satellitentempel mit umgebenden Wasserrevoir

Schattige Hütte mit Hängematte und Schaukel.

Jetzt erstmal Pause!

Trotz des meist schattigen Geländes setzt uns die Hitze zu. So sind wir froh, den Nachmittag in unserem Homestay ausklingen zu lassen. Wir lassen uns in die Hängematten und auf eine Schaukelbank sinken. Unter einem Schatten spendenden Dach verbringen wir faul die restliche Zeit.

Kambodschanisches Dorfleben

Dabei beobachten wir interessiert den landwirtschaftlichen Verkehr, der auf der staubigen Dorfstraße unterwegs ist.

Fahrzeug auf staubiger Dorfstraße in Banteay Chhmar.

Das Treiben auf der Dorfstraße

Kujon.

Ein Kujon

Der Kujon ist das Zugfahrzeug, das den früher eingesetzten Ochsen ersetzt. Ein lärmender Traktormotor zwischen zwei Rädern, dazu eine lange Gabel zum Steuern. Die ist nötig, da die angehängten Gefährte, ob Wagen oder Pflug, traditionell eine lange Deichsel haben, an die die Ochsen angespannt wurden. Der Fahrer sitzt also auf dem Anhänger und lenkt von dort aus.

Überall im Dorf liegt Maniok zum Trocknen aus. Die Wurzeln werden zerkleinert und auf Planen ausgebreitet. Ein würziger Geruch liegt über der ganzen Siedlung.

Auf blauen Planen liegen weiße Maniok-Stücke auf dem Boden.

Maniok liegt zum Trocknen aus

Große Tonkrüge.

Wasserversorgung auf dem Dorf

Wasser wird neben den Häusern in großen Tongefäßen gesammelt und aufbewahrt. Das poröse Material sorgt dafür, dass es kühl und frisch bleibt.

Am Abend bekommen wir unter viel fröhlichem Lächeln ein leckeres Abendessen serviert. Die Herzlichkeit der Menschen hier tut wirklich gut.

Auch in Banteay Chhmar wird Hochzeit gefeiert. Einige Häuser weiter sind riesige Lautsprecherboxen aufgebaut. Und zwar richtig riesige. Die Rolling Stones würden vor Neid erblassen. Die Musik dröhnt aus zwei verschiedenen Richtungen bis elf Uhr abends. Leider herrscht die Ruhe nur bis halb fünf am nächsten Morgen, dann geht es weiter. Eine Hochzeitsgesellschaft bekommen wir nicht zu sehen, die Beschallung dient wohl erstmal zur Einstimmung.

Rückfahrt nach Sisophon

Frau mit Kind auf dem Arm winkt freundlich.

Freundlicher Abschied aus Banteay Chhmar

Für uns geht es nach einem leckeren Frühstück zurück nach Sisophon. Auf der Fahrt erzählt uns Ponlok, wie er als Kind zwischen dem Beschuss der feindlichen Bürgerkriegsparteien ins schützende Dorf zurück gerannt ist. Seine Mutter sei vor vielen Jahren auf eine Mine getreten und habe ein Bein verloren. Die traurige Geschichte beendet er mit einem fröhlichen Lachen: „Aber sie lebt heute noch!“

Es beeindruckt uns immer wieder, wie die Kambodschaner mit ihrer schweren Vergangenheit umgehen. Wir spüren wenig Verbitterung, eher ein Annehmen der Dinge, wie sie waren. Lächelnd leben sie ihr Leben im Hier und Jetzt.

Herzlich verabschieden wir uns in Sisophon von Ponlok. Mit dem Bus geht es weiter nach Siem Reap und DEM Highlight Kambodschas: Angkor Wat.

Infos zum Aufenthalt in Banteay Chhmar

Den Homestay in Banteay Chhmar kannst du über die Organisation CBT (Community-Based Tourism) buchen. Die Erlöse kommen der Gemeinde zugute. Für die Übernachtung mit einfachem Standard zahlst du 7 US$, fürs Frühstück 2 US$ und für Mittag- und Abendessen jeweils 4 US$. Mittag- oder Abendessen kannst du entweder bei der Gastfamilie oder in den Räumen des CBT bekommen.

Der Eintritt in die Tempelanlage kostet 5US$, die Führung durch einen einheimischen Guide 10 US$.

Hinkommen: Nach Sisophon kommst du mit öffentlichen Bussen von Battambang oder Siem Reap aus, jeweils anderthalb bis zwei Stunden Fahrzeit. Die CBT lässt dich mit einem Taxi dort abholen (25 US$ pro Taxi). Nach einer Stunde Fahrzeit über eine gut ausgebaute Straße erreicht man Banteay Chhmar.

Alternativ kannst du mit dem Sammeltaxi von Sisophon aus anreisen.

Infrastruktur vor Ort: Es gibt ein Restaurant, in dem wohl auch Englisch gesprochen wird. In mehreren kleinen Läden kannst du dich mit Wasser und anderen Getränken sowie mit Snacks versorgen.

Weitere Aktivitäten:

Das CBT bietet weitere Aktivitäten:

  • Ochsenwagen- und Kuyonfahrten
  • Treffen mit Mönchen
  • traditioneller Musikabend
  • Reispapierherstellung erlernen
  • Verleih von Fahrrädern

 

Siem Reap – nicht nur Tor zu Angkor Wat

Nach dem gechillten Homestay in Banteay Chhmar graust es uns schon ein wenig wegen der Touristen-Massen in Siem Reap und Angkor Wat. Aber wir können uns natürlich bei einem Kambodscha-Besuch dieses Highlight nicht entgehen lassen.

Liegender Buddha im Tempel

Ankunft in Siem Reap

Die Fahrt nach Siem Reap geht schneller als erwartet, nur auf das bestellte Hotel-Tuktuk, das uns vom Busbahnhof abholen soll, warten wir vergebens. Stattdessen lernen wir Sky kennen, einen anderen Tuktuk-Fahrer, der uns zum Hotel bringt und mit dem wir auch gleich die Tour nach Angkor Wat planen.

Nach den Einchecken im Hotel machen wir uns auf, auf dem Markt eine Kleinigkeit zu essen und einen Tempel zu besichtigen. Die Art der Darstellung der Figuren ist neu für uns. Diese stehen in zwei Reihen, sind bunt und wirken etwas kitschig. Sie zeigen Auszüge aus Buddhas Leben.

Bunte Pferde erinnern uns an Kirmes

Buddha unterm Bodhi-Baum

Siem Reap als Ort hat uns wegen des Rummels nicht so gut gefallen. Zu voll, teurer als in kleinen Orten, aufdringlichere Tuktuk-Fahrer und Bettler. Ok, ganz so schlimm ist es nun nicht, unsere Bewertung folgt aus dem Vergleich mit dem bisher Erlebten. Um Party zu machen und Leute zu treffen ist Siem Reap durchaus zu empfehlen.

Besichtigung des Werkstätten-Projekts

Einen Tag, an dem wir nicht Tempel und Ruinen anschauen, verbringen wir mit einem Besuch von Werkstätten, in denen jungen Kambodschaner*innen das Kunsthandwerk beigebracht wird. Sowohl die Bearbeitung von Stein, Metall als auch Holz, die Jugendlichen erlernen hier richtige Berufe. Einige Hörbehinderte haben in den Werkstätten die Chance, das Lackieren oder die Seidenmalerei auszuüben.

Bei der Arbeit

Auf der Seidenfarm

Später besuchen wir eine Seidenfarm. Zuerst sehen wir die kleinen Seidenraupen, wie sie sich gefräßig durch die Blätter fressen, um groß zu werden. 80% der Raupen werden bei einem gewissen Verpuppungszustand getötet und aus den Kokons werden die Seidenfäden hergestellt. Die restlichen 20% werden zur weiteren Zucht verwendet.

Wir sehen, wie aus den Seidenfäden verwebbare Fäden gesponnen werden. In einer kleinen Halle sitzen überwiegend junge Frauen an ihren Webstühlen. Wie früher werden die Räder per Pedale angetrieben. Aus den mittlerweile gefärbten Seidenfäden werden wunderschöne Seidenarbeiten. Es ist schwül-warm in der Halle. Nach einiger Zeit sprüht aus an der Decke montierten Rohren Wasser, um den Arbeiterinnen etwas Kühlung zu verschaffen.

Verpuppte Seidenraupen

Handantrieb

Am Webstuhl

Anschließend können wir im angrenzenden Shop nach Herzenslust einkaufen. Gina, Victoria und Elke kaufen hier Seidenschals. Gut zu wissen, woher die Ware kommt und wie sie produziert wurde.

In dem Zusammenhang versuchen wir auch immer herauszubekommen, wie denn die Arbeit in einer Fabrik für die Bekleidungsindustrie gesehen wird. Hier und da erfahren wir, dass das Einkommen in der Fabrik gut doppelt so hoch ist wie in der Landwirtschaft. Aber schon in der kleinen Seidenfabrik konnten wir sehen, dass die Arbeitsbedingungen dort längst noch nicht den westlichen Standard haben.

Erschöpft und überhitzt komme wir zum Hotel zurück. Dort gibt es einen kleinen Pool. Marcus ist das Wasser viel zu kalt, aber die Damen sind ja nicht so fimschig. Gina und Victoria ziehen mutig ihre Kreise, wobei der Pool von seiner Größe her nicht viel mehr als Kreisschwimmen zuläßt.

Die Abkühlung tut gut

Leckereien auf dem Nachtmarkt

Den Abend verbringen wir auf dem Markt, und da gibt es etwas ganz Besonderes: vor unseren Augen wird Eis selbst gemacht. Angeboten wird alles, was zerstampft und mit Milch gemischt werden kann. Ob Früchte, Nüsse, Nutella oder Kekse. Nach dem Zerstampfen und Mischen wird die Masse dünn auf eine Kälteplatte gestrichen und nach kurzer Zeit mit einem Spatel aufgerollt. Die so entstandenen Eisröllchen kommen in einen Becher, obendrauf gibts noch ein Topping nach Wahl. Fertig ist der Eisbecher. Lecker!

Erst kommen die einzelnen Zutaten auf die Platte

Dann werden diese zerkleinert und vermischt

Die auf die Platte verstrichene und gefrorene Masse wird zu Eisröllchen geschoben

Lecker!

Angkor Wat – ehrwürdige Tempel und ein schmollender Fahrer

Angkor Wat – das Highlight. UNESCO-Weltkulturerbe. Der Stolz Kambodschas. Das EINE must-see des Landes. Viele Touristen kommen einzig wegen Angkor Wat nach Kambodscha.

Angkor Wat – Ziel von Millionen Touristen

Wir sind hin- und her gerissen, ob wir uns freuen oder grausen sollen. Natürlich wollen wir uns die großartigen Tempelanlagen angucken. Aber am liebsten nicht mit Horden von anderen Touristen zusammen. Dass das unrealistisch ist, ist uns klar.

Um es vorweg zu nehmen: so schlimm ist es gar nicht. Zwei Tage – mit einem Tag zur Erholung dazwischen – lassen wir uns von Sky, unserem Tuktukfahrer von Tempel zu Tempel in Angkor Wat kutschieren.  Es gibt zwei klassische Routen: die große Runde und die kleine Runde. Wir fahren sie rückwärts, also andersrum als die meisten. Auch wenn wir natürlich nicht die einzigen sind, die das so machen, entgehen wir auf diese Weise meist den großen Massen. Die Hotspots, wie zum Beispiel der Sonnenaufgang am berühmten Seerosenteich vor Angkor Wat, wo sich früh morgens Hunderte von Touristen um den besten Platz schubsen vermeiden wir. Das fällt uns nicht schwer, da frühes Aufstehen sowieso nicht unser Ding ist, wie die treuen Leser unseres Blogs schon wissen.

Angkor Wat Mauer Marcus

Über viele Mauern werden wir einen Blick werfen

Die kleine Tour durch Angkor Wat

Die Tempel liegen einige Kilometer außerhalb von Siem Reap. Wir fahren eine halbe Stunde mit dem Tuktuk und erreichen ein imposantes Gebäude, wo Sky den großen Parkplatz ansteuert. Was aussieht wie eine prunkvolle Pagode entpuppt sich als Ticketverkaufsstelle.

In der riesigen Halle stehen lange Schlangen vor den Ticketschaltern an. Es gibt Schalter für Tagestickets, Dreitagestickets und Wochentickets. Ein Foto wird gemacht und auf dem Ticket ausgedruckt. Das hübsch bunte Ticket kostet uns eine Dreiviertelstunde anstehen und 62 Dollar für drei Tage. Pro Person.

Schön bunt, schön teuer

Nun kann es losgehen. Unser erster Stopp ist der berühmte Ta Prohm, mittlerweile bekannt als Lara-Croft-Tempel. Da Sky kein offizieller Guide ist, darf er nicht hinein. Bevor wir aussteigen, gibt er uns einige Erläuterungen zum Tempel. Gleichzeitig werden wir von aufdringlichen und eindeutig minderjährigen Souvenirverkäuferinnen bedrängt. Die dürfen zum Glück auch nicht mit rein.

Angkor Wat Ta Prohm

Dschungel frisst Tempel

Die Kraft der Natur

Ganz alleine sind wir natürlich nicht, aber die Anlage ist groß genug, dass man nicht im Pulk herum läuft. Beliebtes Fotomotiv sind die mächtigen Baumwurzeln, die sich über bröckelnde Tempelmauern stülpen. Eine mystische Atmosphäre liegt über dem Komplex.

Angkor Wat Baum Familie

Kleine Familie, großer Baum

Der nächste Tempel, den wir ansteuern ist Ta Keo. Eine quadratische Pyramide aus Sandstein, gekrönt von fünf Prasats (Tempeltürmen), die den mythischen Berg Meru symbolisieren. Steile Treppen führen hinauf, mit hohen, ausgetretenen Stufen. Schweißgebadet erreichen wir die oberste Plattform und genießen den Blick über die Wipfel. Angeblich soll man von hier aus Angkor Wat sehen können. Wir können es allerdings nicht ausmachen.

Vor der Aussicht steht der Aufstieg

Heil wieder unten angekommen geht es nun in die Königsstadt Angkor Thom. Durch das Victory Gate fahren wir in die alte Stadt, die König Jayavarman VII. nach seinem Sieg über die Cham gründete und die 250 Jahre lang die Hauptstadt des Khmer-Reichs blieb.

Gesichtertempel Bayon

Eine der Hauptattraktionen ist der ehemalige Staatstempel Bayon. Der mit den Gesichtern. Nach Skys Erklärungen brechen wir auf. Von Ferne sieht der Tempel aus wie ein grauer Steinhaufen. Erst als wir näher kommen, formen sich vor unseren Augen die charakteristischen Gesichter aus den Türmen. In alle vier Himmelsrichtungen schauend sollten sie den Tempel schützen.

Angkor Wat Bayon

Die berühmten Gesichtertürme des Bayon Tempel

Darüber hinaus gibt es lange Wände voller kunstvoller Steinmetzarbeiten zu bewundern. Am liebsten wird – wie in Banteay Chhmar – Schlachtgetümmel dargestellt. Daneben findet man Szenen aus dem Alltag. Aber auch lange Reihen von grazilen Apsaras (die mythischen Tempeltänzerinnen) schmücken Säulen und Türstürze.

Angkor Wat Bayon Reliefs

Alltag im Khmer-Reich

Angkor Wat Bayon Apsaras

Tanzende Apsaras

Nach dem Besuch des Bayon haben wir ordentlich Hunger. Sky schlägt uns vor, zu einem Lokal zu fahren „not so expensive“. Okay, machen wir. Zwei Kurven weiter hält er an einem großen Komplex aus Restaurants. Eine Frau erwartet uns schon mit der Speisekarte in der Hand und führt uns zu ihrem Lokal. Wirklich günstig ist es nicht, aber das ist hier in der Touristenhochburg wohl auch nicht zu erwarten.

Und dann: Angkor Wat!

Angkor Wat Seerosenteich

Seerosenteich vor Angkor Wat im Abendlicht

Nachmittags besuchen wir als krönenden Abschluss des ersten Tages Angkor Wat. Und es ist wirklich ein majestätischer Anblick, wenn man vor den Toren steht. Die Menschen strömen in Scharen auf den riesigen Komplex zu. Aber auch hier verläuft es sich im Inneren und wir können einige Wände mit Steinreliefs – natürlich mit See- und anderen Schlachten – in aller Ruhe bewundern.

Angkor Wat Brücke

Großer Andrang

Eingangsfront

Angkor Wat still

Wer sucht, findet auch in Angkor Wat stille Ecken

Dabei verbummeln wir wohl zu viel Zeit, denn als wir die Treppe erreichen, die auf die oberste Plattform führt, steht dort eine sehr lange Schlange Wartender. Die Frage, ob wir uns eine Stunde lang anstellen wollen erübrigt sich, denn in einer halben Stunde wird der Aufgang für heute geschlossen. Pech gehabt! Wir tragen es mit Fassung und machen uns auf den Rückweg. Der Pool wartet schon…

Auf der Fahrt zurück kommen uns Tuktukfahrer entgegen, die winken und Sky etwas zurufen. Kurz danach hält er am Stand einer Straßenhändlerin, kauft ein Wasser und bittet darum, das Wechselgeld in Dollar zu bekommen. Mit einem treudoofen Grinsen dreht er sich zu uns um. Da vorne sei eine Polizeikontrolle, erklärt er und er habe seine Uniform zu Hause vergessen. Ja, is klar! Daher müsse er anhalten und etwas bezahlen. Nur, dass wir Bescheid wissen. 

Wir fahren bei der Kontrolle vor, dort geht alles mit schöner Geschäftsmäßigkeit vonstatten. Mehrere Tuktuks, vermutlich alle ohne Lizenz für Angkor Wat, werden angehalten. Einer nach dem anderen marschieren die Fahrer zu dem Kombi, dessen geöffnete Heckklappe diskret von der Straße weg zeigt. Dollars abliefern, zurück zum Tuktuk, weiter fahren. Ein Strafzettel wird nicht ausgestellt. Ja, Kambodschas Polizei ist die beste, die man für Geld kaufen kann. 

Die große Tour durch Angkor Wat

Nach einem redlich verdienten Pausentag steht die große Tour an. Sky steht – merkwürdigerweise wieder ohne Uniform – pünktlich vor dem Hotel bereit. Als erstes steuern wir den Pre Rup Tempel an, eine nahezu quadratische Pyramide. Über steile Treppen klimmen wir empor zur obersten Plattform, auf der fünf Türme stehen. Wieder eine tolle Aussicht von hier oben! 

Angkor Wat Pre Rup

Der Pre Rup leuchtet in warmen Rottönen

Der Östliche Mebon lag vorher von Wasser umschlossen in einem künstlichen See. Dieser ist längst ausgetrocknet, nur die Landungsstege an den vier Seiten zeugen noch davon. Auf der obersten Plattform stehen wieder fünf Türme, an denen der Zahn der Zeit deutlich genagt hat. Bei näherer Betrachtung fallen jedoch einige sehr schön erhaltene Türstürze auf, die hinduistische Motive zeigen.

Angkor Wat Elefant

Reise-Ringel darf als einziger Elefanten reiten

Angkor Wat Indra

Indra auf dem dreiköpfigen Elefanten

Angkor Wat Hindu Motive

Noch mehr hinduistische Motive

Der kleine Tempel Ta Som ähnelt im Stil dem Ta Prohm Tempel. Sogar eine malerische, den Osteingang umwachsende Baumwurzel gibt es. Im Reiseführer als ruhige Alternative zum Ta Prohm gepriesen, kommt er uns gar nicht so ruhig vor. Überall laufen Leute rum und wollen anscheinend mit aufs Bild. 

Angkor Wat Baumwurzel

Noch eine malerische Baumwurzel

Nicht ärgern, sondern weiter zum nächsten Tempel. Der kleine Neak Pean steht auf einer Insel in einer Insel. Das Beeindruckendste ist der Weg zur äußeren Insel, ein langer Damm über eine Sumpflandschaft, aus der bizarr abgestorbene Bäume ragen. 

Angkor Wat Sumpf

Eine geisterhafte Landschaft

Mittagsrast mit Folgen

Auf dem Weg zum Parkplatz, auf dem Sky irgendwo wartet, fängt uns eine engagierte junge Restaurantbesitzerin ab. Sky hatte vorgeschlagen, noch einen weiteren Tempel zu besichtigen und dann zum gleichen Restaurant wie vorgestern zu fahren. Da kriegt er wahrscheinlich Provision. Uns ist das im Prinzip egal, die Lokale sind alle gleich teuer. Allerdings haben wir jetzt schon Hunger und so lassen wir uns von der jungen Frau überzeugen. 

Gesättigt kommen wir zum Tuktuk zurück. Irgendwas ist anders. Richtig, Sky hat sein korrektes hellblaues Hemd ausgezogen und empfängt uns im ärmellosen T-Shirt. Will er damit etwa seinen Unmut ausdrücken, weil wir nicht zu „seinem“ Restaurant gefahren sind? Dieser Verdacht bestätigt sich, als er uns einsilbig vor dem Preah Khan Tempel absetzt und diesmal zu keiner Erläuterung ansetzt. Sky schmollt.

Okay, wir verlassen uns eh auf unseren Reiseführer, der ausführlich zu den Tempeln berichtet. Preah Khan ist ein großer Tempel, mit vier Umfassungsmauern. Die äußerste ist mit riesigen Garudas geschmückt, Fabelwesen halb Vogel, halb Mensch. Im Inneren des Tempelbereichs stehen die Mauern der Gebäude eng beieinander. Ziemlich gut erhalten geben sie eine realistische räumliche Vorstellung. 

Angkor Wat Garuda

Garuda an der äußeren Mauer

Angkor Wat Preah Khan

In diesem Gebäude wurde das Reichsschwert aufbewahrt – vielleicht

Angkor Wat Tempel

Im Inneren des Tempels

Unser letztes Ziel für heute ist der Baphuon Tempel in Angkor Thom. Unser immer noch schmollender Fahrer setzt uns wortlos dort ab. Der Baphuon ist erst seit 2011 wieder restauriert und zugänglich. Über einen langen Damm gelangt man zum Eingang. Auf einem vorgegebenen Weg wird man durch den Tempel geleitet. Steile Holztreppen führen auf die erste und die zweite Ebene. Eine Galerie umrundet diese und man kann schöne Hindu-Motive auf den Mauern entdecken. Der Abstieg erfolgt über eine nicht minder steile Treppe. 

Angkor Wat Baphuon

Blick von oben

Angkor Wat Steinmetzarbeiten

Schöne Steinmetzarbeiten schmücken die Wände

Angkor Wat Treppe

Steil geht es hinunter

Schließlich stehen wir hinter dem Tempel. Zurück zum Eingang dürfen wir nicht mehr, direkt um den Tempel herum führt auch kein Weg. Also folgen wir dem Pfad durch den Wald. Dabei stoßen wir noch auf den Phimeanakas Tempel, den wir aber nur von außen bewundern. Unsere Aufnahmefähigkeit ist für heute ausgereizt. 

Angkor Wat Baum

Schöner Wald um den Tempel

Angkor Wat Phimeanakas

Phimeanakas Tempel

Angkor Wat Pause

Reicht für heute. Der Sinn steht nach Ausruhen

Nachdem wir zu unserem Tuktuk zurückgefunden haben, fährt uns Sky zum Hotel. Beim Absetzen entwickelt er plötzlich wieder Geschäftssinn und fragt, ob wir morgen nicht zu den schwimmenden Dörfern wollten. Nein. Danke. Wollen wir nicht. 

Wir könnten ja noch mal Fahrräder leihen und in aller Ruhe Angkor Wat gucken fahren. Oder den ein oder anderen kleinen Tempel im Areal. Tun wir aber nicht. Langsam ist unsere Tempel-Sättigungsgrenze erreicht. Den letzten Tag in Siem Reap verbringen wir mit Bummeln, Massage und Pool. Unsere Freundin Elke fliegt von hier aus wieder nach Hause, Victoria begleitet uns noch ein weiteres Stück durch Kambodscha. 

Barbara von Barbaralicious war nicht so faul wie wir. Sie hat tatsächlich den berühmten Sonnenuntergang als auch am nächsten Morgen den Sonnenaufgang mitgenommen. Hier findest du ihren Bericht mit tollen Bildern dazu.

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Kampong Thom und der älteste Tempel Südostasiens

Kampong Thom ist – wie erwartet – ruhiger als Siem Reap. Die Fahrt dorthin verläuft unspektakulär.

Warten am Ticketbüro der Busgesellschaft

Am Busbahnhof in Kampong Thom besteigen wir das Tuktuk eines Fahrers, der uns am nächsten Tag zu den vor-angkorianischen Ruinen bringen möchte. Der Preis ist schnell ausgehandelt und schon kurze Zeit später sind wir im Hotel.

Noch am Nachmittag gehen wir zur nahegelegenen Uferpromenade. Der Ort gefällt uns, er ist klein und einige schöne Häuser säumen die Promenade.

Erstmal lassen wir uns von lauter Musik locken. Schon von Weitem sehen wir ungefähr zwanzig Frauen und einen Quotenmann im Sportdress. Mitten auf der Promenade beginnt gerade die Aerobic-Stunde. Ein Vorturner mit Mikro steht am Strassenrand und gibt die Kommandos. Aus dicken Lautsprecherboxen dröhnt die rythmische Musik, am liebsten würden wir mitmachen. Einige Kleinkinder tanzen auch mit, wirklich süß!

Wir sitzen noch eine ganze Weile auf einem Mäuerchen und schauen und hören uns das Spektakel an. Am Schluss läuft der Trainer herum und kassiert Geld von den Teilnehmern. Interessant ist, dass während der 40 Minuten kaum ein Teilnehmer Wasser getrunken hat. Und das bei 30 Grad im Schatten. Bei uns ist das jedenfalls anders.

Beeindruckender Pavillon an der Ufer-Promenade

Outdoor-Gym

Ausflug zu den Ruinen Sambor Prei Kuk

Am nächsten Tag werden wir pünktlich vom Tuktuk abgeholt. Vorbei am Seerosenteich, in dem sich die noch geöffneten Seerosen befinden, und kleinen Dörfern, in denen Palmzucker hergestellt wird, düsen wir Richtung Ruinen. Morgens ist es doch noch etwas kühl in dem offenen Tuktuk.

Seerosen

Die Bauwerke des Hindu-Tempelkomplexes Sambor Prei Kuk sind aus dem 7. – 9. Jahrhundert und wurden von Isanavarman I. erbaut. Die Ruinen sind atemberaubend anzuschauen, da sie mitten im Wald liegen und einige Tempel eine innige Sybiose mit den Baumwurzeln eingegangen sind. Sambor Prei Kuk gilt zudem als die älteste Tempelstadt Südostasiens.

Am Eingang des Komplexes erwarten uns einige Kinder. Sie wollen uns Tücher verkaufen. Nein, Kinderarbeit unterstützen wir nicht, daher lehnen wir dankend ab.

Immer wieder faszinierend ist, dass die Kleinen verschiedene Sätze in mehreren Sprachen sprechen können. Erst fragen sie auf Englisch, „where do you come from?“. Outen wir uns als Deutsche, geht es weiter: „Wie heißen Sie?“ Auch können sie ihre Waren auf deutsch, englisch oder französisch anbieten. Sie laufen kichernd hinter uns her, zwischendurch fragen sie immer wieder, ob wir etwas kaufen möchten. Aber wirklich aufdringlich sind sie nicht. Da sich hier nur wenige Touristen hin verirren, sind wir für die Kleinen wohl eine willkommene Abwechslung.

Von Wurzeln umarmter Tempel

Sieht modelliert aus, ist aber echt

Noch mehr Wurzeln

Es gibt einiges zu sehen. Gerade hier, wo wir fast allein sind, gibt es unglaublich schöne Motive zu bestaunen. Allerdings dürfen wir nicht von den ausgetretenen Pfaden abweichen, es können immer noch scharfe Tretminen herumliegen. Also besser brav auf den Wegen bleiben.

Wieder zurück im Tuktuk, halten wir auf halber Strecke an einem Haus. Auf einem kleinem Feuer im Hof wird Palmzucker gekocht. Unser Tuktuk-Fahrer erklärt uns den Prozess, dann dürfen wir probieren. Der Zucker ist noch braun und schmeckt anders als unser Zucker, zwar auch schön süß, aber mit mehr Geschmack. Davon kaufen wir gerne etwas.

Da kocht der Palmzucker

Auf dem weiteren Rückweg schauen wir nochmal auf den Seerosenteich. Alle Blüten, die am Morgen noch offen waren, sind jetzt geschlossen, wegen der Hitze. Dann lassen wir uns am Markt absetzen. Von hier aus besuchen wir noch einen Tempel im Ort.

Im Tempel

Figur vor dem Tempel

Es gibt wieder viel zu sehen. Und immer wieder faszinieren uns die Lademöglichkeiten der hiesigen Roller.

Mobiler Verkaufsstand

Fahrzeug mit unbekanntem Zweck

Kampong Cham – Bambusbrücke und Kautschukplantage

Unser nächstes Ziel heißt Kampong Cham. Wer sich wundert, dass wir lauter Orte mit Kampong im Namen ansteuern: Kampong ist das Khmer-Wort für Hafen, deshalb beginnen viele Ortsnamen damit. In Kampong Cham erreichen wir zum ersten Mal den Mekong, den wir in Phnomh Penh nur aus der Ferne gesehen haben. 

Kampong Cham Brücke

Mekongbrücke bei Kampong Cham

Die Bambusbrücke über den Mekong

Unser Guesthouse liegt direkt an der Uferpromenade, die einen modernen und gepflegten Eindruck macht. Ein Spaziergang führt uns am Mekongufer entlang bis zu der Bambusbrücke, die die gegenüber liegende Insel mit dem Land verbindet.

Die Brücke wird jedes Jahr zu Beginn der Regenzeit abgebaut, da sie den reißenden Fluten nicht standhalten würde. Dann ist die Insel nur mit der Fähre zu erreichen. Etwa die Hälfte der Teile kann beim Wiederaufbau nach der Regenzeit wieder verwendet werden.

Da mittlerweile eine feste Brücke im Bau ist, sind die Tage der Bambusbrücke gezählt. Fasziniert beobachten wir, wie nicht nur Motorroller, sondern sogar Autos über die fragile Konstruktion fahren. 

kampong Cham Bambusbrücke

Bambusbrücke

Ausflug per Fahrrad auf die Mekong-Insel

Am nächsten Tag leihen wir uns Fahrräder und machen uns auf zur Bambusbrücke. Kurz bevor wir sie erreichen, werden wir von einer Gruppe Pferdefuhrwerke in munterem Trab überholt. An der Erdrampe, die zur Brücke führt, werden die Tiere kurz abgespannt und dürfen sich im Wasser erfrischen. Dann traben sie weiter über die Brücke. 

Kampong Cham Pferde

Kleine Badepause für die Pferde

Die Bambuslatten, die die Oberfläche der Brücke bilden, knirschen und knacken unter unseren Rädern. Die Fahrbahn federt, es ist ein sehr ungewohntes Fahren. Kaum zu glauben, dass diese Brücke schwere Geländewagen aushält. 

Kampong Cham Bambusbrücke Räder

Mit den Rädern über die Bambusbrücke

Auf der Insel angekommen kämpfen wir uns über den sandigen Weg, bis wir die Straße erreichen. Wir folgen ihr – es ist eh die einzige – durch das Dorf. Rechts und links stehen die typischen Pfahlbauten, weiter hinten können wir Felder ausmachen. Vor vielen Häusern sind kleine Verkaufsstände, auf denen meist eine Handvoll Früchte angeboten wird: Papayas, Bananen, Mangos und vor allem Pomelos. Wir kaufen ein paar Bananen. 

Kampong Cham Wege

Sandige Wege machen das Fahren schwierig

Nach einer Weile erreichen wir die Pagode. Bunte, kitschige Figuren auf dem Gelände, alles wirkt ziemlich ungepflegt und lieblos. Die große Halle ist leer und kahl, Vögel nisten unter den Dachsparren, ihr Kot verschmutzt den Boden. 

Kampong Cham Tempel

Bunter Bogenschütze am Tempel

Im Schatten eines großen Baumes finden wir einen Picknickplatz auf dem Tempelgelände. Dort machen wir Rast, essen unsere Bananen und Kekse und genießen den Tag. Ein kleines Mädchen kommt mit dem Fahrrad angefahren. Als sie uns sieht, steigt sie ab und setzt sich zu uns an den Tisch. Englisch versteht sie nicht, aber anscheinend ist sie zufrieden, einfach bei uns zu sitzen.

Und was macht eine Familie im 21. Jahrhundert, wenn sie gesättigt und entspannt rumsitzt? Jeder zückt sein Handy, checkt Mails und Facebook und surft ein bisschen rum. Das mobile Internet auf einer Mekonginsel ist übrigens deutlich besser als das im Rheintal.

Die Bilder auf unseren Handys wecken das Interesse unseres kleinen Gastes. Wir suchen Bilder, die sie kennt, wie von der großen Mekongbrücke in Kampong Cham. Dann versuchen wir es mit Tierbildern, das kommt auch immer gut. Koalas, Kängurus – sie staunt und freut sich. Victoria hat die größte Sammlung von Bildern von uns dreien. Sie geht sie mit dem kleinen Mädchen durch. Interessanterweise tippt die Kleine nicht auf Tierbilder, sondern auf Fotos von Zimmern und von Essen. Nach etwa einer Stunde verabschiedet sie sich. Auch wir schwingen uns wieder auf die Räder und überqueren die Bambusbrücke. 

Kampong Cham Mekong

Zum Abschied ein schöner Ausblick auf den Mekong

Abends beobachten wir einen grandiosen Mondaufgang über dem Mekong. Am gegenüberliegenden Ufer steigt ein riesiger, orangeroter Vollmond empor. Was für ein exotischer Anblick, wir sind hin und weg.

Kampong Cham nachts

Auch der abendliche Blick auf die Mekongbrücke ist schick

Ausflug zur Kautschukplantage

Typisch für die Gegend um Kampong Cham sind Kautschukplantagen. Wir sind auf dem Weg hierher schon durch einige durchgefahren. Nun wollen wir uns eine davon näher anschauen. Dazu haben wir mal wieder ein Tuktuk angeheuert. 

Dazu ein kleiner Exkurs: Vermutlich ist euch schon aufgefallen, dass wir uns in Kambodscha fast nur mit dem Tuktuk durch die Gegend bewegen.

Kampong Cham Tuktuk

Kambodschanisches Tuktuk

Das liegt daran, dass es keinen Nahverkehr gibt, zumindest nicht zu den Zielen, die wir uns angucken wollen. Taxis (also Autos) sind eine Rarität, selbst in Phnom Penh. Solange wir zu dritt oder viert unterwegs sind, kommt es auch nicht in Frage, Roller zu mieten.

Also bleibt das allgegenwärtige Tuktuk. Davon hat ja jedes asiatische Land seine eigene Variante. Die kambodschanische, auch Remorque genannt, gefällt uns besonders gut. Ein Roller ist als Zugfahrzeug vor eine Art Kutsche gespannt, die (mindestens!) vier Passagieren Platz bietet.

Zu viert bequem im Tuktuk. Zur Not passen auch noch unseren ganzen Rucksäcke mit rein…

Die Bänke sind liebevoll aus geschnitztem Holz gestaltet und mit dicken Polstern belegt. Das Dach bietet Schutz vor der Sonne und der Fahrtwind kühlt angenehm.

kampong Cham Tuktuk

Der Fahrtwind ist angenehm kühl

Eine sehr bequeme Art der Fortbewegung. Wir lieben es, Tuktuk zu fahren. Darüber hinaus sprechen viele Fahrer gut Englisch, so dass wir interessante Unterhaltungen führen können.     

Die Fahrt zur Kautschukplantage geht über eine viel befahrene Landstraße, was weniger angenehm ist. Lärm und Abgase von Lastwagen mindern das Fahrvergnügen etwas. Aber schließlich biegen wir in kleine Nebenstraßen ab. Rechts und links erstrecken sich Bäume in ordentlichen Reihen.

Kampong Cham Kautschukbäume

In Reih und Glied: Kautschukbäume

Wir halten an und unser Fahrer erklärt uns, wie der Latexsaft gewonnen wird. An jedem Baum hängt ein kleines Schälchen, in das über eine Rinne das milchige Sekret tropft. Zweimal täglich wird die Rinde angeritzt, um die Latexmilch zu produzieren.

Kampong Cham Latexmilch

Über eine Rinne aus Blättern tropft die Latexmilch ins Gefäß

Nach einer gewissen Anzahl (die ich wieder vergessen habe) Ernten wird der Baum einige Zeit in Ruhe gelassen, um sich wieder zu regenerieren. Zwischen den Bäumen finden wir Früchte, die wie Nüsse aussehen und aus denen teilweise schon neue Bäumchen sprießen. 

Kampong Cham Früchte

Früchte der Kautschukbäume

Die Kautschukfabrik

Nun geht es weiter zur Fabrik, wo die Latexmilch verarbeitet wird. Die Fabrik wurde 1923 von den Franzosen erbaut und so wie sie aussieht, wurde seitdem auch nicht viel daran geändert. Auf dem Gelände stehen rostige Tanklaster, die die eingesammelte Latexmilch zur Fabrik transportieren.

Kampong Cham Laster

Latex-Laster

In großen Becken wird sie mit Wasser und Säure versetzt, damit das Latex ausfällt und fest wird. Dahinter befindet sich eine Presse, in die Arbeiter den Kautschuk mit bloßen Händen füllen. Es ist heiß in der Fabrik. Die meisten Arbeiter tragen nur Shorts und Flipflops. Die Sicherheit wird hauptsächlich durch ein „safety first“-Schild gewährleistet. Immerhin steht einer neben dem Not-aus-Knopf an der Presse.

Kampong Cham Kautschukfabrik

In langen Becken stockt die Latexmilch

Kampong Cham Presse

Arbeiter an der Presse

Kampong Cham safety first

Safety first!

In mehreren Schritten wird der Kautschuk gereinigt und getrocknet und am Ende zu 35-Kilo-Ballen gepresst. Zur weiteren Verarbeitung werden die Ballen nach Vietnam oder China geschickt. 

Der fertige Ballen verlässt die Presse

Unser Fahrer, der gleichzeitig als Guide durch die Fabrik fungiert erklärt uns, dass das Land im Staatseigentum sei und an reiche Investoren verpachtet würde. Zu den Arbeitern befragt, meint er, es wäre kein super Job, aber auch nicht ganz schlecht.

Enthusiasmus klingt anders. Die Arbeiter bekommen neben einem kleinen Einkommen Haus und Nahrung gestellt und nach ihrem Ausscheiden im Alter auch eine Pension.

Unser Interesse nutzt unser Guide, um seine Version der Ökonomie Kambodschas zu erläutern. Übersichtlich auf die Handfläche gemalt. Sich selbst zählt er zur Gruppe „poor“, aber nicht „very poor“ und scheint damit relativ zufrieden zu sein. 

Kampong Cham Ökonomie

Ökonomie auf der Handfläche

Nach diesem interessanten Einblick geht es zurück nach Kampong Cham.

Auf unserer Tour abseits der üblichen Touristenrouten gewinnen wir wertvolle Einblicke ins Leben der Menschen. Das ist übrigens auch einer der Tipps, die Miriam in ihrem Ratgeber gibt, wie du verantwortungsvoll in ärmeren Ländern reisen kannst.

                     

Kratie – zu den Flussdelphinen im Mekong

Unsere nächste Bustour bringt uns in die Stadt Kratie. Der Busfahrer will unser Gepäck nicht im Gepäckabteil unterbringen oder der Stauraum ist schon voll, also kommen unsere Backpacks in den Mittelgang des Buses. Jeder, der von vorne nach hinten oder umgekehrt gehen will, muss unsere Rucksäcke überklettern. Hier in Kambodscha nehmen es die Menschen gelassen.

In der Reihe vor uns finden wir eine kleine Freundin, ein vielleicht drei – oder vierjähriges Mädchen. Stundenlang guckt sie über die Sitzlehne und läßt sich von Victoria und Gina bespaßen.

Ankunft in Kratie

Unser Hotel liegt etwas außerhalb der City. Daher sagen wir dem Busfahrer Bescheid, uns an der Hauptstraße in der Nähe des Hotels rauszulassen. Das klappt sogar. Fünf Minuten später stehen wir schon an der Rezeption und können unser Zimmer beziehen. Das Hotel hat einen Tuktuk-Service. Wir können uns kostenlos in den Ort fahren und abholen lassen.

Außerdem gibt es einen Pool. Und hier in Kratie wollen wir die Flussdelfine gucken. Und die kleine Insel gegenüber anschauen. Es gibt also genug zu tun.

Den Tuktuk-Service nutzen wir noch am späten Nachmittag, um den Sonnenuntergang zu schauen und etwas zu essen. Wir schlendern kurz über den Markt und beobachten dann auf der Uferpromenade eine Gruppe Frauen und Männer beim Open-Air Airobic. Die Sonne sinkt langsam und taucht den Mekong in ein großartiges Licht.

Goldener Sonnenuntergang

Die Flussdelfine im Mekong

Am nächsten Morgen steht nach dem Frühstück ein Tuktuk für die Fahrt zu den Flussdelfinen bereit. Ungefähr eine Stunde gehts über teils holprige Strassen zur Bootsanlegestelle. Die Boote sind klein, daher haben wir zu dritt ein ganzes Boot für uns. Natürlich mit Bootsführer.

Das ist unser Boot

Bitte einsteigen

Ja, wo sind denn die Delfine?

Alle mal zur Seite schauen

Erst fahren wir unter Motor Richtung Flussmitte. Der Bootsführer steht und schaut nach den Delfinen. Da, links, da hinten…, als ich mich umgedreht habe, sehe ich nur noch quirliges Wasser. Die Irrawaddy-Delfine kommen nur kurz zum Luftholen an die Wasseroberfläche und lassen sich sonst nicht gerne blicken.

Flipper ist nicht so scheu! Aber schließlich haben wir Glück. Mal sehen wir zwei, mal drei Tiere an die Oberfläche kommen, zumindest Rücken- und Schwanzflosse sind gut zu sehen. Mehr haben wir auch nicht erwartet.

Delfin in Sicht

Da ist noch einer

Sind wir nah genug an den Delfinen, schaltet unser Fahrer den Motor ab und paddelt weiter. Wie schön, diese Ruhe. Die Motoren der Boote sind doch recht laut. Wir machen uns Sorgen, dass die Delfine wegen der vielen Boote schon taub sein könnten. Wobei während unserer Tour höchstens drei andere Motorboote und einige Kajaks auf dem Wasser sind. So genießen wir nicht nur das Delfin-Watching, sondern auch die Bootsfahrt an sich. Nach zwei Stunden gehts zurück zum Ufer und mit dem Tuktuk wieder nach Kratie.

Auf der Rückfahrt kaufen wir an einem Straßenstand Reis im Bambusrohr, eine Spezialität der Region. Es besteht aus Klebreis mit Bohnen, das nur schwach gewürzt wird. Das Bambusrohr wird erst in den Händen hin- und hergerollt, damit sich der Reis von der Hülle löst. Dann schält man das Ganze ähnlich einer Banane und isst es auch so.

Kratie Reis

Klebreis im Bambusrohr

Den restlichen Tag verbringen wir am und im Pool.

Ausflug auf die Mekong-Insel bei Kratie

Für den nächsten Tag haben wir eine Fahrradtour zur kleinen Insel gegenüber geplant. Räder leihen kann man drüben. Damit sparen wir uns das Verladen der Fahrräder auf die Fähre.

Allein die Überfahrt ist schon ein Spektakel. Das recht kleine Boot, nach deutschen Maßstäben mit einem Fassungsvermögen von ungefähr zwölf Personen, fährt erst los, wenn es voll ist. Oder wenn der Bootsführer meint, es sei voll. Also heißt es erstmal warten. Nach 20 Minuten wirft er den Motor an.

Das Boot ist noch lange nicht voll

Da kommt die Fähre

Fährhafen mit Restaurant und Roller-Taxis

Ganz schön weit zu laufen

Das ist scheinbar ein Zeichen, dass die restlichen Passagiere jetzt auch einsteigen. Es sind 30 Personen und sechs Fahrräder an Bord, als es losgeht. Die Fahrt dauert nur zehn Minuten. Am anderen Ufer gibt es einen breiten Sandstrand. Taxi-Motorroller warten hier auf Fahrgäste, die nicht den Holzweg über den Strand traben wollen. Wir laufen jedoch und kurze Zeit später haben wir drei Fahrräder gemietet.

Kratie Radtour

Kleine Pause auf der Radtour

Einen halben Tag fahren wir auf der Insel herum, es gibt einen Tempel und viel Natur zu sehen. Einige Cafes laden zu Erfrischungen ein. Es ist doch recht heiß die letzten Tage.

Danach reicht die Kraft nur noch für den Hotel-Pool.

Geduld ist gefragt beim Warten auf den Bus

Und auch den letzten Tag mit Victoria und in Kambodscha genießen wir ganz relaxt. Die Bustickets haben wir im Hotel gekauft. Eins nach Ho-Chi-Minh City – Victoria fliegt von da nach Hause – und zwei Tickets nach Laos auf die 4000 Islands.

Am Tag der Abreise fahren wir mit Victoria mit dem Tuktuk zur Bushaltestelle am Rand von Kratie. Die ist etwas kompliziert zu finden und auch die Abfahrtszeit ist variabel. Der Bus nach Vietnam kommt von Laos und hält angeblich zwischen halb zehn und elf Uhr morgens an einer Stelle, die unser Tuktukfahrer hoffentlich kennt. Der Fahrer wartet die ganze Zeit, hält dann den Bus an und Victoria kann einsteigen. So wurde es uns gesagt. Unser Bus ist der entgegengesetzte und fährt im Ort um halb eins ab, genug Zeit, um mit Victoria und dem Fahrer auf ihren Bus zu warten, um sich dann zu verabschieden.

Um kurz nach neun halten wir an einem kleinen Restaurant. Hier scheint der Bus zu halten. Fasziniert schauen wir einer Gruppe Arbeitern zu, die halsbrecherisch versuchen, einen Stahlbehälter vom Kipp-Laster zu laden. Natürlich ohne Kran.

Gegen zehn zieht unser Tuktuk-Fahrer seinen Helm abrupt auf (ja, hier fährt man mit Helm) und startet den Motor. Wir fahren zu einer anderen Haltestelle. Hoffentlich ist der Bus noch nicht durch. Wir warten weiter. Unser Fahrer fragt uns, ob er mal mit unserm Handy telefonieren kann. Er ruft das Hotel an, diese fragen bei der Busgesellschaft nach, wo der Bus bleibt. Kommt in zehn Minuten. Inzwischen ist es elf Uhr und wir schauen uns betroffen an. Da kommt endlich der Bus.

Kratie Abschied

Gute Reise, Victoria!

Das Warten hat ein Ende, nach herzlicher Verabschiedung von Victoria fahren wir zurück zum Hotel. Kurze Zeit später werden auch wir zu unserem Bus gebracht. 

Es geht über Land weiter über die Grenze nach Laos. Kambodscha hat uns sehr gut gefallen. Natürlich waren die vier Wochen in diesem Land auch etwas Besonderes, weil wir nicht alleine gereist sind. Die Abwechslung mit Victoria und Elke hat uns gut getan.

Darüber hinaus hat uns die offene und freundliche Begegnung mit den Khmer fasziniert. Wir waren  erstaunt, wie viele Kambodschaner relativ gut verständliches Englisch sprechen. Das machte das Reisen und die Besichtigungen sehr einfach.

Reisekosten Kambodscha

Angkor Wat, Kambodscha.

Mit Kambodscha haben wir nach Thailand und Myanmar unser drittes asiatisches Land bereist. Hier kommt die Aufstellung unserer Reisekosten in Kambodscha.

Währung in Kambodscha

Eine Besonderheit ist, dass in Kambodscha sowohl in Dollar als auch in kambodschanischen Riel bezahlt wird. Es gibt Geldautomaten, die sowohl Dollar als auch Riel ausgeben. Die meisten spucken allerdings nur Dollar aus. Das ist auch ausreichend, denn du kannst alles in Dollar bezahlen. Maximal kannst du 500 Dollar ziehen. Das solltest du auch tun, denn jede Abhebung kostet fünf Dollar (bei manchen Banken bis zu 6,50 Dollar) Fremdgebühren.

Wechselgeld erhältst du sowohl in Dollar als auch in Riel. Ein Dollar entspricht etwa 4000 Riel. Da es nur Dollarscheine und keine Münzen gibt, werden Summen, die kleiner als ein Dollar sind, in Riel bezahlt bzw. als Wechselgeld gegeben. Das Hantieren mit zwei Währungen ist gerade anfangs ziemlich verwirrend. Die Dollarscheine dürfen übrigens geknickt werden, nur beschädigt sollten sie nicht sein.

Straßenstand in Kambodscha.

Am Straßenstand wird oft in Riel bezahlt

In Kambodscha reisten wir zu viert bzw. zu dritt. Teilweise hatten wir eine Gemeinschaftskasse, so dass die Buchführung etwas schwieriger war. Daher haben wir diesmal auf die Unterteilung in Unterkategorien verzichtet.

Von den Durchschnittskosten reiht sich Kambodscha zwischen Thailand und Myanmar ein. Im Schnitt haben wir 65 Euro pro Tag für uns beide ausgegeben.

Übersicht Reisekosten in Kambodscha

Hier ist die Übersicht über unsere Reisekosten in Kambodscha, alle Zahlen gelten für zwei Personen:

Tabelle Reisekosten Kambodscha.

Unterkunft 

Für das Dach über den Kopf haben wir durchschnittlich 18 Euro pro Tag ausgegeben. Damit liegen wir im gleichen günstigen Bereich wie in Thailand. In Phnom Penh hatten wir eine schöne Airbnb-Wohnung für uns vier. Da Victoria und Elke erst zwei Tage nach uns eintrafen, fiel für die ersten zwei Nächte eine höhere Miete für uns an. Unsere günstigste Übernachtung war der Homestay in Banteay Chhmar, wo wir sieben Euro für das Doppelzimmer zahlten. Ansonsten nächtigten wir in Doppelzimmern oder Dreibettzimmern in Guesthouses oder kleinen Hotels. Wir legen Wert auf ein eigenes Bad und meist auch auf eine Klimaanlage. Manchmal war das Frühstück mit inbegriffen. 

Geräumiges Zimmer.

Hübsches Zimmer für drei unter 30 Dollar

Essen 

Hier liegt unser Tagesschnitt bei 20 Euro für zwei Personen. Damit liegen wir wieder ungefähr im gleichen Rahmen wie bei unseren anderen Zielen, auch wenn ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten ist. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass in ein paar Übernachtungen das Frühstück mit enthalten war, war das Essen etwas teurer als in Thailand. In Angkor Wat gab es regelrechte Touristenpreise, dort war das Gericht doppelt so teuer als woanders.

Wir waren auf Märkten, in Garküchen und in Restaurants essen. Einfache Restaurants reichen uns in der Regel, aber wir möchten nicht im Stehen aus der Styroporschale futtern.

Reis und Curry auf Bananenblatt angerichtet.

Das Auge isst mit

In der Wohnung in Phnom Penh haben wir uns teilweise selbst verpflegt mit Frühstück und kaltem Mittagessen. Allerdings haben westliche Lebensmittel wie Milchprodukte, Haferflocken etc. ihren Preis. 

Sehenswürdigkeiten

Mit durchschnittlich 11 Euro pro Tag haben wir hier ordentlich zugeschlagen. Allein Angkor Wat kostete für uns beide stolze 124 Dollar Eintritt für die Dreitagestickets. Auch bei anderen Tempeln und Museen war man schnell mit fünf bis zehn Dollar pro Person dabei. Dazu kommen die Fahrtkosten zu den Sehenswürdigkeiten. Da wir zu dritt oder viert waren, kam die Miete eines Rollers nicht in Frage. Wir waren also aufs Tuktuk angewiesen, was sich letztendlich zusammenläpperte.

Tuktuk-Fahrer im Außenspiegel fotografiert.

Tuktuk fahren ist schön, auch wenn es das Budget belastet

Fahrtkosten 

Mit ungefähr neun Euro pro Tag liegen wir etwas über den Kosten von Thailand. Wir waren durchgehend mit öffentlichen Bussen unterwegs, außer nach Banteay Chhmar, wo nur Transport per Taxi möglich war. Zu den Fahrtkosten zählen auch die Kosten fürs Tuktuk, um zwischen Guesthouse und Busbahnhof transportiert zu werden.  

Rustikale Fähre.

Auch die Fähre über den Mekong zählt zu den Fahrtkosten

Sonstiges 

Alles, was nicht in die obigen Kategorien passt, fällt unter Sonstiges: Medikamente, Massagen, kambodschanische SIM-Karte, Wäsche, Visagebühren, Geschenke, Spenden etc. Dieser Posten ist immer sehr schwankend, je nachdem, was anfällt. Mit sieben Euro pro Tag liegen wir im normalen Bereich.

Hochgerechnet auf den Monat hat uns Kambodscha 1950 Euro zu zweit gekostet. Damit liegen wir wieder deutlich unter dem Budget von 3000 Euro, was wir uns selbst monatlich für unsere Weltreise erlaubt haben.