Auf dem Landweg von Thailand nach Phnom Penh, Kambodscha

Blick über den Tonle Sap Fluss in Phnom Penh

Unsere Reise von Thailand nach Phnom Penh in Kambodscha treten wir auf dem Landweg an. Morgens kurz nach sieben warten wir auf den Minibus, der uns von Koh Chang zur kambodschanischen Grenze bringen soll.

Sonnenuntergang in Koh Chang
Bye bye Koh Chang

Mit etwas Verspätung geht es los, der Minibus ist proppenvoll. Da der Bus keinen Kofferraum hat, werden die zahlreichen Gepäckstücke kunstvoll auf zwei Sitzen hinter dem Fahrer gestapelt. In jeder Kurve habe ich Angst um die daneben sitzende Französin, als sich der Gepäckturm bedrohlich zur Seite neigt und fast auf sie kippt.

Über die Landgrenze nach Kambodscha

Wir nähern uns dem Grenzort Hat Lek, die Straße wird immer staubiger. Die Grenze müssen wir zu Fuß passieren. Sie wird gesäumt von Shops auf der einen und den Zoll-Gebäuden auf der anderen Seite. Menschen wuseln durcheinander, es ist etwas unübersichtlich. Wir stellen uns an der Schlange zur Ausreise aus Thailand an. Hinter der Grenze soll der Bus nach Phnom Penh auf uns warten.

Reisende gehen über die staubige Grenzstraße
Da gehts zur Grenze
Der Schalter für die Einreise
Bitte hinten anstellen

Da wir bereits ein e-Visum für Kambodscha haben, gehen die Zollformalitäten recht schnell vonstatten. Vor allem ersparen wir uns das Bestechungsgeld, dass die Zollbeamten von allen einfordern, die ihr Visum erst hier kaufen. Wir erleben einige hitzige Diskussionen mit erbosten Touristen. Letztendlich bliebt ihnen aber nichts anderes, als das Portemonnaie zu zücken. Auch die Fake-Gesundheitsprüfung, für die ebenfalls Geld gefordert wird, umgehen wir. Wir ignorieren einfach das gebieterische Winken des offiziell aussehenden Herrn im weißen Hemd. Trotzdem müssen wir noch zwei Stunden warten, bis alle Mitfahrer, die auch nach Phnom Penh fahren ihre Visa haben.

Ein Mann in einem grünem Shirt zeigt uns, wo unser Bus nach Phnom Penh wartet. Die Straße entlang, noch 200 Meter, dort steht der Bus. Mir ist nicht klar, welchen Bus wir besteigen müssen, daher trotte ich der Gruppe hinterher. Kurz bevor wir ankommen, schließen sich die Bustüren und der Bus fährt weg. Waas? Wieso wartet der nicht?

Kurz darauf erscheint der Mann im grünen Hemd. Er erklärt uns kurz, dass er den Bus zurückholen wird und braust mit seinem Wagen davon. Zwanzig Minuten später ist er und ein Bus wieder da und endlich steigen wir ein. Wir haben schon jetzt soviel Verspätung, dass wir es nicht mehr zeitig zur geplanten Schlüsselübergabe unserer AirBnB-Wohnung in Phnom Penh schaffen. So versuchen wir, per SMS dem Vermieter unsere Verspätung mitzuteilen. Leider bekommen wir keine Antwort. Es bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten.

Ankunft in Phnom Penh

Am Busbahnhof in Phnom Penh besteigen wir ein Tuktuk, dass uns zur Wohnung bringt. Die Tuktuks heißen hier Remorque, ein Überbleibsel aus der französischen Zeit. Die Fahrzeuge sind bequemer als die in Myanmar, mit dick gepolsterten Sitzbänken. Da wir dem Fahrer keinen Hotelnamen nennen können, sondern nur eine Straße mit Hausnummer, müssen wir uns um die Navigation mit kümmern. Zum Glück sind die Hausnummern gut sichtbar und wir finden unsere Wohnung schnell. Der Vermieter erwartet uns schon vor der Tür. Das wäre geschafft.

Ein kambodschanisches Remorque
So sieht ein Remorque aus

Die Wohnung ist groß und schön. Sie muss auch groß sein, schließlich erwarten wir am übernächsten Tag Gäste.

Wir gehen im kleinen Restaurant nebenan essen, den Einkauf fürs Frühstück verschieben wir. Dafür sind wir viel zu müde.

Erster Eindruck von Phnom Penh

Den folgenden Tag verbringen wir damit, die nähere Umgebung zu erkunden und einzukaufen. Wenige Meter von der Haustür entfernt gibt es einen Markt. Es gibt Lebensmittel aller Art. Erwähnenswert ist das Angebot an Fisch und Geflügel. Fische liegen schwach zappelnd in mit wenig Wasser gefüllten Schüsseln, während die Hühner mit zusammengebundenen Füssen ängstlich auf einem Haufen liegen und ihrem Schicksal harren.

Phnom Penh überrascht uns mit modernem Style. Es gibt breite, geteerte Strassen mit westlichen Autohäusern, die sich mit Leuchtreklamen internationaler Unternehmen abwechseln. Viele Häuser sehen schick und teuer aus. Die Leute sprechen überraschend gut Englisch, die Älteren Französisch. Schon auf der Hinfahrt haben wir bemerkt, dass wieder rechts gefahren wird. Und hupen tut auch kaum jemand.

Der Fluss Tonle Sap, wenige hundert Meter von unserer Wohnung gelegen, fließt hier in den Mekong. Am späten Nachmittag schauen wir uns am Ufer den Sonnenuntergang an. Die Wolken wechseln innerhalb von Minuten ihre Farbe und die Fenster eines Hochhauses spiegeln die goldene Sonne im Wasser.

Fischer im Abendlicht auf dem Fluss
Sonnenuntergang am Fluss

Die Idylle trügt allerdings. Kleine Wohnboote liegen am Ufer umgeben von allerhand Müll. Die Boote haben meist ein Wellblechdach und bieten ihren Bewohnern nur wenig Wohnfläche. Am Rand des Bootes befindet sich eine kleine Plattform mit Loch in der Mitte, die als Toilette benutzt wird. Wir sehen von weitem, wie sich ein Kind hinhockt, sein Geschäft in den Fluss verrichtet und sich mit dem Flusswasser säubert. Wir hoffen, dass die Leute nicht aus dem Fluss trinken. Später erleben wir, wie jemand am Ufer einen Sack Müll öffnet und in den Fluss kippt.

Wohnboot und Müll
Wohnboot und Müll

Mehrmals werden wir um Geld angebettelt. Hier sehen wir auch die ersten Minenopfer aus Kambodschas unrühmlicher Vergangenheit. Meist ist es ein Bein, das den Opfern beim Kontakt mit einer Mine abgerissen wurde.

Drei Personen auf einem Motorroller. Einer jungen Frau fehlt ein Teil ihres Beins
Der jungen Frau fehlt ein Teil ihres Beines

Mit Besuch aus Deutschland zum Wat Phnom

Am nächsten Tag holen wir unsere Tochter Victoria und unsere Freundin Elke vom Flughafen ab. Die nächsten vier Wochen reisen wir zu viert, eine willkommene Abwechslung für uns. Um dem Jetlag der beiden entgegenzuwirken, gehen wir raus und besuchen am Nachmittag einen Tempel, den Wat Phnom. Der bekannte Stupa liegt auf einem 27 Meter hohen Hügel und gedenkt Lady Penh, der Namensgeberin der Stadt.

Die lebensgroße Figur der Dame hat ungewöhnlich rote Lippen. Kurze Zeit später sehen wir warum. Eine junge Frau beginnt, Lady Penh zu schminken. Erst die Wangen mit einer hellen Farbe. Den Rest des Make Up schmiert sie sich daraufhin selbst ins Gesicht. Dann sind die Lippen dran. Die werden rot angemalt. Irgendwie sieht Lady Penh ein wenig aus wie ein Clown. Anschließend berührt sie mit den Fingern die Lippen von Lady Penh und berührt dann ihre eigenen. Quasi ein Kuss. Wenig später macht sich eine andere Frau daran, die Lady zu verschönern.

Statue von Lady Penh mit roten Lippen
Ungewöhnlich rote Lippen – wir wissen warum

Neben vieler religiöser Relikte finden wir auch einen kleinen schattigen Park vor, in dem wir einige Zeit relaxen.

Den Abend verbringen wir auf dem Nachtmarkt, auf dem es neben Kleidung und zahlreicher Speisen köstliches Eis im Kokosnuss-Becher gibt.

Kokos-Eis
Kokos-Eis, leeeecker!!!!

Sightseeing in Phnom Penh – der Königspalast

Der nächste Tag steht im Zeichen des Königspalastes. Dieser ist mit das Gebäude in Phnom Penh, das man gesehen haben muss, demnach mit 10 Dollar Eintritt pro Person recht teuer. Leider sind fast alle Gebäude im Palast nur von außen zu sehen. Man kann durch geöffnete Fenster in den Thronsaal schauen, aber keine Fotos nach drinnen machen. Da wir nicht die Einzigen sind, die sich den Palast anschauen, gibt es an den Fenstern Gedränge. Wir können uns zwar die Silberpagode von innen anschauen, doch der Silberboden ist fast vollständig abgedeckt. Wirklich schade, oder vielleicht unverschämt? Die übrigen Gebäude im Palast sind geschlossen. Nach knapp zwei Stunden verlassen wir enttäuscht den Palast.

Der Königspalast
Der Königspalast

Leider ist es schon zu spät, das in der Nähe liegende Nationalmuseum zu besuchen.

Flussufer im Abendlicht
Romantisches Flussufer

So schlendern wir entspannt am Flussufer den Sonnenuntergang genießend zur Wohnung zurück. Am nächsten Tag haben wir den Besuch der Killing Fields geplant. Das wird sicher emotional sehr anstrengend werden.

Unsere Tipps für den Grenzübertritt auf dem Land

  • Visum: Für Kambodscha benötigst du ein Visum. Das kannst du dir als e-Visum vorher übers Internet besorgen. Du brauchst ein aktuelles biometrisches Passfoto, das du hochlädst und wie immer einen Reisepass mit mindestens sechs Monaten Gültigkeit. Den Visumsantrag kannst du hier stellen. Du bekommst das Dokument als Mail zugeschickt und musst es ausdrucken. Das e-Visum kostet 36 Dollar und ist etwas teurer als das Visum direkt an der Grenze zu kaufen. Da die Beamten aber ohne Bestechungsgeld kein Visum ausstellen, kommt es letztendlich auf das Gleiche raus. Wenn du nicht auf einer Langzeitreise bist, kannst du das Visum natürlich über die kambodschanische Botschaft in Berlin besorgen.
  • Transport von Thailand: Sowohl von Trat als auch von Koh Chang kannst du die Fahrt bis nach Phnom Penh oder Sihanoukville buchen. An der Grenze wechselst du das Fahrzeug. Geh davon aus, dass der dich begleitende Mitarbeiter von den inoffiziellen Zuverdiensten an der Grenze profitiert. Höre also nicht auf ihn, wenn er dich zur Quarantäne-Untersuchung schickt. Es gibt auch einen öffentlichen Bus von Trat zum Grenzort Hat Lek. Auf der kambodschanischen Seite kommst du allerdings nur mit dem Tuktuk in den nächsten Ort mit Busanbindung, Koh Kong. Und die Tuktukfahrer wissen das und kalkulieren die Preise entsprechend.
  • Prozedere an der Grenze: An der thailändischen Seite erhältst du deinen Ausreisestempel und gehst dann zu Fuß hinüber zur kambodschanischen Seite. Ignoriere den „Quarantine Officer“. Es gibt keine verpflichtende Gesundheitsuntersuchung für die Einreise nach Kambodscha. Wenn du ein Visum hast, geh direkt zum Schalter „Arrivals“. Falls du ein Visum-on-Arrival brauchst, musst du dich zuerst beim Schalter „Cambodia Visa Service“ anstellen. Nachdem du deinen Stempel hast, kannst du dich aufmachen, deinen Bus zu suchen bzw. darauf warten, dass deine Mitreisenden fertig werden.

Unsere Tipps zu Phnom Penh

  • Unterkunft: Sowohl über Booking als auch über AirBnB findest du zahlreiche Unterkünfte in Phnom Penh. Uns ist es wichtig, relativ zentral zu wohnen. Wenn der Nachtmarkt in der Nähe ist, ist das nicht verkehrt. Unsere Empfehlung: such dir eine Unterkunft in der Nähe vom Fluss. Die abendliche Atmosphäre dort ist wunderschön. Wir haben es immer genossen, unsere Tage am Flussufer ausklingen zu lassen.
  • Sehenswürdigkeiten: Wie oben geschrieben, fanden wir den Königspalast etwas enttäuschend. Dafür hat uns Wat Phnom mit seiner eigenartigen Atmosphäre sehr gut gefallen. Das Nationalmuseum von Kambodscha bietet Einblick in Geschichte und Kunst. An die Schreckensherrschaft der Roten Khmer erinnern die Killing Fields etwas außerhalb von Phnom Penh und das ehemalige Gefängnis S21, heute Tuol-Sleng-Genozid-Museum.
  • Herumkommen: Je nachdem wo du wohnst, kannst du einen Teil der Sehenswürdigkeiten zu Fuß besuchen. Für weiter entfernte Ziele findest du überall Tuktuks bzw. Remorques. Du solltest auf jeden Fall über den Fahrpreis handeln.
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8 Kommentare bei „Auf dem Landweg von Thailand nach Phnom Penh, Kambodscha“

  1. Eure Reisebericht zu lesen macht immer so viel Spaß. Die sind so lebendig geschrieben, als würde ich mitmachen reisen. Vielen Dank dafür.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Daniela

    1. Vielen Dank, liebe Daniela, das freut uns sehr!

  2. Liebe Gina,
    danke für den schönen Bericht und die tollen Eindrücke. Ich war noch nie in Asien und freue mich immer über so detailgetreue Erzählungen. Danke auf für die tollen Tipps, die eine Reiseplanung um so vieles erleichtern.
    LG Charnette

    1. Liebe Charnette,

      das freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Es war auch für uns das erste Mal in Asien. Wir fanden es mega interessant.

      Liebe Grüße Gina

  3. Liebe Gina,
    ich finde Asien echt total spannend – leider war ich selbst aber noch nie in Südostasien, nur eben mal im Nahen Osten. Wenn ich mal eine Reise dorthin planen sollte, dann weiß ich, dass ich bei euch sicherlich fündig werde, was viele Tipps und Hacks betrifft. Ihr habt ja so viel erlebt auf eurer Weltreise und natürlich auch ganz tolle Beiträge verbloggt. Danke für den schönen Pool an super Beitrgen.
    GLG Anita

    1. Liebe Anita,

      ja, Südostasien ist schon spannend. Es war für uns unser erster Aufenthalt dort, so waren wir vorher auch ein bisschen aufgeregt.
      Vielen Dank für das dicke Lob, wir freuen uns, dass du unsere Berichte hilfreich findest.

      LG
      Gina und Marcus

  4. Oh da bin ich auch schon eingereist. Ist aber schon ne ganze Weile her, so 15 Jahre oder so 😉 Digitalisierung war da noch nicht gang und gäbe, Bestechungsgeld aber schon. „Schön“ zu sehen, dass sich manches nie ändern wird. Reisen ist und bleibt ein Abenteuer.

    1. Hallo Eva,

      genau dieses Abenteuer lieben wir ja alle beim Reisen. Und wie langweilig wenn auf der ganzen Welt alles so laufen würde, wie wir es von zu Hause gewohnt sind.

      Liebe Grüße Gina

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