Kajak fah­ren in Chi­le – das wol­len wir uns als Padd­ler natür­lich nicht ent­ge­hen las­sen.

Nach­dem wir uns eini­ge Tage in Val­pa­rai­so akkli­ma­ti­siert haben, geht es mit dem Nacht­bus wei­ter Rich­tung Süden. Wir errei­chen den klei­nen Urlaubs­ort Pucón am frü­hen Mor­gen. Nach­dem wir uns in unse­rem Hos­tal ein­ge­rich­tet haben, schlen­dern wir für einen ers­ten Erkun­dungs­gang durch den Ort. Die Holz­häu­ser mit den Veran­den und Vor­dä­chern, die die Haupt­stra­ße säu­men, las­sen das Städt­chen wie einen Wild-West-Ort wir­ken. Über dem Ort thront majetä­tisch der Vul­kan Vil­la­ri­ca.

Pucón, das Out­door-Zen­trum Chi­les

Hier ist das Out­door-Zen­trum Chi­les. Über­all wer­den Akti­vi­tä­ten ange­bo­ten, allen vor­an die Bestei­gung des Vul­kans Vil­la­ri­ca, aber auch ande­re Trek­king­tou­ren sowie Raf­ting und Aus­flü­ge. Unser Weg führt uns zu der Agen­tur von Ben May, einem Eng­län­der, der seit Jah­ren schon in Chi­le wohnt und pad­delt und der uns von einem Freund emp­foh­len wur­de. Die Wild­was­ser­ka­jaks, die auf dem Bür­ger­steig vor Bens Laden her­um­lie­gen las­sen uns unser Ziel schnell fin­den.

Da die Sai­son gera­de erst beginnt, ist es unpro­ble­ma­tisch, für den nächs­ten Tag eine Kajak­tour zu buchen. Ben zeigt uns die Fluss­ab­schnit­te auf dem Rio Liucu­ra: der obe­re Abschnitt bie­tet 12 Kilo­me­ter Wild­was­ser I – II, der dar­auf fol­gen­de 12 Kilo­me­ter III. Na gut, gibt Ben zu, die Kate­go­rie ist chi­le­nisch III, nach euro­päi­schen Maß­stä­ben wäre auch die eine oder ande­re IVer Stel­le dabei. Das trau­en wir uns zu, ins­be­son­de­re, da pro zwei Padd­ler je ein Gui­de mit­fährt.

Nach­dem Ben uns ver­si­chert hat, dass der obe­re Abschnitt wirk­lich leicht ist, ent­schließt sich auch Vic­to­ria zum Kajak fah­ren. Für den schwe­re­ren zwei­ten Teil wird sie mit Ben im Zwei­er-Kajak Jack­son Duo fah­ren. Und als Schman­kerl kön­nen wir noch dazu buchen, dass einer mit Helm­ka­me­ra im Ducky mit­fährt und Vide­os und Fotos von unse­rem Aben­teu­er macht. Per­fekt!

Kajak fah­ren auf dem Rio Liucu­ra

Am nächs­ten Mor­gen ste­hen wir pünkt­lich bei Ben im Laden und bekom­men unse­re Pad­del­aus­rüs­tung ange­passt. Alles ist moder­nes, hoch­wer­ti­ges Mate­ri­al. Es gibt gute Wild­was­ser­ka­jaks und Sweet Hel­me und Wer­ner Car­bon­pad­del!

Auch vier pas­sen­de Kajaks sind schnell gefun­den. Die Boo­te wer­den auf einen Jeep gesta­pelt, das Mate­ri­al und die Gui­des tei­len sich den Lade­raum. Wir dür­fen mit Ben in der Pas­sa­gier­ka­bi­ne mit­fah­ren.

Bei herr­lichs­tem Son­nen­schein ver­las­sen wir Pucón und fah­ren in die Ber­ge hin­auf. An einer Stra­ßen­brü­cke ist der Ein­stieg. Schon beim Umzie­hen mer­ken wir, dass Pfer­de­flie­gen-Sai­son ist: Dicke schwarz­ro­te Stech­flie­gen brum­men stän­dig um uns her­um. Zum Glück sind sie lang­sam und schwer­fäl­lig. Unter stän­di­gem Flie­gen-Ver­scheuch-Gefuch­tel pel­len wir uns in unse­re Pad­del­kla­mot­ten. Unter der Brü­cke set­zen wir bei ruhi­gem Was­ser ein und machen uns mit den Boo­ten ver­traut.

vier bunte Kajaks auf ruhigem Fluss in Chile

Auf ruhi­gem Was­ser pad­deln wir uns ein

Mit von der Par­tie sind der eng­li­sche Gui­de Adam und der chi­le­ni­sche „Prak­ti­kant“ Gigio, letz­te­rer offi­zi­ell zustän­dig für das Ein­sam­meln von Pad­deln nach Ken­te­run­gen.

Das Was­ser des Rio Liucu­ra ist glas­klar, die Ufer mit sat­tem Grün bewach­sen. Bei flot­ter, ste­ti­ger Strö­mung pad­deln wir hin­un­ter. Immer wie­der sor­gen klei­ne Schwäl­le mit net­ten Wel­len oder im Fluss lie­gen­de Bäu­me für Abwechs­lung. Im Hin­ter­grund ist immer der Vil­la­ri­ca oder ein ande­rer Vul­kan zu sehen. Am ers­ten Schwall spie­len wir ein wenig von Kehr­was­ser zu Kehr­was­ser und Adam kann sich davon über­zeu­gen, dass unse­re Tech­nik gut genug ist. Die Pfer­de­flie­gen-Pla­ge sorgt für skur­ri­le Sze­nen: Jori­na fuch­telt stän­dig mit dem Pad­del über dem Kopf, hin­ter der mit stoi­scher Ruhe pad­deln­den Vic­to­ria bil­det sich eine schwar­ze Wol­ke. Die Gui­des fan­gen immer wie­der Flie­gen mit den Hän­den und zei­gen sie den Mäd­chen.

Vier Kajaks auf dem Fluss, im hintergrund der Vulkan

Kajaks vor dem Vul­kan

An einer Stel­le kommt in einer schar­fen Kur­ve von der Außen­sei­te ein Zufluss, der als brei­ter Was­ser­fall her­un­ter­stürzt und uns das sur­rea­lis­ti­sche Gefühl ver­mit­telt, gegen den Strom zu pad­deln, ohne die Rich­tung geän­dert zu haben.

Paddlerin mit Füßen auf dem Deck des Kajaks

Ent­spannt bis zur Pau­se trei­ben las­sen

Nach zwölf Kilo­me­tern errei­chen wir die Pau­sen­stel­le. An Pick­nick­ti­schen wird ein reich­hal­ti­ger Lunch auf­ge­tischt: dick beleg­te Sand­wi­ches, Joghurt, Kek­se und Geträn­ke.

Rio Liucu­ra mit dem Kajak Teil 2 – es wird sport­lich

Nun steigt Vic­to­ria in den Kajak-Duo zu Ben um, auch der Kame­ra­mann in sei­nem Ducky ist ab jetzt mit dabei. Wir fah­ren durch weiß schäu­men­de, wuch­ti­ge und teil­wei­se ver­block­te Kata­rak­te. An einer schö­nen Spiel­stel­le hal­ten wir uns eine Wei­le auf. Da die Jungs hier mal den Duo rich­tig aus­tes­ten wol­len, tauscht Vic­to­ria ihren Platz mit Adam. Ben und Adam tra­ver­sie­ren, sur­fen und rol­len den Duo sogar.

Victoria sitzt auf einem Fels im Fluss Rio Liucura in Chile

Chil­len auf dem Fels. Die klei­ne Meer­jung­frau lässt grü­ßen…

Marcus im Kajak in weißschäumender Welle

Mar­cus tobt sich in der Wel­le aus

Danach geht es in der bis­he­ri­gen Beset­zung wei­ter, es fol­gen die nächs­ten Kata­rak­te. Vic­to­ria lässt mit Ben kei­nen Boofstein, kei­ne Action-Line aus. Für uns ist jede Linie eigent­lich Action-Line und Boofstei­ne wer­den höchs­tens aus Ver­se­hen mit­ge­nom­men.

Zwi­schen­durch gibt es immer wie­der ruhi­ge Abschnit­te zum Land­schaft-Gucken und Vul­ka­ne-Zäh­len.

Weiß schäu­men­des Was­ser zeigt den Zufluss des Rio Tran­cu­ra an, der mit dicken Wel­len und viel Druck in den Liucu­ra fließt. Im Kehr­was­ser wird die Linie bespro­chen, der Action-Plan sieht vor, in die Strö­mung des Tran­cu­ra hin­ein zu tra­ver­sie­ren, bis man die hohen Wel­len in der Mit­te erreicht hat und sich dann davon run­ter tra­gen zu las­sen. Ich fin­de, dass die Ver­schnei­dungs­zo­ne davor recht unfreund­lich aus­sieht und über­las­se die Action den Hel­den, wäh­rend Jori­na und ich uns erst­mal rechts vor­bei­mo­geln, um erst wei­ter unten in die hier immer noch hohen Wel­len zu fah­ren – gro­ßes Kino!

rotes Kajak in weißschäumenden Wellen

Gro­ße Wel­len brin­gen viel Pad­del-Ver­gnü­gen

Vor dem letz­ten gro­ßen Kata­rakt wird noch ein­mal bera­ten. Adam sagt, wenn wir genau sei­ner Linie fol­gen, wäre es gar kein Pro­blem. Das klingt nicht gut. Es gibt eine Chi­cken-Line am lin­ken Ufer, aber die sieht sehr stei­nig aus. Also doch mit­ten durch.

grünes Zweier-Kajak fährt durch die Wellen des Rio Liucura in Chile

Mit­ten durch!

Adam rät uns, uns am Anfang des Kata­rakts nicht zu sehr zu ver­aus­ga­ben, da er sich über sei­ne 800 Meter Län­ge ste­tig stei­gert. Ben mit Vic­to­ria fährt vor, gefolgt von Mar­cus. Dann star­tet Adam und Jori­na und ich fol­gen ihm. Es geht durch dicke Wel­len, Wal­zen, über­spül­te sehr gro­ße Stei­ne mit danach fol­gen­den bösen Löchern, die wir meist ver­mei­den kön­nen.

rotes Kajak verschwindet fast in der Gischt

Action in der Wal­ze

Kurz vor dem Ende des Kata­rakts steht eine gro­ße Wal­ze. Jori­na vor mir kann sich seit­lich vor­bei­mo­geln, aber ich bin zu weit in der Mit­te – ich muss durch. Ich gebe Gas, ducke mich aufs Vor­der­deck – geschafft! Mit dem typi­schen brei­ten Padd­ler-Grin­sen im Gesicht schau­keln wir den letz­ten Teil der Stre­cke run­ter.

Katarakt auf dem Rio Liucura wird von einer Reihe Kajaks befahren

Nach dem Kata­rakt geht es ent­spann­ter wei­ter

Gina leert ihr Kajak aus und strahlt

Und da ist es wie­der: die­ses brei­te Grin­sen nach einem action­rei­chen Pad­del­tag

Am Aus­stieg war­tet schon der Fah­rer mit dem Jeep auf uns. In der typisch latein­ame­ri­ka­nisch-aben­teu­er­li­chen Manier wer­den die Kajaks aufs Auto­dach gesta­pelt und fest­ge­zurrt. Und für Gigio gab’s gar kei­ne Pad­del ein­zu­sam­meln.

weißer Jeep mit vielen Kajaks auf dem Dach

alles gut ver­staut

Unse­re Tipps zum Kajak fah­ren in Chi­le

  • der obe­re Teil des Rio Liucu­ra ist auch für Anfän­ger gut geeig­net. Wenn dir ein Kajak zu wack­lig ist, kannst du die Stre­cke auch im Ducky pad­deln, das ist ein sta­bi­les Schlauch­boot.
  • sowohl für den Liucu­ra als auch für den Tran­cu­ra wer­den auch Raf­ting­tou­ren ange­bo­ten. Auch die kannst du als Anfän­ger gut machen, schließ­lich sitzt ein erfah­re­ner Gui­de im Boot
  • die Agen­tur von Ben May ist an der Haupt­stra­ße in Pucón. Bei ihm hat­ten wir wie oben beschrie­ben erst­klas­si­ges Mate­ri­al.
  • es gibt noch min­des­tens eine wei­te­re Agen­tur, die Pad­del- und Raf­ting­tou­ren anbie­tet. Da ich über deren Aus­rüs­tung nicht Bescheid weiß, rate ich dir, das Mate­ri­al genau anzu­schau­en. Das wich­tigs­te auf Wild­was­ser, egal ob du pad­deln oder raf­ten willst, ist eine gute sit­zen­de Schwimm­wes­te (die dir nicht über die Ohren rutscht) und ein robus­ter Helm, der Stirn und Schlä­fen schützt und nicht ver­rutscht.