Die Car­re­te­ra Aus­tral, auch heu­te zum größ­ten Teil noch Schot­ter­stra­ße, wur­de von Pino­chet in den 1970er Jah­ren 1200 Kilo­me­ter durch das chi­le­ni­sche Pata­go­ni­en geschla­gen und erschließt so den „Gro­ßen Süden“. Vor­her gab es noch kei­ne durch­ge­hen­de Stra­ßen­ver­bin­dung.

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Car­re­te­ra Aus­tral

Wir haben bei der Rei­se­pla­nung lan­ge über­legt, ob wir uns die­se Stre­cke zutrau­en. Schließ­lich haben wir bis­her kei­ner­lei Erfah­rung mit Fah­ren auf Schot­ter­pis­ten. Aber als ich eines Tages einen Rei­se­be­richt über das chi­le­ni­sche Pata­go­ni­en las, mit Bil­dern vom Lago Gene­ral Car­re­ra, der in einem unglaub­li­chen Blau leuch­te­te, fiel die Ent­schei­dung: „Da muss ich hin!“

Kurz hin­ter Puer­to Montt endet der Asphalt­be­lag und es geht auf guter Schot­ter­stra­ße bis La Are­na. In La Are­na befin­det sich die ers­te Fähr­ver­bin­dung, der Relon­ca­ví-Fjord wird gekreuzt. Rechts der Pazi­fik mit ein paar vor­ge­la­ger­ten Inseln, links das steil bewal­de­te Ufer, in dunk­len Blau­grau-Tönen im Gegen­licht. Dahin­ter recken sich schnee­ge­krön­te Anden­gip­fel. Lan­ge, waa­ge­rech­te Wol­ken­schlei­er lie­gen auf hal­ber Höhe vor dem Ufer und schaf­fen eine mys­ti­sche Atmo­sphä­re.

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Fähr­ram­pe in La Are­na

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Relon­ca­ví-Fjord

Die Stra­ße wird nun holp­ri­ger. Ab und zu liegt eine Brü­cke über einem klei­nen Bach­lauf, die über ein paar Boh­len­bret­ter gequert wer­den muss. Der dich­te Regen­wald wächst bis an die Stra­ße her­an. Nal­cas mit ihren rie­si­gen Blät­tern, die wie über­di­men­sio­nier­te Rha­bar­ber­pflan­zen aus­se­hen, säu­men den Rand. Die hell­grü­nen Blatt­flä­chen sind mit grau­em Stra­ßen­staub über­pu­dert.

 

Gegen Nach­mit­tag errei­chen wir den Ort Hor­n­opi­rén, von dem aus die nächs­te Fähr­ver­bin­dung star­tet.

Klei­ne Holz­häus­chen, in den Vor­gär­ten wach­sen präch­ti­ge Hor­ten­si­en und Aza­le­en, eine nied­ri­ge Kir­che und auf dem zen­tra­len Platz ein sti­li­sier­ter Weih­nachts­baum aus Dräh­ten und Gir­lan­den. In der gro­ßen Bucht lie­gen klei­ne Fisch­kut­ter vor Anker. Ein Hub­schrau­ber fliegt den gan­zen Nach­mit­tag über dem Ort hin und her und trägt einen Trans­port­be­häl­ter mit Lach­sen unter sich.

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Lach­se frisch vom Hub­schrau­ber

Am nächs­ten Mor­gen stel­len wir uns brav in der Auto­schlan­ge an der Fäh­re an. Meh­re­re klei­ne LKWs, diver­se Pick­ups mit teils aben­teu­er­li­cher Bela­dung, ein Wohn­mo­bil, Motor­rä­der und Fahr­rä­der sind unter­zu­brin­gen. Um alle auf der knap­pen Flä­che unter­zu­brin­gen, beginnt nun ein Auto-Tetris, in des­sen Zuge hin- und her ran­giert wird, Plät­ze wie­der getauscht wer­den, bis alles passt. Zu kei­ner Zeit tritt Hek­tik auf, in aller Gemüts­ru­he sind meh­re­re Arbei­ter beschäf­tigt, bis nach einer Stun­de alles unter­ge­bracht ist. Für uns ein unter­halt­sa­mes Schau­spiel, das wir vom obe­ren Deck bequem ver­fol­gen kön­nen.

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Bucht von Hor­n­opi­ren

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Das Auto-Tetris ist been­det – gleich geht’s los!

Vier Stun­den geht die Fahrt über den Comau-Fjord. Im tief­blau­en Was­ser spie­len ab und zu ein paar Pin­gui­ne. Die Anle­ge­stel­le ist tat­säch­lich nur eine Ram­pe im Urwald. Ein Holz­schild mit der hilf­rei­chen Auf­schrift „Ram­pa Lep­t­e­pú“, das gera­de noch aus dem Grün ragt und eine Art Unter­stand dane­ben bil­den die gesam­te Infra­struk­tur.

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Hier geht es noch mal über zehn Kilo­me­ter Schot­ter­stra­ße durch den Urwald, bis man den Anschluss an die zwei­te Fäh­re die­ser Ver­bin­dung bekommt. In einer gro­ßen Staub­wol­ke rollt die Fahr­zeug­ko­lon­ne über die Halb­in­sel. In Cale­ta Gon­za­lo endet die Über­fahrt. Auch hier fin­det sich kein Ort, son­dern nur die Anle­geram­pe der Fäh­re und ein Infor­ma­ti­ons­ki­osk über den hier begin­nen­den Natur­park Par­que Pumalín. Dies ist das größ­te pri­vat geschaf­fe­ne Natur­schutz­ge­biet welt­weit und der Grund, war­um bis­her noch kei­ne Stra­ßen­ver­bin­dung nach Chaitén führt.

Die Schot­ter­stra­ße führt mit­ten durch den Par­que Pumalín. Rie­si­ge Far­ne und Nal­cas säu­men den Rand, dahin­ter wach­sen hoch auf­ra­gen­de Aler­cen. Die ältes­ten die­ser Urwald-Unge­tü­me wer­den auf 3000 Jah­re geschätzt und haben bis zu drei Meter dicke Stäm­me.

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Aler­cen

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wie Ali­ce im Wun­der­land

wei­ter Rich­tung Chaitén

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