Für vie­le Men­schen ist es nur schwer vor­stell­bar, Weih­nach­ten woan­ders als zu Hau­se zu ver­brin­gen. Und wenn doch, dann bit­te zum Ski­ur­laub in die Ber­ge mit weih­nacht­li­cher Schnee­ku­lis­se rund­um.

Wir star­te­ten am Hei­lig­abend unse­re Chile-Reise.Um halb fünf Uhr nach­mit­tags ver­lie­ßen wir mit Kof­fer und Ruck­sack unser Haus, wäh­rend rings­um bei den Nach­barn hei­me­li­ge Weih­nachts­be­leuch­tung erstrahl­te und die Besche­rung im Gan­ge war. Das freu­di­ge Krib­beln am Anfang einer Rei­se über­strahl­te ein leich­tes Bedau­ern wegen ver­pass­ter Hei­lig­abend-Fei­er.

geschmückter Weihnachtsbaum mit Geschenken darunter

Weih­nachts­baum und Geschen­ke­flut – die­ses Jahr nicht für uns.

Im Bus, der uns zum Bahn­hof brach­te, waren wir die ein­zi­gen Fahr­gäs­te. Es ent­spann sich sofort ein net­tes Gespräch mit dem Bus­fah­rer, ganz anders als an All­tags­ta­gen. Mit dem Zug ging es wei­ter zum Frank­fur­ter Flug­ha­fen. Sowohl im Bahn­hof als auch im Flug­ha­fen mach­te sich Hei­lig­abend vor allen Din­gen durch geschlos­se­ne Läden bemerk­bar.

Weih­nach­ten über den Wol­ken

Der Flug, der am spä­ten Hei­lig­abend star­te­te hat­te über­haupt nichts Weih­nacht­li­ches. Die Crew trug weder rote Niko­laus­müt­zen noch wur­den Scho­ko-Weih­nachts­män­ner ver­teilt. So gab es kei­ne Weih­nachts­stim­mung, aber auch nicht das Gefühl, Weih­nach­ten in 10.000 Metern Höhe über dem Atlan­tik zu ver­pas­sen.

Nach dem Umstieg in Bue­nos Aires lan­de­ten wir am ers­ten Weih­nachts­tag im som­mer­li­chen San­tia­go de Chi­le. Unse­re Toch­ter, die seit einem Jahr in Chi­le stu­dier­te, erwar­te­te uns schon. Nun noch eine Stun­de Bus­fahrt, dann hat­ten wir unser Ziel Val­pa­rai­so erreicht.

Weih­nach­ten in Val­pa­rai­so

Das war­me Wet­ter und der strah­len­de Son­nen­schein waren für uns eine unwirk­li­che Weih­nachts­at­mo­sphä­re. Ein Blick aus dem Fens­ter unse­rer Pen­si­on zeig­te uns jedoch Häu­ser, die mit klei­nen Klet­ter­ni­ko­läu­sen geschmückt waren – und dahin­ter der Blick aufs blaue Meer.

flache Häuser mit Kletternikoläusen, dahinter das Meer

Win­zi­ge Klet­ter-Niko­läu­se und blau­es Meer

Über­all fan­den wir Weih­nachts­de­ko­ra­tio­nen. Die Christ­bäu­me waren, dem Kli­ma geschul­det durch­weg aus Plas­tik, dafür aber sehr bunt und glit­ze­rig geschmückt. Selbst in der schlich­ten Tal­sta­ti­on des Ascen­sors (Stand­seil­bahn) thron­te ein bun­tes Bäum­chen auf dem Kas­sen­haus.

Kassenhaus mit kleinem Plastik-Weihnachtsbaum

Weih­nachts­de­ko überm Kas­sen­häus­chen

Der Weih­nachts­spa­zier­gang fand bei Son­ne und mil­dem Wind an der Pro­me­na­de am Meer ent­lang statt. Dar­an könn­te ich mich durch­aus gewöh­nen, ich bin ja kein Schnee- und Käl­te­fan.

Marcus, Victoria und Gina an der Hafenpromenade

Son­ne, Meer und mil­de Tem­pe­ra­tu­ren am Weih­nachts­tag

In der WG-Woh­nung unse­rer Toch­ter kamen wir abends mit ihren Stu­den­ten-Freun­den zu einem fröh­li­chen Weih­nachts­es­sen zusam­men. Die Besche­rung fiel beschei­den aus, da ja alles trans­por­tiert wer­den muss­te. Aber das war nicht schlimm, im Gegen­teil. Wie oft bekla­gen wir zu Hau­se die Geschen­ke­flut, die sich nur schwer ein­däm­men lässt.

Bei der Hafen­rund­fahrt beka­men wir einen schwer­ge­wich­ti­gen See­lö­wen auf roter Ton­ne statt schwer­ge­wich­ti­gem Weih­nachts­mann in roter Robe vor die Lin­se:

Seelöwe auf roter Tonne

Hoho­ho – oder doch nicht?

Weih­nach­ten im Süden Chi­les

In den ein­fa­chen Hos­tels stand manch­mal eine klei­ne Krip­pe aus hüb­schen Ton­fi­gu­ren, so wie die­se in unse­rer Unter­kunft in Pucón:

Einfache Krippe mit Tonfiguren

Ein­fa­che Krip­pe mit Ton­fi­gu­ren

Spä­ter, als wir wei­ter süd­lich im rela­tiv armen Pata­go­ni­en reis­ten, waren auch die Weih­nachts­de­kos recht beschei­den. Auf dem Dorf­platz ein Metall­ge­stell, das in der Form grob an eine Tan­ne erin­nert, mit ein paar spär­li­chen Glit­zer­gir­lan­den umwun­den – fer­tig ist der Weih­nachts­baum. Dafür gab es aber strah­len­des Som­mer­wet­ter. Und einen Vul­kan als Kulis­se. Auch schön.

Metallgestell mit ein paar bunten Girlanden

Erst auf den zwei­ten Blick als Weih­nachts­baum zu erken­nen

Vulkan und ins Bild ragender Ast einer Araukarie

Nadel­ge­wächs und Vul­kan

Unser Fazit: wir haben kei­ne weih­nacht­li­che Roman­tik ver­misst. Die vie­len neu­en Ein­drü­cke einer süd­ame­ri­ka­ni­schen Groß­stadt waren viel zu auf­re­gend, um bedau­ernd an zu Hau­se zu den­ken. Die meist kit­schi­gen Dekos wirk­ten auf uns eher skur­ril. Dadurch, dass das Wet­ter som­mer­lich war waren wir stim­mungs­mä­ßig im Som­mer, so dass gar kei­ne Gedan­ken: „Wie scha­de, wir kön­nen gar nicht gemüt­lich Weih­nach­ten fei­ern!“ auf­ka­men. Weih­nacht­li­che Atmo­sphä­re ist für uns mit grau­em, küh­lem Wet­ter und viel Dun­kel­heit ver­bun­den. Dann schaf­fen Ker­zen und Lich­ter­ket­ten Gemüt­lich­keit. Unter süd­li­cher Son­ne genie­ßen wir das Leben auch ohne Weih­nachts­stim­mung.