Die Felsenstadt Petra – Jordaniens Weltwunder

Das Schatzhaus in Petra

Keine Reise nach Jordanien, ohne die legendäre Felsenstadt Petra zu besuchen. Die ehemalige Hauptstadt der Nabatäer ist UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den sieben neuen Weltwundern.

Für den Besuch von Petra haben wir uns zwei Tage reserviert. Das Gelände ist weitläufig, wir werden einige Kilometer zu Fuß zurücklegen und es gibt viel zu sehen.

Der erste Tag in Petra

Wir finden mühelos einen Parkplatz am Eingang zum Besucherzentrum Petra. (Wenn wir auch unter kreativer Auslegung von Verkehrsregeln dorthin gelangen. Aber das ist normal beim Autofahren in Jordanien.) Vom Busparkplatz strömen schon Reisegruppen, denn Petra ist natürlich das Must-See für alle Rundreisen in Jordanien.

Hinter der Eingangskontrolle warten zahlreiche Pferdebesitzer darauf, die Touristen zu einem Ritt bis zum Siq zu überreden. Wir lehnen dankend ab und machen uns zu Fuß auf den Weg.

Entlang der Strecke sind schon die ersten Felsengräber von Petra zu bewundern. Würfelförmige Gebilde auf der einen Seite, das Obeliskengrab auf der anderen.

Das Obeliskengrab auf dem Weg nach Petra
Das Obeliskengrab auf dem Weg nach Petra

Nach etwa einer Viertelstunde erreichen wir den Eingang des Siq, eine schmale Felsenschlucht, die ins eigentliche Petra hineinführt. Eng rücken die Feldwände zusammen. In wunderschönen Rot- und Brauntönen leuchten sie warm im Sonnenlicht, das durch den schmalen Spalt vom Himmel hereinfällt.

Der Reiseführer empfiehlt, möglichst früh morgens hier zu sein, um den Siq in seiner Einsamkeit genießen zu können. Wer uns kennt weiß, dass Frühaufstehen nicht unser Ding ist. So beginnt unsere Erkundung von Petra erst gegen neun Uhr. Dennoch haben wir den Siq abschnittsweise für uns alleine und können die Atmosphäre auf uns wirken lassen.

Enger Durchgang zwischen Felswänden im Siq nach Petra
Eng rücken die Felswände im Siq zusammen
In den Fels geschlagenene Wasserrinne
Alte Wasserleitung der Nabatäer

An den Seiten der Felswände erkennen wir Reste der Wasserleitungen, mit denen die Nabatäer die Felsenstadt mit dem lebenswichtigen Nass versorgten. Stellenweise ist noch das alte nabatäische Pflaster erhalten.

Am eindrucksvollsten ist jedoch die Felslandschaft an sich. Die mächtigen Wände, die hoch über unsere Köpfe aufragen und uns klein und unbedeutend fühlen lassen.

Ab und zu rumpelt eine Pferdekutsche vorbei. Wir bezweifeln, dass die holprige Fahrt ein Vergnügen für die Insassen ist. Wenig beneidenswert ist auch der Job der Pferdemist-Aufkehrer, die an mehreren Stellen im Siq positioniert sind.

Das Schatzhaus des Pharao in Petra – Khazne Faraun

Und dann kommt er: der Moment, wenn man das Ende des Siqs erreicht und die Wände den Blick auf das legendäre Schatzhaus freigeben. Der Inbegriff von Petra, ein Bild was wir schon vielfach gesehen haben und was dennoch überwältigend ist.

Blick zwischen den Felswänden auf das Schatzhaus von Petra
Die Felswände öffnen sich und geben den Blick auf das Schatzhaus frei

Es ist halb zehn und die Sonne bescheint etwa die obere Hälfte des Gebäudes. Auf dem Platz davor tummeln sich Touristen, Beduinen und Kamele. Die Bezeichnung Schatzhaus erhielt es, weil Beduinen Schätze darin vermuteten. Allerdings fanden sich keinerlei Kostbarkeiten. Offensichtlich diente es den Nabatäern als Grab und später eventuell als Tempel.

Der Eintritt in das Gebäude ist nicht möglich. Das ist aber nicht schade, denn der Zauber geht von der prächtigen Fassade aus.

Wir schlagen alle Angebote zum Kamelreiten, Eselreiten und geführten Wanderungen in geheime Ecken Petras aus und suchen uns eine stille Ecke. Dort setzen wir uns hin und lassen den Anblick auf uns wirken. Schließlich hat sich die Sonne so weit empor geschwungen, dass die gesamte Fassade des Schatzhauses in rötlicher Pracht erstrahlt.

sonnenbeschienene Fassade des Schatzhauses
Das Schatzhaus in voller Pracht

Zum Hohen Opferplatz – tolle Aussicht über Petra

Weiter geht es durch den Äußeren Siq, auch Straße der Fassaden genannt. Überall in den Felswänden um uns herum können wir Grabfassaden bewundern. Wir gelangen an einen breiteren Platz, wo Souvenirverkäufer und Imbissbuden um die Gunst der Besucher Petras ringen.

Die meisten Gruppen gehen weiter geradeaus und folgen der Straße zum Stadtzentrum von Petra oder biegen hier rechts ab zu den Königsgräbern. Wir entscheiden uns für die Treppen, die links in eine Schlucht emporführen. Die Stufen sind in recht gutem Zustand und führen serpentinenartig in die Höhe. Immer wieder bieten sich Ausblicke nach unten ins Tal von Petra, wo uns Menschen und Tiere winzig vorkommen.

Stufen durch Schlucht zum Hohen Opferplatz
Schon ganz schön hoch hinaufgestiegen auf dem Weg zum Hohen Opferplatz

An einem einfachen Cafeteria-Stand gabelt sich der Weg, ein Schild weist nach rechts zum Hohen Opferplatz. Ein Beduine auf einem Esel ermutigt uns lautstark, den Anstieg zu machen. Wie viele seiner Kollegen hier in Petra hat er etwas von Jack Sparrow an sich: lange, schwarze Locken unter einem Kopftuch, Khol-umrandete Augen.

Über ausgetretene Stufen steigen wir hinauf, bis wir den Hohen Opferplatz erreichen. Neben einer Zisterne können wir in den Fels gehauene Opferaltäre der Nabatäer erkennen. Ein Beduine, der hier seine Souvenirs verkauft spricht uns an – auf Deutsch! Wir unterhalten uns eine Weile mit ihm. Es ist immer wieder erstaunlich für mich, wie gut Menschen, die mit Touristen zu tun haben, die Sprachen aufschnappen und lernen.

Gina und Victoria auf dem Hohen Opferplatz
Aussicht vom Hohen Opferplatz

Gefräßige Esel und süßer Tee

An der Spitze des Felsplateaus, auf dem sich der Hohe Opferplatz befindet liegt ein Aussichtspunkt mit grandioser Sicht über das Tal von Petra. Als wir ihn erreichen, liegt im Schatten einer Felswand ein Esel, alle Viere von sich gestreckt und rührt sich nicht. Ist das normales Esel-Verhalten? Wir machen uns Sorgen um das arme Tier.

Wenig später sitzen wir vorne an der Felskante und genießen die Aussicht über Petra. Da fällt von hinten ein Schatten über uns – der Esel! Offensichtlich wieder munter will er mal gucken, ob wir was zu essen für ihn haben. Victoria schließt geistesgegenwärtig den Deckel der Dose mit den Nüssen, die wir gerade naschen. Der Esel ist nicht wählerisch und schnappt sich den Prospekt über Petra, den wir am Eingang erhalten haben. Ich bringe unseren Reiseführer in Sicherheit, während das Grautier den ganzen Prospekt verspeist.

Gina und Esel
Neugieriger Esel auf Futtersuche
Beduine hockt auf Felsvorsprung in Petra
Jack Sparrow lässt grüßen

Der Besitzer des Esels ist der Jack-Sparrow-Beduine, den wir vorhin getroffen haben. Er winkt uns hinüber zum Teestand seiner Kusine. Während wir den süßen, aromatischen Tee genießen schlägt er uns vor, am nächsten Tag eine Wanderung zum Ad Deir Kloster zu machen. Er würde uns Backcountry durch die Berge führen. Die Strecke sei weniger anstrengend und schöner als die 850 Stufen aufzusteigen, die der übliche Weg zum Kloster sind. Das holländische Paar, das bei ihm sitzt bestätigt es. Sie haben die Tour gestern gemacht. Also verabreden wir uns für den nächsten Morgen mit Tofek.

Abstieg vom Hohen Opferplatz nach Petra

Der weitere Weg soll uns in großem Bogen hinunter führen. Das Ziel ist der Qasr Al Bint, der ehemalige Haupttempel von Petra unten im Tal. Über unregelmäßige und steile Stufen geht es abwärts. Am Löwenbrunnen wären wir fast vorbei gelaufen, hätte uns die Händlerin davor nicht darauf aufmerksam gemacht. Dem in die Felswand gemeißelten Löwen fehlt heute der Kopf, aus dem zu Zeiten der Nabatäer das Wasser floss. Als die Beduinin hört, dass wir Deutsche sind, preist sie ihre Waren mit „Guck mal hier!“ an. Wir belohnen diese sprachliche Würdigung, indem wir ihr einige Postkarten abkaufen.

Relief eines großen Löwen in der Felswand von Petra
Kopfloser Löwenbrunnen
Steile Treppen führen an der Felswand hinab
Über steile Treppen hinab ins Wadi Farasa

Das Wadi Farasa, durch das wir nun gehen beeindruckt mit bunten, in Rot- und Brauntönen geäderten Felswänden. Vorbei am Gartentempel und dem Grabmal des Soldaten erreichen wir das Triklinium, dessen Wände mit Halbsäulen dekoriert sind. Auch hier sind sie wunderschön vielfarbig durchzogen.

Bunte Felswand im Wadi Farasa
Bunte Felswand im Wadi Farasa
Blick aus Felshöhe mit mächtigen Stützpfeilern
Blick aus dem Triklinium
Bunte Felswände mit Halbsäulen im Triklinium
Das Innere des Trikliniums

Da einige Wegweiser an strategischen Stellen umgefallen sind, verlaufen wir uns kurz, bevor wir schließlich das Tal des Wadi Musa wieder erreichen. Auf dem Rückweg über die Hauptstraße von Petra sehen wir neben des Resten einer byzantinischen Kirche auch römische Ruinen. Petra beendete seine ruhmreiche Zeit als römische Provinz.

Qasr Al Bint, der Haupttempel der Nabatäer
Qasr Al Bint, der Haupttempel der Nabatäer

Abstecher zu den Königsgräbern von Petra

Zum Abschluss des heutigen Tages besuchen wir das Urnengrab, eines der sogenannten Königsgräber von Petra. Den Namen erhielten sie wegen ihrer prachtvollen und aufwendigen Gestaltung. Über mehrere Treppen können wir verschiedene Ebenen des Urnengrabes erreichen.

Das Urnengrab in Petra
Das Urnengrab in Petra

Den ursprünglichen Plan, den Pfad hinter den Königsgräbern zu ersteigen, um das Schatzhaus im nachmittäglichen Sonnenschein von oben zu bewundern verwerfen wir. Für heute haben wir genug Kilometer zu Fuß zurückgelegt.

Drei stehende und ein liegendes Kamel in Petra
Kamelritt gefällig?

Vor dem Schatzhaus ist mächtig was los. Pferdekutscher sammeln sich, in der Hoffnung, erschöpfte Touristen zu einer Fahrt zu bewegen. Die Motivation bei den Pferden ist entgegengesetzt. Viele der völlig ausgelaugten Tiere haben offensichtlich keinen Bock mehr, scheuen und versuchen umzukehren Richtung heimischer Stall. Beim Weg durch den schmalen Siq achten wir darauf, vorsichtigen Abstand zu den unberechenbaren Pferdekutschen zu halten.

zwei Beduinen mit langen Locken und Kopftüchern sitzen an der Felswand
Auch die Jack-Sparrow-Doubles haben irgendwann Feierabend

Die Fortsetzung unserer Besichtigung von Petra mit der Wanderung zum Kloster Ad Deir folgt im nächsten Beitrag.

Weitere Stationen unserer Rundreise durch Jordanien:

 

 

 

 

10 Replies to “Die Felsenstadt Petra – Jordaniens Weltwunder”

  1. Wirklich beeindruckend! Danke für diesen tollen Bericht! Ich freue mich schon auf den 2. Teil 🙂
    LG Carina

    1. Vielen Dank! Das freut mich sehr!
      Der zweite Teil erscheint am Sonntag.

      LG
      Gina

  2. Total toll! Und das totale Gegenteil unserer Reisen – wir sind nur im kalten Norden unterwegs! 🙂 Umso interessanter ist dein Bericht für mich. Wenn es unseren Hund irgendwann nicht mehr gibt, bereisen wir vielleicht auch mal den Süden…
    Freue mich auf den zweiten Teil!

    LG, Juli

    1. Vielen Dank!
      Der kalte Norden ist ja gar nichts für uns. Ich würde zwar auch mal gerne die Landschaften von Norwegen, Island oder Schottland sehen, aber das Wetter hat uns bisher immer davon abgehalten.
      Der zweite Teil kommt am Sonntag!

      LG
      Gina

  3. Wow…das schaut wahnsinnig toll aus! Petra und Jordanien faszinieren mich seit jeher und stehen schon lange auf meiner Reisewunschliste. Reichen denn 2 Tage für Petra oder sollte ich lieber noch einen 3. einplanen?

    1. Liebe Jenni,

      das kommt darauf an, wie intensiv du dir das anschauen möchtest. Wir hätten auch noch an einem dritten Tag neues schauen können, z. B. das Schatzhaus von oben. Andererseits hat man auch in zwei Tagen schon einen guten Eindruck gewonnen.

      LG
      Gina

  4. Hallo Gina, irgendwann würde ich ganz gerne einmal nach Petra reisen. Das ist eigentlich schon ein Traum, der seit meiner Kindheit besteht. Dein Beitrag macht gerade große Lust darauf. Vielleicht 2019. Liebe Grüße aus Salzburg, Claudia

    1. Hallo Claudia,

      das kann ich gut verstehen. Ich war auch schon lange fasziniert von der Felsenstadt. Auch wenn der Traum zwischendurch Mal in den Hintergrund gerutscht ist, jetzt kam er wieder aus der Ecke gekrochen.
      Ich wünsche dir, dass es 2019 klappt!

      LG
      Gina

  5. Hallo Gina,
    Petra steht schon länger bei mir auf meiner „Da will ich auch mal hin“-Liste. Dein Bericht und die Fotos machen mich jetzt umso neugieriger darauf. Das liest sich wirklich sehr interessant. Jetzt freue ich mich schon, mir Teil 2 eurer Reise durchzulesen.
    Übrigens: Der Vergleich der Beduinen mit Jack Sparrow ist echt treffen.
    LG
    Martina

    1. Liebe Martina,

      es freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Und ich kann nur empfehlen, dorthin zu reisen. In echt ist es noch viel beeindruckender, als Fotos es zeigen können.

      LG
      Gina

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