Wie im Bei­trag Rund­rei­se Jor­da­ni­en – Tipps für den Miet­wa­gen-Road­trip beschrie­ben, füh­ren grund­sätz­lich drei Wege von Nor­den nach Süden durch Jor­da­ni­en. Auch wenn Goog­le Maps uns hart­nä­ckig die Rou­ten­pla­nung über den Desert High­way vor­schlägt, wol­len wir nach Kerak lie­ber den land­schaft­lich reiz­vol­len Kings Way durch das Gebir­ge fah­ren.

Straße mit hügeliger Landschaft

Road­trip über den Kings Way RIch­tung Kerak

 

Der Kings Way über Wadi Mujib nach Kerak

Zunächst geht es von Mada­ba aus auf einer schnur­ge­ra­den und brei­ten Stra­ße gera­de­aus. Aus uner­find­li­chen Grün­den haben jor­da­ni­sche Ver­kehrs­pla­ner beschlos­sen, dass hier ein Über­hol­ver­bot und Geschwin­dig­keits­be­gren­zung zwi­schen 60 und 80 Km/h ange­mes­sen sei­en. Boden­schwel­len erin­nern immer wie­der nach­drück­lich an die Ein­hal­tung der Beschrän­kung.

Ab und zu pas­sie­ren wir einen klei­nen Ort. Weni­ge Frau­en sind unter­wegs, meist züch­tig in boden­lan­gem Man­tel und Kopf­tuch. Auch die Män­ner sind oft tra­di­tio­nell geklei­det mit der lan­gen Djel­la­bah und/oder karier­tem Kopf­tuch.

Pick-Up mit bunter Bemalung

Bunt bemal­te Pick-Ups sind beliebt in Jor­da­ni­en

Der Kings Way beginnt sich in die Ber­ge hin­auf­zu­win­den. Die Stra­ße ist kur­vig, aber sehr breit und her­vor­ra­gend aus­ge­baut. Rechts und links erstre­cken sich die Hügel der Wüs­te in ver­schie­de­nen Braun- und Sand­tö­nen. An die­ser Land­schaft kön­nen wir uns kaum satt­se­hen.

Immer wie­der sehen wir die typi­schen kas­ti­gen Bedui­nen­zel­te irgend­wo im kar­gen Gelän­de ste­hen. Manch­mal ein ein­zel­nes, manch­mal meh­re­re zusam­men. Dicke Breit­schwanz­scha­fe wei­den die kärg­li­chen Grä­ser ab.

Beduinenzelt

Typi­sches Bedui­nen­zelt

braune Schafe vor braunem Hintergrund

Scha­fe in Tarn­far­be

Wadi Mujib: Der Grand Can­yon Jor­da­ni­ens

Hin­ter dem Ort Dhi­ban schlän­gelt sich der Kings Way in wei­ten Ser­pen­ti­nen hin­un­ter ins Tal des Wadi Mujib. Die­se Land­schaft wird auch als der Grand Can­yon Jor­da­ni­ens bezeich­net. Der Mujib River hat sich tief ins Gebir­ge geschnit­ten. Heu­te wird er zu einem See zur Was­ser­ver­sor­gung auf­ge­staut.

Stausee in wüstenlandschaft

Der Mujib-Stau­see

An einem Aus­sichts­punkt hal­ten wir an und stau­nen über die schrof­fe Land­schaft. Weit unter uns liegt die blaue Flä­che des Mujib Stau­sees. Ein Bedui­ne hat hier so etwas wie eine Rast­stät­te eröff­net. Neben Kaf­fee und Tee bie­tet er geweb­te Mini­tep­pi­che mit Kamel­mo­ti­ven an. Wir wer­den uns han­dels­ei­nig. Bei der Geld­über­ga­be kommt es zu einem klei­nen cul­tu­re clash: Der Mann, der sehr freund­lich und unbe­schwert mit uns gespro­chen hat, will ganz offen­sich­tich ver­mei­den, uns beim Ent­ge­gen­neh­men der Mün­zen zu berüh­ren. Das gehört sich anschei­nend nicht.

einfaches Haus mit Aufschrift "Bedouin Coffee"

Bedui­nen-Rast­stät­te

Wir kur­ven wei­ter durch die gran­dio­se Land­schaft, pas­sie­ren den Mujib-Stau­damm und fol­gen dem Kings Way auf der ande­ren Sei­te des Wadi Mujib wie­der auf die Höhe hin­auf. Als wir sie erreicht haben geht es auf gera­der Stra­ße wei­ter bis Kerak.

Kerak – Die Stadt mit der Kreuz­rit­ter­burg

Zwei Stun­den nach­dem wir Mada­ba ver­las­sen haben kom­men wir in Kerak an. Über stei­le Stra­ßen geht es hin­auf auf den Berg, wo die Kreuz­rit­ter eine Burg errich­tet hat­ten. Sie thront auf einem hohen Fel­sen, an drei Sei­ten fal­len stei­le Wän­de hin­ab ins Tal.

Reste eines alten Turms

Res­te eines Turms der Kreuz­rit­ter­burg in Kerak.

Wir fol­gen den Schil­dern Rich­tung Park­platz. Noch bevor wir ihn errei­chen, springt an dem klei­nen Platz vor der Moschee ein Mann auf die Stra­ße und winkt uns in einen Park­platz, den er zuvor mit einem Plas­tik­stuhl blo­ckiert hat­te. Er ist sehr freund­lich, weist uns den Weg zur Keuz­rit­ter­burg  und erwähnt – natür­lich – bei­läu­fig, dass er das Restau­rant hier hät­te. Es ist sowie­so Mit­tags­zeit und wir beschlie­ßen, bei dem net­ten Gast­wirt zu essen. Das Lokal ist ein­fach, eine Spei­se­kar­te gibt es offen­sicht­lich nicht. Reis, Hühn­chen, ara­bi­schen Salat kann er uns anbie­ten. Ara­bi­scher Salat besteht in Jor­da­ni­en immer aus Toma­ten und Gur­ken, mit unter­schied­li­chen Soßen. Das Essen ist okay, wenn auch nicht über­ra­gend. Die böse Über­ra­schung kommt mit der Rech­nung: 30 JD (etwa 36 Euro) müs­sen wir für die ein­fa­che Mahl­zeit zah­len!

Die Kreuz­rit­ter­burg

Wenigs­tens strei­fen wir nicht mit knur­ren­dem Magen durch die weit­läu­fi­ge Anla­ge der Kreuz­fah­rer­burg. Die Kreuz­rit­ter stell­ten die Burg 1161 fer­tig und ver­tei­dig­ten sie mehr­fach gegen die isla­mi­schen Geg­ner. Doch letzt­end­lich fiel sie doch gegen Ende des 12. Jahr­hun­derts in deren Hän­de. Die Erobe­rer bau­ten die Fes­tung aus, um sie siche­rer und luxu­riö­ser zu machen.

Steinbögen und Gänge

Unter­ir­di­sche Gän­ge kön­nen erkun­det wer­den

Gewölbebogen der Kirche

Res­te der Kir­che auf der Burg

So kön­nen wir heu­te die etwas grö­be­ren Mau­ern der Kreuz­fah­rer mit dem fei­ner aus­ge­ar­bei­te­ten Bau­stil der Mam­lu­ken ver­glei­chen. Ein Rei­se­füh­rer in der Hand ist dabei hilf­reich, denn die Beschil­de­rung in der Kreuz­rit­ter­burg sel­ber ist kaum vor­han­den. Dafür kön­nen wir nach Lust und Lau­ne durch Gän­ge, über Trep­pen und durch Hal­len strei­fen. Das zur Burg gehö­ri­ge Muse­um ist lei­der nicht geöff­net. Wir erfah­ren nicht, war­um das so ist. Aber von dem Dreck zu schlie­ßen, der sich schon vor der Türe ange­sam­melt hat, scheint es schon län­ger geschlos­sen zu sein.

Vom erhöh­ten Stand­ort der Burg Kerak bie­tet sich ein fan­tas­ti­scher Aus­blick auf das umlie­gen­de Land.

Säulenkapitell auf der Mauer

An der Burg­mau­er

Blick über kahle Hügel und Häuser im Tal

Aus­blick von der Kreuz­rit­ter­burg

Nach­dem wir die Kreuz­fah­rer­burg erkun­det haben, gön­nen wir uns einen aro­ma­ti­schen tür­ki­schen Kaf­fee, der in Jor­da­ni­en mit viel Kar­da­mom gewürzt wird. Als wir uns unse­rem Auto nähern, kommt der geschäfts­tüch­ti­ge Restau­rant- und Park­platz­be­sit­zer ange­sprun­gen und schenkt uns zwei Fla­schen Was­ser für die Fahrt. Immer­hin.

Straße durch die Wüste

Fahrt durch die Wüs­te

Zwei Stun­den spä­ter errei­chen wir Wadi Musa, den Ort, von dem aus wir mor­gen die legen­dä­re Fel­sen­stadt Petra erkun­den wer­den. Wir sind gera­de recht­zei­tig in unse­rem Hotel, um vom Bal­kon aus den Son­nen­un­ter­gang über Wadi Musa zu genie­ßen.

Wadi Musa in sanftem Licht

Vom Bal­kon bli­cken wir über Wadi Musa

Infos

  • der Kings High­way, auch Kings Road oder Kings Way genannt führt von Amman Rich­tung Süden, bis er bei Ras en Naqb auf den Desert High­way stößt. Die Stra­ße ist gut aus­ge­baut und auch auf den Berg­stre­cken immer aus­rei­chend breit. Wegen der kur­vi­gen Stre­cken ist man lang­sa­mer unter­wegs als auf dem Desert High­way. Dafür wird man mit gran­dio­sen Aus­bli­cken auf die Land­schaft des Wadi Mujib belohnt.
  • Kerak, auf ara­bisch als Al-Karak aus­ge­schil­dert liegt etwa auf hal­bem Weg zwi­schen Amman und Wadi Musa (Petra). Die Haupt­at­trak­ti­on ist die Kreuz­rit­ter­burg auf dem 1000 Meter hohen Fels­sporn. Auch der Souk soll sehr schön sein. Da wir frei­tags, also am ara­bi­schen Sonn­tag, dort waren, war er lei­der nicht geöff­net.
  • Kreuz­rit­ter­burg Kerak: Öff­nungs­zei­ten im Som­mer 8 – 18:30 Uhr, im Win­ter (Nov – Apr) 8 – 16 Uhr. Wäh­rend des Rama­dans schließt die Burg bereits um 15:30 Uhr! Der Ein­tritt ist im Jor­dan­pass ent­hal­ten, ansons­ten kos­tet er 2 JD pro Per­son. Wie beschrie­ben, sind die Infos in der Kreuz­rit­ter­burg Kerak selbst sehr spär­lich. Es lohnt sich, eine Beschrei­bung im Rei­se­füh­rer dabei zu haben. Auch eine Lam­pe ist nütz­lich, damit du die dunk­len Gän­ge erkun­den kannst.