Unser zwei­ter Tag in der Fel­sen­stadt Petra beschert uns eine Wan­de­rung durch die wüs­te Fel­sen­land­schaft zum Klos­ter Ad Deir. Ein groß­ar­ti­ges Erleb­nis mit tol­len Aus­bli­cken und viel Spaß.

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Litt­le Petra

Pünkt­lich um neun Uhr tref­fen wir den deut­lich ver­ka­ter­ten Tofek am Ein­gang des Besu­cher­zen­trums. Er berich­tet, dass er die hal­be Nacht auf einer Hoch­zeits­fei­er war. So sieht er auch aus: der Khol um die gerö­te­ten Augen ver­lau­fen, ohne Schu­he, die Alko­hol­fah­ne ver­rät, dass er kein stren­ger Mos­lem ist. Den­noch ist er gut­ge­launt. Wir sind froh, dass am Steu­er des Pick­ups, der uns nach Litt­le Petra brin­gen soll, Tofeks Vater sitzt.

Lachender Beduine

Immer gut gelaunt – unser Gui­de Tofek

Die Freu­de währt nicht lan­ge, denn nach­dem wir Tofek im Dorf abge­setzt haben, heizt Abdal­lah mit hals­bre­che­ri­schem Tem­po über die Wüs­ten­land­stra­ße. Kup­pen und Kur­ven sind kein Grund, die vor­ge­schrie­be­nen 60 km/h auch nur annä­hernd ein­zu­hal­ten. Wir atmen auf, als wir heil den Park­platz von Litt­le Petra errei­chen.

Fassade im Fels in Little Petra
Auch in Litt­le Petra gibt es schö­ne Fels­fas­sa­den

Wie in Petra führt der Ein­gang durch eine schma­le Fels­spal­te. Dahin­ter öff­net sich das Tal und wir sehen Res­te des aus­ge­klü­gel­ten Zis­ter­nen­sys­tems der Naba­tä­er, Tem­pel und Trik­li­nia. In einem der Räu­me, die ver­mut­lich als Spei­se­räu­me der Kauf­leu­te dien­ten, kön­nen wir fili­gra­ne Decken­be­ma­lun­gen erken­nen.

Mit Blüten bemalte Felsdecke in einer Höhle in Little Petra
Res­te des Decken­schmucks in Litt­le Petra

Wan­de­rung nach Ad Deir

Die Fahrt des Grau­ens ist dies­mal nur kurz, denn wir bie­gen bald auf eine unbe­fes­tig­te Pis­te ab, die selbst unse­ren ver­hin­der­ten Renn­fah­rer zum lang­sa­men Fah­ren zwingt. In der Ein­sam­keit der Wüs­te steht ein klei­ner Pos­ten der Tou­ris­ten­po­li­zei, in dem unse­re Ein­tritts­kar­ten für Petra kon­tro­liert wer­den.

Bald taucht Tofek auf, beglei­tet von sei­nem Kum­pel Sami und zwei Eseln. Tofek ist immer noch bar­fuß. Als ech­ter Wüs­ten­sohn bewegt er sich mühe­los über Stei­ne und Geröll. Im Lau­fe des Tages erfah­ren wir, dass die feh­len­de Fuß­be­klei­dung nicht tra­di­tio­nell bedingt ist. Bei der wil­den Par­ty der ver­gan­ge­nen Nacht büß­te Tofek einen sei­ner Schu­he ein.

Victoris und Gina stehen unter einem Baum in der Felslandschaft
Auf geht’s zur Wüs­ten­wan­de­rung

Sami schul­tert unse­ren Ruck­sack, steigt auf den Esel und los geht es. Über mal schma­le, mal brei­te­re Pfa­de und vie­le in den Fels gehaue­ne Stu­fen wan­dern wir Rich­tung Petra. Groß­ar­ti­ge Aus­bli­cke über die wil­de Wüs­ten­land­schaft las­sen uns immer wie­der stau­nend inne­hal­ten.

Esel steigt Treppe hinunter
Tritt­si­cher steigt der Esel die Stu­fen hin­un­ter

Wir bewun­dern, mit wel­cher Ele­ganz und Sicher­heit – im Gegen­satz zu uns – die Esel die klei­nen, stei­len Stu­fen bewäl­ti­gen. Dafür hat zumin­dest Esel Num­mer Zwei, der nicht von Sami gerit­ten wird, sei­nen sprich­wört­li­chen eige­nen Wil­len. Immer wie­der streunt er vom Weg ab und muss von Tofek zurück gescheucht wer­den. Bei einem stei­len Weges­stück rutscht die Ladung mit unse­ren Lunch­vor­rä­ten von sei­nem Rücken. Befreit trabt er wei­ter, wäh­rend Tofek das Zeug auf­sam­melt und hin­ter ihm her hech­tet.

Mann läuft barfuß auf Felsenpfad hinter Eselsreiter her
Bar­fuß hin­ter den Eseln her

So viel Unter­hal­tung die Esel auch bie­ten, wir leh­nen die wie­der­holt vor­ge­tra­ge­nen Ange­bo­te auf ihnen zu rei­ten stand­haft ab. Soo ver­trau­en­er­we­ckend wir­ken sie nun auch nicht. Auch wenn Tofek nicht müde wird uns zu ver­si­chern, es wäre bes­ser, beque­mer und siche­rer für uns.

Auf hal­bem Weg nach Petra legen wir eine Pau­se beim Stand von Tofeks Onkel ein. Wir bekom­men wie­der den süßen, aro­ma­ti­schen Tee ser­viert und der Onkel spielt uns ara­bi­sche Lie­bes­lie­der auf einem uri­gen Instru­ment mit nur einer Sai­te vor.

Beduine spielt auf einsaitigem Instrument
Bedui­nen­mu­sik

Klos­ter Ad Deir

Gegen Mit­tag errei­chen wir das Klos­ter Ad Deir. Es zählt zu einem der Höhe­punk­te in Petra. Die gigan­ti­sche, in den Fels gehaue­ne Fas­sa­de ist wirk­lich beein­dru­ckend. Unter einem schat­ti­gen Fels­vor­sprung schla­gen wir das Lager für unse­re Mit­tags­pau­se gegen­über des Bau­werks auf.

Kloster Ad Deir in der Felswand
Der ers­te Blick auf Ad Deir

Wäh­rend wir unser Lunch ver­zeh­ren, genie­ßen wir den Blick auf Ad Deir. Ver­ein­zel­te Tou­ris­ten, die sich jetzt schon hier ein­ge­fun­den haben geben einen Ein­druck von der Dimen­si­on des Klos­ters, als sie schein­bar win­zig davor ste­hen. Von der Bau­form ähn­lich wie das Schatz­haus, ist es noch viel grö­ßer. Ursprüng­lich war es wohl als Königs­grab errich­tet wor­den. In byzan­ti­ni­schen Zei­ten in Petra dien­te es viel­leicht als Kir­che, denn es fan­den sich Kreuz­re­liefs im Inne­ren. So kam es zu dem Namen Klos­ter.

Beduine liegt an Felskante, Gina schaut durch Loch in der Felswand
Unser Lunch­platz. Bedui­nen lie­gen ger­ne direkt an der Fels­kan­te.
Ganze Säulenfassade des Klosters Ad Deir
Ad Deir in gan­zer Pracht
Blick von unten die Fassade von Ad Deir hoch
Ganz schön groß, die Fas­sa­de von Ad Deir.

Aus­sicht bis ins Wadi Ara­ba

Zie­gen- und Schaf­her­den lau­fen im Gelän­de her­um. Wir machen uns auf den Weg zu einem der zahl­rei­chen Aus­sichts­punk­te, die alle „Best View“ ver­spre­chen, nicht über Petra, son­dern die umge­ben­de Wüs­ten­land­schaft. Von hier aus schweift der Blick weit bis ins Wadi Ara­ba. Natür­lich wird uns auch hier wie­der der lecke­re Kräu­ter­tee ser­viert. Wir chil­len eine Wei­le auf dem luf­ti­gen Aus­sichts­punkt.

Hütte auf Felsvorsprung
Eine der zahl­rei­chen „Best View“ Hüt­ten
Gina und zwei Beduinen sitzen auf Matte am Aussichtspunkt
Ent­spann­tes Chil­len – natür­lich wie­der an der Fels­kan­te.

Am frü­hen Nach­mit­tag machen wir uns an den Abstieg über die berüch­tig­ten 850 Stu­fen, die nach Petra hin­un­ter füh­ren. Die Stu­fen sind teils aus­ge­tre­ten und durch den dar­auf lie­gen­den Sand manch­mal rut­schig. Tou­ris­ten kom­men uns schwit­zend und keu­chend mit hoch­ro­ten Köp­fen ent­ge­gen. Das bestä­tigt uns, dass wir die rich­ti­ge Wahl mit unse­rer Wan­de­rung getrof­fen haben.

Stufen im Fels führen hinab nach Petra
Über vie­le Stu­fen geht es hin­un­ter nach Petra

Und noch­mal zu den Königs­grä­bern von Petra

große Fassade eines Königsgrabs in Petra
Ein wei­te­res der Königs­grä­ber

Im Tal ver­ab­schie­den wir uns von Tofek und Sami. Da wir ges­tern nur noch Ener­gie für das Urnen­grab hat­ten, wol­len wir uns heu­te die rest­li­chen Königs­grä­ber anse­hen. Im Nach­mit­tags­licht leuch­ten sie in wun­der­schö­nem Rot. Wir genie­ßen den Anblick, aber auch heu­te fehlt uns die Ener­gie, den Pfad auf die Höhe hoch­zu­stei­gen, um das Schatz­haus von oben zu sehen. So las­sen wir den Tag aus­klin­gen, indem wir das rege Trei­ben auf der Stra­ße durch Petra beob­ach­ten. Esels­füh­rer und Kamel­trei­ber sind emsig Rich­tung Zen­trum unter­wegs, um müde Tou­ris­ten zu einem Ritt Rich­tung Aus­gang zu bewe­gen. Vor allem die klei­nen Esel tun uns leid, wenn sie unter der Last über­ge­wich­ti­ger Besu­cher dahin tra­ben.

Kamelreiter mit Esel
Kame­le und Esel an die Tou­ris­ten!

Infos zu Petra

  • Tickets gibt es für ein, zwei oder drei Tage, sie kos­ten 50, 55 oder 60 JD. Der Ein­tritt nach Petra ist im Jor­dan­pass ent­hal­ten. Ach­tung: schwer­be­hin­der­te Besu­cher haben frei­en Ein­tritt! Für die­se lohnt sich der Jor­dan­pass daher nicht.
  • Öff­nungs­zei­ten: im Som­mer 6 – 18 Uhr, im Win­ter 6 – 16 Uhr. Wäh­rend des Rama­dans nur 7 – 16 Uhr.
  • Toi­let­ten gibt es Visitorcen­ter (die hin­ter den Shops kurz vor der Ein­lass­kon­trol­le sind in bes­se­rem Zustand als die direkt am Ein­gang) und im Zen­trum von Petra bei der gro­ßen Cafe­te­ria. Zudem sind über­all im Gelän­de hin­ter klei­nen Stän­den mobi­le Toi­let­ten auf­ge­stellt. So, wie es in sämt­li­chen betret­ba­ren Höh­len und Tem­peln riecht, wer­den die­se wohl regel­mä­ßig als Klos miss­braucht.
  • Im Bereich es Tals gibt es Restau­rants und Essen­stän­de, die wir aber nicht getes­tet haben. Wir haben gehört, dass sie recht teu­er sein sol­len. Von unse­rem Hotel haben wir ein Lunch­pa­ket mit­ge­nom­men, dass wir an einer male­ri­schen Stel­le in der Wild­nis ver­zehrt haben.
  • Zur Aus­rüs­tung soll­ten neben aus­rei­chend Was­ser Son­nen­schutz und gute Schu­he gehö­ren. Fes­te Snea­ker sind aus­rei­chend.
  • Der Pfer­de­ritt vom Ein­lass nach Petra bis zum Siq ist im Ticket­preis ent­hal­ten. Aller­dings erwar­ten die Pfer­de­füh­rer ein Trink­geld. Die Kut­schen sind offi­zi­ell nur für Per­so­nen, die „unab­le to walk“ sind. Der Begriff wird wohl sehr groß­zü­gig aus­ge­legt. Hin- und Rück­fahrt kos­ten 25 JD, man macht mit dem Kut­scher eine Zeit für die Rück­fahrt ab dem Schatz­haus ab. Wenn die müden Füße nur nach der Rück­fahrt ver­lan­gen, kos­tet die­se 40 JD.
  • Die Sou­ve­nir­shops und Kios­ke im Petra Visi­tor Cen­ter ver­lan­gen teils unver­schäm­te Prei­se. Immer vor dem Kauf nach Preis fra­gen! Und immer sel­ber nach­rech­nen. Kopf­rech­nen ist kei­ne Stär­ke in Jor­da­ni­en, ob gewollt oder unge­wollt.
  • Unter­kunft: Im benach­bar­ten Wadi Musa gibt es zahl­rei­che Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten. Wir waren mit unse­rem Hotel, dem Rocky Moun­tain Hotel* sehr zufrie­den. Der Besit­zer sprach gut Eng­lisch und war sehr hilfs­be­reit. Das Hotel liegt etwas außer­halb des Zen­trums, dafür ziem­lich ruhig. Mit dem Auto bist du in fünf Minu­ten am Ein­gang von Petra, Park­plät­ze waren aus­rei­chend vor­han­den. Wenn du kein Auto hast, bie­tet das Hotel einen kos­ten­lo­sen Shut­tle an.
Rot gestreifte Sitzpolster und Wandteppiche
Das Restau­rant des Rocky Moun­tain Hotels ist wie ein Bedui­nen­zelt gestal­tet
  • Unter­neh­mun­gen: Wenn du nach der Besich­ti­gung von Petra noch Ener­gie hast, kannst du einen Koch­kurs bei Petra Kit­chen buchen. Dort erfährst du, wie du jor­da­ni­sche Spe­zia­li­tä­ten zube­rei­test. Beson­ders beein­druckt hat uns, dass der Koch vor­her erfragt, ob es Unver­trä­gichkei­ten oder All­er­gi­en bei den Teil­neh­men­den gibt.
  • In Wadi Musa gibt es ein gro­ßes Ange­bot an Hamams, wo du dich nach einem anstren­gen­den Wan­der­tag in Petra rich­tig durch­kne­ten las­sen kannst.
  • Lek­tü­re: Ein sehr inter­es­san­tes Buch ist das der Neu­see­län­de­rin Mar­gue­ri­te van Geldermal­sen Mar­ried To A Bedou­in*. Sie ver­lieb­te sich Ende der Sieb­zi­ger Jah­re in Petra in einen dort ansäs­si­gen Bedui­nen und hei­ra­te­te ihn. Bis zu sei­nem Tod im Jahr 2002 leb­te sie unter den Bedui­nen in Petra. Lei­der ist das Buch auf Deutsch nur noch anti­qua­risch ver­füg­bar.

Wei­te­re Sta­tio­nen unse­rer Rund­rei­se durch Jor­da­ni­en: