Ein Road­trip mit dem Miet­wa­gen durch Marok­ko ist eine wun­der­ba­re Mög­lich­keit, das Land abseits vom Mas­sen­tou­ris­mus der Küs­te ken­nen­zu­ler­nen. Ins­be­son­de­re eine Rou­te im Süden Marok­kos mit den Gebirgs­re­gio­nen des Anti-Atlas und des Hohen Atlas ist mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln schwie­rig zu berei­sen.

Da wir auf ein­sa­me, wil­de Land­schaf­ten ste­hen, war uns schnell klar, dass unser Marok­ko-Urlaub als Road­trip ange­legt sein muss.

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Alles, was du für die Pla­nung dei­nes indi­vi­du­el­len Urlaubs in Marok­ko wis­sen musst, haben wir in die­sem Arti­kel zusam­men­ge­fasst: Marok­ko: Rei­se­tipps und Rei­se­vor­be­rei­tung für die indi­vi­du­el­le Rund­rei­se 

Wel­ches Fahr­zeug für den Road­trip durch Marok­ko?

Soll der Miet­wa­gen für unse­ren Road­trip ein PKW oder ein All­rad-Auto sein?

Die­se Fra­ge stell­te sich als ers­tes und wur­de mit einem ein­deu­ti­gen „Kommt dar­auf an…” beant­wor­tet. Vie­le Stra­ßen in Marok­ko sind tat­säch­lich nicht asphal­tiert. Eini­ge von ihnen sind auch mit einem nor­ma­len PKW befahr­bar, ande­re sind üble Schot­ter­pis­ten. Für einen Aus­flug in die Saha­ra ist ein All­rad-Fahr­zeug Pflicht. Mit einem Gelän­de­wa­gen ste­hen dir also mehr Mög­lich­kei­ten offen, dei­nen Road­trip auch in abge­le­gens­te Gebie­te zu unter­neh­men.

Es gibt jedoch genug asphal­tier­te Stra­ßen auf der Rou­te, um auch über die Ber­ge des Anti-Atlas und des Hohen Atlas zu fah­ren. Ein Gelän­de­wa­gen als Miet­wa­gen reißt ein deut­lich grö­ße­res Loch in die Rei­se­kas­se. So haben wir uns für unse­ren ers­ten Marok­ko-Urlaub ent­schie­den, einen nor­ma­len PKW zu mie­ten.

Enge Gasse im Dorf

Nein, das ist kei­ne Ein­bahn­stra­ße! Da ist man über ein klei­nes Auto froh…

Ein Klein­wa­gen stell­te für uns die rich­ti­ge Wahl für unse­ren Road­trip durch Marok­ko dar. Mit zwei Per­so­nen bekom­men wir unser Gepäck unter und das Auto ist wen­dig genug für marok­ka­ni­sche Gas­sen und enge Berg­stra­ßen.

Bei der Aus­wahl unse­res Miet­wa­gens gucken wir am liebs­ten auf Bil­li­ger-Miet­wa­gen*. Auf dem Por­tal fin­dest du ver­schie­de­ne Anbie­ter und kannst fil­tern, was dir wich­tig ist. Bei uns ist das zum Bei­spiel die Voll­kas­ko-Ver­si­che­rung ohne Selbst­be­tei­li­gung.

Unse­re Rou­te durch Marok­ko

Karte unseres Roadtrips in Marokko

Unse­re Rou­te durch Marok­ko

Von Aga­dir nach Tafraou­te im Anti-Atlas – 166 km

Abge­holt haben wir den Miet­wa­gen für unse­ren Road­trip in Aga­dir. Der Mit­ar­bei­ter im Büro der Ver­leih­fir­ma war super freund­lich und hilfs­be­reit. Er hat sich sogar eine län­ge­re Zeit damit beschäf­tigt, zu ver­su­chen, mei­ne marok­ka­ni­sche SIM-Kar­te zu akti­vie­ren.

Aga­dir ist eine moder­ne Stadt, die wegen eines Erd­be­bens 1962 kom­plett neu auf­ge­baut wur­de. So kön­nen wir auf brei­ten, gut ange­leg­ten Stra­ßen recht ent­spannt die ers­ten Kilo­me­ter unse­rer Rou­te im marok­ka­ni­schen Ver­kehr fah­ren.

Von Aga­dir aus star­ten wir unse­ren Road­trip nach Tafraou­te im Anti-Atlas. Auf zwei­spu­ri­gen Schnell­stra­ßen geht es aus der Stadt hin­aus. Um uns mit guten Stra­ßen nicht all­zu sehr zu ver­wöh­nen, lotst uns unser Navi auf eine Neben­stre­cke. Das löch­ri­ge Asphalt­band der Stra­ße geht bald in eine stau­bi­ge Pis­te über, die von Mopeds, klapp­ri­gen Last­wa­gen und Pfer­de­kut­schen fre­quen­tiert wird.

Pferdekutsche auf der Dorfstraße

Pfer­de­kut­sche auf der Dorf­stra­ße

Wir rum­peln durch einen klei­nen, leben­di­gen Ort, in dem wir im Vor­bei­fah­ren als offen­bar sel­te­ne Attrak­ti­on neu­gie­rig beäugt wer­den. Grup­pen von Schul­kin­dern sind auf der Stra­ße unter­wegs, wie in Marok­ko üblich meist in einen wei­ßen Kit­tel als Schul­uni­form geklei­det. Vor einer klei­nen Bäcke­rei und vor einem Gemü­se­la­den hal­ten wir an und ver­sor­gen uns mit Lebens­mit­teln für einen Mit­tags­snack. Die Ver­stän­di­gung erfolgt mit bruch­stück­haf­tem Fran­zö­sisch (auf bei­den Sei­ten) und der inter­na­tio­na­len Spra­che von Hän­den und Füßen.

Wenig spä­ter errei­chen wir die Haupt­stra­ße, auf der unser Road­trip zügig Rich­tung Tafraou­te wei­ter­geht. Zunächst ein­tö­nig schnur­ge­ra­de zieht sich die Stra­ße durch die Gegend. Wir pas­sie­ren eini­ge Orte. Dazwi­schen erstre­cken sich strup­pi­ge Wei­den, getüp­felt von den dun­kel­grü­nen Kro­nen der knor­ri­gen Arg­an­bäu­me, eine Spe­zia­li­tät von Marok­ko. Das berühm­te Bild der in den Bäu­men her­um­klet­tern­den Zie­gen bie­tet sich uns lei­der nicht. Jetzt im Früh­jahr fin­den sie noch genug Nah­rung auf dem Boden. Dafür hop­peln sie ab und zu quer über die Stra­ße.

Arganbäume

Arg­an­bäu­me, lei­der ohne Zie­gen drauf

Eine Ziegenherde überquert die Straße

Zie­gen­her­de auf der Stra­ße

Hin­ter Ait Baha beginnt die land­schaft­lich spek­ta­ku­lä­re Stre­cke unse­res Road­trips. Immer höher schraubt sich die Stra­ße. Sie ist in einem guten Zustand und mit unse­rem Miet­wa­gen leicht zu befah­ren. Rechts und links eröff­nen sich Bli­cke auf beein­dru­cken­de Berg­ku­lis­sen. Ab und zu sehen wir rote Lehm­dör­fer förm­lich in den stei­len Hän­gen kle­ben. Zur Rech­ten ragt der höchs­te Berg des Anti-Atlas, der Dje­bel Lekst mit 2459 Metern empor.

Nach einem letz­ten Pass rol­len wir am Tal der Ammeln ent­lang hin­un­ter nach Tafraou­te, der ers­ten Sta­ti­on unse­res Road­trips. Hier blei­ben wir drei Näch­te und erkun­den die traum­haf­te Land­schaft des Anti-Atlas. Nähe­res dazu fin­dest du in unse­rem Bericht Tafraou­te im Anti-Atlas – Tou­ren und Tipps.

Road­trip durch die Gebirgs­wüs­te – von Tafraou­te nach Tata – 161 km

Wei­ter geht unse­re Rou­te Rich­tung Saha­ra. Ent­lang des Draa-Tals lie­gen meh­re­re Orte, von denen aus man eine Tour in die Wüs­te unter­neh­men kann. Wir haben nichts vor­ge­bucht und ver­las­sen uns dar­auf, dass wir auf unse­rem Road­trip irgend­wo vor Ort etwas fin­den wer­den.

In Tafraou­te haben wir meh­re­re Händ­ler, die sehr gut Deutsch spre­chen, ken­nen­ge­lernt. Von ihnen erfah­ren wir, dass eine neue Stra­ße fer­tig sein soll, die wir auch mit dem Miet­wa­gen befah­ren kön­nen. So erspa­ren wir uns den wei­ten Schlen­ker über Igherm. Goog­le Maps weiß anschei­nend noch nichts von der neu­en Rou­te und so ver­las­sen wir uns auf die detail­lier­te Beschrei­bung, die wir von den Ein­hei­mi­schen bekom­men.

Tat­säch­lich fin­den wir den geschil­der­ten Abzweig von der R106 und rol­len durch eine ein­sa­me Wüs­ten­land­schaft, die uns den Atem raubt. Kar­ge Ber­ge und Hügel, von der Ero­si­on rund geschlif­fen säu­men in den war­men Far­ben Marok­kos unse­re Rou­te. Immer wie­der mal springt ein zot­te­li­ges Atlas­hörn­chen über die Stra­ße. Sie wir­ken hier in der Wüs­ten­ein­sam­keit deut­lich weni­ger wohl­ge­nährt als ihre nach Fuer­te­ven­tu­ra aus­ge­wan­der­ten Art­ge­nos­sen.

Straße in felsiger Umgebung

Gut asphal­tiert geht es durch die Gebirgs­wüs­te

Ockerfarbene, felsige Hügel

Nack­te Fels­land­schaft

Atlashörnchen am Straßenrand

Vor­sich­tig-neu­gie­ri­ges Atlas­hörn­chen

Ein paar mal über­que­ren wir auf unse­rem Road­trip rie­sig brei­te Fluss­tä­ler, die völ­lig tro­cken dalie­gen. Wir kön­nen uns kaum vor­stel­len, dass in der Regen­zeit hier Was­ser­mas­sen ent­lang strö­men. Das muss ein gewal­ti­ger Anblick sein! Die fla­chen Brü­cken über die Wadis haben kei­ne Brü­cken­ge­län­der. Die­se wür­den von der Flut­wel­le in der Regen­zeit zer­stört wer­den, so spart man sie sich gleich.

Breites Wadi mit Brücke

Brei­tes Wadi mit Brü­cke

Kleinwagen fährt durch eine trockene Furt

Durch tro­cke­ne Fur­ten geht es auch mit dem PKW

Noch tie­fer hin­ein in der Wüs­ten­land­schaft füh­ren nur noch Fur­ten durch die tro­cke­nen Fluss­bet­ten. Bei Regen wäre ein Road­trip über die­se Stre­cke für einen PKW pro­ble­ma­tisch.

Auch die schöns­te Wüs­ten­ein­sam­keit hat mal ein Ende, schließ­lich bie­gen wir auf die R109, die hin­un­ter ins Draa-Tal nach Tata führt. Strup­pi­ge Ein­zel­bäu­me ste­hen in der geröl­li­gen Ebe­ne. Wir par­ken den Miet­wa­gen am Stra­ßen­rand, um im Schat­ten eines die­ser Exem­pla­re unser Mit­tag­spick­nick mit dem köst­li­chen Ber­ber­brot aus Tafraou­te zu ver­zeh­ren.

Baum in Geröll-Ebene

Unser Pick­nick­baum – sorg­fäl­tig aus­ge­wählt!

Tata errei­chen wir in den frü­hen Nach­mit­tags­stun­den. Der Ort ist wie aus­ge­stor­ben. Wir tun uns etwas schwer mit der Unter­kunfts­su­che, viel Aus­wahl bie­tet die klei­ne marok­ka­ni­sche Ver­wal­tungs­stadt nicht. Schließ­lich fin­den wir ein halb­wegs akzep­ta­bles Zim­mer im Hotel des städ­ti­schen Schwimm­bads! Ja, rich­tig gele­sen, ein Schwimm­bad mit rie­si­gen Pools hat man hier am Rand der Saha­ra für nötig erach­tet. Wir brau­chen uns jedoch nicht auf ein küh­les Bad zu freu­en, denn die Pools sind leer. War viel­leicht doch nicht die Knal­ler-Idee mit dem Schwimm­bad…

Leeres, poolblaues Schwimmbecken

Tol­les Schwimm­bad – lei­der tro­cken

Abends wird der Ort leben­dig, die Läd­chen haben wie­der geöff­net, die Men­schen schlen­dern durch die Stra­ßen und ste­hen in Grüpp­chen zusam­men. Wir las­sen die Atmo­sphä­re auf uns wir­ken und kau­fen noch ein paar Klei­nig­kei­ten zum Essen ein.

Ent­lang der Wüs­te: von Tata nach Foum Zguid – 137 km

In Tata haben wir kei­nen Anbie­ter von Wüs­ten­tou­ren gefun­den. So heißt das nächs­te Ziel uns­res Road­trips Foum Zguid.

Die Rou­te über die N12 führt durch die kar­ge Wüs­ten­land­schaft. Ocker­far­be­ne Ber­ge erhe­ben sich zu den Sei­ten. Kurz vor der Oase Tissint ver­läuft direkt neben der Stra­ße in der tief ein­ge­schnit­te­nen Schlucht ein Flüss­chen.

Verbotsschild "Nicht schwimmen" in der Wüste

Echt jetzt?

tief eingeschnittenen Schlucht mit Wasserlauf und Palmen

Schlucht vor Tissint

In Tissint par­ken wir unse­ren Miet­wa­gen an den Cas­ca­des de Tissint, klei­ne Was­ser­fäl­le mit­ten im Ort. Über einen ein paar Meter hohen Fels­rie­gel stürzt sich das Was­ser in das dar­un­ter­lie­gen­de Becken. Die Dorf­ju­gend tollt im Fluss her­um, springt den Was­ser­fall hin­un­ter und hat sicht­lich Spaß. Natür­lich nur die männ­li­che Dorf­ju­gend. Ein paar Frau­en und Mäd­chen, züch­tig ver­hüllt, waten ober­halb der Kas­ka­de im knö­chel­tie­fen Was­ser.

Wasserfälle

Cas­ca­des de Tissint

Als beken­nen­de Was­ser­rat­te wür­de ich mich am liebs­ten sofort ins sma­ragd­far­be­ne Was­ser wer­fen. So ganz wohl füh­le ich mich aller­dings nicht bei der Idee, mich als ein­zi­ge Frau unter die männ­li­chen Jugend­li­chen zu mischen. So fol­gen wir dem Ufer zunächst ein paar hun­dert Meter fluss­ab­wärts. Im Schat­ten der Pal­men las­sen wir uns auf dem san­di­gen Boden nie­der, um unser unser Mit­tag­spick­nick zu genie­ßen.

Aber zuerst ins Was­ser! Ich las­se mei­ne leich­te, lan­ge Baum­woll­ho­se und das T‑Shirt an, denn im Bade­an­zug schwim­men zu gehen wäre ein Affront gegen die guten Sit­ten Marok­kos. Das Was­ser ist ange­nehm und ich schwim­me glück­lich ein paar Run­den zwi­schen den röt­lich-sand­far­be­nen Ufern. Baden in der Wüs­te, wie geil ist das denn! Ein klei­ner Höhe­punkt auf unse­rem Road­trip.

Reise-Ringel auf einem roten Felsen an der Oase

Rei­se-Rin­gel darf nicht ins Was­ser

Gina schwimmt in der Oase

Aber ich!

Nach­mit­tags endet die heu­ti­ge Etap­pe unse­res Road­trips in der Wüs­ten­stadt Foum Zguid. Vie­le Män­ner sind hier in den auf­fal­len­den blau­en Tuni­ken der Saha­ra-Bewoh­ner geklei­det. Von unse­rem Guest­house wird uns eine Tour in die Saha­ra ange­bo­ten, die uns für zwei Tage und eine Nacht in die Wüs­te ent­führt. Alles über unser Wüs­ten-Aben­teu­er fin­dest du in die­sem Arti­kel: Saha­ra-Wüs­ten­tour in den Erg Che­ga­ga.

Buntes Schild mit Karawane

Das Tor zur Wüs­te – von hier aus in 58 Tagen per Kamel nach Tim­buk­tu.

Von Foum Zguid nach Agdz – 142 km

Wei­ter geht der Road­trip auf der N12, ent­lang der Wüs­te bis Zago­ra. Immer wie­der sehen wir Kamel­her­den, die sich in der Land­schaft ver­streu­en. Ein Kamel schub­bert sich genüss­lich und aus­gie­big an einem Pfos­ten am Stra­ßen­rand.

Kamel reibt Kopf an einem Leitpfosten

Aaah, das tut gut!

Es han­delt sich übri­gens bei den Dro­me­da­ren nicht um „wil­de Kame­le”, wie das ger­ne immer wie­der pos­tu­liert wird. Die Her­den gehö­ren Noma­den, die sie in der Wei­te der Wüs­te auf Fut­ter­su­che schi­cken.

Im Ort Zago­ra geht es leb­haft zu, denn es ist Markt­tag. Wir hal­ten kurz an, um uns mit ein paar Lebens­mit­teln zu ver­sor­gen. Dann ver­las­sen wir die Wüs­ten­stra­ße und bie­gen auf die N9 ab, um die Rou­te durchs Draa-Tal Rich­tung in den Hohen Atlas zu neh­men.

Das Val­lée du Draa ist eine ein­zi­ge gro­ße Oase ent­lang des Flus­ses. Mil­lio­nen von Dat­tel­pal­men säu­men ihn, wir bli­cken immer wie­der auf das stau­big-grü­ne Blät­ter­dach. Hier fin­det der größ­te Teil der Dat­tel­pro­duk­ti­on Marok­kos statt. Über­all ste­hen Händ­ler am Stra­ßen­rand und bie­ten Packun­gen mit den süßen, kleb­ri­gen Früch­ten an.

Mann reitet auf einem Esel auf der Straße

Esels­rei­ter im Draa­tal

Die Ört­chen ent­lang der Stra­ße bestehen viel­fach aus Ksars, den tra­di­tio­nel­len Lehm­dör­fern. Auch Kas­bahs, die Lehm­bur­gen, säu­men hun­dert­fach die Rou­te. Die bräun­lich-roten Bau­ten dro­hen nach und nach zu zer­fal­len. Mitt­ler­wei­le wur­den eini­ge als Hotels oder Muse­um aus­ge­baut und kön­nen so erhal­ten wer­den.

Unse­re Erleb­nis­se im Draa-Tal haben wir in die­sem Bericht fest­ge­hal­ten: Das Draa-Tal um Agdz in Marok­ko – Kas­bahs und Pal­men.

Letz­te Etap­pe unse­res Marok­ko-Road­trips: Von Agdz nach Mar­ra­kesch – 268 km

Von Agdz aus steu­ern wir unse­ren Miet­wa­gen über Ourz­aza­te nach Mar­ra­kesch. Ourz­aza­te ist vor allem wegen der dor­ti­gen Film­stu­di­os bekannt und bei Tou­ris­ten beliebt. Wir schen­ken uns ger­ne den Rum­mel.

Im Außen­be­zirk der Stadt hal­ten wir unse­ren Miet­wa­gen an, um in einem Gemü­se­la­den ein paar Klei­nig­kei­ten zu kau­fen. Der Laden ist wie in Marok­ko üblich win­zig. Er besteht aus einem lan­gen, schma­len Gang, auf des­sen einer Sei­te sich die Kis­ten mit der Ware sta­peln. Wir wis­sen mitt­ler­wei­le, wie ein­kau­fen geht: wir schnap­pen uns eine der bereit­ste­hen­den Plas­tik­schüs­seln, die als Ein­kaufs­korb dient. Nach­dem wir ein paar Bana­nen, Möh­ren und eine Gur­ke ein­ge­sam­melt haben, brin­gen wir die Schüs­sel zur Waa­ge.

Kisten mit Obst und Gemüse stapeln sich an der Wand

Im Gemü­se­la­den

Wagschale mit Messinggewichten

Die Waa­ge setzt noch auf Mecha­nik

Meh­re­re Män­ner umrin­gen sie, wer Händ­ler und wer Kun­de ist, erschließt sich uns nicht. Ist auch egal, sie strah­len uns alle freund­lich an. Der Händ­ler wirft ein paar archai­sche Mes­sing­ge­wich­te in die Waag­scha­le und ich muss lachen. Die Män­ner lachen mit, und einer, der ein paar Bro­cken Fran­zö­sisch kann, erklärt uns, wel­che Vor­tei­le die­ses Wäge­sys­tem für uns Kun­den hat. Der­weil gießt der drit­te Mann aus der typi­schen sil­ber­nen Tee­kan­ne duf­ten­den, süßen Tee in zwei Glä­ser und reicht sie uns. Wäh­rend wir das hei­ße Getränk schlür­fen, zei­gen sie uns das Nest, das die Laden­kat­ze für ihre Jun­gen oben auf den Gemü­se­kis­ten gebaut hat. Was für eine herz­li­che, locke­re Atmo­sphä­re! Das sind die Momen­te, die wir auf unse­rem Road­trip lie­ben!

Hin­ter Ourz­aza­te schraubt sich die N9 hoch in die Gebirgs­land­schaft des Hohen Atlas. Spek­ta­ku­lä­re Aus­bli­cke auf die bizar­ren Fels­for­ma­tio­nen bie­ten sich in alle Rich­tun­gen. Die Stra­ße ist zur Zeit unse­rer Rei­se eine Bau­stel­le. Immer wie­der kom­men wir an rie­si­gen Bau­ma­schi­nen vor­bei. Teil­wei­se wird die Rou­te über Schot­ter­stre­cken geführt, es geht lang­sam, aber ste­tig vor­an. Aben­teu­er­lich bela­de­ne Last­wa­gen kom­men uns ent­ge­gen.

Felslandschaft vor blauem Himmel

Tol­le Fels­land­schaf­ten auf dem Weg zum Tizi’n’Tichka

LKW bis übers Führerhaus hinaus beladen

Passt, wackelt und hat Luft!

Große Bagger

Am Frei­tag ste­hen die Bau­ma­schi­nen still

Auf dem Pass Tizi’n’Tichka errei­chen wir 2200 Meter Höhe – der höchs­te Punkt auf unse­rem Road­trip. Als wir den Miet­wa­gen auf der ande­ren Sei­te hin­un­ter­rol­len las­sen, ver­än­dert sich die Land­schaft schlag­ar­tig. Eben noch kah­le Fels­for­ma­tio­nen und Wüs­te, sind wir jetzt von satt­grü­nen Hän­gen und plät­schern­den Bächen umge­ben. Was für ein Kon­trast!

Grüne Berglandschaft

Hin­ter dem Pass wird es grün

Wiesen und Wälder

Satt­grün soweit das Auge reicht

Bevor wir das Ende unse­res Road­trips in Mar­ra­kesch errei­chen, geht es noch mal durch eine ein­tö­ni­ge Step­pe. Dann tau­chen wir ein ins Gewühl der Stadt. Wir sind sehr froh, uns für einen Klein­wa­gen ent­schie­den zu haben, als wir uns durch die engen Gas­sen der Medi­na zu unse­rem Riad schlän­geln.

Abga­be des Miet­wa­gens in Mar­ra­kesch

Die Miet­be­din­gun­gen in Marok­ko sehen vor, dass der Miet­wa­gen in gewa­sche­nem Zustand abge­ge­ben wird. Also steu­ern wir eine Tank­stel­le mit Wasch­an­la­ge an. Ein gro­ßer Tank­las­ter, der gera­de Ben­zin anlie­fert blo­ckiert einen gro­ßen Teil des Gelän­des. Im Boden gähnt das Kanal­de­ckel-gro­ße Loch des Tan­kes, in dem der Schlauch ver­schwin­det. Zwi­schen Loch und nächs­tem Fahr­zeug ist gera­de eine Auto­b­rei­te frei, durch die wir beherzt durch gewun­ken wer­den. Die Auto­wä­sche erfolgt schnell und pro­fes­sio­nell mit Man­power.

Staubiges Auto vor Waschanlage, daneben Tanklaster

Es geht ganz schön eng zu vor der Wasch­an­la­ge

Mitarbeiter spritzt mit Schlauch das Auto ab

Auto­wä­sche per Hand

Mit dem nun sau­ber glän­zen­dem Miet­wa­gen schlän­geln wir uns wie­der in den Groß­stadt­ver­kehr. Lei­der haben wir kei­ne genaue Adres­se der Agen­tur, wir wis­sen nur, dass sie gegen­über vom Bahn­hof sein soll. Der Begriff ist dehn­bar, denn wir stel­len fest, dass der Bahn­hof meh­re­re Sei­ten hat. Ent­nervt vom chao­ti­schen Ver­kehr bie­gen wir auf den gro­ßen Taxi-Stell­platz hin­ter dem Bahn­hof. Dort geht es auf einen bezahl­ten Park­platz, aber wir wol­len ja gar nicht par­ken, son­dern die Kar­re los­wer­den.

Im Park­platz-Wär­ter-Häus­chen befin­den sich zwei jun­ge Män­ner. Ich fra­ge, ob sie wis­sen, wo der Auto­ver­mie­ter das Büro hat. Nein, wis­sen sie nicht, aber ob ich die Tele­fon­num­mer hät­te, dann wür­den sie da anru­fen und fra­gen. Ich rei­che ihnen die Unter­la­gen, doch die Num­mer ist dau­ernd besetzt. So schnell geben die Jungs nicht auf und rufen nun das Büro in Aga­dir an. Von denen bekom­men sie eine ande­re Num­mer in Mar­ra­kesch, unter der sie die Agen­tur errei­chen. Ein kur­zes Tele­fo­nat spä­ter ist das Pro­blem gelöst: wir dür­fen auf den Park­platz fah­ren, ein Mit­ar­bei­ter des Auto­ver­mie­ters kommt und über­nimmt den Miet­wa­gen. Wie­der ein schö­nes Bei­spiel für marok­ka­ni­sche Hilfs­be­reit­schaft.

Hier endet unser Road­trip durch Marok­ko. Unse­re rest­li­che Rou­te zu den marok­ka­ni­schen Königs­städ­ten bestrei­ten wir mit dem Zug.

Wie es uns in Mar­ra­kesch gefal­len hat, kannst du in die­sem Arti­kel nach­le­sen: Unse­re Mar­ra­kesch-Tipps – 5 tol­le Sehens­wür­dig­kei­ten und ein Flop.

Infos zum Road­trip mit dem Miet­wa­gen in Marok­ko

  • Buchung: am bes­ten buchst du den Miet­wa­gen für dei­nen Road­trip von Deutsch­land aus. Wir emp­feh­len, wie oben genannt Bil­li­ger-Miet­wa­gen* als zuver­läs­si­gen Anbie­ter. Alle Miet­wa­gen in Marok­ko wer­den mit einer Selbst­be­tei­li­gung ange­bo­ten. Über eine Agen­tur in Deutsch­land kannst du den Selbst­be­halt eben­falls ver­si­chern. Über die Selbst­be­tei­li­gung muss bei Abho­lung des Miet­wa­gens eine Kau­ti­on (in der Regel über Kre­dit­kar­te) hin­ter­legt wer­den.
  • Stra­ßen: Der Zustand von marok­ka­ni­schen Stra­ßen ist sehr unter­schied­lich. Wenn du mit einem PKW unter­wegs bist, musst du dar­auf ach­ten, für dei­ne Rou­te asphal­tier­te Stra­ßen zu ver­wen­den. Das sind in der Regel die grö­ße­ren Ver­bin­dungs­stra­ßen. Zum Navi­gie­ren haben wir Goog­le Maps (Inter­net über marok­ka­ni­sche SIM-Kar­te) oder eine GPS-basier­te Navi­ga­ti­ons-App ver­wen­det. Damit haben wir sogar in der Medi­na von Mar­ra­kesch unser Riad gefun­den.
  • Ver­kehr: Wir emp­fan­den den Ver­kehr nicht als beson­ders stres­sig, außer in der Innen­stadt von Mar­ra­kesch. Auf den Stra­ßen des Südens ist nicht viel los und es geht ent­spannt zu. Nacht­fahr­ten haben wir aller­dings ver­mie­den, da viel unbe­leuch­te­te Fahr­zeu­ge wie Esels­kar­ren oder Zwei­rä­der unter­wegs sein sol­len.

    Eselskarren auf der Straße

    Gemüt­lich mit Esels­kar­ren unter­wegs

  • Par­ken: Park­plät­ze wer­den oft von mehr oder weni­ger offi­zi­el­len Park­platz­wäch­tern bewacht. Sie for­dern dafür ein paar Dir­ham. Es soll vor­kom­men, dass das Auto beschä­digt wird, wenn man nicht bereit ist zu zah­len.
  • Tan­ken: Es gibt in nahe­zu jeder Ort­schaft eine oder meh­re­re Tank­stel­len, so dass die Ver­sor­gung mit Ben­zin nicht schwie­rig ist. Das Tan­ken erfolgt immer durch das Per­so­nal, das dafür etwa 10 Dir­ham Trink­geld erwar­tet. Du gibst an, wel­ches Ben­zin du möch­test („sans plomb” = blei­frei) und wie viel („plein” = voll) oder den Betrag, für den du tan­ken möch­test. Die Ben­zin­prei­se sind güns­ti­ger als in Deutsch­land, etwa 10 – 11 Dir­ham (ca. 1 Euro) pro Liter.
  • Rei­se­füh­rer: Ein sehr guter Rei­se­füh­rer für den Road­trip durch Marok­ko ist von Astrid und Eri­ka Därr: Rei­se Know-How Südma­rok­ko mit Mar­ra­kesch, Aga­dir und Essaoui­ra* Neben den übli­chen tou­ris­ti­schen Infor­ma­tio­nen bie­tet er genaue Beschrei­bun­gen der Stre­cken, was wir sehr hilf­reich fan­den.