Das Draa-Tal um Agdz in Marokko – Kasbahs und Palmen

Kasbah im Draa-Tal

Das Draa-Tal in der Nähe von Agdz ist unser nächstes Ziel nach unserer Sahara-Wüstentour in Marokko.

Auf unserem Weg von Zagora hinauf entlang dem meist trockenen Flussbett der Draa sehen wir viele Kasbahs, alte Lehmdörfer, unzählige Dattelpalmen und authentisches Dorfleben. Schulkinder in den weißen Kitteln der Schuluniformen laufen am Straßenrand entlang. Für viele von ihnen ist der Schulweg einige Kilometer lang.

Die Kasbah in Oulad Othmane

Im Ort Oulad Othmane halten wir, um die Kasbah zu besichtigen. Das Dorf im Draa-Tal ist arabisch, in einer ansonsten berberischen Umgebung. Die Kasbah stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Als wir den Hof der Kasbah betreten, fordert ein Mann 20 Dirham Eintritt. Sehr offiziell sieht der Gute nicht aus, eher als hätte er einen alten Tisch vom Sperrmüll geholt und vor die Eingangstür gestellt. Es führt anscheinend kein Weg an ihm vorbei in die Burg und so zahlen wir den Betrag.

Eingang zur Kasbah Othmane
Eingang zur Kasbah Othmane

Wir betreten die dunklen, hohen Räume der Kasbah. Ein etwa zehnjähriger Junge begleitet uns und zeigt uns die Richtung an, in die wir weitergehen sollen. Als Guide ist er ziemlich mundfaul, was unter Umständen an mangelnden Sprachkompetenzen liegen könnte. Wir streifen über mehrere Stockwerke der Kasbah und schauen von der Dachterrasse weit über das Dorf und das Draa-Tal.

Blick über das Lehmdorf
Das Lehmdorf von oben
Blick vom Dach der Kasbah über die Palmengärten des Draa-Tals
Blick vom Dach der Kasbah über die Palmengärten des Draa-Tals

Die Kasbah scheint zumindest teilweise noch bewohnt zu werden, wie Wäscheleinen im Innenhof bezeugen. Daher gibt es auch Bereiche, die wir nicht betreten sollen, wie uns unser junger Guide mit energischem „Non, non!“ klarmacht.

Natürlich fordert auch er am Ende Entlohnung ein, wir geben ihm 10 Dirham.

Enge Gasse zwischen hohen Lehmmauern
Enge Gasse zwischen hohen Lehmmauern

Beim anschließenden Rundgang durch die steilen Gassen des alten Lehmdorfs sammeln sich ein paar lebhafte Jungen im Grundschulalter um uns. Nach den üblichen Forderungen „Stylo! Bonbons! Dirham!“ erweisen sie sich immerhin als kommunikativer als unser mundfauler Guide. Sie sprechen genug Brocken Französisch, um sich zumindest bruchstückhaft über Fußball, Schule und Wünschen nach einem Fahrrad und einem neuen Ball auszutauschen.

Agdz im Draa-Tal

Unsere Unterkunft liegt im Ortsteil Asslim. Am Rand des alten Ksars und umgeben von den Palmengärten der Flussoase im Draa-Tal ist es beschaulich und ruhig.

Hohe Mauer am Pfad, dahinter grüne Sträucher
Hohe Lehmmauern begrenzen die Palmengärten

Wir spazieren den Ort hinauf. Ein kleiner Junge auf einem Fahrrad gesellt sich zu uns. Außer „Bonjour“ kann er wohl noch kein Französisch. Plötzlich winkt er aufgeregt, macht mit der Hand die international bekannte Scheibenwischer-Geste vor dem Gesicht. Wir verstehen nicht richtig, was er uns damit sagen will. Dann düst er mit Höchstgeschwindigkeit davon, kurz bevor eine alte Berberin mit bitterbösem Gesicht um die Ecke biegt. Wir grüßen sie freundlich, erhalten aber keine Antwort. Nachdem wir unseren Weg fortsetzen fliegen wenig später faustgroße Steine über uns. Erschrocken drehen wir uns um und sehen die Alte mit erstaunlicher Kraft ausholen und die Brocken nach uns werfen. Zum Glück ist Treffsicherheit geringer als die Energie. Wir vermuten, dass die Frau verrückt ist und der kleine Junge uns warnen wollte.

Gras, Bäume und Lehmmauern
Freundliches Grün in den Palmengärten
Eselskarren steht quer auf dem Weg
Geparkter Esel

Unseren Rückweg suchen wir uns durch die Terrassengärten der Palmeraie im Draa-Tal. Ab und zu begegnen uns Menschen mit Eselskarren, die von der Arbeit in den Gärten kommen. Alle grüßen uns freundlich und keiner wirft mit Steinen.

Wanderung durch die Palmengärten des Draa-Tals

In unserem Reiseführer ist eine Wanderung durch die Palmeraie des Draa-Tals beschrieben. Von Asslim oder auch Agdz aus geht es entlang der Oasenwege bis nach Tamnougalte.

Reich gedeckter Frühstückstisch
Gut gestärkt für die Wanderung

Nach einem köstlichen Frühstück starten wir vom Riad aus direkt in die Palmengärten. Allerdings entpuppt sich die Aussage, dass alle Wege irgendwann zur Draa führen als etwas zu optimistisch. Einige Male verlaufen wir uns und müssen an einem undurchdringlichen Gebüsch oder einer abweisenden Lehmmauer wieder umkehren.

Schließlich erreichen wir das breite, trockene Flusstal der Draa. Eine Brücke führt hinüber, doch wir schenken uns den kleinen Umweg über sie und laufen direkt durch das Flussbett.

Breites trockenes Flussbett voller Schotter
Zu Fuß durchs trockene Flussbett der Draa

Auf der anderen Seite der Draa gelangen wir wieder in die Palmengärten. Ab und zu sehen wir Eselskarren. Menschen arbeiten in den grünen Feldern. Neben den Dattelpalmen, für die das Draa-Tal berühmt ist, wachsen hier auch Obstbäume und -sträucher. Auf den Flächen werden Getreide, Gemüse und Kartoffeln angebaut. Bewässert wird alles durch ein ausgekügeltes System von Kanälen.

Wir wandern entlang hoher Lehmmauern, balancieren über schmale Stege über die Bewässerungskanäle und entlang steiler Böschungen.

Marcus steht auf schmalem Pfad
Schmale Lehmpfade entlang der Kanäle
Frauen auf einem Eselkarren
Frauen auf einem Eselkarren

So erreichen wir die Straße an einem kleinen Dorf, wo wir sofort wieder von bettelnden Schulkindern umringt werden. Unser „Pas des stylos, pas des bonbons, pas des dirhams“ nehmen sie offensichtlich nicht richtig ernst und folgen uns eine ganze Weile.

Ein Berber auf einem Fahrrad gesellt sich auf dem letzten Stück der Straße vor Tamnougalte zu uns. Er spricht ein paar Brocken Deutsch und behauptet, als Guide für eine deutsche Reisefirma tätig zu sein. In Tamnougalte weist er uns den Weg Richtung Kasbah. Dort lässt er uns durch ein Tor schlüpfen und zeigt uns sozusagen als Appetithappen ein paar schmale Gässchen der Mellah. Höchstpersönlich bringt er uns zum einzigen Restaurant, das direkt in der Kasbah liegt und will uns nach einer Stunde abholen. Als wir nach dem Preis für die angebotene Führung fragen, nennt er 100 Dirham. Zu teuer, befinden wir. Er will später mit uns über den Preis reden.

Zunächst genießen wir ein sehr leckeres Couscous-Gericht auf der Terrasse. Das Lokal ist gut besucht, auch von vielen marokkanischen Touristen.

Die Kasbah Tamnougalte im Draa-Tal

Nach einer Stunde keine Spur von unserem selbsternannten Guide. Das stört uns nicht allzusehr. Ersatz findet sich sofort im Eingangsbereich der Kasbah, wo mehrere Männer auf Touristen warten. Joed spricht uns an und stellt sich als Nachkomme der Familie vor, die auf der Kasbah herrschte. Wir einigen uns auf 50 Dirham für die Führung und erleben interessante und kurzweilige anderthalb Stunden.

Einer der schönen Innenhöfe der Kasbah Tamnougalte
Einer der schönen Innenhöfe der Kasbah Tamnougalte
bemalte Holzbalken der Decke
An manchen Stellen erkennt man noch kunstvolle Deckenbemalung
Berber zieht einen Eimer am Seil aus dem Brunnen
Joed demonstriert die Bedienung des Brunnens

Durch verschiedene Innenhöfe der Kasbah geht es, jeder mit einer eigenen Funktion. Hier wurde gefeiert, dort die Vorräte aufbewahrt, in einem anderen die Händler der Karawanen begrüsst, die hier übernachteten. Die Kasbah Tamnougalte stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist damit die erste und älteste Kasbah des Landes.

Wir besichtigen die Küche mit rußgeschwärztem Ofen, die ehemalige Moschee und die Überreste der Koranschule, wo die Schüler in winzigen Kämmerchen untergebracht wurden. Zum Schluss geht es in die Gärten der Palmeraie, wo Joed uns Mandelbäume und Granatäpfelsträucher zeigt.

Mandelbaum mit Frucht
Mandelbaum mit Frucht
Granatapfelstrauch mit oranger Blüte und Fruchtansatz
Granatapfelstrauch

Gerne hätten wir Joeds Einladung zum Tee in seinem Haus akzeptiert, doch uns drängt die Zeit. Schließlich müssen wir noch die ganze Strecke durchs Draa-Tal zurückwandern.

So kommen wir abends zwar mit wehen Füßen, aber um einige großartige Eindrücke reicher wieder in unserem Riad an.

Infos:

  • Anreise: Per Bus erreichst du Agdz sowohl von Ouarzazate (aus Richtung Marrekesch) oder von Zagora aus. Bequemer ist die Anreise natürlich mit dem Mietwagen, mit dem du über die N9 durch spektakuläre Landschaften fährst und für Fotostopps immer wieder anhalten kannst. Die Straße ist asphaltiert und problemlos befahrbar.
  • Unterkunft: In Agdz gibt es diverse Unterkünfte, die du über die üblichen Buchungsportale buchen kannst. Unsere Unterkunftstipps für das Draa-Tal kannst du in unserem Artikel „7 schöne und preiswerte Hotels in Marokko“ nachlesen.
  • Kasbah Tamnougalte: Wenn du nicht wandern willst und über kein Auto verfügst, gelangst du mit Grand Taxis von Agdz nach Tamnougalte. Für die Wanderung empfiehlt sich eine Navigations-App wie Maps.me oder Google Maps aufs Handy zu laden.

 

 

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10 Kommentare bei „Das Draa-Tal um Agdz in Marokko – Kasbahs und Palmen“

  1. Das sieht ja alles wunderschön aus! Ich war auch in Marokko und kann es auch nur jedem empfehlen, da mal einen Abstecher hinzumachen. Und eine Kasbah zu besuchen, am besten noch dort zu Mittag zu essen und sich in die Vergangenheit zurückversetzen zu lassen. Danke für den Flashback (war im April da) und die tollen Bilder. LG Marina

    1. Liebe Marina,

      es geht uns genau wie dir: die Begeisterung für Marokko hält an.
      Wir haben sogar ein Kasbah-Hotel gefunden und dort sehr schön übernachtet.

      LG
      Gina

  2. Liebe Gina, lieber Marcus
    was für ein toller Eindruck, den ihr mir jetzt von Marokko gezeigt habt. Bisher kenne ich das Land noch nicht, aber ich denke – das wird sich ändern!
    Schon alleine das Essen ist ja eine Reise wert! Aber auch eure Wanderung gefällt mir richtig gut. Ist so ganz anders, als das, was wir bisher so erlebt haben…
    Lieben Gruß,
    Susanne

    1. Liebe Susanne,

      das freut uns, wenn wir dir mit unseren Berichten Lust auf Marokko machen konnten.
      Es ist wirklich ein wunderbares Land.

      Liebe Grüße Gina

  3. Bilder aus Marokko beeindrucken mich immer wieder. Es ist eine ganz andere Welt. Ich würde auch sehr gerne mal nach Marokko reisen, habe mich bisher aber noch nicht getraut. Eine Hürde für mich ist, dass ich kein Französisch spreche.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,

      unser Französisch ist auch nur sehr rudimentär. Da, wo es touristisch interessant ist, gibt es inet auch englischsprachige Guides, wie bei unserer Sahara-Tour.
      Und sonst geht es auch mit Händen und Füßen.
      Trau dich, du wirst es sicher nicht bereuen!

      Liebe Grüße Gina

  4. Hi Gina,

    richtig beeindruckend. Wir waren ganze drei Monate in Marokko und haben es nicht in die Sahara geschafft, waren dafür aber im Atlasgebirge unterwegs. Wir dachten wir sind gegen Ende des Jahres nochmal dort, die Pläne haben sich jedoch doch geändert.

    Ein schöner Beitrag und tolle Bilder!

    Liebe Grüße,

    Jasmin

    1. Hi Jasmin

      drei Monate! Wie cool ist das denn!
      Der Atlas bietet ja auch beeindruckende Landschaften.
      Auf jeden Fall habt ihr einen guten Grund, Marokko noch mal zu besuchen, um auch die Sahara zu sehen.

      Liebe Grüße Gina

  5. Hallo Gina,
    ein Lehmdorf mitten in Marokko und es gibt zum Frühstück Kirikäse 😉
    Das ist echt lustig. Bisher hat mich diese Region noch garnicht als Reiseziel inspiriert, doch deine Bilder und Artikel ändern das gerade Stück für Stück.
    Wer weiß was die Zukunft da noch bringt.
    Liebe Grüße,
    Katja

    1. Ja, der Käse ist überall auf der Welt zu finden, der hat echt Karriere gemacht! 😀
      Marokko ist wirklich zauberhaft. Wenn wir dir mit unseren Berichten Lust darauf machen, freut uns das sehr.

      Liebe Grüße Gina

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