Natür­lich darf eine Wüs­ten­tour in die Saha­ra auf unse­rer Marok­ko-Rei­se nicht feh­len. Da uns die Wüs­te schon immer fas­zi­niert, war dies von vorn­her­ein klar. Als Ziel haben wir uns den Erg Che­ga­ga, die größ­te zusam­men­hän­gen­de Sand­wüs­te in Marok­ko aus­ge­sucht. Anders als der Erg Chebbi, der in der Nähe Mar­ra­keschs leich­ter zu errei­chen ist, ist der Erg Che­ga­ga weni­ger von Tou­ris­ten über­lau­fen.

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Foum Zguid – Start­punkt für unse­re Wüs­ten­tour in Marok­ko

Der Ort Foum Zguid am Ran­de der Saha­ra wur­de uns in Tafraou­te von einer ande­ren Rei­sen­den als „häss­li­ches Kaff mit jeder Men­ge Sol­da­ten” beschrie­ben. Am Orts­rand pas­sie­ren wir tat­säch­lich eine gro­ße Kaser­ne, aber Sol­da­ten sehen wir auf den Stra­ßen kei­nen ein­zi­gen. Auch ansons­ten erle­ben wir das Städt­chen als einen sehr ent­spann­ten und ange­neh­men Ort in Marok­ko. So viel zur Mei­nung ande­rer Rei­sen­der…

Unser Hotel Auber­ge L’O­asis* erweist sich als Glücks­tref­fer. Eine ehe­ma­li­ge Medres­sa (Koran­schu­le), tra­di­tio­nell aus gestampf­tem Lehm gebaut wur­de zu einem hüb­schen Gast­haus umfunk­tio­niert. Im lau­schi­gen Innen­hof ste­hen Tische und Stüh­le unter schat­ten­spen­den­den blü­hen­den Pflan­zen. Der Emp­fang durch Mus­ta­pha ist herz­lich. Wir wer­den mit Infor­ma­tio­nen ver­sorgt, was es alles zu sehen gibt und machen einen Ter­min, um mit sei­nem Cou­sin Ach­med über unse­re Wüs­ten­tour in die Saha­ra zu spre­chen.

Innenhof mit blühenden Sträuchern

Lau­schi­ger Innen­hof der Auber­ge L’O­asis

Spa­zier­gang durch Foum Zguid

Bevor wir unse­re Wüs­ten­tour pla­nen, machen wir uns auf, Foum Zguid zu erkun­den. Direkt neben­an liegt der halb ver­fal­le­ne Ksar, das alte Lehm­dorf. Wir durch­wan­dern die ein­sa­men Gas­sen. Die Häu­ser waren ursprüng­lich zwei- oder drei­stö­ckig, fal­len aber mit der Zeit immer mehr zusam­men. Wir haben den Ksar ganz für uns allei­ne, nur eine Kat­ze streift außer uns durch die Gas­sen. Ein­zel­ne Räum­lich­kei­ten schei­nen noch genutzt zu wer­den, ob als Wohn- oder Lager­raum ist uns nicht klar.

verfallenes Lehmdorf in Marokko

Blau­er Him­mel über dem alten Lehm­dorf

Als wir durch eines der Tore aus dem Wehr­dorf wie­der hin­aus­tre­ten, ste­hen wir vor einer klei­nen Moschee in den Über­res­ten eines Fried­hofs. Dahin­ter begin­nen die Pal­men­gär­ten der Oase. Gesäumt von Lehm­mau­ern durch­zie­hen Wege die satt­grü­ne Gar­ten­land­schaft. Freund­lich grü­ßen uns die weni­gen Men­schen, die uns auf unse­rem Spa­zier­gang begeg­nen.

Palmen säumen einen breiten Weg

Der Oasen­gar­ten von Foum Zguid

Eine jun­ge Frau mit drei Kin­dern grüßt und bleibt vor uns ste­hen, als wir pick­ni­ckend auf einem Mäu­er­chen Rast machen. Die Kin­der neh­men das ange­bo­te­ne Brot an, die Frau lehnt dan­kend ab. Wir fra­gen, ob wir Fotos machen dür­fen. Sie erlaubt uns, die Kin­der zu foto­gra­fie­ren, sie sel­ber möch­te nicht. Eine Scheu, die wir bei vie­len Men­schen im Volk der Ber­ber in Marok­ko erle­ben.

Unser Abend in Foum Zguid

Abends gehen wir ins Dorf. Vie­le klei­ne Läd­chen säu­men die Haupt­stra­ße, vor der Moschee sam­meln sich Män­ner in blau­en Tuni­ken, der typi­schen Klei­dung der Ber­ber in der Saha­ra. Im Restau­rant gibt es kei­ne Spei­se­kar­te, der Besit­zer zählt uns auf, was im Ange­bot ist. Wir ent­schei­den uns für Fleisch­spie­ße mit Pom­mes fri­tes.

Das Ortszentrum mit der Moschee

Das Orts­zen­trum mit der Moschee

Als wir fer­tig sind, kommt ein Bett­ler vor­bei­ge­schlufft. Er bleibt an unse­rem Tisch ste­hen und fixiert die Plat­te mit rest­li­chen Pom­mes, die übrig geblie­ben sind. Wir signa­li­sie­ren ihm, dass er sie sich neh­men kann. Einen Moment scheint er zu über­le­gen. Dann schlurft er zur ande­ren Ecke des Tisches, wo der Brot­korb steht, nimmt sich ein Stück Brot, legt es zu den Pom­mes und begibt sich mit dem Tel­ler zum frei­en Nach­bar­tisch. Dort lässt er sich nie­der und beginnt zu essen. Wie in Marok­ko üblich benutzt er das Brot als Besteck, mit dem er die Pom­mes auf­nimmt.

Ein jugend­li­cher Kell­ner kommt ange­lau­fen und beginnt eine komisch-ver­zwei­fel­te Dis­kus­si­on mit dem Bett­ler. Man­gels ber­be­ri­scher Sprach­kennt­nis­se ver­ste­hen wir zwar nichts davon, uns ist aber klar, dass er den Mann ver­trei­ben möch­te. Der Wort­wech­sel geht hin und her, schließ­lich steht der Bett­ler auf und rich­tet sich zu sei­ner beacht­li­chen Grö­ße auf. Der Kell­ner weicht zurück und klagt statt des­sen halb lachend, halb empört sein Leid dem Nach­barn. Als der Bett­ler in aller Ruhe fer­tig gespeist hat, bringt er den lee­ren Tel­ler zurück an unse­ren Tisch und bedankt sich mit der maghre­bi­ni­schen Ges­te des Hand auf die Brust Legens. Wir sind beein­druckt, wel­che Wür­de der Mann sich in sei­nem ärm­li­chen Leben in Marok­ko bewahrt.

Saha­ra-Wüs­ten­tour zum Erg Che­ga­ga

Am nächs­ten Mor­gen star­ten wir zu dem High­light unse­res Marok­ko-Trips: die Wüs­ten­tour in die Saha­ra. Ach­med holt uns mit einem rie­si­gen Gelän­de­wa­gen am Hotel ab. Bald ver­las­sen wir die Asphalt­stra­ße und schau­keln über eine holp­ri­ge Pis­te in die Wüs­te Rich­tung Erg Che­ga­ga.

Blaugekleideter Berber vor schwarzem Geländewagen vor dem Start zur Wüstentour Marokko

Los geht’s zu unse­rer Wüs­ten­tour: Gui­de Ach­med in tra­di­tio­nel­ler Tracht

Ent­ge­gen der meis­ten Vor­stel­lun­gen besteht die Saha­ra nicht nur aus male­ri­schen Sand­dü­nen. Zum über­wie­gen­den Teil ist sie eine Geröll­wüs­te, die soge­nann­te Ham­ma­da. Durch die­se fah­ren wir jetzt. Skur­ri­le Fels­for­ma­tio­nen von Aus­läu­fern des Atlas-Gebir­ges begren­zen die Land­schaft. Strup­pi­ge Bäum­chen ste­hen ver­ein­zelt in der Flä­che.

Geröllwüste mit einzelnen Bäumen

Kar­ge Wüs­ten­land­schaft

Kon­troll­pos­ten in der Saha­ra

Wir pas­sie­ren einen mili­tä­ri­schen Kon­troll­pos­ten in der Wüs­te. Der besteht aus einer Beton­bu­de und einer Schran­ke. Drei Sol­da­ten, nur einer davon in Uni­form, die ande­ren im Fuß­ball­tri­kot sind die Beman­nung. Wir bekom­men freund­lich die Hand geschüt­telt, bevor wir unse­re Päs­se abge­ben. Der uni­for­mier­te Sol­dat ver­schwin­det damit in der Bude, denn jeder, der hier pas­siert wird regis­triert. Der­weil ver­sucht der Kol­le­ge im Sport-Out­fit mit­tels eines Wal­kie-Tal­kies Emp­fang zu bekom­men. Gar nicht so ein­fach mit­ten in der Saha­ra. Er weiß genau, wo er ihn bekommt: indem er auf einen ver­mut­lich eigens dafür auf­ge­schich­te­ten Stein­hau­fen steigt und den Arm mit dem Wal­kie-Tal­kie hoch in die Luft reckt. So unter­hal­ten wird uns die Zeit nicht lang, bis wir unse­re Päs­se zurück erhal­ten. Noch ein klei­nes Pläusch­chen zwi­schen Ach­med und dem Sol­da­ten, dann öff­net sich die Schran­ke für die Wei­ter­fahrt auf unse­rer Wüs­ten­tour in die Saha­ra.

Fels­zeich­nun­gen und Begeg­nung mit einem Saha­ra-Bewoh­ner

Unse­re Fahrt durch die Wüs­te Marok­kos führt uns zu einem Hügel, der mit schwar­zen Stei­nen bedeckt ist. Wir stei­gen hin­auf und Ach­med zeigt uns Petro­gly­phen, die in die Stei­ne geritzt sind. Es sind Tie­re dar­ge­stellt, die an Hir­sche und Nas­hör­ner erin­nern. Auch Jagd­sze­nen sind zu erken­nen. Die Noma­den der Saha­ra kann­ten die bemal­ten Stei­ne schon lan­ge, konn­ten aber natür­lich nicht ein­ord­nen, wie alt sie wirk­lich sind.

Felszeichnungen von Nashörnern auf unserer Wüstentour

Fels­zeich­nun­gen von Nas­hör­nern

Kurz nach­dem wir wie­der gestar­tet sind, bremst Ach­med plötz­lich. Mit schar­fem Auge hat er eine Dorn­schwanz-Aga­me erspäht, ein typi­scher Bewoh­ner der Saha­ra in Marok­ko. Sehr exo­tisch wirkt das Tier mit sei­nem leuch­tend oran­gen Kör­per. Wir erfah­ren spä­ter, dass dies die Tages­far­be ist, wenn die Son­ne schon hoch steht. So regu­liert die Aga­me ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur, da die Son­nen­ein­strah­lung die hel­le­re Far­be weni­ger auf­heizt. Am frü­hen Mor­gen ist das Tier noch schwarz, um nach der küh­len Nacht den Kör­per in der Son­ne  gut wär­men zu kön­nen. Was für wun­der­ba­re Din­ge sich die Natur doch ein­fal­len lässt!

orangefarbene Echse auf schwarzen Steinen

Ein Schmuck­stück in der Wüs­te ist die leuch­tend oran­ge Aga­me

Über den Lac Iri­ki

Nach einer Wei­le errei­chen wir den Lac Iri­ki. Unse­re Wüs­ten­tour führt mit­ten hin­durch, denn der See ist mitt­ler­wei­le völ­lig aus­ge­trock­net. Alles Was­ser, was frü­her hier her­ein floss wird heu­te von Stau­däm­men im Atlas-Gebir­ge auf­ge­hal­ten. Das macht das Leben der Noma­den der Saha­ra natür­lich nicht gera­de ein­fa­cher.

Am Hori­zont tau­chen die Umris­se eines Burg-ähn­li­chen Gebäu­des auf. Beim Näher­kom­men ent­puppt es sich als Rast­haus im Kas­bah-Stil. Dort hal­ten wir an für unse­re Mit­tags­pau­se auf der Wüs­ten­tour. Um uns erstreckt sich die Wei­te der Wüs­te und wir genie­ßen den Aus­blick in die Saha­ra. Im Schat­ten der küh­len­den Lehm­mau­ern neh­men wir unser Lunch zu uns.

Raststätte auf dem Lac Iriki

Rast­stät­te auf unse­rer Wüs­ten­tour auf dem Lac Iri­ki

Eine gan­ze Rei­he die­ser Rast­stät­ten-Kas­bahs pas­sie­ren wir auf unse­rem wei­te­ren Weg über den Lac Iri­ki. Anschei­nend hat jeder Wüs­ten­tour-Ver­an­stal­ter dort eine Sta­ti­on errich­tet.

Sukkulenten wachsen im Sand

Wüs­ten­ve­ge­ta­ti­on in Marok­ko

All­mäh­lich wird der Unter­grund san­di­ger, auch die Vege­ta­ti­on ver­än­dert sich. Suk­ku­len­ten­ar­ti­ge Sträu­cher mit flei­schi­gen Blät­tern domi­nie­ren hier. Das Auto wühlt sich über die san­di­ge Stre­cke, bis wir irgend­wann abbie­gen und Rich­tung Dünen des Erg Che­ga­ga fah­ren. Unse­re Wüs­ten­tour endet für heu­te an dem klei­nen Noma­den­camp zwi­schen hoch auf­ra­gen­den Sand­dü­nen.

Große Sanddünen im Erg chegaga in der Sahara

Ange­kom­men im Erg Che­ga­ga – der Höhe­punkt unse­rer Wüs­ten­tour in der Saha­ra

Im Wüs­ten-Camp zwi­schen den Dünen des Erg Che­ga­ga

So bleibt uns genug Zeit, das Saha­ra-Camp und die Umge­bung zu erkun­den. In der Mit­te des Lagers steht ein grö­ße­res Zelt, das üppig mit Tep­pi­chen, Diwans, Tischen und Stüh­len möbliert ist. Hier wer­den wir unse­re Mahl­zei­ten ein­neh­men.

Vier klei­ne­re Zel­te bil­den den Schlaf­trakt. Da wir bei­de die ein­zi­gen Gäs­te sind, ist nur eines davon belegt. Vier Bet­ten mit beque­men Matrat­zen ste­hen dar­in.

Marcus tritt aus dem Zelt

Das schlich­te Schlaf­zelt

Doppelbett im Schlafzelt

Das Inne­re ist sehr gemüt­lich

Ein Klo­häus­chen und eine Hüt­te, die als Küche dient ver­voll­stän­di­gen das Saha­ra-Camp im Erg Che­ga­ga.

Ali, der Inha­ber des Wüs­ten-Camps begrüßt uns freund­lich. Ein beein­dru­ckend gro­ßer schwar­zer Tur­ban ziert sein Haupt. Wir dür­fen wäh­len, ob wir den Begrü­ßungs-Tee im Restau­rant-Zelt oder zusam­men mit den Ber­bern hin­ter der Küche ein­neh­men möch­ten. Natür­lich ent­schei­den wir uns für letz­te­res und lüm­meln kurz dar­auf gemüt­lich auf Tep­pi­chen unter dem Palm­blatt-Dach hin­ter der Küche. Ein inter­es­san­tes Gespräch über das Leben in der Saha­ra ent­spinnt sich. Und wir sehen zum ers­ten Mal einen Ska­ra­bä­us, der eilig durch den Wüs­ten­sand rennt.

Berber mit schwarzem Turban

Ali – unser freund­li­cher Gast­ge­ber in der Saha­ra

Spa­zier­gang über die Dünen des Erg Che­ga­ga

Nach der ent­spann­ten Tee­stun­de stei­gen wir auf die Dünen. Das ist gar nicht so ein­fach, denn sie sind ziem­lich steil. Außer­dem sin­ken die Füße tief in den Sand, was den Auf­stieg dop­pelt anstren­gend macht. Schließ­lich errei­chen wir den Kamm der Düne und stel­len fest, dass es sich auch hier nicht so ein­fach ent­lang spa­zie­ren lässt. Stän­dig rutscht der fei­ne Sand des Erg Che­ga­ga unter unse­ren Füßen weg und lässt uns mit dem Gleich­ge­wicht kämp­fen. Über den Kamm stei­gen wir hin­auf zu der höchs­ten Erhe­bung der Düne. Hier las­sen wir uns nie­der und bli­cken über die auf- und abstei­gen­den Sand­hü­gel des Erg Che­ga­ga. Sie schim­mern in einem war­men Gold­braun im Licht des spä­ten Nach­mit­tags.

Fußspuren über die Düne

Wüs­ten­spa­zier­gang in der Saha­ra

Gina sitzt auf der Düne auf unserer Wüstentour

Ent­span­nung im war­men Wüs­ten­sand

Ein leb­haf­ter Wind ist auf­kom­men und lässt die fei­nen Sand­kör­ner flie­gen. Dar­um sind wir dop­pelt dank­bar für unse­re Che­ches, die typi­schen lan­gen Schals der Wüs­ten­be­woh­ner, die viel­fach um den Kopf gewi­ckelt wer­den. So schüt­zen sie vor Son­ne, Sand und Wind glei­cher­ma­ßen.

Sand weht über den Dünenkamm

Klei­ner Sand­sturm im Erg Che­ga­ga

Son­nen­un­ter­gang über dem Erg Che­ga­ga im Sand­sturm

Tisch mit Tajine und Kerze

Cand­le Light Din­ner im Wüs­ten­camp

Nach­dem wir das Abend­essen – eine aro­ma­ti­sche Taji­ne – im Restau­rant­zelt genos­sen haben, machen wir uns noch ein­mal an der Auf­stieg auf die Sand­dü­nen des Erg Che­ga­ga. Wir wol­len dort oben den Son­nen­un­ter­gang über der Saha­ra beob­ach­ten. Der Wind ist mitt­ler­wei­le immer stär­ker gewor­den und hat sich zu einem klei­nen Sand­sturm ent­wi­ckelt. Wir ver­mum­men uns in unse­re Che­ches als Schutz gegen die flie­gen­den Sand­körn­chen. Trotz­dem wer­den wir am Abend über­all – in Ohren, Nase und zwi­schen den Zäh­nen –  Sand haben.

Gina mit Tuch über Kopf und Gesicht

Gut ein­ge­packt auf der Wüs­ten­tour in Marok­ko

Über­all auf den Dünen­käm­men erschei­nen nun Men­schen. Wir sind zwar die ein­zi­gen Gäs­te in unse­rem Saha­ra-Camp, doch von oben kön­nen wir erken­nen, dass auch in den benach­bar­ten Dünen­tä­lern klei­ne Wüs­ten-Camps errich­tet wur­den. Immer­hin ist es nicht wie im Erg Chebbi, wo teil­wei­se gan­ze Bus­la­dun­gen von schwat­zen­den Tou­ris­ten abge­la­den wer­den.

Durch den Sturm erle­ben wir nicht, dass die unter­ge­hen­de Son­ne die Saha­ra zum Glü­hen bringt. Alle Far­ben sind gedämpft, die Land­schaft vom Sand­schlei­er weich­ge­zeich­net. Es ist eine ganz beson­de­re Atmo­sphä­re, die dadurch geschaf­fen wird. Wir sit­zen fas­zi­niert im wei­chen Wüs­ten­sand und ver­fol­gen das Schau­spiel, wie die Son­ne über dem Erg Che­ga­ga ver­sinkt.

Sonnenuntergang in der Sahara in Marokko

Son­nen­un­ter­gang in der Saha­ra

Nachts bleibt uns lei­der ein groß­ar­ti­ger Ster­nen­him­mel, wie wir ihn in der Wüs­te im Wadi Rum erlebt haben ver­wehrt. Der Grund dafür ist der rie­si­ge blei­che Voll­mond, der die Saha­ra hell erleuch­tet. Das ist aller­dings auch ein Erleb­nis.

Vollmond auf der Wüstentour in Marokko

Statt Ster­nen­him­mel ein rie­si­ger Mond

Der zwei­te Tag unse­rer Wüs­ten­tour in Marok­ko

Nach einer traum­haft ruhi­gen Nacht und einem lecke­ren marok­ka­ni­schen Früh­stück erklim­men wir noch ein­mal die Dünen des Erg Che­ga­ga. Unse­re Fuß­spu­ren von ges­tern sind vom Wind kom­plett aus­ge­löscht. Der Sand prä­sen­tiert sich so glatt, als hät­te ihn nie jemand betre­ten. Wir sto­ßen auf merk­wür­di­ge Spu­ren, die kreuz und quer über die Dünen lau­fen. Neu­gie­rig ver­fol­gen wir sie, bis wir irgend­wann auf den Urhe­ber sto­ßen: ein gro­ßer Ska­ra­bä­us-Käfer rennt eilig durch den Wüs­ten­sand.

Skarabäus-Käfer

Ska­ra­bä­us-Käfer

Ein letz­ter Blick über die sanft geschwun­ge­nen Dünen­käm­me des Erg Che­ga­ga. Wir sau­gen die Wei­te und die Ein­sam­keit in uns auf, bevor unse­re Wüs­ten­tour wei­ter geht. Die erhoff­te Stil­le wird lei­der durch das ent­fern­te Brum­men der Sand­bug­gies, mit denen Tou­ris­ten amü­siert wer­den, etwas gestört.

Gina auf Dünenkamm

Abschied vom Erg Che­ga­ga

Ach­med war­tet schon am Auto, um unse­re Wüs­ten­tour fort­zu­set­zen. Ali ver­ab­schie­det uns warm­her­zig, dann rum­peln wir wie­der über die Wüs­ten-Pis­te und ver­las­sen den traum­haf­ten Erg Che­ga­ga.

Ein­bli­cke in das Leben der Noma­den der Saha­ra

Heu­te bekom­men wir ein wenig vom Leben der Noma­den der Saha­ra gezeigt. Den ers­ten Noma­den tref­fen wir, als er zu Fuß die Pis­te ent­lang wan­dert. Ach­med hält an, offen­sicht­lich ken­nen sich die bei­den. Ein fröh­li­ches Pala­ver auf ber­be­risch ent­spinnt sich. Der alte Mann steigt ein und begrüßt uns strah­lend und mit einem Hän­de­schüt­teln. Fröh­lich unter­hal­ten sich bei­den und haben viel zu lachen. An einem Brun­nen steigt unser Pas­sa­gier aus, bedankt sich und schüt­telt uns zum Abschied wie­der die Hand. Eine sehr herz­li­che Begeg­nung, auch wenn wir uns mit Wor­ten nicht ver­stän­di­gen konn­ten.

Wenig spä­ter fah­ren wir vor einer Noma­den-Schu­le in der Wüs­te vor. Offi­zi­ell herrscht in Marok­ko all­ge­mei­ne Schul­pflicht. Aller­dings bie­tet die Regie­rung kei­ne Hil­fe­stel­lung für die in der Saha­ra leben­den Noma­den, um ihren Kin­dern Schul­bil­dung zu ermög­li­chen. Es gibt Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, die in der Wüs­te klei­ne Schu­len errich­ten, wo die umlie­gen­den Noma­den-Fami­li­en ihre Spröß­lin­ge hin­schi­cken kön­nen. Wir betre­ten das Schul­zelt, wo gera­de Lesen geübt wird. Etwa 14 Kin­der, Mäd­chen und Jun­gen sit­zen auf den Schul­bän­ken. Der Leh­rer erlaubt uns Fotos zu machen. Doch die meis­ten der Kin­der ver­ber­gen erschreckt ihre Gesich­ter hin­ter den Armen, als ich mei­ne Kame­ra zücke. So ver­zich­ten wir auf Bil­der. Ach­med erläu­tert, dass die Kin­der der Noma­den vor­mit­tags zur Schu­le kom­men, nach­mit­tags müs­sen sie bei ihren Fami­li­en mit­hel­fen.

Großes Zelt

Die Noma­den-Schu­le

Ach­med erzählt uns, dass sei­ne Fami­lie aus der Wüs­te nach Zago­ra gezo­gen ist, damit sein klei­ner Bru­der zur Schu­le gehen konn­te. Unser Gui­de sel­ber war zu die­sem Zeit­punkt schon acht­zehn und hat nie lesen und schrei­ben gelernt, ein Schick­sal, das vie­le Ber­ber sei­ner Genera­ti­on in Marok­ko tei­len.

Zu Besuch bei einer Noma­den-Fami­lie in der Saha­ra

Nach der Noma­den-Schu­le ist unser nächs­ter Halt auf unse­rer Wüs­ten­tour die Behau­sung einer Noma­den-Fami­lie in der Saha­ra. Aus klei­nen Fels­bro­cken und Stei­nen auf­ge­schich­te­te Mau­ern bil­den Wän­de und Abtren­nun­gen. Schutz gegen das Wet­ter bie­ten dar­über geleg­te Tep­pi­che oder Palm­blatt-Dächer. Die Hüt­ten sind so nied­rig, dass sie nur gebückt betre­ten wer­den kön­nen.

Einfache Hütten

Die Noma­den der Saha­ra füh­ren ein sehr ein­fa­ches Leben

Eine schma­le Frau mit einer mäd­chen­haf­ten Figur tritt aus der Hüt­te. Als sie näher kommt erken­nen wir das ver­wit­ter­te Gesicht einer alten Frau. Ver­mut­lich ist sie zwar nicht so jung, wie sie aus der Fer­ne wirk­te, aber auch nicht so alt, wie die Run­zeln sie wir­ken las­sen. Sie zieht einen Zip­fel ihres lose umge­leg­ten Kopf­tuchs vor den Mund, reicht uns aber unbe­fan­gen die Hand. Eine klei­ne, schma­le Hand, die hart und ris­sig ist wie ein Scheit Holz. Es lässt uns erah­nen, wie schwer die Arbeit hier drau­ßen in der Saha­ra Marok­kos sein muss. Ein Foto von sich machen zu las­sen lehnt die Ber­be­rin ab.

Wir bekom­men die Hüt­te gezeigt, in der sich die schlich­te Küche befin­det. Auch an der Außen­sei­te befin­det sich ein Ofen. Sie huscht in die Hüt­te und kommt mit ein paar ein­fa­chen Schmuck­stü­cken wie­der her­aus, die sie uns ver­kau­fen möch­te. Wir leh­nen dan­kend ab, geben ihr aber ein paar Dir­ham, die sie sicht­lich erfreut annimmt.

Die Noma­den-Fami­lie ver­dient sich ihren Lebens­un­ter­halt in der Saha­ra mit der Zucht von Kame­len. Kurz dar­auf nähern sich wei­te­re Fami­li­en­mit­glie­der, die eine Her­de Kame­le mit sich brin­gen. Es ist ein wild­ro­man­ti­scher Anblick, wie die Tie­re über die stei­ni­ge Wüs­te in einer brei­ten Rei­he auf uns zuge­schwankt kom­men.

Eine Reihe Kamele kommt auf uns zu

Die Kamel­her­de

Ein kur­zer Zwi­schen­halt in dem Dorf, in dem Ach­med groß­ge­wor­den ist beschert uns eini­ge Melo­nen aus dem Oasen­gar­ten. Sie wach­sen in Hül­le und Fül­le in den bewäs­ser­ten Fel­dern. Auch hier wer­den wir wie­der herz­lich mit Hän­de­schüt­teln und Tee begrüßt.

Zwei Berber tragen Wassermelonen auf ihren Schultern

Was­ser­me­lo­nen-Ern­te

Auf unse­rem Rück­weg aus der Saha­ra nach Foum Zguid bestau­nen wir noch mal die groß­ar­ti­ge und viel­fäl­ti­ge Land­schaft der Wüs­te. Von kar­gen Geröll­fel­dern, tief ein­ge­schnit­te­nen Wadis, gewal­ti­gen Fel­sen­ge­bir­gen der Atlas-Aus­läu­fer bis zu üppi­gen Pal­men wird uns auf unse­rer Wüs­ten­tour in Marok­ko alles gebo­ten.

Palmen, im Hintergrund Berge

Sand, Pal­men, Ber­ge – die Saha­ra ist sehr viel­sei­tig

Infos zur Wüs­ten­tour in Marok­ko

  • Kli­ma: In den Som­mer­mo­na­ten wird es in der Saha­ra uner­träg­lich heiß. Dann wer­den in der Regel auch kei­ne Tou­ren ange­bo­ten. Im Win­ter ist es tags­über mild, kann aber nachts sehr kalt wer­den. Am güns­tigs­ten sind die Herbst- und Früh­lings­mo­na­te für eine Wüs­ten­tour in Marok­ko. Wir waren Anfang Mai unter­wegs, es war tags­über ange­nehm warm und nachts nicht zu kalt.
  • Erg Chebbi hat den Vor­teil, dass es rela­tiv nah zu Mar­ra­kesch liegt, von vie­len Anbie­tern wird dort die Wüs­ten­tour unter­nom­men. Auch im Aus­gangs­ort Merz­ou­ga kannst du direkt dei­ne Tour buchen und sogar zu Fuß in die Dünen mar­schie­ren. Das ist gleich­zei­tig auch der Nach­teil, denn es geht dort ziem­lich tou­ris­tisch zu, wie Nico­le auf ihrem Blog über ihre Wüs­ten­tour berich­tet. Wenn du nur wenig Zeit in Marok­ko hast, ist die Wüs­ten­tour in den Erg Chebbi eine Opti­on.
  • Erg Che­ga­ga liegt deut­lich abge­le­ge­ner, du musst dafür etwas mehr Zeit ein­pla­nen. Aus­gangs­punk­te für Wüs­ten­tou­ren in den Erg Che­ga­ga sind Foum Zguid, M’ha­mid und Zago­ra. Meist kannst du Tou­ren direkt über dei­ne Unter­kunft buchen.
  • Unter­kunft: Wer es wie wir güns­tig, ein­fach und gemüt­lich mag, ist in Foum Zguid in der Auber­ge L’O­asis* gut auf­ge­ho­ben. Eine etwas kom­for­ta­ble­re Unter­kunft beschrei­ben Dag­mar und Bru­no auf ihrem Blog Lucky Ways.
  • Aus­rüs­tung: Wenn du eine Wüs­ten­tour unter­nimmst, ist auf jeden Fall aus­rei­chend Son­nen­schutz wich­tig. Wir waren sehr froh, vor­her unse­re Che­ches erstan­den zu haben, die als Kopf- und Gesichts­schutz gegen Son­ne, Sand und Wind gute Diens­te leis­ten. Dein Gui­de wird dir zei­gen, wie du das lan­ge Tuch rich­tig zu einem Tur­ban wickelst. Son­nen­creme und eine gute Son­nen­bril­le sind eben­falls wich­tig. Für abends nimm dir ein paar war­me Sachen mit. Um auf den Sand­dü­nen der Saha­ra her­um­zu­lau­fen brauchst du kei­ne Schu­he, aber in der Ham­ma­da ist halb­wegs fes­tes Schuh­werk wie leich­te Snea­kers güns­tig. Klär vor­her mit dei­nem Gui­de, ob er genü­gend Was­ser mit­nimmt oder ob du sel­ber dafür sor­gen soll­test.

Alle Infor­ma­tio­nen zur Vor­be­rei­tung dei­ner selbst geplan­ten Marok­ko-Rei­se:

Marok­ko: Rei­se­tipps und Rei­se­vor­be­rei­tung für die indi­vi­du­el­le Rund­rei­se