Die Küche ist für uns eines der wichtigsten Teile in unserem Campervan. Schließlich wollen wir uns bequem und einfach selbst verpflegen können, wenn wir unterwegs sind. Daher haben wir in die Planung und den Ausbau unserer Küchenzeile viel Energie gesteckt.

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Planung der Küche

Was brauchen wir in unserer Camper-Küche? Natürlich die klassischen Bestandteile:

  • Herd
  • Spüle
  • Kühlschrank
  • Stauraum
  • genug Arbeitsfläche

In vielen Wohnmobilen fällt gerade die Arbeitsfläche sehr spartanisch aus. Das reicht vielleicht, wenn man sich nur ab und zu mal einen Kaffee kochen will. Wir wollen vernünftig Mahlzeiten zubereiten können und legen daher Wert auf eine ausreichend dimensionierte Arbeitsfläche.

Die Küchenzeile platzieren wir an der rechten Fahrzeugseite. Sie reicht vom Bett bis zur Hälfte der Schiebetür-Öffnung. So bleibt uns genug Platz, um ein- und auszusteigen und wir haben  über die geöffnete Tür – oder das Fenster –  Frischluft beim Kochen.

Kühlschrank, Herd und Spüle

Bevor wir mit dem Bau des Möbelkorpus beginnen, müssen wir wissen, welche Maße unsere Küchengeräte haben werden.

Daher steht die Anschaffung von Kühlschrank, Gaskochfeld und Spüle an erster Stelle.

Kühlschrank

Die Frage, ob wir einen Kühlschrank oder eine Kühlbox einbauen wollen, ist schnell entschieden. Wir wollen ausreichend Platz haben, um Gemüse, Milchprodukte und andere empfindliche Lebensmittel zu lagern. Und wir haben keine Lust, uns wie ein Hamster durch den Inhalt einer Kühlbox zu wühlen, um an unten gelagerte Dinge zu kommen.

Also: es wird ein Kühlschrank. Zur Auswahl für den Camping-Bereich stehen Kompressor- und Absorberkühlschränke. Kompressorkühlschränke laufen über 12-Volt-Strom. Absorberkühlschränke werden mit Gas oder Strom betrieben. Sie benötigen zwei zusätzliche Lüftungsöffnungen, die in die Fahrzeugwand geschnitten werden müssen. Außerdem haben wir gehört, das die Absorber nicht so gut kühlen wie Kompressorkühlschränke.

Da unsere Elektroversorgung ausreichend dimensioniert ist, um einen Kompressorkühlschrank zu betreiben, fällt die Auswahl nicht schwer.

Campingkühlschränke sind sauteuer. Für einen 80-Liter-Kühlschrank ist man schnell mit 800 Euro dabei. Doch es geht auch günstiger: Mit Belluna entdecken wir eine Firma, die normale Haushaltskühlschränke von 230 V auf 12 V umbaut. Diese Kühlschränke werden allseits sehr gelobt. So bestellen wir unseren Belluna-Kühlschrank mit 80 Liter Volumen.

Ein Nachteil bei einem umgebauten Haushaltskühlschrank: Die Tür kann – anders als bei einem Campingkühlschrank – nicht verriegelt werden. Daher besteht die Gefahr, dass sie sich während der Fahrt öffnet. Der Magnetverschluss in der Tür ist nicht stark genug, um den Fliehkräften standzuhalten. Damit uns das nicht passiert, besorgen wir eine Kindersicherung, die wir am Kühlschrank ankleben.

Gaskochfeld

Zweiflammiges Gaskochfeld.

Unsere Kochstelle

Kochen wollen wir gerne mit Gas. Es geht zwar ein Trend zu Induktionskochfeldern im Camper, aber diese benötigen viel Strom. Sie müssen über 230 Volt betrieben werden, was nur mit einem großen Wechselrichter und entsprechend großer Batterie geht. Oder man kann nur kochen, wenn man am Landstrom angeschlossen ist.

Wir kochen gerne mit Gas und haben – anders als viele – keine Angst davor. Wir entscheiden uns für ein zweiflammiges Kochfeld von Dometic. Es gibt auch dreiflammige Kochfelder, doch sind die Brenner so dicht beieinander, dass man nicht drei vernünftig große Töpfe oder Pfannen drauf stellen kann.

Um es einfach zu halten, verzichten wir auf Gimmicks wie elektrische Zündung, was das Teil gleich wieder doppelt so teuer macht. Wir kommen damit klar, ein Streichholz oder Feuerzeug zum Anzünden zu benutzen.

Das ausgewählte Kochfeld liegt schon seit Monaten bei uns zu Hause, als uns kurz bevor wir es einbauen wollen die Hiobsbotschaft erreicht: Unser Kochfeld gehört zu einer Baureihe, die wegen Sicherheitsmängeln zurückgerufen wird. Bäm!

Da zu diesem Zeitpunkt unser Küchenmöbel schon fertig ist, müssen wir einen Ersatz finden, der von der Größe her in unser Raster passt. Dazu kommt, dass viele Geräte im Jahr 2021 nicht lieferbar sind. So bleibt uns nichts anderes übrig, als doch das teure Dometic-Gaskochfeld mit Piezo-Zündung* zu ordern.

Spülbecken und Armatur

Der Platz für die Küchenspule ist durch den großen Kühlschrank auf der einen und dem Gaskochfeld auf der anderen Seite sehr begrenzt. Sie muss über den mittleren, 30 Zentimeter breiten (oder schmalen) Schrank passen.

Wir wollen auf keinen Fall so eine typische Campingspüle, mit einklappbaren Wasserhahn. Erstens sind die Dinger teuer – wie bei allen Artikeln, wo „Camping“ drauf steht. Zweitens haben wir schon oft gehört, dass die Wasserhähne sehr anfällig sind und schnell ihren Dienst einstellen.

Kleines Spülbecken mit hoher Armatur.

So sieht es fertig aus

So entscheiden wir uns für ein kleines Edelstahlbecken* mit den Maßen 325 x 265 Millimeter und eine separate Armatur*. Dabei handelt es sich um eine normale Haushaltsarmatur. Die ist hoch genug, dass wir bequem darunter hantieren können. Die ausziehbare Brause bietet zusätzlich Spielraum und kann durch die offene Schiebetür nach draußen gezogen werden. Da wir in unserem Wassersystem eine Druckpumpe verbauen, ist es problemlos möglich, sie anzuschließen.

Küchenmöbel bauen

Den Korpus der Küche bauen wir aus stabilen 15 Millimeter starken Multiplexplatten. Schubladen und Schranktüren fertigen wir aus leichtem 12 Millimeter Pappelsperrholz.

Marcus steht neben dem ersten Teil des Korpus der Camperküche.

Der Korpus entsteht

Korpus mit zwei Elementen.

– und wächst. Wir haben uns extralange Zwingen für den Bau zugelegt.

Da die Küchenzeile direkt ans Bett grenzt, ziehen wir die Wand dort etwas höher. Damit verhindern wir, das Wasser von der Arbeitsfläche aufs Bett kleckert. Als Arbeitshöhe für die Küche wählen wir einen Meter, da wir beide groß sind. So lässt es sich gut schnippeln, ohne dass es im Rücken ziept.

Die Außen- und Seitenwände des Küchenmöbels verbinden wir mit fünf Zentimeter breiten Multiplexstreifen. Sie werden unten, oben und an der Rückseite mit Dübelverbindungen befestigt und verleimt. Die Dübelverbindungen haben sich schon beim Bau unserer Oberschränke bewährt. So entsteht ein stabiles, nicht allzu schweres Grundgerüst.

Wir streichen das Küchenmöbel mit Osmo Dekorwachs weiß an. Mit Nietmuttern und stabilen Schrauben wird der Schrank am Querholm sicher befestigt. Durch die Bodenbretter schrauben wir ihn zusätzlich am Boden fest.

Gina und Marcus streichen den Korpus der Camperküche an.

Eine fast meditative Beschäftigung….

Schubladen, Blenden und Schranktüren für die Küche bauen

Wir planen mehrere Schubladen in der Küchenzeile.

Eine breite flache Schublade soll über dem Kühlschrank platziert werden, eine weitere breite flache unter dem Gaskochfeld.

Unter die Spüle kommen zwei schmale Schubladen. Die obere fällt sehr kurz aus, da dahinter der Siphon der Spüle verläuft. Die untere Schublade hat fast die volle Schranktiefe, ein bisschen Platz müssen wir für den Abflussschlauch einplanen. Darunter kommt eine Tür.

Da im Küchenschrank unter dem Herd der Gaskasten platziert wird, wollen wir dort zunächst keine Schranktür einbauen. Sonst müssten wir immer zwei Türen – Schrank und Gaskasten – öffnen, wenn wir ans Gas wollen. Statt einer Tür soll dort ein Vorhang hin.

Unmittelbar unter der Spüle und dem Gaskochfeld ist kein Platz für Schubladen. Dort montieren wir Blenden aus Pappelsperrholz.

Um die Schubladen zu bauen, konstruieren wir zuerst einen rechteckigen Rahmen aus Pappelsperrholz. Zwei Seitenteile, ein Rückteil und die vordere Blende werden zusammengeleimt und -geschraubt. Die vordere Blende ist höher und breiter als der restliche Schubkasten. Als Boden schrauben wir eine dünne Sperrholzplatte darunter.

Vier Schubladenkästen liegen auf dem Tisch.

Der Bau der Schubladen schreitet voran

Gina zeigt die Schubladenschiene.

Nun werden die Schubladenschienen angeschraubt

Als Schubladenschienen verwenden wir einfache Auszüge mit Rollen. Ein Teil wird von unten an den Schubkasten geschraubt. Das ist der einfache Schritt… Nun müssen wir die Schiene im Schrank platzieren, was mit viel Fluchen, Ausprobieren, Anschrauben, wieder Abschrauben verbunden ist, bis die Teile endlich halbwegs vernünftig sitzen.

Die Fronten lackieren wir in bunten Farben und erhalten so einen sehr fröhlichen Charakter unserer Küchenzeile. Wir verwenden Acryllack, weil der widerstandsfähiger als Dekorwachs ist. Das erscheint uns sinnvoll, da wir bestimmt öfter mal an der Front runterkleckern und putzen müssen.

Beim Versuch, die Schublade über dem Kühlschrank einzubauen – bleibt es beim Versuch. Wir haben uns offenbar gründlich vermessen und das Ding passt beim besten Willen nicht.Wir sind mit dem Bau der Küche unter Zeitdruck, da wir mit Balu in Urlaub wollen. So lassen wir das Fach erstmal offen und überlegen uns später eine Lösung.

Dagegen ist der Einbau der Tür im mittleren Schrankteil ein Kinderspiel.

Die Tür und die Schubladen versehen wir mit schlichten Bügelgriffen aus Aluminium.

Dagegen, dass sich Türen oder Schubladen während der Fahrt öffnen sichern wir uns mit magnetischen Kindersicherungen. Sie sind von außen unsichtbar und werden geöffnet, indem man einen Magneten von außen dranhält, der den Haken aufzieht. Wenn wir am Platz stehen, können wir den Sicherungsmechanismus deaktivieren. Das erspart uns, ständig mit dem Magneten hantieren zu müssen.

Gaskasten bauen

Um einen Gasherd im Camper zu betreiben, ist ein Gaskasten vorgeschrieben. Er muss folgende Vorausstzungen erfüllen:

  • luftdicht zum Wohnraum abgeschlossen
  • Gasflasche muss mit zwei verschiedenen Halterungen gesichert sein
  • Entlüftungsloch nach unten mit einem Durchmesser von 100 cm²
  • Druckminderer mit 30 mbar, zugelassen für Wohnmobile
  • Maximal 40 cm Gasschlauch
  • starre Gasleitung zum Verbraucher

Unseren Gaskasten haben wir schon vor gefühlten Ewigkeiten gebaut – zumindest den Kasten selber. Aus Holzlatten bauten wie ein Grundgerüst, das wir mit Pappelsperrholz beplankten. Um die Tür des Gaskastens luftdicht schließen zu können, klebten wir Fensterdichtungsgummi rundherum. Mit einem einfachen Schieberiegel wird die Tür auf Spannung verschlossen.

Die Innenkanten des Gaskastens versiegelten wir mit Sikaflex, damit alles dicht ist. Befestigt wird die Gasflasche zum einen durch Holzklötzchen am Boden, die verhindern, dass sie verrutschen kann. Zum anderen wird sie oben mit einem Spanngurt fixiert.

Küchenzeile mit Gaskasten.

Der Gaskasten an Ort und Stelle

Nachdem unser Küchenmöbel fertig ist, müssen wir den Platz für das Entlüftungsloch im Fahrzeugboden bestimmen. Das ist das Spannendste an der ganzen Sache, denn wir müssen aufpassen, dass wir nicht auf einen Schweller unterm Boden landen.

Nach tausendmal Messen und Peilen bohren wir zunächst ein kleines Loch mit dem Bohrer durch die anvisierte Stelle. Erleichtert stellen wir fest, dass wir da auskommen, wo wir es uns vorgestellt haben. Nun können wir das Loch mit der Stichsäge in den Boden schneiden.

Loch für den Gaskasten im Boden des Kastenwagens.

So – Loch ist fertig!

Danach folgt das übliche Prozedere mit entgraten und Rostschutz auftragen. Um das Loch, das ja durch Blech, Dämmung und Bodenplatte geht, auszukleiden haben wir uns im Baumarkt ein Stück Kanalrohr besorgt. Das sägen wir auf die benötigte Länge ab und kleben es mit Sikaflex in unserem Loch fest. Von unten kleben wir ein feinmaschiges Fliegennetz unter die Öffnung, damit sich dort nicht ungebetener Besuch einnistet.

Die Gasanlage muss von einem Fachbetrieb abgenommen werden. Wenn alles in Ordnung ist, gibt es das Gasprüfzeichen und wir können unbesorgt losziehen. Den Anschluss der Gasleitung an unser Kochfeld lassen wir gleich vom Gasprüfer machen. Und tadaa – drei Tage vor der Abreise in den Urlaub haben wir unsere Gasprüfung!

Die Arbeitsplatte – krönender Abschluss unserer Küchenzeile

Wir möchten gerne eine Echtholz-Arbeitsplatte in unserer Camper-Küche. Damit sie nicht allzu schwer ist, sollte sie relativ dünn sein. Fast alle Arbeitsplatten haben eine Stärke von 27 Millimetern oder mehr. Nach einiger Suche werden wir schließlich bei einem Baumarkt fündig und erstehen eine Buche-Leimholzplatte mit einer Stärke von 18 Millimetern. Wir lassen sie direkt vor Ort auf die passende Länge sägen. Die Reststücke reichen für unseren Tisch im Campervan und für die Verlängerung der Arbeitsplatte.

Die Platte behandeln wir mit Arbeitsplattenöl, so wird sie widerstandsfähig gegen Nässe und Flecken. Dann sägen wir die Ausschnitte für das Kochfeld und die Spüle aus. Mit einem Forstnerbohrer im passenden Durchmesser fertigen wir das Loch für die Spültischarmatur.

Ausschnitte in der Arbeitsplatte werden angezeichnet.

Da müssen die Löcher hin

Die Ausschnitte werden in die Arbeitsplatte gesägt.

Der erste Ausschnitt ist fertig

Die Arbeitsplatte verschrauben wir an den oberen Leisten, die den Korpus zusammenhalten. Zum Schluss lackieren wir Viertelstäbe in Türkis und leimen sie als Abschlussleisten an.

Wir sind mega stolz, als wir unser Werk betrachten. Die Farbkombi mit den bunten Fronten und der Buche-Arbeitsfläche gefällt uns richtig gut. Und der erste Urlaub im Kastenwagen beweist, dass alles funktionell und durchdacht ist – so wie wir es uns vorgestellt haben.

Fertige Küchenzeile mit bunten Fronten, Gaskochfeld, Spüle und Kühlschrank.

Wir sind zufrieden mit unserem Werk

Benötigtes Material