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Eines der kniffligsten Themen beim Ausbau eines Kastenwagens ist das Elektro-Setup. Wir haben viel recherchiert, Tutorials geschaut und Bücher gewälzt, um unsere Stromversorgung zu planen.

Strombedarf berechnen

Als ersten Schritt mussten wir unseren Strombedarf herausfinden, damit wir die Kapazität unserer Anlage bestimmen können.

Wir erstellten eine Liste aller Stromverbraucher, die wir vermutlich an Bord haben würden. Unterscheiden mussten wir dabei zwischen 12-Volt und 230-Volt-Geräten. In der Regel wird der Strombedarf im Campervan über das 12-Volt-Netz abgedeckt. Einige Geräte lassen sich allerdings nur mit 230 Volt betreiben.

Bei uns ist das der Elgena Warmwasserboiler. Außerdem planen wir eine 230-V-Steckdose für kleinere Verbraucher wie einen Küchenmixer oder das Laptop-Ladegerät. Es gibt zwar auch 12-Volt-Ladegeräte für Laptops, für meinen habe ich aber kein passendes gefunden.

Alle anderen Elektrogeräte laufen über 12 Volt:

  • Kühlschrank
  • Licht
  • Wasserpumpe
  • Ladegeräte für Smartphones und Kamera-Akku
  • Ventilator im Bad
Schaltplan für die Elektro-Installation im Wohnmobil.

Am Ende der Planung stand der Schaltplan

Nachdem unsere Liste stand, mussten wir abschätzen, wie viele Stunden pro Tag die Geräte Strom benötigen würden. Gar nicht so einfach.

Lithium- oder AGM-Batterie?

Dass die normale Autobatterie nicht die Elektroversorgung des Campervans übernehmen kann, ist uns schon klar. Wir brauchen also eine separate Batterie, die man Aufbau- oder Bordbatterie nennt.

Um es nicht zu einfach zu machen, gibt es natürlich verschiedene Batterie-Typen, die dafür verwendet werden können. Die beiden gebräuchlichsten sind Lithiumbatterien und sogenannte AGM-Batterien, die auf Blei-Basis funktionieren.

Die Vor- und Nachteile der beiden Typen sind kurz gesagt: Lithiumbatterien sind teurer, dafür leichter und langlebiger. AGM-Batterien sind günstiger, dafür größer, schwerer und empfindlicher gegen Tiefenentladung.

Der Platz- und Gewichtsvorteil ließ uns zugunsten einer Lithiumbatterie entscheiden. Aufgrund unserer Bedarfsrechnung gingen wir davon aus, dass wir eine Kapazität von 100 Ah benötigen.

Wie soll die Batterie geladen werden?

Die Bordbatterie muss natürlich immer wieder aufgeladen werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • während der Fahrt über die Lichtmaschine
  • über ein Solarmodul
  • über einen Landstromanschluss auf dem Campingplatz
  • über einen Generator

Einen Generator wollten wir nicht mitschleppen, da waren wir uns schnell einig. Bei den restlichen Alternativen entschieden wir uns für „einmal mit alles“.

Für die Lademöglichkeiten brauchten wir die passenden Geräte. Bei modernen Autos – unser Citroen Jumper ist Schadstoffklasse E6 – kann man die Bordbatterie nicht einfach so über die Lichtmaschine laden. Deshalb benötigten wir einen Ladebooster, der zwischen Lichtmaschine und Bordbatterie die richtige Verständigung herstellt. Die Ladekurve muss dem Typ der Bordbatterie angepasst werden.

Nach kompetenter Beratung entschieden wir uns für den Votronic VCC 1212-30 Ladebooster.

Bei der Auswahl der einzelnen Geräte für unsere Stromversorgung im Campervan haben wir uns von der Firma Wattstunde kompetent beraten lassen. Sie sind auf die Elektrik im Wohnmobil spezialisiert und haben uns sehr weitergeholfen.

Das Solarmodul benötigt ebenfalls einen „Übersetzer“, damit der Strom optimal bei der Batterie ankommt. Wir entschieden uns für einen Solar-Laderegler, der gleichzeitig die Starterbatterie unseres Balu lädt. So bleiben uns unliebsame Überraschungen in Form von leerer Batterie erspart, auch wenn das Auto mal längere Zeit rumsteht.

Der Votronic Solar Laderegler MPP 250 Duo Digital ist genau richtig für unsere Zwecke.

Der Strom kommt aus der Steckdose – der Landstrom-Anschluss

Wir wollen auch Strom haben, wenn wir einige Tage auf dem Campingplatz stehen und die Sonne womöglich nicht – oder nicht genug – scheint. Dazu planen wir eine Außensteckdose, mit der wir uns den Strom vom Campingplatz in den Kastenwagen holen können.

Landstrom-Steckdose wird eingebaut.

Einbau der CEE-Steckdose für den Landstrom-Anschluss

Vorgeschrieben ist eine CEE-Steckdose. Das ist eine spezielle Steckdose mit drei Pinnen bzw. Löchern. Ein Anschluss über eine normale Schuko-Steckdose ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Mit diesem Stecker holen wir uns 230-Volt-Strom ins Fahrzeug. Damit wir mit diesem Strom auch die Bordbatterie laden können, benötigen wir ein Ladegerät. Das kaufen wir als Kombigerät: es ist Ladegerät und Wechselrichter in einem. Dazu kommen wir im nächsten Absatz:

Die eierlegende Wollmilchsau – Wechselrichter, Ladegerät und Netzvorrangschaltung

Der Wechselrichter – auch Inverter genannt – wandelt den 12-Volt-Strom unserer Bordbatterie in 230-Volt-Wechselstrom um. Das ist nötig, wenn wir Elektrogeräte betreiben wollen, die nur über 230-Volt laufen. In unserem Fall ist das unser Wasserboiler, der uns heißes Duschwasser bescheren soll. Außerdem habe ich kein 12-Volt-Ladegerät für meinen Laptop gefunden, so dass ich dafür auch eine „richtige“ Steckdose benötige.

Wichtig ist, dass der Wechselrichter auf die Kapazität der Batterie und der zu betreibenden Elektrogeräte abgestimmt ist. Unser Boiler benötigt 560 Watt. Wir entscheiden uns für den Victron Multiplus 800, der 800 Watt Wechselstrom liefern kann. Bei der Umwandlung von 12-V-Strom zu 230-V-Strom kommt es immer zu Leistungsverlusten. Daher sollte der Wechselrichter etwas mehr Leistung haben als die Geräte ziehen.

Der Victron Multiplus 800 ist nicht nur ein Wechselrichter, sondern auch ein Ladegerät. Damit können wir unseren Lithiumakku über Landstrom aufladen. Gleichzeitig ist eine Netzvorrangschaltung in dem Gerät integriert. Diese erkennt, wann Landstrom geliefert wird und leitet den zu den 230-Volt-Verbrauchern weiter, ohne dass der Wechselrichter anspringt.

Das Solarmodul – die Kraft der Sonne nutzen

Damit wir das Sonnenlicht zum Laden unserer Batterie nutzen können, muss ein Solarmodul aufs Dach.

Die Berater von Wattstunde empfahlen uns ein Modul mit 240 Wp Ladekapazität aus der Black Line Serie. Diese haben moderne monokristalline Module mit sogenannter Schindelzellen-Technologie, die für eine gute Leistungsausbeute sorgt. Als das Teil geliefert wurde, waren wir erstmal fassungslos ob der Ausmaße. Wie sollten wir das Riesending auf Balus Dach befördern?

Marcus kniet neben dem Solarmodul.

Gerade ausgepackt: Im Wohnzimmer wirkt das Solarmodul riesig

Nach dem ersten Schock beruhigten wir uns jedoch schnell. Zum Glück ist das Modul nicht allzu schwer, so dass wir es relativ mühelos zu zweit heben konnten. Wir legten eine große Pappe als Schutz über die Kante des Dachs. So konnten wir das Modul darüber schieben und es landete wohlbehalten oben.

Gina und Marcus schieben das Solarmodul aufs Dach des Kastenwagens.

Heikle Aktion – hoffentlich fällt nix runter…

Befestigt wurde das Solarmodul mit extra starkem Konstruktionskleber, der von Wattstunde mitgeliefert wurde. Nach der Panne beim Einbau der Dachluken wussten wir, dass wir zum Ausgleichen der Sicken auf dem Dach auf das richtige Material achten mussten. Wir bestellten Platten aus Hart-PVC, die wir in passende Stücke sägten.

Das PVC und der Kunststoff der Solarmodul-Halterung wurden mit Schleifpapier angeraut. Dann haben wir es auf dem Dach verklebt. Bis heute hält es sicher.

Solarmodul auf dem Dach des Kastenwagens.

Wichtig ist, das Solarmodul sorgfältig zu befestigen.

Für die Ladekabel, die ebenfalls passend mitgeliefert wurden, musste mal wieder ein Loch ins Blech gebohrt werden. Damit die Kabel sich an der Blechkante nicht aufscheuern, haben wir passende Gummitüllen im Loch befestigt. Geschützt wird das Ganze durch eine Dachdurchführung, die ebenfalls verklebt wird.

Vorbereitung: Kabelführung durch die Holme

Der Schaltplan stand auf dem Papier, nun mussten wir uns über die Kabelführung im Van Gedanken machen.

Unter der Bodenplatte hatten wir bereits zwei Leerrohre gelegt, um den Strom von einer Seite auf die andere führen zu können. Eins war für die 12-V-Kabel, das andere für das 230-V-Kabel gedacht. Durch die flexiblen Leerrohre hatten wir Paketkordel durchgeführt. Mit deren Hilfe konnten wir die Kabel durch das Rohr ziehen.

Um die 12-Volt-Verbraucher anzuschließen benutzten wir Litzenkabel mit 2,5 mm² Durchmesser. Vermutlich hätte es für die meisten Anschlüsse auch 1,5 mm² getan, aber wir gingen lieber auf Nummer Sicher.

Holme im Kastenwagen, aus denen Leerschlauch ragt.

Flexible Leerrohre schützen die Kabel in den Holmen

Nachdem wir uns überlegt hatten, wo Lampen, Schalter, Steckdosen etc. positioniert werden sollten, verlegten wir die flexiblen Leerrohre durch die Hohlräume der Holme. Mit der Paketschnur-Methode zogen wir die roten und scharzen Litzenkabel durch.

Später würden wir von diesen Hauptadern noch Abzweige zu den einzelnen Verbrauchern machen können.

Die Geräte für die Elektro-Versorgung wollten wir hinten links im Fahrzeug installieren. Dazu schnitten wir eine stabile-Multiplex-Platte passgenau über dem Radkasten zu. Auf diese sollten die Geräte aufgeschraubt werden.

Holzplatte an der Wand über dem Radkasten im Kastenwagen.

An diese Holzplatte kommen die Elektrogeräte

Die Installation Teil 1: Fiasko mit Elektriker

Wir sind Laien, was die Elektrik betrifft. Auch wenn wir uns viel anlesen können, nahmen wir uns die Warnungen zu Herzen, besser einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Besonders den 230-V-Teil unseres Setups wollten wir von einem Elektriker installieren lassen. Allerdings hatten wir mitbekommen, dass KFZ-Elektrik ein spezielles Thema ist, das nicht jeder Elektriker beherrscht. Ein Bekannter empfahl uns einen Fachmann, der ihm in seinem Van geholfen hatte.

Wir führten zwei Vorgespräche mit dem Elektriker. Dabei erläuterten wir, welche Geräte wir einbauen wollten. Er sollte den 230-Volt-Part machen und die Verkabelung der dicken 12-V-Kabel, da uns dafür das passende Werkzeug fehlte. Kein Problem, meinte der Fachmann, er kenne sich aus und das sei eine Sache von zwei bis drei Stunden.

Letztlich bastelte er einen ganzen Tag in unserem Kastenwagen rum, ohne fertig zu werden. Stutzig machte uns, dass er teilweise nicht die richtigen Kabel und Sicherungen dabei hatte, obwohl wir ja im Vorfeld alles besprochen hatten. Auch die Anschlüsse der Kabel an Kabelschuhe kam uns schlampig vor, da guckte teilweise der blanke Draht hervor.

Elektro-Installation mit viel Kabelgewirr.

Ganz schön chaotisch

Am nächsten Tag sahen wir uns das Werk, das er hinterlassen hatte genauer an. Mit jedem kritischen Blick mehr wurde klar, dass der Gute ein heilloses Chaos angerichtet hatte. Falsche Kabelquerschnitte, chaotische Kabelführung, fehlende oder falsch dimensionierte Sicherungen, Schalter und Kabel, die nicht für den Einbau im KFZ zugelassen waren – es war ein einziges Fiasko.

Auf unsere Nachfragen reagierte er mit Ausflüchten und Beschwichtigungen. Unser Vertrauen in seine Fähigkeiten war zerstört, wir zeigten ihm die rote Karte.

Die Installation Teil 2: Selbst ist die Frau

Was nun? Nach der negativen Erfahrung wollten wir nicht noch einmal einen solchen Flop riskieren.

Also blieb uns nur, selber tief in die Materie einzusteigen. Beratend unterstützt von fachkundigen Bekannten – die leider nicht in der Nähe wohnten – machte ich mich ans Werk.

Als erstes rissen wir den größten Teil der Installation wieder raus. Wir besorgten uns die vorgeschriebenen Kabel für die 230-V-Installation. Die „dicken“ 12-V-Kabel, die wir mit unserem Werkzeug nicht selber crimpen konnten, bestellten wir vorkonfektioniert mit den passenden Kabelschuhen.

In einem Sicherungskasten brachte ich die beiden FI/LS-Schalter unter. Ein FI/LS wird direkt hinter den Landstromanschluss geschaltet, der zweite kommt hinter den Wechselrichter als Sicherung der 230-V-Leitungen.

Sicherungskasten mit FI/LS-Schaltern.

Der Sicherungskasten mit den FI/LS-Schaltern

Die verschiedenen 12-V-Kabel bündelte ich über zwei Verteilerschienen (jeweils für die roten Plus- und die schwarzen Minus-Kabel). Ein kleiner Verteiler, der mit KFZ-Flachstecksicherungen bestückt wird sorgt für die Verteilung an die 12-V-Verbraucher.

Ein Mess-Shunt, mit dem wir den Stromverbrauch überwachen können, wurde in den Masse-Kreislauf angeschlossen.

Und natürlich habe ich die passend dimensionierten Sicherungen in die 12-V-Kabel installiert.

Mit dem ganzen Spaß war ich locker drei Wochen beschäftigt. Am Ende funktionierte alles und ich war sehr stolz auf meine Leistung.

Elektro-Installation im Campervan.

So, fertig!

Bevor es mit Balu auf die erste große Fahrt ging, haben wir die Installation von einem Elektriker, der sich wirklich mit der KFZ-Elektrik auskannte überprüfen lassen. Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die wir noch nachbessern mussten, gab es von ihm das Okay für unsere Installation. So konnten wir beruhigt auf die Reise gehen.

Die Erfahrungen auf der Reise

Wir waren insgesamt drei Wochen im überwiegend sonnigen Süden unterwegs. Uns hat positiv überrascht, dass wir die ganze Zeit problemlos mit der Solarenergie ausgekommen sind. Das galt auch für Tage, an denen der Himmel bedeckt war oder wir im Schatten der Pinien standen.

Kastenwagen bei bedecktem Himmel am Meer.

Auch bei trübem Wetter hatten wir genug Strom

Kein einziges Mal mussten wir uns Landstrom dazu holen.

Als Verbraucher hatten wir hauptsächlich den Kühlschrank, der bei sommerlichen Temperaturen gut zu tun hatte. Dazu kamen die Kleinverbraucher wie Ladegeräte für Handys, Tablets und Kamera-Akku sowie die Beleuchtung.

Einmal hatten wir den Wechselrichter in Betrieb, um meinen Laptop zu laden.

Beim weiteren Ausbau wird noch der Warmwasserboiler als größerer Verbraucher dazu kommen. Wenn es kälter ist, wird dieser aber über die Standheizung beheizt. So wird er nur bei schönem Wetter 230-V-Strom benötigen. Wir sind zuversichtlich, dass wir mit unserem Strom-Setup gut zurechtkommen werden.

Disclaimer

Dieser Beitrag ist eine Kooperation mit der Firma Wattstunde. Wir haben dafür einen Rabatt auf unseren Einkauf erhalten.