Reisen im Corona-Jahr 2020 – bei diesem Thema reichte die Stimmung bei manchen von einem unbeschwerten „Ist doch alles nicht so schlimm“ bis zu depressiven Endzeitphantasien bei anderen.

Zwischen der Einstellung: „Corona ist mir egal, ich reise trotzdem!“ bis zum ängstlichen sich-nicht-mehr-aus-der-Wohnung-wagen liegt ein breites Spektrum. Wir waren an keinem der beiden Extreme unterwegs, doch im mittleren Bereich der Skala schwankte unsere (Reise-)Stimmung durchaus heftig.

In diesem speziellen Jahresrückblick werfen wir einen Blick zurück auf ein außergewöhnliches Jahr mit Höhen und Tiefen.

Jahreswechsel mit Handicap in Budapest

Das neue Jahr begrüßten wir in der ungarischen Hauptstadt. Es war unsere erste Reise, seit ich mir im Herbst letzten Jahres auf Sizilien den Fuß gebrochen hatte. Die Heilung hatte sich länger als erwartet hingezogen. Zu einer Städtereise gehört in der Regel, viel rumzulaufen. Das klappte aber mit dem lädierten Fuß nicht so recht, er neigte zu Schmerzen und zum Schwellen, wenn ich länger unterwegs war.

Daher besorgten wir uns gleich am Flughafen eine Wochenkarte für die Busse und Bahnen und nutzten das gute ÖPNV-System in Budapest für unsere Stadtbesichtigung. Dazwischen war eben auch viel Ausruhen angesagt.

Wir hatten – etwas blauäugig – gehofft, dass am Jahresende nicht allzu viel touristischer Rummel herrschen würde. Dem war aber nicht so. Vor den Sehenswürdigkeiten bildeten sich oft lange Schlangen – noch ganz ohne Corona-Einschränkungen – und vor allem die Thermen waren äußerst beliebt und dementsprechend voll.

Wenig überraschend war es Ende Dezember/Anfang Januar recht kalt in Budapest. Wir wappneten uns mit dicker, warmer Kleidung, aber wer uns kennt weiß, dass Kälte nicht unser Ding ist.

Es war unsere erste Städtereise zum Jahreswechsel, wir wollten eben alle verfügbaren Urlaubstage ausnutzen. Unser Fazit aus den Erfahrungen in Budapest: weder die überfüllten Sehenswürdigkeiten noch die beißende Kälte sind unser Ding. Schon gar nicht in der Kombination.

Hier geht’s zu unseren Budapest-Berichten:

Ägypten – Nilkreuzfahrt als Mutter-Tochter-Trip

Als im Januar der böse Fuß endlich besser wurde, buchten meine Tochter und ich schnell die Nilkreuzfahrt. Sie war eigentlich für den vergangenen November geplant und gebucht gewesen, fiel aber dem Unfall auf Sizilien zum Opfer. Gut, wenn man dann eine Reiseversicherung hat: Krank im Urlaub – wie du das Beste draus machst.

Als wir losflogen, war Corona zwar schon Thema, aber noch nicht wirklich beunruhigend. Mit Hand-Desinfektionsgel statte ich mich im Urlaub grundsätzlich aus.

Wir genossen es, im Februar schon Sonne tanken zu können. Die Altertümer Ägyptens übten schon immer eine große Faszination auf mich aus und es war toll, sie in echt besichtigen zu können. Die Nilkreuzfahrt als solche hatten wir uns allerdings anders vorgestellt. Es war ganz nett, mit dem Schiff über den Nil zu tuckern und die Oasen und die dahinter liegende Wüstenlandschaft an sich vorbeiziehen zu sehen. Allerdings ist es eben auch eine Pauschalreise mit all den dazu gehörenden Nachteilen: enger Zeitplan, wenig Gelegenheit für individuelles Erkunden.

Letztlich haben wir – wie immer – die Zeiten, an denen wir zu zweit losziehen konnten am meisten genossen.

Der Rückweg führte mich über München, wo ich die Reisemesse f.r.e.e. besuchte. Dass ich dort eine intensive Zeit am italienischen Stand verbrachte (während in Italien gerade die Infektionszahlen in den Himmel schossen) und in einem vollbesetzten Zug mit Skirückkehrern nach Hause fuhr – puh! Im Nachhinein betrachtet hätte ich da prima Gelegenheit gehabt, mich anzustecken.

Aber wie sagt man in Köln: Et hätt noch immer joot jejange…

Hier findest du den Ägypten-Reisebericht:

Pandemie und geplatzte Reisen

ITB-Reisemesse in Berlin

Im März war es soweit: die Corona-Pandemie erreichte Europa. Als erstes Event fiel für uns die Reisemesse ITB in Berlin aus. Besonders schade, da wir dieses Jahr einen Vortrag über unsere Weltreise hätten halten sollen. Die Absage der ITB erfolgte kurzfristig. Da unsere Zugtickets und eine Unterkunft in Berlin schon gebucht waren, fuhren wir trotzdem in die Hauptstadt.

Wir trafen ein paar Reiseblogger-Kolleg:innen in vollen, engen Restaurants, nahmen an dem ein oder anderen alternativen Reisemesse-Event teil und machten uns keine Sorgen, wenn wir in überfüllten S-Bahnen unterwegs waren. Aus heutiger Sicht eine andere Welt….

Portugal mit der Reiseblogger-WG

Ende März wollte ich für eine Woche nach Portugal zur Reiseblogger-WG. Kurz vorher traten Lockdown und Reisebeschränkungen in Kraft. Die gebuchte Unterkunft in Porto konnte ich problemlose stornieren. Anders beim Flug: Eurowings pokerte bis zum letzten Tag, um sich vor der Erstattung der Ticketkosten zu drücken. Hätte ich selber storniert, wäre ich auf den Kosten sitzen geblieben. Schließlich wurde der Flug einen Tag vor Abflug gecancelt. Statt Rückerstattung des Geldes bot mir Eurowings unverdrossen immer wieder einen Reisegutschein an, den ich nicht wollte. Schon gar nicht im Corona-Jahr.

Der Kampf um die Rückerstattung zog sich über Monate hin, bis ich endlich das Geld zurück bekam.

Sizilien zweiter Versuch

Nachdem unser Sizilien-Urlaub im Herbst 2019 bereits am zweiten Tag mit einem gebrochenen Fuß endete, hatten wir uns einen zweiten Versuch für Mai vorgenommen.

Das Spiel um die Rückerstattung des Ticketpreises lief genauso ab wie beim Portugal-Flug. Eurowings taktierte mit Flugverschiebungen und teilte erst ganz kurz vor Abflug mit, dass der Flug gecancelt würde. Auch hier warteten wir wieder Monate auf die Rückzahlung. Bei allem Verständnis, dass die Fluggesellschaften hart von der Krise getroffen wurden: dass sie versuchen, das unternehmerische Risiko auf die Kund:innen abzuwälzen, hinterlässt bei uns einen sehr schalen Geschmack.

Ob wir es wohl jemals nach Sizilien schaffen werden?

Thailand-Langzeitreise

Der Höhepunkt unserer Reiselust wäre in diesem Jahr eine zweimonatige Reise nach Thailand gewesen. Meine Cousine arbeitet zur Zeit in Chiang Mai. Wir hätten sie gerne besucht und wären noch weiter durch Thailand gereist.

Diese Reise war zum Jahresende geplant, so dass Marcus alten und neuen Urlaub hätte kombinieren können. Zum Glück hatten wir noch keine Tickets gebucht. Sehr schnell war absehbar, dass aus Reisen nach Thailand in diesem Jahr nichts werden würde.

Lockdown am Niederrhein

Die erste Zeit des Lockdowns nutzten wir – wie so viele andere – um unsere Heimatumgebung zu erkunden. Das Wetter war im Frühjahr überwiegend gut. So wanderten wir verschiedene Strecken im Bereich der Erft und des Rheins. Sobald wir uns von den Haupt-Promenaden entlang der Flüsse entfernten, war es auch angenehm leer.

Landschaft am Niederrhein.

Statt ins Café einzukehren, wie wir es nach vollbrachter Wanderung gerne machen, holten wir uns auf dem Heimweg leckeren Kuchen, um uns zu Hause für die „Strapazen“ zu belohnen. Dazu hatten wir uns unseren Balkon gemütlich eingerichtet, mit einem lässigen Chill-Sofa und hübscher Deko. Man kann es ja auch zu Hause schön haben, wenn man schon nicht weg kommt.

Hier geht’s zu unserem Bericht über die Wanderungen am Niederrhein:

Corona-Urlaub zu Hause

Mitte Mai war eigentlich unsere Sizilienreise geplant. Der Urlaub war genommen, an wegfahren war nicht zu denken. Also haben wir das Beste aus den Umständen gemacht und zwei Wochen Urlaub zu Hause geplant.

Wichtig war uns, wirklich für jeden Tag etwas bewusst einzuplanen, damit nicht am Ende die Tage einfach so vertrödelt wurden. Wir machten Städtetrips in kleine Städte am Niederrhein wie Moers, Wesel und Xanten. In einem Roadtrip erkundeten wir die klaffenden Löcher des Tagesbaus bei Garzweiler und die gespenstischen Geisterdörfer. Wanderungen und entspannte Sonnentage am Rheinstrand rundeten den Urlaub ab.

Xanten Archäologischer Park.

So hatten wir erholsame und erlebnisreiche Tage, ohne wegzufahren. Da mittlerweile Restaurants und Cafés wieder öffnen durften, kehrten wir öfters ein, sofern eine Außenterrasse vorhanden war.

Da langsam die Beschränkungen immer mehr gelockert wurden, machten wir uns Gedanken, wie wir uns Urlaub zu Corona-Zeiten vorstellen konnten.

Hier gibt es mehr zu lesen:

Kurzurlaub in den Belgischen Ardennen

Im Juni war es soweit, dass wir das erste Mal ein paar Tage Urlaub auswärts verbrachten. Wir mieteten eine hübsche AirBnb-Wohnung in Malmedy. Von dort aus unternahmen wir bei strahlendem Sonnenwetter zwei abwechslungsreiche Wanderungen am Rande des Hohen Venns.

Es war schön, mal wieder auf und ab und über schmale Steige zu wandern. Am Niederrhein geht es in der Regel nur übers platte Land. Das hat zwar auch seinen Reiz, aber auf Dauer wird es uns etwas langweilig.

Natürlich genossen wir auch die lukullischen Seiten Belgiens: frische Croissants nach französicher Art zum Frühstück, eine dicke Portion belgische Waffeln zum Nachmittag oder die berühmten belgischen Pommes als kleiner Snack zwischendurch.

Unseren Bericht über Belgien findest du hier:

Bevor wir zum ersten Mal wieder Urlaub auswärts machten, hatten wir uns viele Gedanken darüber gemacht, unter welchen Umständen wir in diesen Zeiten sicher reisen könnten. Auch dazu haben wir einen Beitrag verfasst:

Eine frische Nordseebrise in Ostfriesland

Im Juli konnte Marcus seine Kurzarbeitstage zusammenlegen, so dass eine Woche Freizeit daraus entsprang. Die nutzten wir, um spontan an die Nordsee zu fahren. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, dass wir noch nie an der deutschen Nordseeküste waren.

Trotz Feriensaison fanden wir noch kurzfristig eine Ferienwohnung, wenn auch nicht mehr auf den Inseln. An der Seehundstation in Norddeich standen die Tourist:innen in langen Schlangen an, aber an anderen Stellen hielt sich der Andrang in Grenzen.

Möwe an der Nordsee.

Corona-bedingt waren die Öffnungszeiten und der Zugang zu Museen eingeschränkt, kleinere Museen hatten leider auch noch geschlossen. Dennoch fanden wir immer etwas Interessantes zu sehen oder zu unternehmen.

Nur das Wetter hätte für unseren Geschmack besser sein können. Ach ja, das war auch der Grund, warum wir bisher nicht auf Urlaub im Norden gesetzt hatten…

Unser Bericht zum Ostfriesland-Urlaub:

Kurzurlaub an der Lahn

Ein weiteres verlängertes Wochenende verbrachten wir im Sommer in Runkel an der Lahn. Auf den Ort sind wir eher zufällig gekommen, indem wir mit dem Finger auf die Landkarte tippten. Irgendwas zwischen Frankfurt – wo unsere Tochter wohnt – und Neuss sollte es sein.

Dom zu Limburg an der Lahn.

Wir mieteten eine Ferienwohnung auf einem Bauernhof. Entlang der Lahn unternahmen wir Wanderungen, besichtigten die stattliche Burg in Runkel und die gepflegten Schlossgärten in Weilburg. Ein kleiner Städtetrip nach Limburg an der Lahn rundete das Wochenende ab.

Der Höhepunkt des Corona-Jahrs: Urlaub in der Toskana

Nachdem bereits im Frühjahr klar wurde, dass aus dem geplanten Langzeiturlaub in Thailand nichts werden würde, mussten wir uns für einen Urlaubstermin entscheiden und wählten zwei Wochen im September.

Zunächst planten wir Urlaub in Deutschland zu machen. Der Allgäu oder die Pfalz kamen in die engere Auswahl. Allerdings störten uns die unflexiblen Stornierungsfristen in den verfügbaren Unterkünften. So ließen wir das Ziel bis kurz vor Urlaubsbeginn offen.

Landschaft in der Toskana.

Während in Spanien und Frankreich zu diesem Zeitpunkt die Infektionszahlen schon wieder stiegen, sah es in Italien überraschend gut aus. Die Toskana stand schon lange als Reiseziel auf unserer Liste. Ein bisschen abgeschreckt hatte uns in letzter Zeit der bekannte Overtourism in den beliebten toskanischen Städten.

Im Corona-Jahr fielen die Horden, die von Kreuzfahrtschiffen, aus Übersee oder in Bussen anreisten weg. So erlebten wir zwei wunderschöne Wochen in der Toskana. Die Städte waren zwar nicht menschenleer wie noch zu Beginn der wieder anlaufenden Reisesaison, aber immer noch entspannt und nicht überfüllt. Zudem wurden Hygieneregeln erstaunlich konsequent umgesetzt, so dass wir uns meistens sicher fühlten.

Es war jedenfalls ein reines Glücksgefühl, als wir über die Alpen Richtung Süden rollten. Die vorhergegangenen Reisebeschränkungen hatten uns jetzt um so mehr schätzen lassen, dass wir wieder ins Ausland fahren konnten.

Unsere Toskana-Berichte:

Familienwochenende in der Eifel mit Einschränkungen

Unsere letzte Wochenendreise in 2020 war unser Familienwochenende in Ormont in der Eifel. Einmal im Jahr treffen wir uns mit unseren Töchtern und deren Partnern für ein gemeinsames Wochenende.

Ursprünglich hatten wir das Wochenende in Belgien geplant, aber keine passende Unterkunft für sechs Personen gefunden. Im Nachhinein gut so, denn im Oktober war Belgien bereits wieder Hochrisikogebiet.

Blick über die Landschaft in der Eifel.

Doch auch in der Eifel holte uns die wieder anrollende Infektionswelle ein. Ormont liegt in Rheinland-Pfalz, das Quarantäne-Vorschriften für Einreisende aus Corona-Hot-Spots erlassen hatte. Einen Tag vor Beginn unseres Familienwochenendes knackte Frankfurt die Hot-Spot-Marke. Damit durften Victoria und Martin nicht in Rheinland-Pfalz übernachten.

So nutzten wir das schöne Haus in Ormont mit seinem gemütlichen Kaminofen nur zu viert. Mit den beiden aus Frankfurt trafen wir uns am Samstag für eine Wanderung im Hunsrück.

Neues Projekt: Campervan ausbauen

Jetzt am Jahresende brauchen wir über Reisen in der Zukunft nicht zu spekulieren. Zu unkalkulierbar ist die Situation.

Während der Einschränkungen von Veranstaltungen haben wir oft zuhause Livestreams von Reisevorträgen angeschaut, zum Beispiel von Grenzgang. Es war eine schöne Möglichkeit, wenigstens mit dem Kopf unterwegs zu sein. Außerdem konnten wir so die Veranstalter unterstützen, damit sie eine Chance haben, dieses Jahr zu überleben.

Bei diesen Reiseberichten waren oft Menschen in ihrem eigenen Fahrzeug unterwegs, mal mehr, mal weniger abenteuerlich. Wir erinnern uns gerne an die Zeit, als wir mit unseren Camper „Kermit“ im australischen Outback unterwegs waren. Eine Reiseform, die uns sehr gut gefallen hat. Außerdem wollen wir unser Geld nicht mehr Fluggesellschaften in den Rachen werfen, ganz zu schweigen davon, dass Fliegen eine sehr klimabelastende Reiseart ist.

Und so war plötzlich die Idee geboren: wir wollen einen Campervan haben. Aber nicht so einen 08/15 Van von der Stange, sondern einen individuell ausgebauten mit Persönlichkeit. Unzählige Stunden recherchierten wir, bis wir zu dem Schluss kamen: Das machen wir jetzt einfach!

Marcus steht vor einem weißen Kastenwagen.

Und nach etwa zwei Monaten Suche auf einem nahezu leergefegten Fahrzeugmarkt haben wir Anfang Dezember unseren Balu gefunden. Für die nächste Zeit sind wir also gut beschäftigt.

Ausblick in 2021

Wie wird 2021 werden?

Wir sind ja spätestens seit unserer Weltreise nicht die großen Planer. So stört es uns nicht sehr, dass auch 2021 vermutlich noch von der Corona-Pandemie beherrscht werden wird und Reisen nur unter Vorbehalten und Einschränkungen möglich sein werden.

Mit unserem Campervan werden wir im ersten Teil des Jahres ausreichend beschäftigt sein. Wir hoffen, dass wir im Frühjahr schon mal kleine Touren mit Balu unternehmen können, auch wenn er noch nicht hundertprozentig fertig ausgebaut ist.

Mit Balu sind wir noch flexibler in unserer Reiseplanung als bisher. Wir können spontan losfahren, ohne ein Ticket zu buchen. Wir können kurzfristig unser Ziel ändern, ohne Unterkünfte stornieren und neu buchen zu müssen.

2021 wird für uns eindeutig unter dem Motte „Vanlife“ stehen.

Wir freuen uns darauf!

Mit diesem Beitrag beteiligen wir uns an der Trotz-Corona-Blogparade von Daniel teil.