Wandern im Hohen Venn ist etwas, das schon länger in unseren Hinterköpfen spukt. Im Juni nutzten wir ein paar Tage, um die belgischen Ardennen für einen Kurzurlaub zu besuchen.

Das Hohe Venn ist ein Hochmoor, das zum Teil in den belgischen Ardennen und zum Teil in der Eifel liegt. Unser Ziel ist der Ort Malmedy in Belgien, denn von dort aus können wir viele der ausgeschilderten Rundwanderwege gut erreichen.

Der größte Teil von Ostbelgien gehört zum deutschen Sprachraum. Daher sind wir zunächst etwas überrascht, dass unsere Vermieterin in Malmedy nur französisch spricht. Malmedy liegt in dem französischsprachigen Keil, der die beiden deutschsprachigen Gebiete teilt. Aber hier sprechen viele Einwohner deutsch, so dass die Verständigung auch für nicht frankophile Menschen kein Problem ist.

Wanderung Canyon des Trôs-Marets

Die Anfahrt von Neuss ist kurz. Wir erreichen die Gegend um Malmedy am späten Vormittag und haben uns schon eine kleine Wanderung ausgeguckt.

Am Rand des kleinen Orts Bevercé finden wir den Parkplatz bei der Ferme Libert, wo wir unsere Wanderung beginnen. Leider müssen wir uns die Hoffnung auf frische Waffeln gleich abschminken, denn die Ferme Libert hat heute geschlossen.

Marcus wandert auf Waldweg.

Auf zur ersten Wanderung in den belgischen Ardennen!

Der Weg ist durch ein blaues Rechteck zusammen mit dem Symbol eines Geiers markiert. Wir wandern in den grünen Wald hinein. Bald zweigt ein kleiner Pfad ab, der in das schmale Tal des Bachs Trôs-Maret führt. Über dicke Baumwurzeln und größere Steine führt der Weg abwechslungsreich an der Hangkante entlang. Der  Wald ist mit wilden Blaubeerbüschen bewachsen, von denen wir mit Genuss naschen.

Dicke Baumwurzeln über den Weg.

Über Stock und Stein

Blaubeerstrauch in den belgischen Ardennen.

Erfrischung am Wegesrand

Stellenweise ist der Pfad so schmal am abschüssigen Hang, dass er mit Stahlseilen gesichert ist, an denen wir uns entlang hangeln. Unten hören wir den wilden Bach rauschen. Bald können wir ihn durch die grünen Blätter hindurch erspähen. Huch, der ist ja rot! Offensichtlich ist das Wasser so stark eisenhaltig, dass es das Bachbett in einem satten Rostrot eingefärbt hat.

Bach mit rostrotem Wasser fließt im Talgrund.

Rostroter Bach

Auf einer schmalen Brücke überqueren wir den Bach, der hier in einem kleinen Wasserfall herunter sprudelt. Auf der anderen Seite geht es über raue Felsen am Bachbett entlang. Wieder sind die etwas unwegsameren Passagen mit Seilen abgesichert. Wir folgen dem Bachlauf noch eine Weile an diesem Ufer, bevor uns eine Brücke wieder auf die andere Seite bringt.

Gina geht den Weg, der mit Stahlseil gesichert ist.

Spannende Wegführung

Rauer, felsiger Untergrund.

Auch hier geht der Weg entlang.

Nun geht es in kleinen Serpentinen den Hang hinauf, bis wir auf die Höhen des Hohen Venns kommen. Die Landschaft der belgischen Ardennen breitet sich jetzt vor unseren Blicken aus.

Auf breiten Forstwegen geht es gemütlich zurück zu unserem Ausgangspunkt an der Ferme Libert. Wo keine belgischen Waffeln auf uns warten…

Info zur Wanderung Canyon des Trôs-Maret in den belgischen Ardennen

  • Länge: 5,3 Kilometer
  • Dauer: etwa 2 Stunden
  • Höhenunterschied: 192 m
  • Markierung: blaues Rechteck und Geier-Symbol
  • Charakter: teils schmale Pfade mit kleinen Kletterpassagen (Kabel)

Einkehrmöglichkeiten:

  • Ferme Libert am Ausgangspunkt, geöffnet am Wochenende

Erster Eindruck von Malmedy

Zufrieden steigen wir nach der schönen Wanderung wieder ins Auto und fahren in den Ort Malmedy.

Hier suchen wir uns als erstes ein Café am zentralen Place Albert 1er und stärken uns bei Kaffee und Kuchen. Das gehört schließlich zu einer genussvollen Wanderung dazu.

Unsere AirBnb-Wohnung ist sehr liebevoll eingerichtet und hübsch. Sie liegt in fußläufiger Entfernung zum Ortskern, so dass wir noch ein wenig durch das hübsche Städtchen bummeln. Was uns auffällt ist der überbordende Blumenschmuck in Malmedy. Überall finden wir Hängeampeln und Blumenkübel mit prachtvollen, sehr gepflegten Blütenpflanzen. Das wirkt sehr freundlich.

Blumenampeln in Malmedy.

Überall blüht es

Ardennen-Wanderung zu den zwei Felsen bei Bellevaux

Da Marcus nach seinem Roller-Unfall noch nicht wieder hundertprozentig fit ist, suchen wir für den nächsten Tag wieder eine nicht allzu lange Wanderung aus.

Mit dem Auto kurven wir die Straße zum Dorf Bellevaux hinauf. Unterwegs haben wir schöne Ausblicke auf Malmedy mit seinem majestätischen Dom.

Wir parken auf dem großen Parkplatz an der Brauerei von Bellevaux. Über die kleine Straße laufen wir nach St. Aubin, wo wir die alte gotische Kirche bewundern. Sie gilt als älteste Kirche in der Region. Wir lesen später, dass in vielen kleinen Orten Ostbelgiens noch im 20. Jahrhundert alte Kirchen abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurden. Wie schön, dass St. Aubin erhalten geblieben ist.

Kleine steinerne Kirche.

Die Kirche St. Aubin

Weiter geht es zunächst über Nebenstraßen durch Felder und an Bauernhöfen vorbei. Rundum entzückt uns die Landschaft der belgischen Ardennen.

Als Kennzeichnung des Weges begleitet uns diesmal das Symbol eines Hahns mit blauem Rechteck. Die Wege im Hohen Venn sind durchweg gut ausgeschildert. Noch nicht mal wir schaffen es, uns zu verlaufen.

Hinter einem Bauernhof, bei dem wir fröhlich auf der Weide tollende Pferde bewundert haben, beginnt der spannende Teil der Wanderung. Ein schmaler Pfad zweigt von der Straße ab und führt uns zum Felsen von Falize. Der Fluss Warche hat sich, vom Hohen Venn kommend, über Jahrtausende tief ins Gestein eingegraben. Übrig blieb der aus hartem Quarzit bestehende Felssporn, der nun 70 Meter über dem Warchetal thront. Vom Felsen bietet sich eine atemberaubende Aussicht über das Tal der Warche und die umgebenden grünen Hänge.

Gina steht auf hohem Felsen.

Der Fels von Falize hoch über dem Tal

Ringel am Flussufer zwischen Steinen.

Am Ufer der Warche

Abenteuerlich steil führt uns nun ein kleiner Pfad hinab zum Flüsschen. Wir erreichen das Ufer des munter dahinplätschernden Gewässers. Unter dem dichten grünen Blätterdach des Waldes ist die Stimmung geheimnisvoll und mystisch.

Weiter wandern wir auf dem schmalen Weg entlang der Warche. Bald wird der Uferhang ziemlich steil, der Weg geht parallel zur Hangkante und mittlerweile deutlich höher als der Fluss. Stellenweise ist der Pfad nur fußbreit, der weiche Waldboden rutscht schnell ab. Obwohl es hier recht steil seitwärts hinunter geht, gibt es keine Seilsicherung. So krallen wir uns manchmal mit den Händen in den Hang, um Halt zu finden.

Großer Baum und grüner Wald.

So schön grün hier

Schmaler Pfad im Wald.

Der Hang ist doch recht steil…

Als zusätzliche Würze kommt hinzu, dass der Wald ziemlich unaufgeräumt ist. Wie das in der Natur halt so vorkommt. Will heißen, dass immer wieder umgestürzte Bäume den Hang hinunter gefallen sind. Der ein oder andere hat sich rücksichtsloser Weise quer über unseren kleinen Weg gelegt. Da müssen wir vorsichtig drüber klettern. Ab und zu ist das wegen zuviel Astwerk nicht möglich. Also neben dem Stamm den Hang hochrobben, um die Wurzel herum und auf der anderen Seite wieder hinunter.

Umgestürzter Baum am Hang.

Hier heißt es drum rum klettern

Schließlich haben wir diesen abenteuerlichen Teil der Wanderung gut bewältigt und kommen wieder auf gemütliche Feldwege. Wir passieren eine Weide mit unglaublich muskulösen Rindern. Sie werden offensichtlich auf Fleischmasse gezüchtet. So etwas haben wir noch nie gesehen und stehen in einer Mischung aus Gruseln und Faszination vor den Tieren. Immerhin dürfen sie ein Leben auf der Weide führen.

Muskuköse Mastrinder.

Was für Muskelpakete!

Wir überqueren die Warche über eine baufällige Brücke und wandern den Uferpfad entlang, bis wir wieder zu einer Straße gelangen. Links geht es zurück zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Wir wenden uns aber erstmal nach rechts, denn ein kleiner Abstecher bringt uns zum zweiten hohen Felsen im Flusstal.

Der Warchefels thront beeindruckend hoch über dem Flusstal der Amel. Steil fällt die Felswand hinunter, wir blicken von oben auf das glitzernde Wasser. Metallösen im Fels zeugen davon, dass hier auch gerne Kletterer unterwegs sind.

Blick an der Felswand hinunter bis zum Fluss.

Tief unten fließt die Amel

Nachdem wir den Ausblick ausgiebig genossen haben, wandern wir über die Straße zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Info zur Ardennen-Wanderung zu den zwei Felsen bei Bellevaux

  • Länge: 9,2 Kilometer
  • Dauer: etwa 3 Stunden
  • Höhenunterschied: 160 Meter
  • Markierung: blaues Rechteck mit Hahn-Symbol
  • Charakter: überwiegend kleine Nebenstraßen und Feldwege, im Warchetal steile und schmale Pfade

Einkehrmöglichkeiten:

  • Brasserie der Brauerei Bellevaux (nur am Wochenende)
  • Ferme de Bruyeres bei Cligneval

Malmedy

Zurück in Malmedy suchen wir uns ein Café, in dem wir endlich die berühmten belgischen Waffeln verputzen können. Wir bekommen eine riesige Portion Waffeln mit Erdbeeren, Vanilleeis und Fruchtsoße serviert. Es schmeckt köstlich und wir fühlen uns für die Strapazen der Wanderung angemessen belohnt.

Teller mit Waffeln, Erdbeeren und Eis.

Die Belohnung für unsere Mühen – auf dass wir nicht vom Fleisch fallen…

Abends endet das traumhafte Sommerwetter in einem gewaltigen Unwetter. Da der nächste Tag trüb ist und es immer wieder mal regnen könnte, entschließen wir uns zu einem Rundgang durch Malmedy.

Wir laufen durch kleine Straßen mit alten Häuschen und bewundern die große Kathedrale von außen und innen. Die alte Abteikirche aus dem 10. Jahrhundert war 1689 von französischen Truppen zerstört worden. Von 1776 bis 1784 wurde die heutige Kirche wieder aufgebaut. Die angenehm schlichte Fassade strahlt viel Ruhe aus.

Kathedrale mit zwei Türmen.

Die Kathedrale in Malmedy

Rund um die Kathedrale finden wir das Rathaus und weitere große Stadtvillen, die von reichen Malmedyer Bürgern gebaut wurden. Heute dienen sie als öffentliche Gebäude.

Im ehemaligen Kloster befindet sich heute das sogenannte Malmundarium. Es ist ein großes Museum, in dem die Geschichte der Stadt Malmedy und besonders die Themen Papierherstellung und Lederverarbeitung, die einst eine große Rolle spielten, dargestellt werden. Auch dem Karneval ist ein Teil der Ausstellung gewidmet.

Leider war das Museum wegen der Corona-Beschränkungen nicht vollständig zugänglich. Besonders die interaktiven Angebote fielen natürlich fort.

Steinbrücke.

Die historische Brücke Outrelepont

Nach dem Museumsbesuch verspeisen wir eine Portion belgische Fritten (köstlich!) und setzen unseren Stadtspaziergang fort. Wir überqueren die alte Steinbrücke Outrelepont, kommen am ältesten Haus Malmedys (aus dem 16. Jahrhundert) vorbei und besuchen die Krankenkapelle. Diese war im 12. Jahrhundert Teil einer Leprakolonie und wurde 1554 neu aufgebaut. Die hölzerne Madonnenfigur, die während einer Pestepidemie 1741 gestiftet wurde, erhielt den Namen „Notre-Dame der Kranken“. So hat die Kapelle immer noch den Beinamen Krankenkapelle. Die Madonna wurde 1998 gestohlen, aber an den Wänden der Kapelle zeugen unzählige Votivtafeln von der Hoffnung und dem Vertrauen, das die Menschen in die Maria setzten.

Innere der Kapelle mit vielen Votivtafeln an den Wänden.

Die Krankenkapelle von innen

Ein weiteres Museum, das Haus Villers, das im Originalzustand des 18. Jahrhunderts erhalten blieb, bleibt uns leider Corona-bedingt verschlossen.

Kulinarische Highlights in den Belgischen Ardennen

In Belgien gibt es einige Spezialitäten, die du probieren solltest. Da Wandern ja bekanntlich hungrig macht, fallen wir nach vollbrachter Wanderung gerne ins nächste Café ein, um uns zu stärken.

Berühmt ist Belgien für seine belgischen Waffeln. Eine Riesenportion Waffeln mit Erdbeeren und Eis gönnten wir uns nach der Zwei-Felsen-Tour. Sehr gut geschmeckt haben sie uns im Café Au Péché Mignon, (Avenue des Alliés 95 in Malmedy). Die Waffeln in der Ferme Libert (Route de la Ferme Libert 33, Malmedy) sollen auch sehr gut sein. Davon konnten wir uns nicht persönlich überzeugen, da das Lokal am Tag unseres Besuchs geschlossen war.

Weitere köstliche Backwaren findest du in Belgien in jeder Boulangerie oder Bäckerei. Wir genossen jeden Morgen frische Croissants, die locker und luftig nach französischer Art gebacken werden. Ebenfalls an französische Tradition erinnern die vielen kleinen Törtchen und Kuchen.

Portion Pommes in Spitztüte.

Goldgelb und knusprig

Für die Freunde von herzhafteren Genüssen sind belgische Pommes Frittes die erste Wahl. Vegetarier und Veganer sollten allerdings nachfragen, denn die Pommes werden traditionell in Rindertalg frittiert. Die besten Pommes haben wir in der kleinen Imbissbude Au Petit Chef an der Place de Rome in Malmedy verspeist.

Belgien ist ein Paradies für Bierliebhaber. Einen umfassenden Überblick über belgische Biere wirst du dir kaum verschaffen können, denn es gibt über 1000 verschiedene Biersorten in dem kleinen Land. Ob Pilsner oder obergärige Sorten, hell, dunkel oder Rotbier – die Vielfalt ist überwältigend. Wir haben uns mit verschiedenen Bieren eingedeckt und uns durchprobiert.

Zwei Biertulpen stoßen an.

Prost!

Infos zum Wandern in den Belgischen Ardennen

  • Hinkommen: Von Nordwesten fährst du über die A4 oder die A44 via Aachen nach Ostbelgien, von Südwesten erreichst du das Gebiet über die A60.
  • Orte: Malmedy und Eupen liegen am Rand des Hohen Venns. Auch in zahlreichen kleineren Orten kannst du unterkommen.
  • Hohes Venn: Das Hochmoor des Hohen Venns bietet zahlreiche beschilderte Wanderrouten. Ausgangspunkt für viele Wanderungen ist Barraque Michel im Zentrum des Hohen Venns.
  • Wandern in den Belgischen Ardennen: Eine Broschüre mit 26 Wanderungen erhältst du bei der Tourismusagentur Ostbelgien. Nach dieser Broschüre haben wir unsere Wanderungen geplant.
  • Wanderroutenplaner: Ebenfalls von der Tourismusagentur Ostbelgien gibt es eine Planungs-App, mit deren Hilfe du dir eine eigene Route entlang verschiedener Knotenpunkte basteln kannst.

Reisen in Corona-Zeiten in Belgien

Zeichnung des Corona-Virus.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs galten in Belgien folgende Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus:

  • Maskenpflicht für Angestellte in Restaurants und in Museen
  • Abstandsregeln: 1,5 Meter Mindestabstand zu anderen Personen
  • In Geschäften gab es nur eine Empfehlung zum Maskentragen

Wir haben es so erlebt, dass die Servicekräfte in Cafés und Restaurants die Masken gewissenhaft trugen. Anders als wir es hier in Deutschland sehen, wo die Maske oft nicht über die Nase gezogen wird.

Manche Geschäfte, wie der große Carrefour-Supermarkt hatten Maskenpflicht beim Betreten des Geschäfts angeordnet. Dort, wo es nur empfohlen wurde, trugen die meisten Kundinnen und Kunden keine Maske. In kleineren Läden war oft nur einer Person einer Familie der Zutritt erlaubt.

Im Museum herrschte ebenfalls Maskenpflicht. Kleinere Museen haben oft nicht geöffnet, bei anderen Museen muss man mit Einschränkungen rechnen.

Öffentlichen Nahverkehr haben wir nicht genutzt und können daher nichts dazu sagen.

Die Maßnahmen ändern sich laufend. Wenn du nach Belgien reisen möchtest, solltest du dich vorher noch mal vergewissern, wie die Empfehlungen lauten.

Aktuelle Informationen zu Corona-Maßnahmen und eventuellen Einschränkungen in Belgien findest du hier:

Re-open EU Belgien