Eine klassische Nilreise war schon lange ein Traum von mir. Die alte Kultur Ägyptens fasziniert mich und wer denkt bei „Nilkreuzfahrt“ nicht an Agatha-Christie-Flair?

Hier ist unser Reisebericht über eine einwöchige Nilkreuzfahrt zwischen Luxor und Assuan.

Ankunft in Luxor

Es ist schon dunkel, als unser Flug deutlich verspätet in Luxor eintrifft. Mit Bussen werden wir zu den Schiffen gebracht, die in Vierer- und Fünfer-Päckchen nebeneinander am Nilufer vertäut liegen. Um zu unserem Schiff, der Nile Vision, zu gelangen, müssen wir drei andere Nilschiffe durchqueren.

Eigentlich hatten meine Tochter und ich vorgehabt, am Nachmittag das Luxor Museum zu besuchen, aber durch die Verspätung müssen wir diesen Plan ad acta legen. Doch nach dem Abendessen gehen wir auf Landgang. Offenbar sind wir die einzigen der Passagiere der Nilkreuzfahrt, die sich auf eigene Faust in den Ort wagen.

Die Corniche – die Nilpromenade – ist schick gestaltet und von vielen Laternen erhellt. Unser Schiff liegt direkt vor dem Luxor Tempel, der stimmungsvoll beleuchtet ist und schon mal einen Vorgeschmack auf die prachtvolle altägyptische Architektur gibt.

Beleuchteter Luxor-Tempel bei Nacht.

Nachts ist der Luxor-Tempel schön beleuchtet.

Wir gehen über löchrige, schlecht beleuchtete Bürgersteige um den Tempel herum in den Ort und laufen einmal den Souk hinauf und hinab. Hier gibt es ein überwiegend touristisches Angebot. Wir werden von wirklich jedem Händler angesprochen. Das nehmen wir mit Humor und lavieren uns durch die Gasse. Dass wir noch nicht dazu gekommen sind, ägyptische Pfund zu holen, wäre übrigens kein Hindernis für einen Einkauf. Die Preise werden uns gleich in Euro genannt.

Der Karnak-Tempel in Luxor

Am nächsten Morgen geht es sehr früh los. Unsere Reisegruppe ist mit über 30 Personen recht groß. Mit dem Bus fahren wir zum 2,5 Kilometer entfernten Karnak-Tempel.

Sphinx-Statuen mit Widderköpfen.

Die Widdersphingen vor dem Karnak-Tempel.

Vor dem Tempel bewundern wir als erstes die Widder-Sphingen, die einst eine Allee von hier bis zum Luxor-Tempel bildeten. Diese Allee wurde später überbaut. Heute ist man dabei, sie wieder herzurichten und irgendwann sollen zahlreiche Widder-Sphingen die Straße zwischen den beiden bedeutenden Tempeln zieren.

Der riesige Pylon, der den Eingang zum Tempel bildet ist mit großen Reliefs zum Ruhme des Pharaos geschmückt. Guide Yasser erklärt die verschiedenen Symbole und Bedeutungen.

Riesige Säulen im Karnak-Tempel.

Die große Säulenhalle im Karnak-Tempel.

Weiter geht es in den wohl beeindruckendsten Teil des Karnak-Tempels: Die große Säulenhalle. Heute fehlt das Dach, so dass aus der Halle eher ein Säulenhof geworden ist. Die massigen, himmelwärts strebenden Säulen sind unglaublich imposant. Auch sie sind mit Steinreliefs verziert.

Yasser führt uns an verschiedenen Wänden mit besonderen Relief-Darstellungen entlang. Weiter im Tempel treffen wir auf schlanke, himmelwärts ragende Obelisken. Manche stehen noch aufrecht, andere liegen in Trümmern auf dem Boden.

Am Ende der interessanten Führung bleibt uns noch Zeit, auf eigene Faust das Tempelgelände zu erkunden und uns von den immer mehr in den Tempel drängenden Reisegruppen zu entfernen.

Gina steht an einer großen Säule im Karnak-Tempel.

Ganz schön mächtig, die Säulen.

Victoria und ich spazieren um den Heiligen See, kommen an einigen beeindruckenden Statuen vorbei und entdecken die Tribüne, die für die abendliche Karnak-Light-Show hier aufgebaut ist. Tagsüber ist sie eigentlich nicht zugänglich, aber freundlich lächelnde Wächter winken uns zu und öffnen die Absperrung für uns. Von oben bietet sich ein weiter Blick über das weitreichende Gelände des Karnak-Tempels. Natürlich bekommen die Wächter das erwartete Bakschisch von uns.

Nun ist es Zeit, wieder zum Ausgang zurückzukehren. Wir merken, wie gut es war, dass wir schon früh hier waren, denn inzwischen ist es merklich voller geworden. Eine Gruppe nach der anderen drängt durch die Säulengänge und wir sind froh, als wir uns nach draußen gezwängt haben.

Reise-Ringel vor einer Säule mit Hieroglyphen.

Reise-Ringel im Karnak-Tempel.

Ilona beschreibt auf ihrem Blog den Karnak-Tempel und den Luxor-Tempel ausführlich. Du findest den Bericht hier.

Auf dem Nil von Luxor nach Edfu

Schon während des Mittagessens legt unser Schiff ab und die Fahrt nilaufwärts beginnt. Wir sind nicht das einzige Schiff, in einer langen Kette reiht sich Nildampfer an Nildampfer auf dem glitzernden Fluss.

Nilkreuzfahrt-Schiff auf dem Nil.

Unterwegs mit der Nile Vision.

Sitzgruppe auf dem Sonnendeck.

Gemütliche Sitzplätze auf dem Oberdeck.

Auf dem Sonnendeck – das auch genügend Schattenplätze bietet – machen wir es uns bequem und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen. Deutlich erkennen wir den fruchtbaren, grünen Streifen entlang des Nilufers. Palmen und sattgrüne Felder, durchzogen von Bewässerungsgräben, säumen das Ufer. Dahinter erstreckt sich ockergelbe karge Wüstenlandschaft.

Das Ufer des Nils, dahinter die Wüste.

Blick auf das Nil-Ufer.

Ab und zu rudern zwei Männer in einem kleinen Nachen übers Wasser. Wir passieren flache Nilinseln, auch dort wird Landwirtschaft betrieben. Unterbrochen wird der grüne Saum des Ufers hin und wieder von einer staubigen Ansiedlung.

Einen Höhepunkt der Fahrt erleben wir, als fliegende Händler mit kleinen Booten sich der Nile Vision nähern. Flugs wird eine lange Leine über einen Poller unseres Schiffs geworfen, so dass das kleine Boot mit schäumender Bugwelle neben uns hergezogen wird.

Nun steigt der Händler auf die Heckbank seines Kahns und präsentiert den neugierigen Touristen, die vom Sonnendeck hinunterlugen stimmgewaltig seine Textilwaren. Aus der Entfernung – vier Decks oberhalb – können wir noch nicht mal erkennen, ob es sich um Badetücher oder Tischdecken handelt.

Händler präsentiert seine Ware auf dem Boot.

Nicht fliegender, sondern schwimmender Händler.

Der Händler hat Glück, er hat einen Interessenten gefunden, mit dem er sich auf einen Preis geeinigt hat. Er packt das textile Objekt in eine Plastiktüte und wirft es schwungvoll und zielsicher aufs Oberdeck. Aber wie kommt er jetzt an sein Geld? Er nimmt eine zweite Tüte, packt ein Stoffteil als Ballast hinein und wirft sie der ersten hinterher. Der Käufer legt den Geldschein dazu und wirft es wieder hinunter, wo der Händler es geschickt auffängt. Geschäft perfekt!

Die Schleuse von Esna erreichen wir erst abends in der Dunkelheit. Danach geht es noch ein paar Stunden weiter. Wir liegen längst im Bett, als wir in Edfu anlegen.

Edfu und der Horus-Tempel

Am nächsten Morgen müssen wir wieder sehr früh aufstehen. Um Viertel vor sechs klingelt der Weckruf der Rezeption bei uns. Erwähnte ich schon mal, dass wir keine eingefleischten Frühaufsteher sind?

Um sieben Uhr verlassen wir die Nile Vision. Wir sollen mit Pferdekutschen zum Tempel gefahren werden. Gerne hätten wir auf diesen Transportweg verzichtet beim Anblick der bedauernswerten Pferde. Aber darauf hat man eben bei einer Pauschalreise keinen Einfluss.

Pferdekutschen auf der Straße.

Lebhafter Kutschverkehr in Edfu.

Blöd nur, dass nicht nur die 70 Passagiere unseres Schiffs, sondern auch die von den anderen Schiffen gleichzeitig abgeholt werden. Es entsteht ein heilloses Chaos, Kutsche an Kutsche jagt den Kai entlang. Leider sind die meisten schon besetzt und so dauert es einen Dreiviertelstunde, bis Victoria und ich endlich in ein Gefährt gewinkt werden. Da hätten wir auch länger schlafen können…

Pferdekutschen in Doppelreihen.

Kutschen-Stau vor dem Horus-Tempel.

Vor dem Horus-Tempel setzt sich das Chaos fort. Kutschen, die ankommen und ihre Fahrgäste aussteigen lassen, Kutschen, die wieder abfahren, um neue Kunden aufzunehmen, es entsteht ein großer Kutschen-Stau. Dazwischen noch etliche Reisebusse, die ebenfalls ihre Ladung ausspucken.

Wir drängen uns durch das Gewühl und halten Ausschau nach unserer Gruppe. Da wir unter den Letzten waren, die eine Kutsche bekamen, müssten ja alle schon da sein. Wir treffen ein weiteres Paar, aber von Yasser und dem Rest keine Spur. Vor dem Eingang zum Tempel drängeln sich Reisegruppen durch den Eingang mit der Sicherheitsschleuse.

Wo, verdammt noch mal, ist unsere Einheit? Ich schiebe mich suchenden Blicks durch die Menge, kein bekanntes Gesicht. Kurzentschlossen schlüpfe ich durch den Ausgang ins Tempelgelände. Der wird nicht bewacht, so viel zum Sicherheitskonzept.

Einige hundert Meter entfernt erspähe ich unsere Gruppe. Unser Guide hat uns einfach vergessen! Und das, obwohl er ja die überzähligen Eintrittskarten noch in der Hand hat.

Der Horus-Tempel in Edfu.

Viel los vor dem Horus-Tempel.

Nachdem die Gruppe nun wieder komplett ist, besichtigen wir den Horus-Tempel. Leider ist es inzwischen rappelvoll. Im Außenbereich geht es noch, da findet sich immer ein Plätzchen, wo Yasser seine Erläuterungen geben kann. Doch im Inneren des Tempels geht es zu wie zur Rush-Hour in Öffentlichen Verkehrsmitteln. Gruppe für Gruppe drängelt durch die engen Gänge und kleinen Räume.

Wir sind froh, als wir wieder draußen sind und Luft schnappen können. Auch um den  Horus-Falken am Eingang scharen sich die Leute, jeder will ein Foto machen.

Der Rückweg zum Schiff findet wieder per Kutsche statt, diesmal läuft der Abtransport flüssiger. Kurz nachdem wir auf der Nile Vision sind, legen wir ab. Auf geht’s nach Assuan!

Ankunft in Assuan

Wir liegen schon im Bett, als wir merken, dass wir in Assuan anlegen. Ein Blick auf Google Maps offenbart uns allerdings, dass die Nile Vision fünf Kilometer außerhalb der Stadt festgemacht hat.

So ein Ärger! Wir haben in Assuan zwei halbe Tage ohne Programm und hatten uns darauf gefreut, endlich mal auf eigene Faust zu zweit losziehen zu können. Jetzt müssen wir erst mal herausfinden, wie wir von hier aus in den Ort kommen.

Aber am nächsten Morgen geht es zunächst mit der Gruppe los. Wir hatten noch hoffnungsvoll gefragt, ob das Schiff hier liegen bliebe. Vielleicht würde ja doch noch nach Assuan umgeparkt. Doch leider hieß es, wir blieben hier.

Der unvollendete Obelisk

Der Bus bringt unsere Gruppe früh morgens zum Steinbruch, in dem die Pharaonen ihre Obelisken aus dem rosa Granit schlagen ließen. Ausgerechnet heute, wo wir über die unebenen Flächen des Steinbruchs kraxeln, habe ich vergessen, die Sneaker anzuziehen und bin mit Flipflops unterwegs. Ich achte sehr sorgfältig darauf, wohin ich trete. Schließlich will ich nicht schon wieder mit gebrochenen Knochen, wie in Sizilien, zurückkehren.

Großer Obelisk liegt im Boden des Steinbruchs.

Mit dem unvollendeten Obelisken hatte sich Hatschepsut wohl übernommen.

Im Steinbruch liegt ein gigantischer Obelisk, der vermutlich von Pharaonin Hatschepsut in Auftrag gegeben wurde. Er wäre der größte aller Obelisken gewesen, wäre er nicht während der Arbeiten zerborsten. Daher ließ man ihn unvollendet liegen. So können wir uns heute ein Bild davon machen, wie die Arbeit vonstatten ging.

Der Philae-Tempel

Als nächstes Ziel steht der Philae-Tempel auf dem Plan. War es am Steinbruch noch recht ruhig, so herrscht an der Bootsanlegestelle ein sehr lebhafter Betrieb. Wir steigen in ein Bötchen und tuckern über den See, der von dem alten Assuan-Staudamm gebildet wird.

Die eigentliche Insel Philae steht seit dem Bau des Staudamms dauerhaft unter Wasser. Daher wurden die historischen Bauten des Philae-Tempels und des Trajan-Kiosks abgetragen und auf einer benachbarten Insel wieder aufgebaut. So kann die Nachwelt sie immer noch bewundern.

Rechteckiger Säulenbau auf der Insel Philae.

Der Trajan-Kiosk macht sich gut vor dem blauen Himmel.

Als erstes sticht der Trajan-Kiosk ins Auge, ein Zeugnis, das die Römer hier hinterlassen haben. Nach einigen Erläuterungen von Yasser haben wir etwas Zeit, um die Insel zu erkunden. Wir umrunden zunächst das Ufer, stoßen auf weitere römische Überreste. Ein freundlicher Wachmann bietet uns an, ein Foto von uns zu machen. Die Kalaschnikov auf seinem Rücken blenden wir mal aus.

Gina und Victoria stehen am Ufer der Insel Philae.

Am Ufer von Philae.

Säulenkapitell vor blauem Himmel.

Detail am Isis-Tempel.

Der Tempel auf Philae ist der Göttin Isis gewidmet und war zu seiner Zeit ein bedeutendes Heiligtum. Freundlich leuchtet der warme Sandstein unter dem blauen nubischen Himmel. Das Innere des Tempels betreten wir nicht, nachdem wir gesehen haben, dass sich gerade eine größere Reisegruppe hineingedrängt hat.

Bei der Abfahrt herrscht ordentlich Gedrängel auf den schmalen Stegen der Anlegestelle. Gruppe um Gruppe sammelt sich, die einen kommen an, die anderen warten auf die Abfahrt ihres Bootes. Dazwischen breiten Souvenir-Händler ihre Waren aus.

Der Assuan-Staudamm

Nun fahren wir mit dem Bus über den schmalen alten Staudamm, der 1931 vollendet wurde. Er ist einspurig, der Verkehr darf abwechselnd Richtung Osten oder Westen darüber rollen.

Am Ostufer des Nils geht es weiter zum monumentalen Assuan-Staudamm, der 1960 – 1971 mit Hilfe der Sowjetunion errichtet wurde. Auf der einen Seite blicken wir auf den riesigen Nasser-Stausee, auf der anderen Seite ins karge Tal und die Transformatoren und Strommasten des Elektrizitätswerks.

Mit der Feluke über den Nil segeln

Den letzten Teil des Vormittagsprogramms – die Besichtigung eines Parfümöl-Ladens – haben wir uns geschenkt und sind mit dem Bus der zweiten Gruppe zur Nile Vision zurückgekehrt.

Nach dem Mittagessen steht eine Fahrt mit einer Feluke auf dem Plan. Wir hatten gehofft, dass diese vielleicht in Assuan-Zentrum starten würde, so wären wir gleich für den restlichen Tag im Ort geblieben. Doch es geht direkt neben unserem Schiff los.

Eine Feluke segelt auf dem Nil.

Mit der Feluke über den Nil segeln.

Die Feluke ist groß genug, dass die gesamte Gruppe auf ein Boot passt. Es ist vielleicht nicht so romantisch, als wenn wir das Boot für uns hätten, aber es gefällt uns dennoch. Eine sanfte Brise füllt das dreieckige Segel des traditionellen Bootes. Wir gleiten über das überraschend blaue Wasser des Nils. Der Lärm und Dieselgestank der Nilschiffe bleibt hinter uns. Eine Stunde dauert das Vergnügen, dann werden wir wieder am Ufer abgesetzt.

Auf eigene Faust nach Assuan

Wir haben inzwischen gesehen, dass direkt gegenüber der Anlegestelle unseres Schiffs ein Magaluf, also eine Art Bahnhof der Sammeltaxis ist. Die Sammeltaxis sind kleine Mikrobusse, die eine bestimmte Route fahren. Auf Winken oder Zuruf halten sie an und man kann aus- oder einsteigen.

So kommen wir für kleines Geld schnell nach Assuan hinein. Wir lassen uns an der Corniche absetzen, wo weitere Nilkreuzfahrtschiffe in Päckchen liegen. Kaum haben wir das Sammeltaxi verlassen, werden uns schon wieder Kutschfahrten und Felukentrips angeboten.

„La, shukran“ – „nein, danke“ sind die wichtigsten arabischen Brocken, die wir hier anwenden können. Wir finden die Anlegestelle der öffentlichen Fähre, die zur Insel Elephantine übersetzt. Allerdings ist es uns nun, am fortgeschrittenen Nachmittag zu spät, um die Insel zu erkunden. Wir merken sie uns für morgen.

Wir spazieren in die Parkanlage der Ferial Gardens, wo wir schlagartig Ruhe vor aufdringlichen Verkäufern haben. Auf Bänken schwatzen Freundinnen miteinander, auf den schattigen Rasenflächen picknicken Familien. Zum Nil hin bietet sich ein großartiger Ausblick auf das Kataraktgebiet mit seinen Felsinseln und dazwischen kreuzenden Feluken.

Mehrere Feluken segeln zwischen Felsklippen auf dem Nil.

Der Nilkatarakt vor Assuan.

Am ehrwürdigen Old Cataract Hotel vorbei, in dem Agatha Christie ihren Roman „Tod auf dem Nil“ schrieb, laufen wir zum Nubischen Museum. In den großzügigen Räumen des modernen Baus informieren wir uns über die nubische Kultur. Ein großer Teil Nubiens versank für immer in den Fluten des Nasser-Stausees.

Im Museum geht es ruhig zu, einige einheimische Familien sind unterwegs, so gut wie keine Touristen außer uns.

Sandsteingebäude mit großem Eingangstor.

Das Nubische Museum in Assuan.

Nubische Schulen, mit Puppen dargestellt.

Szene des nubischen Lebens im Museum.

Zum Abschluss des Tages suchen wir uns ein Restaurant am Nil. Der Speiseplan auf unserem Schiff wird auf Dauer doch etwas eintönig.

Zur Insel Elephantine

Ein Teil unserer Gruppe nimmt am fakultativen Ausflug nach Abu Simbel teil. Nicht nur der Preis dafür, auch die Tatsache, dass es früh um vier Uhr losgeht haben uns davon absehen lassen.

Wir schlafen endlich mal aus und machen uns nach dem Frühstück wieder per Sammeltaxi auf nach Assuan. Es ist Freitag, also der islamische Sonntag und auf den Straßen ist es deutlich ruhiger als gestern. Ein hoffnungsvoller Pferdekutscher folgt uns mit seiner Kalesche bis in den kleinen Busbahnhof hinein, muss aber irgendwann einsehen, dass wir die klapprigen Mikrobusse bevorzugen.

Mit der Fähre setzen wir in Assuan rüber zur Insel Elephantine. Dort laufen wir noch ein Stück durch das nubische Dorf mit seinen bunt bemalten Häusern bis wir die Ausgrabungsstätte erreichen.

Hier finden sich die Überreste der pharaonischen Stadt Elephantine, die seit 3500 vC existierte. Da sie bis in ptolemäische Zeit besiedelt war, lässt sich die Baugeschichte über vier Jahrtausende nachvollziehen. Der Tempel der Kataraktgöttin Satet ist eines der Highlights auf dem Gelände.

Wir haben sofort einen eifrigen, selbst ernannten Guide zur Seite, der uns durch das Gelände führt und uns tatsächlich einige schöne Stellen zeigt. Als er jedoch nach der Hälfte der Runde mit seinem Heiratsantrag für Victoria scheitert, erklärt er die Führung für beendet und lässt sich sein Bakschisch auszahlen. Den Rest des Gebiets erkunden wir ungestört zu zweit. Dabei entdecken wir auch die beiden Nilometer. Hier wurde in alter Zeit die Höhe der Nilflut gemessen. Danach richtete sich die Höhe der Abgaben und Steuern der Bauern, denn der fruchtbare Nilschlamm brachte reiche Ernte.

Trockenes Becken des Nilometers.

Bei Hochwasser konnte man in diesem Becken das Nilometer ablesen.

Eingeritzte Skala in Mauer.

Die Skala des neueren Nilometers.

Nachdem wir die Ausgrabungen besichtigt haben, laufen wir durch das nubische Dorf, das in völliger Ruhe daliegt. Weder andere Touristen noch aufdringliche Verkäufer stören unseren Spaziergang. Am Ausgang des Dorfes geht es durch sattgrüne Felder, bis wir das kleine private Museum Animalia erreichen. Dem Reiseführer entnehmen wir, dass es einen schönen Überblick über das nubische Leben und die Tierwelt der Insel vermitteln soll.

Grüne Felder auf der Insel Elephantine.

Von der Dachterrasse haben wir einen schönen Ausblick.

Da uns allerdings die Zeit für eine Museumsführung fehlt, genießen wir lediglich einen Minztee auf der lauschigen Dachterrasse. Um uns herum nur Palmen und grüne Felder und himmlische Ruhe.

Zwischenstopp in Kom Ombo

Unsere Abfahrt in Assuan verzögert sich, da die Gruppe aus Abu Simbel deutlich später als geplant zurückkehrt.

So erreichen wir erst im Schein der untergehenden Sonne den Doppeltempel von Kom Ombo. Die Nile Vision kann direkt vor dem mächtigen Bauwerk anlegen, so dass wir ausnahmsweise mal zu Fuß zur Besichtigung gelangen.

Die Sonne geht hinter dem Ufer unter.

Sonnenuntergang am Nil.

Es wird schon dunkel, als wir auf dem Tempelvorplatz stehen und Yassers Ausführungen lauschen. Der Doppeltempel ist insofern einzigartig, als er zwei Göttern geweiht ist. Eine unsichtbare Mittellinie trennt die rechte Hälfte, die dem krokodilköpfigen Gott Sobek geweiht ist von der linken, in der der falkenköpfige Haroeris verehrt wurde. Im äußeren Tempelumgang findet sich eine interessante Darstellung von medizinischen Geräten in den Steinreliefs.

Beleuchteter Tempel von Kom Ombo.

Der Doppeltempel von Kom Ombo.

Der Doppeltempel wird stimmungsvoll beleuchtet und endlich mal drängeln sich nicht hundert andere Reisegruppen mit uns. Zum Abschluss besuchen wir das kleine Museum, in dem Krokodilmumien ausgestellt werden.

Zurück nach Luxor: Tempel und Museum

Nach einer Übernachtung in Edfu verbringen wir den folgenden Tag wieder auf dem Nil und genießen die Sonne und die Landschaft. Die Schleuse von Esna passieren wir diesmal bei Tageslicht. Wieder umschwärmen einige hoffnungsvolle Händler-Boote unser Schiff, aber heute macht niemand ein Geschäft.

Im goldenen Nachmittagslicht erreichen wir Luxor und legen vor dem Luxor-Tempel an. Wir hatten ja schon befürchtet, dass man uns wieder weit außerhalb liegen lässt, aber zum Glück ist das nicht so.

Es geht sofort zur Besichtigung des Luxor-Tempels. Ein bisschen Chaos herrscht in der Halle des Schiffes, denn die zweite größere Gruppe verlässt uns heute Richtung Hurghada. Beinahe hätten wir deshalb den Aufbruch unserer Gruppe verpasst, der zehn Minuten früher als angekündigt erfolgt. Für die lächerliche Strecke von einigen hundert Metern zum Tempeleingang werden wir tatsächlich mit dem Bus transportiert.

Säulen des Luxor-Tempels im Abendlicht.

Warm erstrahlen die Säulen des Luxor-Tempels im Abendlicht.

Wir bewundern zunächst dieses Ende der Widdersphingen-Allee, die von hier Richtung Karnak verläuft. Dann führt Yasser uns durch den Luxor-Tempel. Im schwindenden Tageslicht ist nicht mehr ganz so viel los, aber es tummeln sich noch einige Reisegruppen. Daher schauen wir uns auch hier das Allerheiligste nicht als Gruppe an.

Vor dem gewaltigen Pylon thronen drei der ursprünglich sechs Kolossalstatuen. Von dem den Eingang flankierenden Obeliskenpaar ist nur noch einer vorhanden, der zweite steht heute auf der Place de la Concorde in Paris.

Durch Gänge und Hallen mit mächtigen Säulen laufen wir durch den Tempel. Wir bewundern große Statuen, Reliefs an den Wänden und in einer Halle römische Fresken.

Säulen mit kolossalen Statuen dazwischen.

Säulenhof im Luxor-Tempel.

Säulen vor lila Abendhimmel.

Während unserer Besichtigung bricht die Nacht herein.

Nachdem Yasser seine Führung beendet hat, haben wir wie üblich zwanzig Minuten Zeit, uns auf eigene Faust umzusehen. Danach wollen wir uns beim Eingangspylon treffen. Als nächster Punkt steht eine Papyrusmanufaktur auf dem Programm. Vermutlich eine Verkaufsshow für Touristen, deshalb wollen wir uns abmelden, um lieber das Luxor-Museum aufzusuchen.

Widdersphingen-Allee bei Nacht.

Die nächtlich beleuchtete Widdersphingen-Allee, die bis zum Karnak-Tempel führte.

Doch als wir pünktlich am Treffpunkt ankommen, ist niemand mehr da, bei dem wir uns abmelden könnten. Na gut, dann nicht.

Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Luxor-Museum. Nachdem wir den touristischen Bereich um den Tempel verlassen haben, werden wir auch nicht mehr mit Angeboten für eine Kutschfahrt behelligt.

Das Luxor-Museum ist ein modernes Gebäude, in dem Statuen, Sarkophage, einige Mumien und Grabbeigaben übersichtlich präsentiert werden. Es ist ruhig hier und wir genießen entspannt die Ausstellung.

Sphinx-Statue

Skulptur im Luxor-Museum.

Bunt bemalter Sarkophag im Luxor Museum.

Auch Sarkophage wie diesen gibt es zu besichtigen.

Den Abend lassen wir in einem Restaurant bei köstlichen ägyptischen Speisen ausklingen.

Theben West

In Theben West am gegenüberliegenden Nilufer liegt ein viele Quadratkilometer großes Gebiet, das die Totenstädte von Luxor beheimatete. Hier findet sich das Tal der Könige mit zahlreichen Pharaonengräbern, das Tal der Königinnen und diverse Totentempel.

Theoretisch kämen wir mit der Personenfähre in wenigen Minuten hinüber. Aber da wir eh einen Bus benötigen, um die weit auseinander liegenden Sehenswürdigkeiten zu erreichen, fahren wir über die zehn Kilometer flussaufwärts gelegene Brücke über den Nil.

Die Memnon-Kolosse

Zwei riesige sitzende Statuen.

Die berühmten Memnon-Kolosse.

Unser erster Stop ist bei den Memnon-Kolossen, zwei überdimensionierten Sitzstatuen. Sie sind die einzigen Überbleibsel des Totentempels von Amenophis III. Mittlerweile laufen Ausgrabungen, die weitere Details des Tempels zutage fördern, aber noch nicht zu besichtigen sind.

Hatschepsut-Tempel

Weiter geht es zum Totentempel der Hatschepsut. Hatschepsut war die einzige Frau, die es auf den Pharaonenthron geschafft hat. Dafür hat sie sich einen wahrhaft prachtvollen Totentempel errichten lassen. Über drei breite Terrassen erstreckt er sich an der ockerfarbenen Felswand. Die knappe Zeit reicht nicht, um ihn in seiner ganzen Ausdehnung zu erkunden.

Terrassentempel von Hatschepsut in einer großen Felswand.

Der Terrassentempel von Hatschepsut.

Säulen mit Gesichts-Relief.

Relief der Göttin Hathor am Hatschepsut-Tempel.

Das Tal der Könige

Der Bus bringt uns zur meistbesuchten Sehenswürdigkeit in Theben West: dem Tal der Könige. Natürlich parken hier bereits unzählige Busse auf dem großen Parkplatz.

In der Halle des Eingangsgebäudes steht ein großes, transparentes Modell des Tals der Könige. Hier können wir erkennen, wo die bereits bekannten Gräber in den Felswänden verlaufen.

Unser Ticket berechtigt uns zum Besuch von drei Königsgräbern. Für einige besondere Gräber, wie das von Tutanchamun oder Sethos I. braucht man Extratickets. Die könnten wir uns theoretisch dazu kaufen, aber angesichts der meist knappen Zeit zur Besichtigung verzichten wir darauf.

Karges Wüstental.

Im Tal der Könige.

Die meisten Reisegruppen besuchen die Gräber, die relativ nah am Eingang sind und nicht zu steile oder lange Abstiege haben. Yasser gibt uns einen kurzen Überblick, dann führt er uns in den hinteren Teil des Tals. Hier liegen einige Gräber, die wir fast für uns alleine haben.

Victoria und ich besichtigen das Grab von Sety II. Der Wächter grinst uns freundlich an, als er unser Ticket locht. Dann folgt er uns und deutet auf das Tuch, das ich mir um den Kopf geschlungen habe, in Berber-Manier, wie ich es in Marokko gelernt habe. Er gestikuliert, bis wir verstehen, dass er das Tuch neu drapieren will. Ich trage das ja in „Männer-Manier“, und das geht gar nicht. Lachend ergebe ich mich und lasse ihn das Tuch neu wickeln, so dass ein Ende wie ein Schleier über meinen Rücken fällt.

Victoria und Gina stehen im Pharaonengrab.

Foto fürs Bakschisch…

Nun will er natürlich auch ein Foto von uns machen, das Bakschisch muss ja verdient werden. Wir drücken ihm eine Münze in die Hand und alle Beteiligten sind zufrieden.

Das benachbarte Grab von Tausert und Setnacht schauen wir uns als Nächstes an. Es enthält zwei Grabkammern und viele alte Reliefs an den Wänden.

Als drittes Grab entscheiden wir uns doch für eins der zentral gelegenen. Das Grab von Merenptah zieht sich recht steil in die Tiefe des Bergs hinein. 150 Stufen sind über eine Holzrampe zu bewältigen, bis wir in der großen Grabkammer ankommen. Die Korridore sind teils mit bunten Reliefs geschmückt, teils ohne Dekoration. Auch die Kammern, die wir passieren zeigen beeindruckende Darstellungen aus dem Pfortenbuch.

Bunte Reliefs von tierköpfigen ägyptischen Göttern.

Reliefs in der Grabanlage.

Bunte Wandmalerei in der Grabkammer.

Bunt bemalte Wände in der Grabkammer.

Wir beeilen uns mit dem schweißtreibenden Aufstieg zum Eingang, denn wir wollen nicht riskieren, zu spät zum Treffpunkt zu kommen und hier zurückgelassen zu werden.

Um halb zwölf sind wir auf dem Weg zum Bus, der uns zurück zum Schiff bringen soll. Für den Nachmittag ist kein Programm mehr vorgesehen. Wir bitten Yasser, uns am Platz vor dem zentralen Ticket Office rauszulassen, denn wir möchten uns gerne noch mehr in Theben West anschauen. Er ist zwar offensichtlich nicht begeistert von unserer Idee und warnt unsere Mitreisenden, uns so gefährliche Eskapaden nachzumachen. Aber wenig später hält der Bus und wir dürfen aussteigen.

Medinet Habu

Am Ticket Office kaufen wir uns Eintrittskarten für Medinet Habu, den Totentempel von Ramses III. Er ist der größte noch erhaltene Totentempel in Theben West und praktischerweise in Laufweite vom Ticket Office.

Pylon von Medinet Habu.

Der Eingangspylon des Tempels ist der drittgrößte erhaltene in Ägypten.

Wir erreichen den von einer gewaltigen Mauer umgebenen Komplex und finden den Eingang. Während wir noch im Reiseführer schmökern, was es hier zu sehen gibt, sehen wir plötzlich Gruppe 3 unseres Schiffs ankommen. Es ist eine kleine Gruppe von sieben Personen, die ein anderes Besichtigungsprogramm gebucht haben. Nach einer freudigen Begrüßung dürfen wir uns anschließen und kommen so in den Genuss einer ausführlichen Führung durch den prachtvollen Tempel.

Kolossalstatuen stehen am Rand des Säulenhofs.

Auch in Medinet Habu zieren kolossale Statuen den Säulenhof.

Dicke Stümpfe von gewaltigen Säulen in Medinet Habu.

Die Reste der Säulen sind beeindruckend.

Gegenüber des Tempels liegen mehrere kleine Restaurants. Wir stärken uns mit einem Mittagsimbiss. Die junge Frau, die das Restaurant führt ist Deutschägypterin und versorgt uns mit einigen Tipps. Unter anderem erfahren wir, dass das Ticket für Medinet Habu auch zum Besuch des kleinen Tempels Qasr el-Aguz berechtigt.

Wir wenden uns also nochmal an die Wächter und fragen nach dem Tempel. Einer von ihnen geht mit uns zu dem etwa 150 Meter entfernt liegenden Qasr el-Aguz. Er schließt ein unscheinbares Tor auf und wir können den kleinen Bau ungestört bewundern. Drei hintereinander liegende Räume in unterschiedlichen Phasen der Dekoration bilden den Tempel. Es ist schön, die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.

Nach dem Besuch des kleinen Tempels schlendern wir durch die Gassen des Ortes, besuchen einen Souvenirladen in aller Ruhe, gucken einem Bauern beim Beladen seines Esels zu und erhaschen so einige Eindrücke vom Dorfleben.

Mann mit Esel und Eselfohlen.

Dorfleben in Ägypten.

An der Hauptstraße, wo wir wieder auf die Memnon-Kolosse stoßen, winken wir ein Sammeltaxi heran, das uns zurück zum Ufer des Nils bringt. Dort machen wir einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang (Nein, danke, wir möchten keine Feluken-Tour buchen) und kehren in einem kleinen Lokal zum Tee ein. Tische und Bänke sind auf der Wiese direkt am Nil platziert. Während wir unseren Minztee schlürfen, genießen wir noch einmal die Szene der sanft dahingleitenden Feluken auf dem glänzenden Wasser.

Eine Feluke mit rotem Segel fährt auf dem Nil.

Feluke und Luxor-Tempel.