Arezzo ist die viertgrößte Stadt in der Toskana und dennoch vielen Besuchern weitgehend unbekannt. Auf unserer Rundreise durch die Toskana steuern wir Arezzo als zweites Ziel nach Florenz an.

Abstecher zum Kloster Vallombrosa

Große weiße Fassade mit vielen Fenstern.

Das Kloster Vallombrosa in der Toskana

Auf unserer Weiterfahrt von Fiesole nach Arezzo schauen wir uns noch kurz die Abtei von Vallombrosa an. Etwas zu kurz, da wir nur wenig Zeit haben. So erahnen wir nur die Pracht der imposanten Abtei aus dem 13. Jahrhundert. Dann geht es auch schon weiter zur Unterkunft nach Arezzo. Die Fahrt geht über kurvige Straßen und durch dichte Wälder.

Abbazia de Vallombrosa, Via San Benedetto 2, Vallombrosa. Kirche tgl. 6 – 12, 15 – 19 Uhr, Winter 9 – 12, 15 – 18 Uhr.

Arezzo

Es ist früher Abend, als wir an der Unterkunft in Arezzo ankommen. Die ältere Hausverwalterin hat schon auf uns gewartet und übergibt uns die Wohnungsschlüssel, nicht ohne die Wohnung ausführlich gezeigt zu haben. Beim Herausgehen beginnt sie vor der Haustür Mückenschutzspray zu sprühen. Gina hat schon in Florenz mehrere unangenehme Mückenstiche abbekommen und ist ob dieser Maßnahme eher besorgt, dass die Mückenplage auch hier anhält.

Wenig später machen wir uns auf, ein nettes, zuvor im Internet recherchiertes Restaurant fürs Abendessen aufzusuchen.

Arezzo erkunden

Straße in der Altstadt von Arezzo.

Entspanntes Leben in der Altstadt von Arezzo.

Am nächsten Tag erkunden wir die Altstadt von Arezzo.

Arezzo ist etruskischen Ursprungs und hat demzufolge eine lange Geschichte. Die Stadt ist durch Handel und Kunsthandwerk wohlhabend geworden, was man ihr heute noch ansieht. Sie ist bekannt durch die Edelmetallverarbeitung. Heutzutage werden in der Stadt monatlich rund zehn Tonnen Gold zu Schmuck verarbeitet.

Als wir von Richtung des Bahnhofs in die Altstadt kommen, werden wir von einer auf einem Sockel thronenden Chimäre begrüßt. Die etruskische Chimäre ist ein Fabelwesen aus Löwe, Schlange und Ziege. In der Mythologie war die Chimäre ein feuerspeiendes Ungeheuer. Die hier stehende Plastik ist eine Kopie des 1553 beim Festungsbau gefundenen Originals, das heute in Florenz zu bewundern ist.

Bronzeskulptur eines Fabelwesens aus Löwe, Ziege und Schlange.

Die Chimäre von Arezzo

Wer uns kennt, weiß dass wir keine Frühaufsteher sind und auch oftmals etwas länger brauchen, um aus dem Haus zu kommen. Es ist schon wieder Mittag. Daher machen wir Halt an einem kleinen Delikatessenladen, vor dessen Fenster zwei Tische zum Essen einladen. Die sehr freundliche Inhaberin erklärt uns geduldig all die frisch gemachten Speisen. Bei toskanischem Brotsalat schlagen wir zu. Der wurde nämlich von der Mama persönlich heute morgen zubereitet und schmeckt köstlich.

Santa Maria della Pieve mit dem Turm der 100 Löcher

Nach dem obligatorischen Espresso schlendern wir weiter. Schon bald erreichen wir die Kirche Santa Maria della Pieve. Der imposante Bau mitten im Stadtzentrum ist die älteste Kirche von Arezzo. Ihr Vorgängerbau geht auf das Jahr 1008 zurück. Der heutige romanische Bau wurde von Mitte des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet. Sie zählt zu den schönsten romanischen Kirchen der Toskana.

Der Campanile wird „Turm der 100 Löcher“ genannt. Gemeint sind damit die vielen Fenster. Allerdings ist die Zahl etwas übertrieben. Es sind nämlich keine hundert, sondern nur vierzig Doppelfenster. Gezählt haben wir sie nicht, da glauben wir mal dem Reiseführer.

Durch eine Gasse sieht man den quadratischen Kirchturm mit vielen Fenstern.

Der Turm der 100 Löcher

Eckiger Pfeiler, der von Eisenbändern zusammengehalten wird.

Im Inneren von Santa Maria delle Pieve

Innen sieht die Kirche reichlich schief aus. Mehrere Stützpfeiler sind mit Stahlbändern verzurrt, damit sie nicht umkippen oder auseinander fallen. Wegen des stark abschüssigen Geländes gab es wohl einige statische Probleme beim Bau. Außen über dem Mittelportal faszinieren uns die Reliefs der 12 Monatsfiguren.

Hinten an der Apsis kann man eine geknickte Säule bewundern, ein typisches Element des romanischen Kirchenbaus. Sie soll das Böse abwehren oder für die Unvollkommenheit des Menschen stehen. Die Apsis weist etwas untypisch zur Piazza Grande, dem städtischen Hauptplatz – siehe Titelbild.

Chiesa Santa Maria della Pieve, Corso Italia 7, Arezzo. 8 – 12:30, 15 – 18 Uhr.

San Francesco mit der Capella Bacci

Nach nur wenigen Gehminuten erblicken wir das künstlerisch bedeutendste Ziel Arezzos, die Kirche San Francesco. Für das Highlight in der Kirche haben wir am Vormittag schon Tickets reserviert, um die Kapelle der Basilica zu besuchen.

Schlichte Kirchenfassade.

Von außen sieht man San Francesco nicht an, welche Schätze sie birgt

Bunte Fresken in der Cappella Bacci.

Ein Teil der Fresken in der Cappella Bacci

In der Cappella Bacci bestaunen wir die Fresken, ein Meisterwerk von Piero della Francesca. Dieser hatte für die wohlhabende Familie Bacci zwischen 1452 und 1466 die Arbeiten durchgeführt. Der Freskenzyklus zeigt in großen Bildern die Legende vom Wahren Kreuz. Beim Betrachten der riesigen Kunstwerke an der Decke bekommen wir fast einen steifen Nacken. Es gibt so viele Details zu sehen. Ich frage mich, was wohl in 550 Jahren von unserer derzeitigen Kunst noch zu sehen ist.

San Francesco/Capella Baci, Piazza San Francesco, Arezzo. Mo – Fr 9 – 19 Uhr, Sa 9 – 18, So 13 – 17.30. Im Winter kürzer geöffnet. Eintritt 8 Euro, Vorausbuchung obligatorisch, da nur jede halbe Stunde eine begrenzte Personenzahl eingelassen wird.

Die Kathedrale von Arezzo

Turm und Kirchenschiff ragen über grüne Bäume hinaus.

Die Kathedrale am höchsten Punkt von Arezzo

Wir schlendern weiter und erreichen die Kathedrale von Arezzo, die an der höchsten Stelle der Stadt thront. Sie ist den Heiligen Pietro und Donato gewidmet.

An der 1278 begonnenen und 1511 fertiggestellten Bischofskirche gibt es eine Kapelle, um der sich eine interessante Sage rankt: Im Frühjahr des Jahres 1796 gab es mehrere Erdbeben in Mittelitalien. In einem Gasthaus in Arezzo beteten mehrere Gläubige, als das an der Wand hängende rußgeschwärzte Keramikbild einer Madonna plötzlich strahlend weiß wurde. Kurz danach hatte das Erdbeben schlagartig ein Ende.

Zum Dank wurde das Bild daraufhin zur Kathedrale gebracht und man baute in den folgenden Jahre eine etwas überdimensionierte Kapelle, die Cappella della Madonna del Conforto. Bis zum heutigen Tag wird die Kapelle regelmäßig von Pilgern besucht.

Altaraufsatz aus weißem Marmor.

Der gotische Altaraufsatz

Aber auch sonst hat die Kathedrale einiges an bedeutenden Kunstschätzen zu bieten, wie zum Beispiel der siebenteilige Fensterzyklus, eine berühmte Glasmalerei aus dem 16. Jahrhundert. Sehenswert ist auch der gotische Marmoraufsatz auf dem Hauptaltar. Er zeigt Szenen aus dem Leben des Heiligen Donato. 

Cattedrale dei Santi Pietro e Donato, Piazza della Libertà, Arezzo. 6:30 – 12:30 und 15 – 18 Uhr.

Nach dem Besuch der Kathedrale flanieren wir durch den benachbarten Park und lassen das italienische Flair auf uns wirken. Der Parco Passeggio del Prato ist eine ausgedehnte Grünanlage vor den Mauern des Medici-Forts. Das Fort besuchen wir heute nicht mehr, es ist schon zu spät dafür.

Grüner Rasen und große Bäume vor einer Festungsmauer.

Den Tag gemütlich ausklingen lassen…

Piazza Grande

Das Herzstück von Arezzo ist die Piazza Grande. Ein großer Platz, der wegen des Gefälles im Gelände schräg verläuft. An der Westseite der Piazza kehrt uns Santa Maria della Pieve ihre Apsis zu. Die anderen drei Seiten sind von Palazzi und herrschaftlichen Häusern flankiert.

Von hohen Gebäuden gesäumter Platz.

Die Piazza Grande in Arezzo.

Aperitivgetränk und Teller mit kleinen Snacks.

Der Aperitivo läutet den Abend ein

In den Städten trifft man sich frühabends vor den Bars zum Aperitivo. Zum leckeren Getränk bekommt man kleine Snacks  auf den Tisch gestellt. Getreu dem Motto „Do it like the locals“ probieren wir diese Sitte gerne aus. An der Piazza Grande lassen wir uns an den Terrassentischen eines der dort ansässigen Lokale nieder. Mit Blick auf den schönen Platz genießen wir unseren Aperitivo.

Auf dem Rückweg zur Unterkunft kaufen wir uns noch leckere Baguettes – heute Abend essen wir zu Hause.

Wandern im Foreste Casentinesi

Am nächsten Tag gönnen wir uns eine kleine Abwechslung von der Stadt. Es geht nach Chiusi della Verna im Nationalpark des Foreste Casentinesi. Von dort wollen wir zum Franziskus-Kloster Santuario della Verna wandern.

Nach knapp einer Stunde Fahrt starten wir den ersten Teil der Wanderung. Zum Kloster ist es vom Parkplatz nicht sehr weit. In Serpentinen schlängelt sich der Pfad durch den Wald. Wie so oft begegnen wir nur selten anderen Wanderern. Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir das Kloster.

Santuario della Verna

Franz von Assisi kam 1214 erstmals an diesen Ort. Zuvor hatten er und der Monoritenorden den Berg Monte Alverna vom Grafen Orlando Cattani von Chiusi geschenkt bekommen. Zu Franz Lebzeiten (er lebte zwischen 1182 und 1226) wurden dort die Kapelle und mehrere einfache Hütten errichtet.

Kleine Klosterkirche aus grauem Stein.

Santuario della Verna

Die Basilika wurde erst viele Jahre nach Franziskus Tod gebaut. Heute sind in der Klosterkirche sein Gewand und diverse Gegenstände seiner Habseligkeiten zu sehen. Wir schauen uns seine erste und seine zweite Zelle an, in der er im Kloster gelebt hat. Die Zellen sind sehr gut erhalten.

Überall können wir ungestört umherlaufen, es sind nur wenige andere Besucher unterwegs. Dann besichtigen wir die Stigmata-Kapelle und steigen die Felsengrotte hinab, in der sich Franz zum Gebet und zur Meditation zurückgezogen hatte.

Marcus steht am Fuß einer steilen Treppe.

Hier geht`s zur Grotte, wo Franziskus gebetet haben soll

Steile Mauern des Klosters über dem Tal.

Aussicht aus den Klostermauern

Die Aussicht vom Kloster über das Tal ist grandios. Normalerweise sind hier im Kloster viel mehr Leute anzutreffen. Regelmäßig kommen Pilgergruppen zum Kloster, um Franz zu huldigen und im großen Pilgerspeisesaal zu essen. In der Hochsaison führt jeden Tag um 15 Uhr eine Prozession von der Basilika zur Stigmata-Kapelle. Heute ist es viel ruhiger.

Wanderung zum Monte Penna

Nachdem wir uns ausgiebig im Santuario della Verna umgeschaut haben, wandern wir weiter.

Es geht zum Gipfel des Bergs Monte Penna. Dieser ist um die 1200 Meter hoch. Aber das Kloster liegt auch schon auf 1128 Metern, so dass der Aufstieg zwar sehr steil, aber nicht sehr lang ist.

Zwei Bilder zeigen Gina mit Wanderstöcken im Wald.

Über Stock und Stein zum Monte Penna

Es geht durch den Wald, vorbei an mit Moos bewachsenen, gewaltigen Felsbrocken und über dichte Wurzeln. Außer einem weiteren Wanderpaar sind wir für uns alleine.

Leider begleitet uns kurz vor dem Gipfel ein stetes Donnergrollen, das näher zu kommen scheint. Ein Gewitter auf dem Berg mitten im Wald? Lieber nicht. Daher halten wir uns nicht lang am Gipfel auf. Schade, es gäbe noch so schöne Fotomotive.

Felsiger Gipfel mit Spalte im Fels.

Angeblich wurde der Gipfel des Monte Penna gespalten, als Christus gekreuzigt wurde

Regen- und Gewitterwolken über den Hügeln.

Da hinten kommt was runter

Mit Tempo geht’s bergab, erst ziemlich steil. Später lichtet sich der Wald und es wird flacher. Am Ausgangspunkt wieder angekommen gönnen wir uns die obligatorische Leckerei, nämlich Kaffee und Kuchen. Das Gewitter hat sich mittlerweile verzogen. Kurz darauf steigen wir in den Wagen und düsen zurück nach Arezzo in unsere Unterkunft.

Abschied von Arezzo

Am nächsten Morgen nehmen wir das Frühstück wie in den Tagen zuvor im Garten ein. Einfach herrlich.

Dann ist schon wieder Abreise. Wir wollen weiter nach Chiusi. Viel zu schnell vergeht die Zeit.

Infos zu Arezzo

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Hinkommen

Arezzo liegt etwa 75 Kilometer von Florenz und 70 Kilometer von Siena entfernt. Du kannst es sowohl mit dem Zug als auch mit dem Auto gut erreichen.

Die Altstadt von Arezzo ist – wie in der Toskana üblich – verkehrsberuhigt. Du darfst mit deinem Auto nicht hineinfahren. Am Parcheggio Pietri unterhalb des Doms findest zu kostenpflichtige Parkplätze. Von denen aus kannst du mit der Rolltreppe bequem die Altstadt erreichen. Etwas weiter weg gibt es kostenlose Parkmöglichkeiten:

  • Parcheggio Pietro, Via Pietri (die Plätze, die weiter von der Rolltreppe entfernt sind)
  • Parcheggio Tarlati, Via Tarlati (auch für Wohnmobile)
  • Parcheggio Cimitero Urbano, Via Gamurrini

Unterkunft

Wenn du mit der Bahn anreist, bietet es sich an, eine Unterkunft direkt in der Altstadt zu buchen. Als Autoreisende haben wir uns für ein Apartment außerhalb des Zentrums entschieden, wo wir einen Parkplatz vor der Tür hatten. Von dort aus waren wir in zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß in der Altstadt. Unser Apartment, das Mecenate 69 Suite* lag im Erdgeschoss mit eigenem Eingang. Im Garten gab es einen lauschigen Frühstückplatz.

Essen und Trinken

In Arezzo haben wir überall vorzüglich gegessen. Der Ort ist entspannt, die Lokale bieten gute und meist sehr erschwingliche Küche. Hier ist eine kleine Liste von Empfehlungen:

  • Borgo San Piero, Via Andrea Cesalpino 18, Mo – Sa 7 – 19:30. Delikatessenladen mit preiswerten Spezialitäten.
  • Pizzeria del Corso, Corso Italia 113. Leckere Pizza, auch zum Mitnehmen.
  • Vasari Café, Piazza Grande. Bar mit großer Aperitivo-Karte.
  • Gelateria Cremi, Corso Italia 100. Große Auswahl an köstlichen Eissorten.

Touristeninfo

Das Büro der Touristeninformation befindet sich in den Arkaden, die vom Corso Italia zur Piazza Grande führen. Du kannst dort einen Stadtplan und weitere Informationen erhalten. Die Dame in der Touristeninformation war sehr nett und hilfsbereit.