Ein Stück Rhein­steig wan­dern ist die­ses Wochen­en­de ange­sagt. Die Etap­pen von Bonn bis Kaub haben wir frü­her schon bewäl­tigt. Nun wol­len wir die bei­den Rhein­steig-Etap­pen Kaub – Lorch und Lorch – Ass­manns­hau­sen in Angriff neh­men.

Rheinsteig Rittergut

Woh­nen wie die Rit­ter

Nach­dem der Frei­tag­abend-Berufs­ver­kehr abge­ebbt ist, fah­ren wir staufrei nach Lorch. Hier haben wir in einem stil­vol­len alten Rit­ter­wohn­sitz ein Zim­mer gemie­tet. Den Tag las­sen wir mit einem Pick­nick im Abend­son­nen­schein am Rhein­ufer aus­klin­gen. Satt­grü­ne Hügel umge­ben uns, Schäf­chen­wol­ken zau­bern Mus­ter an den blau­en Him­mel – schön! So kann das Wet­ter für unse­re Wan­de­rung auf dem Rhein­steig blei­ben.

Rheinsteig wandern Abend am Rhein

Schäf­chen­wol­ken über dem Rhein

Die ein­zel­nen Orte ent­lang des Rhein­steigs sind mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln mit­ein­an­der ver­bun­den, so dass wir das Auto vor Ort gar nicht bewe­gen müs­sen. Lei­der sind aus­ge­rech­net die­ses Wochen­en­de Bau­ar­bei­ten auf der Zug­stre­cke. Statt des­sen fah­ren Bus­se nach einem für uns kryp­ti­schen Fahr­plan. Erin­nert uns ein wenig an Asi­en: der Bus kommt dann, wenn er kommt. Unse­re Welt­rei­se-Gelas­sen­heit ist uns noch erhal­ten geblie­ben und so war­ten wir am Sams­tag­mor­gen gedul­dig an der Ersatz­hal­te­stel­le. Schließ­lich kommt der Bus nach Ass­manns­hau­sen zuerst und damit ist ent­schie­den, wel­che Rhein­steig-Etap­pe wir heu­te gehen wer­den. Da der Fah­rer kei­ne Fahr­kar­ten ver­kauft, fah­ren wir kos­ten­los mit. Auch nicht schlecht.

Rhein­steig-Etap­pe Ass­manns­hau­sen – Lorch

Wenig spä­ter gehen wir durch die schma­len Stra­ßen von Ass­manns­hau­sen. Fach­werk­häu­ser säu­men die Höl­len­gas­se, jedes zwei­tes Gebäu­de scheint eine Wein­wirt­schaft zu sein. Bald steigt der Weg steil in die Wein­ber­ge hin­auf. Hell­grün schim­mert das Laub der Reb­stö­cke und die grü­nen Trau­ben sind schon gut zu erken­nen. Wir wun­dern uns nur, wie die Win­zer die­se stei­len Hän­ge bewirt­schaf­ten kön­nen.

Rheinsteig Assmannshausen Höllengasse

Die Höl­len­gas­se in Ass­mans­hau­sen

Die Wein­la­ge Höl­len­berg ist berühmt für ihre her­vor­ra­gen­den Rot­wei­ne. Oben steht eine Lau­be, dane­ben eine Ver­kaufs­sta­ti­on, wo sich der durs­ti­ge Rhein­steig-Wan­de­rer mit einer Fla­sche (!) Rot­wein ver­sor­gen könn­te. Okay, muss mor­gens um zehn nicht wirk­lich sein.

Rheinsteig wandern Weinlaube Höllenberg

Die Wein­lau­be am Höl­len­berg

Rheinsteig wandern Etappe Pfad Wald

Schma­ler Pfad durch den Wald

Nach den Wein­ber­gen geht es in den Wald, wo sich ein schma­ler Pfad den stei­ni­gen Hang ent­lang schlän­gelt. Nach­dem wir die­sen bewäl­tigt haben, geht die Etap­pe wei­ter auf dem Pan­ora­ma­weg, von wo sich immer wie­der schö­ne Aus­bli­cke auf den Rhein bie­ten. Die gro­ßen Frach­ter und Pas­sa­gier­schif­fe wir­ken von hier oben wie Spiel­zeug­boo­te. Deut­lich kön­nen wir Krib­ben, Buh­nen und ver­ein­zel­te Klip­pen bei dem nied­ri­gen Was­ser­stand erken­nen.

Rheinsteig Vogelperspektive Rhein

Vogel­per­spek­ti­ve auf den Rhein

Zwei Sei­ten­tä­ler füh­ren den Rhein­steig vom Rhein weg, in einem gro­ßen Bogen durch schat­ti­ge Wäl­der. Sehr ange­nehm bei den heu­ti­gen Tem­pe­ra­tu­ren, die die 30-Grad-Mar­ke krat­zen sol­len. Hier auf der Höhe weht zudem auch immer ein ange­neh­mes Lüft­chen. An der Hüt­te Georgs Ruh legen wir eine Pau­se ein und ver­spei­sen bei bes­tem Pan­ora­ma­blick auf den Strom unse­re Bröt­chen.

Als wir unse­ren Weg fort­set­zen, kommt auch schon bald der Kirch­turm von Lorch in den Blick. Ein letz­ter Schlen­ker durch den Wald, bis wir in den Wein­ber­gen von Lorch her­aus­kom­men und den Abstieg in den Ort begin­nen. Hier endet unse­re heu­ti­ge Rhein­steig-Etap­pe.

Rheinsteig Lorch

Da unten liegt Lorch

Beschau­li­ches Lorch

Wir schlen­dern durch die schma­len Gas­sen von Lorch und bewun­dern die alten Fach­werk­häu­ser und die statt­li­che Kir­che. Frü­her war dies ein bedeu­ten­der Umschla­gort von Waren aller Art, denn hier muss­ten die Rhein­schif­fe umge­la­den wer­den. Für die schma­le und fel­si­ge Durch­fahrt durchs Mit­tel­rhein­tal waren klei­ne­re Käh­ne nötig. Den längst ver­gan­ge­nen Wohl­stand kann man an eini­gen his­to­ri­schen Bau­ten noch erah­nen.

Rheinsteig Lorch Stadtbefestigung

Res­te der alten Stadt­be­fes­ti­gung in Lorch

Rheinsteig Lorch Fachwerkhaus

Schö­nes Fach­werk­haus

Nach den hin­ter uns lie­gen­den Anstren­gun­gen auf dem Rhein­steig hät­ten wir uns ein Stück Kuchen ver­dient, fin­den wir. Lei­der haben jedoch bei­de Cafés in Lorch geschlos­sen. So grei­fen wir zu den mit­ge­brach­ten Kek­sen und neh­men den Kampf mit der hoch­tech­ni­sier­ten Kaf­fee­ma­schi­ne in unse­rer Unter­kunft auf. Letz­te­rer wäre zuguns­ten der Kaf­fee­ma­schi­ne aus­ge­gan­gen, wäre uns nicht unser Ver­mie­ter zu Hil­fe geeilt.

Rheinsteig Lorch Brücke

Fer­tig zum Abend­essen

Abends ergat­tern wir den letz­ten Tisch auf der Ter­ras­se des Wein­re­stau­rants Laquai. Den mil­den Abend genie­ßen wir mit ört­li­chen Spe­zia­li­tä­ten wie Wild­brat­wurst und Wis­per­tal-Forel­le. Und ein Schop­pen Wein darf auch nicht feh­len.

Rheinsteig Lorch Spezialität Wildbratwurst

Wild­brat­würs­te…

Rheinsteig Lorch Spezialität Forelle Wispertal

… und Wis­per-Forel­le

Rhein­steig-Etap­pe Kaub – Lorch

Am Sonn­tag spü­ren wir unse­re Bei­ne schon etwas, aber schwä­cheln gilt nicht. Die Rhein­steig-Etap­pe von Kaub nach Lorch steht an. Wie­der müs­sen wir unse­re Geduld im War­ten auf den Bus erpro­ben, doch schließ­lich gelan­gen wir nach Kaub. Direkt gegen­über der Burg Pfalz­gra­fen­stein, die majes­tä­tisch in der Mit­te des Stroms wacht, stei­gen wir aus dem Bus.

Rheinsteig Kaub Pfalzgrafenstein

Burg Pfalz­gra­fen­stein im Rhein

Schnell sind die Weg­wei­ser, die den Zustieg zum Rhein­steig aus­wei­sen gefun­den. Berg­auf geht es, zunächst durch bebau­te Stra­ßen, spä­ter ent­lang Wegen durch die Wein­ber­ge. Am Weg­rand blü­hen leuch­tend­blau die Korn­blu­men. Einen klei­nen Abste­cher vom Weg machen wir, um die über Kaub thro­nen­de Burg Guten­fels anzu­gu­cken. Das ist nur von außen mög­lich, da die Burg in Pri­vat­be­sitz ist.

Rheinsteig Kaub rostiges Fahrzeug

In Aus­tra­li­en nennt man das „heri­ta­ge” ;-)

Nun geht es wei­ter auf unse­rer Rhein­steig-Etap­pe. Über brei­te Wege geht es durch Feld und Wald, lei­der mit recht wenig Aus­bli­cken auf den Rhein. Nur ab und zu errei­chen wir den Fluss, auf dem die Burg Pfalz­gra­fen­stein wie ein über­di­men­sio­nier­tes Schiff liegt. Krib­ben und Buh­nen malen Mus­ter in den glän­zen­den Strom.

Rheinsteig Aussicht Pfalzgrafenstein

Blick von ganz oben auf Pfalz­gra­fen­stein

Etwas span­nen­der wird der Rhein­steig schließ­lich, als ein schma­ler Pfad in stei­len Ser­pen­ti­nen durch den Wald ins Nie­der­thal führt. Schnau­fend kommt uns eine Wan­der­grup­pe mit gro­ßen Ruck­sä­cken ent­ge­gen. Wir sind froh, unse­re Wan­der­stö­cke dabei zu haben, die den Abstieg doch sehr ver­ein­fa­chen. Im Nie­der­thal über­schrei­ten wir die Gren­ze zwi­schen Rhein­land-Pfalz und Hes­sen. Hier befand sich schon im Mit­tel­al­ter die Gren­ze zwi­schen Kur­pfalz und Main­zer Erz­bis­tum. Eine Info­ta­fel klärt dar­über auf, dass in der Nähe die bei­den Gal­gen der Kur­pfäl­zer und der Main­zer stan­den. Tipp für alle Ü‑50: Lese­bril­le nicht ver­ges­sen, die Info ist ein ange­pinn­ter Zei­tungs­aus­schnitt!

Rheinsteig Wald grün

Schön grün hier!

Kurz danach pas­sie­ren wir einen Wein­stand, der auch Wild­brat­würs­te und Forel­len anbie­tet. Wir haben unse­ren Mit­tags­im­biss schon hin­ter uns und Wein­kon­sum scheint uns ange­sichts des noch vor uns lie­gen­den Weges nicht rat­sam.

Rheinsteig Wandern

Wan­dern auf dem Rhein­steig

Nach dem Abstieg ist vor dem Auf­stieg (zumin­dest auf dem Rhein­steig) und so geht es bald wie­der berg­auf. Lang­sam zwi­cken die Waden und schmer­zen die Füße und wir nut­zen ger­ne die ein oder ande­re Bank zu einer kur­zen Pau­se. Weit führt der Weg um den Tal­ein­schnitt bei Lorch­hau­sen her­um. Eini­ge Buren­zie­gen wei­den hier. Sie wur­den ein­ge­führt, um die nicht mehr bewirt­schaf­te­ten Hän­ge frei von wild­wach­sen­dem Gestrüpp zu hal­ten.

Rheinsteig Burenziege

Buren­zie­ge

Rheinsteig Lorchhausen

Blick auf Lorch­hau­sen

Über wei­te­re Wein­bergs­ge­mar­kun­gen errei­chen wir die letz­te Her­aus­for­de­rung auf unse­rer Etap­pe: ein stei­ler Fel­sen­pfad, der in der Beschrei­bung als „alpi­ner Klet­ter­steig” aus­ge­wie­sen ist. Eini­ge Stel­len sind mit Stahl­sei­len gesi­chert, Tritt­ei­sen in den Fel­sen erleich­tern den Abstieg über Schie­fer­klip­pen und ‑geröll.

Rheinsteig Lorch Klettersteig

Klei­ne Klet­ter­tour zum Abschluss

Erschöpft und glück­lich errei­chen wir unser Ziel in Lorch. Unser Zim­mer konn­ten wir bis nach­mit­tags behal­ten, so dass wir uns vor der Heim­fahrt noch frisch­ma­chen und etwas aus­ru­hen kön­nen.

Infos zu den Rhein­steig-Etap­pen

  • Kaub – Lorch 13,5 Kilo­me­ter zuzüg­lich Zu- und Abstieg. Auf­stieg und Abstieg je 680 Meter. Meist auf brei­ten, beque­men Wegen. Ziem­lich steil ist der Abschnitt ins Nie­der­thal. Den Fel­sen­steig, der hin­un­ter nach Lorch führt, kön­nen weni­ger aben­teu­er­lus­ti­ge Natu­ren auch umge­hen. Bei Regen wird gene­rell dazu gera­ten, die­sen Steig wegen Rutsch­ge­fahr nicht zu benut­zen.
  • Ass­manns­hau­sen – Lorch etwa 14 Kilo­me­ter zuzüg­lich Zu- und Abstieg. Auf­stieg und Abstieg etwa 700 Meter. Die­se letz­te Etap­pe (wenn man von Nor­den kommt) im obe­ren Mit­tel­rhein­tal geht eigent­lich von Rüdes­heim bis Lorch bzw. umge­kehrt. Dies erschien uns mit 20 Kilo­me­ter aber zuviel für den Beginn und daher sind wir in Ass­manns­hau­sen zuge­stie­gen. Die Etap­pe bie­tet immer wie­der atem­be­rau­ben­de Aus­bli­cke auf das Rhein­tal und ist abwechs­lungs­reich. Daher hat sie uns auch etwas bes­ser gefal­len als die Etap­pe von Kaub nach Lorch.
  • Unter­kunft: In allen Orten an der Stre­cke gibt es Unter­kunfts­mög­lich­kei­ten. Wir haben unse­re Blei­be über AirB­nB gefun­den und waren damit sehr zufrie­den. Dadurch, dass wir in Lorch näch­tig­ten, brauch­ten wir das Auto für die Wan­de­run­gen gar nicht.
  • Trans­port: Nor­ma­ler­wei­se fährt die Bahn stünd­lich und ver­bin­det die Orte im Rhein­tal. Fahr­kar­ten gibt es in der Regel an Auto­ma­ten am Bahn­steig. Wir machen es ger­ne so, dass wir das Auto am End­punkt der Etap­pe ste­hen haben, so dass wir beim Rhein­steig-Wan­dern nicht den Fahr­plan im Kopf behal­ten müs­sen oder ungüns­ti­gen­falls eine Stun­de auf den nächs­ten Zug war­ten müs­sen.
  • Ver­pfle­gung: In Lorch gibt es zwei her­vor­ra­gen­de Bäcke­rei­en. Wir haben dort gefrüh­stückt und uns mit Pro­vi­ant für den Weg ver­sorgt. Lei­der haben bei­de am Wochen­en­de nur bis 12 Uhr geöff­net. Strauß­wirt­schaf­ten, Wein­kel­ler, Gast­hö­fe – all das ist in der Wein­re­gi­on in aus­rei­chen­der Anzahl zu fin­den. Emp­feh­len kön­nen wir die Wein­wirt­schaft Laquai. Lecke­re Spei­sen, auf­merk­sa­mer Ser­vice und ent­spann­te Atmo­sphä­re haben wir dort gefun­den. Spe­zia­li­tä­ten der Gegend sind Wis­per­fo­rel­le (aus dem Flüss­chen Wis­per, das bei Lorch in den Rhein mün­det) und Wild.
  • Auf der Sei­te www.rheinsteig.de fin­dest Infos über Etap­pen, Unter­künf­te, aktu­el­le Infor­ma­tio­nen über den Wege­zu­stand und vie­les mehr.

Wei­te­re Berich­te über unse­re Wan­de­run­gen:

Mit die­sem Bei­trag betei­li­gen wir uns an der Blog­pa­ra­de „Aus­flugs­zie­le am Wochen­en­de”, zu der Kat­ja vom Blog Well­S­pa-Por­tal auf­ruft.

 

 

 

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