Wer uns auf Facebook oder Instagram folgt, hat es schon mitbekommen: Wir haben uns einen Kastenwagen gekauft und sind dabei, diesen zum Wohnmobil auszubauen.

In diesem Artikel erzählen wir dir, wie wir auf diese Idee gekommen sind, warum wir selber ausbauen wollen, was wir planen und wie weit wir bisher gekommen sind.

Wie wir inzwischen feststellen durften, sind wir auch keineswegs die einzigen, die vorhaben, mit dem Campervan zu reisen. Und auch keineswegs die einzigen, die sich den Bus selber ausbauen. Im Gegenteil: es gibt eine riesige Community, sowohl was Vanlife als solches als auch den Selbstausbau angeht.

Warum wollen wir einen Campervan?

Wir reisen gerne individuell, auf unseren selbst gewählten Routen. Roadtrip ist eine Reiseform, die uns sehr gut gefällt. So waren wir bisher oft mit dem eigenen Auto unterwegs – wie bei unserer Toskana-Rundreise – oder mit dem Mietwagen – wie bei unserem Roadtrip Marokko.

Kleinwagen fährt durch eine trockene Furt

Mit dem Mietwagen in Marokko

Auf unserer Weltreise haben wir einen kleinen Campervan gemietet, um das australische Outback zu erkunden. Unser Outback-Roadtrip gehört zu unseren besten Erinnerungen. Auf eigener Route unterwegs sein, anhalten, wo wir wollten. Küche und Bett immer mit dabei – es war einfach genial.

Kermit  – unser Camper in Australien und Neuseeland – war sehr kompakt, das Leben spielte sich überwiegend draußen ab. Das klappte im warmen Klima Australiens gut, im wechselhaften Wetter Neuseelands stießen wir schnell an unsere Komfort-Grenzen.

Schon damals haben wir uns überlegt, ob ein Wohnmobil nicht auch etwas für Europa wäre. Allerdings haben uns zwei Dinge bisher davon abgehalten: die klimatischen Verhältnisse und der etwas spießige Ruf des Wohnmobil-Urlaubs.

Grüner Camervan steht unter Bäumen.

Kermit in einem Buschcamp in Australien

Dann kam Corona. Und damit wurde für uns noch wichtiger, unsere Reisen individuell gestalten zu können. In Unterkünften und Massenverkehrsmitteln müssen wir uns auf die Hygienekonzepte anderer verlassen. Das ist nicht immer ein gutes Gefühl.

Was uns beim Urlaub in Pandemie-Zeiten – sofern überhaupt möglich – wichtig ist, kannst du hier nachlesen: Coronavirus – Infos und Tipps für eine sichere Reise

Während der Pandemie schauten wir uns online viele Reisedokus an. Und wurden erneut von der Idee angefixt, mit dem eigenen Gefährt unterwegs sein zu können. Da gab es Leute, die mit einem gigantischen Expeditions-Truck durch Südamerika schaukelten, eine Familie, die mit einem umgebauten Mercedes-Oldtimer-LKW die Seidenstraße befuhr oder ein Paar, das mit einem kleinen Bus die Mongolei erkundete.

Auch wenn es bei uns erstmal nicht Panamericana oder Mongolei werden wird, die Faszination des Reisens mit dem eigenen Campervan hatte uns gepackt.

Welches Fahrzeug soll es werden?

Richtig cool ist so ein Expeditions-Truck, mit dem man quer durchs Gelände ackert.

Da wir unseren Radius aber in Europa haben werden wäre das doch dezent überdimensioniert. Mal ganz abgesehen von Problemen mit Parkplätzen, LKW-Führerschein, Spritverbrauch…

Also, Spaß und Spinnereien beiseite: Wir wollen ein Fahrzeug, mit dem wir uns auch noch in der Stadt bewegen können. Es muss auch nicht eine riesige Wohnkiste sein. Mit unserem kleinen Kermit waren wir in Australien sehr glücklich.

Wir erstellen eine Liste, was wir auf jeden Fall im Campervan haben möchten:

  • Stehhöhe
  • ein abgetrenntes WC
  • eine Dusche
  • Küchenzeile
  • ein ausreichend dimensioniertes Bett

Damit kristallisiert sich als Wunschfahrzeug ein Wohnmobil auf Kastenwagen-Basis heraus.

Ausreichend Breite, um ein Querbett einzubauen bieten nur Fiat Ducato bzw. die baugleichen Peugeot Boxer und Citroen Jumper.

Diese werden aus guten Gründen auch gerne von den Wohnmobil-Herstellern als Basis genommen.

Wir hatten uns auch überlegt, erstmal ein Wohnmobil zu mieten, um zu testen, welches Fahrzeug für uns in Frage kommt. Da das im Winter und im Lockdown allerdings nicht wirklich praktikabel war, haben wir uns auf unsere bisherigen Erfahrungen verlassen.

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, erstmal ein Wohnmobil zu mieten, gibt es auf Takly on Tour einen sehr hilfreichen Artikel zu allem, was es zu beachten gibt.

Warum Camper-Selbstausbau?

Nachdem die Entscheidung für ein Wohnmobil gefallen war, fragten wir uns, was für ein Gefährt es werden sollte.

Die fertigen Wohnmobile auf dem Markt gefielen uns alle nicht. Ein gebrauchter Campervan bedeutet immer Kompromisse eingehen, was Ausstattung und Einrichtung betrifft. Ein neues Fahrzeug ist richtig teuer, man hat bis zu einem Jahr Wartezeit, bis das gute Stück geliefert wird und letztendlich müssten wir auch dort Kompromisse eingehen. Und nicht nur die Ausstattung, auch das Design in den fertigen Wohnmobilen trifft nicht unseren Geschmack.

Jetzt ist es ja nicht so, dass wir halbwegs professionelle Handwerker wären. Ist die Idee, einen Kastenwagen selber auszubauen nicht ein wenig ambitioniert? Zitat eines uns nahestehenden Menschen: „Das wird lustig! Zwei Akademiker handwerken – ich freu mich schon!“

Wir schauten uns stundenlang Video-Tutorials auf YouTube an. Wie bei vielen Dingen ist es auch beim Selbstausbau eines Kastenwagens eine Frage des „Gewusst-wie“. Das ist keine Raketenwissenschaft. Und sollten wir überhaupt nicht zurechtkommen, gibt es ja immer die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe zu holen.

Also beschlossen wir, das Abenteuer „Camper-Selbstausbau“ zu wagen. Man wächst schließlich mit den Aufgaben…

Planung und Fahrzeugsuche

Fahrzeugsuche

Dass es ein Kastenwagen sein sollte, hatten wir ja schon klar. Die gibt es in verschiedenen Längen und Höhen.

Wir entschieden uns für einen Bus in L3/H2 (bei Fiat L4/H2). Das bedeutet, dass er 5,99 Meter lang ist und innen Stehhöhe hat. Mit der Länge ist er noch halbwegs händelbar. Außerdem gibt es bei vielen Maut- und Fährgebühren die magische 6-Meter-Grenze, ab der der Preis viel teurer wird.

Weißer Kastenwagen.

Dieses Modell suchten wir

Bei der Suche auf den einschlägigen Portalen stellten wir schnell fest, dass der Markt leergefegt ist. Genau wie bei fertigen Wohnmobilen ist der Run zur Zeit groß. Wir schwammen mal wieder voll im Trend.

Aber nach zwei Monaten Suche wurden wir fündig. Bei einem großen Citroenhändler fanden wir unseren Balu.

Die Daten:

  • Citroen Jumper
  • Baujahr 06/2016
  • 75.000 Kilometer Laufleistung
  • Euro 6 Diesel 2,0 Liter
  • TÜV neu
  • Inspektion neu
Gina steht lachend vor dem Kastenwagen.

Die Freude ist groß

Die Freude wurde etwas getrübt, als auf der Heimfahrt vom Händler schon die ersten Fehlermeldungen im Display aufploppten. Dass die Scheibenwaschanlage nicht funktionierte, obwohl die angeblich bei der Inspektion geprüft worden war, war ebenfalls ärgerlich. Es bedurfte einiger Telefonate und ziemlichen Nachdrucks, bis der Händler bereit war, die Mängel zu beseitigen.

Aber seitdem läuft Balu und wir sind zufrieden.

Die Frage, wo wir den Dicken abstellen mussten wir auch noch klären. Wir hatten Glück und fanden ganz unkompliziert einen Stellplatz bei unserem Gemüsehändler im Hinterhof. Dort haben wir sogar Zugang zu Strom, Wasser und Toilette und können unseren Ausbau durchziehen.

Die Planung

Eine Grundrissplanung hatten wir schon angefangen, bevor wir den Bus hatten. Nun hatten wir auch die genauen Maße und konnten unsere Planung direkt am Objekt überprüfen.

Dabei stellte sich schnell heraus, dass Planung auf dem Papier ihre Tücken hat. Was auf dem Plan noch großzügig aussah, erwies sich im Kastenwagen als recht beengt.

Dreidimensionaler Grundrissplan des Campervans.

Gut geplant ist halb gewonnen…

Also wurde ein Plan nach dem anderen wieder über den Haufen geworfen. Bei unserem dritten Entwurf sind wir jetzt angekommen, und der wird es werden. Interessanterweise unterscheidet er sich gar nicht so sehr von den fertig ausgebauten Wohnmobilen. So viel zur super individuellen Lösung…

Wie soll unser Vanlife aussehen?

Was ist überhaupt Vanlife? Manche sehen es ganz streng und lassen als Vanlife nur gelten, wenn man Vollzeit im Campervan lebt. Eine Art modernes Nomadentum.

Campervan am Strand.

So stellt man sich das vor: Stellplatz am Strand

Unsere Pläne sehen ein Teilzeit-Vanlife vor. Nach unserer Weltreise, auf der wir viele ferne Länder besucht haben, haben wir uns vorgenommen, Europa besser kennenzulernen. Besonders der Osten Europas, der für unsere Generation ja lange unerreichbar war reizt uns. Sehr gut gefallen hat uns unsere Albanien-Rundreise, die wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten haben.

Durch die Pandemie haben sich viele ja mehr oder weniger gezwungenermaßen auf Reiseziele im näheren oder mittleren Umkreis konzentriert. Nach unserer Einschätzung wird es auch noch eine Weile so bleiben. Wann wirklich grenzenloses und unbeschwertes Reisen wieder möglich sein wird, weiß zur Zeit niemand.

Da passt es uns gut, wenn wir weitgehend unabhängig mit dem eigenen Wohnmobil reisen können. Wir müssen keine Flüge oder Züge reservieren oder uns um Unterkünfte am Ziel kümmern. Wir haben die eigene Küche dabei und können uns selbst versorgen.

Wir planen also Urlaub mit dem Campervan in Europa. Und auch an den Wochenenden können wir mit dem ausgebauten Kastenwagen mal eben irgendwohin fahren und wandern, uns entspannen, etwas angucken.

Uns ist bewusst, dass wir keineswegs die einzigen sind, die so denken. Camping und Wohnmobile erleben zur Zeit einen wahren Boom. An beliebten Zielen gerade in Hauptsaison einen Stellplatz zu finden, kann durchaus schwierig werden. Aber da wir ja eh gerne Abstand halten von den Stellen, die von Massen frequentiert werden, werden wir sicher irgendwo unseren Platz finden.

Wir freuen uns jedenfalls schon auf die erste Reise mit unserem Balu!

So läuft unser Selbstausbau

Winterausbau im Freien

Eine warme Halle, wo wir den Kastenwagen ausbauen könnten haben wir leider nicht. Also wird es ein Winter-Ausbau im Freien. Wer uns kennt weiß, dass wir keine Freunde von Kälte sind. So gar keine Freunde davon.

Daher hatten wir uns auch überlegt, den Kauf des Kastenwagens ins Frühjahr zu verschieben. Allerdings ist dann der Fahrzeugmarkt vermutlich noch viel angespannter als jetzt schon. In der Selbstausbauer-Community bekamen wir mit, dass es viele Menschen gibt, die ihren Ausbau im Winter auf der Straße durchziehen. Ist also grundsätzlich machbar.

Wir haben immerhin den Hinterhof vom Bauern, wo wir ungestört basteln können. Die Werkstatt wird draußen ausgebreitet, sofern das Wetter es zulässt. Lästig ist, dass wir an jedem Arbeitstag alles Werkzeug und Material aus dem Auto raus und wieder rein räumen müssen. Dabei wird uns immerhin schon mal warm…

Marcus steht an Holzplatte, die auf Böcken im Freien steht.

Selbstausbauer-Werkstatt im Freien

Wir haben uns mit Werkzeug versorgt, das mit Akkus läuft. Nicht nur Bohrschrauber, auch Stichsäge und Kreissäge gibt es auf Akkubasis. Bei letzteren beiden bewahrt einen das auch davor, aus Versehen das Kabel durchzusägen.

Da wir im Fahrzeug nicht unbegrenzt Platz haben, lagert alles, was wir für den jeweiligen Ausbauschritt noch nicht brauchen zu Hause. Der Keller reicht dafür nicht aus, auch unser Wohnzimmer sieht zeitweise aus wie ein DHL-Lager.

Positiv überrascht hat uns, dass wir mit den Temperaturen ganz gut zurecht kommen. Mit warmer Kleidung in mehreren Schichten bleiben wir durch die körperliche Betätigung meist warm. Zur Not können wir einen Heizlüfter anwerfen und das Auto etwas wärmen.

Für manche Arbeiten sind wir in die Mietwerkstatt gefahren. Klebe- und Dichtmittel brauchen eine bestimmte Mindesttemperatur für die Verarbeitung, das konnten wir bei einstelligen Außentemperaturen nicht durchführen.

Geplante Arbeiten beim Selbstausbau

Folgende Einbauten stehen auf dem Plan:

  • Küche mit Spüle, Kühlschrank und Gaskocher
  • Sitzecke mit Bank, Tisch und Fahrerhaus-Drehsitz
  • Dusche und Toilette
  • Bett
  • Wasserversorgung
  • Stromversorgung
  • Heizung
  • Fenster und Dachluken
Marcus liegt quer im Kastenwagen auf dem Boden.

Probeliegen für die Bett-Planung

Der Stand unseres Ausbaus

Als erstes muss das Fahrzeug vernünftig isoliert werden. So ein Kastenwagen besteht ja nur aus nacktem Blech. Um Kondenswasser und Rost zu vermeiden, ist daher eine Isolierung sinnvoll.

Also haben wir das Fahrzeug entkernt, das heißt die Innenverkleidung entfernt (einfach), die Trennwand zum Fahrerhaus rausgeworfen (einfach) und die Bodenplatte rausgeholt (ein zäher Kampf!).

Blick von hinten in den Kastenwagen mit angehobener Bodenplatte.

Die Bodenplatte leistete erheblichen Widerstand beim Ausbau

Hohlräume in den Säulen und Querholmen haben wir mit Hohlraumversiegelung behandelt, um sie vor Korrosion zu schützen.

Für den Bodenaufbau haben wir Latten verklebt. Zwischen diese kommt das Isoliermaterial (Armaflex). Dann kommt die alte Bodenplatte wieder darauf und kann an den Latten verschraubt werden.

Die Standheizung benötigt ein rechteckiges Loch im Fahrzeugboden. Das erste Loch in den eigenen Camper zu sägen, hat Überwindung gekostet. Für Fenster und Dachluken werden wir das ja noch öfter machen müssen. Daher fanden wir es gut, erstmal mit dem Loch im Boden zu üben, denn das sieht man ja später nicht mehr.

Die Zweiersitzbank vorne musste einem Einzelsitz weichen, damit wir einen Durchgang nach hinten und eine Drehkonsole für den Fahrersitz realisieren konnten. Auch die Drehkonsole ist schon verbaut.

Einen Teil der Wände und der Decke haben wir mit Alubutyl, einem Material zum Entdröhnen beklebt. Die Isolierung mit Armaflex klebt ebenfalls an einem Teil der Wände und Decke.

Selbstausbau in der Pandemie – Vorteile und Nachteile

Nachteile sind die geschlossenen Baumärkte und Geschäfte. Wir können natürlich Material und Werkzeuge bestellen, aber es fehlt die Möglichkeit, sich das mal anzugucken. So haben wir jetzt schon ein paarmal Überraschungen beim Auspacken erlebt, weil das Teil ganz anders dimensioniert war als wir uns das vorgestellt hatten.

Hier in NRW können wir beim Baumarkt bestellen und die Ware am nächsten Tag abholen. Das ging am Anfang des Lockdowns recht gut. Inzwischen ist der Andrang der Heimwerkenden so groß, dass man eine Stunde mit dem Auto in der Schlange ansteht. Daher lassen wir uns mittlerweile die Sachen lieber schicken.

Wenn wir beim Basteln feststellen, dass uns ein Teil fehlt, geht es nicht, mal eben loszufahren und einzukaufen. Das hält uns schon mal für ein bis mehrere Tage auf, je nachdem, wann das fehlende Stück geliefert wird.

Ein weiterer Nachteil ist, dass wir durch die bestehenden Kontaktbeschränkungen nicht bei anderen Selbstausbauern in der Nähe gucken können, wie diese bestimmte Dinge gelöst haben. Angeboten haben das einige, das wäre manchmal hilfreich.

„Und was für Vorteile soll der Selbstausbau während der Pandemie haben?“, fragt sich vielleicht der eine oder die andere.

Autoschlüssel im Zündschloss mit Balu als Schlüsselanhänger.

Balu hält uns bei Laune

Für uns ist die Planung und der Ausbau etwas, was uns beschäftigt hält – sowohl körperlich als auch mental. In Zeiten, wo die Freizeitgestaltung während des Lockdowns die Wahl lässt zwischen „Gehen wir die Spazierrunde A oder die Spazierrunde B?“ ist so ein Ziel, auf das wir hinfiebern können sehr hilfreich. Da wir im Hinterhof des Bauern für uns sind, ist die Arbeit Corona-regelkonform. Wir sind an der frischen Luft, bewegen uns und haben eine sinnvolle Beschäftigung. Was will man mehr?

Was hältst du von unserem Camper-Selbstausbau-Projekt? Verrückte Schnapsidee oder tolle Aktion?

Würdest du auch gerne so etwas machen oder bist vielleicht schon dabei?

Schreib uns gerne deine Meinung in die Kommentare!