Zwischen Bagan und Mandalay fahren regelmäßig verschiedene Schiffe. Die meisten Touristen reisen flussabwärts von Mandalay nach Bagan. Wir sind aber nun mal in Bagan sind und wollen nach Mandalay, daher entscheiden wir uns für die entgegengesetzte Route.

Um von Bagan nach Mandalay zu kommen, ist die Flussfahrt auf dem Irrawaddy River eine gemütliche Alternative zum Bus. Da wir die Rüttelei auf Myanmars Straßen etwas leid sind und Schiff fahren sowieso immer gut ist, haben wir die Flussfahrt auf dem Irrawaddy River gebucht.

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Buchung der Schiffstour

In Bagan sind mehrere Agenturen, bei denen wir die Fahrt mit dem Schiff auf dem Irrawady-River buchen können. Ein Preisvergleich zeigt, dass sich die Anbieter nicht unterscheiden. So entscheiden wir uns auf Geratewohl und betreten das Büro einer Agentur.

Alles kein Problem, wir können das gewünschte Schiff buchen. Probleme treten erst beim Bezahlen auf, denn der Anbieter kann keine Kreditkarten-Zahlung akzeptieren. Bargeld haben wir in der erforderlichen Summe nicht dabei. Also erstmal auf zum nächsten Geldautomaten.

Der Inhaber der Agentur erklärt uns freundlich, wo sich der nächste Automat befindet. Dann deutet er auf seinen Elektro-Motorroller, der vor der Tür steht und drückt Marcus den Schlüssel in die Hand. Während ich in der Agentur warte, schwingt Marcus sich auf den Roller und düst zum Kohle holen. Service a la Myanmar!

Früh morgens um halb sechs legt das Schiff ab – am Neujahrsmorgen! Ein kleiner Planungsfehler, der uns leider zu spät auffällt. Da müssen wir jetzt durch…

Sonnenaufgang über dem Irrawaddy

Eine der seltenen Gelegenheiten für uns, einen Sonnenaufgang zu erleben.

Aufbruch zur Flussfahrt nach Mandalay

Nachdem wir in der Nacht zuvor ein wenig Silvester in Bagan gefeiert haben und erst um zwei Uhr im Bett waren, quälen wir uns am Neujahrsmorgen etwas übermüdet aus dem Bett.

Um kurz vor fünf Uhr morgens müssen wir den armen Nachtportier aus dem Schlaf reißen. Das gestern vorbestellte Taxi ist noch nicht zu sehen. Der Portier murmelt was von Taxi und verschwindet zum Telefon, während er sich den Longyi um die Hüften knotet.

Etwas später erscheint ein junger Mann aus der Dunkelheit, würdigt uns keines Blickes und gesellt sich zu dem Portier. Die beiden diskutieren kurz, dann geht er zu einem bereits im Hof geparkten Auto. Aha, sollte das unser Chauffeur sein? Schließlich wird unser Gepäck ins Auto geladen.

Mit sehr rudimentären Sprachkenntnissen auf beiden Seiten versuchen wir verständlich zu machen, wohin es gehen soll. Es legen nämlich mehrere Schiffe am frühen Morgen in Bagan ab. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, zeige ich den Prospekt des Schiffes. Da der junge Fahrer unsicher bezüglich des Ziels erscheint, steigt schließlich der Nachtportier mit ins Auto, um ihm den Weg zu weisen. Das fängt ja gut an!

Es ist noch stockfinster. In Myanmar heißt das, wirklich stockfinster, denn es gibt kaum Beleuchtung. Die „Pier“, an der wir ankommen ist ein unbefestigtes Ufer am dunklen Irrawaddy. Im Licht von ein paar funzligen Glühbirnen kann man drei Schiffe mehr erahnen als sehen. Wir steigen das steile, sandige Ufer hinunter, eine schmale Bretterplanke führt auf das Schiff. Freundlicherweise trägt mir der Taxifahrer meinen Rucksacktrolley bis zum Schiff. Durch den weichen Sand der Uferböschung hätte ich ihn nicht ziehen können.

Marcus sitzt in einer der Sitzreihen in der Schiffskabine

So! Kann losgehen!

Den großen Fahrgastraum teilen wir uns mit nur fünf anderen Passagieren. Pünktlich um halb sechs legen wir ab. Langsam gleitet das Schiff auf den pechschwarzen Fluss hinaus. Am Horizont zeigt sich ein dunkelroter Streifen und kündigt den Sonnenaufgang an.

Um sechs Uhr werden wir bereits zum Frühstück in den Speisesaal gerufen. Es gibt zwei Scheiben Toast mit nix drauf und eine halbe Tasse Tee oder Kaffee. Eine Passagierin, die eine weitere Tasse mit heißem Wasser haben möchte, um ihren eigenen Teebeutel aufzubrühen, soll dafür extra zahlen.

Nach diesem kulinarischen Highlight legen wir uns erstmal aufs Ohr, um etwas vom versäumten Schlaf der Silvesternacht nachzuholen. Unter dem sanften Getucker des Schiffsmotors dösen wir schnell weg.

Flache, sandige Ufer am Irrawaddy

Flache, sandige Ufer am Irrawaddy

Mit dem Schiff auf dem Irrawaddy River

Später genießen wir die gemächliche Fahrt den Fluss hinauf. Der Irrawaddy ist ein breiter Strom mit flachen Ufern und zahlreichen Sandbänken. An einigen Stellen verlangsamt der Kapitän die Fahrt, zwei Männer stellen sich mit langen Stangen an den Bug und erstaksen die Tiefe. Echolot a la Myanmar!

Mann mit langer Stange am Bug des Schiffes

Der Stakser

Auf dem Irrawaddy herrscht reges Treiben: Von kleinen Fischerbooten über große rostige Lastkähne bis zum luxuriösen Flusskreuzfahrtschiff ist alles unterwegs. Auf den Lastkähnen werden oft riesige Baumstämme, wir vermuten Teakholz, transportiert. Gemeinsam ist den meisten Wasserfahrzeugen ein höllisch lauter Motor.

Lastkahn mit Baumstämmen

Lastkahn mit Baumstämmen

Luxuriöses Cruise-Ship auf dem Irrawddy

Luxuriöses Cruise-Ship

Kleines Fischerboot auf dem Irrawaddy

Der Fischer und seine Frau

Auch am Ufer können wir beobachten, wie die Menschen leben. Kinder baden im trüben Wasser, Frauen waschen Wäsche, Netze werden ausgebreitet, es wird geangelt und gegessen. Wie hygienisch das Ganze ist, darüber machen wir uns lieber keine Gedanken.

Menschen baden und waschen Wäsche am Ufer

Leben am Flussufer

Immer wieder ragt die goldene Spitze einer Pagode aus dem umgebenden Grün. Manchmal sehen wir Hügel, auf denen mehrere Pagoden leuchten. Der Klang von Tempelglocken hallt übers Wasser bis zu uns.

Pagode am Flussufer

Pagode am Flussufer

Das Mittagessen erfüllt die Erwartungen, die das Frühstück geweckt hat. Es gibt ein nahezu kaltes Gericht aus Reis und Gemüse, lieblos auf den Teller geklatscht. Aber wir sind ja wegen der Flussreise hier und nicht um zu schlemmen.

Da wir nur sieben Passagiere sind, kommen wir schnell miteinander ins Gespräch und erzählen uns gegenseitig von unseren Reiseerlebnissen.

Ein amerikanisches Paar schwärmt uns von Mrauk U vor. Wir hatten über den Ort gelesen, uns aber noch nicht entschlossen, ob wir ihn besuchen sollten. Da er recht abgelegen liegt und schwierig zu erreichen ist, waren wir noch zögerlich. Doch die Berichte und die Begeisterung der Amerikaner geben den Ausschlag: Wir werden nach Mrauk U fahren.

Die anderen Passagiere sind eine Deutsche, die in Indonesien lebt und mit indonesischen Freundin und deren aufgewecktem zehnjährigen Sohn unterwegs ist. Wir verstehen uns gut und unterhalten uns angeregt.

Brücke über den Irrawaddy im Abendlicht

Brücke über den Irrawaddy im Abendlicht

Ankunft in Mandalay

Im letzten Tageslicht erblicken wir in der Ferne Mandalay. Kurz vor unserer Ankunft kommt ein Crewmitglied und redet in einem für uns kaum verständlichen Englisch auf uns ein.

Das amerikanische Paar versteht ihn schließlich und klärt uns auf: Er warnt uns, nach dem Aussteigen niemandem unser Gepäck anzuvertrauen und so schnell wie möglich die zwielichtige Gegend am Fluss Richtung Straße zu verlassen. Auf jeden Fall sollten wir Wertgegenstände wie Ipad und Kamera gut verstauen. Na toll! Wir beschließen, alle sieben zusammen zu bleiben, bis wir die Straße erreicht haben.

Große Brücke im Vordergrund, im Hintergrund Abendhimmel

Sonnenuntergang über dem Fluss

Es ist bereits dunkel, als das Schiff anlegt. Über eine schwankende, aus zwei Brettern zusammengelegte Planke gelangen wir ans Ufer. Eine steile Treppe führt empor zu einem Weg. Dort gibt es ein paar spärliche Verkaufsstände. Wir werden angesprochen, ob wir ein Taxi wollen, doch wir lehnen ab und gehen zügig weiter, bis wir die große Straße erreichen.

Erst nachdem wir diese überquert haben, lassen wir uns auf Verhandlungen über den Transport ein. Fünf von uns haben das gleiche Hotel gebucht, die anderen zwei eins nur einen Block weiter und so nehmen wir zusammen einen Pickup. Der Fahrer deutet auf mich und winkt mir, vorne in der Fahrerkabine Platz zu nehmen. Die restlichen sechs Leute kommen samt Gepäck auf die Ladefläche. Durch dichten Verkehr geht es zügig zu unserm gebuchten Hotel.

Nachdem wir im Unity Hotel* eingecheckt haben, gehen wir zum Abendessen ins gegenüberliegende indische Straßenlokal. Auf den üblichen Mini-Hockern nehmen wir Platz und schauen fasziniert zu, wie die Frauen den Teig für die Brotfladen bearbeiten. Kneten, ausrollen, falten, wieder ausrollen, wieder falten – so geht es einige Male, bis der Fladen fertig zum Backen ist. Fingerfertig und flink gehen sie zu Werke, es ist ein Vergnügen ihnen dabei zuzuschauen. Und das Ergebnis schmeckt sehr gut.

Danach fordert die kurze Silvesternacht ihren Tribut und wir fallen gesättigt und todmüde in die Betten.

Die Erkundung von Mandalay folgt in den nächsten Tagen. Hier ist unser Bericht dazu:

Mit dem Fahrrad durch Mandalay

Unsere Tipps zur Flussfahrt Bagan – Mandalay:

  • Zwischen Bagan und Mandalay verkehren mehrere Schiffe verschiedener Gesellschaften. Von Mandalay nach Bagan fahren wohl mehr Leute als umgekehrt. Die Flussfahrt dauert von Bagan nach Mandalay etwa zehn bis zwölf Stunden. Umgekehrt ist die Reise kürzer, da es den Irrawaddy-River stromab geht.
  • Bei allen Schiffen ist Frühstück und Mittagessen im Preis eingeschlossen, die Preise sind identisch. Wir waren mit der Shwe Kinneiry unterwegs, das größte Schiff und daher auch das langsamste. Die kleineren Schiffe fahren etwa eine Stunde weniger. Die Shwe Kinneiry können wir nicht uneingeschränkt empfehlen. Über die Qualität des Essens habe ich ja oben geschrieben. Das Schiff wirkt alt und ungepflegt. Ob die kleineren Schiffe besser sind, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich würde es aber versuchen.
  • Die Flussfahrt auf dem Irrawaddy-River als solche war angenehm. Es gab einen großen Raum mit vielen Sitzen. Bei einigen davon funktionierte die Verstellung der Rücklehne nicht mehr, aber wir hatten ja Auswahl. Auf mehreren Außendecks des Schiffs konnte man die Aussicht genießen. Wenn das Schiff wirklich voll wäre, wäre außen nicht genug Platz für alle Passagiere. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass der Kahn jemals ausgebucht ist.
  • Nimm dir Getränke und Snacks mit. Du kannst zwar auch auf dem Schiff etwas kaufen, aber zu Preisen wie bei der Köln-Düsseldorfer. Das Personal des Schiffs wollte sogar für heißes Wasser Geld haben.
  • Buchen kannst du die Tickets für die Flussfahrt von Bagan nach Mandalay in vielen Agenturen in Bagan. Die Preise sind überall gleich. Einen oder zwei Tage im Voraus zu buchen ist völlig ausreichend.