Um von Bagan nach Man­da­lay zu kom­men, ist die Fluss­fahrt auf dem Irra­wad­dy River eine gemüt­li­che Alter­na­ti­ve zum Bus. Da wir die Rüt­te­lei auf Myan­mars Stra­ßen etwas leid sind und Schiff fah­ren sowie­so immer gut ist, haben wir die Fluss­fahrt auf dem Irra­wad­dy River gebucht. Früh mor­gens um halb sechs legt das Schiff ab – am Neu­jahrs­mor­gen!

Sonnenaufgang über dem Irrawaddy

Eine der sel­te­nen Gele­gen­hei­ten für uns, einen Son­nen­auf­gang zu erle­ben.

Auf­bruch zur Fluss­fahrt nach Man­da­lay

Um kurz vor fünf Uhr mor­gens müs­sen wir wie­der den armen Nacht­por­tier aus dem Schlaf rei­ßen. Das ges­tern vor­be­stell­te Taxi ist noch nicht zu sehen. Der Por­tier mur­melt was von Taxi und ver­schwin­det zum Tele­fon, wäh­rend er sich den Lon­gyi um die Hüf­ten kno­tet.

Etwas spä­ter erscheint ein jun­ger Mann aus der Dun­kel­heit, wür­digt uns kei­nes Bli­ckes und gesellt sich zu dem Por­tier. Die bei­den dis­ku­tie­ren kurz, dann geht er zu einem bereits im Hof gepark­ten Auto. Aha, soll­te das unser Chauf­feur sein? Schließ­lich wird unser Gepäck ins Auto gela­den. Mit sehr rudi­men­tä­ren Sprach­kennt­nis­sen auf bei­den Sei­ten ver­su­chen wir ver­ständ­lich zu machen, wohin es gehen soll. Es legen näm­lich meh­re­re Schif­fe am frü­hen Mor­gen in Bagan ab. Um kei­ne Miss­ver­ständ­nis­se auf­kom­men zu las­sen, zei­ge ich den Pro­spekt des Schif­fes. Da der jun­ge Fah­rer unsi­cher bezüg­lich des Ziels erscheint, steigt schließ­lich der Nacht­por­tier mit ins Auto, um ihm den Weg zu wei­sen.

Es ist noch stock­fins­ter. In Myan­mar heißt das, wirk­lich stock­fins­ter, denn es gibt kaum Beleuch­tung. Die „Pier”, an der wir ankom­men ist ein unbe­fes­tig­tes Ufer am dunk­len Irra­wad­dy. Im Licht von ein paar funz­li­gen Glüh­bir­nen kann man drei Schif­fe mehr erah­nen als sehen. Wir stei­gen das stei­le, san­di­ge Ufer hin­un­ter, eine schma­le Bret­ter­plan­ke führt auf das Schiff. Geschafft!

Marcus sitzt in einer der Sitzreihen in der Schiffskabine

So! Kann los­ge­hen!

Den gro­ßen Fahr­gast­raum tei­len wir uns mit nur fünf ande­ren Pas­sa­gie­ren. Pünkt­lich um halb sechs legen wir ab, um sechs Uhr wer­den wir bereits zum Früh­stück in den Spei­se­saal geru­fen. Es gibt zwei Schei­ben Toast mit nix drauf und eine hal­be Tas­se Tee oder Kaf­fee. Nach die­sem kuli­na­ri­schen High­light legen wir uns erst­mal aufs Ohr, um etwas vom ver­säum­ten Schlaf der Sil­ves­ter­nacht nach­zu­ho­len.

Flache, sandige Ufer am Irrawaddy

Fla­che, san­di­ge Ufer am Irra­wad­dy

Mit dem Schiff auf dem Irra­wad­dy River

Spä­ter genie­ßen wir die gemäch­li­che Fahrt den Fluss hin­auf. Der Irra­wad­dy ist ein brei­ter Strom mit fla­chen Ufern und zahl­rei­chen Sand­bän­ken. An eini­gen Stel­len ver­lang­samt der Kapi­tän die Fahrt, zwei Män­ner stel­len sich mit lan­gen Stan­gen an den Bug und erstak­sen die Tie­fe. Echo­lot a la Myan­mar!

Mann mit langer Stange am Bug des Schiffes

Der Stak­ser

Auf dem Irra­wad­dy herrscht reges Trei­ben: Von klei­nen Fischer­boo­ten über gro­ße ros­ti­ge Last­käh­ne bis zum luxu­riö­sen Fluss­kreuz­fahrt­schiff ist alles unter­wegs. Gemein­sam ist den meis­ten Was­ser­fahr­zeu­gen ein höl­lisch lau­ter Motor.

Lastkahn mit Baumstämmen

Last­kahn mit Baum­stäm­men

Luxuriöses Cruise-Ship auf dem Irrawddy

Luxu­riö­ses Crui­se-Ship

Kleines Fischerboot auf dem Irrawaddy

Der Fischer und sei­ne Frau

Auch am Ufer kön­nen wir beob­ach­ten, wie die Men­schen leben. Kin­der baden im trü­ben Was­ser, Frau­en waschen Wäsche, Net­ze wer­den aus­ge­brei­tet, es wird gean­gelt und geges­sen.

Menschen baden und waschen Wäsche am Ufer

Leben am Fluss­ufer

Immer wie­der ragt die gol­de­ne Spit­ze einer Pago­de aus dem umge­ben­den Grün. Manch­mal sehen wir Hügel, auf denen meh­re­re Pago­den leuch­ten.

Pagode am Flussufer

Pago­de am Fluss­ufer

Das Mit­tag­essen erfüllt die Erwar­tun­gen, die das Früh­stück geweckt hat. Aber wir sind ja wegen der Fluss­rei­se hier und nicht um zu schlem­men.

Da wir nur sie­ben Pas­sa­gie­re sind, kom­men wir schnell mit­ein­an­der ins Gespräch und erzäh­len uns gegen­sei­tig von unse­ren Rei­se­er­leb­nis­sen.

Brücke über den Irrawaddy im Abendlicht

Brü­cke über den Irra­wad­dy im Abend­licht

Ankunft in Man­da­lay

Im letz­ten Tages­licht erbli­cken wir in der Fer­ne Man­da­lay. Kurz vor unse­rer Ankunft kommt ein Crew­mit­glied und redet in einem für uns kaum ver­ständ­li­chen Eng­lisch auf uns ein. Das ame­ri­ka­ni­sche Paar ver­steht ihn schließ­lich und klärt uns auf: Er warnt uns, nach dem Aus­stei­gen nie­man­dem unser Gepäck anzu­ver­trau­en und so schnell wie mög­lich die zwie­lich­ti­ge Gegend am Fluss Rich­tung Stra­ße zu ver­las­sen. Na toll! Wir beschlie­ßen, alle sie­ben zusam­men zu blei­ben, bis wir die Stra­ße erreicht haben.

Große Brücke im Vordergrund, im Hintergrund Abendhimmel

Son­nen­un­ter­gang über dem Fluss

Es ist bereits dun­kel, als das Schiff anlegt. Über eine schwan­ken­de, aus zwei Bret­tern zusam­men­ge­leg­te Plan­ke gelan­gen wir ans Ufer. Eine stei­le Trep­pe führt empor zu einem Weg. Dort gibt es ein paar spär­li­che Ver­kaufs­stän­de. Wir wer­den ange­spro­chen, ob wir ein Taxi wol­len, doch wir leh­nen ab und gehen zügig wei­ter, bis wir die gro­ße Stra­ße errei­chen.

Erst nach­dem wir die­se über­quert haben, las­sen wir uns auf Ver­hand­lun­gen über den Trans­port ein. Fünf von uns haben das glei­che Hotel gebucht, die ande­ren zwei eins nur einen Block wei­ter und so neh­men wir zusam­men einen Pick­up. Ich darf vor­ne beim Fah­rer sit­zen, die rest­li­chen sechs kom­men samt Gepäck auf die Lade­flä­che.

Nach­dem wir im Hotel ein­ge­checkt haben, gehen wir zum Abend­essen ins gegen­über­lie­gen­de indi­sche Stra­ßen­lo­kal. Danach for­dert die kur­ze Sil­ves­ter­nacht ihren Tri­but und wir fal­len tod­mü­de in die Bet­ten.

Unse­re Tipps zur Fluss­fahrt Bagan – Man­da­lay:

  • Zwi­schen Bagan und Man­da­lay ver­keh­ren meh­re­re Schif­fe ver­schie­de­ner Gesell­schaf­ten. Von Man­da­lay nach Bagan fah­ren wohl mehr Leu­te als umge­kehrt. Die Fluss­fahrt dau­ert von Bagan nach Man­da­lay etwa zehn bis zwölf Stun­den, umge­kehrt ist die Rei­se kür­zer, da es den Irra­wad­dy strom­ab geht.
  • Bei allen Schif­fen ist Früh­stück und Mit­tag­essen im Preis ein­ge­schlos­sen, die Prei­se sind iden­tisch. Wir waren mit der Shwe Kinnei­ry unter­wegs, das größ­te Schiff und daher auch das lang­sams­te. Die klei­ne­ren Schif­fe fah­ren etwa eine Stun­de weni­ger. Die Shwe Kinnei­ry kön­nen wir nicht unein­ge­schränkt emp­feh­len. Über die Qua­li­tät des Essens habe ich ja oben geschrie­ben. Das Schiff wirkt alt und unge­pflegt. Ob die klei­ne­ren Schif­fe bes­ser sind, kann ich natür­lich nicht beur­tei­len. Ich wür­de es aber ver­su­chen.
  • Die Fluss­fahrt auf dem Irra­wad­dy als sol­che war ange­nehm. Es gab einen gro­ßen Raum mit vie­len Sit­zen. Bei eini­gen davon funk­tio­nier­te die Ver­stel­lung der Rück­leh­ne nicht mehr, aber wir hat­ten ja Aus­wahl. Auf meh­re­ren Außen­decks des Schiffs konn­te man die Aus­sicht genie­ßen. Wenn das Schiff wirk­lich voll wäre, wäre außen nicht genug Platz für alle Pas­sa­gie­re. Ich kann mir aller­dings nicht vor­stel­len, dass der Kahn jemals aus­ge­bucht ist.
  • Nimm dir Geträn­ke und Snacks mit. Du kannst zwar auch auf dem Schiff etwas kau­fen, aber zu Prei­sen wie bei der Köln-Düs­sel­dor­fer. Das Per­so­nal des Schiffs woll­te sogar für hei­ßes Was­ser Geld haben.
  • Buchen kannst du die Tickets für die Fluss­fahrt von Bagen nach Man­da­lay in vie­len Agen­tu­ren in Bagan. Die Prei­se sind über­all gleich. Einen Tag im Vor­aus zu buchen ist völ­lig aus­rei­chend.