Salar-de-Uyu­ni-Tour – wirk­lich ein must-see?

Zu den High­lights einer Rei­se ins Ata­ca­ma-Gebiet gehört die Tour übers boli­via­ni­sche Alti­pla­no und den Salar de Uyu­ni.

Salar de Uyuni

Salar de Uyu­ni

Wüs­te in allen Far­ben, bizar­re Fels­for­ma­tio­nen, viel­far­bi­ge Lagu­nen, von Heer­scha­ren von Fla­min­gos bevöl­kert und die blen­dendwei­ße end­lo­se Ebe­ne des größ­ten Salz­sees der Welt – auf vie­len Fotos bewun­dert, will man das natür­lich auch mit eige­nen Augen sehen. Uns ging es nicht anders, selbst­ver­ständ­lich war die Salar-de-Uyu­ni-Tour von vorn­her­ein ein­ge­plant. Von San Pedro de Ata­ca­ma in Chi­le aus sind wir zu unse­rer Tour gestar­tet.

Mit hohen Erwar­tun­gen ging es los, mit zwie­späl­ti­gen Gefüh­len bli­cke ich zurück. War­um? Das will ich ver­su­chen, in die­sem Bei­trag zu beschrei­ben.

Hohe Erwar­tun­gen

Das ers­te sind die hohen Erwar­tun­gen. Den Árbol de Pie­dra, die Lagu­na Colo­ra­da, die Kak­teen­in­sel auf dem Salar de Uyu­ni, die ver­rück­ten Per­spek­tiv­fo­tos auf der end­lo­sen Salz­flä­che, die ros­ten­den Loks auf dem Cemen­te­rio de Tre­nes – alles schon auf per­fekt insze­nier­ten Bil­dern gese­hen. Da ist der Him­mel leuch­tend blau, die Fla­min­gos posen in Reih und Glied und kei­ne stö­ren­den Warn­schil­der ragen ins Foto. Per­fek­te Fotos machen es der Rea­li­tät schwer mit­zu­hal­ten.

In der Rea­li­tät ste­hen bei der Salar-de-Uyu­ni-Tour rund um den Árbol de Pie­dra stö­ren­de Pfäh­le mit Warn­schil­dern, ist der Him­mel über der Lagu­na Colo­ra­da bedeckt, so dass ihre Far­ben nicht zum Leuch­ten kom­men und mit Mühe und Not las­sen sich ein paar ein­sa­me Fla­min­gos ent­de­cken, zu weit weg, um mit der vor­han­de­nen Teleb­renn­wei­te ein bild­fül­len­des Motiv zu erge­ben.

Laguna Colorada - mit Wolken, ohne Flamingos

Lagu­na Colo­ra­da – mit Wol­ken, ohne Fla­min­gos

Und die lus­ti­gen Fotos im Spiel mit der Per­spek­ti­ve auf dem Salar wol­len auch nicht so recht gelin­gen.

Stra­pa­zen und Käl­te auf der Salar-de-Uyu­ni-Tour

Das zwei­te sind die recht stra­pa­ziö­sen Umstän­de der Rei­se zum Salar de Uyu­ni. Das zei­gen die super­schö­nen Fotos näm­lich nicht. Da man sich durch­ge­hend auf etwa 4000 Höhen­me­tern bewegt, ist es sinn­voll, sich vor­her an die dün­ne Luft ange­pass­te zu haben. Das hat­ten wir wohl, da wir vor­her in der Queb­ra­da de Huma­hu­a­ca in Argen­ti­ni­en unter­wegs waren.  Den­noch ist der Auf­ent­halt auf der Höhe für den Kör­per belas­tend und wir kamen bei den leich­tes­ten Anstren­gun­gen ins Schnau­fen.

Her­um­ge­spro­chen hat sich wohl die durch­aus schwan­ken­de Qua­li­tät der boli­via­ni­schen Tour­an­bie­ter.

Top oder Flop? Wartende Autos der Touranbieter

Top oder Flop? War­ten­de Autos der Tour­an­bie­ter

Da hört man von maro­den Autos, betrun­ke­nen Fah­rern, Nicht-Ein­hal­ten des Rei­se­plans. Muss alles nicht pas­sie­ren, kann aber. Dass wir dar­auf kei­nen Ein­fluss haben und nur hof­fen kön­nen, nicht an ein schwar­zes Schaf zu gera­ten, war uns vor­her klar. Abge­se­hen davon, dass die Rei­fen unse­res Fahr­zeugs null Pro­fil hat­ten, war bei unse­rer Salar-de-Uyu­ni-Tour alles in Ord­nung.

Reifenprofil? Geht auch ohne!

Rei­fen­pro­fil? Geht auch ohne!

Unser Fah­rer war nüch­tern und freund­lich, wir hat­ten kei­ne ein­zi­ge Pan­ne und die Rou­te wur­de ein­ge­hal­ten. Die Eis­flä­chen auf dem Weg hat der Fah­rer geschickt umfah­ren.

Stra­pa­zi­ös ist die Enge und die Käl­te. Man sitzt zu sechs Rei­sen­den  (plus Fah­rer) im Auto, fast drei Tage lang. Wenn man nicht gera­de als Grup­pe bucht, weiß man nicht, mit wem man drei Tage auf engs­ten Raum zusam­men sein wird. Mit uns fuh­ren zwei fran­zö­si­sche Paa­re zum Salar de Uyu­ni, halb so alt wie wir. Klar, dass sie nur fran­zö­sisch mit­ein­an­der spra­chen, wodurch wir kom­mu­ni­ka­tiv etwas abge­hängt waren. Dabei waren sie durch­aus nett und sie unter­hiel­ten sich auch mal mit uns. Trotz­dem hat­ten wir ein wenig das Gefühl, Außen­sei­ter zu sein.

Kalt?

Kalt?

Noch schlim­mer emp­fan­den wir die bei­ßen­de Käl­te. Wir waren im Win­ter unter­wegs, es wur­de auf dem Salar de Uyu­ni auch tags­über trotz Son­ne nicht rich­tig warm, da ein eisi­ger Wind über den Alti­pla­no feg­te. So kalt, dass sogar die Fla­min­gos sich in wär­me­re Gefil­de nach Chi­le aus dem Staub gemacht hat­ten!
Die Foto­stopps an den berühm­ten Sights ver­lie­fen daher meist so, dass wir aus dem Auto spran­gen, ein paar Fotos schos­sen und schnellst­mög­lich wie­der ins war­me Auto zurück flüch­te­ten.

Sechs Grad Raumtemperatur im Dorm des Refugios

Sechs Grad Raum­tem­pe­ra­tur im Dorm des Refu­gi­os

Nachts san­ken die Tem­pe­ra­tu­ren in den zweistl­li­gen Minus­be­reich. Das ers­te Refu­gio, in dem wir wäh­rend der Salar-de-Uyu­ni-Tour über­nach­te­ten, hat­te weder Hei­zung noch war­mes Was­ser. Wir erreich­ten es zur Mit­tags­zeit, aßen dort, fuh­ren nach­mit­tags noch mal kurz zur Lagu­na Colo­ra­da (Wol­ken, eisi­ger Wind, kei­ne Fla­min­gos) und ver­brach­ten den Rest des Tages in der unge­heiz­ten Bude und kühl­ten immer mehr aus. Nachts hat­ten wir unter meh­re­ren Decken fast alles an, was wir an Klei­dung mit hat­ten und brauch­ten Stun­den, bis unse­re eisi­gen Füße wie­der warm wur­den.

Die zwei­te Nacht in einem Hotel am Rand des Salar de Uyu­ni (auch ohne Hei­zung, aber mit hei­ßer Dusche!) ende­te sehr früh, denn um fünf Uhr bra­chen wir bei minus 20 Grad auf, um recht­zei­tig zum Son­nen­auf­gang auf der Insel Inca­hua­si zu sein. Das Auto hat­te kei­ne funk­tio­nie­ren­de Hei­zung, wir waren schon völ­lig durch­ge­fro­ren, als wir dort anka­men. Im Halb­dun­kel stol­per­ten wir den stei­len Pfad zum Aus­sichts­punkt hin­auf, kurz­at­mig in der dün­nen Luft. Dort erwar­te­ten wir zit­ternd den Son­nen­auf­gang über dem Salar de Uyu­ni. Ein opti­sches Ver­gnü­gen, dass wir wegen der durch­drin­gen­den Käl­te nicht völ­lig genie­ßen konn­ten.

Frierend im Sonnenaufgang

Frie­rend im Son­nen­auf­gang

Ja, wir sind ver­fro­ren. Und wir wer­den sehr schlecht gelaunt, wenn wir län­ge­re Zeit frie­ren müs­sen. Das hat für uns den Spaß an der Salar-de-Uyu­ni-Tour sehr getrübt. Natür­lich haben wir trotz­dem die spek­ta­ku­lä­re Land­schaft, den zum Wei­nen schö­nen Ster­nen­him­mel und die sagen­haf­te Wei­te des Salar de Uyu­ni genos­sen. Viel­leicht wäre unser Erleb­nis im Som­mer anders aus­ge­fal­len. Unter den gege­be­nen Umstän­den war die Salar-de-Uyu­ni-Tour jedoch kein must-see für uns.

Mei­ne Kon­se­quen­zen

Was ler­nen wir dar­aus? Wir wer­den bei zukünf­ti­gen Plä­nen unse­re eige­nen Bedürf­nis­se mehr im Auge behal­ten. Wir brau­chen Son­ne und Wär­me zum Wohl­füh­len. Mag die Land­schaft in der Ant­ark­tis oder in Grön­land noch so toll sein, das sind kei­ne must-sees für uns. Wei­ter­hin wer­den wir bei der Vor­be­rei­tung genau­er hin­schau­en. Für uns war Wüs­te bis­her gleich­be­deu­tend mit hei­ßem Wet­ter, zumin­dest tags­über. Dass eine Wüs­te in 4300 Meter Höhe bit­te­re Käl­te mit sich bringt, war uns bis kurz vor der Rei­se nicht bewusst. Hät­ten wir bes­ser recher­chiert, hät­ten wir viel­leicht noch mal drü­ber nach­ge­dacht.

Trotz­dem: Tol­le Ein­drü­cke von der Salar-de-Uyu­ni-Tour

Aber bevor jetzt die Vor­stel­lung auf­kommt, die Tour sei ein tota­ler Flop gewe­sen: so schlimm war es auch wie­der nicht. Wir neh­men trotz­dem tol­le Ein­drü­cke und Bil­der mit. Hier eine klei­ne Aus­wahl davon:

Das ist der bolivianische Grenzposten in der Wüste

Das ist der boli­via­ni­sche Grenz­pos­ten in der Wüs­te

... Sand und Steine in der Wüste Siloli

Sand und Stei­ne in der Wüs­te Silo­li

Laguna Verde - eine von vielen Lagunen des Altiplano

Lagu­na Ver­de – eine von vie­len Lagu­nen des Alti­pla­no

Leuchtende Berge

Leuch­ten­de Ber­ge

Geysire, die richtig Dampf machen

Gey­si­re, die rich­tig Dampf machen

Auch in der Sonne heißt es warm einpacken

Auch in der Son­ne heißt es warm ein­pa­cken

Árbol de Piedra

Árbol de Pie­dra

Doch noch ein paar Flamingos gesichtet!

Doch noch ein paar Fla­min­gos gesich­tet…

aber schon rufen die Fahrer: "Vamos! Vamos! "

aber schon rufen die Fah­rer: „Vamos! Vamos! ”

Condor aus Fels

Con­dor aus Fels

Grasende Llamas

Gra­sen­de Lamas

Vulkan Ollangue - mit Rauchfahne

Vul­kan Ollan­gue – mit Rauch­fah­ne links oben

Sonnenaufgang auf der Isla Incahuasi

Son­nen­auf­gang auf der Isla Inca­hua­si

Und über dem Salar

Und über dem Salar

Und jetzt kommen sie: die Salar-Fotos mit dem Spiel mit der Perspektive!

Und jetzt kom­men sie: die Salar-Fotos mit dem Spiel mit der Per­spek­ti­ve!

Reise-Ringel ganz groß

Rei­se-Rin­gel ganz groß

Tanz auf dem Apfel

Tanz auf dem Apfel

Waaaaaah!!!

Waaaaaah!!!

Ich wollte schon immer auf Händen getragen werden

Ich woll­te schon immer auf Hän­den getra­gen wer­den

Eine Sonnenbrille kann gar nicht groß genug sein

Eine Son­nen­bril­le kann gar nicht groß genug sein

Cementerio de los trenes - Friedhof der Züge in Uyuni

Cemen­te­rio de los tre­nes – Fried­hof der Züge in Uyu­ni

Der Zug ist abgefahren - vor langer Zeit

Der Zug ist abge­fah­ren – vor lan­ger Zeit

Ich war das nicht!

Ich war das nicht!