Mit dem Express­bus geht es von Yan­gon nach Pyay. Das vom Hotel bestell­te Taxi setzt uns beim Bus­termi­nal ab. Wir erwar­ten ein Ter­mi­nal wie in Süd­ame­ri­ka mit gro­ßer Hal­le, Schal­tern und num­me­rier­ten Bus­stei­gen. Doch weit gefehlt: der Bus­bahn­hof ist ein gan­zes Vier­tel mit stau­bi­gen Stra­ßen, in denen Bus­se vor den Büros der jewei­li­gen Gesell­schaft ste­hen, in bir­ma­ni­scher Schrift, wenn über­haupt gekenn­zeich­net. Kein Über­sichts­plan, kei­ne Hin­weis­schil­der. Wenn der Taxi­fah­rer nicht wüss­te, wo er uns abset­zen soll, hät­ten wir kei­ne Chan­ce, unse­ren Bus zu fin­den.

Ein klei­ner Teil des Bus­bahn­hofs

In dem stau­bi­gen Büro sind ein paar Sitz­ge­le­gen­hei­ten, in der Ecke befin­det sich ein sehr rus­ti­ka­les Klo.

War­te­be­reich

Die sani­tä­ren Ein­rich­tun­gen ver­spre­chen nicht mehr, als sie hal­ten kön­nen

Der Bus, der uns nach Pyay brin­gen soll, sieht von außen ganz modern aus. Innen erwar­ten uns für klei­ne Asia­ten aus­ge­leg­te Sitz­ab­stän­de und die übli­chen gerüsch­ten Sitz­be­zü­ge. Sechs Stun­den dau­ert die Fahrt, unter­bro­chen von einer kur­zen Pau­se zum Mit­tag­essen und Toi­let­ten­be­such. Das Unter­hal­tungs­pro­gramm bie­tet laut­star­ke bir­ma­ni­sche Bezie­hungs­ko­mö­di­en mit kei­fen­den Frau­en und wir sind froh, als wir für den letz­ten Rest des Wegs nur noch mit schnul­zi­ger bir­ma­ni­scher Pop­mu­sik bedu­delt wer­den. Unter­wegs stei­gen immer wie­der neue Fahr­gäs­te zu. Als der letz­te Sitz­platz belegt ist, wer­den klei­ne Plas­tik­ho­cker in den Gang gestellt, auf denen die neu Zuge­stie­ge­nen in einer lan­gen Rei­he thro­nen. Wir sind übri­gens die ein­zi­gen Tou­ris­ten im Bus.

Ankunft in Pyay

In Pyay ange­kom­men schart sich daher auch sofort eine Grup­pe Trans­port­dienst­leis­ter um uns und offe­riert ihren Ser­vice. Nach­dem wir uns auf einen Preis geei­nigt haben, stei­gen wir in ein Tuk­tuk. Hier steigt man bei Tuk­tuks  (drei Räder) und Pick-Ups (vier Räder) hin­ten auf die Lade­flä­che, die über­dacht ist und manch­mal zwei gegen­über­lie­gen­de Sitz­bän­ke hat, manch­mal auch nicht.

Unter­wegs im Tuk­tuk

Unser Hotel liegt in einer ruhi­gen Neben­stra­ße und ganz in der Nähe des Nacht­markts, wo wir uns mit Essen ver­sor­gen. Tipp: unbe­dingt die fri­schen, dicken Pfann­ku­chen pro­bie­ren!

Kaum in Pyay ange­kom­men, wol­len wir als ers­tes orga­ni­sie­ren, wie wir von hier aus wei­ter­kom­men. Im Rei­se­füh­rer steht, dass es einen Nacht­zug nach Bagan gibt, mit Schlaf­wa­gen. Über das Hotel kön­nen wir nur Bus­ti­ckets, aber kei­ne Zug­ti­ckets bekom­men. Also bre­chen wir am nächs­ten Mor­gen zum Bahn­hof auf, der ganz in der Nähe liegt. Dort erfah­ren wir, dass hier nur der Zug nach Yan­gon abfährt, der nach Bagan hält an einem ande­ren Bahn­hof wei­ter drau­ßen.

Öffent­li­cher Nah­ver­kehr

Wir gehen zu einem Sam­mel­ta­xi, fra­gen den Fahr­kar­ten­ver­käu­fer, ob es zum Bahn­hof nach Bagan fährt. Er nickt und sagt etwas, das „train sta­ti­on” hei­ßen könn­te. Super! Wir schwin­gen uns auf die Lade­flä­che, die ande­ren Fahr­gäs­te rücken höf­lich zusam­men und schau­en uns neu­gie­rig an. Lei­der lan­den wir am Bus­bahn­hof, wo man uns ger­ne Tickets für den Bus nach Bagan ver­kau­fen wür­de. Als wir unser Zei­ge­wör­ter­buch her­aus­ho­len und auf das Bild des Zuges tip­pen, erlischt das Inter­es­se.

Wir ste­hen etwas ver­lo­ren auf dem stau­bi­gen Bus­bahn­hof. Also erst mal raus Rich­tung Haupt­stra­ße und das Han­dy gezückt. Auf der Kar­te erken­nen wir eine Bahn­sta­ti­on, die gar nicht so weit weg ist. Dum­mer­wei­se ent­puppt sie sich als Hal­te­punkt ohne Bahn­hof. Wei­te­res Stu­di­um der Kar­te lässt uns schließ­lich zwei Bahn­li­ni­en in unter­schied­li­che Rich­tun­gen erken­nen. Der von uns gesuch­te Bahn­hof scheint noch drei, vier Kilo­me­ter ent­fernt zu lie­gen. Zu weit, um bei der Hit­ze die schmut­zi­ge und lau­te Stra­ße ent­lang zu lau­fen.

Wir hof­fen wie­der auf ein Pick­up-Sam­mel­ta­xi. Schließ­lich hält eins, die letz­ten Fahr­gäs­te klet­tern raus. Ich hal­te dem Fah­rer das Zug­bild unter die Nase und sage: „Bagan?” Das ist auch das ein­zi­ge, was er ver­steht, er kann nicht ein Wort eng­lisch. Er bedeu­tet uns, ein­zu­stei­gen und fährt los. Ich ver­fol­ge die Rou­te auf dem Han­dy. Er biegt in eine Neben­stra­ße ab. Gibt es hier eine Abkür­zung? Nein, er hält bei ein paar Kum­pels, die ihm erklä­ren sol­len, wo die Frem­den hin­wol­len. Ich zei­ge wie­der mein Bild­chen, sie schei­nen zu ver­ste­hen und es ihm zu erklä­ren. Na, das kann ja noch span­nend wer­den!

Zurück zur Haupt­stra­ße und wei­ter Rich­tung Bahn­hof. Nach einer Wei­le hält er wie­der, dies­mal sucht er Rat bei eini­gen Frau­en von den Ver­kaufs­stän­den. Kann es sein, dass er noch nie an die­sem Bahn­hof war? Den Ges­ten der Frau­en ent­neh­me ich, dass sie den Weg ken­nen. An der Gabe­lung rechts, dann wie­der rechts. Wei­ter geht’s.

Den Abzweig zum Bahn­hof ver­passt er. Es ist auch nur ein san­di­ger Feld­weg, der von der asphal­tier­ten Stra­ße abgeht. Aller­dings steht ein gro­ßes Schild dort, das viel­leicht auf bir­ma­nisch Bahn­hof heißt. Ich klop­fe an die Schei­be zur Fah­rer­ka­bi­ne und ges­ti­ku­lie­re. Er ver­steht, wen­det und kurz dar­auf hol­pern wir den unebe­nen Weg ent­lang, um uns nur Sträu­cher. Hier soll es zum Bahn­hof gehen?

Doch dann taucht tat­säch­lich ein etwas her­un­ter­ge­kom­me­nes Gebäu­de vor uns auf. Der Bahn­hof, mit­ten im Nichts. Auf kei­nen Fall dür­fen wir unse­ren Fah­rer weg­fah­ren las­sen, sonst kom­men wir nie mehr hier fort!

Der Bahn­hof im Nir­gend­wo

Der Bahn­hof ist men­schen­leer, sogar der Schal­ter. Mist, war das gan­ze Aben­teu­er umsonst? Schil­der und Tafeln sind in bir­ma­ni­scher Schrift und damit für uns unles­bar. Anschei­nend ist der Nacht­zug der ein­zi­ge, der hier hält. Aus dem Nichts taucht doch noch der Fahr­kar­ten­ver­käu­fer auf, läs­sig in Unter­hemd und Lon­gyi gewan­det. Wir erfah­ren, dass es kei­nen Schlaf­wa­gen gibt, nur Wagen der ordi­na­ry class. Okay, eine Nacht auf Holz­bän­ken muss wirk­lich nicht sein, soweit geht unse­re Aben­teu­er­lust denn doch nicht.

Gold­pa­go­de und Rie­sen­bud­dha

Mal wie­der viel Gold: die Shwe­san­daw Pago­de in Pyay

Zurück nach Pyay, wo wir uns an der Shwe­san­daw Pago­de abset­zen las­sen. Über einen lan­gen, über­dach­ten Trep­pen­auf­gang stei­gen wir empor.

Trep­pen­auf­gang zur Pago­de

Die Pago­de ist reich­lich mit Gold ver­ziert und glit­zert und fun­kelt im Son­nen­licht. Da Pyay abseits der übli­chen Tou­ris­ten­strö­me liegt, tref­fen wir auch hier kaum ande­re Tou­ris­ten. Die Ein­hei­mi­schen beäu­gen uns neu­gie­rig, oft wer­den wir um ein gemein­sa­mes Foto gebe­ten.

Auch die­se bei­den Her­ren wol­len ein Foto mit uns

Neben der Pago­de sitzt eine rie­si­ge, zehn­stö­cki­ge Bud­dha­fi­gur. Über die von gigan­ti­schen Löwen flan­kier­te Trep­pe gelan­gen wir hin­über. In dem Hof rings um den Bud­dha fin­den wir vie­le figür­li­che Dar­stel­lun­gen, Sze­nen aus Bud­dhas Leben und ande­ren Legen­den. Wir ver­wei­len bis zur Däm­me­rung und las­sen die Atmo­sphä­re auf uns wir­ken. Und ste­hen immer wie­der als Foto­mo­dell zur Ver­fü­gung.

Löwe frisst Tiger

Der gro­ße Bud­dha im Abend­licht

Ein wei­te­res Bei­spiel für bud­dhis­ti­schen Humor

Anci­ent City Sri Kse­tra

Für den nächs­ten Tag haben wir einen Füh­rer gebucht, der uns die Anci­ent City von Sri Kse­tra zei­gen soll. Mit zwei Motor­rol­lern wer­den wir abge­holt. Der Helm, den ich bekom­me wird durch mei­ne Son­nen­bril­le dar­an gehin­dert, bis auf mei­ne Nase zu rut­schen. Naja, bes­ser als nichts.

Unge­wohnt: Mar­cus als Sozi­us

Sri Kse­tra liegt weni­ge Kilo­me­ter außer­halb von Pyay und ist eine der weni­gen als UNESCO-Welt­kul­tur­er­be aner­kann­ten Stät­ten in Myan­mar. Sie stammt aus der Ära vor Bagan, was wegen sei­ner Tau­sen­den von Tem­peln viel berühm­ter ist. Hier gibt es eini­ge alte Pago­den aus Zie­gel­stei­nen zu bewun­dern, Über­res­te von Tem­peln, sehr spär­li­che Res­te des Königs­pa­lasts und Grab­stät­ten mit Urnen. All das in einer fried­li­chen, länd­li­chen Umge­bung. Bau­ern zockeln gemäch­lich mit Och­sen­kar­ren daher, vor ein­fa­chen Hüt­ten wird die Ern­te sor­tiert.

Pago­de in Sri Kse­tra

Bar­fuß auf Zie­gel­stei­nen wur­de im Lau­fe des Tages ganz schön heiß

Alte Kul­tur­land­schaft

Ein­fa­cher Brun­nen zum Bewäs­sern der Fel­der

Nach dem Besuch von Sri Kse­tra fah­ren uns unse­re bei­den Chauf­feu­re in den Nach­bar­ort Shwe­daung, wo ein Tem­pel mit einem gro­ßen bebrill­ten Bud­dha steht. Ein Kurio­sum, das ein­ma­lig sein soll. Der König, der ihn stif­te­te, hat­te wohl ein Augen­lei­den, das natür­lich geheilt wur­de. Seit­dem ist der Bud­dha mit der gol­de­nen Bril­le für Hei­lung von Augen­er­kran­kun­gen zustän­dig.

Der Bril­len-Bud­dha

Auf dem Rück­weg machen wir einen Abste­cher auf einen Berg, von dem aus wir eine gran­dio­se Aus­sicht über Pyay samt gol­de­ner Pago­de und Rie­sen­bud­dha haben. (G)

Unse­re Tipps für Pyay:

  • An- und Abrei­se:

Zwi­schen Yan­gon und Pyay fah­ren Express­bus­se unge­fähr im Stun­den­takt. Fahr­kar­ten gibt es über Rei­se­bü­ros oder die Hotel­re­zep­ti­on. Lass dir beim Kauf genau auf­schrei­ben, wel­cher Bus es ist und wo er abfährt. Am bes­ten auch in bir­ma­ni­scher Schrift, damit der Taxi­fah­rer es lesen kann. Das Taxi zum Bus­termi­nal kannst du zuver­läs­sig über die Rezep­ti­on dei­ner Unter­kunft bestel­len las­sen. Die Fahrt mit dem Express­bus dau­ert etwa sechs Stun­den inklu­si­ve kur­zer Pau­se. Wenn dich laut­star­ke Vide­os stö­ren, sind Ohr­stöp­sel eine gute Idee. Und immer was war­mes zum Anzie­hen oder Zude­cken mit in den Bus neh­men, da die Kli­ma­an­la­ge ger­ne auf Grön­land gestellt wird.

Zwi­schen Pyay und Bagan (Nyaung U) fährt zwei­mal täg­lich (mor­gens und abends) ein Mini­bus, der etwa acht Stun­den benö­tigt. Ich wür­de dir den Tag­bus emp­feh­len, da die Sit­ze zum Schla­fen eher nicht geeig­net sind. Ich glau­be, es stand AC auf den Tickets, bei uns bestand die Kli­ma­an­la­ge aus geöff­ne­ten Fens­tern. Wenn du emp­find­lich gegen Zug bist, nimm dir einen Schal o. ä. mit. Auch bei die­ser Stre­cke wird ein­mal Pau­se gemacht für Mit­tag­essen und Toi­let­ten­be­such. Wenn du früh genug buchst, bekommst du die Sit­ze hin­ter dem Fah­rer, die am meis­ten Bein­frei­heit bie­ten.

  • Unter­kunft:

Wir waren im 3D-Hotel, mit dem wir sehr zufrie­den waren. Das Per­so­nal war super freund­lich, das Zim­mer geräu­mig. Beim Früh­stück kannst du zwi­schen west­li­chem und bir­ma­ni­schem Früh­stück wäh­len. Da die west­li­che Vari­an­te meist aus zwei Schei­ben unge­toas­te­ten Toast­brot mit But­ter und Mar­me­la­de und even­tu­ell ein paar Früch­ten besteht, emp­feh­le ich eine bir­ma­ni­sche Mahl­zeit. Das Essen war aller­dings immer, wie oft in Myan­mar, höchs­tens lau­warm. Ein­zi­ger Minus­punkt war, dass in der Nach­bar­schaft ein Laut­spre­cher war, über den stun­den­lang bud­dhis­ti­sche Pre­dig­ten ver­le­sen wur­den, bis spät in die Nacht und sehr früh mor­gens. Das kann dir in Myan­mar über­all pas­sie­ren, vor allem in klei­ne­ren Orten.

  • Tour nach Sri Kse­tra:

Wir haben die Tour mit Gui­de Scott Yoghurt (der nennt sich wirk­lich so!) gemacht. Du fin­dest ihn bei Face­book und kannst dar­über Kon­takt mit ihm auf­neh­men. Scott arbei­tet als Frei­wil­li­ger und über­lässt dir, wie­viel du bezah­len möch­test. Wir haben dem zwei­ten Fah­rer auf sei­nen Vor­schlag hin 8000 Kyat gege­ben und ihm selbst 20.000 Kyat. Dafür waren wir von 10 bis 16 Uhr unter­wegs.  

Gui­de Scott (re.)

Auch in den Rui­nen ist ein Tem­pel hei­lig. Das heißt Schu­he aus­zie­hen. Wir hat­ten Snea­ker an, was ein biss­chen unprak­tisch war. Zieh bes­ser San­da­len oder Flip­flops an, die du schnell abstrei­fen und wie­der anzie­hen kannst. Die Zie­gel­ober­flä­chen hei­zen sich in der Son­ne stark auf. Des­halb star­te am bes­ten so früh wie mög­lich.