Das Unity-Hotel in Man­da­lay, in dem wir abge­stei­gen, ist ein ech­tes Hotel. Kom­for­ta­ble, groß­zü­gi­ge Zim­mer, ein moder­nes Bad, ein Früh­stücks-Buf­fet, ein kos­ten­lo­ser Fahr­rad­ver­leih, freund­li­ches Per­so­nal.

So flau­schi­ge Bade­män­tel…


Wir ent­schei­den uns, am ers­ten Tag die High­lights der Stadt zu erkun­den. Auf Nach­fra­ge an der Hotel-Rezep­ti­on, wie wir am bes­ten zu den ein­zel­nen Sights hin­kom­men, emp­fiehlt uns der Hotel­ma­na­ger die hotel­ei­ge­nen kos­ten­lo­sen Leih-Fahr­rä­der. Wir über­le­gen: der Ver­kehr in die­ser Stadt ist nicht ohne. Ein wenig mul­mig ist mir, aber dann sagen wir zu, die Fahr­rä­der zu neh­men. Der Mana­ger erklärt uns den Weg zum Königs­pa­last, es sind nur fünf­zehn Minu­ten zu fah­ren. Die Räder haben sogar eine Schal­tung und sind in gutem Zustand. Viel­leicht etwas klein, aber es geht. Übri­gens wün­sche ich mir in Asi­en öfters, etwas klei­ner zu sein. Ob die Sit­ze im Bus, die pro­vi­so­ri­schen Markt­hal­len-Dächer oder die Zwei­rä­der: wir müs­sen uns bücken oder zusam­men­fal­ten, das ist auf Dau­er beschwer­lich.

Klei­nes Fahr­rad, gro­ße Gina

Es ist viel los auf den Stra­ßen, aber schnell haben wir uns an den Ver­kehr gewöhnt. Ein Pro­blem hat Gina mit ihrem Lon­gyi. Der Wickel­rock klappt bei Fahrt­wind näm­lich auf und lässt weit bli­cken. Also hal­ten wir an und nach ein paar Mal pro­bie­ren sitzt der Lon­gyi per­fekt. Die Öff­nung des Lon­gyi sitzt nun an der Sei­te und Ginas Bei­ne blei­ben züch­tig bedeckt.  Dann errei­chen wir auch schon den Königs­pa­last. Die­ser ist zwei mal zwei Kilo­me­ter groß und von einer acht Meter hohen Mau­er und einem Was­ser­gra­ben umge­ben. Der Ein­gang liegt an der Ost­sei­te. Der Ein­tritt für alle Sehens­wür­dig­kei­ten der Stadt kos­tet ein­ma­lig 10.000 Kyat, umge­rech­net etwa sie­ben Euro pro Per­son. Wir dür­fen nur zu Fuß das Gelän­de betre­ten, Mili­tär­pos­ten kon­trol­lie­ren das schma­le Ein­gangs­tor. Neben dem Königs­pa­last gibt es hier auch einen Mili­tär­stütz­punkt. Hin­ter dem Tor erstreckt sich eine unge­fähr einen Kilo­me­ter lan­ge Zufahrt zum eigent­li­chen Palast. Es ver­keh­ren Taxis zwi­schen Tor und Palast, Rol­ler und klei­ne Lie­fer­wa­gen fah­ren zu den den Stra­ßen­rand säu­men­den Ver­kaufs­stän­den. Hier wer­den wie­der Fahr­rä­der ver­mie­tet. Wir gehen aller­dings zu Fuß, um in Ruhe alles sehen zu kön­nen.

Und wie­der wur­den wir um ein Foto gebe­ten

Holz­bau­ten des Königs­pa­last

Erst im 19. Jahr­hun­dert wur­de die­ser aus vie­len präch­ti­gen Holz­ge­bäu­den bestehen­de Palast erbaut. Und im zwei­ten Welt­krieg beim Kampf zwi­schen Japa­nern und Bri­ten voll­stän­dig zer­stört. Die Mili­tär­re­gie­rung ließ in den 1990er Jah­ren den Palast wie­der auf­bau­en, unter ande­rem unter Ein­satz von Zwangs­ar­beit.

Wir bestei­gen einen höl­zer­nen Turm und haben einen tol­len Aus­blick über die Stadt. Die meis­ten der Palast­ge­bäu­de sind leer, in man­chen befin­den sich die lebens­gro­ßen Figu­ren vom König und der Köni­gin.

Aus­sicht vom Turm

Köni­gin und König in Ori­gi­nal­grö­ße

Wir fah­ren wei­ter Rich­tung Man­da­lay Hill. Zuvor machen wir einen Abste­cher zur Pago­de mit dem schwers­ten Buch der Welt. Dort sind auf gro­ßen stei­ner­nen Tafeln die Leh­ren des Bud­dhis­mus ver­fasst. Die ein­zel­nen Tafeln ste­hen in Rei­hen neben­ein­an­der geschützt unter Che­dis. Ein beein­dru­cken­des Werk.

Ein Buch nach dem ande­ren

Die Tafel ist rund­um beschrif­tet, lei­der kön­nen wir die Schrift nicht lesen ?

Unter jedem Che­di befin­det sich eine Tafel

Schließ­lich ste­hen wir am Auf­gang zum Man­da­lay Hill. Irgend­wie haben wir den Abzweig zum Haupt­ein­gang ver­passt. An einem klei­nen Weg, der eben­falls zum Auf­gang führt, schlie­ßen wir unse­re Fahr­rä­der an einen Zaun. Die Gegend wirkt etwas düs­ter, ärm­li­che Behau­sun­gen und ein übel rie­chen­der Bach umge­ben uns. Vor uns lie­gen fast 1.000 Trep­pen­stu­fen nach oben.

Auch die Mön­che stei­gen die Stu­fen empor

Wir sind recht früh dran an die­sem Nach­mit­tag, nor­ma­ler­wei­se geht man eine hal­be Stun­de vor Son­nen­un­ter­gang zum Hügel hoch, um schö­ne Fotos zu bekom­men. Wir wol­len aber nicht im Dun­keln Rad fah­ren. Das hat den Vor­teil, dass es oben auf der Aus­sichts­platt­form nicht so voll ist. Das Trep­pen­stei­gen ist ganz schön anstren­gend, zwi­schen­durch set­zen wir uns immer mal wie­der und machen Fotos. Es gibt reich­lich zu bestau­nen, wir stei­gen an Tem­peln vor­bei, sehen rie­si­ge Bud­dhas. Auch nett anzu­se­hen: es gibt so vie­le Hun­de hier, über­wie­gend gut genährt lie­gen sie dösig in der Son­ne. Manch­mal muss man über sie hin­weg­stei­gen, so faul sind sie. Die Bud­dhis­ten füt­tern die Tie­re, um gutes Kar­ma zu bekom­men. Der Vor­teil ist, dass die Hun­de nicht bet­teln und nicht aggres­siv sind.

Hund im Tief­schlaf

Ein gro­ßer und vie­le klei­ne Tem­pel­wäch­ter

Oben ange­langt

Oben auf der Aus­sichts­platt­form ange­kom­men, müs­sen wir als Tou­ris­ten noch­mal Ein­tritt bezah­len. Der Aus­blick ent­schä­digt, aller­dings ist es an die­sem Tag sehr die­sig. Der Abstieg geht schnel­ler als erwar­tet und wir sind froh, wie­der aufs Rad stei­gen zu kön­nen.

Blick auf den könig­li­chen Was­ser­gra­ben

Alles glänzt gol­den

Abends sind wir dann auch rich­tig müde und freu­en uns auf unser Hotel­zim­mer. Füße waschen (immer­hin haben wir den gan­zen Man­da­lay Hill bar­fuß erklom­men) und dann hoch­le­gen. Das tut gut!

Am nächs­ten Tag wol­len wir auf den Markt. Aber was ist das? Es reg­net!!! Zwar nicht stark, aber es reg­net. Seit lan­gem mal wie­der. Nach hun­dert Metern keh­ren wir um zum Hotel. Ent­we­der lei­hen wir uns einen Schirm oder holen die Regen­ja­cken aus dem Zim­mer. Ers­te­res ist prak­ti­scher, da wir nicht hoch in den 5. Stock müs­sen. Wir fra­gen den net­ten Hotel­ma­na­ger, ob man uns einen Schirm lei­hen kön­ne. Der Mana­ger raunt einer sei­ner Ange­stell­ten etwas zu und bit­tet uns um etwas Geduld. Die Ange­stell­te ver­läßt eilends das Hotel. Nach weni­gen Minu­ten wird uns klar, dass extra für uns ein Schirm gekauft wird. Zehn Minu­ten war­ten wir, dann beschlies­sen wir, doch unse­re Regen­ja­cken zu holen. In die­sem Moment erscheint die Ange­stell­te mit drei neu­en Stock­schir­men in der Hand. Einen davon bekom­men wir. Als wir dann erneut zum Markt auf­bre­chen, hört der Regen auf. Na, die­ser Schirm kann wirk­lich was.

Der Markt besteht aus meh­re­ren zwei­stö­cki­gen Gebäu­den. Er ist ein Markt für Lebens­mit­tel und alles was man so braucht. Klei­dung, Hand­ta­schen, Elek­tro­nik, Werk­zeu­ge, Spiel­zeug und und und. Die Gän­ge sind unheim­lich eng, Schnell ver­lie­re ich in dem Gewu­sel die Ori­en­tie­rung. Gut, dass Gina dabei ist. Sie ist mein GPS.

Hier wer­den Betel-Kau­päck­chen her­ge­stellt

Getrock­ne­ter Fisch

Den Rest des Tages ver­brin­gen wir im Ort, lau­fen rum, blog­gen und machen Fotos aus dem Ver­kehrsall­tag.

Reis, Reis, Reis…

Da passt doch noch was drauf, oder?

Trans­port von Stahl­win­keln ??

Bud­dhis­ti­sche Non­nen

Mor­gen früh um acht kommt der Mini­bus, der uns von Man­da­lay  nach Kalaw brin­gen soll. Zusam­men mit unse­ren drei Rei­se­be­kannt­schaf­ten von der Fluss­fahrt haben wir eine zwei­tä­gi­ge Wan­de­rung gebucht. Wir sind gespannt, was die­se Wan­de­rung brin­gen wird. (M)

Unse­re Tipps zu Man­da­lay fin­dest du hier.