Aktualisiert am 02/06/2024 von Gina

Fes ist die älteste Stadt in Marokko und historisch gesehen die wichtigste der vier Königsstädte. In unserem Reisebericht erfährst du, welches die besten Sehenswürdigkeiten sind sowie viele weitere Tipps.

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1. Das Bab Boujeloud – prächtiger Eingang in die alte Stadt  Fes al Bali

Das Bab Boujeloud zählt zu den schönsten Toren in Marokko. Hier beginnen wir unseren Spaziergang in die Medina von Fes.

Bab Boujeloud, prächtiges Tor in Fes, Marokko.

Das Bab Boujeloud empfängt die Besucher der Altstadt.

Das Tor ist der repräsentative Eingang in die Altstadt und stammt aus dem 13. Jahrhundert. 1913 wurde es restauriert und erhielt sein heutiges Aussehen. Es ist mit unzähligen blauen Kacheln verziert.

2. Die Altstadt Fes al Bali

Die Medina, also die Altstadt von Fes ist ein Gewirr von Gassen und ein Gewusel von Menschen. Als solches ist sie ein Erlebnis für sich.

In diesem Stadtteil gibt es viele Moscheen und Koranschulen, denn Fes ist ein wichtiges islamisches Zentrum. Als Nicht-Muslim darfst du jedoch die meisten davon nicht betreten.

Es führen zwei Hauptwege durch die Medina, die durch unzählige Gässchen miteinander verbunden sind. Direkt hinter den Bab Boujeloud beginnt der Souk mit Ständen von Lebensmitteln und kleinen Garküchen.

Lass dich einfach treiben und genieße die Farben der Früchte und die aromatischen Gerüche der Gewürze.

Weitere Geschäfte und Lädchen säumen die Gassen der Medina, von Kleidung über Lederwaren bis zu Keramik kannst du alles erwerben, was dein Herz als Souvenir begehrt. Natürlich gehören auch die typisch marokkanischen Babuschen dazu.

Moschee-Turm mit grünen Verzierungen ragt zwischen den Gassen von Fes hervor.

Der Turm der Kairaouyine Moschee in Fes

Irgendwann wirst du an der Hauptmoschee von Fes vorbeikommen, der Kairaouyine Moschee. Sie ist die zweithöchste Instanz in der muslimischen Welt und hat viele Jahrhunderte als islamische Universität gedient. Gebaut wurde sie im 12. Jahrhundert. Nach der riesigen Hassan-Moschee in Casablanca ist sie die zweitgrößte in Marokko. Natürlich darfst du dieses wichtige Heiligtum des Islam als Nicht-Muslim nicht betreten.

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3. Die Medersa Bou Inania

Fes ist ein wichtiges religiöses Zentrum, nicht nur für Marokko, sondern für die gesamte maghrebinische Welt.

Dementsprechend ist auch die Medersa Bou Inania, die Koranschule eine bedeutende Sehenswürdigkeit. Sie ist eine der wenigen, die wir als Nicht-Muslime besuchen dürfen. Wir treten in den Innenhof und lassen den Trubel der Gassen sofort hinter uns. In der Mitte des Hofs steht ein Brunnen. Die umgebenden Seiten sind mit sorgfältigen Schnitzarbeiten im Zedernholz und feinziseliertem Stuck gestaltet.

orientalische Torbögen, helle Wände mit Stuckverzierungen in der Medersa.

Innenhof der Medersa Bou Inania

Orientalischer Torbogen, dahinter Raum mit Gebetsnische.

Blick in den Gebetsraum

In den Gebetsraum dürfen wir hinein blicken, ihn aber nicht betreten. Die Kalligrafien und die feinen Schnitzereien an den Wänden des Hofs bieten jedoch genug Bewundernswertes, um sich hier eine Weile die Zeit zu vertreiben.

  • geöffnet täglich außer dienstags 9 – 17 Uhr
  • Eintritt 20 Dirham

4. Die Gerbereien von Fes

Die Gerbereien von Fes sind weithin bekannt. In mittelalterlich anmutender Technik werden hier die Lederfelle bearbeitet. Zunächst müssen sie in ätzender Lauge von Haaren und Fleischresten befreit werden. Dann trocknen sie, über Seile oder Gestelle gelegt, bevor sie dem Färbungsprozess unterzogen werden.

Ein Esel ist beladen mit Fellen.

Auf Eseln werden die Felle zu den Gerbereien in Fes gebracht.

In den Gassen der Medina finden wir Hinweisschilder zu den Gerbereien (französisch: Tanneriés). Doch sind sie in einem Teil der Altstadt, in dem die Wege labyrinthisch verschlungen sind. So nehmen wir gerne das Angebot einer Frau an, die uns den Weg zu den Gerbereien zeigt. Da sie uns zu einem Betrieb ihrer Familie führt, verlangt sie kein Geld dafür.

In der Gerberei angekommen werden wir einem alten Mann übergeben, der ein wenig französisch radebrecht. Er führt uns mehrere Stockwerke, die alle mit Lederwaren gefüllt sind, hinauf auf die Dachterrasse.

Hier bietet sich uns der berühmte Anblick der Tröge mit den verschiedenen Flüssigkeiten. Männer stehen teils hüfttief darin und tauchen die Lederstücke ein und aus. Immerhin tragen sie heutzutage Schutzhosen und Handschuhe, wenn wir auch stark bezweifeln, dass dies unseren Anforderungen an Arbeitssicherheit genügen würde.

Ein Aufseher im Kapuzenmantel überwacht das Geschehen. Fasziniert schauen wir uns das mittelalterliche Bild an. Unser Guide erklärt uns, so gut es geht, den Prozess.

Viele Lederhäute hängen auf Leinen unter einem Schutzdach.

Zum Trocknen aufgehängte Lederhäute

Viele Becken mit verschiedenfarbigen Flüssigkeiten gefüllt, ein Arbeiter, der die Häute bearbeitet und ein Aufseher in den Gerbereien von Fes.

Die berühmten Farbbecken in den Gerbereien von Fes

Der vielfach beschworene Gestank ist übrigens nicht so übel, wie wir befürchtet haben. Für die empfindlichen Nasen der Besucher liegen frische Minzzweige bereit, doch wir machen kaum Gebrauch davon. Mag sein, dass der Geruch bei anderen Temperaturen ärger ist.

Der Abstieg erfolgt natürlich mit einer Runde durch die Verkaufsetagen. Unser Führer preist die Qualität der Waren an, von der robusten, schweren Kamelledertasche bis zu kleinen Damenhandtäschchen aus weichem Ziegenleder. Doch eine nähere Inspektion einiger Stücke überzeugt mich nicht. So kaufen wir nichts, geben dafür einen Obulus für die Führung.

Draußen irren wir erst mal durchs Labyrinth der Medina von Fes. Ein kleiner Junge mit noch kleinerer Schwester an der Hand führt uns schließlich hinaus und erwartet ein Trinkgeld dafür.

5. Djemaa Seffarine – der Platz der Kupferschmiede

Wir kommen an der Djemaa Seffarine heraus, wo die Kupferschmiede mit ohrenbetäubendem Gehämmer auf ihre Werkstücke einschlagen.

Zwei Handwerker hämmern auf Kupferstücke ein.

Die Kesselschmiede auf dem Djemaa Seffarine

Wieder so ein Stück Mittelalter in Fes. Wir schauen eine Weile zu, wie Kessel und Teller unter den geschickten Händen der Handwerker entstehen. Doch bald schon klingen uns die Ohren von dem Lärm und wir tauchen wieder in die uns nun vertrauten Gassen ein.

An diesem Platz liegt eine weitere Koranschule, die Medersa Seffarine, die wir jedoch nur von außen bewundern dürfen.

6. Die Merinidengräber und ein großartiger Blick auf Fes

Nach so viel Enge und Lärm in der Medina von Fes treibt es uns am nächsten Tag hinaus aus den Mauern der Altstadt.

Wir steigen hinauf zu dem Hügel, auf dem einige Ruinen die Gräber der Meriniden, eines Königsgeschlechts in Marokko, anzeigen. Unterwegs kommen wir an trutzigen Resten der Stadtmauer vorbei. Der Borj Nord, der nördliche Turm der Stadtmauer ist noch erhalten. Wir passieren einen muslimischen Friedhof, auf dem die weißen Grabmale gen Mekka ausgerichtet sind.

Weiße, schlichte Grabstätten zwischen grünem Gestrüpp.

Muslimischer Friedhof

Als wir oben auf dem Hügel der Merinidengräber angekommen sind, bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf die Dächer von Fes. Das grüne Dach der Kairaouyine-Moschee lässt von hier oben erst erkennen, wie groß sie ist. In den engen Gassen der Medina bekommt man keinen Eindruck von der Ausdehnung der Moschee, zumal die Wände ja mit Geschäften zugestellt sind.

Blick über die Dächer der Altstadt, in der Mitte das große, grüne Dach der Moschee von Fes.

Grün leuchtet das Dach der Moschee in Fes

Reste eines Torbogens auf einem Hügel, dahinter Blick über die Landschaft.

Von den einst prachtvollen Gräbern der Meriniden zeugen nur noch Ruinen.

Eine andere Möglichkeit, der Enge der Medina zu entfliehen bietet sich nur wenig außerhalb des Bab Boujelad.

Der Jardin Jnane Sbil ist eine gepflegte Parkanlage. Überall blühen duftende Rosen und andere Pflanzen. Springbrunnen, Wasserläufe und ein großer Teich sorgen für kühlende Elemente. Wir fühlen uns fast wie in Sultans Garten.

Symmetrische Parkanlage mit Rasen und blühenden Sträuchern.

Hier kann man vom Trubel der Altstadt entspannen

7. Fes Al Djid und die Mellah

Von hier gelangen wir nach Fes al Djid, die neuere Altstadt von Fes. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Hinter dem Bab Semmarine beginnt die Mellah, doch die heben wir uns für den Rückweg auf. Wir halten uns rechts und passieren nach einiger Zeit den riesigen Königspalast.

Leider können wir den nur von außen bewundern, denn der König von Marokko empfängt keine Touristen in seinen Räumlichkeiten.

Großer leerer Platz vor verschlossenen Toren des Königspalasts im Hintergrund.

Recht abweisend wirkt der Eingang zum Königspalast

Also schlagen wir uns in die Gässchen der Mellah, des ehemaligen jüdischen Viertels. Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 verließen die letzten jüdischen Einwohner Marokko, so dass heute keine Juden mehr in dem Viertel wohnen.

Als Überbleibsel aus der jüdischen Zeit blieben viele Juweliergeschäfte, die heute von Muslimen betrieben werden. Die Hauptachse der Mellah ist von Geschäften, Restaurants und Cafés gesäumt. Gut erkennbar ist die typische Bauweise, die sich durch offenen Balkone deutlich von der verschlossenen arabischen Architektur unterscheidet.

Hausfassaden mit Balkonen, im Erdgeschoss Geschäfte in der Mellah von Fes.

Die Hauptstraße der Mellah in Fes

Ein junger Mann spricht uns an, er will uns die Synagoge zeigen. Doch wir sind misstrauisch gegenüber selbst ernannten Führern und lehnen ab.

Mit Hilfe unserer Handy-Navigation finden wir eine der beiden verbliebenen Synagogen schließlich selber. Von außen sieht sie aus wie ein gewöhnliches Wohnhaus, nur ein über der Tür eingemeißelter Davidsstern weist sie als jüdisches Gotteshaus aus. Zögerlich treten wir über die Schwelle. Dürfen wir einfach so hier herein?

Eine Frau erscheint, fragt, ob wir die Synagoge sehen wollen. Ja? Dann bitte 20 Dirham. Sie schließt uns die Tür zum Inneren auf. Mit ein paar wenigen französischen Worten erklärt sie die Räumlichkeit. Hier war der Gebetsraum für die Männer, die Frauen saßen oben auf dem Balkon. Die Nische, in der die Thora aufbewahrt wurde, zeigt sie uns ebenso.

Geöffnete Holztüren, dahinter Nische mit Gegenständen in rotem Samt.

Die Thora-Nische in der Synagoge.

Reihen von hellen Steinsarkophagen.

Blick auf den jüdischen Friedhof

Dann dürfen wir noch auf die Dachterrasse steigen, von wo wir einen Blick auf den alten jüdischen Friedhof haben. Eng aneinander gedrängt stehen die steinernen Sarkophage. Wir können sogar die hebräischen Schriftzeichen darauf erkennen.

Infos zu Fes

Ist Fes gefährlich?

Eine Frage, die wir immer wieder gestellt bekommen, wenn wir von unserer Marokko-Reise berichten. Nach unseren Erkenntnissen musst du als Tourist keine Gewalt-Kriminalität befürchten. Die üblichen Touristenfallen, wie Taxifahrer und Guides, die dir zu viel Geld aus der Tasche ziehen, gibt es hier natürlich auch. Wie überall auf der Welt, wo sich viele Menschen drängen, solltest du in den Gassen der Altstadt vor Taschendieben auf der Hut sein.

Zwei rote Taxis warten am Straßenrand.

Taxis sind in Fes rot

Unsere Tipps, um überhöhte Preise zu vermeiden:

  • Nimm kein Taxi, das vor dem Bahnhof oder dem Busbahnhof wartet. Lieber ein paar Schritte die Straße hinunter und eins heranwinken.
  • Sei misstrauisch, wenn dich “Guides” auf der Straße ansprechen. Meist wirst du am Ende mit überzogenen Forderungen konfrontiert.

Einmal wurden wir angesprochen, ob wir Haschisch kaufen wollten. Unabhängig davon, wie man zu Haschischkonsum steht, ist es keine gute Idee, dies in Ländern zu tun, deren Gefängnisse man wirklich nicht von innen kennen lernen möchte.

Alllgemeine Hinweise zur Sicherheit in Marokko findest du immer aktuell auf den Seiten des Auswärtigen Amts.

Anreise

Fes hat einen internationalen Flughafen, der auch von Deutschland angeflogen wird.

Wenn du innerhalb Marokkos anreist, stehen dir sowohl Bahn als auch Bus zu Verfügung. Mit der Bahn gelangst du von Meknes, Rabat, Casablanca oder Marrakesch nach Fes. Die Züge verkehren mehrmals täglich, je nach Ziel im Stundentakt.

Von anderen Zielen kommst du per Bus nach Fes.

Wenn du mit dem Mietwagen nach Fes reist, solltest du ihn außerhalb der Altstadt stehen lassen und dich mit Taxi oder zu Fuß bewegen.

Hotel in Fes

Wir hatten ein kleines Gästehaus am Rande der Medina. Die Inhaberin kam uns am Bab Boujeloud abholen, so dass wir nicht mit unserem Gepäck durch die Gassen irren mussten. Das Frühstück wurde auf der Dachterrasse serviert und war sehr reichhaltig und lecker. Wir können das Dar Lala Wayfee* empfehlen.

Tisch mit Tellern, Croissanst, Pfannkuchen, Brot, Butter, Marmelade, Orangensaft und Kaffee.

Unser Frühstückstisch

Essen in Fes

An Restaurants und Cafés herrscht in Fes kein Mangel. Wir empfehlen, die Restaurants direkt hinter dem Bab Boujeloud zu meiden. Dort stürzen sich die Kellner mit Speisekarten auf die Passanten, das mögen wir gar nicht.

Im Souk selber gibt es viele kleine Essensstände, wo du dir etwas auf die Hand holen kannst oder du setzt dich in die kleinen Nischen, die mit Tischen und Hockern ausgestattet sind.

Folgende Restaurants haben wir getestet und können sie empfehlen:

  • Chez Hakim, Rue de la Poste, seitlich vom Bab Boujeloud.
  • Café Clock, Derb El Magana, in der Medina. Leckere Kamelburger, auch vegetarische Gerichte.
  • La Terrassa, direkt gegenüber Bab Boujeloud (Außenseite).

Was ist die beste Reisezeit für Fes?

Grundsätzlich kannst du Fes zu jeder Jahreszeit besuchen. Allerdings wird es im Sommer sehr heiß. Im Winter sind die Temperaturen mild, es kann aber ab und zu mal regnen.

Größter Touristenansturm herrscht in den Weihnachts- und den Osterferien. Dann sind oft Unterkünfte teurer und natürlich ist es viel voller als sonst.

Wir waren im Mai in Fes. Die Temperaturen waren angenehm warm, aber nicht zu heiß. Abends konnten wir eine Jacke zum überziehen gebrauchen.

Unsere Reiseberichte zu Marokkos Königsstädten

Du möchtest dir auch unsere Berichte zu den anderen drei Königsstädten ansehen? Bitte schön, hier entlang:

Und hier geht es zu unserem umfassenden Reiseguide: Reisetipps und Vorbereitung für die individuelle Rundreise nach Marokko.

Profilbild von Gina.

Hi, ich bin Gina Zusammen mit meinem Mann Marcus erkunde ich gerne fremde Länder und Kulturen. Wir sind Reise-Spätzünder und haben unsere Reisen um die Welt erst mit Mitte 50 begonnen. Am liebsten sind wir individuell und abseits ausgetretener Pfade unterwegs. Spontane Abenteuer, das Eintauchen in fremde Kulturen und der Genuss exotischer Speisen machen für mich das Reisen aus. Als Apothekerin bin ich die Spezialistin für Reisegesundheit. Träumerin mit Bodenhaftung, immer bereit für neue Erlebnisse. Mehr über mich erfährst du auf unserer Über-uns-Seite