Jeder, dem wir erzähl­ten, dass wir nach Neu­see­land rei­sen wür­den, sag­te: „Oh wie toll! Das ist ja sooo schön da!”. Übri­gens unab­hän­gig davon, ob der­je­ni­ge schon mal sel­ber da war oder nicht. Es scheint eine unbe­streit­ba­re Tat­sa­che zu sein, dass Neu­see­land schön ist, dass alle es toll fin­den und dass jeder, der schon mal da war, immer wie­der hin möch­te. Also mal wie­der ganz schön hohe Erwar­tun­gen ans Rei­se­ziel.

Der Farn ist eine typische Pflanze Neuseelands

Der Farn ist eine typi­sche Pflan­ze Neu­see­lands

Ein­drü­cke von Stadt und Land in Neu­see­land

In unse­rem ers­ten Arti­kel über Auck­land spre­chen wir etwas rei­ße­risch vom „Kul­tur­schock Neu­see­land”. Dies ange­sichts der Tat­sa­che, dass wir aus Aus­tra­li­en ange­reist waren. Aus der Wär­me, aus der Wei­te, mit lee­ren Stra­ßen und ent­spann­ten Men­schen. Also gera­de das Gegen­teil von Auck­land, das uns euro­pä­isch gehetzt und eng vor­kam.

Schafe weiden in Auckland am One Tree Hill

Auch in Auck­land gibt es idyl­li­sche Ecken, hier am One Tree Hill

Aber dann ging es ja raus aus der Mil­lio­nen­stadt, hin­ein ins Land. Und das ist tat­säch­lich sehr grün. Domi­niert von Hügeln mit wei­den­dem Vieh, ab und zu Wäl­der. Und immer ist das Meer ganz nah, Sand­strän­de, Fjor­de, wild­ro­man­ti­sche Steil­küs­ten und gigan­ti­sche Dünen.

Düne und blauer Himmel

Dünen­land­schaft und blau­er Him­mel – per­fekt!

Ja, die Land­schaft ist tat­säch­lich sehr schön. Aller­dings nicht ein­zig­ar­tig. All dies gibt es anders­wo auch, dafür braucht man noch nicht mal Euro­pa zu ver­las­sen.

Auto­fah­ren in Neu­see­land

Das Fah­ren auf Neu­see­lands Stra­ßen ist nicht ganz so stres­sig wie in Deutsch­land, aller­dings weit ent­fernt von dem ent­spann­ten Crui­sen durch Aus­tra­li­en. Die Stra­ßen sind topo­gra­fisch bedingt kur­vig und oft steil, dazu kommt rela­tiv viel Ver­kehr, außer in ganz ent­le­ge­nen Ecken wie Cape Rein­ga. Da Ker­mit etwas schlapp moto­ri­siert ist, war das Fah­ren recht anstren­gend. Außer­dem pfiff oft ein star­ker Wind, der Ker­mit mit sei­nem hohen Auf­bau schon mal ins Tau­meln brach­te.

Schotterstraßen in neuseeland

Auch Schot­ter­stra­ßen gibt es ab und zu

Besu­cher­an­sturm in Neu­see­land

Dass Neu­see­land so beliebt ist, zeigt sich direkt in den Besu­cher­zah­len. Tau­sen­de von jun­gen Work&Travel-Reisenden sind unter­wegs. Schon jetzt in der Vor­sai­son waren die belieb­ten kos­ten­lo­sen Free­dom Camps kom­plett belegt.

Viele Vans stehen eng nebeneinander auf dem Freedom Camping Platz

Eng geht es zu beim Free­dom Cam­ping

Auf den teu­ren, pri­va­ten Camp­grounds war aller­dings immer pro­blem­los ein Platz zu bekom­men. Das dürf­te in der Haupt­sai­son anders sein und dann steht man sehr eng, denn Stell­plät­ze sind meist klein. Eng geht es auch auf den Free­dom Camps zu, die oft ein­fa­che Park­plät­ze sind. Das hat­ten wir uns roman­ti­scher vor­ge­stellt.

Von offi­zi­el­ler Sei­te wird beklagt, dass so vie­le Tou­ris­ten auf den Gre­at-Walk-Rou­ten unter­wegs sind. Das Ton­gari­ro-Crossing soll zeit­wei­se einer Polo­nai­se glei­chen. Nun wird über­legt, Ein­trit­te für die Rou­ten zu erhe­ben, mit dem aus­drück­li­chen Ziel, Tou­ris­ten davon fern zu hal­ten. Irgend­wie scheint Neu­see­land gera­de an sei­nem eige­nen Erfolg im Tou­ris­mus zu ersti­cken.

Apro­pos Ein­trit­te: Bekannt­lich ist Neu­see­land ein teu­res Pflas­ter. Nicht nur Tou­ren und Ein­trit­te rei­ßen ein gro­ßes Loch ins Bud­get. Der Cam­per­van hat fast dop­pelt so viel pro Tag gekos­tet wie in Aus­tra­li­en, die Gebüh­ren für die Cam­ping­plät­ze lie­gen eben­falls über dem aus­tra­li­schen Niveau. Trotz­dem muss man oft noch für Duschen und WLAN extra bezah­len. Über unse­re Rei­se­kos­ten in Neu­see­land infor­mie­ren wir in einem sepa­ra­ten Arti­kel.

Wie freund­lich sind die Kiwis?

Und wie sieht es mit der sprich­wört­li­chen Freund­lich­keit der Kiwis aus? Ja, wir haben oft sehr freund­li­che Men­schen getrof­fen, allen vor­an Ter­ri, die Freun­din unse­rer Toch­ter, die uns vom Flug­ha­fen abhol­te und uns mit Tipps ver­sorg­te. Ter­ris Eltern in Dar­ga­vil­le, bei denen wir eini­ge ent­spann­te Tage ver­brach­ten. Mike und Anni­ka, unse­re Airb­nb-Gast­ge­ber, in deren Haus wir uns sau­wohl fühl­ten. Shaun vom Camp in Cli­ve, der sich rüh­rend sorg­te, ob wir die Wan­de­rung zum Cape Kid­nap­pers auch schaff­ten. Um nur eini­ge zu nen­nen.

Schwein auf der Farm von Mike und Annika

Nicht nur wir fühl­ten uns sau­wohl auf der Farm von Mike und Anni­ka

Wir haben aller­dings auch generv­te Ange­stell­te, lust­lo­se Mit­ar­bei­ter und unfreund­li­che Zeit­ge­nos­sen erlebt. Eigent­lich im glei­chen Aus­maß, wie wir das von Deutsch­land gewohnt sind. Und im kras­sen Gegen­satz zu dem, wie uns die Aus­sies begeg­net sind.

Früh­ling in Neu­see­land – kal­ter Wind und Regen

Am meis­ten genervt hat uns als beken­nen­de Weich­ei­er das kal­te und unbe­stän­di­ge Wet­ter. Wir hat­ten uns den Früh­ling wär­mer vor­ge­stellt. Die­ses Jahr hat­ten wir wohl Pech und der Früh­ling war beson­ders kühl. Wir hat­ten noch nicht mal so viel Regen, aber immer kal­ten Wind.

Windzerzauste Möwe

Wind­zer­zaus­te Möwe

Die Mie­te für den Cam­ping­tisch hät­ten wir uns spa­ren kön­nen, denn wir haben meis­tens drin­nen geges­sen. Zum Glück gibt es auf neu­see­län­di­schen Camp­grounds fast immer eine mehr oder weni­ger gut aus­ge­stat­te­te Camp­kü­che, in der wir kochen und meist auch essen konn­ten. Ker­mit erwies sich als nicht beson­ders taug­lich als Schlecht­wet­ter-Cam­per­van. 

Marcus sitzt am Tisch vor dem Campervan im Sonnenschein

So war es lei­der nur sel­ten

Nach­dem auch nach eini­gen Wochen die gro­ße Neu­see­land-Lie­be nicht auf­kam gegen die wid­ri­gen Umstän­de, beschlos­sen wir, dass wir drei Wochen frü­her als geplant nach Thai­land wei­ter­rei­sen wür­den. Das ist ja einer der Vor­tei­le einer Lang­zeit­rei­se, dass man fle­xi­bel ist.

Bei unse­rem gemäch­li­chen Rei­se­tem­po war damit klar, dass wir nur die Nord­in­sel schaf­fen wür­den. Schon bevor das Erd­be­ben pas­sier­te, stand also fest, dass wir die Süd­in­sel nicht berei­sen wür­den.

Den­noch: Unse­re per­sön­li­chen High­lights in Neu­see­land

Unse­re High­lights der Nord­in­sel waren das Cape Rein­ga mit sei­ner mys­ti­schen Atmo­sphä­re, Rotorua mit den damp­fen­den Seen und blub­bern­dem Schlamm und Cape Kid­nap­pers mit den Tau­sen­den von Töl­peln.

Leuchtturm von Cape Reinga

Ein ganz beson­de­rer Ort: Cape Rein­ga

Auch die Huka- und Ara­tia­tia Falls bei Tau­po waren fas­zi­nie­rend, die wild­ro­man­ti­sche Coro­man­del-Halb­in­sel beein­dru­ckend und die unge­stü­me West­küs­te bei Piha und Bay­leys Beach groß­ar­tig.

Westküste bei Piha

West­küs­te bei Piha

Neu­see­land ist schön. Für uns war die Kom­bi­na­ti­on aus kal­tem Wet­ter und klei­nem Cam­per­van nicht opti­mal. Soll­ten wir uns irgend­wann mal ent­schlie­ßen, die Süd­in­sel zu berei­sen, wür­den wir in der war­men Jah­res­zeit rei­sen oder eine Kom­bi­na­ti­on Miet­wa­gen mit fes­ten Unter­künf­ten wäh­len.