Von Perú nach Chi­le zu gelan­gen, ist etwas umständ­lich: mit dem perua­ni­schen Bus bis Tac­na, dort ins inter­na­tio­na­le Ter­mi­nal wech­seln und den Bus nach Ari­ca (Chi­le) neh­men, an der Grenz­sta­ti­on mit­ten im Nir­gend­wo der Ata­ca­ma-Wüs­te die übli­chen lang­wie­ri­gen chi­le­ni­schen Grenz­for­ma­li­tä­ten über sich erge­hen las­sen und schließ­lich in Ari­ca wie­der das Ter­mi­nal wech­seln, um den Bus nach Iqui­que zu erwi­schen. Mit hän­gen­der Zun­ge schaf­fen wir es in letz­ter Minu­te und so errei­chen wir am Abend Iqui­que.

Fußgängerzone Baquedano in Iquique

Fuß­gän­ger­zo­ne Baque­da­no in Iqui­que

Iqui­que bezau­bert uns von Beginn an. Auf dem schma­len Strei­fen zwi­schen Küs­ten­kor­dil­le­re und Pazi­fik gele­gen hat es auch jetzt im Win­ter das Flair eines Bade­or­tes. Lan­ge Sand­strän­de, auf denen sich die azur­blau­en Wel­len bre­chen, wer­den von einer brei­ten Pro­me­na­de gesäumt.

Der Pazifik

Der Pazi­fik

Was uns auf­fällt, sind die Tsu­na­mi-Warn­schil­der über­all. Chi­le ist Erd­be­ben-Land und der fla­che Küs­ten­strei­fen im Fal­le eines Tsu­na­mis hoch­gra­dig gefähr­det. Über­all ste­hen Schil­der, die auf die Gefah­ren­zo­ne und die Rich­tung der Flucht­we­ge hin­wei­sen. (Weg vom Meer, wer hät­te das gedacht!) Auch im Stadt­plan ist die Linie der siche­ren Zone ein­ge­zeich­net.

In der Innen­stadt hat man eine Stra­ße mit hüb­schen, alten Holz­häu­sern zur Fuß­gän­ger­zo­ne gemacht. Veran­den und tie­fe Fens­ter prä­gen das Bild. Die Schie­nen der his­to­ri­schen Stra­ßen­bahn lie­gen in der Stra­ße und zwei restau­rier­te Wagen sind zu bewun­dern.

Liebevoll restaurierter Straßenbahnwagen

Lie­be­voll restau­rier­ter Stra­ßen­bahn­wa­gen

Rund um die Pla­za Prat mit dem Uhr­turm in der Mit­te ste­hen schö­ne Gebäu­de wie das Thea­ter oder das spa­ni­sche Haus.

Uhrturm und Theater auf der Plaza Prat

Uhr­turm und Thea­ter auf der Pla­za Prat

Casa Español mit schöner Kachel-Fassade

Casa Español mit schö­ner Kachel-Fas­sa­de

Aber das bes­te ist die Pas­sa­gier­pier. Aus Holz­plan­ken gefer­tigt gehen an der Sei­te brei­te Stu­fen bis zum Was­ser hin­un­ter. Hier aalen sich die fauls­ten See­lö­wen, die wir je gese­hen haben!

Tiefenentspannter Seelöwe

Tiefen­ent­spann­ter See­lö­we

Seelöwen-Yoga?

See­lö­wen-Yoga?

Irgend­wann wird die Ruhe kurz­fris­tig gestört, als ein noch dicke­rer See­lö­we die Stu­fen erklimmt und den Platz bean­sprucht, an dem der bis­her dicks­te See­lö­we liegt. Mit weit auf­ge­ris­se­nen Mäu­lern brül­len sie sich an, dann räumt Nr. 2 das Feld. Die Hier­ar­chie ist klar.

Kleine Machtkämpfe erhalten die Hierarchie

Klei­ne Macht­kämp­fe erhal­ten die Hier­ar­chie

Wir ent­schlie­ßen uns spon­tan zu einer Boots­fahrt. Die­se führt ent­lang der Küs­te bis zu der Boje, die den Ort mar­kiert, an dem die chi­le­ni­sche Kor­vet­te Esme­ral­da gesun­ken ist. Sie wur­de im Sal­pe­ter­krieg 1879 von den Perua­nern ver­senkt, was dem Kom­man­dan­ten Arturo Prat den Hel­den­sta­tus ein­brach­te und damit in jeder chi­le­ni­schen Stadt einen nach ihm benann­ten Platz oder Stra­ße. 

Die Esmeralda-Boje, Chiles Nationalstolz

Die Esme­ral­da-Boje, Chi­les Natio­nal­stolz

Nach­dem wir die Boje aus­gie­big von allem vier Sei­ten bestaunt haben, geht es wie­der zurück. Mit einer klei­nen Hafen­rund­fahrt, bei der wir Peli­ka­ne, noch mehr See­lö­wen und ein gigan­ti­sches Con­tai­ner­schiff aus Ham­burg zu sehen bekom­men wird der Aus­flug abge­run­det.

Pelikan und schwarz-weiße Vögel, die KEINE Pinguine sind. Schade!

Peli­kan und schwarz-wei­ße Vögel, die KEINE Pin­gui­ne sind. Scha­de!

Grüße aus Hamburg

Grü­ße aus Ham­burg

Ein Nach­bau der Esme­ral­da liegt im Hafen von Iqui­que. Genau­er gesagt, am Hafen, auf fes­tem Land mit einem Pool drum­her­um. Wahr­schein­lich um ganz sicher zu gehen, dass die Esme­ral­da nicht noch mal ver­senkt wird.

Esmeralda, die Zweite

Esme­ral­da, die Zwei­te

Im Mor­gen­grau­en des nächs­ten Tages fegt ein Sand­sturm über Iqui­que. Dächer wer­den abge­deckt, Pal­men und Strom­mas­ten kni­cken um.

Sturmopfer

Sturm­op­fer

Abgedeckte Dächer

Abge­deck­te Dächer

Vie­le Geschäf­te in der Innen­stadt blei­ben geschlos­sen, weil die Strom­ver­sor­gung nicht mehr funk­tio­niert. Der Sturm bringt einen Tem­pe­ra­tur­sprung, es wer­den über 30 Grad gemes­sen. Spon­tan nut­zen wir die uner­war­te­te Wär­me für einen relax­ten Tag am Strand.

Der erste Strandtag auf unserer Weltreise!

Der ers­te Strand­tag auf unse­rer Welt­rei­se!

Faul wie ein Seelöwe ?

Faul wie ein See­lö­we ?

Der Umzug in eine ande­re Airb­nb-Woh­nung im Süden Iqui­ques bringt eine neue Erfah­rung mit sich: Micro-Fah­ren. Da das Zen­trum nun nicht mehr in fuß­läu­fi­ger Ent­fer­nung liegt, nut­zen wir die Klein­bus­se, Micros genannt. Davon fah­ren unzäh­li­ge durch die Stra­ßen. Es gibt kei­ne fes­ten Hal­te­stel­len, man braucht nur am Stra­ßen­rand zu win­ken und das Micro stoppt. Genau­so funk­tio­niert das Aus­stei­gen, man wird an der gewünsch­ten Stel­le raus gelas­sen. Den Fahr­preis von etwa 60 Cent ent­rich­tet man beim Ein­stei­gen beim Fah­rer, der das Geld in einer anschei­nend selbst gezim­mer­ten Sperr­holz­kis­te sam­melt.

Im Micro

Im Micro

Meist läuft das Lieb­lings-Radio­pro­gramm des Fah­rers. Da alle paar Minu­ten ein Micro vor­bei­kommt sind wir schnell im Zen­trum.

Schau hier unser Kurz-Video übers Micro-Fah­ren:

Micro-Fah­ren in Iqui­que

Die­ses Video anse­hen auf You­Tube.

Der Sturm-Tag war der letz­te, der uns mit Son­nen­schein ver­wöhn­te. Danach gibt es nur noch Küs­ten­ne­bel und dicke Wol­ken.

Blick aus unserem Fenster: Lohnt sich das Aufstehen überhaupt? ?

Blick aus unse­rem Fens­ter: Lohnt sich das Auf­ste­hen über­haupt? ?

Zwei Tages­aus­flü­ge füh­ren uns jedoch aufs son­ni­ge Hoch­pla­teau in die Wüs­ten­wär­me. Ein­mal geht es in die Geis­ter­stadt der auf­ge­ge­be­nen Sal­pe­ter­mi­ne Hum­ber­stone.

Ein zwei­ter Aus­flug führt uns nach La Tira­na. Anschei­nend steht unse­re Rei­se ja unter dem Mot­to „Wo wir sind, ist Par­ty”. In La Tira­na fin­det gera­de das wich­tigs­te reli­giö­se Fest Nord­chi­les statt. Der Höhe­punkt ist kom­men­den Sams­tag, aber bereits die gan­ze Woche vor­her fin­den Pro­zes­sio­nen und Tän­ze von bunt kos­tü­mier­ten Grup­pen statt.

Konzentrierte Tänzerinnen

Kon­zen­trier­te Tän­ze­rin­nen

Wie über­all in den Anden haben sich christ­li­che und indi­ge­ne Bräu­che ver­mischt.

Gleich drei Marias am Start. Gibt das ein Wettrennen?

Gleich drei Mari­as am Start. Gibt das ein Wett­ren­nen?

Maskenmann mit eher indigenem Ursprung

Mas­ken­mann mit eher indi­ge­nem Ursprung

La Tira­na ist ein 500-See­len-Dorf, das in der Fest­wo­che von 3000 Gäs­ten besucht wird. Geschäfts­tüch­tig haben die Bus­un­ter­neh­men auch gleich die Fahr­prei­se dort­hin erhöht.

Rund um die Pla­za stel­len sich die ver­schie­de­nen Grup­pen auf und füh­ren ihre Tän­ze vor. Jede hat ihre Musi­kan­ten dabei, das Haupt-Rhyth­mus­in­stru­ment ist die Trom­mel.

Trommler in vollem Einsatz

Tromm­ler in vol­lem Ein­satz

Da die­se oft nur weni­ge Schrit­te von der nächs­ten Grup­pe ent­fernt sind, über­la­gert sich die Musik zu einem Rie­sen­lärm. Die Kos­tü­me sind vom Stil meist indi­gen geprägt, erin­nern von der Mach­art her aller­dings an bil­li­ge Kar­ne­vals­kos­tü­me. Ein­zig zwei Dar­stel­ler mit kunst­vol­len Mas­ken ste­chen her­vor.

Indianische Tanzgruppe

India­ni­sche Tanz­grup­pe

El Diablo!

El Dia­blo!

Hier ist ein Video, das ver­schie­de­ne Tanz­grup­pen in Akti­on zeigt:

Feria La Tira­na

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Nach einer Stun­de dröhnt uns der Kopf von dem Getrom­mel und wir fah­ren wei­ter nach Pica, einem hüb­schen Oasen­ort mit­ten in der Wüs­te.

Haus in Pica

Haus in Pica

Hier wer­den Zitrus­früch­te, vor allem die berühm­ten Pica-Limo­nen ange­baut. In kras­sem Gegen­satz zu den grü­nen Plan­ta­gen steht die her­be Wüs­ten­land­schaft rings­um.

Pica ist auch wegen sei­ner Ther­men bekannt. Als wir aber einen Blick in das Getüm­mel in dem klei­nen Fel­sen­be­cken wer­fen, ver­zich­ten wir auf das Bad. Es ist gera­de Feri­en­zeit in Chi­le und dem­entspre­chen­der Andrang. Nach­dem wir die lebens­gro­ße Plas­tik des letz­ten Abend­mahls in der Dorf­kir­che bewun­dert und eine Pica- Limo­na­de genos­sen haben, fah­ren wir zurück ins wol­ki­ge Iqui­que. 

Sehr anschaulich und lebensgroß

Sehr anschau­lich und lebens­groß

Ins­ge­samt blei­ben wir über eine Woche in der Stadt, schlen­dern durch die bezau­bern­de Alt­stadt, gucken den See­lö­wen beim Fau­len­zen zu, essen gut und güns­tig auf dem Markt und üben unser Spa­nisch beim Abend­essen mit unse­rer Gast­fa­mi­lie.  (G)