Mit dem Bus geht es von Puno aus nach Cus­co. Nach­dem es mir wie­der bes­ser geht, fängt es jetzt bei Mar­cus am, im Bauch zu grum­meln und er legt sich im Hos­tel erst mal ins Bett.

Endlich mal Handtuch-Schwäne! ;-)

End­lich mal Hand­tuch-Schwä­ne! ;-)

Also mache ich mich allei­ne auf zu einer ers­ten Stadt­er­kun­dung.
Ich stel­le schnell fest, dass auch hier wie­der Fies­ta ange­sagt ist. Auf der Pla­za Mayor ste­hen Tri­bü­nen und Absper­run­gen, bunt kos­tü­mier­te Grup­pen musi­zie­ren und tan­zen über die Stra­ßen.

Indigene Trachten

Indi­ge­ne Trach­ten und Tän­ze

Musikanten im Inka-Look

Musi­kan­ten im Inka-Look

Die Madonna wird spazieren getragen

Die Madon­na wird spa­zie­ren getra­gen

Und San Blas darf auch an die frische Luft

Und San Blas darf auch an die fri­sche Luft

Dabei ist von tra­di­tio­nel­len indi­ge­nen Dar­bie­tun­gen bis zu kirch­li­chen Pro­zes­sio­nen alles zu sehen. In weni­gen Tagen ist Inti Ray­mi, das Son­nen­fest der Inkas und Cus­cos größ­tes Fest.

Die Pla­za Mayor, Cus­cos altes und neu­es Zen­trum

Kirche der Jesuiten

Kir­che der Jesui­ten

Die Kathedrale

Die Kathe­dra­le von Cus­co

Die Pla­za Mayor wird von ein­drucks­vol­len kolo­nia­len Bau­ten umrahmt, der rie­si­gen Kathe­dra­le, der nicht weni­ger beein­dru­cken­den Kir­che der Jesui­ten und vie­len Häu­sern mit Arka­den und höl­zer­nen Bal­ko­nen. Der dama­li­ge Erz­bi­schof von Cus­co war not amu­sed, als die Jesui­ten ihre pracht­vol­le Kir­che plan­ten, befürch­te­te er doch, sie kön­ne der Kathe­dra­le die Show steh­len. Nach­dem alles Zan­ken nichts nutz­te, such­te er Unter­stüt­zung beim Papst per­sön­lich. Die bekam er auch, aller­dings waren die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge damals so lang (der Papst hat­te noch kein Whats­app), dass die päpst­li­che Order erst ein­traf, nach­dem die Kir­che schon fer­tig war. So hat Cus­co heu­te zwei pracht­vol­le Kir­chen an der zen­tra­len Pla­za.

Gepflegte Kolonialbauten

Gepfleg­te Kolo­ni­al­bau­ten

Hier erin­nert nichts mehr dar­an, dass die­ser Platz schon vor der Kolo­nia­li­sie­rung der Haupt­platz eines gro­ßen Reichs war, das der Inka. Aber nur weni­ge Meter wei­ter trifft man schon auf die mäch­ti­gen Mau­ern der ehe­ma­li­gen Inka-Pracht­bau­ten. Von den Spa­ni­ern geplün­dert und meist abge­ris­sen, waren die rie­si­gen Stei­ne der Fun­da­men­te zu schwer, um sie ohne viel Mühen zu ent­fer­nen. So wur­den sie als Grund­mau­ern für die neu­en kolo­nia­len Bau­ten – in der Regel Kir­chen – benutzt und sind heu­te noch im Stra­ßen­bild zu bewun­dern.

Inkamauern

Inka­mau­ern

Die Sei­ten der gigan­ti­schen Stei­ne sind so per­fekt bear­bei­tet, dass sie ohne Mör­tel auf­ein­an­der hal­ten und bis heu­te den häu­fi­gen Erd­be­ben in der Regi­on Stand gehal­ten haben.

Das Val­le Sag­ra­do
Auch in der wei­te­ren Umge­bung Cus­cos, dem Val­le Sag­ra­do (Hei­li­ges Tal) gibt es vie­le pracht­vol­le Inka­stät­ten zu bewun­dern. Weil es preis­wert ist und weil die Tou­ragen­tin so gut reden kann, buchen wir einen Tages­aus­flug zu den drei Rui­nen bei Pisac, Ollan­tay­tam­bo und Chin­che­ro. Das mor­gend­li­che Ein­sam­meln beim Hos­tal ver­läuft schon holp­rig, aber schließ­lich sit­zen wir mit etwa zwan­zig ande­ren Tou­ris­ten im Tour­bus.

Unser enga­gier­ter Tour­gui­de ernennt uns zur Grup­pe „Puma”, auch lie­be­voll pumi­tas (Puma­chen) genannt. So wis­sen wir sofort, dass wir gemeint sind, wenn in dem Getüm­mel der Besu­cher­grup­pen der Ruf „Pumas!” erschallt. Viel­leicht soll­te ich an die­ser Stel­le erwäh­nen, dass der Puma den Inkas als hei­li­ges Tier galt und wir uns daher geehrt füh­len dür­fen. Mit der ver­spro­che­nen Bilin­gua­li­tät unse­res Puma-Bän­di­gers ist es aller­dings nicht weit her. Macht ja nix, die Grup­pe besteht über­wie­gend aus spa­nisch­spra­chi­gen Tou­ris­ten und wir sind zum Glück mitt­ler­wei­le so gut drin in der Spra­che, dass wir sei­nen Aus­füh­run­gen fol­gen kön­nen.

Perfektes Mikroklima auf jeder Ebene

Per­fek­tes Mikro­kli­ma auf jeder Ebe­ne

In Pisac sehen wir die gut erhal­te­nen Ter­ras­sen des Agrar­sys­tems der Inka. So konn­ten sie die stei­len Hän­ge der Anden gut nut­zen und ein per­fek­tes Bewäs­se­rungs­sys­tem ein­rich­ten. Hier kul­ti­vier­ten sie Mais, Getrei­de und züch­te­ten 3000 Kar­tof­fel­sor­ten!

Nach den inter­es­san­ten Erläu­te­run­gen unse­res Gui­des bleibt lei­der nur eine hal­be Stun­de Zeit, um den Rest der Anla­ge zu besich­ti­gen. Oben auf dem Berg lie­gen noch Res­te von Gebäu­den. Nur einen ganz kur­zen Blick kön­nen wir dar­auf wer­fen, dann het­zen wir zurück zum Bus. Der bringt uns zu einer Sil­ber­schmie­de, in der uns die hand­werk­lich gefer­tig­ten Schmuck­stü­cke nahe­ge­bracht wer­den.

Ganz oben der Tempel, davor steht der Aufstieg

Ganz oben der Tem­pel, davor steht der Auf­stieg

Die nächs­te Inka­stät­te ist bei Ollan­tay­tam­bo. Stei­le Ter­ras­sen füh­ren bis zu einer Kult­stät­te auf dem Gip­fel. Ein schweiß­trei­ben­der Auf­stieg über gro­be, unre­gel­mä­ßi­ge Trep­pen­stu­fen.

Ganz schön steil!

Ganz schön steil!

Gegen­über erhebt sich ein Berg­gip­fel, in dem man mit etwas Fan­ta­sie wie­der mal das Ant­litz Vira­co­chas, einem der wich­tigs­ten Göt­ter der Inkas, erken­nen kann. Ver­schie­de­ne Bau­ten im Hang dien­ten als luf­ti­ge Spei­cher für Lebens­mit­tel.

Die Speicher sieht man deutlich, das Gesicht weniger

Die Spei­cher sieht man deut­lich, das Gesicht weni­ger

Es ist schon recht spä­ter Nach­mit­tag, als wir zur drit­ten Sta­ti­on auf­bre­chen. Der Weg schraubt sich wie­der in die Höhe, Chin­che­ra liegt auf 3800 Meter Höhe.

Im Hintergrund der schneebedeckte Salkantay

Im Hin­ter­grund der schnee­be­deck­te Sal­kan­tay

Es däm­mert schon, als wir in der küh­len, luf­ti­gen Höhe ankom­men. Warm ein­ge­packt stei­gen wir stei­le Gas­sen mit vie­len Stu­fen hin­auf, bis wir die Inka-Fes­tung errei­chen. Es gibt wie­der Ter­ras­sen, die dar­über lie­gen­den Bau­ten kön­nen wir in der schnell her­ein­bre­chen­den Dun­kel­heit lei­der kaum noch aus­ma­chen. Auch hier spielt wie­der ein Fel­sen in ver­meint­li­cher Puma-Form eine wich­ti­ge Rol­le.

Abendhimmel über den Mauern Chincheras - danach wars zu dunkel zum fotografieren

Abend­him­mel über den Mau­ern Chin­che­ras – danach wars zu dun­kel zum foto­gra­fie­ren

Nach­dem wir den Son­nen­un­ter­gang über den Ber­gen beob­ach­tet haben, wer­den wir zu einer wei­te­ren kunst­hand­werk­li­chen Vor­füh­rung gela­den. Tra­di­tio­nell geklei­de­te Frau­en füh­ren uns die Woll­ver­ar­bei­tung vom Spin­nen übers Fär­ben bis zum Weben vor.

Weben traditioneller Muster

Weben tra­di­tio­nel­ler Mus­ter

Sac­say­wamán

Nach dem Puma-Aus­flug wol­len wir die nächs­te Inka­stät­te doch lie­ber indi­vi­du­ell besich­ti­gen. Weni­ger Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen, mehr selbst ein­ge­teil­te Zeit gefällt uns bes­ser. So machen wir uns auf, die Fes­tung Sac­say­wamán ganz in der Nähe Cus­cos zu besich­ti­gen.

Von der Pla­za Mayor aus soll man zu Fuß dort­hin gelan­gen kön­nen. Wir suchen uns unse­ren Weg durch enge Gäss­chen mit Kopf­stein­pflas­ter.

Kleine Gässchen mit alten Häusern

Klei­ne Gäss­chen mit alten Häu­sern

Es wird sehr schnell sehr steil. Nach 20 Minu­ten errei­chen wir das Ein­gangs­tor. Lei­der ist es das unte­re Tor und wir müs­sen uns noch wei­te­re 20 Minu­ten steil berg­auf quä­len, ehe wir vor den beein­dru­cken­den Zick­zack­mau­ern der Anla­ge ste­hen. Aus rie­si­gen Stein­blö­cken gefer­tigt, deren größ­ter 300 Ton­nen wie­gen soll (wer hat den eigent­lich gewo­gen?) Ach ja, und die Zick­zack­mau­ern sol­len natür­lich die Zäh­ne des Pumas dar­stel­len. Ist ja klar, ne?

Dreifache Befestigungsmauern in Sacsaywamán

Drei­fa­che Befes­ti­gungs­mau­ern in Sac­say­wamán

Ganz schön große Steine

Ganz schön gro­ße Stei­ne

Wir stau­nen über die sur­re­al wir­ken­den Mau­ern, die einer Dis­ney-Fan­ta­sie ent­sprun­gen sein könn­ten. Und wir genie­ßen, dass uns kein Puma-Bän­di­ger von Ort zu Ort und wie­der zurück in den Bus treibt. Wir wan­dern in unse­rem eige­nen Tem­po durch die weit­läu­fi­ge Anla­ge.

Tor mit Treppenaufgang

Tor mit Trep­pen­auf­gang

Kleiner Marcus oder große Steine?

Klei­ner Mar­cus oder gro­ße Stei­ne?

Vom Mira­dor aus kön­nen wir auf das bun­te Trei­ben auf der Pla­za Mayor bli­cken, die Töne der Pfei­fen und Trom­meln drin­gen bis zu uns hin­auf.

Plaza Mayor von oben

Pla­za Mayor von oben

Vor der Fes­tung liegt ein gro­ßer Platz, der schon zu Inka-Zei­ten zere­mo­ni­el­len Zwe­cken dien­te. Hier wird in weni­gen Tagen das gro­ße Inti-Ray­ma-Fest gefei­ert wer­den.

Glatte Felsen sind doch viel schöner, dachten sich die Inka

Glat­te Fel­sen sind doch viel schö­ner, dach­ten sich die Inka

Auf der ande­ren Sei­te des Plat­zes liegt ein fel­si­ger Hügel. Weil sie nichts bes­se­res zu tun hat­ten oder aus ande­ren unbe­kann­ten Grün­den haben die Inka sämt­li­che Fels­hän­ge schön glatt geschlif­fen.

Inka-Rutschbahn?

Inka-Rutsch­bahn?

Wir erklim­men auch die­sen Hügel und las­sen uns oben mit Blick auf die Fes­tung unser Pick­nick schme­cken. Für die Erkun­dung der rest­li­chen Rui­nen, die sich noch hin­ter dem polier­ten Fels­hü­gel aus­deh­nen, fehlt uns letzt­end­lich sowohl Zeit als auch Lust. Zufrie­den mit unse­rem selbst gestal­te­ten Rund­gang machen wir uns auf den Weg zurück in die Stadt. (G)