Wetzlar ist eine Mittelstadt in Hessen. Früher hat sie lange Zeit als Reichsstadt fungiert. So gibt es einiges an Sehenswürdigkeiten zu bewundern.

Auch Goethe hat Wetzlar bekannt gemacht. Er hat hier einige Zeit verbracht, um am Reichskammergericht die Juristerei kennenzulernen. In dieser Zeit hat er sich unglücklich verliebt. Daraus ist der Roman „Die Leiden des jungen Werther“ entstanden.

In neuerer Zeit wurde Wetzlar durch seine Optikindustrie bekannt. Die Ernst-Leitz-GmbH, die Mikroskope und Kameras herstellte, wurde später zu Leica und ist heute noch in Wetzlar vertreten.

Wir zeigen dir in unserem Bericht die 7 schönsten Sehenswürdigkeiten in Wetzlar.

1. Der romanisch-gotische Dom von Wetzlar

Dom in Wetzlar mit zwei verschiedenen Türmen.

Großer gotischer und kleiner romanischer Turm am Wetzlarer Dom.

Der Wetzlarer Dom ist ein Kuriosum. Die ursprüngliche romanische Kathedrale sollte einer prächtigeren gotischen Kirche weichen. Dafür wurde der alte Bau Stück für Stück überbaut, abgerissen und durch die gotischen Teile ersetzt. So ein Großbauprojekt ist nicht erst heutzutage nicht ohne Tücken. Der Bau zog sich mehrere Jahrhunderte hin. Die unterschiedlichen Phasen kann man heute noch gut erkennen, ein Teil der Südfassade wirkt wie aus Flicken verschiedener Steine zusammengesetzt.

Seitenansicht des Wetzlarer Doms.

An der Südseite erkennt man deutlich die verschiedenen Baumaterialien.

Leider wurde die finanzielle Lage der Stadt immer prekärer, irgendwann war man pleite. So sieht man heute neben dem gotischen Südturm das unvollendete Westwerk und dahinter die romanische Fassade und den romanischen Turm.

Interessant finden wir auch, dass der Wetzlarer Dom seit Jahrhunderten als Simultankirche genutzt wird, also sowohl von der protestantischen als auch von der katholischen Gemeinde. Das ist gelebte Toleranz, die offenbar über lange Zeit funktioniert.

Öffnungszeiten des Wetzlarer Doms:

  • April bis September 9 – 19 Uhr,
  • Oktober bis März 9:30 – 16:30

2. Die historische Altstadt

Gasse mit Fachwerkhäusern.

Der Eisenmarkt in der historischen Altstadt.

Vom Dom aus bietet es sich an, die historische Altstadt von Wetzlar zu erkunden. Es gibt einen Historischen Rundweg, der dich an allen wichtigen Punkten vorbeiführt.

Du kannst dich natürlich auch einfach treiben lassen und durch die kleinen Gassen mit den hübschen Fachwerkhäuschen schlendern. Das älteste Fachwerkhaus in Wetzlar findest du in der Gasse Brodschirm. Die Hausnummer 6 bezeichnet das Haus, das aus dem Jahr 1356 stammt.

Fachwerkhaus in Wetzlar.

Das älteste Fachwerkhaus in Wetzlar.

Am Fischmarkt steht das Gebäude, das ehemals das Reichskammergericht beherbergte. Hier sollte Goethe sein juristisches Praktikum absolvieren, wozu er aber offenbar nicht viel Lust verspürte.

Auch der Eisenmarkt in der Altstadt von Wetzlar ist ein hübsches Fotomotiv mit seinen typischen Fachwerkhäusern. Das Haus „Zur Alten Münz“ (Eisenmarkt 9) stammt aus dem Jahr 1599. Die französische Inschrift an der Seite lässt darauf schließen, dass das Gebäude von einem der wallonischen Protestanten erbaut wurde, die als Glaubensflüchtlinge in Wetzlar aufgenommen wurden.

Am Kornmarkt fällt dir sicher das Haus „Zum römischen Kaiser“ auf. Die bunte Statue eines Kaisers an der Front ist nicht zu übersehen. Das Gebäude diente in der Barockzeit als Theater und Gasthaus. Wenn du durch die Passage läufst, die durch das Haus führt, siehst viele bunte Bilder mit witzigen Motiven. Sie zeigen einen Kaiser in modernen und ungewöhnlichen Situationen, zum Beispiel auf dem Motorrad. In vollem Ornat natürlich.

Wandbild vom Kaiser auf Motorrad.

Eine edle Kutte trägt der Kaiser auf diesem Bild.

Es gibt noch viel mehr Gebäude und Orte, die du auf dem Historischen Rundweg bewundern kannst. In der Touristeninfo erhältst du eine Broschüre, die dich entlang des Weges leitet. Du kannst sie dir auch von der Seite der Touristeninfo herunterladen.

Tourist-Information Wetzlar:

  • Adresse: Domplatz 8, 35578 Wetzlar
  • Öffnungszeiten Mai – Sep: Mo – Fr 9 – 18 Uhr, Sa 10 – 14 Uhr, So 11 – 15 Uhr
  • Öffnungszeiten Okt – Apr: Mo – Fr 9 – 17 Uhr, Sa 10 – 12 Uhr

3. Auf Goethes Spuren in Wetzlar: Das Lottehaus

Während seines Aufenthalts in Wetzlar verliebte sich Goethe in Charlotte Buff. Ihr Vater war Verwalter der Deutschordensritter. Von Charlottes Seite aus war die Beziehung zu Goethe rein freundschaftlich, sie war bereits verlobt. Die unglückliche Liebe Goethes verarbeitete er später in seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther“.

Lottehaus in Wetzlar.

Das Lottehaus.

Heute ist im Lottehaus ein Museum untergebracht. Du kannst durch die Räume laufen, durch die einst Lotte und Goethe wandelten. Historisches Mobiliar vermittelt einen Eindruck von der damaligen Zeit. Im Wertherzimmer sind alte Ausgaben des Werther-Romans, unter anderem die Erstausgabe zu bewundern. Mit einem Audioguide, der an der Kasse erhältlich ist erhältst du Informationen zu den Ausstellungsstücken und zum Gebäude.

  • Informationen zum Lottehaus
  • Adresse: Lottestraße 8 – 10, 35578 Wetzlar
  • Öffnungszeiten: Apr – Okt 10 – 17 Uhr, Nov – Mrz 11 – 16 Uhr
  • Eintrittspreis: 3 Euro (gilt auch für Jerusalemhaus)

Im Lottehof findest du zwei weitere Museen: Das Viseum zeigt Technologie zum Anfassen aus der Welt der Optik und Mechanik. Im Stadtmuseum kannst du dich über die Stadtgeschichte informieren.

4. Säuturm

Natürlich war Wetzlar im Mittelalter von einer Stadtmauer mit diversen Türmen und Toren umgeben, wie sich das für eine mittelalterliche Stadt gehörte. Für ihre Instandhaltung waren die Zünfte und die Bürgerschaft verantwortlich. Im 19. Jahrhundert musste die Mauer der sich ausbreitenden Stadt weichen und wurde abgerissen.

runder Turm der alten Stadtmauer.

Der Säuturm, letzter Rest der alten Stadtbefestigung.

An einigen Stellen stehen noch Reste der einstigen Stadtmauer. Der einzige Turm, der erhaltengeblieben ist, ist der Säuturm. Neben ihm war einst eine Pforte, durch die die Schweine auf die Weiden getrieben wurden, daher kommt der Name.

Der Säuturm ist nach innen, zur Stadt hin, offen. Das sparte Baumaterial und Kosten.

5. Die alte Lahnbrücke

Bei deinem Rundgang durch die Altstadt von Wetzlar wirst du sicher irgendwann am Ufer der Lahn landen. Dort befindet sich die alte Lahnbrücke, die seit 700 Jahren den Fluss überspannt. Die Handelsstraße von Köln nach Frankfurt führte hier entlang. Die sieben steinernen Torbögen sind mit Eisbrechern verstärkt, damit die Brücke in strengen Wintern dem Fluss standhalten konnte.

Steinbrücke mit Rundbögen.

Die alte Lahnbrücke war ein wichtiger Handelsweg.

An der Brücke befindet sich heute eine Staustufe. Am gegenüberliegenden Ufer ist für die Kanufahrer ein Steg und eine Rollenbahn, um das Kanu am Wehr vorbei zu bekommen. Wenn du dich an einem schönen Sommertag dort aufhältst, kannst du mit Sicherheit unterhaltsame Szenen beobachten.

6. Der Optik-Parcours in Wetzlar

Genug von Mittelalter und Barock? Dann hat Wetzlar eine Sehenswürdigkeit zu bieten, die du nicht überall findest.

Optische Täuschung: Eine Person wirkt viel kleiner als die andere.

Ist Marcus geschrumpft oder handelt es sich um eine optische Täuschung?

Der Optikparcours führt in fünfzehn Stationen durch die Stadt. An jeder Station kann experimentiert werden. So erlebst du optische Phänomene ganz anschaulich. Du kannst dich zum Beispiel in einem begehbaren Kaleidoskop spiegeln oder ein Stereomikroskop ausprobieren.

Leider waren ein paar Stationen des Optikparcours außer Betrieb, als wir ihn absolviert haben. Aber die restlichen Stationen haben uns viel Spaß gemacht.

7. Nochmal Goethe: Der Goetheweg nach Garbenheim

Nach all dem Rumgelaufe in der Stadt hast du sicher Sehnsucht nach Natur und Grün. Da bietet sich die Wanderung auf Goethes Spuren nach Garbenheim an.

Der Goetheweg beginnt am Lottehaus und führt auf einem 7,5 Kilometer langen Rundkurs über elf Stationen nach Garbenheim und zurück.

Emblem des Goethewegs: Blauer Kopf.

Goethe selbst weist den Weg.

Folge einfach dem Zeichen mit dem blauen Goethekopf. An den Stationen stehen Tafeln mit Zitaten aus dem „Werther“. Goethe ist diesen Weg selbst oft gegangen und lässt Werther in seinem Roman ausgiebig über die Schönheit der Natur schwärmen.

Zunächst geht es über den Domplatz und die Goethestraße durch den Ort. Im Rosengarten soll ein Gedenkstein für Karl Wilhelm Jerusalem stehen. Dies war ein Bekannter Goethes, der sich in Wetzlar das Leben genommen hat. Sein Freitod wurde ebenfalls im „Werther“ verarbeitet.

Weg an großen Bäumen entlang.

Auf dem Goetheweg, im Hintergrund der Bismarckturm.

Dann geht es aus Wetzlar hinaus. Der Weg verläuft entlang Wiesen und Feldern mit herrlichen Ausblicken über Hügel und Tal. Der Bismarckturm stand auch schon zu Goethes Zeiten dort. Allerdings wurde er zwischenzeitlich baulich verändert und erhielt den neuen Namen.

Schließlich geht es hinunter nach Garbenheim, das im Roman den Namen Wahlheim trägt. Am Goetheplatz steht ein Denkmal des Dichters und du hast die Chance, dich neben dem großen Goethe auf die Bank zu lümmeln.

Gina sitzt neben der Goethe-Skulptur auf der Bank.

Jaja, Goethe und ich…

Zurück nach Wetzlar geht es auf einem anderen Weg. Entlang am Waldrand und wieder über Wiesen und Felder gelangst du in die verträumte Ilmenau-Anlage. Unter schattigen Bäumen gehst du entlang eines kleinen Wasserlaufs.

Grüne Wasserfläche im Wald.

In der romantischen Ilmenau-Anlage.

Danach erreichst du wieder den Innenstadt-Bereich und kehrst zum Lottehaus zurück.

Beschreibung der Wanderung auf dem Goetheweg:

  • Broschüre bei der Tourist-Info für 2 Euro.
  • Download auf der Seite der Tourist-Info.

Weitere schöne Städtetouren zu den eher unbekannten Perlen in Deutschland findest du in diesen Berichten: