Perú gilt kuli­na­risch als das Frank­reich Süd­ame­ri­kas: es gibt Ster­ne-Restau­rants, Fusi­on-Küche und vie­les mehr. Um es vor­weg zu neh­men: auf die­sem Niveau haben wir uns nicht bewegt.

Dafür haben wir die boden­stän­di­ge perua­ni­sche Küche ken­nen- und schät­zen gelernt. Wir haben viel in ein­fa­chen, preis­wer­ten Loka­len oder auf Märk­ten geges­sen. Je nach Mög­lich­keit haben wir auch sel­ber gekocht und uns dazu auf den Märk­ten mit fri­schen Lebens­mit­teln ein­ge­deckt. Hier kann man nicht nur Gemü­se und vie­le exo­ti­sche Früch­te erwer­ben, auch alle ande­ren Lebens­mit­tel sind erhält­lich.

Brot Verkäuferin auf dem Markt

Brot-Ver­käu­fe­rin auf dem Markt

Wir haben ger­ne von der Mög­lich­keit Gebrauch gemacht, Nah­rungs­mit­tel wie Reis, Hafer­flo­cken oder Qui­noa lose in der für uns pas­sen­den Men­ge zu kau­fen. Und uns dann eine schö­ne Qui­noa-Gemü­se-Pfan­ne zube­rei­tet.

In der Hostelküche gezaubert: Quinoa-Pfanne mit Ají und Ananas

In der Hos­tel­kü­che gezau­bert: Qui­noa-Pfan­ne mit Ají und Ana­nas

Fleisch und Fisch typisch Perú

Ein typisch perua­ni­sches Gericht ist Meer­schwein­chen. In Super­märk­ten lie­gen sie in der Fleisch­the­ke wie bei uns Hüh­ner und eine ähn­li­che Rol­le spie­len sie auch in der Ernäh­rung. Sie sind unkom­pli­ziert zu hal­ten und pfle­ge­leicht.

Meerschweinchen-Angebot in der Fleischtheke

Meer­schwein­chen-Ange­bot in der Fleisch­the­ke

Natür­lich habe ich Meer­schwein­chen pro­biert. Es ist ein etwas gewöh­nungs­be­dürf­ti­ger Anblick auf dem Tel­ler, mit Kopf und Füß­chen wird es ser­viert. Vom Geschmack her ist ver­gleich­bar mit Hähn­chen, aller­dings ist das Essen eine müh­sa­me Ange­le­gen­heit, vie­le klei­ne Kno­chen und wenig Fleisch.

Nichts für schwache Nerven: Meerschweinchenbraten

Nichts für schwa­che Ner­ven: Meer­schwein­chen­bra­ten

Wei­te­re für uns neue Fleisch­ge­rich­te sind Lama, wel­ches wir schon in Argen­ti­ni­en ken­nen gelernt haben und Alpa­ka. Lama schmeckt wie Rind­fleisch und wie bei die­sem kommt es sehr auf die Qua­li­tät des Fleisch­stücks an. Wir haben es sowohl bil­lig und zäh, als auch etwas teu­rer und but­ter­zart ser­viert bekom­men.

Alpa­ka (das ist der zot­te­li­ge Ver­wand­te des Lamas) hat einen deut­lich kräf­ti­ge­ren Geschmack, so zwi­schen Rind und Wild. Mir hat es gut geschmeckt.

Ein wei­te­res typisch perua­ni­sches Gericht ist Ají de gal­li­na. Das ist klein geschnet­zel­tes Hähn­chen­fleisch in einer schar­fen Soße (Ají ist eine schar­fe Papri­ka­art).

Am Titi­ca­ca­see wird natür­lich auch Fisch geges­sen. Beson­ders beliebt ist die Titi­ca­ca­see-Forel­le, eine Art Regen­bo­gen­fo­rel­le mit leicht röt­li­chem Fleisch. Wir haben sie fang­frisch ser­viert bekom­men, als wir auf den schwim­men­den Inseln der Uros zu Besuch waren.

Frisch aus dem Titicacasee

Frisch aus dem Titi­ca­ca­see

Das perua­ni­sche Fisch­ge­richt schlecht­hin ist Ceviche, mit Zwie­beln und limo­nen­saurer Mari­na­de ein­ge­leg­ter roher Fisch. Da ich nicht so ein Zwie­bel­fan bin, habe ich nur ein­mal kurz pro­biert. Die Perua­ner sind gro­ße Lieb­ha­ber von Ceviche, der sowohl in Restau­rants als auch auf den Märk­ten ange­bo­ten wird und man sieht sie öfters mit einem Plas­tik­töpf­chen „Ceviche to go” in der Hand her­um­lau­fen.

Essen, wo die Locals essen

In ein­fa­chen Loka­len wird oft ein Menü zum klei­nen Preis ange­bo­ten. Wir schau­en, wo vie­le Ein­hei­mi­sche sit­zen, da ist das Essen meis­tens gut. Zum Menü gehört immer eine Sup­pe, ob Creme­sup­pe aus Mais, Kür­bis oder ande­ren Gemü­sen oder eine kräf­ti­ge Rin­der- oder Hüh­ner­brü­he mit reich­lich Gemü­se und Kar­tof­feln, Reis oder Nudeln drin. Ein­mal schwam­men auch noch die aus­ge­koch­ten Hüh­ner­fü­ße in der Sup­pe. Wir haben sie dis­kret zur Sei­te gescho­ben. Die Sup­pen sind immer köst­lich!

Reichhaltige Hühnersuppe

Reich­hal­ti­ge Hüh­ner­sup­pe

Als Haupt­spei­se gibt es in der Regel Rind, Hähn­chen oder Nudeln zur Aus­wahl. Oft ist auch noch ein klei­ner Nach­tisch, z. B. ein paar Schei­ben Bana­nen mit bun­ten, süßem Frucht­jo­ghurt dar­über oder ein Tee, hier Mate genannt im Preis inbe­grif­fen.

Hühnchen mit Kartoffeln, Reis und Gemüse

Hühn­chen mit Kar­tof­feln, Reis und Gemü­se

Auf den Märk­ten wird tra­di­tio­nel­le Haus­manns­kost ange­bo­ten. Dazu gehört Reco­to rel­le­no, gefüll­te schar­fe Papri­ka, köst­lich! Als Bei­la­ge gibt es Kar­tof­fel- oder Nudel­auf­lauf oder mari­nier­te, ein­ge­leg­te Gemü­se (ver­du­ras en esca­be­che).

Inka-Cola und Coca-Tee: Geträn­ke in Perú  

Geträn­ke muss man sich bei den Menüs extra bestel­len. Meist gibt es nur zuck­ri­ge Soft­drinks in der prak­ti­schen 1,5‑Liter-Flasche. Beson­ders beliebt ist Inka-Cola, schmeckt wie auf­ge­lös­te Lut­scher und sieht aus, als könn­te sie im Dun­keln leuch­ten.

Schmeckt so, wie es aussieht

Schmeckt so, wie es aus­sieht

Zum Früh­stück oder auch zum oder nach dem Essen gibt es Kräu­ter­tees, die hier Mate genannt wer­den. Sie haben nichts mit dem argen­ti­ni­schen Mate­tee gemein­sam. Kamil­le, Anis und Coca ste­hen meist zur Aus­wahl. Wäh­rend die ers­te­ren in Deutsch­land eher Asso­zia­tio­nen ans Kran­ken­bett wecken, wer­den sie hier ganz all­täg­lich getrun­ken. Auch Coca-Blät­ter ste­hen als Tee­beu­tel oder getrock­ne­te Blät­ter über­all zur Ver­fü­gung.

Coca-Tee

Coca-Tee

Sie sol­len der Höhen­krank­heit vor­beu­gen. Ob sie wirk­lich hel­fen, weiß ich nicht. Wir haben flei­ßig Coca-Tee getrun­ken, als wir im Hoch­land waren und es ging uns gut. Schwar­zer Tee heißt te und ist fast immer mit Zimt aro­ma­ti­siert.           

Im Früch­te­pa­ra­dies 

Abso­lu­tes High­light für mich waren die fri­schen Säf­te aus exo­ti­schen Früch­ten. Vie­le davon kann­te ich weder dem Namen noch dem Anblick nach.

Früchte am Saftstand

Früch­te am Saft­stand

Sind uns Ana­nas, Man­go und Papa­ya mitt­ler­wei­le auch in Euro­pa halb­wegs geläu­fig, so waren mir Chi­ri­mo­ya, Lúcu­ma, Tum­bas und Gre­na­dil­la bis­her fremd. Ich pro­bier­te so viel wie mög­lich, sowohl als Frucht als auch als Saft, alles war aro­ma­tisch und super lecker.

Köstlich!

Köst­lich!

Für den Saft wer­den die Früch­te im Mixer ent­we­der mit Was­ser, Oran­gen­saft oder Milch gemixt. In Perú ver­steht man unter Milch oft gesüß­te Kon­dens­milch. Das muss man mögen…

Einen erfri­schen­den Frucht­sa­lat, z. B. aus Ana­nas und Melo­ne haben wir uns regel­mä­ßig als Mit­tags­im­biss gegönnt. Dar­über Natur­jo­ghurt, den es Perú end­lich wie­der gab, mmmmh!

Erst schnibbeln, dann genießen

Erst schnib­beln, dann genie­ßen

Für uns skur­ril waren die in Tüten abge­pack­ten Kon­fi­tü­ren, die es in allen Grö­ßen zu kau­fen gibt. Packungs­grö­ßen sind über­haupt sehr varia­bel: von 250-Gramm-Packun­gen Nudeln (sehr prak­tisch für uns!) bis zum 50-Kilo-Sack Reis.

Konfitüre in Tüten

Kon­fi­tü­re in Tüten

Tor­ten und ande­re Süßig­kei­ten kom­men in bun­ten Far­ben daher und sind genau­so kleb­rig-süß wie sie aus­se­hen. Dem brei­ten Ange­bot in den pas­tele­rías nach zu schlie­ßen, sind sie sehr beliebt. Uns hat meis­tens schon das Aus­se­hen abge­schreckt.

Alles so schön bunt hier...

Alles so schön bunt hier…

Wenn wir dann doch mal ein Tört­chen oder ein Stück Kuchen pro­biert haben, konn­te uns das nicht über­zeu­gen. Blät­ter­teig­teil­chen kamen meist sehr tro­cken daher, dafür mit reich­lich Zucker ver­se­hen. In Sachen süßes Gebäck hat ein­deu­tig Argen­ti­ni­en die Nase vorn.

Wei­ter­schlem­men in Chi­le 

Im Gegen­satz zu Perú ist Chi­le nicht für raf­fi­nier­te, fei­ne Küche bekannt. Wenn Chi­le­nen gut essen wol­len, suchen sie oft ein perua­ni­sches Restau­rant auf.

Doch Chi­le hat mehr zu bie­ten als Lomo a lo pob­re (ein Berg Pom­mes, gekrönt von einem gro­ßen gebra­te­nem Fleisch­stück und einem Spie­gelei) oder Com­ple­to (Hot­dog mit reich­lich Ketch­up, Mayo und Gua­ca­mo­le).

Einmal Completo muss sein!

Ein­mal Com­ple­to muss sein!

In den Küs­ten­städ­ten gibt es natür­lich fri­schen Fisch und Mee­res­früch­te. Die kann man preis­wert auf dem Markt oder dem Fisch­markt essen. Für sie­ben bis acht Euro gibt es ein reich­hal­ti­ges Fisch­ge­richt. Ent­we­der wählt man ein gegrill­tes, gebra­te­nes oder frit­tier­tes Fisch­fi­let, eine cro­que­ta (Fri­ka­del­le) oder einen sämi­gen Mee­res­früch­te­ein­topf.

Auf dem Fischmarkt: Albacora vor der Zubereitung

Auf dem Fisch­markt: Alba­co­ra vor der Zube­rei­tung

Wir fut­ter­ten uns durch cro­que­ta de atún (Thun­fisch-Fri­ka­del­le), Filets von Alba­co­ra (ein gro­ßer Fisch mit fes­tem Fleisch, mit dem Schwert­fisch ver­wandt) und Rei­ne­ta  (fei­ne­res, hel­les Fleisch), Pai­la mari­na  (ein Ein­topf aus ver­schie­de­nen Muscheln, Mee­res­früch­ten und Käse)

Paila marina

Pai­la mari­na

und sämi­ge Sup­pen von Locos und Lapas, was immer das für Tie­re sein mögen.

So sehen sie im Museum aus: Loco...

So sehen sie im Muse­um aus: Loco…

... ne Lapa

… und Lapa

Auf den Märk­ten gab es natür­lich auch ande­re Gerich­te, Steak vom Rind, gebra­te­nes Hähn­chen oder Nudeln mit diver­sen Soßen.

Typi­scher­wei­se gibt es immer eine Sup­pe vor­her, wie in Perú. Sup­pen kön­nen sie wirk­lich gut. Zum oder vor dem Essen gibt es Weiß­brot mit peb­re, eine schar­fe Soße aus Ají (schar­fe Papri­ka), Toma­ten, Zwie­beln und Kori­an­der. Sogar Mar­cus hat sich inzwi­schen an den cha­rak­te­ris­ti­schen Geschmack des Kori­an­ders gewöhnt, der in der süd­ame­ri­ka­ni­schen Küche über­all anzu­tref­fen ist.

Filet vom Albacora, rechts oben das Schälchen mit Pebre

Filet vom Alba­co­ra, rechts oben das Schäl­chen mit Peb­re

Eine wei­te­re Spe­zia­li­tät sind Sopai­pil­las. Ein Teig aus klein geschnit­te­nen Kür­bis­stück­chen, Mehl und Öl wird zu run­den Fla­den geformt und in hei­ßem Öl aus­ge­ba­cken. In der süßen Vari­an­te kommt Sirup oder man­jar (das chi­le­ni­sche dul­ce de leche) dar­über. Oder man genießt sie herz­haft mit peb­re oder Gua­ca­mo­le.

Sopaipillas in der süßen Variante

Sopai­pil­las in der süßen Vari­an­te

Schwie­rig bis unmög­lich war es, in chi­le­ni­schen Super­märk­ten rich­ti­gen Oran­gen­saft auf­zu­trei­ben. Dafür sind Frucht­nek­tare sehr ver­brei­tet, mit Was­ser gestreckt und mit einem sehr künst­lich schme­cken­den Süß­stoff ver­se­hen. Auch die tau­send Sor­ten Frucht­jo­ghurt und ande­re Süß­spei­sen sind mit die­sem künst­li­chen Zeug aro­ma­ti­siert. Man bekommt es als Snack im Bus oder zum Hotel­früh­stück vor­ge­setzt. Für uns nahe­zu unge­nieß­bar.

Ganz gespannt seid ihr sicher, was auf der Oster­in­sel typi­scher­wei­se geges­sen wird. Dazu kön­nen wir aus eige­ner Erfah­rung nichts bei­tra­gen. Denn die Prei­se dort errei­chen astro­no­mi­sche Höhen, ein ein­fa­ches Nudel­ge­richt kos­tet das zwei- bis vier­fa­che eines gan­zen Menüs auf dem Fest­land. Das kommt daher, dass so gut wie alles über 4000 Kilo­me­ter impor­tiert wer­den muss. Daher haben wir so vie­le Lebens­mit­tel wie mög­lich aus Chi­le mit­ge­bracht und uns in der Woche auf der Oster­in­sel selbst ver­sorgt.

 

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