Aktualisiert am 17/06/2024 von Gina

Start des Roadtrips um La Reunion

Wir landen wir pünktlich am Roland-Garros-Flughafen in Saint-Denis, um unseren Roadtrip auf La Reunion zu starten.

Der vorbestellte Mietwagen ist ein knuffiger kleiner weißer Peugeot 107, in dem wir unser Reisegepäck nur unterbekommen, indem wir die Rückbank umlegen. Aber für zwei Personen ist das Auto durchaus ausreichend. Die Tatsache, dass gefühlte 90% aller Autos auf Reunion weiße Kleinwagen sind, lässt es hilfreich erscheinen, sich das Nummernschild des eigenen Mietwagens zu merken, um ihn auf Parkplätzen wiederzufinden…

Alle Infos und Tipps, die du für deinen Urlaub auf La Reunion brauchst, findest du in diesem Artikel: La-Reunion-Urlaub: Alles, was du wissen musst

Die Küstenautobahn N1, mit EU-Geldern finanziert, ist eine der teuersten Straßen der Welt. Zwischen Steilküste und Meer, mit beeindruckenden Stahlnetzen gegen den immerwährenden Steinschlag gesichert wälzt sich in diesem Ballungsraum zu Stoßzeiten eine zähe Blechlawine, in die wir uns mangels Alternativen einreihen. So beginnt unser Roadtrip im Stau.

Blaues Meer bis zum Horizont.

Erster Ausblick auf den Ozean auf dem Roadtrip Reunion

Zu unserer Rechten leuchtet tiefblau der Indische Ozean.

Für unseren Roadtrip um La Reunion haben wir uns verschiedenen Unterkünfte gebucht, von denen aus wir die Regionen der Insel erkunden wollen. Wir starten an der Westküste.

In L’Ermitage beziehen wir eine kleine Ferienwohnung. Die Terrasse bietet einen kleinen Sitzplatz. Dort können wir unsere Mahlzeiten einnehmen. Mit Blick auf den Garten mit blühendem Frangipany-Baum und pink leuchtender Bougainvillea, als Hintergrundmusik das stetige Rauschen der Brandung. So lässt es sich aushalten!

Weiße Frangipany-Blüten umgeben von grünen Blättern.

Frangipany-Baum im Garten unserer Unterkunft auf Reunion

Die Westküste Reunions bietet kilometerlange Sandstrände. Sie sind im Bereich von Saint-Gilles bis La Saline durch ein vorgelagertes Korallenriff vor der Brandung geschützt.

Insgesamt ist Reunion jedoch keine Insel für den idealen Badeurlaub. Die Strömungen des wilden Indischen Ozeans sind tückisch. Darüber hinaus gab es überdurchschnittlich viele Angriffe von Haien auf Schwimmer oder Surfer. Daher war bei vielen Traumstränden das Baden und Surfen verboten. Inzwischen wurden einige Strände durch Netze vor Haien geschützt und wieder freigegeben.

Gina zeigt auf ein Schild, das vor Haien im Meer warnt.

Achtung, Haialarm!

Nur in der Lagune hinter dem Riff soll gefahrloses Baden möglich sein. Dennoch haben wir uns für den Start unseres Roadtrips die Westküste ausgesucht, zum Relaxen und Runterkommen. Das sonnige und warme Wetter tut seinen Teil dazu.

Wanderung Ravine Saint-Gilles

Den ersten Tag lassen wir ruhig angehen. Es ist Sonntag, daher tummelt sich die gesamte Bevölkerung Reunions am Strand, so dass ein Strandbesuch keine Alternative ist. Also brechen wir auf zu einer kleinen Wanderung entlang der Ravine Saint-Gilles auf, ganz in unserer Nähe.

Die Wanderung führt entlang der Wasserkanäle, die vor langer Zeit angelegt wurden. Damit wurde das Frischwasser der Ravine Saint-Gilles in die Zivilisation geleitet.

Wir balancieren über den Rand des Kanals, passieren mehrere Felstunnel, durch die der Kanal führt. Das Ziel der Wanderung ist das Bassin des Aigrettes. Ein kleines Badebecken, in das ein malerischer Wasserfall hinabstürzt.

Wasserfall an einer dunklen Felswand auf Reunion.

Ziel der Wanderung: der Wasserfall

Musée de Villele

Auf dem Rückweg bleibt noch genügend Zeit für ein bisschen Kultur und wir besuchen das Musèe de Villele, das in einem alten Herrenhaus einer Zuckerbaronfamilie untergebracht ist.

Altes Herrenhaus mit Veranda und Terrasse.

So nobel lebte die Zuckerbaronfamilie

Im Herrenhaus bekommen wir von einem sehr engagierten Mitarbeiter eine interessante Führung. Wir erfahren viel über das Leben bei Zuckerbarons und auch über das ihrer Bediensteten. Ein Rundgang durch den Garten schließt das Erlebnis ab. Von der ehemaligen Zuckerfabrik sind leider nur noch ein paar Ruinen übrig, die nur einen groben Eindruck ermöglichen.

Montag ist Strandtag

Der nächste Tag ist Montag, da sollte der Strand uns gehören.

Draußen am Riff brechen sich vier bis fünf Meter hohe Wellen, ein eindrucksvolles Spektakel. Der Wind verweht die Gischt zu langen Schleiern. Innerhalb der Lagune ist es relativ ruhig und das Wasser hat eine sehr angenehme Temperatur.

Meer mit Brandungswellen am Riff.

Westküste

So verbringen wir einige Stunden mitlesen, dösen und baden. Letzteres nur in maximal hüfthohen Wasser, denn die Haie haben zwar offiziell Zugangsverbot innerhalb der Lagune, aber weiß man, ob sie sich dranhalten?!

Wanderung zum Cap Noir am Cirque de Mafate

An unserem letzten Tag in L’Ermitage ist wieder Wandern angesagt. Wir wollen eine Tour machen, von der man in den Cirque de Mafate reingucken kann. Der Cirque de Mafate ist einer der drei großen Talkessel auf La Reunion, die aus einstürzenden Magmakammern des Vulkans entstanden. Mit dem Auto ist der Cirque de Mafate nicht erreichbar.

Da im Laufe des Tages in den Bergen meist Wolken aufziehen, heißt es früh aufstehen. Um halb sieben fahren wir schon los. Anderthalb  Stunden später erreichen wir den Wanderparkplatz bei Dos d’Ane am Ende einer perfekt asphaltierten Bergstraße. Nach 15 Minuten wandern sind wir am Aussichtspunkt Cap Noir und packen unser Frühstück aus, dass wir mit einem atemberaubenden Blick in den Cirque de Mafate genießen.

Blick auf schroffe Felsgipfel im Cirque de Mafate.

Was für ein Ausblick!

Immer wieder brummen Hubschrauber vorbei. Wir spähen in den Himmel und können sie nicht ausmachen. Es dauert eine Weile, bis wir feststellen, dass sie UNTER uns im Tal entlang fliegen.

Der Talkessel wird von steilen schroffen Bergen gebildet, die übrigens meist nach entflohenen Sklaven benannt sind. Die haben sich früher nämlich gerne in diese schwer zugänglichen Regionen geflüchtet, aus nachvollziehbaren Gründen.

Gestärkt machen wir uns auf den weiteren Rundweg, der stellenweise recht spannend ist. Auf einer Seite des schmalen Pfads geht es meist sehr steil nach unten. An einigen Stellen müssen wir über Eisenleitern klettern. Andere Stellen sind mit Stahlseilen gesichert, wenn sich uns auch nicht erschließt nach welchen Kriterien. Ein paar Passagen hätten die Seilsicherung nötiger gehabt. Vielleicht haben sich da die Arbeiter nicht hin getraut…

Gina klettert eine Leiter am Fels hoch.

Einige spannende Kletterpassagen erwarten uns auf der Wanderung

Es gibt immer wieder tolle Aussichten zu gucken. So brauchen wir für die Runde statt der im Wanderführer veranschlagten anderthalb Stunden fast drei Stunden. Als wir zurückkommen, ist der Parkplatz voll mit Autos und die Wolken ziehen in die Täler.

Der Seefahrer-Friedhof bei Saint-Paul

Wir fahren runter zur Küste nach Saint-Paul. Dort besichtigen wir den alten Friedhof Cimetière Marin direkt am Meer, auf dem Seehelden, Dichter, wichtige Leute von früher und ein Pirat bestattet sind. Das mit dem Piraten ist aber wahrscheinlich Unfug. Der wurde nämlich schon 50 Jahre bevor der Friedhof eröffnet wurde enthauptet und es war gute alte Sitte, dass sündige Piraten überhaupt nicht bestattet wurden. Aber hier bringt alle paar Jahre mal ein Zyklon alles durcheinander, zum Beispiel auch Grabsteine und da kann es beim Aufräumen ja mal zu Missverständnissen kommen…

Eingangstor zum Seefahrer-Friedhof.

Der Seefahrer-Friedhof auf La Reunion ist ein skurriler Ort

Nach so viel Rumlaufen gönnen wir uns in Boucan Canot an der Strandpromenade ein kühles Getränk und gucken den Brandungswellen zu, die hier direkt am Strand landen. Hier ist einer der schönsten Strände der Insel, der aber wegen der Haiattacken zum Zeitpunkt unseres Besuchs für alle Wassersportaktivitäten gesperrt ist. Mittlerweile schützt ein 680 Meter langes Hai-Netz die Wassersportler und es kann wieder unbeschwert gebadet werden.

Roadtrip zum Cirque de Cilaos

Der Cirque de Cilaos auf La Reunion.

Aussicht auf den Cirque de Cilaos

Der Cirque de Cilaos, einer der drei großen Talkessel auf der Insel. Er ist das nächste Ziel unseres Roadtrips auf La Reunion. Wie die anderen Kessel entstand auch der Cirque de Cilaos aus zusammengebrochenen Magmakammern des erloschenen Vulkans.

Entlang der Küstenstraße Richtung Süden

Von der Westküste aus geht es Richtung Süden. Da wir genug Zeit haben, nehmen wir für unsere Weiterreise statt der landeinwärts verlaufenden Autobahn die Küstenstraße. Es geht durch einige beschauliche Badeorte mit schönen Stränden. Dann wandelt sich langsam das Bild. Die Küste besteht aus schwarzem, schroffen Lavagestein, an dem sich eine gewaltige, weiß schäumende Brandung bricht. An manchen Stellen bilden sich sogenannte Souffleurs: das Wasser drückt unter die Felsen bis zu einem Loch, durch das es in gewaltigen Fontänen senkrecht nach oben gepresst wird.

Meerwasser schäumt in schmaler Felsspalte.

Le Gouffre

An einer solchen wildromantischen Stelle der Küste finden wir einen Picknickplatz, an dem wir unsere Mittagsrast einlegen. Hier befindet sich Le Gouffre, ein Felsbecken im schwarzen Gestein. Durch einen schmalen Kanal zum Meer hin wird die tosende Brandung hier herein gedrückt. Die Wassermassen explodieren geradezu an den Felswänden. Uns läuft ein Schauer über den Rücken, als wir ringsum Kreuze und Gedenksteine entdecken, die für diejenigen, die hier den Freitod gesucht haben aufgestellt wurden. Wie groß muss die Verzweiflung sein, um in ein solches Höllenloch zu springen?

Gedenkkreuze in der Landschaft.

Die vielen Gedenkkreuze bezeugen tragische Schicksale

L’Entre-Deux, das schönste Dorf auf La Reunion

Der nächste Stopp auf unserem Roadtrip ist L’Entre-Deux, was das schönste kreolische Dorf auf La Reunion sein soll.

Auf einem Hochplateau zwischen zwei tiefen Schluchten gelegen und dadurch lange Zeit recht abgeschieden hat sich hier viel Ursprünglichkeit erhalten.

Haus mit Holzschindelwänden und kleinen Vordächern.

Typisch kreolisches Haus auf La Reunion

Die kreolischen Häuser sind aus bunt angestrichenem Holz gebaut oder mit Holzschindelwänden versehen. Sie punkten mit typischen Dekorelementen und Schnitzereien, wie durchbrochene Schutzblenden an den Dachkanten, die wie Spitzenborten wirken.

Wir machen einen Rundgang durch den Ort und bewundern verschiedene Häuser. Als krönenden Abschluss gibt es in einer Patisserie Kaffee und feinste Törtchen – wir sind ja in Frankreich!

Über 420 Kehren zum Cirque de Cilaos

So gestärkt nehmen wir die Bergstraße zum Cirque de Cilaos in Angriff. Sie soll 420 Kehren haben.

Nach anderthalb Stunden Fahrzeit über die kurvenreiche Straße erreichen wir unser Chambre d’hôtes. Als wir die Autotüren öffnen schauern wir in der kühlen Höhenluft. Hier auf 1100 Meter Höhe herrschen andere Temperaturen als unten an der Küste und wir beeilen uns, unsere kurzen Klamotten gegen etwas Wärmeres zu tauschen.

Eine erste Runde durch den Ort Cilaos ist etwas ernüchternd: im Reiseführer als “schmucker Thermalkurort” beschrieben, hat es seine besten Zeiten ganz offensichtlich hinter sich. Viele Gebäude wirken schäbig. Dem Denkmal des Sänftenträgers vor dem Rathaus fehlt ein Arm, das Hotel des Thermes hat seine Türen schon vor langer Zeit geschlossen. Das Angebot in den kleinen Supermärkten ist begrenzt, die Waren teilweise staubbedeckt.

Begegnung mit der Seidenspinne

Und dann sehen wie SIE: in drei bis vier Meter Höhe hängen mehrere Seidenspinnen, die dort zwischen zwei Bäumen ihre Netze gesponnen haben. Die Spinnen sind groß. Sehr groß. Wir hatten bereits darüber gelesen, dass es sie auf La Reunion in großer Anzahl geben soll.

Sehr große schwarze Spinne.

Die Seidenspinne sieht gruselig aus, tut aber nix

In den Badeorten des Westens hatten wir aber noch keine zu sehen bekommen. Hier oben in den Bergen sieht man sie nahezu überall. Zum Glück sind sie harmlos, außer Touristen zu erschrecken tun sie nix.

Wanderung im Cirque de Cilaos

Am nächsten Morgen bietet sich uns beim Blick aus dem Fenster ein fantastisches Panorama über La Reunion.

Im Office de Tourisme lassen wir uns Tourenvorschläge machen und brechen auf zur Wanderung zum Roche Marveilleuse, von wo aus man eine grandiose Aussicht über den gesamten Cirque de Cilaos haben soll.

Die Sonne heizt die kühle Morgenluft bald auf angenehme Temperaturen. Unser Weg führt durch den Wald aufwärts auf gut begehbarem Pfad. Zuerst halten wir noch etwas angespannt Ausschau, ob wir nicht unversehens im Netz einer Seidenspinne landen, das diese vielleicht quer über den Weg gespannt hat. Doch anscheinend sind die Spinnen so schlau, dass sie ihre Netze lieber in größeren Höhen anbringen, wo sie nicht von unachtsamen Wanderern zerstört werden.

Am Roche Marveilleuse auf etwa 1400 Meter angekommen steigen wir auf die Aussichtsplattform und sehen den Cirque de Cilaos in seiner ganzen Ausdehnung. Entstanden aus einem ehemaligen Magmabecken eines alten Vulkans hat er eine nahezu kreisrunde Form. Im Norden erhebt sich der Piton des Neiges, der höchste Berg der Insel. Im Süden öffnet sich der Talkessel zu der Schlucht, durch die uns die Straße geführt hat.

Der Ort Cilaos im Talkessel.

Blick auf Cilaos

Ein botanischer Lehrpfad kann von hier noch begangen werden. Wir machen die anderthalbstündige Runde durch einen verwunschen wirkenden Wald. Dazwischen immer wieder große Felsen, die mit Moos und Flechten bewachsen sind.

Ein kleiner Abstecher führt uns auf dem Rückweg zum Bassin bleu, ein Wasserbecken in einem Gebirgsbach. Große, vom Wasser glatt geschliffene Granitplatten, die jetzt trocken liegen und die Sonnenwärme gespeichert haben laden noch mal zu einer Runde Faulenzen ein.

Kreolische Küche

Heute Abend haben wir das Table d’hôtes bestellt. Zum ersten Mal lernen wir die lokale kreolische Küche kennen.

Es gibt Chouchougratin, der ähnlich wie Blumenkohl schmeckt. Chouchou ist ein typisches Gemüse auf La Reunion. Wir haben die hellgrünen Knollen schon oft im Supermarkt gesehen.

Nach dem Gratin wird der Hauptgang serviert: Reis, grüne kleine Linsen, eine Spezialität aus Cilaos und dazu Carri de boeuf.

Carri ist das Nationalgericht, das aus gebratenen Fleisch- oder auch Fischstücken in einer Sauce aus klein geschnittenen Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen besteht. Sehr lecker, nur die begleitenden Würzsoßen Rougail und Piment sollte man nur in homöopathischen Dosen nehmen, denn sie sind sehr, sehr scharf.

Wanderung zum Wasserfall Cascades de Bras Rouge

Als wir am Morgen das Fenster öffnen, sehen wir ringsum schon Wolken. Die Gipfel sind in einen dicken weißen Wattemantel gehüllt.

Da der Spaß am Gipfelerklimmen ja zu einem großen Teil darin besteht, die Aussicht von oben genießen zu können, fällt damit der Aufstieg zum Col Taibit aus. Als Alternative wählen wir die Wanderung zu dem Wasserfall Cascades de Bras Rouge. Da bleiben wir in einer Höhe, in der wir nicht durch Wolkennebel wandern müssen.

Von Cilaos aus geht es abwärts in einen Bereich, der mit “Anciennes Thermes” ausgeschildert ist. Von den alten Thermen ist allerdings nicht mehr viel zu erkennen, so dass wir uns nicht mit Sightseeing aufhalten brauchen. Nur die riesigen Gruselspinnen zwischen den Zweigen neben den Weg ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich.

Es geht über viele Stufen abwärts. Unten im Tal rauscht ein Wildbach, ringsum ist tropische Vegetation. Wandelröschen wachsen hier zu großen Hecken heran. Weiter oben haben wir in den Gärten riesige Büsche von Weihnachtsternen gesehen. Eine Spezies, die ich bislang nur als Topfpflanze kannte, die bei mir maximal sechs Wochen überlebte.

Gina steht vor einem großen Strauch des Weihnachtssterns.

So groß kann der Weihnachsstern auf La Reunion werden!

Schließlich erreichen wir einen kleinen Bachlauf, der in zwei Kaskaden herunterfällt. Wir queren über einige Steine das Bachbett und folgen dem Pfad auf der anderen Seite. Das Rauschen des Wassers wird lauter und nach weiteren zehn Minuten stehen wir an den Cascades de Bras Rouge.

Gina steht auf einem Felsplateau, das vor ihr steil abfällt.

Da vorne geht es sehr tief runter…

Oberhalb zeigt sich ein weitgehend trockenes Flussbett aus einem Gewirr von großen Felsbrocken. Direkt vor uns liegen rund- und glatt gewaschene Felsplatten, die von der Gewalt des Wassers zeugen, das hier nach Regenfällen durchfließt. Zwei kleine Rinnsale mit Wasser sind im Moment zu sehen und erst auf den zweiten Blick erkennen wir, dass diese plötzlich verschwinden – wir stehen an der oberen Kante eines gewaltigen Wasserfalls, dessen immense Höhe wir von hier aus gar nicht ermessen können. Die rund geschliffenen Felskanten lassen eine Annäherung an die Abrisskante nicht zu und so können wir nur erahnen, wie tief es hinuntergeht.

Die Küstenstadt St. Pierre

Wir verlassen den Cirque de Cilaos und fahren über die unzähligen Kehren hinunter zur Küste. Als Zwischenziel auf unserem Roadtrip haben wir uns St. Pierre ausgeguckt, eine quirlige Küstenstadt.
Hier besichtigen wir kurz nacheinander eine Moschee und eine Pagode.

Gebetsraum der Moschee.

Gebetsraum der Moschee

In der Moschee geht es sehr entspannt zu. Wir lugen erst vorsichtig in den Eingang, da wir uns nicht sicher sind, ob wir sie besichtigen dürfen. Da winkt uns schon ein freundlicher Mann herein.

Ein Hindutempel wäre auch noch zu besichtigen gewesen, war aber wegen Bauarbeiten geschlossen. Es gibt auf jeden Fall eine große Vielfalt an Religionen hier auf La Reunion, die offensichtlich friedlich nebeneinander existieren.

Wanderung auf dem Vulkan Piton de la Fournaise

Marcus sitzt auf dem Lavagestein des Vulkans auf La Reunion.

Auf dem Vulkan Piton de la Fournaise

Unser Roadtrip über La Reunion führt uns vom Cirque de Cilaos Richtung Vulkan. Der Piton de la Fournaise ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Freundlicherweise schickt er seine Lavaströme auf einer breiten Bahn Richtung Meer, so dass keine menschlichen Siedlungen gefährdet werden.

Ankunft in Plaine des Cafres

Nachmittags treffen wir in unserem Chambre d’hôtes in Plaine des Cafres ein. Dort herrscht schon viel Trubel, denn abends steht die Tauffeier für die Enkelin unserer Gastgeber an. Viele Familienmitglieder treffen sich im Haus unserer Gastgeber, um von hier aus gemeinsam zum Ort der Feier aufzubrechen.

Dabei können wir mal wieder beobachten, wie bunt die Großfamilien auf La Reunion zusammengesetzt sind. Es finden sich oft alle Hautfarben vom dunkelsten Braun bis zu Weiß und alle Nuancen dazwischen. Ein Indiz, dass die Gesellschaft, die aus weißen Kolonialisten, schwarzen Sklaven, tamilischen und indischen Arbeitern bestand, ohne Ressentiments zusammengewachsen ist.

Die Attraktion schlechthin in dieser Gegend ist natürlich der Vulkan. Man kann den Vulkan in Zeiten seiner Inaktivität besteigen, sollte dazu aber früh aufstehen, denn ab mittags kann das Wetter unbeständig werden und für Wanderer gefährliche Nebel aufziehen.

Damit kommt eine Vulkanwanderung heute schon mal nicht in Frage. Erstens sind wir nicht früh aufgestanden und zweitens wollen wir uns erst informieren. Wir wissen noch nicht, ob wir uns diese Tour überhaupt zutrauen.

Mit dem Auto über die Route des Volcans

Wir befahren die Route des Volcans daher rein autotouristisch. Wie sich das für einen Roadtrip auf La Reunion gehört.

Bei dieser Strecke fährt man von einem landschaftlichen Highlight zum nächsten und folgt dem “Weg” des Vulkans. Als Hotspotvulkan bleibt er zwar eigentlich an Ort und Stelle. Durch die Drift der Kontinentalplatten verändert sich aber sein Austrittsort an der Erdoberfläche. Unser Vulkan hier hat schon eine Reihe von alten Kratern hinterlassen, die entlang der Route des Volcans zu besichtigen sind.

Wir fahren zunächst durch eine Landschaft, die an europäische Gebirge erinnert: Kuhweiden, dann Nadelwald. Immer höher schraubt sich die Straße und auf 2136 m Höhe erreichen wir den Aussichtspunkt Nez de Boeuf. Von hier aus haben wir einen phantastischen Blick in die Schlucht Rivière des Remparts, die älteste Caldera des Piton de la Fournaise. Entstanden ist sie durch den Zusammenbruch der Magmakammern. 1000 Meter tief unter uns liegt der Boden der Schlucht, steil ragen die seitlichen Wände empor.

Tiefe Schlucht mit steilen Wänden.

Rivière des Remparts

Schräg gegenüber in der Kante der Schluchtwand können wir das nächste Ziel erkennen, den Krater Commerson. Dort ist unser nächster Stopp. Von einer Plattform aus kann man bis zum Boden des Kraters blicken.

Weiter geht der Roadtrip durch eine immer spärlichere Vegetation aus halbverdorrten Heidebüschen. Wir fahren bis zum Pas de Sables. Vom Parkplatz aus klettern wir ein kleines Stück den Hügel hoch und halten den Atem an, als wir die Plaine des Sables erblicken.

Schotterstraße führt über eine Ebene.

Die Straße durch die Mondlandschaft

Eine weite Ebene aus rotem Sand und verstreuten Felsbrocken, unwirklich wie eine Mondlandschaft. Kein Baum, kein Strauch, kein Pflänzchen ist zu sehen. Dies war vor langer Zeit der zweite Gipfel des Piton de la Fournaise, der mehrmals in sich zusammenbrach.

Fünf scharfe Kehren – natürlich ohne irgendwelche Absicherung in Form von Leitplanken oder Mäuerchen – bringen uns vom Kraterrand auf die 80 m tiefer gelegene Ebene. Hier endet der Straßenbelag. Auf staubiger Schotterpiste geht es weiter. Kleinere und größere Vulkankegel ragen aus der Ebene heraus. Fünf Kilometer weiter erreichen wir den Pas de Bellecombe und damit das Ende der Route. Für die 23 Kilometer lange Strecke haben wir zwei Stunden gebraucht.

Atemberaubende Aussicht auf die Vulkanlandschaft

Blick auf den Vulkan Piton de la Fournaise.

Der Vulkan Piton de la Fournaise

Von der Aussichtsbalustrade aus haben wir direkten Blick auf den Piton de la Fournaise. Majestätisch erhebt er sich in der jüngsten Caldera (4700 Jahre sind bei Vulkanen jung!), der Enclos Fouqué, die eine zum Meer hin offene Hufeisenform hat.

So können die Lavaströme über den Hang Grand Brûlé zum Ozean abfließen. Wir stehen und bestaunen die surreal wirkende Landschaft.

Ebene, über den Rand schieben sich Wolken.

Da hinten geht’s runter Richtung Meer.

Die Grand Brûlé ist mit Wolken bedeckt, die mit Nebelschwaden an der Enclos lecken, aber nicht weiter heraufziehen. Obwohl schon Mittag ist und nach einhelliger Meinung von Reise- und Wanderführer schon alles wolkenbedeckt sein müsste. Stattdessen strahlender Sonnenschein und blauer Himmel.

Wenn wir uns umdrehen, sehen wir im Norden in der Ferne den großen Bruder des Piton de la Fournaise aufragen, den inzwischen erloschenen Vulkan Piton des Neiges.

Hinter dem Bergrücken erhebt sich in der Ferne der abgerundete Gipfel des Pitons des Neiges.

Der Piton des Neiges, höchster Berg auf La Reunion

Wir treten den Rückweg an und bald hängen die Wolken links und rechts in den Hängen neben uns. Kurz darauf tauchen wir in die Wolken ein, es wird feucht und neblig, die Landschaft wird zu gespenstischen Bildern von verschwommenen Büschen und Bäumen.

Wanderung auf den Piton de la Fournaise

Wir sind nicht die passionierten Frühaufsteher. So muss sieben Uhr als Frühstückszeit reichen. Da gestern so lange schönes Wetter auf dem Vulkan war, hoffen wir heute auch darauf.

Die Route des Volcans wird diesmal zügig durchfahren und um neun Uhr sind wir auf dem Pas de Bellecombe.

Gina zeigt auf den Gipfel des Vulkans.

Da wollen wir hin!

Die Wanderung beginnt mit dem Abstieg vom gut 100 Meter hohen Kraterrand in die Lavaebene der Enclos Fouqué. Über grobe Stufen, stets mit einem Geländer gesichert, geht es hinunter.

Der Weg ist mit weißen Punkten markiert, die alle zwei Meter auf die Lava angebracht wurden. Es geht über die Ebene, die gar nicht eben ist. Die erstarrte Lava bildet Wellen, Blasen, Löcher, Stricke, Brocken, Risse – wir müssen bei jedem Schritt darauf achten, wo wir hintreten.

Erstarrte Lava, die wie Bündel von Stricken aussieht.

Das ist Stricklava

Bizarr geformte Lava.

Sieht aus wie eine Landschaft aus Krieg der Sterne

Langsam beginnt der eigentliche Aufstieg auf den Piton de la Fournaise. Wir passieren eine Lavagrotte, die Chapelle de Rosemont.

Nach einiger Zeit erreichen wir den schwarzen Lavastrom des jüngsten Ausbruchs von 2007. Ein Warnschild informiert uns, dass der Bereich instabil ist. Man soll nur auf dem markierten Pfad gehen.

Dadurch, dass die Lava zuerst an der Oberfläche erstarrt, darunter aber noch weiter fließt können sich Hohlräume bilden, die irgendwann einstürzen.

Loch im Lavaboden.

Hier ist die Lava eingestürzt

Jetzt sehen wir, dass von der Grand Brûlé Wolken aufziehen, die erste Fetzen in die Enclos schieben. Nebel hier oben kann sehr gefährlich werden. Wenn man erstmal vom Weg abgekommen ist, hat man in dieser Steinwüste keinerlei Orientierungspunkte mehr.

Nach drei Stunden haben wir unser Ziel erreicht: den Krater Dolomieu, der Hauptkrater des Piton de la Fournaise. Fast 400 Meter tief, man könnte den Eiffelturm komplett hineinstellen.

Gina steht am Wegweiser zum Gipfel des Piton de la Fournaise.

Der Gipfel ist erreicht!

Krater des Vulkans Piton de la Fournaise.

Krater Dolomieu, heute ganz friedlich

Lange hält es uns nicht hier oben, denn es wartet ja noch der Rückweg.

Schließlich ist es geschafft und voller Stolz blicken wir zurück zu “unserem” Vulkan. Es ist vier Uhr, als wir zum Auto zurückkommen. Wir waren einschließlich Pausen sieben Stunden unterwegs. Dementsprechend erschöpft fühlen wir uns auch. Erschöpft und glücklich.

Als wir hinunterfahren, sehen wir, dass sich die umliegenden Täler wieder mit Wolken gefüllt haben. Ein weiteres surreales Bild bietet sich uns: ein blendend weißes Wolkenmeer, aus dem die Gipfel des Piton des Neiges und weiterer Berge wie Inseln hervorragen.

Berggipfel durchstoßen die Wolkendecke.

Der Piton des Neiges als Insel im Wolkenmeer

Der wilde Süden von La Réunion

La Reunion Südküste mit Lavaklippen.

Rau und wild – die Südküste von La Réunion

Nach den Strapazen des gestrigen Tages bei unserer Besteigung des Vullkans lassen wir es heute entspannt angehen. Wir fahren mit unserem Mietwagen über Plaine des Palmistes zur Ostküste nach St. Benoit, von dort aus die Küstenstraße entlang durch den südlichen Teil Reunions.
Die Vegetation ist üppig. Dicht bewachsene Hänge in verschiedenen Grünschattierungen, darunter die skurrilen Baumfarne, ein richtiger Urwald.

Wald mit großen Baumfarnen.

Forêt Bébour-Bélouve

In St. Benoit angekommen, setzen wir uns im Schatten der Vacoapalmen ans Meer und gucken der Brandung zu. Das Wetter ist hier strahlend sonnig, ganz im Gegensatz zu den grauen Wolken über Plaine des Cafres heute Morgen.

Weiter geht es nach Saint Anne, ein unscheinbares Dorf, dessen einzige Attraktion die Kirche ist, die in einem extravaganten überbordenden Dekor gestaltet wurde. So durfte sie auch einmal als Kulisse in einem Truffaut-Film mitwirken.

Helle Kirche mit hohem Turm und viel Dekor.

Zuckerguss-Dekorkirche St. Anne

In Piton de Sainte Rose gibt es eine weitere Kirche zu besichtigen. Hier ist es allerdings nicht die architektonische Gestaltung, die das Besondere ausmacht, sondern die Tatsache, dass der Lavastrom, der 1977 das Dorf dem Erdboden gleichmachte, die Kirche verschonte. Alte Fotos zeigen, wie die Lava rechts und links vorbeifloss und eine kleine Zunge durch die Kirchentür steckte.

Was man hier an der Ostküste gesehen haben muss, ist Grand Brûlé, das riesige Lavafeld, über das der Vulkan ins Meer abfließt. Es gibt verschiedene Lavaströme der verschiedenen Ausbrüche, dazwischen immer noch grünen Wald. Erstaunlich finden wir, wie schnell sich wieder Leben auf dem toten Gestein ansiedelt.

Lavafeld vom Vulkan bis zum Meer.

Le Grand Brûlé

Ein weiteres Must-see ist der südlichste Punkt Reunions, das Cap Mechant. Wegen der tückischen Strömungen und der scharfkantigen Lavafelsen war es bei Seeleuten gefürchtet und erhielt deshalb den Namen, der übersetzt “bösartiges Kap” lautet.
Die Wellen donnern unablässig gegen die Felsen und explodieren in riesigen Gischtwolken, die bis weit aufs Ufer sprühen. Man hat den Eindruck, der Boden zittert unter den Füßen, wenn das Meer sich gegen die Küste wirft.

Heller Sandstrand mit blauem Meer und Brandung.

Einer der schönsten Strände auf La Réunion

Ausklingen lassen wir diesen Tag unseres Roadtrips an einem der schönsten Strände Reunions, der Grande Anse. Unter hohen Palmen und mit dem Rauschen der Brandung im Ohr räkeln wir uns in den letzten Nachmittags-Sonnenstrahlen.

Der letzte Teil unseres Roadtrips über La Reunion führt uns an die Ostküste und in den Cirque de Salazie, wo nochmals den riesigen Seidenspinnen begegnen.

Den Bericht darüber findest du hier: Cirque de Salazie – Wasserfälle und Riesenspinnen