Unser nächstes Ziel ist der Cirque de SalazieDer Cirque de Salazie ist einer der drei großen Talkessel auf La Reunion, die aus zusammengestürzten Magmakammern der alten Vulkane entstanden. Eine schroffe, lange Zeit sehr abgelegene Bergwelt erwartet uns dort. Ein anderer der drei Talkessel ist der Cirque de Cilaos, den wir schon besucht haben.

Der letzte Urwald auf La Reunion

Der Cirque de Salazie hat den Ruf, ein Regenloch zu sein. Daher wollen wir auf dem Weg noch möglichst viel Sonne ausnutzen. Unser erstes Ziel ist der Forêt de Bébour und Bélouve, das letzte Stück naturbelassener Urwald auf La Reunion.

Die asphaltierte Forststraße führt zunächst durch Cryptomeriawald (Nadelbäume) und durch Plantagen von Goyaviersträuchern, die voll mit den roten, kirschgroßen Beeren hängen.

Danach beginnt der Urwald. Dichte grüne Vegetation und überall dazwischen riesengroße Baumfarne, die von ferne wie Palmen wirken.

Wald mit großen Baumfarnen.

Urwald auf La Reunion.

Wir fahren bis zum Ende der Forststraße, die uns an den oberen Rand des Cirque de Salazie bringt. Es ist eine traumhafte Kulisse. Tief unter uns liegen die Orte Hell-Bourg und Grand-Ilet. In Letzterem werden wir heute Abend unser Chambre d’hôtes beziehen. Ringsum die Gipfel der den Cirque de Salazie begrenzenden Berge, in der Mitte die steile Erhebung des Piton Anchaing.

Talkessel von schroffen Bergen umgeben.

Der erste Blick in den Cirque de Salazie.

Später suchen wir uns einen sonnigen Picknickplatz an einem rauschenden Flüsschen, ruhen aus und räkeln uns in der Sonne.

Durch die Schlucht zum Cirque de Salazie

Schließlich packen wir zusammen, um die mal wieder kurvenreiche Strecke in den Cirque de Salazie in Angriff zu nehmen. Durch die Schlucht des Rivière du Mat geht es aufwärts. Überall rauschen kleinere oder größere Wasserfälle aus den Bergwänden.

Grüner Berghang mit vielen Wasserfällen.

Überall rauschen die Wasserfälle zu Tal.

Holzhaus mit umlaufendem Balkon.

Unsere Unterkunft in Grand Ilet.

Unser Chambre d’hôtes in Grand-Îlet liegt in einem alten kreolischen Holzhaus, das Zimmer wirkt gepflegt und voller Charme. Sogar Zugang zum großen Balkon, der sich über die gesamte Hausfront zieht, haben wir.

Im Erlebnis-Restaurant

Wir machen einen Rundgang durch den kleinen Ort. Viel gibt es hier nicht. Einen kleinen Gemischtwaren-Laden entdecken wir, sonst gibt es keine Geschäfte. Die Holzkirche erinnert uns an ähnliche Gotteshäuser, die wir in Patagonien gesehen haben.

Holzkirche vor blauem Himmel.

Die Holzkirche in Grand Ilet.

Das einzige Restaurant des Weilers, das auf der kreidebeschrifteten Tafel drei Gerichte anbietet, liegt am Dorfrand. Ein kleines hutzeliges Männchen schließt gerade auf. Er beantwortet bereitwillig und lebhaft unsere Fragen nach Öffnungszeiten und Speisenwahl. Der etwas lückenhafte Zahnbestand des Herrn und unser ebenso lückenhaftes Französisch machen die Verständigung zunächst schwierig. Doch beiderseitiger beherzter Einsatz von Pantomime klärt schließlich, dass es sich bei dem einen Gericht um Wildkaninchen handelt. Nachdem wir uns so prima verstanden haben und der Preis von 10 Euro pro Essen unschlagbar ist, fällt die Entscheidung leicht.

Als wir abends dort ankommen, stellen wir erstaunt fest, dass der Laden brummt. Wir finden nur noch auf der schmalen Bergstraße einen Parkplatz.

Marcus bestellt das Wildkaninchen, ich den Schwertfisch. Dazu gibt es typisch kreolisch Reis und Bohnensoße. Das Hutzelmännchen schmeißt den Laden offenbar alleine und wirbelt temperamentvoll durch die Gegend. Das hat einen hohen Unterhaltungsfaktor. Das Essen ist köstlich, das beste, was wir bisher vorgesetzt bekommen haben. Morgen kommen wir wieder her.

Wanderung zum La Fenetre

Welch schöne Überraschung am nächsten Morgen: gar kein Regen, sondern blauer Himmel und es ist schon richtig warm.

Berg mit blauem Himmel dahinter.

Blauer Himmel im Cirque de Salazie.

Heute haben wir uns die Wanderung zum La Fenêtre vorgenommen, ein Aussichtspunkt auf dem Bergrücken zwischen Cimendef und Roche Ecrite auf 1530 m Höhe.

Wir gehen entlang wuchernder Chouchouranken am Wegrand und vereinzelten Bananenpflanzen. Der betonierte Weg wird immer vernachlässigter, längst haben Pflanzen den Beton gesprengt. Schließlich kommen wir an ein sehr zugewachsenes Stück.

Schreck im Spinnennetz

Ich revidiere meine Theorie, dass Seidenspinnen ihre Netze nicht über Wanderwege spannen, als ich in einen recht robusten Spinnenfaden laufe. Die Spinne samt Netz hängt zum Glück auf der anderen Wegseite, ein besonders stattliches scharz-gelbes Exemplar. Ich weigere mich, auf diesem Weg auch nur einen weiteren Schritt zu setzen. Also kehren wir um.

Spinne im Netz, dahinter eine Hand.

Zum Größenvergleich hält Marcus seine Hand hinter das Netz der Spinne.

Nach einigen hundert Metern zurück entdecken wir die Abbiegung des richtigen Wanderwegs, die wir übersehen hatten. Nun wirkt er auch wieder gepflegter und ist – siehe meine frühere Theorie – spinnenfrei. Kurz darauf beginnt der Anstieg, der es in sich hat. Auf sehr steilem und schmalem Pfad geht es durch den Wald.

Verpflegung am Wegesrand

Wir entdecken wild wachsende Goyaviersträucher. Wir hatten schon öfter gesehen, dass die roten Früchte am Straßenrand angeboten wurden. Endlich eine Gelegenheit, die Beeren zu probieren. Hmmm, lecker! Herb-fruchtig mit leichter Säure, ich werde sofort zum Fan. Und somit haben wir einen weiteren Faktor, der uns den Gehzeitenschnitt versaut…

Strauch mit kirschgroßen roten Früchten.

Köstliche Goyavierbeeren.

Ein paar sehr steile Passagen erfordern Kletterei und wir zweifeln kurz, ob wir da wirklich hoch wollen. Aber wir halten durch und erreichen nach gut zwei Stunden unser Ziel. Dort werden wir mit einem fantastischen Blick über den Cirque de Salazie belohnt.

Blick über den Talkessel des Cirque de Salazie.

Ein traumhafter Ausblick über den Cirque de Salazie.

Nachdem wir uns gestärkt haben geht es wieder nach unten. Der Rückweg wird durch umfangreiche Goyavierbeeren-Ernte mit Sofortverzehr in die Länge gezogen. Marcus wird schon ungeduldig, denn die Nebelschwaden kommen von oben näher. Wir meistern die abenteuerlichen Steilpassagen und erreichen das Tal des Cirque de Salazie vor dem Nebel.

Marcus auf einem steilen Wegstück.

Mit Händen geht es leichter auf den steilen Passagen…

Gina auf dem steilen Weg.

… und der Trekkingstock hilft auch.

Wir sind gerade rechtzeitig zurückgekehrt. Kurz darauf haben die Wolken das ganze Tal gefüllt, es wird kalt und feucht. Kein einziger Berg ist mehr zu sehen.

Zurück in der Unterkunft sind wir ganz schön geschafft nach der Kletterei auf den steilen Wegen. Auf unserem Balkon relaxen wir bei Kaffee und Teilchen.

Marcus sitzt auf dem Balkon.

Wohlverdientes Entspannen.

Ausflug nach Hell-Bourg

In der Nacht hat es geregnet, aber am Morgen erwachen wir mit strahlend blauem Himmel. Wir kurven die Bergstraße nach Hell-Bourg runter und wieder rauf. Die Straßen hier sind wirklich unglaublich steil. Überall an den Hängen wachsen riesige Sträucher von Engelstrompeten.

Große Sträucher Engelstrompeten mit gelben Blüten.

Engelstrompeten am Straßenrand.

Hell-Bourg steht in den Ruf, ein hübsches kreolisches Dorf zu sein. Viele alte kreolische Häuser sind noch erhalten oder wieder restauriert worden.

Wanderung zu den Trois Cascades

Aber bevor wir durch den Ort schlendern, nutzen wir das schöne Wetter für eine kleine Wanderung zu den Trois Cascades. Vom Taleingang her quellen schon wieder dicke Wolken herein.

Die Wanderung führt mal wieder sehr, sehr steil nach oben. In zwanzig Minuten haben wir schon 150 Höhenmeter bewältigt. Es geht durch Wald über Steine und viele glatte Wurzeln nach oben. Wenigstens mal zur Abwechslung nicht mit einem Abgrund an einer Seite. Bunte tropische Blüten leuchten am Wegrand.

Blüte in knalligem Rot und Gelb.

Exotische Blüte.

Große gelbe Hibiskusblüte.

Hibiskusblüte XXL.

Wir erreichen die Trois Cascades auf einem feuchten Felsplateau. Oben im Wald können wir eine der drei namensgebenden Cascaden erkennen, die den Bach speist, der über das Plateau rinnt und in zwei weiteren Cascaden nach unten stürzt. Auch an dieser schwer zugänglichen Stelle steht wie so oft in Reunion ein Heiligenschrein mit Blumengaben und Dankestäfelchen.

Weißer Schrein mit Kreuz im Wald.

Schrein bei den Trois Cascades.

Bunte Holzhäuser in Hell-Bourg

Wir streifen bei leichtem Nieselregen, der sich immer wieder mit kurzen sonnigen Episoden abwechselt ein wenig durch Hell-Bourg und gucken uns die bunten Holzhäuser an. Sie sind mit den typischen Elementen der kreolischen Bauweise versehen. Da es sich für vornehme Damen nicht schickte, auf der Straße rumzulaufen, baute man kleine Pavillons am Rande der Grundstücke. Hinter hölzernen Blenden konnten die Damen von dort ungesehen das Treiben auf der Straße verfolgen.

Hellgrünes Holzhaus mit Veranda.

Typisches kreolisches Haus in Hell-Bourg.

Weißer Holzpavillon.

Damenpavillon an der Ecke des Grundstücks.

Immer wieder sehen wir die riesigen Seidenspinnen, die ihre Fäden quer über die Gassen gezogen haben – aber meist weit oben. Einige haben eine Zeichnung in Form eines großen gelben oder orangen Flecks am Körper.

Hier oben in den Bergen ist anscheinend ihr liebster Aufenthalt. In den Küstenorten haben wir keine Spinnen zu Gesicht bekommen.

Seidenspinne mit großem gelbem Fleck am Leib.

Schwarz-gelbe Seidenspinne.

Abschied vom Cirque de Salazie im Hutzelmännchen-Restaurant

Ausklingen lassen wir unseren letzten Abend im Cirque de Salazie in unserem Lieblingsrestaurant beim Hutzelmännchen, wo wir schon wie alte Bekannte begrüßt werden. Und um allen Kommunikationsproblemen bezüglich der Speisekarte aus dem Weg zu gehen, bekommen wir eine Auswahl aller drei verfügbaren Gerichte vorgesetzt: Carri Poulet (Huhn), Rougail Moreau (Fisch) und ein Gericht mit geräuchertem Schweinefleisch und Aubergine. Wie immer sehr köstlich und Hutzelmännchen freut sich wie Bolle, als wir alles verputzt haben.

Wolkenverhangene Berge.

Rückweg im Wolken-Nebel.

Als wir die Straße Richtung Küste herunterkurven, bieten die Wolkenfetzen zwischen den tiefgrünen Gipfeln schaurig-unheimliche Bilder. Überall aus den Hängen stürzen Wasserfälle, der Riviére du Mat tief unten im Tal ist schlammbraun und schäumend.

Hindu-Tempel in St. André

40% der reunionesischen Bevölkerung sind Hindus, da sie in großen Scharen als Vertragsarbeiter aus Indien angeheuert wurden, als die Sklaverei aufgehoben wurde. So findet man überall auf Reunion farbenprächtige Hindu-Tempel. Eine besonders große Hindu-Gemeinde lebt in St. André an der Ostküste von La Reunion. Deswegen wollen wir dort ein oder zwei Tempel besichtigen.

Wir quälen uns durch den Stau in St. André, bis wir den ersten Tempel, den Temple Petit Bazar erreichen. Ein Schild informiert, dass alle Menschen willkommen sind sich den Tempel anzusehen.

Tempel mit vielen bunten Figuren.

Farbenfroher Hindu-Tempel in St. André.

Figur mit vielen Armen und Köpfen am Hindu-Tempel.

Detail am Hindu-Tempel.

Da man zum Betreten des Tempelgeländes die Schuhe ausziehen muss, beschränken wir angesichts des nassen Wetters die Besichtigung auf außerhalb. Der Tempel ist mit vielen, teils vielarmigen Figuren in fröhlichen Farben gestaltet.

Einen zweiten Tempel, den Temple du Colosse betrachten wir ebenfalls durch den Zaun. Er scheint heute nicht geöffnet zu sein.

St. Denis, die Hauptstadt von La Reunion

Immer wieder gehen Schauer nieder, der graue Himmel reißt nicht auf. Wenigstens ist es nicht kalt. Weiter geht es nach St. Denis, der Hauptstadt La Reunions.

Wir bummeln durch die Fußgängerzone und werden zum ersten Mal angebettelt – also wie zu Hause…

Ein wenig Kultur steht natürlich auch noch auf dem Programm. Entlang der Rue de Paris stehen noch viele alte oder wieder restaurierte kreolische Villen. Typische Stilelemente sind die Veranda vorne am Haus, eine Scheinfassade mit angedeuteten Säulen und das Flachdach. In der Regel sind die Häuser aus Holz gebaut,  nur besonders Reiche unter den Reichen konnten sich ein Steinhaus leisten.

Großes kreolisches Haus mit Veranda.

So wohnte man in St. Denis.

An Rathaus und Kirche vorbei führt die Straße bis zum Meer hinunter, wo auf dem Barachois einige antike Kanonen daran erinnern, dass die Zeiten hier nicht immer friedlich waren. Von hier aus sieht man schon die senkrechte Felswand, an der die Autobahn entlang Richtung Westküste führt.

Dort begann unsere Rundreise über La Reunion. Von hier aus geht es für uns zurück zum Flughafen und nach Hause.

Gina lehnt an einer Kanone.

Der Kreis schließt sich – wieder in St. Denis angekommen.

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