Unser nächs­tes Ziel heißt Kam­pong Cham. Wer sich wun­dert, dass wir lau­ter Orte mit Kam­pong im Namen ansteu­ern: Kam­pong ist das Khmer-Wort für Hafen, des­halb begin­nen vie­le Orts­na­men damit. In Kam­pong Cham errei­chen wir zum ers­ten Mal den Mekong, den wir in Phnomh Penh nur aus der Fer­ne gese­hen haben. 

Kampong Cham Brücke

Mekong­brü­cke bei Kam­pong Cham

Die Bam­bus­brü­cke über den Mekong

Unser Guest­house liegt direkt an der Ufer­pro­me­na­de, die einen moder­nen und gepfleg­ten Ein­druck macht. Ein Spa­zier­gang führt uns am Mekong­ufer ent­lang bis zu der Bam­bus­brü­cke, die die gegen­über lie­gen­de Insel mit dem Land ver­bin­det. Die Brü­cke wird jedes Jahr zu Beginn der Regen­zeit abge­baut, da sie den rei­ßen­den Flu­ten nicht stand­hal­ten wür­de. Dann ist die Insel nur mit der Fäh­re zu errei­chen. Etwa die Hälf­te der Tei­le kann beim Wie­der­auf­bau nach der Regen­zeit wie­der ver­wen­det wer­den. Da mitt­ler­wei­le eine fes­te Brü­cke im Bau ist, sind die Tage der Bam­bus­brü­cke gezählt. Fas­zi­niert beob­ach­ten wir, wie nicht nur Motor­rol­ler, son­dern sogar Autos über die fra­gi­le Kon­struk­ti­on fah­ren. 

kampong Cham Bambusbrücke

Bam­bus­brü­cke

Am nächs­ten Tag lei­hen wir uns Fahr­rä­der und machen uns auf zur Bam­bus­brü­cke. Kurz bevor wir sie errei­chen, wer­den wir von einer Grup­pe Pfer­de­fuhr­wer­ke in mun­te­rem Trab über­holt. An der Erd­ram­pe, die zur Brü­cke führt, wer­den die Tie­re kurz abge­spannt und dür­fen sich im Was­ser erfri­schen. Dann tra­ben sie wei­ter über die Brü­cke. 

Kampong Cham Pferde

Klei­ne Bade­pau­se für die Pfer­de

Die Bam­bus­lat­ten, die die Ober­flä­che der Brü­cke bil­den, knir­schen und kna­cken unter unse­ren Rädern. Die Fahr­bahn federt, es ist ein sehr unge­wohn­tes Fah­ren. Kaum zu glau­ben, dass die­se Brü­cke schwe­re Gelän­de­wa­gen aus­hält. 

Kampong Cham Bambusbrücke Räder

Mit den Rädern über die Bam­bus­brü­cke

Auf der Insel ange­kom­men kämp­fen wir uns über den san­di­gen Weg, bis wir die Stra­ße errei­chen. Wir fol­gen ihr – es ist eh die ein­zi­ge – durch das Dorf. Rechts und links ste­hen die typi­schen Pfahl­bau­ten, wei­ter hin­ten kön­nen wir Fel­der aus­ma­chen. Vor vie­len Häu­sern sind klei­ne Ver­kaufs­stän­de, auf denen meist eine Hand­voll Früch­te ange­bo­ten wird: Papa­yas, Bana­nen, Man­gos und vor allem Pome­los. Wir kau­fen ein paar Bana­nen. 

Kampong Cham Wege

San­di­ge Wege machen das Fah­ren schwie­rig

Nach einer Wei­le errei­chen wir die Pago­de. Bun­te, kit­schi­ge Figu­ren auf dem Gelän­de, alles wirkt ziem­lich unge­pflegt und lieb­los. Die gro­ße Hal­le ist leer und kahl, Vögel nis­ten unter den Dachspar­ren, ihr Kot ver­schmutzt den Boden. 

Kampong Cham Tempel

Bun­ter Bogen­schüt­ze am Tem­pel

Im Schat­ten eines gro­ßen Bau­mes fin­den wir einen Pick­nick­platz auf dem Tem­pel­ge­län­de. Dort machen wir Rast, essen unse­re Bana­nen und Kek­se und genie­ßen den Tag. Ein klei­nes Mäd­chen kommt mit dem Fahr­rad ange­fah­ren. Als sie uns sieht, steigt sie ab und setzt sich zu uns an den Tisch. Eng­lisch ver­steht sie nicht, aber anschei­nend ist sie zufrie­den, ein­fach bei uns zu sit­zen.

Und was macht eine Fami­lie im 21. Jahr­hun­dert, wenn sie gesät­tigt und ent­spannt rum­sitzt? Jeder zückt sein Han­dy, checkt Mails und Face­book und surft ein biss­chen rum. Das mobi­le Inter­net auf einer Mekong­in­sel ist übri­gens deut­lich bes­ser als das im Rhein­tal! Die Bil­der auf unse­ren Han­dys wecken das Inter­es­se unse­res klei­nen Gas­tes. Wir suchen Bil­der, die sie kennt, wie von der gro­ßen Mekong­brü­cke in Kam­pong Cham. Dann ver­su­chen wir es mit Tier­bil­dern, das kommt auch immer gut. Koa­las, Kän­gu­rus – sie staunt und freut sich. Vic­to­ria hat die größ­te Samm­lung von Bil­dern von uns drei­en. Sie geht sie mit dem klei­nen Mäd­chen durch. Inter­es­san­ter­wei­se tippt die Klei­ne nicht auf Tier­bil­der, son­dern auf Fotos von Zim­mern und von Essen. Nach etwa einer Stun­de ver­ab­schie­det sie sich. Auch wir schwin­gen uns wie­der auf die Räder und über­que­ren die Bam­bus­brü­cke. 

Kampong Cham Mekong

Zum Abschied ein schö­ner Aus­blick auf den Mekong

Abends beob­ach­ten wir einen gran­dio­sen Mond­auf­gang über dem Mekong. Am gegen­über­lie­gen­den Ufer steigt ein rie­si­ger, oran­ge­ro­ter Voll­mond empor. Was für ein exo­ti­scher Anblick, wir sind hin und weg! 

Kampong Cham nachts

Auch der abend­li­che Blick auf die Mekong­brü­cke ist schick

Aus­flug zur Kau­tschuk­plan­ta­ge 

Typisch für die Gegend um Kam­pong Cham sind Kau­tschuk­plan­ta­gen. Wir sind auf dem Weg hier­her schon durch eini­ge durch­ge­fah­ren. Nun wol­len wir uns eine davon näher anschau­en. Dazu haben wir mal wie­der ein Tuk­tuk ange­heu­ert. 

Dazu ein klei­ner Exkurs: Ver­mut­lich ist euch schon auf­ge­fal­len, dass wir uns in Kam­bo­dscha fast nur mit dem Tuk­tuk durch die Gegend bewe­gen.

Kampong Cham Tuktuk

Kam­bo­dscha­ni­sches Tuk­tuk

Das liegt dar­an, dass es kei­nen Nah­ver­kehr gibt, zumin­dest nicht zu den Zie­len, die wir uns angu­cken wol­len. Taxis (also Autos) sind eine Rari­tät, selbst in Phnom Penh. Solan­ge wir zu dritt oder viert unter­wegs sind, kommt es auch nicht in Fra­ge, Rol­ler zu mie­ten. Also bleibt das all­ge­gen­wär­ti­ge Tuk­tuk. Davon hat ja jedes asia­ti­sche Land sei­ne eige­ne Vari­an­te. Die kam­bo­dscha­ni­sche, auch Remor­que genannt, gefällt uns beson­ders gut. Ein Rol­ler ist als Zug­fahr­zeug vor eine Art Kut­sche gespannt, die (min­des­tens!) vier Pas­sa­gie­ren Platz bie­tet.

Zu viert bequem im Tuk­tuk. Zur Not pas­sen auch noch unse­ren gan­zen Ruck­sä­cke mit rein…

Die Bän­ke sind lie­be­voll aus geschnitz­tem Holz gestal­tet und mit dicken Pols­tern belegt. Das Dach bie­tet Schutz vor der Son­ne und der Fahrt­wind kühlt ange­nehm.

kampong Cham Tuktuk

Der Fahrt­wind ist ange­nehm kühl

Eine sehr beque­me Art der Fort­be­we­gung. Wir lie­ben es, Tuk­tuk zu fah­ren. Dar­über hin­aus spre­chen vie­le Fah­rer gut Eng­lisch, so dass wir inter­es­san­te Unter­hal­tun­gen füh­ren kön­nen.     

Die Fahrt zur Kau­tschuk­plan­ta­ge geht über eine viel befah­re­ne Land­stra­ße, was weni­ger ange­nehm ist. Lärm und Abga­se von Last­wa­gen min­dern das Fahr­ver­gnü­gen etwas. Aber schließ­lich bie­gen wir in klei­ne Neben­stra­ßen ab. Rechts und links erstre­cken sich Bäu­me in ordent­li­chen Rei­hen.

Kampong Cham Kautschukbäume

In Reih und Glied: Kau­tschuk­bäu­me

Wir hal­ten an und unser Fah­rer erklärt uns, wie der Latex­saft gewon­nen wird. An jedem Baum hängt ein klei­nes Schäl­chen, in das über eine Rin­ne das mil­chi­ge Sekret tropft. Zwei­mal täg­lich wird die Rin­de ange­ritzt, um die Latex­milch zu pro­du­zie­ren.

Kampong Cham Latexmilch

Über eine Rin­ne aus Blät­tern tropft die Latex­milch ins Gefäß

Nach einer gewis­sen Anzahl (die ich wie­der ver­ges­sen habe) Ern­ten wird der Baum eini­ge Zeit in Ruhe gelas­sen, um sich wie­der zu rege­ne­rie­ren. Zwi­schen den Bäu­men fin­den wir Früch­te, die wie Nüs­se aus­se­hen und aus denen teil­wei­se schon neue Bäum­chen sprie­ßen. 

Kampong Cham Früchte

Früch­te der Kau­tschuk­bäu­me

Die Kau­tschuk­fa­brik

Nun geht es wei­ter zur Fabrik, wo die Latex­milch ver­ar­bei­tet wird. Die Fabrik wur­de 1923 von den Fran­zo­sen erbaut und so wie sie aus­sieht, wur­de seit­dem auch nicht viel dar­an geän­dert. Auf dem Gelän­de ste­hen ros­ti­ge Tank­las­ter, die die ein­ge­sam­mel­te Latex­milch zur Fabrik trans­por­tie­ren.

Kampong Cham Laster

Latex-Las­ter

In gro­ßen Becken wird sie mit Was­ser und Säu­re ver­setzt, damit das Latex aus­fällt und fest wird. Dahin­ter befin­det sich eine Pres­se, in die Arbei­ter den Kau­tschuk mit blo­ßen Hän­den fül­len. Es ist heiß in der Fabrik. Die meis­ten Arbei­ter tra­gen nur Shorts und Flip­flops. Die Sicher­heit wird haupt­säch­lich durch ein „safe­ty first”-Schild gewähr­leis­tet. Immer­hin steht einer neben dem Not-aus-Knopf an der Pres­se.

Kampong Cham Kautschukfabrik

In lan­gen Becken stockt die Latex­milch

Kampong Cham Presse

Arbei­ter an der Pres­se

Kampong Cham safety first

Safe­ty first!

In meh­re­ren Schrit­ten wird der Kau­tschuk gerei­nigt und getrock­net und am Ende zu 35-Kilo-Bal­len gepresst. Zur wei­te­ren Ver­ar­bei­tung wer­den die Bal­len nach Viet­nam oder Chi­na geschickt. 

Der fer­ti­ge Bal­len ver­lässt die Pres­se

Unser Fah­rer, der gleich­zei­tig als Gui­de durch die Fabrik fun­giert erklärt uns, dass das Land im Staats­ei­gen­tum sei und an rei­che Inves­to­ren ver­pach­tet wür­de. Zu den Arbei­tern befragt, meint er, es wäre kein super Job, aber auch nicht ganz schlecht. Enthu­si­as­mus klingt anders. Die Arbei­ter bekom­men neben einem klei­nen Ein­kom­men Haus und Nah­rung gestellt und nach ihrem Aus­schei­den im Alter auch eine Pen­si­on. Unser Inter­es­se nutzt unser Gui­de, um sei­ne Ver­si­on der Öko­no­mie Kam­bo­dschas zu erläu­tern. Über­sicht­lich auf die Hand­flä­che gemalt. Sich selbst zählt er zur Grup­pe „poor”, aber nicht „very poor” und scheint damit rela­tiv zufrie­den zu sein. 

Kampong Cham Ökonomie

Öko­no­mie auf der Hand­flä­che

Nach die­sem inter­es­san­ten Ein­blick geht es zurück nach Kam­pong Cham. Mor­gen rei­sen wir wei­ter den Mekong ent­lang nach Kra­tie, wo wir hof­fen, die sel­te­nen Irra­wad­dy-Del­fi­ne zu sehen. (G)