Ang­kor Wat – ehr­wür­di­ge Tem­pel und ein schmol­len­der Fah­rer

Ang­kor Wat – das High­light. UNESCO-Welt­kul­tur­er­be. Der Stolz Kam­bo­dschas. Das EINE must-see des Lan­des. Vie­le Tou­ris­ten kom­men ein­zig wegen Ang­kor Wat nach Kam­bo­dscha.

Ang­kor Wat – Ziel von Mil­lio­nen Tou­ris­ten

Wir sind hin- und her geris­sen, ob wir uns freu­en oder grau­sen sol­len. Natür­lich wol­len wir uns die groß­ar­ti­gen Tem­pel­an­la­gen angu­cken. Aber am liebs­ten nicht mit Hor­den von ande­ren Tou­ris­ten zusam­men. Dass das unrea­lis­tisch ist, ist uns klar.

Um es vor­weg zu neh­men: so schlimm ist es gar nicht. Zwei Tage – mit einem Tag zur Erho­lung dazwi­schen – las­sen wir uns von Sky, unse­rem Tuk­tuk­fah­rer von Tem­pel zu Tem­pel in Ang­kor Wat kut­schie­ren.  Es gibt zwei klas­si­sche Rou­ten: die gro­ße Run­de und die klei­ne Run­de. Wir fah­ren sie rück­wärts, also anders­rum als die meis­ten. Auch wenn wir natür­lich nicht die ein­zi­gen sind, die das so machen, ent­ge­hen wir auf die­se Wei­se meist den gro­ßen Mas­sen. Die Hot­spots, wie zum Bei­spiel der Son­nen­auf­gang am berühm­ten See­ro­sen­teich vor Ang­kor Wat, wo sich früh mor­gens Hun­der­te von Tou­ris­ten um den bes­ten Platz schub­sen ver­mei­den wir. Das fällt uns nicht schwer, da frü­hes Auf­ste­hen sowie­so nicht unser Ding ist, wie die treu­en Leser unse­res Blogs schon wis­sen.

Angkor Wat Mauer Marcus

Über vie­le Mau­ern wer­den wir einen Blick wer­fen

Die klei­ne Tour durch Ang­kor Wat

Die Tem­pel lie­gen eini­ge Kilo­me­ter außer­halb von Siem Reap. Wir fah­ren eine hal­be Stun­de mit dem Tuk­tuk und errei­chen ein impo­san­tes Gebäu­de, wo Sky den gro­ßen Park­platz ansteu­ert. Was aus­sieht wie eine prunk­vol­le Pago­de ent­puppt sich als Ticket­ver­kaufs­stel­le.

In der rie­si­gen Hal­le ste­hen lan­ge Schlan­gen vor den Ticket­schal­tern an. Es gibt Schal­ter für Tages­ti­ckets, Drei­ta­ges­ti­ckets und Wochen­ti­ckets. Ein Foto wird gemacht und auf dem Ticket aus­ge­druckt. Das hübsch bun­te Ticket kos­tet uns eine Drei­vier­tel­stun­de anste­hen und 62 Dol­lar für drei Tage. Pro Per­son.

Schön bunt, schön teu­er

Nun kann es los­ge­hen. Unser ers­ter Stopp ist der berühm­te Ta Prohm, mitt­ler­wei­le bekannt als Lara-Croft-Tem­pel. Da Sky kein offi­zi­el­ler Gui­de ist, darf er nicht hin­ein. Bevor wir aus­stei­gen, gibt er uns eini­ge Erläu­te­run­gen zum Tem­pel. Gleich­zei­tig wer­den wir von auf­dring­li­chen und ein­deu­tig min­der­jäh­ri­gen Sou­ve­nir­ver­käu­fe­rin­nen bedrängt. Die dür­fen zum Glück auch nicht mit rein.

Angkor Wat Ta Prohm

Dschun­gel frisst Tem­pel

Die Kraft der Natur

Ganz allei­ne sind wir natür­lich nicht, aber die Anla­ge ist groß genug, dass man nicht im Pulk her­um läuft. Belieb­tes Foto­mo­tiv sind die mäch­ti­gen Baum­wur­zeln, die sich über brö­ckeln­de Tem­pel­mau­ern stül­pen. Eine mys­ti­sche Atmo­sphä­re liegt über dem Kom­plex.

Angkor Wat Baum Familie

Klei­ne Fami­lie, gro­ßer Baum

Der nächs­te Tem­pel, den wir ansteu­ern ist Ta Keo. Eine qua­dra­ti­sche Pyra­mi­de aus Sand­stein, gekrönt von fünf Pra­s­ats (Tem­pel­tür­men), die den mythi­schen Berg Meru sym­bo­li­sie­ren. Stei­le Trep­pen füh­ren hin­auf, mit hohen, aus­ge­tre­te­nen Stu­fen. Schweiß­ge­ba­det errei­chen wir die obers­te Platt­form und genie­ßen den Blick über die Wip­fel. Angeb­lich soll man von hier aus Ang­kor Wat sehen kön­nen. Wir kön­nen es aller­dings nicht aus­ma­chen.

Vor der Aus­sicht steht der Auf­stieg

Heil wie­der unten ange­kom­men geht es nun in die Königs­stadt Ang­kor Thom. Durch das Vic­to­ry Gate fah­ren wir in die alte Stadt, die König Jaya­var­man VII. nach sei­nem Sieg über die Cham grün­de­te und die 250 Jah­re lang die Haupt­stadt des Khmer-Reichs blieb.

Gesich­ter­tem­pel Bayon

Eine der Haupt­at­trak­tio­nen ist der ehe­ma­li­ge Staats­tem­pel Bayon. Der mit den Gesich­tern. Nach Skys Erklä­run­gen bre­chen wir auf. Von Fer­ne sieht der Tem­pel aus wie ein grau­er Stein­hau­fen. Erst als wir näher kom­men, for­men sich vor unse­ren Augen die cha­rak­te­ris­ti­schen Gesich­ter aus den Tür­men. In alle vier Him­mels­rich­tun­gen schau­end soll­ten sie den Tem­pel schüt­zen.

Angkor Wat Bayon

Die berühm­ten Gesich­ter­tür­me des Bayon Tem­pel

Dar­über hin­aus gibt es lan­ge Wän­de vol­ler kunst­vol­ler Stein­metz­ar­bei­ten zu bewun­dern. Am liebs­ten wird – wie in Ban­teay Chh­mar – Schlacht­ge­tüm­mel dar­ge­stellt. Dane­ben fin­det man Sze­nen aus dem All­tag. Aber auch lan­ge Rei­hen von gra­zi­len Aps­a­ras (die mythi­schen Tem­pel­tän­ze­rin­nen) schmü­cken Säu­len und Tür­stür­ze.

Angkor Wat Bayon Reliefs

All­tag im Khmer-Reich

Angkor Wat Bayon Apsaras

Tan­zen­de Aps­a­ras

Nach dem Besuch des Bayon haben wir ordent­lich Hun­ger. Sky schlägt uns vor, zu einem Lokal zu fah­ren „not so expen­si­ve”. Okay, machen wir. Zwei Kur­ven wei­ter hält er an einem gro­ßen Kom­plex aus Restau­rants. Eine Frau erwar­tet uns schon mit der Spei­se­kar­te in der Hand und führt uns zu ihrem Lokal. Wirk­lich güns­tig ist es nicht, aber das ist hier in der Tou­ris­ten­hoch­burg wohl auch nicht zu erwar­ten.

Und dann: Ang­kor Wat! 

Angkor Wat Seerosenteich

See­ro­sen­teich vor Ang­kor Wat im Abend­licht

Nach­mit­tags besu­chen wir als krö­nen­den Abschluss des ers­ten Tages Ang­kor Wat. Und es ist wirk­lich ein majes­tä­ti­scher Anblick, wenn man vor den Toren steht. Die Men­schen strö­men in Scha­ren auf den rie­si­gen Kom­plex zu. Aber auch hier ver­läuft es sich im Inne­ren und wir kön­nen eini­ge Wän­de mit Stein­re­li­efs – natür­lich mit See- und ande­ren Schlach­ten – in aller Ruhe bewun­dern.

Angkor Wat Brücke

Gro­ßer Andrang

Ein­gangs­front

Angkor Wat still

Wer sucht, fin­det auch in Ang­kor Wat stil­le Ecken

Dabei ver­bum­meln wir wohl zu viel Zeit, denn als wir die Trep­pe errei­chen, die auf die obers­te Platt­form führt, steht dort eine sehr lan­ge Schlan­ge War­ten­der. Die Fra­ge, ob wir uns eine Stun­de lang anstel­len wol­len erüb­rigt sich, denn in einer hal­ben Stun­de wird der Auf­gang für heu­te geschlos­sen. Pech gehabt! Wir tra­gen es mit Fas­sung und machen uns auf den Rück­weg. Der Pool war­tet schon…

Auf der Fahrt zurück kom­men uns Tuk­tuk­fah­rer ent­ge­gen, die win­ken und Sky etwas zuru­fen. Kurz danach hält er am Stand einer Stra­ßen­händ­le­rin, kauft ein Was­ser und bit­tet dar­um, das Wech­sel­geld in Dol­lar zu bekom­men. Mit einem treu­doo­fen Grin­sen dreht er sich zu uns um. Da vor­ne sei eine Poli­zei­kon­trol­le, erklärt er und er habe sei­ne Uni­form zu Hau­se ver­ges­sen. Ja, is klar! Daher müs­se er anhal­ten und etwas bezah­len. Nur, dass wir Bescheid wis­sen. 

Wir fah­ren bei der Kon­trol­le vor, dort geht alles mit schö­ner Geschäfts­mä­ßig­keit von­stat­ten. Meh­re­re Tuk­tuks, ver­mut­lich alle ohne Lizenz für Ang­kor Wat, wer­den ange­hal­ten. Einer nach dem ande­ren mar­schie­ren die Fah­rer zu dem Kom­bi, des­sen geöff­ne­te Heck­klap­pe dis­kret von der Stra­ße weg zeigt. Dol­lars ablie­fern, zurück zum Tuk­tuk, wei­ter fah­ren. Ein Straf­zet­tel wird nicht aus­ge­stellt. Ja, Kam­bo­dschas Poli­zei ist die bes­te, die man für Geld kau­fen kann. 

Die gro­ße Tour durch Ang­kor Wat

Nach einem red­lich ver­dien­ten Pau­sen­tag steht die gro­ße Tour an. Sky steht – merk­wür­di­ger­wei­se wie­der ohne Uni­form – pünkt­lich vor dem Hotel bereit. Als ers­tes steu­ern wir den Pre Rup Tem­pel an, eine nahe­zu qua­dra­ti­sche Pyra­mi­de. Über stei­le Trep­pen klim­men wir empor zur obers­ten Platt­form, auf der fünf Tür­me ste­hen. Wie­der eine tol­le Aus­sicht von hier oben! 

Angkor Wat Pre Rup

Der Pre Rup leuch­tet in war­men Rot­tö­nen

Der Öst­li­che Mebon lag vor­her von Was­ser umschlos­sen in einem künst­li­chen See. Die­ser ist längst aus­ge­trock­net, nur die Lan­dungs­ste­ge an den vier Sei­ten zeu­gen noch davon. Auf der obers­ten Platt­form ste­hen wie­der fünf Tür­me, an denen der Zahn der Zeit deut­lich genagt hat. Bei nähe­rer Betrach­tung fal­len jedoch eini­ge sehr schön erhal­te­ne Tür­stür­ze auf, die hin­du­is­ti­sche Moti­ve zei­gen.

Angkor Wat Elefant

Rei­se-Rin­gel darf als ein­zi­ger Ele­fan­ten rei­ten ?

Angkor Wat Indra

Indra auf dem drei­köp­fi­gen Ele­fan­ten

Angkor Wat Hindu Motive

Noch mehr hin­du­is­ti­sche Moti­ve

Der klei­ne Tem­pel Ta Som ähnelt im Stil dem Ta Prohm Tem­pel. Sogar eine male­ri­sche, den Ostein­gang umwach­sen­de Baum­wur­zel gibt es. Im Rei­se­füh­rer als ruhi­ge Alter­na­ti­ve zum Ta Prohm geprie­sen, kommt er uns gar nicht so ruhig vor. Über­all lau­fen Leu­te rum und wol­len anschei­nend mit aufs Bild. 

Angkor Wat Baumwurzel

Noch eine male­ri­sche Baum­wur­zel

Nicht ärgern, son­dern wei­ter zum nächs­ten Tem­pel. Der klei­ne Neak Pean steht auf einer Insel in einer Insel. Das beein­dru­ckends­te ist der Weg zur äuße­ren Insel, ein lan­ger Damm über eine Sumpf­land­schaft, aus der bizarr abge­stor­be­ne Bäu­me ragen. 

Angkor Wat Sumpf

Eine geis­ter­haf­te Land­schaft

Mit­tags­rast mit Fol­gen

Auf dem Weg zum Park­platz, auf dem Sky irgend­wo war­tet, fängt uns eine enga­gier­te jun­ge Restau­rant­be­sit­ze­rin ab. Sky hat­te vor­ge­schla­gen, noch einen wei­te­ren Tem­pel zu besich­ti­gen und dann zum glei­chen Restau­rant wie vor­ges­tern zu fah­ren. Da kriegt er wahr­schein­lich Pro­vi­si­on. Uns ist das im Prin­zip egal, die Loka­le sind alle gleich teu­er. Aller­dings haben wir jetzt schon Hun­ger und so las­sen wir uns von der jun­gen Frau über­zeu­gen. 

Gesät­tigt kom­men wir zum Tuk­tuk zurück. Irgend­was ist anders. Rich­tig, Sky hat sein kor­rek­tes hell­blau­es Hemd aus­ge­zo­gen und emp­fängt uns im ärmel­lo­sen T‑Shirt. Will er damit etwa sei­nen Unmut aus­drü­cken, weil wir nicht zu „sei­nem” Restau­rant gefah­ren sind? Die­ser Ver­dacht bestä­tigt sich, als er uns ein­sil­big vor dem Preah Khan Tem­pel absetzt und dies­mal zu kei­ner Erläu­te­rung ansetzt. Sky schmollt!

Okay, wir ver­las­sen uns eh auf unse­ren Rei­se­füh­rer, der aus­führ­lich zu den Tem­peln berich­tet. Preah Khan ist ein gro­ßer Tem­pel, mit vier Umfas­sungs­mau­ern. Die äußers­te ist mit rie­si­gen Garu­das geschmückt, Fabel­we­sen halb Vogel, halb Mensch. Im Inne­ren des Tem­pel­be­reichs ste­hen die Mau­ern der Gebäu­de eng bei­ein­an­der. Ziem­lich gut erhal­ten geben sie eine rea­lis­ti­sche räum­li­che Vor­stel­lung. 

Angkor Wat Garuda

Garu­da an der äuße­ren Mau­er

Angkor Wat Preah Khan

In die­sem Gebäu­de wur­de das Reichs­schwert auf­be­wahrt – viel­leicht

Angkor Wat Tempel

Im Inne­ren des Tem­pels

Unser letz­tes Ziel für heu­te ist der Baphuon Tem­pel in Ang­kor Thom. Unser immer noch schmol­len­der Fah­rer setzt uns wort­los dort ab. Der Baphuon ist erst seit 2011 wie­der restau­riert und zugäng­lich. Über einen lan­gen Damm gelangt man zum Ein­gang. Auf einem vor­ge­ge­be­nen Weg wird man durch den Tem­pel gelei­tet. Stei­le Holz­trep­pen füh­ren auf die ers­te und die zwei­te Ebe­ne. Eine Gale­rie umrun­det die­se und man kann schö­ne Hin­du-Moti­ve auf den Mau­ern ent­de­cken. Der Abstieg erfolgt über eine nicht min­der stei­le Trep­pe. 

Angkor Wat Baphuon

Blick von oben

Angkor Wat Steinmetzarbeiten

Schö­ne Stein­metz­ar­bei­ten schmü­cken die Wän­de

Angkor Wat Treppe

Steil geht es hin­un­ter

Schließ­lich ste­hen wir hin­ter dem Tem­pel. Zurück zum Ein­gang dür­fen wir nicht mehr, direkt um den Tem­pel her­um führt auch kein Weg. Also fol­gen wir dem Pfad durch den Wald. Dabei sto­ßen wir noch auf den Phi­me­an­a­kas Tem­pel, den wir aber nur von außen bewun­dern. Unse­re Auf­nah­me­fä­hig­keit ist für heu­te aus­ge­reizt. 

Angkor Wat Baum

Schö­ner Wald um den Tem­pel

Angkor Wat Phimeanakas

Phi­me­an­a­kas Tem­pel

Angkor Wat Pause

Reicht für heu­te. Der Sinn steht nach Aus­ru­hen

Nach­dem wir zu unse­rem Tuk­tuk zurück­ge­fun­den haben, fährt uns Sky zum Hotel. Beim Abset­zen ent­wi­ckelt er plötz­lich wie­der Geschäfts­sinn und fragt, ob wir mor­gen nicht zu den schwim­men­den Dör­fern woll­ten. Nein. Dan­ke. Wol­len wir nicht. 

Wir könn­ten ja noch mal Fahr­rä­der lei­hen und in aller Ruhe Ang­kor Wat gucken fah­ren. Oder den ein oder ande­ren klei­nen Tem­pel im Are­al. Tun wir aber nicht. Lang­sam ist unse­re Tem­pel-Sät­ti­gungs­gren­ze erreicht. Den letz­ten Tag in Siem Reap ver­brin­gen wir mit Bum­meln, Mas­sa­ge und Pool. Unse­re Freun­din Elke fliegt von hier aus wie­der nach Hau­se, Vic­to­ria beglei­tet uns noch ein wei­te­res Stück durch Kam­bo­dscha. 

Bar­ba­ra von Bar­ba­ra­li­cious war nicht so faul wie wir. Sie hat tat­säch­lich den berühm­ten Son­nen­un­ter­gang als auch am nächs­ten Mor­gen den Son­nen­auf­gang mit­ge­nom­men. Hier fin­dest du ihren Bericht mit tol­len Bil­dern dazu.

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