Aktualisiert am 02/06/2024 von Gina

Nach neun Wochen Griechenland wird es für uns endlich Zeit, ein neues Land zu erkunden. Schließlich wollen wir noch mehr von den Balkanländern kennenlernen.

Etwas schwermütig, aber dennoch neugierig verlassen wir das uns lieb gewonnene Griechenland. Nicht ohne noch einmal ein Bad im Meer genommen zu haben. Wir fahren auf einer wunderschönen Bergstraße zur Grenze. Bestimmt wurde diese Straße mit EU-Mitteln finanziert.

Grenze nach Bulgarien

An der Grenze müssen wir nicht lange warten. In dem kleinen Zollhäuschen durch das erste Fenster reichen wir unsere Papiere dem griechischen Grenzer. Der reicht sie dann seinem bulgarischen Kollegen im gleichen Häuschen. Anschließend bekommen wir die Papiere wieder und werden in eine Haltebucht gelotst. Dort lassen wir den Grenzer in Balu schauen. Sie kontrollieren, ob wir illegale Migranten verstecken.

Grenzübergang für die Einreise nach Bulgarien mit dem Wohnmobil.

Einreise mit dem Wohnmobil nach Bulgarien

Wir sind beide das erste Mal in Bulgarien. Als Vorbereitung haben wir uns online schon eine bulgarische Vignette für Balu gekauft. Es gibt nur wenige mautfreie Straßen in Bulgarien.

Was du über eine Wohnmobilreise durch Bulgarien wissen musst, haben wir für dich in diesem Artikel geschrieben: Wohnmobilreise durch Bulgarien

Bulgarisches Geld

In jedem Land wollen wir gerne einige Wörter lernen. Begrüßung und Verabschiedung, ja und nein, Danke und Bitte. So auch hier. Die bulgarische Sprache hat jedoch als eine zusätzliche Herausforderung kyrillische Buchstaben.

Wir fahren in die nächste Stadt, um uns mit bulgarischer Währung zu versorgen. Diese heißt hier Lewa. Ein Lew besteht aus 100 Stotinki.

Bulgarische Lewa

100 Bulgarische Lewa

Im Juli 2023 bekommen wir für 100 Euro ungefähr 200 Lewa. Wir schauen, welche großen Banken es in Bulgarien gibt und ziehen dann dort am Automaten das Geld.

Das geheimnisvolle Perperikon

Der erste Stopp zum Sightseeing heißt für uns Perperikon. Dort können wir die Reste einer thrakischen Kultstätte bestaunen.

Da wir spät ankommen, übernachten wir auf dem dazugehörigen Besucherparkplatz. Wir sind nicht alleine, vier Straßenhunde umringen uns freudig schwanzwedelnd. In der Nacht passen sie gut auf uns auf. Das allerdings lautstark.

Bereits in der späten Jungsteinzeit, also Anfang des 5. Jahrtausends v. Chr., entstand hier ein Felsenheiligtum. Die Stätte liegt 470 Meter über dem Meeresspiegel auf einem Felsen. Später bauten die Thraker auf dem Plateau eine Felsenstadt. Von all dem kann man noch steinerne Überbleibsel sehen. Die Stätte gefällt uns super gut.

Perperikon

Aussicht von Perperikon

Perperikon ist eine Sehenswürdigkeit, die noch nicht so bekannt ist. Gerade das macht für uns den Reiz aus, diesen Ort zu besuchen und sich ein wenig als Entdecker zu fühlen. Das lieben wir sehr.

Ein versteinertes Hochzeitspaar und kreisende Geier

Mittags geht es zu einer weiteren Sehenswürdigkeit. Nicht weit von Perperikon entfernt liegt Stone Wedding, eine interessante Felsformation. Wir stellen Balu am Straßenrand ab. Dann durchqueren wir einen Wald mit einer Senke, bevor es auf eine Anhöhe geht, die die Blicke auf weiße Felsdome freigibt.

Auch ohne viel Fantasie ist ein riesiges steinernes Hochzeitspaar zu erkennen. Einer Sage nach sind das zwei Frischvermählte, die während ihrer Hochzeit versteinert wurden. Die Felsen gehören zu den sogenannten Kardzhali-Pyramiden in den östlichen Rhodopen. Staunend betrachten wir diese Launen der Natur.

Steinernes Paar

Steinernes Paar

Ein weiterer Tipp aus unserem Reiseführer führt uns zum Arda River. Dieser liegt ebenfalls in den östlichen Rhodopen. Hier gibt es das Nature Conservation Center. Wir besuchen den Arda Horseshoe Bend. Der kleine Bruder seines amerikanischen Kollegen in Arizona muss sich nicht verstecken. Der Fluss mit seiner hufeisenförmigen Schleife und den angrenzenden steilen und schroffen Bergen ist sehenswert.

Arda Horseshoe

Arda Horseshoe Bend

Als I-Tüpfelchen steigen dank guter Thermik während unseres Besuches eine Reihe von Geiern auf. Es ist beeindruckend, diesen großen Vögeln beim Schweben zuzusehen.

Flucht an die Schwarzmeerküste

Da das Wetter Regen vorhersagt, ändern wir unsere Route und fahren zur Schwarzmeerküste. Das sind immerhin vier Stunden Autofahrt. Aber was machen wir nicht alles, um Sonne und Wärme zu bekommen.

In der Nähe von Sosopol übernachten wir vor einer coolen Strandbar. Zwar hören wir die nachts die Bässe einer nicht weit entfernten Disko, können aber doch gut schlafen. Am Morgen schwimmen wir vor dem Frühstück im Meer und nutzen die Stranddusche. Übrigens ist das Schwarze Meer weit weniger salzig als das Mittelmeer, da es viele Süßwasser Zuflüsse hat.

Sosopol, endlich Meer und Sonne

Sosopol, endlich Meer und Sonne

Mittags sitzen wir entspannt in der Strandbar und arbeiten am neuen Video und an einem Blogartikel.

Später schauen wir uns Sosopol an. Sosopol gehört zu den ältesten Städte Bulgariens. Seine Altstadt mit ihren Festungsmauern wurde zum Freilichtmuseum erklärt. Dank seiner schönen Strände ist Sosopol ein beliebter Touristenort. Auch uns gefällt es hier gut. Wir bleiben eine weitere Nacht, da wir hier zum Wochenanfang eine bulgarische SIM-Karte kaufen wollen.

Ein Waschplatz für Balu und Gina

Danach geht es wieder ins Landesinnere. Das Wetter ist gnädig und wir fahren Richtung Plovdiv.

Auf dem Weg dorthin besuchen wir in Kasanlak ein berühmtes Thrakergrab. Das Grab geht auf das 4. Jahrhundert v. Chr. zurück und ist das am besten erhaltene Kunstwerk aus der Zeit der Thraker in Bulgarien.

Thrakergrab

Hier gehts zum Thrakergrab

Der nächste Tag beginnt mit Erledigungen: Balu waschen und Frischwasser auffüllen. Gerade, wenn man in einem neuen Land ist, werden diese eigentlich einfachen Tätigkeiten kompliziert und aufregend. In einem Vorort von Plovdiv finden wir eine Autowaschanlage.

Nach dem Waschen frage ich nach Frischwasser und der Möglichkeit, Grauwasser zu entsorgen. Der Angestellte versteht mich wohl nicht richtig und schickt uns weg. Daraufhin kommt der Chef der Tankstelle angerannt und entschuldigt sich für seinen Mitarbeiter. Wir können Frischwasser tanken und Gina darf sogar duschen.

Plovdiv, Liebe auf den zweiten Blick

Plovdiv gefällt uns erst auf den zweiten Blick. Die in Reiseführern hochgelobte Einkaufsstraße macht auf uns einen eher traurigen Eindruck.

Viele Häuser sind in einem schlechten Zustand. Es gibt viele Geschäfte mit billigen Waren, ähnlich den 1€ Shops in Deutschland.

Erst als wir von dieser Straße abbiegen, erleben wir den Charme von Plovdiv. Alte gemütliche Gassen mit hübschen Gebäuden und ansprechende Graffitis gefallen uns gut.

Wir stoßen auf die Überreste eines alten römischen Stadions. Dieses wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. nach dem Modell des Stadions von Delphi erbaut. Heute kann man noch einen Teil dieses Bauwerks bewundern. Es fügt sich harmonisch ins Stadtbild ein. Am Rimski-Stadion-Platz klafft ein riesiges Loch im Boden. Darin sieht man einen Teil der gut erhaltenen Überreste des Stadions. Man kann die Treppen hinabgehen und befindet sich sogleich am südlichen Ende der ehemals 240 Meter langen Sportstätte. Fantastisch, was vor 2.000 Jahren gebaut wurde.

Antikes Stadion

Antikes Stadion

Ein weiteres Highlight in Plovdiv ist sein antikes Theater. Es gilt als eines der am besten erhaltenen antiken Theater in der Welt. Auf der riesigen Freiluftbühne finden auch heute noch regelmäßig Aufführungen statt. Das Theater wurde Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. gebaut. Es bietet 6.000 Zuschauern Platz. Neben Theateraufführungen wurden damals auch Gladiatoren- und Jagdspiele durchgeführt.

Antikes Theater Plovdiv

Antikes Theater Plovdiv

Die Römer haben noch einige weitere sehenswerte Objekte in Plovdiv hinterlassen. Aber wir haben nicht so viel Zeit für diese sehenswerte Stadt eingeplant.

Stattdessen schauen wir uns in der Altstadt die antiken und bunten Holzhäuser an. Diese wurden im 18./19. Jahrhundert gebaut, als Plovdiv eine neue Blüte als Handelsstadt erlebte. Die Häuser sind von außen reich verziert und mit Farben und viel Liebe aufgewertet. Wir können uns an den schönen Gebäuden gar nicht satt sehen. Es muß viel Arbeit machen, die Häuser in dem wundervollen Zustand zu erhalten, in dem wir sie gerade erleben.

Altes Holzhaus

Altes Holzhaus

Kloster Rila

Wir fahren weiter nach Westen in den Rila Nationalpark. Um uns das gleichnamige Kloster anzuschauen, stehen wir tatsächlich früh auf und sind fast die Ersten im Kloster.

Das Rila-Kloster gehört zu den bekannteren Attraktionen im Land und wird täglich von vielen Touristen besucht. Ungefähr zwei Stunden haben wir, um uns das Kloster in Ruhe anzuschauen.

Die gesamte Architektur und besonders die Klosterkirche sind absolut sehenswert. Da wir anfangs fast mit die ersten sind, macht das Kloster einen erhabenen und ruhigen Eindruck auf uns. Die Kirche mit ihren vielen Fresken hat es mir angetan. In der Klosterbäckerei bekommen wir zum Frühstück leckere gebackene Teigtaschen.

Kloster Rila

Kloster Rila

Nachmittags machen wir oberhalb des Klosters eine Wanderung. Da wir unvorbereitet sind, überrascht uns auf dem Rückweg ein Gewitter mit Regen. Zum Glück werden wir nur ein wenig nass und erreichen erleichtert unseren Balu.

Das Wochenende steht vor der Tür, wir verziehen uns gerne an einen einsamen Platz. Auch in Bulgarien sind bekannte und beliebte Plätze an Seen oder Auen gut besucht. Dann wird es an solchen Plätzen oft laut, da die auch die Bulgaren gerne lange feiern oder mit ihren Autos mit quietschenden Reifen ihre Kreise ziehen.

Viel zu tun in Sofia

Die Hauptstadt Sofia wollen wir natürlich auch gerne sehen.In den größeren Städten gehen wir gerne auf Stellplätze oder Campingplätze. Wir glauben, dass es für Balu dort sicherer ist als auf einem öffentlichen Parkplatz.

In Sofia wollen wir aber nicht nur Sightseeing machen, sondern auch einige Arbeiten an Balu erledigen. Da sich unser Frischwasserfilter zugesetzt hat, haben wir aus Deutschland neue Kartuschen bestellt. Diese lassen wir zum Campingplatz liefern. Leider klappt die Anlieferung nicht reibungslos. Nach einem Telefonat und der Hilfe des bulgarischen Campingplatzbetreibers erfahren wir, wo wir die Kartuschen abholen können. Was in der Heimat alltäglich und einfach ist, wird im Ausland wieder zu einem besonderen und aufregenden Event.

Die Stadt Sofia empfängt uns mit heftigen Regenschauern. Eine geplante Free Walking Tour fällt buchstäblich ins Wasser. Was nicht zur Hebung unserer Laune führt. Die nächsten Tage sind allerdings deutlich besser und Sofia zeigt sich nicht nur wettertechnisch von seiner schönen Seite. Es ist günstig und einfach, vom Campingplatz mit der Metro in die Stadt zu fahren.

Alexander Nevski Kirche

Alexander Nevski Kirche

Sofia hat sehr viele Attraktionen zu bieten. Alte Kirchen, Moscheen und Museen. Aber auch attraktive Geschäfte, eine Markthalle und Grünanlagen. Durch die Universität in Sofia hat die Stadt auch jede Menge Bars, Clubs und ein reges Nachtleben.

Was du alles in Sofia sehen kannst, haben wir für dich in diesem Artikel beschrieben: Sofia

Die faszinierenden Felsen von Belogradchick

Drei Tage bleiben wir, dann geht es weiter Richtung Norden. In Belogradchick gibt es eine alte Festung und spektakuläre Felsformationen zu sehen. Die ursprüngliche Festung geht auf das 1. Jahrhundert n. Chr. zurück. Die Römer bauten sie zum Schutz des Weges von der Donau nach Thrakien.

Nach und nach wurde die Festung im Laufe der Zeit erweitert, zerstört und von unterschiedlichen Volksgruppen eingenommen. Richtig viel ist von der Festung nicht mehr zu sehen. Beeindruckender ist die Kulisse, in die die Festung eingebettet ist. Die mächtigen roten Felsen blieben zurück, als vor 230 Millionen Jahren ein Ozean austrocknete. Das Gebiet erstreckt sich über 30 Kilometer Länge und 7 Kilometer Breite. Manche Felsen haben sogar Namen, da ihre Formen Figuren implizieren: Der Elefant, die Kobra, das Kamel oder Adam und Evas erster Kuss.

Auch Höhlen sind hier zu sehen. Eine Wanderung dorthin und die Besichtigung heben wir uns aber für den nächsten Tag auf.

Gutgelaunt starten wir die Wanderung  zur Höhle Lepenitsa. Durch die vergangenen Regenfälle ist der Weg recht matschig. Belohnt werden wir zwischendurch mit spektakulären Aussichten. Der Weg führt nämlich an exponierten Felsplateaus entlang. Auf einem der Plateaus machen wir Rast, bevor es weiter geht.

Die letzten 200 Meter gehen jedoch so steil hinab, dass wir die Wanderung hier abbrechen müssen. Schon vorher hatte ich mich auf einem Wegstück mit gerölligem Untergrund unfreiwillig auf den Hosenboden gesetzt. Heile Knochen sind uns lieber als die mögliche Besichtigung der Höhle. Also kehren wir um, freuen uns aber über die sonst schöne Wanderung mit den atemberaubenden Anblicken der roten Felsen.

Wanderung Belogradchick

Wanderung Belogradchick

Zurück bei Balu treffen wir Mark und Julia von 2befree. Die beiden übernachten mit ihrem LKW-Wohnmobil neben Balu. Zusammen erleben wir einen netten Nachmittag, bevor uns der Regen in unseren Balu treibt.

Am nächsten Tag geht unsere  Reise weiter in den Norden. Bald erreichen wir die Grenze zu Rumänien und verlassen Bulgarien.

Profilbild von Marcus

Hi, ich bin Marcus,

leidenschaftlicher Weltenbummler und Ingenieur. Mit meiner Frau Gina erkunde ich in unserem Van Balu individuell und ohne festen Plan Europa und angrenzende Länder.

Als Technikexperte beantworte ich gerne Fragen rund um Fahrzeuge. Abseits von Campingplätzen tauchen wir in die Natur ein, lieben Wanderungen und entdecken gerne Städte.

Meine ruhige Erscheinung täuscht, denn in meinem Kopf spinnen ständig Gedanken. Ich liebe es, in andere Kulturen einzutauchen und lokale Köstlichkeiten zu probieren.

Mehr über mich erfährst du auf unserer Über-uns-Seite