Pos­a­das liegt an der Gren­ze zu Para­gu­ay. Para­gu­ay wird von Argen­ti­ni­en durch den Fluss Paraná getrennt und ist von Pos­a­das durch eine zwei Kilo­me­ter lan­ge Brü­cke zu errei­chen. Wir sind neu­gie­rig und außer­dem gibt es 60 Kilo­me­ter ent­fernt etwa 300 Jah­re alte, gut erhal­te­ne Rui­nen von Jesui­ten­dör­fern zu bestau­nen.

Nach­dem wir am Vor­abend her­aus­ge­fun­den haben, wel­cher Bus wo abfährt, machen wir uns mit Rei­se­päs­sen bewaff­net auf. Der Bus ist ein ganz nor­ma­ler Lini­en­bus mit vie­len Argen­ti­ni­ern, die, wie wir erfah­ren, zum Shop­pen nach Para­gu­ay fah­ren, da dort vie­les güns­ti­ger ist als in Argen­ti­ni­en. Beim Grenz­über­gang aus Argen­ti­ni­en her­aus müs­sen alle aus dem Bus aus­stei­gen und an der Grenz­kon­trol­le den Pass vor­zei­gen.

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An der Gren­ze

Das Pro­ze­de­re dau­ert 15 Minu­ten bis man wie­der im Bus sitzt. Der Bus fährt über die Brü­cke und bei der Ein­rei­se nach Para­gu­ay heißt es noch­mal aus­stei­gen und den Pass vor­zei­gen. Dann fährt der Bus mit uns noch­mal zehn Minu­ten und wir sind am Bus-Ter­mi­nal im Ort Encar­na­ci­on. Dort müs­sen wir erst­mal Geld umtau­schen. Die Wäh­rung in Para­gu­ay heißt Gua­ri­ni und der­zeit bekommt man für einen Euro unge­fähr 6.360,- Gua­ri­ni. Schon im Bus bot jemand Geld­um­tausch an, kei­ne Ahnung ob zum offi­zi­el­len Wech­sel­kurs, wir woll­ten am liebs­ten bei der Bank tau­schen. Im Bus­bahn­hof soll es eine Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on geben. Also erst­mal dahin. Nach eini­gem Suchen fra­ge ich jeman­den, der auf eine klei­ne Trep­pe zeigt, die in den ers­ten Stock der Hal­le führt. Oben ste­hen wir dann im Büro der Bahn­hofs­vor­ste­he­rin, bei der wir nach Geld­um­tausch und Bus fra­gen. Schnell ruft sie einen Mann her­bei, der uns Geld wech­seln kann. Nach eini­gem Hin und Her tau­schen wir etwas Geld und ver­las­sen eiligst das Gebäu­de. Der klapp­ri­ge Bus war­tet schon und nach etwa einer Stun­de errei­chen wir in Tri­ni­dad das Info­cen­ter der Rui­nen.

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Von Wei­tem sieht der Bus ganz gut aus, immer­hin ist es ein Mer­ce­des

Wir schau­en uns eine klei­ne Aus­stel­lung und einen Film an, dann geht es zu den Rui­nen.

Euro­päi­sche Jesui­ten haben um 1700 in Para­gu­ay, Argen­ti­ni­en und Bra­si­li­en Mis­si­ons­dör­fer auf­ge­baut, mit Kir­che, Schu­le, Werk­stät­ten und Wohn­häu­sern, um den ein­hei­mi­schen Gua­ra­ni den christ­li­chen Glau­ben und hand­werk­li­che Fähig­kei­ten zu ver­mit­teln. Die Jesui­ten wur­den spä­ter von dem spa­ni­schen König des Lan­des ver­wie­sen, anschei­nend war der dama­li­gen Regie­rung der Erfolg der Jesui­ten ein Dorn im Auge.

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Kathe­dra­le

Eine Wei­le haben wir die Stät­te ganz für uns allein, spä­ter kommt noch eine spa­nisch­spra­chi­ge Besu­cher­grup­pe hin­zu. Das ist der Vor­teil, wenn man nicht in der Haupt­sai­son reist. Nach unge­fähr zwei Stun­den sind wir wie­der zurück an der Info. Ein wei­te­rer Teil der Rui­nen befin­det sich im zwölf Kilo­me­ter ent­fern­ten Jesús de Tavar­an­güe, die­ser ist mit Bus oder Taxi zu errei­chen.

Da wir den Bus neh­men wol­len, gehen wir zur Tank­stel­le, dort befin­det sich die Bus­hal­te­stel­le. Als nach 20 Minu­ten immer noch kein Bus in die gewünsch­te Rich­tung fährt, beschlies­sen wir, doch das Taxi zu neh­men. Pech nur, dass das ein­zi­ge Taxi gera­de von ande­ren besetzt wird. Der Taxi­fah­rer ver­spricht uns aber schnell wie­der­zu­kom­men und uns dann zu fah­ren.
Im Taxi ent­wi­ckelt sich ein ange­reg­tes Gespräch über die in der Gegend leben­den Deut­schen. Ich sit­ze hin­ten in dem Wagen und mache mir Gedan­ken um die Fahr­tüch­tig­keit des Autos. In so einem dre­cki­gen und maro­den Taxi hab ich noch nicht geses­sen. Trotz­dem kom­men wir hei­le an. Der Fah­rer war­tet auf uns wäh­rend wir die wirk­lich gut erhal­te­nen Rui­nen bestau­nen.

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Blick in die Kir­che

Spä­ter geht es in umge­kehr­ter Rei­hen­fol­ge zurück. In Encar­na­ci­on machen wir noch etwas Sight­see­ing und an der Gren­ze zu Argen­ti­ni­en müs­sen wir nur ein­mal zur Pass­kon­trol­le aus­stei­gen.
Erstaun­lich ist wirk­lich, was man­che Argen­ti­ni­er alles ein­ge­kauft haben. Eine Frau neben uns im Bus ist umge­ben von min­des­tens sechs vol­len Ein­kaufs­tü­ten und Kar­tons, die ich der Frau beim Aus­stei­gen anrei­che. Wie sie die Ladung wei­ter trans­por­tiert, kön­nen wir nicht sehen. Wir stei­gen jeden­falls eini­ge Hal­te­stel­len spä­ter aus und sind bald zurück in unse­rer Woh­nung. (m)