Aktualisiert am 04/08/2022 von Gina

Weltreise Log Teil 1

Buenos Aires gefällt uns mega gut, es ist eine sehr lebendige Stadt mit viel positiver Energie. Der Verkehr ist beeindruckend, aber nicht erdrückend, vielleicht weil die Straßen breit sind und es viel Grün gibt.
Wir lieben es, einfach durch die Straßen zu laufen und zu gucken. Es gibt so viel zu sehen. Leider muss man dabei immer auch auf den Boden schauen, denn die Porteños sind große Hundeliebhaber. Wir haben noch nie eine Stadt mit so viel Hundehaufen erlebt!
Mit Bus und U-Bahn kommt man gut durch die Stadt. Vor allem, wenn man erst mal das auf den ersten Blick unübersichtliche System mit den hunderten Buslinien durchschaut hat

Ankunft in Buenos Aires

Nach einem ruhigen Flug landen wir pünktlich am Aeropuerto Ezeiza in Buenos Aires. Nun heißt es erstmal Geduld haben: lange Schlangen bilden sich vor den Inmigración-Schaltern, aber schließlich dürfen wir rein. Da die Passkontrolle so lange gedauert hat, müssen wir immerhin nicht am Gepäckband warten, im Gegenteil, unsere Rucksäcke warten schon auf uns! Nochmal anstellen zur Zollkontrolle, am einzigen funktionierenden Geldautomaten, am Stand von Taxi Ezeiza. Draußen strömt sintflutartiger Regen nieder. Trotzdem ist es warm, fast schwül.

Das Taxi bringt uns zu unserer Wohnung im Stadtteil Recoleta, die wir über AirBnB angemietet haben. Ein hübsches kleines Appartment mit Küche und schönem Badezimmer, aber seht selbst:

Unsere Wohnung in Buenos Aires

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Nachmittags brechen wir zu einem ersten Streifzug in die Umgebung auf.

Außerdem müssen wir den Kühlschrank füllen und suchen einen Supermarkt. Aber als erstes finden wir schräg gegenüber unserer Wohnung eine Eisdiele und gönnen uns unser erstes argentinisches Eis. Sehr lecker!

Gina und Marcus mit einem großen Eis in der Hand.

Eis können sie, die Argentinier!

Nachdem wir einen Grundstock Lebensmittel besorgt haben, gibt es unser erstes Abendessen in unserer Wohnung. Die Küche ist mit allem ausgestattet, was wir brauchen. Okay, eine Bratpfanne mussten wir noch extra bei der Vermieterin anfragen, aber sie wurde uns flugs gebracht.

Flohmarkt in San Telmo

Nach einer erholsamen Nacht wollen wir am Sonntag den berühmten Straßenflohmarkt in San Telmo besuchen. Ziemlich lange brüten wir über dem Busplan, den wir in der Wohnung vorgefunden haben. Es fahren sehr viele Busse in Buenos Aires, doch das System ist für Ortsunkundige nur schwer zu durchschauen. Schließlich finden wir den richtigen Bus und erreichen gegen Mittag San Telmo.

San Telmo ist einer der ältesten Stadtteile von Buenos Aires. Alte Gebäude, Kopfsteinpflastergässchen und eine mittlerweile große Künstlerszene prägen den Ortsteil. Es ist gar nicht so voll, wie wir befürchtet haben. Vielleicht liegt es daran, dass die Hauptsaison schon vorbei ist. Viele kleine Läden, die hübsche Dinge anbieten sind geöffnet.

Regal mit bunten Figuren.

Bunter Dekokram in kleinen Lädchen.

Auf der Straße wechseln sich Verkaufsstände mit Straßenkünstlern ab.

Straßenkünstler in eilender Pose erstarrt.

Ja, der ist echt!

Wir erreichen die Plaza Dorrego, das Herz der Feria de San Telmo. Rund um den kleinen Platz reihen sich Lokale, auf dem Platz selber finden wir viele Stände, die Trödel und Typisches aus der Gegend anbieten. Es ist ein farbenfrohes Bild und eine sehr entspannte Stimmung.

Stand mit silbernen Kruzifixen:

Kitsch oder Kunst?

alte Apothekengefäße.

Da lacht das Herz der Apothekerin….

Modellautos aus den Fünfziger Jahren.

… und hier das Herz des Autofans!

Reihe mit blauen und grünen Glasflaschen auf dem Markt in San Telmo.

Die blauen und grünen Glas-Siphons sind berühmt.

Berühmt ist die Plaza Dorrego auch für ihren Straßentango. Wobei es natürlich nicht so ist, dass Menschen spontan anfangen zu tanzen, sondern es sind professionelle Künstler, die auftreten. Statt des – recht happigen – Eintritts, den man bei Tango-Shows zahlen muss, treten die Tänzerinnen und Tänzer gegen eine freiwillige Spende auf. Hier ein paar Impressionen vom Tango:

Tango tanzendes Paar

Tango-Paar auf der Plaza Dorrego

Puerto Madero – das moderne Hafenviertel in Buenos Aires

Nachdem wir alles ausgiebig bewundert haben, schlendern wir über das schicke Hafenviertel Puerto Madero zurück. Hier hat man, wie in vielen anderen Städten auch, die alten Hafenanlagen mit supermodernen Hochhäusern, einer Flaniermeile entlang der alten Hafenbecken und entsprechenden gastronomischen Angeboten aufgewertet.

Blick über spiegelnde Wasserfläche auf die Hochhäuser von Puerto Madero in Buenos Aires.

Moderne Hochhäuser säumen den Hafen

Gina unter dem weißen Pylon der Hafenbrücke.

Strahlende Weltreisende auf der modernen Hafenbrücke.

Ein Blick auf die Casa Rosada

Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick auf die Casa Rosada, den Sitz des Staatspräsidenten. Der Palast leuchtet im Licht des späten Nachmittags in einem intensiven Rosa, was ihm den Namen einbrachte. Hier ist auch der legendäre Balkon, von dem aus Eva (Evita) Perón ihre letzte Rede gehalten hat.

Gebäude mit rosa Fassade, davor eine altmodische Straßenlaterne.

Die Casa Rosada im Abendlicht.

Alltag in Buenos Aires

Die Stadt gefällt uns wirklich gut. So langsam wird aus dem Stadtplan eine Stadt: wir kriegen eine Vorstellung, was wo ist, wie diese oder jene Straße aussieht, in welche Richtung es stadteinwärts oder stadtauswärts geht (meistens jedenfalls, Irrtümer inbegriffen).

Also Montag bis Freitag Routine in Form von morgens um viertel nach neun zur Sprachschule  gehen und mittags gegen zwei Uhr zurückkommen. Essen, ausruhen, neues Essen einkaufen, kochen, spülen – fast wie zu Hause…

Das Wetter ist ziemlich wechselhaft. Wir haben keine einzige Quelle für einen zuverlässigen Wetterbericht gefunden. So haben wir zwei verregnete Nachmittage ganz gechillt zu Hause verbracht. Wir haben ja Zeit, brauchen keinen Besichtigungsstress, weil wir in zwei Wochen wieder nach Hause müssten. Sehr entspannt.

Einen sonnigen Tag nutzten wir zum Spaziergang zum Jardín Botánico, dem Botanischen Garten. Thematisch nach Regionen der Welt geordnet, umbrandet vom tosenden Verkehr bildet er eine grüne Oase.

Es gibt übrigens viel Grün in Buenos Aires. Viele Straßen sind von großen Bäumen gesäumt, auch Parks und grüne Plätze findet man immer wieder.

Milonga – argentinischer Tango

Donnerstagabend gingen wir mit einigen Leuten von der Sprachschule zu einer Milonga – einer Tangoveranstaltung – im Stadtteil Almagro. Die Milonga fand in einer Halle im Hinterhof statt. Wenn wir nicht die Hausnummer gewusst hätten, wären wir an dem unscheinbaren Eingang fast vorbei gelaufen. Zu Beginn gab es eine Einführung ins Tango-Tanzen, bei der viel Wert darauf gelegt wurde, das Gefühl und den Spirit des Tangos zu vermitteln. Sehr gelungen und nein, keine Fotos, wir waren mit Tanzen beschäftigt. Später gab eine junge Band moderne Interpretation des Tangos zum Besten.

Davor und danach war die Tanzfläche freigegeben und wir bestaunten die Paare, die wirklich großartig tanzten. Natürlich haben wir uns nicht noch mal auf die Tanzfläche gewagt.

Sightseeing im Zentrum von Buenos Aires

Am Samstag begaben wir uns ins Centrum. Wir schauten uns an der Plaza de Mayo die Catedrale an, die wie ein römischer Tempel aussieht.

Da ideales Museumswetter war besuchten wir das Museo de Bicentenario. Es wurde zum 200-jährigen Bestehen des Staates eröffnet und bietet einen tollen Überblick über die wechselhafte Geschichte des Landes. Mit vielen Videos wurden die unterschiedlichen Phasen anschaulich gemacht.

Parque Ecológico Costanera Sur

Heute, am Sonntag vertrauten wir dem Wetterbericht, der wolkiges, aber trockenes Wetter vorhergesagt hatte. Wir fuhren zum Parque Ecológico Costanera Sur, ein Naturpark zwischen dem schicken Puerto Madero und der Küste des Río de la Plata. In dem Feuchtgebiet hausen viele Vogelarten, Schmetterlinge und anderes Getier.

Leider liefen wir fast zwei Stunden durch den Regen (so viel zum Wetterbericht) und anscheinend stellen sich auch Vögel bei Regen lieber unter, als Touristen vor die Kamera zu fliegen. Am Ende hatten wir doch noch Glück und es klarte etwas auf.

Museo de la Inmigración – Irrwege im Hafenviertel

Sonntag, graues und regnerisches Herbstwetter, das schreit ja förmlich nach Museumsbesuch!

Schnell haben wir uns auf das Museo de la Inmigración geeinigt, das in Hafennähe im ehemaligen Hotel de los Inmigrantes untergebracht sein soll. Der Reiseführer verrät uns die Adresse: Avenida Antártida Argentina 1355. Die Befragung der App für den öffentlichen Nahverkehr in Buenos Aires liefert verschiedene Buslinien, die mehr oder weniger nah am gewünschten Ziel enden. Hm, die Adresse liegt jenseits des Busbahnhofs Retiro, eine Gegend, von der der Reiseführer grundsätzlich abrät.

Also gut, die dicke Kamera darf zu Hause bleiben und wir wählen eine Buslinie, die ganz in der Nähe des Museums hält und nicht schon am Bahnhof Retiro endet. Theoretisch jedenfalls, denn auch dieser Bus beendet am Busbahnhof seine Fahrt.

Wir konsultieren zwei Apps, die uns zwei verschiedene Richtungen vorgeben.

Ein Blick auf die Hausnummern, die auf jedem Straßenschild für den nächsten Abschnitt angegeben sind, lässt uns die Richtung in die zweifelhafte Gegend hinter dem Bahnhof einschlagen. Schnell wirkt alles ziemlich abgerissen: sehr schadhafte Gehwege, dubiose Gestalten, teils in größeren Gruppen. Mit einem mulmigen Gefühl wechseln wir die Straßenseite (also über sechs bis acht Fahrspuren). Die andere Seite wird gesäumt von teils verlassenen Bürogebäuden und wirkt ziemlich einsam. Wir hasten Richtung der 1300er Hausnummern, umkreisen einmal den Block, ohne einen Hinweis auf das Museum zu finden.

Okay, also schnell wieder zurück in zivilisierte Gegenden. Nun versuchen wir, den Punkt, den die Triposo-App für das Museum anzeigt zu finden. Es geht an verlassenen Hafengebäuden entlang, auch nicht sehr vertrauenerweckend die Gegend hier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich froh darüber bin, dass uns keine Menschenseele begegnet oder beunruhigt. Um eine improvisierte Unterkunft eines (oder mehrerer?) Obdachlosen machen wir einen großzügigen Bogen.

Schließlich kommen wir an Gebäuden der Inmigración, also Einwanderungsbehörde vorbei. Davor leere Parkplätze mit Seen aus Pfützen. An einem halboffenen schmiedeisernen Tor finden wir tatsächlich einen Hinweis: „Mueso de la Inmigración 100 m“. Aber die nächste und übernächste Tür ist wieder verschlossen.

Wir kehren zurück zu dem halboffenen Tor und gehen hindurch. Eine Wachbeamtin in Uniform kommt aus der Tür. Wir fragen nach dem Museo und bekommen die vage Antwort: „Sí, al fondo“. Immerhin irren wir jetzt im gut umzäunten Staatsgelände umher, das ist doch schon mal ein Fortschritt. Wir könnten durch Gebäude mit Bürotrakten marodieren, die Türen stehen offen. Tun wir natürlich nicht.

Schließlich entdecken wir das Museum. Schöne große Banderolen zeigen den Standort an.

Der versteckten Lage entsprechend ist der Besucherandrang sehr bescheiden. Das Museumspersonal ist deutlich in der Überzahl ;-)

Entspannt schauen wir uns die Ausstellung an, die über die Einwanderungen aus Italien, Spanien und anderen europäischen Ländern berichtet.

Im kleinen Museumscafé verzehren wir unsere mitgebrachten Brote und natürlich eine unvermeidliche Dulce-de-leche-Leckerei aus dem Angebot des Cafés.

Zum Abschluss möchten wir nun aber die tatsächliche Adresse des Museums erfahren. Wir fragen an der Theke des kleinen Shops. Die Dame blättert im Prospekt und zeigt auf die Adresszeile: Av. Antártida Argentina 1355. Das sei richtig?, fragen wir erstaunt. Jaja, da steht es ja, versichert die Dame.

Beim Verlassen des Geländes über das „richtige“ Tor werfe ich einen Blick zurück: Hausnummer 425 steht da!

Nachtrag: Heute, am Montag, werde ich mitten in der Stadt, direkt am Teatro Colón Zeugin, wie ein Taschendieb flüchtet, mit lautem Geschrei verfolgt und von seinen Verfolgern zu Boden geworfen wird. Sie reißen ihm die gestohlene Geldbörse aus der Hand und schlagen und treten auf ihn ein, alles wenige Meter vor mir. Erst im Nachhinein merke ich, wie sehr mich die hässliche Szene geschockt hat.

Mural-Tour in Buenos Aires

Ein Programmpunkt, den wir auf keinen Fall verpassen wollten, ist die Besichtigung der großen Murals in Buenos Aires.  Das sind Gemälde auf Mauern und Wänden, wie bei uns die Graffitis, nur viel größer.

Da die Wettervorhersage für heute zur Abwechslung mal keinen Regen  prognostizierte, hatten wir uns flugs zu einer geführten Tour angemeldet. Mit fünf Teilnehmern und einer sehr begeisterten amerikanischen Führerin ging es fast pünktlich am vereinbarten Treffpunkt los. Erwähnenswert ist, dass in Argentinien die Street-Art Künstler legal arbeiten. Sie benötigen nur das mündliche Einverständnis des Besitzers der Wand oder der Mauer und schon können sie loslegen.

Im Viertel San Telmo schauten wir uns zuerst zu Fuß einige kleinere Murales an, die wir ohne die fachkundigen Hinweise übersehen hätten. Weiter ging es mit einem Kleinbus durch Barracas und La Boca. Das sind zwei Gegenden, in denen vorwiegend Arbeiter und arme Leute wohnen und vor denen in den Reiseführern wegen der Kriminalität gewarnt wird. Daher konnten wir bei den Murales auch nur kurz aus dem Bus steigen oder mussten an manchen Orten im Bus bleiben.

Die Führung endete nach circa drei Stunden in einer Eisdiele, in der wir uns für den Nachhause-Weg stärken konnten.

Friedhof Chacarita

Nachdem wir den vielleicht berühmtesten Friedhof Südamerikas, den Cementerio Recoleta besichtigt haben, wollen wir uns auch sein unbekannteres Pendant, den Cementerio Chacarita ansehen. Er ist flächenmäßig um ein Vielfaches größer und heute der Hauptfriedhof von Buenos Aires.

Mit dem Bus erreichen wir den gleichnamigen Stadtteil Chacarita. Hier ist alles gleich ein bisschen weniger schick als in Recoleta und Palermo, wo wir uns bisher überwiegend bewegt haben. Der Bus hält vor dem Bahnhof Chacarita, dessen Existenz eng mit der des Friedhofs verknüpft ist. Als 1871 die große Gelbfieberepidemie Buenos Aires heimsuchte, brauchte man dringend einen Ort, wo man die vielen Toten bestatten konnte. Chacarita, das zu diesem Zeitpunkt nur aus ein paar Farmen bestand schien dafür geeignet. Um die Leichen schnell dorthin bringen zu können, wurden Gleise verlegt.  So entstand der Grundstein für den Bahnhof und den Ort.

Wir kehren zunächst in ein großes Schnell-Restaurant gegenüber dem Bahnhof ein und verzehren eine Pizza Mozzarella an den einfachen Stehtischen. Die Pizza besteht übrigens überwiegend aus Mozzarella, Boden und Belag spielen nur eine untergeordnete Rolle.

So gestärkt überqueren wir den Vorplatz und gehen durch das gigantische Säulenportal des Friedhofs. Als erstes betritt man ein Areal, das aus steinernen Mausoleen, ähnlich wie der Cementerio Recoleta, besteht. Dicht an dicht ein Totenhaus neben dem anderen.

Breite, gepflasterte Straßen führen hindurch, teils mit Bäumen bestanden. An vielen Mausoleen nagt deutlich der Zahn der Zeit. Offensichtlich sind viele der ehemals reichen Familien erloschen oder es fehlen ihnen die Mittel, ein Prunk-Mausoleum zu unterhalten. Für uns befremdlich ist, dass Särge nicht nur in der unterirdischen Gruft, sondern auch im oberen Teil gut sichtbar stehen.

Hinter der Totenstadt folgt ein rautenförmiger Platz. Er ist gesäumt von mehreren Kapellen, in denen die Trauerfeiern stattfinden.

Hinter dem Platz erstreckt sich eine weite Fläche, auf der zunächst nur große Vierecke aus niedrigen Mauern zu erkennen sind. Auf dem Friedhofsplan war das Gebiet mit „galerías“ bezeichnet. Was damit gemeint ist, erkennen wir, als wir uns nähern. Über die Mauerbrüstung sieht man drei unterirdische umlaufende Galerien, von denen zig Gänge abgehen. In einem solchen Gang befinden sich 120 Grabstätten in Form von Fächern für je einen Sarg. Die Optik hat ein bisschen was von Gepäckaufbewahrung.

Von diesen Galerien gibt es einige, eine unglaubliche Anzahl von Grabstätten. Für eine Stadt mit einigen Millionen Einwohnern vermutlich auch nötig.

Wir steigen in eine der Galerien hinab. Auch wenn der Innenhof grün ist, wirken die langen Gänge sehr trist. An einigen Gräbern sind Plastikblumen befestigt. Viel Platz für Schmuck bieten die Türen nicht.

Außer den riesigen Galerien gibt es noch weitläufige Felder mit Erdgräbern, wie wir sie von unseren Friedhöfen kennen. Auch hier sind nicht alle Gräber geschmückt, vielfach fehlt auch ein Grabstein. Stattdessen steht ein einfaches Holzkreuz da. Einige der Gräber sind zu einer tieferen Grube eingesunken, vielleicht auch schon wieder ausgeräumt? In einer dieser Gruben meinen wir ein künstliches Hüftgelenk zu sehen – gruselig!

Eine weitere Besonderheit dieses Friedhofs sind Pantheone von bestimmten Gruppen: seien es religiöse Gemeinschaften, Gewerkschaften, Polizei, Marine und andere militärische Korps. Sie bestehen aus einem Tempel und darunter liegenden eigenen galerias.

Ein anderer Teil des riesigen Areals ist auf dem Plan als deutscher und britischer Friedhof gekennzeichnet. Hier hatten im 19. Jahrhundert die Einwanderer und ihre Nachfahren ihre Bestattungsplätze. Offensichtlich besteht heutzutage keine Notwendigkeit mehr dafür, denn die Flächen bestehen aus Grasflächen mit einzelnen verfallenen Grabstätten.

Wir beenden unseren Rundgang und haben einen interessanten Einblick in argentinische Begräbniskultur gewonnen.

Ausflug nach Colonia del Sacramento/Uruguay

Holzkutsche mit Aufschrift Colonia del Sacramento

Gegenüber von Buenos Aires am anderen Ufer des Rio de la Plata liegt Uruguay. Als Europäer stellt man sich vielleicht vor, dass man da rüberwinken könne. Dem ist aber nicht so, denn der Rio de la Plata ist so breit, dass das gegenüberliegende Ufer nicht zu sehen ist.

Eine gute Stunde braucht die Fähre von Buenos Aires aus bis Colonia del Sacramento. Nach Montevideo wären es drei Stunden, das ist uns für einen Tagesausflug zu viel, auch wenn uns die uruguayische Hauptstadt sehr interessieren würde.

Wir erwischen einen Tag mit Sonnenschein und blauem Himmel. Die Überfahrt ist nicht besonders spektakulär. Das Schiff, ein riesiger Katamaran, hat kein Außendeck und die schmutzigen Scheiben bieten nicht viel Aussicht.

Vom Fährhafen in Colonia geht es zu Fuß ins historische Zentrum. Der Weg führt am Río de la Plata entlang, bis wir schließlich vor der alten Stadtmauer stehen und durch ein Tor den Bereich des Casco histórico betreten.

Grüner Platz mit Palmen, von niedrigen Häusern umrahmt.

Plaza Mayor

Die zentrale Plaza Mayor ist grün und mit vielen Bäumen bestanden. Lautes Vogelgekreische von Hunderten kleiner grüner Papageien hallt durch die Luft.

Eine Attraktion ist der alte Leuchtturm, der über eine enge Stiege erklommen werden kann. Nichts für Menschen mit Platzangst!

Immerhin gibt es jetzt in der Nebensaison keine langen Schlangen vor der Tür. Von oben haben wir einen tollen Blick über den Ort und den Fluss.

Weißer Leuchtturm vor blauem Himmel.

Leuchtturm von 1857

Es gibt eine schöne Uferpromenade entlang des Río de la Plata. Ganz entfernt am Horizont kann man die Hochhäuser von Buenos Aires erahnen.

Einen Besuch der acht Museen, für die man zusammen eine Eintrittskarte kaufen kann, schenken wir uns. Die Museen schließen um 16 Uhr 30 und da wir erst gegen Mittag angekommen sind, lohnt sich das nicht.

Was uns auffällt: die Autos halten für Fußgänger! Freiwillig! (Das tun sie in Argentinien nur im Notfall, aber erst wenige Millimeter vor deiner Kniescheibe.)

Dass Nebensaison ist, merken wir auch, als um 17 bis 18 Uhr die kleinen Läden und auch viele Restaurants schließen. Da unser Schiff erst um halb zehn zurück fährt, müssen wir wirklich suchen, um ein Restaurant zu finden. Glücklicherweise liegt es direkt am Ufer, so dass wir den spektakulären Sonnenuntergang erleben.

Silhouette einer Straßenlaterne vorm Sonnenuntergangs-Himmel.

Hach…

Auch von Uruguay gibt es ein kleines Video:

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