Road­trip mit Ker­mit Tag 33 – 41

Von Edith Falls mit sei­ner schö­nen Bade­mög­lich­keit gehts ab jetzt zurück Rich­tung Ost­küs­te. Aber erst­mal fah­ren wir noch vie­le Kilo­me­ter durchs Out­back, das uns so gut gefällt.

p1130757-2.jpg

So schön kann nur Out­back sein ?

Beim Früh­stück ereig­net sich ein dreis­ter Dieb­stahl, sozu­sa­gen Mund­raub: als ich Eier koche und kurz mit dem Rücken zum Tisch ste­he, hüpft ein Bower­bird, ein gro­ßer braungrau­er Vogel, auf den Tisch und klaut sich ein Apfel­stück aus mei­ner Müs­li­scha­le. Tags zuvor hat­te er schon ver­sucht, eine Schei­be Toast zu ergat­tern. Dies war ihm nicht gelun­gen, er hat­te nur ein Loch in dem Toast hin­ter­las­sen.
Beim Auf­bruch im Camp müs­sen wir geschla­ge­ne 10 ( in Wor­ten: zehn!!) Minu­ten an der Aus­fahrt war­ten, da ein Grey Nomad sei­nen Anhän­ger quer auf dem Zuweg ankop­pelt. Manch­mal bin ich ja gedul­dig, aber in die­ser Situa­ti­on hab  ich mich unnö­tig auf­ge­regt. Wir haben kei­ner­lei Zeit­druck, und trotz­dem flu­che und schimp­fe ich noch eine gan­ze Wei­le.

In Kathe­ri­ne wird noch getankt und Lebens­mit­tel ein­ge­kauft. Beim Opti­ker schnell die Bril­le noch­mal gera­de­bie­gen las­sen und in der Apo­the­ke mei­nen Blut­druck mes­sen las­sen: alles wie­der im grü­nen Bereich.

Nach­mit­tags kom­men wir in Daly Waters an. Der Ort besteht aus einem Pub mit ange­schlos­se­nem Camp. Der Pub ist berühmt, da hier in Daly Waters die ers­te Lan­de­bahn für den inter­na­tio­na­len Luft­ver­kehr exis­tier­te. Flug­zeu­ge von Sin­ga­pur kom­mend lan­de­ten hier ab den 1930er Jah­ren, um Sprit nach­zu­tan­ken. In die­sen Jah­ren kamen vie­le Pilo­ten mit Rang und Namen, die im Pub ein eis­kal­tes Bier nah­men. Der Pub ist über und über mit Andenken aus aller Welt ver­ziert, ob Auto-Num­mern­schil­der, Bank­no­ten, Visi­ten­kar­ten oder sons­ti­ges. Daly Waters ist sogar auf vie­len Land­kar­ten ver­zeich­net, obwohl der Ort nur 16 Ein­woh­ner zählt.

img_2362-4.jpg

Ver­rück­te Sachen in Daly Waters

tmp_18735-20160917_203623-1616752404

Daly Waters Pub

Wir trin­ken Bier und ler­nen Miri­am und Mar­tin ken­nen, ein Schwei­zer Paar, die mit ihrem VW-Bus unter­wegs sind. Sie erzäh­len vom Trans­port ihres Bul­lis übers Meer. Ein ganz eige­nes Aben­teu­er.

Am nächs­ten Tag fah­ren wir nach Ten­nant Creek. Ins­ge­samt scheint uns, dass die Stra­ßen und die Cam­ping­plät­ze lee­rer wer­den, da vie­le Grey Nomads aus ihren Win­ter­quar­tie­ren im Nor­den wie­der zurück in den Süden gekehrt sind.

Es kom­men noch ein paar Fahr-Tage, also Tage, um Stre­cke zu machen. So um die 400 Kilo­me­ter am Tag. Klingt nach nicht viel, aber die Stra­ßen sind deut­lich schlech­ter als die Auto­bahn zu Hau­se. Meist fah­ren wir ein Tem­po zwi­schen 80 und 100 km/h und die Hit­ze strengt trotz Kli­ma­an­la­ge an. Ker­mit hat einen Unter­flur-Motor, wir sit­zen wäh­rend der Fahrt knapp über dem Motor, und spe­zi­ell die Bei­fah­re­rin ist nach eini­gen Stun­den Fahrt fast gar ?.

Heu­te wol­len wir in einem Bush­camp über­nach­ten. Das ist ein unbe­fes­tig­ter Rast­platz an der Stra­ße, auf dem man für eine Nacht kos­ten­los blei­ben kann. Es gibt Pick­nick­ti­sche, Müll­ei­mer und ein Plumps­klo. Mehr nicht. Eini­ge weni­ge Bäu­me geben Schat­ten. Als wir ankom­men, sit­zen unzäh­li­ge laut kra­keh­len­de Raben auf den Müll­ei­mern und ver­su­chen, die­se zu öff­nen und ess­ba­re Din­ge her­aus­zu­zie­hen. Als wir näher­kom­men, ver­schwin­den sie flugs. Abends ist der Him­mel klar und der Halb­mond wirft Schat­ten. Das Kreuz des Südens als Ster­nen­kon­stel­la­ti­on ist gut zu sehen. Übri­gens steht der Mond hier auf dem Kopf und die Son­ne steht mit­tags im Nor­den. Ver­kehr­te Welt ?. Es haben sich noch eini­ge ande­re Bush­cam­per ein­ge­fun­den, die mit Cara­van, Cam­per­van oder einem PKW unter­wegs sind. Eine Unter­hal­tung beschränkt sich auf „whe­re do you go to” und eini­gen kur­zen Erklä­run­gen.

Als wir am nächs­ten Mor­gen beim Früh­stück sit­zen, sind wir allei­ne. Vor 10 Uhr mor­gens kom­men wir fast nie los, erst­mal Obst fürs Müs­li schä­len und schnei­den, Eier und Tee kochen. Spä­ter spü­len und den Wagen fahr­fer­tig machen. Bewährt hat sich für uns das Durch­ge­hen einer Check­lis­te kurz vor dem Take Off:

Frisch­was­ser getankt – Check

Abwas­ser abge­las­sen – Check

Gas abge­dreht – Check

Dach­lu­ke zu – Check

Bank gegen Ver­rut­schen gesi­chert – Check

Strom­ka­bel ein­ge­holt – Check

Alle Vor­hän­ge auf­ge­rollt – Check

Neu­lich sind wir mit offe­ner Heck­klap­pe los­ge­fah­ren, ich glaub ich werd alt ??. In Deutsch­land in den Nach­rich­ten kam neu­lich eine Mel­dung, dass ein Mann sei­ne Ehe­frau auf dem Rast­platz einer Auto­bahn ver­ges­sen hat­te. Schlech­te Check­lis­te!!

Im Bush­camp habe ich Geburts­tag!! Nach dem Früh­stück fah­ren wir nach Mount Isa, einer Minen­stadt. Mit­tags machen wir Pick­nick am Lake Moon­d­ar­ra, der aber wegen vie­ler Schling­pflan­zen am Ufer nicht zum Baden ein­lädt. Spä­ter auf dem Cam­ping­platz sprin­gen wir noch in den Pool und gehen abends Steak essen. So kann man sei­nen Geburts­tag auch gut ver­brin­gen.

p1130760-2.jpg

An den Geburts­tag wer­de ich mich noch lan­ge erin­nern

Die nächs­ten zwei Tage ver­brin­gen wir eben­falls in Mount Isa. Einen Tag machen wir Wäsche, Blog und rela­xen, am ande­ren Tag schau­en wir uns die School of the Air an und nach­mit­tags hat Gina einen Fri­sör­ter­min auf dem Camp.

p1130886-1.jpg

Minen­stadt Mount Isa

Die School of the Air ist eine Schu­le, in der Leh­rer und Schü­ler ursprüng­lich über Funk den Unter­richt bestrei­ten. Im Out­back woh­nen Fami­li­en teils hun­der­te Kilo­me­ter von der nächs­ten Schu­le ent­fernt.  Deren Kin­der bekom­men Mon­tags bis Frei­tags je eine Stun­de Unter­richt. Die Klei­nen bekom­men Eng­lisch und Mathe Unter­richt, die ande­ren Fächer müs­sen zu Hau­se gepaukt wer­den. Natür­lich funk­tio­niert das heu­te übers Inter­net. Wir durf­ten einer Unter­richts­stun­de bei­woh­nen. Sehr inter­es­sant. Auf einer Land­kar­te wur­de uns gezeigt, wel­cher Schü­ler wo wohnt und wie weit das von der Schu­le ent­fernt ist.

p1130805-4.jpg

School of the Air – gleich wer­den wir eine Unter­richts­stun­de erle­ben

p1130810-4.jpg

Die Leh­re­rin erklärt uns, wer am ande­ren Ende der Lei­tung sitzt und was heu­te gelehrt wird

Der Fri­sör­ter­min naht: Die Fri­sö­rin wohnt in einem Wohn­wa­gen unge­fähr zehn Meter von uns ent­fernt.  Die Sche­re fliegt, es ent­wi­ckelt sich ein net­tes Gespräch und zum Schluss las­se ich mir noch mein Pony schnei­den ?.

p1130849-3.jpg

Prak­tisch, wenn die Fri­sö­rin neben­an wohnt

Am nächs­ten Mor­gen geht’s wei­ter. Mit­tags hal­ten wir für eine Rast im klei­nen Ort Julia Creek. Gina hat­te her­aus­ge­fun­den, daß am frü­hen Nach­mit­tag der Dunn­art gefüt­tert wird. Da kann man zuschau­en. Was, ihr kennt den Dunn­art nicht? Na, wir wuss­ten von des­sen Exis­tenz auch nichts. Spe­zi­ell nichts vom Julia Creek Dunn­art, denn den hät­te man erst weni­ge Jah­re zuvor ent­deckt.

20160917_185527

Klei­ner Dunn­art vor gro­ßem Tel­ler

Gestat­ten, ich bin Jeff, ein zwei Jah­re alter Dunn­art. Gehö­re zu den Beu­tel­tie­ren, bin ca. 5cm lang und wie­ge 50 Gramm. Ich bin schon ziem­lich alt und krie­ge hier in mei­nem Ter­ra­ri­um mein Essen. Mor­gens einen fet­ten Mehl­wurm, hmmmm, lee­ecker, und nach­mit­tags was mit Frucht. Vit­ami­ne müs­sen auch sein. Ich sehe aus wie eine Maus, habe aber grö­ße­re Augen und rie­si­ge Ohren. Kommt mich doch auch mal besu­chen hier in Julia Creek. Mei­ne Pfle­ge­rin Kath­rin  erklärt euch alles genau.

Ja, viel hat sie erklärt und es gab einen Film und die Füt­te­rung zu sehen.

Abends fah­ren wir wie­der in ein Busch­camp. Unse­re Nach­barn Jeff und Ste­fa­nie vom vori­gen Camp sind auch da und so las­sen wir den Abend beim gemein­sa­men Bier und net­ten Gesprä­chen aus­klin­gen.

Am nächs­ten Tag fah­ren wir bis Rich­mond, wo wir Pau­se machen, in der Tou­ris­ten-Info stö­bern und uns ein paar alte Häu­ser und ein Muse­um anschau­en. Danach geht es nach Hug­hen­den. Dort gibt es einen alten Fried­hof zu bestau­nen. Außer­dem fol­gen wir gera­de der Dino­sau­ri­er-Rou­te. Es wur­den hier vie­le Über­res­te von Dino­sau­ri­ern gefun­den, unter ande­rem das fast voll­stän­di­ge Ske­lett eines 8 Meter gro­ßen Kro­no­sau­rus. Das Ske­lett ist aber nicht hier, son­dern an der Har­vard Uni­ver­si­tät in den USA zu sehen.

p1130948-2.jpg

Der Kro­no­sau­rus, hät­te ich vor­her noch nichts von gehört

Abends geht es zu einem kos­ten­lo­sen Camp, das hin­ter dem Prä­rie-Hotel liegt. Es gibt eine Busch-Dusche, die wir ger­ne in Anspruch neh­men. Da unser Cam­ping-Gas plötz­lich leer ist und auf die Schnel­le kein Ersatz zur Hand ist, essen wir im Hotel zu Abend.

20160917_185215

Das Prai­rie Hotel

20160917_185125

Dusche unter frei­em Him­mel

Mor­gens kön­nen wir zwei Stra­ßen wei­ter die Gas­fla­sche auf­fül­len las­sen. Heu­te fah­ren wir nach Char­ters Towers, das unse­re letz­te Sta­ti­on des Out­backs dar­stellt. Char­ters Towers war einst eine wich­ti­ge Stadt. Im Jah­re 1871 hat­te der Abori­gi­nal Jupi­ter Mos­man hier Gold gefun­den. Dar­auf­hin setz­te ein gro­ßer Gold­rausch ein und nach einem Jahr zähl­te man 3000 Gold­su­cher. Damals wur­de Char­ters Towers zur zweit­größ­ten Stadt in Queens­land und bekam den Spitz­na­men The World. Heu­te zeu­gen nur noch eini­ge schö­ne kolo­nia­le Bau­ten vom eins­ti­gen Reich­tum der Stadt und die Ein­woh­ner­zahl schrumpf­te auf ein Drit­tel von damals.

p1100862.jpg

Schö­ne Bau­ten in Char­ters Towers

p1100876-1.jpg

So eine pracht­vol­le Biblio­thek

Eine Nacht blei­ben wir auf einem Cam­ping­platz am Ran­de der Stadt. Hier ist dann auch das gro­ße Out­back-Aben­teu­er zu Ende. Als Nächs­tes erwar­tet uns die Ost­küs­te mit vie­len Sehens­wür­dig­kei­ten. (M)

Ker­mit-Log­buch Tag 33 – 41

Edith Falls – Daly Waters – Ten­nant Creek – Avon Downs – Mount Isa – Char­ters Towers
Kilo­me­ter: 2226
Camps:
Daly Waters Pub
Out­door Cara­van Park Ten­nant Creek
Avon Downs Free Camp
Mount Isa Cara­van Park
Max­welt­on Rest Area
Prai­rie Hotel Cam­ping
Char­ters Towers Tou­rist Park
Gesamt­ki­lo­me­ter : 6861