Aktua­li­siert Juni 2019

Litch­field Natio­nal Park wur­de uns von vie­len Leu­ten, mit denen wir unter­wegs spra­chen, als sehr besu­chens­wert emp­foh­len. Mehr noch als der grö­ße­re Kaka­du Natio­nal Park . Nach­dem wir das beschau­li­che Bat­che­lor (360 Ein­woh­ner), das sich als Tor zum Natio­nal­park anpreist, pas­siert haben, geht es über eine kur­vi­ge und hüge­li­ge Stra­ße hin­ein. Trotz der lan­gen Tro­cken­zeit gibt es mehr Grün in der Vege­ta­ti­on als im Kaka­du Natio­nal Park.

Straße im Litchfield National Park.

Auf dem Weg in den Litch­field Natio­nal­park.

Ter­mi­ten-Archi­tek­tur im Litch­field Natio­nal Park

Der ers­te Stopp zeigt uns ver­schie­de­ne Sor­ten von Ter­mi­ten­hü­geln. Die Cathe­dral Ter­mi­tes bau­en rie­si­ge, bis zu 8 Meter hohe Gebil­de, die mit ihren ver­schie­de­nen turm­ar­ti­gen Struk­tu­ren tat­säch­lich an Kathe­dra­len erin­nern.

Riesiger roter Termitenhügel.

Rie­si­ger Ter­mi­ten­hü­gel.

Noch erstaun­li­cher sind die Bau­ten der Magne­tic Ter­mi­tes. Flach wie Bret­ter sind sie mit ihren schma­len Sei­ten genau in Nord-Süd-Rich­tung aus­ge­rich­tet. So sor­gen sie dafür, dass die Son­nen­ein­strah­lung den Bau nicht über­mä­ßig auf­heizt. In einer gro­ßen Grup­pe über die Ebe­ne ver­teilt wir­ken sie wie ein skur­ri­les Grä­ber­feld.

Flache brettähnliche Termitenbauten.

Kein Grä­ber­feld, son­dern Ter­mi­ten­ar­chi­tek­tur.

Bekannt ist der Litch­field Natio­nal Park für sei­ne vie­len Was­ser­fäl­le, die im Unter­schied zum Kaka­du Natio­nal Park auch ohne 4WD-Auto erreich­bar sind. Ein gro­ßes Sand­stein­pla­teau spei­chert die reich­li­chen Was­ser­men­gen der Regen­zeit, so dass die Creeks und Was­ser­fäl­le auch jetzt noch flie­ßen.

Und die Kro­ko­di­le? In der Regen­zeit kom­men immer wie­der die gefähr­li­chen Sal­ties, die Salz­was­ser­kro­ko­di­le bis in die obe­ren Bach­läu­fe. Ende der Wet Sea­son wird „Kro­ko­dil­ma­nage­ment” betrie­ben. Die Bäche wer­den nach Sal­ties abge­sucht, mit Fal­len wer­den die­se ein­ge­fan­gen und in ande­re Gegen­den abtrans­por­tiert. Ver­mut­lich wer­den sie auch noch ermahnt, sich hier nicht mehr bli­cken zu las­sen…

Schild, dass über das Krokodil-Risiko informiert.

So geht das mit dem Kro­ko­dil­ma­nage­ment.

Damit gilt der Park als „wahr­schein­lich kro­ko­dilfrei” und die erhitz­ten Tou­ris­ten kön­nen sich unbe­sorgt in die natür­li­chen Pools stür­zen.

Bade­ver­gnü­gen am Flo­rence Creek

Was wir als ers­tes an den Buley Rock­ho­les tun. Der Flo­rence Creek fließt über meh­re­re Kas­ka­den in tief aus­ge­wa­sche­ne Fel­sen­be­cken mit sehr ange­neh­mer Was­ser­tem­pe­ra­tur. Wir tum­meln uns eine gan­ze Wei­le in dem Natur-Spaß­bad.

Gina schwimmt in einem Felspool vor einer kleinen Kaskade.

Tro­pi­sches Spaß­bad.

Etwas gedämpft wird die aus­ge­las­se­ne Stim­mung, als Mar­cus sich schwung­voll in die Flu­ten wirft, dabei lei­der ver­gisst, dass sei­ne Son­nen­bril­le läs­sig auf dem Kopf sitzt…äh, saß. Nun liegt sie auf dem Grund eines tie­fen Pools und alle Tauch­ver­su­che blei­ben erfolg­los. Ob wohl in der nächs­ten Wet Sea­son ein Croc mit einer coo­len Son­nen­bril­le Schlag­zei­len machen wird?

Bush­camp an den Flo­rence Falls

Weni­ge Kilo­me­ter wei­ter liegt unser Camp für unse­re ers­te Nacht im Park. Es ist ein ein­fa­cher Camp­ground des Natio­nal­parks, wie­der ohne Strom und Trink­was­ser, aber Duschen und Toi­let­ten gibt es. Die gerin­ge Gebühr von umge­rech­net 8,60 Euro pro Nacht wird in einem Umschlag in die soge­nann­te Hones­ty Box ein­ge­wor­fen.

Grüner Campervan steht auf Platz mit roter Erde.

Bush­camp Flo­rence Falls.

Nach­dem wir uns einen Platz aus­ge­sucht haben, gehen wir hin­un­ter zu den Flo­rence Falls. Von einer Aus­sichts­platt­form haben wir einen Blick auf den dop­pel­ten Was­ser­fall und den Plun­ge Pool unten im dich­ten Wald.

Felsbecken, in das zwei hohe Wasserfälle fallen.

Flo­rence Falls. Da unten war­tet der Bade­spaß.

Der kur­ze Weg führt über vie­le Stu­fen hin­ab. Auch hier ist wie­der Baden ange­sagt, über Fels­blö­cke am Rand des Pools tas­ten wir uns ins Was­ser und schwim­men bis zur Fels­wand gegen­über, bis uns der Was­ser­fall auf den Kopf pras­selt.

Abends im Camp ist es stock­fins­ter. Der Mond scheint nicht, über uns schim­mert die Milch­stra­ße und das Kreuz des Südens. Es gibt kein elek­tri­sches Licht, noch nicht mal im Wasch­haus. So spü­len wir im Schein unse­rer Stirn­lam­pen und zum ers­ten Mal in mei­nem Leben dusche ich mit Stirn­lam­pe!

Wan­de­rung zum Tol­mer Fall im Litch­field Natio­nal Park

Der nächs­te inter­es­san­te Punkt auf der Rou­te ist der Tol­mer Fall. Nicht zum Schwim­men, nur zum Gucken. Lei­der fin­den wir eine gro­ße Bau­stel­le auf dem Park­platz vor, als wir dort ankom­men. Der kur­ze Weg zur Aus­sichts­platt­form ist gesperrt, als Alter­na­ti­ve gibt es einen Walk ent­lang der Schlucht, der etwa eine Stun­de dau­ern soll. Also Flip­flops gegen Wan­der­stie­fel getauscht und los. Die meis­ten Tou­ris­ten fah­ren ent­täuscht wie­der weg, nach­dem sie die Bau­stel­le sehen. Wir haben den Weg für uns allein.

Es ist eine wun­der­schö­ne Wan­de­rung durch den Bush und über Fels­pla­teaus ent­lang der Schlucht. Von Aus­sichts­punkt ist zwar nicht viel von Was­ser­fall zu sehen, dafür ist der Fels­bo­gen dar­über gut zu erken­nen.

Gina blickt auf den Wasserfall in der Ferne.

Aus­sichts­punkt Tol­mer Fall im Litch­field Natio­nal Park.

Die Cas­ca­des im Litch­field Natio­nal Park

Wei­ter geht es zu den Cas­ca­des, wo der Andrang an baden­den Tou­ris­ten nicht ganz so groß sein soll wie an den Haupt­at­trak­tio­nen Flo­rence Falls und Wan­gi Falls. Wan­der­we­ge füh­ren zu den Lower Cas­ca­des und den Upper Cas­ca­des. Wir ent­schei­den uns für den kür­ze­ren Weg zu den Lower Cas­ca­des und wol­len die Stre­cke in Flip­flops bestrei­ten, nach­dem wir eine Grup­pe haben zurück­kom­men sehen, die eben­falls nur mit Flip­flops aus­ge­stat­tet war. Ein Feh­ler! Mer­ke: Aus­tra­li­er lau­fen die haar­sträu­bends­ten Wege in Flip­flops. Der Weg beginnt täu­schend leicht als ebe­ner Spa­zier­weg. Dann geht es am Bach ent­lang, über Wur­zeln und mat­schi­ge Stel­len. Geht auch noch.

Steg aus Metallgitterplatten führt über steiniges Bachbett.

Der Steg des Grau­ens.

Nach­dem wir über einen stäh­ler­nen Steg den Bach über­quert haben, geht die Klet­te­rei über stei­le, rut­schi­ge Fels­blö­cke los. Zwi­schen­durch mal wie­der ein Stück durch den Wald, zum Erho­len, dann wie­der ner­ven­auf­rei­ben­de Klet­te­rei. Als wir ein Fel­sen­be­cken errei­chen, in das eine schö­ne Kas­ka­de plät­schert, beschlie­ßen wir, dass es reicht, auch wenn wir die Lower Cas­ca­des wohl noch nicht erreicht haben.

Gina am Rand des Felspools.

Hof­fent­lich lau­ert da kein Kro­ko­dil drin…

Vor­sich­tig las­sen wir uns ins Was­ser glei­ten. Auf­ein­an­der geschich­te­te Fel­sen bil­den gro­ße Spal­ten unter Was­ser. Da könn­te sich bestimmt ein Kro­ko­dil ver­ste­cken. Hof­fent­lich haben die beim Kro­ko­dil­ma­nage­ment gan­ze Arbeit geleis­tet! Ein biss­chen unheim­lich ist es schon, so ganz allei­ne in dem wil­den Bach zu schwim­men. Aber wir enden nicht als Imbiss für Schnap­pi und auch den Rück­weg, der wahr­schein­lich viel gefähr­li­cher ist, über­ste­hen wir unbe­scha­det.

Maskottchen Reise-Ringel am Bach.

Rei­se-Rin­gel und der Bach.

Nach einer Spa­zier­fahrt zum Par­ken­de und zurück, um die Bat­te­rie für den Kühl­schrank etwas zu laden steu­ern wir den Natio­nal­park-Camp­ground bei Wan­gi Falls an. Hier gibt es sogar Licht im Wasch­haus.

Wan­gi Falls

Zur Abküh­lung geht es sofort zum ziem­lich gro­ßen Plun­ge Pool (wie heißt das auf Deutsch? Ich hab kei­ne Ahnung…). Jetzt am spä­ten Nach­mit­tag ist der Haupt­and­rang vor­bei. Beton­stu­fen ermög­li­chen einen beque­men Ein­stieg ins Was­ser und in dem wei­ten Was­ser­be­cken kön­nen wir rich­tig schwim­men.

Gina steht vor einem kleinen See, im Hintergrund kommt ein schmaler Wasserfall die Felswand herunter.

Wan­gi Falls im Abend­licht.

Ich ver­su­che, nicht dar­über nach­zu­den­ken, ob sich in dem dicht bewach­se­nen Ufer an der Sei­te nicht doch ein Kro­ko­dil ver­ste­cken könn­te. Es däm­mert schon, als wir zum Camp zurück­keh­ren.

Als es dun­kel wird, fängt es um uns her­um an zu rascheln. Das sind wir schon gewöhnt, klei­ne Tie­re wie Frö­sche oder Goan­nas (eine Art Eidech­se) bewe­gen sich durch das tro­cke­ne Gelän­de.

Doch dies­mal hört es sich nach grö­ße­ren Tie­ren an. Als wir ins Unter­holz leuch­ten, erbli­cken wir sie: Wal­la­bies, klei­ne Kän­gu­rus, man­che mit klit­ze­klei­nen Jun­gen. Abends auf dem Weg zum Wasch­haus tref­fen wir sie, nachts sehen wir im Schein des mitt­ler­wei­le auf­ge­gan­gen Mon­des ihre Sil­hou­et­ten (wir schla­fen bei der Wär­me mit offe­ner Sei­ten­tür, seit wir uns aus Flie­gen­git­ter und Wäsche­klam­mern einen pro­vi­so­ri­schen Mücken­schutz gebas­telt haben).

Mor­gens beim Früh­stück ent­zückt uns eine Kän­gu­ru­ma­ma mit Kind, die nicht weit ent­fernt durch das Gestrüpp wei­det. Außer­dem bekom­men wir ein groß­ar­ti­ges Unter­hal­tungs­pro­gramm von einem Bower Bird gebo­ten, der für sei­ne Liebs­te einen skur­ri­len Balz­tanz auf­führt.

Edith Falls im Nit­mi­luk Natio­nal­park

Bevor wir uns auf den Weg Rich­tung Süden machen, schwim­men wir noch eine Abschieds­run­de an den Wan­gi Falls. Dann ver­las­sen wir den Litch­field Natio­nal Park, der uns sehr gut gefal­len hat.

Schild am Ausgang vom Litchfield National Park.

Good Bye, Litch­field Natio­nal Park!

Über den Stuart High­way geht es Rich­tung Kathe­ri­ne. Etwa 60 Kilo­me­ter vor Kathe­ri­ne bie­gen wir ab zu den Edith Falls, wo wir noch ein­mal eine Nacht in einem Natio­nal­park-Camp ver­brin­gen. Edith Falls gehört zum Nit­mi­luk Natio­nal Park.

Schwimmer im See vor Felskulisse und Wasserfall.

Klei­ner Was­ser­fall, gro­ßer Pool.

Der Was­ser­fall sel­ber ist nicht sehr beein­dru­ckend, aber der Fels­kes­sel, der das rie­si­ge Was­ser­be­cken umgibt ist umso schö­ner. Oran­ge-brau­ne Fels­wän­de leuch­ten warm im Abend­licht, satt­grü­ne Vege­ta­ti­on säumt die fla­che­ren Ufer und den Abfluss aus dem klei­nen See.

Abfluss aus dem See mit grüner Vegetation an den Ufern.

Ob hier die Fres­hies woh­nen?

Die Schwimm­stre­cke zum Was­ser­fall und zurück ist bei der Aus­deh­nung des Pools schon sport­lich. Da bleibt nicht viel Zeit dar­über nach­zu­den­ken, dass der jun­ge Mann an der Rezep­ti­on uns gesagt hat, an Kro­ko­di­len gebe es hier nur Fres­hies. Und die sei­en Vege­ta­ri­er.

Infos zum Litch­field Natio­nal Park

  • Hin­kom­men: Der Litch­field Natio­nal Park liegt etwa 120 Kilo­me­ter süd­öst­lich von Dar­win und ist über gute, befes­tig­te Stra­ßen bequem zu errei­chen. Ein Gelän­de­wa­gen ist für die­sen Weg nicht not­wen­dig.
  • Öff­nungzeiten: Der Park ist ganz­jäh­rig geöff­net. In der Regen­zeit (Okto­ber bis April) kann es über­all im Nort­hern Ter­rito­ry zu Stra­ßen­sper­run­gen oder ande­ren Ein­schrän­kun­gen kom­men. Über die­sen Link kannst du che­cken, ob der Park tat­säch­lich geöff­net ist.
  • Über­nach­ten: Im Litch­field Natio­nal Park gibt es ver­schie­de­ne, ein­fa­che Camps, auf denen du über­nach­ten kannst. Die von uns beschrie­be­nen Flo­rence Falls und Wan­gi Falls sind über nor­ma­le Stra­ßen zugäng­lich. Hotels fin­dest du außer­halb des Parks.
  • Schwim­men: Es gibt eini­ge offi­zi­ell zuge­las­se­ne Bade­mög­lich­kei­ten im Litch­field Park. Benut­ze nur die­se und beach­te die Warn­hin­wei­se. In der Regen­zeit kön­nen sie wegen Kro­ko­dil­ge­fahr gesperrt sein!

Road­trip mit Ker­mit Log­buch Tag 30 – 32

Dar­win – Litch­field Natio­nal­park – Edith Falls  (Nit­mi­luk Natio­nal­park)

Kilo­me­ter: 505

Camps: Flo­rence Falls Camp

Wan­gi Falls Camp­ground

Edith Falls Camp­ground Nit­mi­luk Natio­nal­park

Gesamt­ki­lo­me­ter: 4635